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Rheinhessisches Murmeltier und Gämse auf dem Berliner Höhenweg
Rheinhessisches Murmeltier und Gämse auf dem Berliner Höhenweg
5 Tage Berliner höhenweg
Geschrieben von erdnuss11
03.09.2011
Standard Rheinhessisches Murmeltier und Gämse auf dem Berliner Höhenweg

Rheinhessisches Murmeltier und Gämse auf dem Berliner Höhenweg

Ja, wir haben es gemacht, trotz massiver Bedenken hier in diesem Forum, ob das für uns als Anfänger das richtige ist. Wir wurden als wahnsinnig bezeichnet, unsere körperliche Fitness wurde angezweifelt, wir wurden verdammt, wir wurden verschrien und uns wurden einfachere Touren ans Herz gelegt. Wie es uns ergangen ist? Nun, wir leben - den Rest lest selbst:

Vorgeschichte:
Anfang Juli entschlossen wir uns, eine gemeinsame Bergtour in den Alpen zu starten. Wer wir sind? Lasst es uns der Einfachheit halber auf das rheinhessische Murmeltier, Spitzname Rotzi, und die rheinhessische Gämse, Spitzname Grunzi, reduzieren.
Über Stöbern im Internet stießen wir auf den Berliner Höhenweg. Da uns jegliche Erfahrung fehlt, hatten wir Probleme einzuschätzen, wie extrem die Höhenmeterangaben sind und wie sehr sie uns wirklich belasten. Ja, wir sind absolute Anfänger! Im Laufe unseres jungen Lebens kamen wir über einfache Tagestouren nicht hinaus.
Ist der Berliner Höhenweg dann zuviel für uns? Was machen wir, wenn wir tatsächlich ans Limit kommen? Fragen über Fragen, die uns durch den Kopf schwirrten und uns beschäftigten. Laut einigen Antworten in einem Forum mussten wir total wahnsinnig und realitätsfern sein, überhaupt nur im Ansatz über dieses Abenteuer nachzudenken.
Doch wer das Internet kennt, der weiß, dass viel geschrieben wird. Frei nach dem Motto Halbwahrheit plus Halbwahrheit = Ganze Wahrheit.
Nach einigen Überlegungen, ob ja, ob nein, war es dann soweit. Das Ziel Berliner Höhenweg stand fest, so unausweichlich, wie das Oierpännje nachm Suff! (Anmerkung der Redaktion: Oierpännje = eine in der Pfanne mit Öl, Pfeffer, Salz, Speckwürfeln und Zwiebelstückchen zubereitete rheinhessische Köstlichkeit aus Eiern, der man eine kater-vermeidende Wirkung zusagt! Individuelle Zutatenvariationen sind bei den rheinhessischen Druiden nicht unüblich)
Die notwendige Ausrüstung war schnell über die bekannten Versandhändler/Trekkingausstatter geordert und somit stand der Reise nix mehr im Weg. Zusätzlich zu allem was man so dabei hat, schleppten wir noch ein Zelt, Isomatten und passende Schlafsäcke mit. Unser Plan: die ersten zwei Nächte im Zelt verbringen. Nicht um die Übernachtungskosten zu sparen, sondern einfach des Abenteuers wegen.
Unsere Rucksäcke brachten es mit Wasser und Essen auf stattliche 16-18 KG. Zu viel? Vielleicht, ja, aber im Rahmen dessen was laut offiziellen Analysen für den gämsischen und murmeltierischen Körper als Belastung möglich ist.
Durch zeitliche Restriktionen (man ist sehr gefragt als Superheld) konnten wir den Weg nicht komplett gehen, sodass wir am Schlegeisstausee einsteigen und damit die ersten beiden Etappen einsparen würden.




