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  #1  
Alt 03.09.2006, 14:12
Benutzerbild von peakbagger
peakbagger peakbagger ist offline
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Registriert seit: 30.05.2005
Ort: Münster
Beiträge: 245
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Standard Huascaran

Hallo!
Da mich matis im Thread "Llanganuco - Santa Cruz Trek" um Tipps in Sachen Huascaran gebeten hat, der Berg aber wohl nicht mehr ganz als Trekkingbuckel einzustufen ist, stelle ich meine Antwort mal lieber hier rein. Ist ja vielleicht auch für andere von Interesse...
Die Besteigung war bei mir ein Drama in zwei Akten:
1.Akt: 2000
Nach Akklimatisation am Sta. Cruz-Trek und am Pisco ging ich mit einem in der Gasa de Guias angeheuerten Führer (Victorino) den Huascaran an, natürlich ohne Mulis etc.
1. Tag: Huaraz - Musho - Base Camp (4200m)
2. Tag: BC - Camp 1 (5300m)
3. Tag: C1 - C2 (5900m)
Die ersten beiden Tage liefen soweit ganz OK auch wenn der Rucksack natürlich ganz schön gezwiebelt hat. Am 3. Tag sollte es bis zur Garganta gehen. Dazu musste aber auf etwa 5600m ein etwa 50m hoher, teilweise senkrechter Eisschlauch überwunden werden. Es hat trotz mehrerer Seilschaften über zwei Stunden gedauert, bis die Stelle mit Fixseilen versichert war. Sowas war ich noch nie zuvor gekraxelt aber per Prusik und mit Frotalzacken ging es dann irgendwie doch. Nachdem ich schon oben war, hat mein Führer noch weiteren Bergsteigern geholfen, durch den Schlauch zu kommen. Dabei rutschte ein Träger aus und seine Steigeisen rissen Victorinos Wade auf. Wenn der Arzt einer österreichischen Gruppe nicht erste Hilfe geleistet hätte, wäre mein Führer wohl verblutet. Er wurde dann auf einer behelfsmäßigen Trage ins Tal und ins Krankenhaus gebracht. Die Leute, die schon oben waren, haben von alledem nichts mitbekommen. Irgendwann kam ein weiterer Bergsteigen von unten herauf und sagte mir, dass mein Führer einen Unfall gehabt hätte und ich jetzt auch absteigen müsste. Das passte mir natürlich überhaupt nicht in den Kram, andererseits konnte ich auch nicht alleine weitergehen. Zum Glück wurde ich dann von zwei Franzosen adoptiert, die gerade vom Alpamayo kamen, also ziemlich fähige Leute waren. Leider bekam einer von beiden noch vor der Garganta so heftige Magenschmerzen, dass die beiden Franzosen umkehrten. Nun war ich wieder allein. Diesmal fand ich Anschluss an ein Pärchen (Victor + Michelle) aus Südafrika, die mit einem Führer namens Santiago unterwegs waren. Irgendwann war dann die Garganta erreicht. Im Gespräch mit dem Pärchen erfuhr ich, dass ihr Führe nicht gerade einen klettertechnisch soliden Eindruck gemacht hatte...
4. Tag: C2 - 6200m - C2 - C1 - Campo Frances (4700m)
Gegen halb drei ging's los Richtung Gipfel, allerdings ohne Michelle, die sich nicht wohlfühlte. Auf etwa 6200m kamen wir an eine gut 1m breite Querspalte. Es war noch ziemlich dunkel. Santiago kam ohne Problem über die Spalte. Dann war ich dran. Santiago hielt oben einfach das Seil in der Hand und meinte wohl, das sei eine Sicherung. Ich machte einen großen Schritt und haute zur Unterstützung den Eispickel in die gegenüberliegende Firnwand. Leider traf ich aber auf Blankeis, der Pickel rutschte ab und ich fiel in die Spalte. Zum Glück nur etwa drei Meter tief auf eine Schneeabsatz. Ansonsten wäre ich wohl in eine großes blaues Kirchengewölbe gerutscht, jedenfalls konnte man sowas erahnen. Was mich im Endeffekt gerettet hat, war Victors eingerammter Pickel, der