Vermisst! -
Notfallvorsorge nicht nur, aber insbesondere für Trekker, die alleine unterwegs sind
Dieser Artikel (größtenteils eine Zusammenfassung aus den entsprechenden Threads) soll Tipps und Hinweise geben, wie man im Falle eines Falles ohne größeren Aufwand für eine schnelle und effiziente Rettungsaktion vorsorgen kann.
Trekkingtouren in Nepal im Alleingang zu erleben, hat seinen ganz besonderen Reiz und ist für manche Reisende alternativlos – auch wenn die Botschaften in ihren Sicherheitshinweisen eindringlich davon abraten.
Allein Reisende sind einigen erhöhten Risiken ausgesetzt, insbesondere wenn sie abseits der „Trekkingsautobahnen“ oder außerhalb der Hauptsaison unterwegs sind.
Immer wieder verschwinden Trekkingtouristen (nicht nur) in Nepal. Manche bleiben über Jahre oder für immer verschollen, andere werden zufällig oder im Rahmen umfangreicher Suchaktionen gefunden – die Mehrzahl leider nicht lebend. Abgesehen von wenigen Ausnahmen (z.B. Lawinen- und Felssturzunglücke) wurden bisher in Nepal nahezu ausschließlich Einzelreisende vermisst.
Natürlich "verschwindet" die Mehrzahl der (auch alleine) reisenden Trekker definitiv nicht. Daher kein Grund zur Panik.
Für die Freunde und vor allem die Familie eines Vermissten ist dies der absolute Supergau. Die Ungewissheit über den Verbleib und die Verfassung des Vermissten ist weitaus schlimmer als eine Todesmeldung. Auch noch nach vielen Jahren, selbst wenn die Person offiziell für tot erklärt wurde, ist da die nagende offene Frage nach dem was passiert sein mag, und weil die Hoffnung nie ganz aufgegeben wird und werden kann, können die Angehörigen
keinen Abschluss finden. Das gilt für alle Vermisstenfälle – nicht nur in Nepal, nicht nur bei Touristen und nicht nur bei akzidentiellen Ursachen.
Rettungsaktionen haben naturgemäß ein
sehr enges Zeitfenster. Die schlechte Prognose für Vermisste in Nepal hängt – abgesehen von Fällen, in denen die Personen durch Absturz, Lawine, Höhenkrankheit etc. sofort oder in kürzester Zeit versterben – insbesondere von der oftmals enormen Zeitspanne zwischen dem Insult und der Vermisstmeldung bei der entsprechenden Botschaft und der Einleitung der Suchmaßnahmen ab, hinzu kommt mitunter eine wenig effiziente Suchaktion.
Was kann einem theoretisch alles passieren:
Risiko Nr. 1: Erkrankung, Verletzung, Unfall, z.B. Höhenkrankheit, Gastroenteritis, Bronchitis/Pneumonie, Erschöpfung, Unterkühlung, Dehydratation, Distorsionen, Frakturen, Bandscheibenvorfälle oder Sturz/ Absturz/Abrutschen, Sturz in Fluss, Verschüttung...
Risiko Nr. 2: (Rück-)Weg verfehlen, sich verlaufen. Z.B. wegen schlechter Karten, Fehler bei der Navigation, falscher/ falsch verstandener Wegbeschreibung, überwucherter oder verschütteter Pfade, Abzweig verpasst, Nebel, Schneefall, Abkürzung, falsches Tal erwischt...
Risiko Nr. 3: Durch Unwetter/ Schnee/ Nebel oder Versteigen/ in tot endenden Tälern irgendwo festsitzen
Risiko Nr. 4: Gewalttaten (Überfall, Raub, Vergewaltigung)
Was man im Vorfeld eines potentiellen Notfalls tun kann:
Im Falle eines Unfalls/ Verlaufens ist es wichtig, dass möglichst schnell am richtigen Ort gesucht wird.