14.08 Sonntag, Anreise:
Um 17 Uhr geht es von Mainz aus los. Wir haben 600 km Anreise vor uns mit einem kurzen Abstecher zur Schriftführerin der Alpensektion SAN um den gämsischen Alpenvereinsausweis persönlich abzuholen. Die Post hatte den Brief mit dem Antrag fachgerecht verschlampt und so kam dieser nie beim Empfänger an. Ein Telefonat zwei Tage vor Reiseantritt führte zu dieser pragmatischen Lösung, die in der Durchführung auch exzellent funktionierte. Danke an dieser Stelle noch mal an die Schriftführerin der SAN.
Ein anderes, viel größeres Problem, sollte jedoch noch zu Tage treten: Als Grunzi so am fahren ist, fällt ihm (mir ) auf, dass seine Wanderhufe gut behütet an der Garderobe im heimatlichen Stall standen… Sehr ungeschickt, vor allem nachdem man bereits 400 km Anreise hinter sich gebracht hat. Der Zeitverlust durch eine Umkehr kommt nicht in Frage, zudem wären die Spritkosten fast so hoch gewesen wie neue Hufe. Wir fahren also weiter durch starke Unwetter und erreichen um 23 Uhr erleichtert unseren Stall in Mayrhofen. Ich bin schon jetzt offizieller Tour-Depp. Rosige Aussichten für die nächsten Tage…

15.08 Montag, Hufkauf und erste Etappe (Schlegeisstausee – Furtschaglhaus)
Um 8 Uhr stehen wir auf dem Parkplatz vor unserem Pensions-Stall. Die Anklage ich hätte geschnarcht, gekaut, gegrunzt und geschnauft, wird aus Mangel an Beweisen fallen gelassen! Ein solches Verhalten ist undenkbar und nahezu abstrus! Wir vertiefen das Thema nicht weiter und widmen uns dem Thema Hufkauf. Das ganze wird etwas schwieriger als gedacht, denn es ist zwar Montag, aber österreichischer Feiertag. In Mayrhofen finden wir nur ein Sportgeschäft, das explizit mit einem Zettel im Fenster darauf hinweist, ab 10 Uhr an diesem Tag geöffnet zu haben.
2 Stunden sind uns aber zu lang, sodass wir nach Hintertux hochfahren. Dort sind laut Anzeige 22 Pisten-Km befahrbar und somit auch die Sportgeschäfte geöffnet. Ich decke mich mit neuen Hufen ein und kaufe sofort alle Blasenpflaster die sie dort haben. Zurück in Mayrhofen lassen wir unser Auto stehen und laufen zum Bahnhof, um von dort aus mit dem Bus zum Schlegeisstausee rauf zu fahren.
Nach gut einer Stunde steigen wir um 11:15 am Anfang des Sees in den Berliner Höhenweg ein.
Es regnet… Nicht zu knapp…. Durchgehend… Die Wolken hängen tief über dem See und vermutlich rundum stehenden Berge lassen sich nur mit Phantasie erahnen. Nachdem unsere Ausrüstung schon viel Geld gekostet hat, haben wir verzichtet auch noch extra Regenklamotten zu kaufen. Ein Fehler? Ich weiß nicht, zwar sind die billigen Regenjacken schnell durchgeweicht und wir nass bis auf die Haut, aber wir frieren nicht.
Der Vorteil des Wetters liegt darin, dass wir nur zwei/drei Touris begegnen, während wir um den See schlendern.



Das Wasser ist sattblau, wir (leider) nicht, weder satt noch blau. Nach ein paar Km kommt das Ende des Sees in Sicht, der Weg steigt leicht an und führt mit leichter Steigung den Berg hoch. Irgendwann verweist ein Schild „Furtschaglhaus“ nach links in den Berghang. Ich bin erst etwas verwirrt. Kein Weg ausmachbar. Ich hab ja keinen Lift oder eine Rolltreppe erwartet, aber schon einen grob erkennbaren Weg. Erstmal sehe ich nüscht. Doch dann entdecke ich in all dem Gras, den Steinen und dem Regen einen kleinen engen Weg, der sich steil über viele Steine den Berg hochschlängelt.




Der Anstieg ist anstrengend für mich. Im Nachhinein betrachtet, sind wir sicher zu schnell gestartet, Anfängerfehler… Die nicht atmungsaktiven Regenjacken, die ihren Namen eigentlich nicht verdient haben, machen die Sache nicht einfacher. Die Steine sind klitschig, aber wir kommen voran und bereits nach wenigen Minuten sieht man die ersten geleisteten Höhenmeter. Es geht rauf, rauf, rauf, immer weiter den Berg hoch. Irgendwann wird es etwas flacher und die Hütte ist in Sichtweite. Die letzten Meter sind schnell gemacht und der Puls hat sich auch wieder auf ein erträgliches Niveau eingependelt.
Unser Routenplan sieht eigentlich vor, noch 400 Höhenmeter weiter aufzusteigen und zu zelten. Doch in Anbetracht des Wetters und der Vorstellung nachts mit dem Zelt als Schlauchbootersatz den Hang hinunter zu rauschen, korrigieren wir unseren Plan. Wie mieten uns im Matratzenlager ein und versuchen unsere Klamotten im Trockenraum zu platzieren. Die Hütte ist voll und der Trockenraum platzt aus allen Nähten.
Nachdem wir alles verstaut, uns kurz gestärkt und eine Stunde gepennt haben, begeben wir uns vor die Hütte. Es hat aufgehört zu regnen, sodass wir die Zeit nutzen um dumme Fotos zu machen und mit Bier in den Abend zu starten *Prost*. Wir vergleichen rückwirkend die angegebenen Wegzeiten und unsere Zeit. Wir haben 2:30 h in 1:40 h geschafft, soweit also ganz gut.





