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Alt 07.09.2009, 17:02
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riverbum riverbum ist offline
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Standard reisebericht: Wanderurlaub auf Kamtschatka

Wanderurlaub auf Kamtschatka
1 Tag hin - 1 Tag da – 1 Tag zurück




Nebel, unter 50 m Sicht - Schotterpiste, 80 Km pro Stunde.


Lässig bringt Serje den ausgebrochenen Jeep mit einer Hand unter Kontrolle, mit der anderen raucht er und nimmt einen Schluck aus der Weißweinflasche. Mit großen Augen sitzen wir auf der Rückbank, während er weiter die einzige „Straße“ des Južno-Kamtschatskij-Nationalparks entlang rast.


Vor vier Tagen sind wir in Petropavlovsk-Kamtschatskij gelandet und nach einem kurzen Abstecher auf den Avatschinskij-Vulkan sind wir nun auf dem Weg zum Mutnovskij und Gorelyj, um hier fünf Tage zu wandern und diese Vulkane zu besteigen. Bis Thermal’nyj, letzter Ort vor dem Park, fährt ein Bus, dann geht es nur noch per Anhalter weiter. Und so sitzen wir bei Serje und Wowa in ihrem Jeep. Alle 30 Minuten halten wir an, um die Landschaft zu genießen und einen Wodka zu trinken. Nach kurzer Zeit haben die beiden uns überredet, erst mal mit Ihnen am Asatscha-Fluss angeln zu gehen, zu den Vulkanen können Sie uns auch morgen fahren.


Wowas Jagdhütte liegt bei einer Goldmine am Ende der “Straße“. Von hier ist es dann mit Jeep und zu Fuß noch mal eine Stunde bis zum Fluss. Gespannt folgen wir den beiden durch den Wald. Eventuell anwesende Bären werden durch gelegentliche Warnschüsse aus einer uralten Flinte vertrieben. An einem wunderbaren Angelplatz, genannt Aquarium, ziehen wir in den nächsten Stunden einige Saiblinge an Land und bewundern die ersten ziehenden Lachse. Als es langsam dunkel wird, brechen wir auf. Allerdings nicht in die Richtung, aus der wir gekommen sind. Nach dreißig Minuten Fußmarsch erreichen wir eine kleine Hütte in der Wildnis. Bei Jura und Sergej, die hier als Jäger und Angler leben, verbringen wir die Nacht. Zum Abendessen wird ein Drei-Kilo-Lachs gegrillt, die Saiblinge sind gerade gut genug für eine Suppe.


Sechs ungewaschene Männer in einer gut isolierten Einraum-Hütte mit 15 m². Wir haben sicher schon mal besser geschlafen. Aber zum Frühstück überraschen uns unsere Gastgeber mit einer besonderen Köstlichkeit: fangfrischer Lachskaviar. So gestärkt lassen wir uns leicht von Juras Vorschlag begeistern. Statt mit dem Jeep zurückzufahren, können wir direkt von seiner Hütte eine Wanderung zu einigen heißen Quellen beginnen. Die Beschreibung klingt wunderbar: Einen Tag hin, einen Tag da, einen Tag zurück. Unsere Bedenken über unserer unzureichenden Karte mit dem Maßstab 1:1.000.000 werden umgehend zerstreute: „Kein Problem! Immer nach Westen, den Fluss entlang, dann an der Furt nach Süden in die Tundra abbiegen. Bolschoj Trappa - großer Pfad, nicht zu übersehen.“


Nach einem weiteren Angeltag mit „Vollpension“ machen wir uns also am Morgen frohen Mutes auf den Weg zum Chodutka-Vulkan, an dessen Fuß die Quellen liegen.


Sechs Tagen später werden wir wieder zurück sein.


Zunächst folgen wir dem Pfad durch lichten Birkenwald und Hochstauden entlang des Flusses. Alle paar Minuten rufen wir laut, um die Wirkung unserer Bärenglocken zu verstärken. So verläuft die erste Begegnung mit einer Bärenfamilie entspannt: nachdem wir uns gegenseitig eine Weile aus der Entfernung beäugt haben, zieht jeder seines Weges.