Für den Fall dass was passiert, erleichtert man den Angehörigen, den Botschaften und den Suchmannschaften am Boden und in der Luft die Arbeit ganz erheblich, wenn diese möglichst häufige "Standortmeldungen" nachvollziehen können und die Kostenübernahme für die Rettungsmaßnahmen im Vorfeld abgeklärt und hinterlegt werden.
Freiwillige Registrierung
Das heißt, die eigene (geplante) Route, Aufenthaltsdauer, Hotel, Angaben zu Versicherungen, Kostenübernahme, Ansprechpartner im Heimatland usw. bei der jeweiligen Botschaft angegeben werden, und dass sich der Reisende nach der Tour wieder dort
abmeldet. (!)
Für Deutsche:
im freiwilligen Registrierungsformular für Kurzzeitaufenthalte der Deutschen Botschaft
(neuer Link
https://service.diplo.de/elefandexte...on!form.action
Ähnliches für Schweizer:
Schweizer Botschaft: Il est recommandé aux personnes voyageant seules de laisser à l'Ambassade de Suisse à Katmandou leurs coordonnées, un itinéraire de voyage et des adresses de contact au Népal et en Suisse.
kat.vertretung@eda.admin.ch
Für Österreicher:
¤*#Die Registrierung ist beim Konsulat unter Angabe der Trekking-Route vorzunehmen. Das Formular kann über E-Mail angefordert werden:¤*#autconktm(at)wlink.com.np
Die Botschaft kümmert sich dann um alles Weitere, z.B. die Vermisstenanzeige bei der Polizei, Chartern von Helikoptern für Suchflüge, Kontakt zur Versicherung mit Kostenfreigabe usw. Die nepalische Polizei verfügt über eine Spezialeinheit für Vermisstensuchen.
Suchmaßnahmen werden entweder bei einem Notruf oder einer Vermisstmeldung eingeleitet.
Damit man vermisst gemeldet wird, muss man aber erst mal vermisst werden!
Zuverlässigkeit und Regelmäßigkeit können lebensrettend sein. Man sollte möglichst
regelmäßig kurzen Kontakt mit Freunden/Familie/Agentur oä. halten. Eine einfache kurze SMS pro Tag oder in abgesprochenen Abständen von wenigen Tagen hilft schon enorm weiter ("Alles ok", am besten verbunden mit dem Aufenthaltsort).
Wenn zuverlässige, regelmäßige Rückmeldungen plötzlich ausfallen, wird schneller eine Vermisstensuche eingeleitet.
Sollte man sich außerhalb des Netzes befinden, ist nicht nur die
Abmeldung („bin vorerst nicht erreichbar“) sinnvoll, sondern auch die Angabe der geplanten Wegstrecke, samt Etappenziele, und der geplante „Wiedereintritt“ in die Kommunikationswelt. Dies alles kann z.B. vom letzten Internetcafé vor dem Funkschatten aus per Email oder Blog geschehen.
Hier noch ein Zitat von David Spollen, Vater von Jonathan Spollen, der seit Mitte Februar 2012 in Nordindien vermisst wird:
„…. To you and everyone else, he is a fellow traveller you might bump into in a cafe or on a mountain trail. How many other young men and women are there in the foothills of the Himalayas who are lost to their families but not to themselves?
This is why I always say to travellers on the road - text or call your family! You have no idea how much it means to them. You may think, because you are on the road, among friends, discovering a different way of life, that it is enough for your family to hear from you every few weeks. Maybe it's enough for you, but for them, you are in a strange world they can never hope to understand unless they have been to India themselves. It's also for your own safety, so that someone knows where you are, or where you can be found. This information can be amazingly important, and it only takes a couple of minutes of your time. If you haven't been in touch in the last week, go on, go on, go on, go on, go on, go on, GO ON!!!“
Aus letzter Meldung und letztem nachvollziehbaren Standort kann das Suchgebiet recht gut eingegrenzt werden. Die Suchmaßnahmen umfassen u.a. routinemäßig das Kontrollieren von Eintrittsbüchern der Nationalparks, der Registrierbücher und Gästebücher in den Gästehäusern entlang des vermuteten Weges und die Befragung von Einheimischen und Touristen in der Suchregion.