Für die Rumturnerei vor der Hütte, haben wir noch mal die Wanderhufe aufgezogen. Während wir irgendwo rumblödeln, werden Rotzi doch eiskalt die Hüttenlatschen vom Schuhregal geklaut. Nach unzähligen „ich find das echt nicht witzig“ und einer kleinen Träne von seiner Seite, tapst ein älterer Herr vorbei, der auf ein „ey sach ma, hast du da meine Schuhe an????“ auch bereitwillig die Schuhe wieder rausrückt. Nett von ihm! Der Abend klingt mit trauter Zweisamkeit zwischen Rotzi und seinen Latschen gemütlich aus. An das Schlafen im Hüttenschlafsack muss man sich wohl erst gewöhnen…


16.08 Dienstag, zweite Etappe (Furtschaglhaus – Schwarzsee)
Um 6:30 geht’s aus den Federn, um 7:00 ist Abmarsch. Unsere Sachen sind über die Nacht gut getrocknet.



Für den Aufstieg zum Gipfelkreuz des Schönbichler Horns auf 3.134 Meter werden 2:30 h für 900 Höhenmeter angegeben. Wir schaffen den Weg in 1:50 h, obwohl es kühl, nass und glitschig ist (Aufstieg auf der Schattenseite). Der Ausblick während des gesamten Aufstiegs ist überragend.





Unsere erste Bekanntschaft mit Seilversicherungen stellt uns vor keine größeren Probleme. Geboren Affen, möchte man sagen. Am Grat angekommen, geht es noch mal 30 Meter hoch zum Gipfelkreuz. Kurzzeitig als ich mal links und rechts in die Täler runterschaue, meldet sich dann mal meine Höhenangst... Pussy-Gämse, ja ich weiß… Aber das ist ruck zuck vergessen, als ich am Gipfelkreuz stehe und mich umblicke. Wir haben strahlenden Sonnenschein und die Sicht ist einfach nur atemberaubend! Wir verharren einige Zeit dort oben, machen dumme Fotos (wir sind Profis) und schauen einfach nur beeindruckt auf die Berge. Ich habe selten ein so geiles Panorama gesehen.










Vom Horn aus können wir in weiter Ferne die Berliner Hütte und den Schwarzsee erkennen. Die Berliner Hütte ist das eigentliche Tagesziel dieses Streckenabschnitts. Unsere Zeltpläne verlangen jedoch die Absolvierung weiterer 400 Höhenmeter hoch zum Schwarzsee.



Nachdem wir uns weitere Minuten am Ausblick berauscht haben, starten wir den Abstieg auf der Sonnenseite. Viele Stahlseilsicherungen und ein steiler Abstieg machen das ganze zu einer geilen Geschichte. Es fetzt, über die Felsen zu klettern und immer wieder das Panorama zu genießen. Bilder werden nie diesen Ausblick beschreiben können. So etwas muss man einfach selbst gesehen haben.





Wir kommen gut voran im Abstieg. Nach dem steilsten Stück, verlassen wir den Weg um etwa 20 Meter höher auf einer Kuppe ungestört unser Frühstück zu uns nehmen. Der erstandene Gaskocher entwickelt sich bereits bei der ersten Benutzung zu meinem neuen Liebling. Der Instantkaffee auf ca. 2.600 Metern mit traumhaftem Blick, Brot, Käse und Wurst, ist vermutlich reichhaltiger als mein sonstiges Frühstück daheim und stärkt uns für den kommenden Abstieg, der länger werden sollte als erwartet…