dem "Führer" (der sich nach späterer Rücksprache in der Casa de Guias als Träger herausstellte) zurecht misstraute. Nachdem ich mich von der Adrenalindusche erholt hatte, merkte ich dass die BEIDEN anderen vom unteren Spaltenrand auf mich herabschauten. Offenbar war Santiago talwärts über die Spalte geflogen. Er gab mir dann noch den tollen Tipp, ich solle rausklettern. Tja, war gar nicht so einfach, auch wenn es nur gut zwei Meter waren (A-Spalte, 6200m, angeknackstes Nervenkostüm). Irgendwann war ich dann wieder draußen, worauf Santiago vorschlug, es nochmal zu probieren. Victor hatte mir zwischenzeitlich gestanden, dass dies sein erster Schneeberg wäre und er ziemlich die Nase voll hätte. Tja, wir trösteten uns beim Abstieg dann damit, dass wir ja ächstes Jahr wiederkommen könnten. Es wurde ein perfekt sonniger Tag - mit dem schweren Rucksack der Niederlage auf dem Rücken...
5. Tag: Campo Frances - Musho - Huaraz
Wie ein geprügelter Hund schlich ich zurück nach Musho und fuhr zurück nach Huaraz. Natürlich habe ich Victorino noch im Krankenhaus besucht und ihm den Lohn für die kompletten sechs Tage gegeben. Schließlich würde er fürs erste nicht mehr arbeiten können.
...
2. Akt: 2001
Die Story ist relativ schnell erzählt: Nach der Höhenanpassung am Urus und am Ishinca habe ich in sechs Tagen den Huascaran mit einem Führer (Julio) und einem freundlichen jungen Herrn (der seitdem den Namen rene6768 trägt) relativ (!) problemlos bestiegen, wenn man von einer zu überspringenden und einer fies verdeckten Spalte (in die wir ohne Führer wahrscheinlich reingelatscht wären), einer fragilen Eiszunge (letztes Bild) und einem kleineren Pendelsturz meinerseits beim Abstieg von den Garganta absieht. Weder die Eiswand noch "meine" Spalte vom letzten Jahr habe ich wiedererkannt. Leider waren meine Begleiter nur wenig scharf darauf, nach dem Südgipfel noch den Nordgipfel dranzuhängen. Ich habe kurz über einen Alleingang nachgedacht aber dann zähneknirschend doch darauf verzichtet.
Man kann sich denken, dass ich den Weg nach Musho in gegenüber dem letzten Jahr leicht veränderter Stimmung zurückgelegt habe...
...
Der dritte Akt am Huascaran wird sich dann wohl in ein paar Jahren (?) mit dem Nordgipfel befassen. Es scheint, dass sich die Jahre häufen, in denen der Hauptgipfel über die Normalroute kaum zu besteigen ist. Entweder muss man dann auf die steilere Shield-Route ausweichen oder sich mit dem Nordgipfel zufrieden geben.
Ich hoffe, der Bericht (und die Fotos - die ersten drei von 2000, die anderen von 2001) machen deutlich, dass der Huascaran kein Latschberg a la Aconcagua ist und dass man sich gut überlegen sollte, bei wem man sich ins Seil einbindet...
Allen Aspiranten viel Glück und viel Erfolg!
LG
Klaas
Miniaturansicht angehängter Grafiken
600huas_sur2.jpg   600huas_eisbruch2.jpg   600mg057.jpg   600huas_abstieg_rene.jpg  

600huas_abstieg1.jpg  
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  #2  
Alt 03.09.2006, 18:08
Benutzerbild von matis
matis matis ist offline
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Registriert seit: 18.05.2004
Ort: zu Erlangen
Beiträge: 210
Galerie: 19
Standard AW: Huascaran

Hallo Forumsteilnehmer,
erstmal vielen Dank Klaas für deinen Bericht hier im Forum.
Ich halte es für wichtig, den persönlichen Eindruck zu vermitteln, da man die Routenbeschreibung aus den Büchern sich anlesen kann.
Mit freundlichen Grüßen
Matis, der Junge aus Norwegen
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