BITTE In allen Übernachtungsstellen / Parkregistrierungen mit dem vollen Namen + Datum und GUT LESBAR in die Gästebücher/ Registrierungen eintragen.
Den weiteren
Weg und das beabsichtigte
Ziel dem Herbergsinhaber vor Abmarsch mitteilen.
Kontakt mit anderen Reisenden in den Herbergen oder unterwegs suchen und sich am nächsten Etappenziel verabreden. Wenn einer von beiden nicht auftaucht, stimmt womöglich etwas nicht und erste Maßnahmen können sofort vor Ort eingeleitet werden. Außerdem gibt es durch die Unterhaltungen später
Hinweise darauf, wie die gesundheitliche und körperliche Verfassung des Vermissten war und welche potentiellen Ziele/ Wege er angepeilt haben könnte.
Im Zweifel zwischendurch in Orten nach dem
Weg fragen und sagen, woher und wohin (man wird sowieso immer mit freundlicher Neugierde nach seinem Heimatland und seinem Namen gefragt... wenn man ebenso freundlich darauf antwortet, erinnern sich Zeugen später eher an einen). Wenn man das Gefühl hat, sich verlaufen zu haben, sollte man auch um
konkrete Hilfe bitten – kaum ein Nepali wird jemals ein Hilfsersuchen abschlagen!
Europäer sehen in nepalischen Augen alle irgendwie gleich aus. Damit sie sich an einen erinnern, muss man irgendwie auffallen. Man kann z.B.
irgendetwas Auffälliges an der Kleidung oder Rucksack tragen (buntes Tuch oder ein Stofftier an Rucksack binden, eine auffällige Schirmmütze tragen, bunte Schnürsenkel, ein cooler Spruch auf Rucksack oder Button geschrieben usw), an das sich zufällige Passanten später erinnern.
Für eine optische Suche durch Suchteams vom Boden oder vom Hubschrauber aus, sollte wenigstens der Rucksack in einer
auffälligen Farbe sein, besser auch täglich wenigstens ein Kleidungsstück, was sich von der Umgebungsfarbe abhebt (also nicht gerade safarigrün oder im blühenden Rhododendronwald rot).
Wenn möglich,
Handy eingeschaltet lassen (Handyortung ermöglichen).
Über den Einsatz von Rettungshunden
Nepal verfügt über eine private Rettungshundestaffel (SARDOGS Nepal), die von Privatpersonen, Behörden und Botschaften angefordert werden kann. Die Staffel ist in der Nähe von Pokhara stationiert. Einsätze sind
kostenpflichtig, ähnlich wie bei Hubschraubereinsätzen muss die Kostenübernahme zunächst über die zuständige Botschaft abgesichert werden. Kontakt:
http://sardogsnepal.asia/contact
Die Staffel arbeitet eng mit dem gemeinnützigen Verein Rettungshunde für Nepal e.V. (
www.rettungshunde-nepal.de) in Deutschland zusammen. Der Verein hat einen
Notfallfond für Einsätze der Staffel eingerichtet, um zum einen sofort Akutmaßnahmen bei Alarmierungen einleiten zu können, andererseits um damit Einsätze zu finanzieren, wenn
kein Kostenträger gefunden werden kann (insbesondere für Suchen nach Nepalischen Staatsbürgern oder Katastropheneinsätze). Der Fond ist derzeit (April 2012) noch leer und kann mit
zweckgebundenen Spenden gefüllt werden. Der Verein stellt darüber Spendenquittungen aus.