Es geht berg runter und zwar immer und ständig und überall. Irgendwann merkt man dann doch die großen Vorderhufe, die unter permanenter Belastung stehen. Eigentlich soll es 1.100 Höhenmeter runter gehen und dann auf einem Höhenlevel die letzten Meter zur Berliner Hütte. Irgendwann bin ich etwas genervt vom ständigen bergab, doch die Berliner Hütte ist bald auf gleicher Höhe, sodass es nicht mehr lange weiter runter gehen kann. Doch an einer Weggabelung steht ein Schild „Umleitung“, das weiter ins Tal zeigt. Ja wie jetzt? Sicher nicht! Ich glaub bei euch zimmerts in der Birne! Ich erkläre selbstbewusst, dass wir das Schild ignorieren werden und ich sicher keinen weiteren Meter ins Tal gehe! Rotzi überzeugt mich dann aber doch (nach kurzen Diskussionen), der Umleitung zu folgen und weitere 200 Höhenmeter abzusteigen.
Wir kommen im Tal an und genehmigen uns ein Süppchen in der Touri-Hütte „Alpenrose“. Dort bekommen wir erzählt, dass die Brücke über einen größeren Gebirgsbach bei einem Unwetter weggerissen wurde und eine Überquerung anders nicht möglich sei. Es hätten wohl welche versucht, die dann aber auch abbrechen mussten. Wir wären also die ersten gewesen, die es geschafft hätten, wären unsterblich geworden und in die Geschichten der Ahnen eingegangen. Der erste Mann auf dem Mond wäre eine Maus im Vergleich zu uns gewesen. Aber hätte, wenn und aber zählt alles nicht.
Nach der Stärkung geht es vorbei an den reißenden Touri-Strömen 200 Höhenmeter hoch zu Berliner Hütte. Ein riesen Klotz, aber uns begeistert die Hütte wenig. Wir stoppen nur kurz auf ein Wasser. Dass das Wasser dort 3,40€ gekostet hat (!!!!!!) ist eine Frechheit!!!! Wohl gemerkt reden wir von EINEM Wasser!!! Beide zusammen haben 6,80 gekostet!!!!! Für 0,5 Liter Wasser!!! Das 0,5er Bier hätte auch 3,40 gekostet! Wir interpretieren dies als Zeichen, dass wir uns generell nur noch von Bier ernähren sollten! Daraufhin kaufen wir zwei verschlossene Flaschen Bier für den Abend und steigen weiter auf zum Schwarzsee! Der Aufstieg ist einfach und fordert uns nicht allzu sehr. Was nicht gerade verkehrt ist, da wir jetzt schon einige Meter in den Knochen haben! Der Ausblick während des Aufstiegs ist allerdings phänomenal!



Der Schwarzsee liegt wunderschön in den Bergen! Wir vertreiben uns die Zeit am See mit Kochen, dummen Fotos, Zeltplatzsuche und Bier trinken. Das Zelten bzw. Biwakieren in den Alpen ist ein bisschen eine Grauzone, wir wollen keinen Ärger provozieren und warten mit dem Zeltaufbau bis es dämmert und kein Wanderer mehr zu erwarten ist. Der Abend klingt gemütlich aus. Der Sternenhimmel fällt wegen Müdigkeit aus…








17.08 Mittwoch, 3. Etappe (Schwarzsee – Greizer Hütte)
Morgens um 6:15 klingelt der Wecker… Im Urlaub… Freiwillig… Ich könnte in meinem 5-Sterne Bett im Hotel am Mittelmeer liegen und meinen all-inclusive cocktail-Rausch vom Vorabend neben zwei leicht bekleideten, adretten und wunderhübschen Damen ausschlafen. Aber nein, ich bin mitten auf einem Berg und es ist kalt außerhalb des Zelts… Wir packen schnell zusammen, bevor die ersten von der Berliner Hütte am Schwarzsee ankommen. Die Meute schien sich Zeit zu lassen, sodass wir vom Schwarzsee als erste starten. Die 3 Wanderer denen wir über den Weg laufen, schlagen einen anderen Weg ein. Wir genießen die Ruhe und passieren unser erstes Schneefeld.