Gegen Abend führt ein gut sichtbarer Pfad die Uferböschung hinab, am anderen Ufer ist Tundra zu sehen. Wir haben die Furt gefunden. Ruck zuck ist nach der Querung das Zelt aufgebaut und ein Rissotto mit frischen Pilzen angerichtet. Als ein Bär 15 Meter vom Zelt seinen Kopf aus dem Gebüsch steckt, erstarren wir vor Schreck. In Kamtschatka gibt es eine der dichtesten Braunbärenpopulationen der Welt und nach dem Kodiak-Grizzly sind es die größten Ihrer Art. Doch auch Meister Petz erschreckt sich und rennt im Galopp davon. Das Essen hängen wir für die Nacht in die einzig höhere Birke im Umkreis. Einer ernsthaften Bärenattacke wird sie jedoch kaum standhalten.


In der Morgensonne ist unser Ziel, der Chodutka, klar zu erkennen. Wir nehmen Peilung und laufen los. Sechs Stunden und drei Kilometer Luftlinie später gestehen wir uns endlich ein, dass der Pfad unmöglich durch den dichten Stalnik (Erlen- und Kieferngebüsch) führt und steigen von den Hügeln in ein Tundratal im Westen ab. Und finden wir auch den Pfad wieder, wir hatten den Fluss zu früh gequert. Zügig geht es nun trotz der müden Füße voran, doch die Quellen erreichen wir erst am nächsten Mittag. Das kleine Hütten-Camp am Thermalsee überrascht uns, hatten wir doch Einsamkeit erwartet. Aber es tut gut, die steifen Muskeln im heißen Wasser auszustrecken. Wir genießen die anderthalb Tage hier in vollen Zügen, vertrödeln die Zeit mit Beerensammeln und Baden. Nicht mal die per Hubschrauber eingeflogenen Jagdtouristen können unsere Laune trüben.


Auch Dank der breiten Spur einer fünfköpfigen, geführten Wandergruppe, die am Tag vor uns losgelaufen ist, verläuft der Rückweg in anderthalb Tagen ohne großes Suchen. Noch einmal bewundern wir die Tundra, die sich langsam herbstlich einfärbt und den Anblick der vielen Bären. Einer fischt am Abend im Asatscha-Fluss, währen wir auf der Böschung kochen. 12 Stück haben wir insgesamt gesehen, zum Glück ergriffen alle die Flucht oder ließen sich nicht stören.


Erst in der Hütte an der Goldmine treffen wir Jura und Sergej wieder, den Jeep haben wir um zwei Stunden verpasst. Wir wollen Ihre Gastfreundschaft nicht weiter beanspruchen und laufen nach einem köstlichen Wildhaseneintopf trotz ihres heftigen Widerspruchs weiter. Immerhin hoffen wir darauf, an diesem Sonntagnachmittag doch noch von einem Auto mitgenommen zu werden. Vier Stunden und einige Kilometer später sehen wir unseren Irrtum ein und schlagen das Zelt auf. Wenn kein Auto kommt, sind es entlang der Piste 80 km Marsch bis zum Mutnovskij. Und ohne ordentliche Karte werden wir uns nicht noch einmal querfeldein bewegen. Erst am nächsten Mittag nimmt uns eine Familie in ihrem selbstgebauten Wohnmobil mit. Doch statt uns zur gewünschten Straßenkreuzung zu bringen, stoppt der Fahrer einige Kilometer vorher an der Nordflanke des Gorelyj. Von hier sind es zu Fuß bis zur Hütte am Mutnovskij nur 12 km, er sei dass ganze im Winter schon mal mit dem Schneemobil gefahren. Der Pfad sei nicht zu verfehlen. So so, das kennen wir doch schon.


Doch diesmal können wir der Fahrspur tatsächlich problemlos folgen, trotz der miserablen Sicht. Wir kommen uns vor wie im Lande Mordor, während wir durch diese Landschaft aus Nebel und schwarzem Vulkangestein laufen. Plötzlich taucht aus dem Nebel eine Krähe auf, umkreist uns zweimal und verschwindet krächzend. Ein böses Omen? Doch lediglich das Wetter bleibt schlecht, der Mutnovskij - der Trübe - macht seinem Namen alle Ehre. Trotzdem ist der Anblick der rauchenden Schwefelquellen und zischenden Fumarole im Krater des Vulkans am nächsten Tag beeindruckend. Und abends entspannen wir uns in der kleinen Banja, also einer Sauna, an der unbewirtschafteten Berghütte.


Wie zum Hohn lacht die Sonne über den wolkenfreien Vulkanen, als wir am folgenden Tag den Park verlassen. Nach 12 Tagen sind alle Vorräte aufgebraucht und die Besteigung des Gorelyi müssen wir aufs nächste Mal verschieben. Aber wir sind uns sicher, wir werden wiederkommen!
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