Zu den Suchhunden der Staffel gehören zum einen
Flächen- und Trümmersuchhunde, zum anderen
Mantrailer (Personenspürhunde). Flächensuchhunde suchen freilaufend ein Gebiet oder eine Strecke entlang eines Weges gezielt nach
menschlicher Witterung ab. Personen, die sich statisch in diesem Gebiet aufhalten, werden gefunden und dem Hundeführer angezeigt. Da sich auch andere Personen als der Vermisste in dem Gebiet aufhalten, haben alle Hunde gelernt, auch mit einem
Geruchsartikel (ein Referenzgeruch der vermissten Person, s.u.) zu arbeiten, um ausschließlich den Vermissten zu suchen und anzuzeigen, unbeteiligte Passanten aber zu ignorieren.
Seit Anfang 2012 werden alle Suchhunde auch auf
Leichengeruch trainiert.
Mantrailer arbeiten hingegen an der Suchleine und benötigen zwingend einen Geruchsartikel. Sie werden gezielt am
letzten Sichtungsort des Vermissten angesetzt und verfolgen dessen
Spur über Kilometer und sogar durch Dörfer und im städtischen Bereich. Dies ist möglich, weil sie nicht die Bodenverletzungen der Fährte verfolgen, sondern kleinste Hautpartikel entlang des Weges, den die Person genommen hat, riechen können. Hautpartikel werden von jedem Menschen kontinuierlich verloren und tragen den individuellen Eigengeruch der Person, den der Hund wie einen Fingerabdruck von anderen Menschen unterscheiden kann. Da diese Hautpartikel nicht unbegrenzt Geruch abgeben, ist der Einsatz des Mantrailers auf einen Zeitrahmen von
wenigen Tagen bis maximal 1-2 Wochen (unter optimalsten Bedingungen) nach dem Verschwinden begrenzt.
Spürhunden kann man daher die Arbeit ganz bedeutend erleichtern und teilweise erst ermöglichen, wenn man in seinem Hotel oder üblichen Aufenthaltsort einen sogenannten
Geruchsartikel hinterlässt. Dies kann im Storeroom deponiertes Gepäck oä. sein, an dem der eigene Geruch anhaftet (z.B. Beutel mit Schmutzwäsche, gebrauchte Taschentücher, getragene Schuhe, alte Zahnbürste etc.), UND die üblicherweise
nicht von anderen Personen berührt bzw. durchsucht werden/worden sind. Da die Hunde stets dem frischsten Geruch folgen, könnten sie ansonsten der falschen Person folgen.
Wenn es passiert ist - Was man im Notfall selbst tun kann:
Die Erkenntnis, dass man sich in einer Notlage befindet und auf fremde Hilfe angewiesen ist, kommt den Betroffenen häufig
zu spät. Bis dahin haben sie sich oft hoffnungslos verirrt, kommen in die Dunkelheit oder eine Schlechtwetterlage, finden keinen Unterschlupf und sind durch Hunger, Durst, Nässe, Unterkühlung, Schmerzen, ggf. Blut- oder Flüssigkeitsverlust, Stress und Angst schließlich in einem bedrohlichen Erschöpfungszustand. In diesem Zustand sind rationale, mitunter lebensrettende Entscheidungen schwer zu treffen. Oftmals überleben Vermisste schon die erste Nacht im Freien nicht, selbst wenn sie unter „normalen Umständen“ damit keine Probleme hätten.
Daher sollte man sich nicht scheuen, sich frühzeitig eine
Notlage einzugestehen und sich um Fremdhilfe zu bemühen.
Das bedeutet:
Regelmäßig laut um Hilfe rufen,
besser noch: Eine
Trillerpfeife mitführen und regelmäßig pfeifen (Pfiffe tragen weiter und strengen nicht so an wie Rufen)!
Nicht aufhören!
Es ist die einzige Orientierungshilfe, die ein potentieller Helfer hat! Egal in welche Geräusche man macht, irgendwer der es hört wird der Sache auf den Grund gehen.
Wer sich auf oder in unmittelbarer Nähe eines
Weges befindet, sollte diesen
nicht verlassen. Die Wahrscheinlichkeit, dort von Passanten oder Suchmannschaften aufgefunden zu werden, ist relativ hoch.