Die Muskeln haben die massive Belastung vom Vortag recht gut weggesteckt! Wir merken zwar, dass wir was getan haben, aber großer Muskelkater oder ähnliches blieb aus. Der Aufstieg verläuft wieder über die Schattenseite und wir komen gut voran, sodass wir schnell die Mörchnerscharte auf 2.800 Metern erreichen. Der Ausblick ist wieder überwältigend. Wir geniessen es in großen Zügen und führen ein ausführliches Frühstück auf der Scharte durch. Der Kaffee ist schnell gekocht und Essen ist schnell verteilt. Auf der gegenüberliegenden Bergseite ist bereits in weiter Ferne das Tagesziel, die Greizer Hütte, erkennbar. Leider muss man nur erstmal ganz hinunter ins Tal auf 1.800 Meter, um dann wieder 400 Meter aufzusteigen. Das ganze sieht von oben recht entspannt aus, ist es aber nicht… Dennoch Grund genug ordentlich Sprüche zu klopfen und standesgemäße Ansagen zu machen!





Nachdem wir unser ausgiebiges Frühstück beendet haben, machen wir uns an den Abstieg. Die Seilversicherungen an diesem Abschnitt hätte man sich fast sparen können. Es geht bergab, bergab, bergab. Anfangs über Geröll und Felsen, später durch Wiese… Der Weg zieht sich Serpentine um Serpentine den Berg runter. Irgendwann fängt dieses monotone im Bogen laufen auch an zu nerven. Höhenmeter um Höhenmeter geht es runter. Sobald man auf Höhe der Greizer Hütte ist, kommt einem das Ziel zum greifen nahe vor. Die Luftlinie beträgt vielleicht grad mal einen Kilometer. Ab jetzt kommt allerdings der richtig eklige Teil. Jeden weiteren Meter den man absteigt, muss man später wieder aufsteigen.





Hinzu kommt, dass unsere Wasservorräte alle sind. Normalerweise konnten wir unsere Flaschen immer an Bergbächen auffüllen. Nur auf diesem Abschnitt fließt kein Bach in erreichbarer Nähe vorbei. Man hört es gluckern aus dem Boden und sieht feuchte Stellen, aber fließendes Wasser – Fehlanzeige. Der Weg wird schließlich anspruchsvoller und bringt willkommene Abwechslungen mit einigen gesicherten Kletterstellen, an denen es steil bergab geht! Wir befinden uns bereits deutlich unterhalb der Hütte, sodass auch die Motivation wieder steigt, da es eigentlich nicht mehr soweit sein kann.




An einer tieferen Stelle bekommen wir dann auch unser erstes frei lebendes alpines Murmeltier zu sehen, leider nicht gegrillt… Rotzi wirkt dennoch erregt und hält den Artgenossen sobald mit der Kamera für die Ewigkeit fest.

SUCHBILD:


Am Fuße des Berges angekommen, wird noch eine 10 Meter-Leiter bezwungen, bevor wir dann endlich im Tal sind und an einen Bach kommen. Hinweis: Den ersten Bach kann man zum Befüllen der Flaschen nehmen! Die danach kommenden, kommen vom Gletscher eine Scharte weiter und sind nicht geeignet!



Den ganzen Abstieg brennt die Sonne auf uns hinab. Wir schmeißen uns in den Schatten der Felsen und trinken uns die Bäuche voll. Normalerweise werden solche Mengen dem Körper nur als Hopfengetränk zugeführt. Nach einer 15 minütigen Rast, geht es in den Anstieg zur Greizer Hütte.
Mein persönlicher Tiefpunkt der Tour! Mein Körper zeigt mir hier dann doch, dass er die Belastung des Vortages noch in den Knochen hat. Die 400 Höhenmeter sind echt anstrengend! Auch die herumliegenden Kühe können mich nicht erheitern. Wir halten immer wieder mal einen kurzen Moment an um uns zu vergewissern „Puls?“ – „Vorhanden!!“. Die Fußballerkondition ist aber halt manchmal doch ein Traum, bereits nach ca. einer halben Minute ist der Puls weit unten und die Beine haben wieder Kraft für das nächste Stückchen, dem Sprinttraining sei Dank.
Nach einem zähen Aufstieg kommen wir an der Hütte an, checken im Matratzenlager ein und widmen uns den wirklich wichtigen Dingen des Lebens: Essen, Schlafen, Hefeweizen, Kaffee, Bier.
Die Hütte ist meiner Meinung nach die beste der ganzen Tour! Die Lage ist der Hammer, die Ausstattung sehr gemütlich, die Wirte super nett, das Essen sehr gut und die Preise von allen Hütten am günstigsten! Außerdem hat die Hütte die Toilette mit der besten Aussicht!