Solange man noch
Handyempfang hat, sollte man frühzeitig versuchen, über sein Hotel, seine Trekkingagentur oder am besten über seine Botschaft
Hilfe zu organisieren. Dazu sollte man die entsprechenden
Rufnummern auf dem Handy abgespeichert haben oder zumindest schriftlich dabei haben.
Deutsche Botschaft:
Telefon: (+977-1) 441 27 86, 441 65 27, 441 66 55, 441 68 32
Telefax: (+977-1) 441 68 99
In dringenden Notfällen (nachts, Wochenende, Feiertage) Bereitschaftsdienst unter folgenden Telefonnummern: (+977) 98511 37943 und 98511 37942.
Schweizerische Botschaft:
01 554 92 25
Österreichisches Konsulat:
(01) 443.4648
Idealer Weise kann man dabei die
GPS-Koordinaten seines Standorts durchgeben, zumindet aber die
Region, in der man sich selbst vermutet. SMS verbrauchen weniger Strom als Telefonate. Die Displaybeleuchtung und sämtliche unnötigen Töne sollte man zwecks
Stromersparnis ausschalten.
Für eine Handyortung sollte das Telefon sowohl während des Treks als auch während der Notlage regelmäßig angeschaltet und benutzt werden.
Handyortungen gehören mittlerweile weltweit zur Standardprozedur bei Vermisstenfällen. Ist das Handy ausgeschaltet, kann zumindest das letzte Funksignal ermittelt werden. U.a. dadurch lässt sich die Suchregion eingrenzen.
Eine gute
Karte des Trekkinggebiets gehört in jedem Fall ins Gepäck. Leider sind viele Karten ungenau, in einem recht groben Maßstab oder einfach fehlerhaft. Der Umgang mit Wanderkarten will gelernt und geübt sein:
Navigation bedeutet, immer genau zu wissen, wo auf der Karte = wo im Gelände man sich befindet und auf welchem Weg man sein Ziel erreicht.
Ein GPS kann recht gute Dienste leisten, vorausgesetzt, man beherrscht den Umgang damit und vor allem – es funktioniert! Kein Empfang, leere oder ausgelaufene Batterien, ein durch Herunterfallen zerstörtes Display oder ein Wasserschaden kann das GPS außer Gefecht setzen. Richtig sinnvoll ist das GPS nur in Zusammenhang mit einer guten Karte, die über ein Koordinatensystem verfügt.
Mittels
Kompass und Karte lässt sich nicht nur die richte Richtung feststellen, sondern mit verschiedenen Peilungsverfahren auch der Standort auf der Karte wiederfinden. Auch hier sollte der Umgang mit dem Kompass/ Kompass+Karte schon vor der Tour geübt und gefestigt sein, damit es auch unter Stressbedingungen noch funktioniert.
Gleiches gilt für die Orientierung mittels Karte und
Höhenmesser.
Sich verlaufen bedeutet, der vermutete Standort auf der Karte stimmt definitiv nicht mit der Umgebung überein.
In den meisten Fällen ist es richtig, die gegangene Strecke zurück zu gehen bis zu einem Punkt, wo man mit Sicherheit wieder orientiert ist, auch wenn dies gefühlsmäßig der längere Weg ist.
Dagegen spricht z.B. wenn man
höhenkrank ist und dazu deutlich bergauf steigen müsste, wenn die
Gelände- und Sichtverhältnisse so schlecht sind, dass man den Rückweg nicht sicher wiederfindet oder wenn das
Wetter oder der
körperliche Zustand ein Weiterwandern nicht erlauben.
In den letztgenannten Fällen sollte man möglichst an Ort und Stelle nach einem
Notunterschlupf suchen oder einen bauen. Da diese vom Weg aus oder aus der Luft oftmals schlecht erkennbar sind, sollte Rettungsmannschaften oder Passanten Hinweise hinterlassen werden, z.B. indem aus Steinen große, auffallende
Markierungen (X und Pfeil, HELP etc.) oder bunte Kleidungsstücke auf den Weg/ die nächste Freifläche gelegt werden . S
chutzhütten und Viehunterstände werden von den Suchmannschaften gezielt abgesucht.
Ein
Weiterwandern kann einen zwar zurück zum nächsten Dorf, aber auch genauso noch viel tiefer in den Schlamassel führen. Da sich hierin sogar die Experten uneins sind,
kann man ein Weiterwandern nur empfehlen, solange man sich auf einem deutlichen Weg (kein Wildwechsel, kein Ziegenpfad) befindet und bei guter körperlicher Verfassung ist.
Querfeldein laufen ist dagegen definitiv NICHT zu empfehlen. Insbesondere weglosen Tälern bergab zu folgen, in der Hoffnung „ein Bach/Fluss bringt mich zurück zur Zivilisation“ funktioniert in Nepal nicht. Hier endet der Bach sehr häufig an einem unüberwindbaren Wasserfall an einer senkrechten Felswand. Pfade finden sich dagegen für gewöhnlich auf den Kämmen der Hügelketten. Einem pfadlosen Kamm bergab zu folgen, endet häufig auch an einem überraschend auftauchenden, unüberwindbaren Felsabsturz. Über Schotterhänge auf gut Glück in Täler abzusteigen, kann in einer Falle enden. Endet das Tal blind an einem Wasserfall, lässt sich der Schotterkegel mitunter nicht mehr erklimmen, abgesehen von der Steinschlaggefahr.
Die Maßnahmen der Ersten Hilfe sollten grundsätzlich bekannt sein. Das Mitschleppen von Büchern hilft leider nur wenig – wer sich nicht mehr ganz fit in der Materie fühlt, sollte die Gelegenheit nutzen und vor der Reise unbedingt einen Auffrischungskurs belegen. Nur wer weiß, worauf es im Falle des Falles ankommt, wird auch in der Lage sein zu improvisieren.
Ein entsprechendes
Erste-Hilfe-Päckchen gehört in den Tagesrucksack, ebenso wie die wichtigsten
Medikamente, deren Anwendung man im Vorfeld mit seinem Arzt besprechen sollte.
Gut informieren sollte man sich im Vorfeld der Tour auch über die
Höhenkrankheit, so dass man selbst auch frühe Symptome an sich erkennt und ernst nimmt. Solange man noch dazu in der Lage ist, hilft nur umgehendes Absteigen in tiefere Regionen! Informationen über die Höhenkrankheit und die Höhenanpassung findet man u.a. hier:
http://85.25.34.248/bergmed/bergmed.php?section=11
Egal ob krank/verletzt oder nicht, die beiden wichtigsten Maßnahmen sind der
Wärmeerhalt und die
Flüssigkeitszufuhr! Eine volle
Trinkwasserflasche gehört immer ins Gepäck. Muss diese aus offenen Gewässern nachgefüllt werden, sollte man das Wasser abkochen oder chemisch
entkeimen. Im Notfall ist es jedenfalls besser, nicht-entkeimtes Wasser zu trinken als gar keins!!! Hat man eine PET-Flasche zur Verfügung, lässt sich das (partikelfreie) Wasser auch durch einige Stunden Sonnenstrahlung (UV-Licht) von Bakterien, nicht aber von Parasiten befreien. Eine volle PET-Flasche kann auch ins offene Feuer gestellt werden, um das Wasser abzukochen.
Für den Wärmeerhalt ist es sinnvoll,
Ersatzkleidung in Plastiktüten wasserdicht verpackt im Rucksack zu haben. Nasse Kleidung sollte spätestens vor einer Ruhephase gegen trockene ersetzt werden. Das Umziehen sollte an einer windgeschützten Stelle erfolgen. Wer einen
Schlafsack und eine
Isomatte mitführt, ist klar im Vorteil. Wenigstens 1-2
Rettungsdecken (Vorsicht, zerreißen schnell) sollten aber im Gepäck sein. Der optimale Ruheplatz ist trocken, windgeschützt und mit einer isolierenden Unterlage (Rucksack, trockenes Laub/Gras) ausgestattet. Ein
Feuer zu entzünden will gelernt sein und erfordert ausreichend trockenes Brennmaterial. Ist eine Übernachtung im Freien absehbar, sollte noch während der Helligkeit frühzeitig mit der Suche danach begonnen werden. Ein
Feuerzeug und möglichst ein
Teelicht oder eine Kerze als „Brandbeschleuniger“ gehören ins Gepäck. Wichtig für den Wärmeerhalt ist auch eine ausreichende
Kalorienzufuhr. Auch auf einem Teahouse-Trek gehört immer eine Notration (z.B. Müsliriegel, Kekse, Bifi oä.) ins Gepäck. Dass eine
Taschen- oder Stirnlampe auf einer Nepalreise nie fehlen darf, braucht wohl nicht weiter betont zu werden.
FAZIT
Die Rettungsmannschaften sind froh um jeden verifizierbaren Anhaltspunkt, wo gesucht werden muss. Die Ressourcen (Mannschaft, Hunde, Helikopter) sind bei solchen Einsätzen immer begrenzt und teuer. (Bei einer Suche aus der Luft und parallel am Boden kann man grob mit 12 000 Euro pro Tag rechnen).
Wenn dann eine Suchaktion erst 3-4 Wochen nach dem Verschwinden eingeleitet wird, weil der Angehörige nicht im geplanten Flieger saß oder das
Visum längst abgelaufen ist, sind die Chancen auf Rettung nicht mehr wirklich rosig.
Wie auch immer, gemessen an der Zahl der jährlichen Trekking-Touristen in Nepal und den Tücken des Geländes, des Wetters und der Höhe ist die Zahl der jährlich Vermissten eigentlich
sehr gering. Überfälle mit Verschwinden von Touristen, was i.d.R. gleichbedeutend mit Todesfolge ist, sind dabei die Ausnahme. Leute verschwinden nicht, weil sie verletzt oder krank sind - sie verfehlen meist ganz einfach den richtigen Weg/ stürzen ab, ohne dass es Zeugen gibt oder Begleiter, die diesen Vorfall melden bzw. Hilfe holen können. Das ist der Hauptgrund, warum (abgesehen von Kriminalfällen) fast ausschließlich Alleinreisende betroffen sind.
Neben Unerfahrenheit, Unwissenheit, Leichtsinn oder Ignoranz, die häufig zum Verunglücken und Verschwinden von Trekkingtouristen führen, kann man nicht zuletzt auch als erfahrener Nepal-Trekkingprofi mal ganz einfach Pech haben....
... noch eine Ergänzung:
Im Falle eines spurlosen Verschwindens wird die Kripo die Familie des Vermissten um einen Gegenstand als DNA-Probe bitten, dies ist bevorzugt die Zahnbürste. Lasst die alte daher zu Hause und nehmt lieber eine neue mit.
Desweiteren wird die Polizei nach einer Liste aller mitgeführten Gegenstände fragen. Selbst, wenn zufällig noch eine Packliste daheim rumliegt und von den Angehörigen gefunden werden kann, ist diese oft nicht ganz vollständig. Hinterlegt an einer verabredeten Stelle eine detaillierte Liste mit allen (!) mitgeführten Gegenständen, idealer Weise mit Fotos. Da Ihr beim Packen und Wiegen Eures Gepäcks sowieso alles in die Hand nehmt, kann man die Sachen auch gleich fotografieren. Das erleichtert später die Spurensuche und -zuordnung ganz erheblich und auch im Falle eines Verbrechens (Raub, Diebstahl) hilft es bei der Wiederbeschaffung bzw. als Beweis gegen den Täter. Notiert zusätzlich sämtliche Seriennummern, sofern vorhanden. Kleidungsstücke, größere Ausrüstungsgegenstände und vor allem Wertgegenstände sollten z.B. mit einem eingenähten Namensschild, einer nicht-abwischbaren Aufschrift oder einer Gravur eindeutig gekennzeichnet werden.