Ausblick vom WC


Die Preise bekräftigen uns darin, dass wir uns für die vorherigen Strapazen ausgiebig belohnen mit Radler, Bier und Schnaps! Ruckzuck, haben uns unsere Tübinger Tischnachbarn Wizzard beigebracht und der Abend klingt in illustrer Runde aus! Leider müssen wir feststellen, dass Enzian-Schnaps nur cool klingt. Schmeckt im Prinzip als würde man an einer frisch aus der Erde gezogenen Kartoffel lecken (was ja jeder schon mal gemacht hat). Wir versuchen möglichst leise in unser Lager zu poltern, das wir uns mit einer 4 köpfigen Familie teilen, die schon etwas länger im Bett liegt. Eigentlich wollten sie ein Zimmer, aber es gab keine mehr und so mussten sie mit uns Vorlieb nehmen. Kommentar des Kindes, als die Familie mittags, während wie gepennt haben, das Zimmer betritt „Mammi, so schlimm ist es doch gar nicht…“…. Die Nacht verläuft ohne besondere Vorkommnisse.

18.08 Donnerstag, 4. Etappe (Greizer Hütte – Kassler Hütte)
Die heutige Etappe sieht vom Höhenprofil sehr entspannt aus. Um nicht wieder um 14 Uhr auf der nächsten Hütte zu sein und dort die Zeit mit Bier trinken verbringen zu müssen (ja, wir haben es nicht leicht), beschließen wir auszuschlafen. Um 8 Uhr bewegen wir uns dann doch mal aus den Betten, packen unsere Sachen und starten zur Aufholjagd auf alles, was vor uns den Weg betreten hat. Mit gazellengleicher Leichtigkeit werfen wir uns in den Anstieg zur Lappenscharte. Wir überholen diverse Wanderer, mal links, mal rechts, aber immer den Berg hoch. Der Rheinhessen Express rollt! Doch wie das so ist, aus Hopfen wird Bier, aus Gazellen werden Nilpferde. Das ist der Lauf der Zeit und von uns nur bedingt beeinflussbar... Gegen Ende des Anstiegs merken wir dann doch, dass wir am Abend vorher vielleicht doch das ein oder andere kleinere Bierchen hatten. Dennoch ziehen wir das ganze recht schwungvoll durch. Oben auf der Scharte, wird natürlich erstmal der Kocher ausgepackt und Kaffee gemacht, was uns neidvolle Blicke der umherstehenden Wanderskollegen sichert!
Wir verplempern wieder viel Zeit mit dummen Fotos, Ausblick genießen und in aller Ruhe frühstücken. Irgendwann machen wir uns auf dann doch auf den Abstieg.





Heute müssen wir nicht runter bis in Tal, sondern nur bis auf halbe Höhe und ab da dann horizontal immer am Berg entlang, sodass man quasi einmal rund um das Ende des Tals läuft. Die Kassler Hütte als Tagesziel ist bereits von oben sichtbar, aber es sind einige Kilometer bis dorthin! Durch zuerst grobes Blockwerk und Geröll steigen wir schließlich auf Wegen zwischen Gräsern und Wasserfällen ab. Der Abstieg ist heute aus irgendwelchen Gründen überhaupt nicht anstrengend, aber in seiner Schönheit ebenfalls einzigartig.



Bald kommen wir im horizontalen Teil an, ab dem man mehr oder weniger auf einem Höhenniveau bleibt. Wir genießen die Abwechslung zur sonstigen permanenten Höhenmeterfresserei.
Die Elsenklamm bietet den Höhepunkt des Tages. Links vom Weg geht es weit und senkrecht runter, rechts sind nasse Felswände oder völlig in den Weg wuchernde Büsche. Zudem sorgen Wasserfälle dafür, sodass es immer nass ist und sich die Insekten im Paradies tummeln. Ich versichere mich kurz, dass meine Höhenangst auch anwesend ist (check), bevor ich in die Passage einsteige. Ab der Stelle an der links eine Art Geländer aus zwei Stahlseilen gespannt ist, habe ich meine Höhenangst dann erfolgreich in die Schlucht hinabgeworfen und arbeite mich vorwärts. Die Kletterpartie ist recht einfach, nur der nasse Fels und der gähnende Abgrund lassen das ganze etwas schlimmer erscheinen, als es eigentlich ist!




Wir setzen unseren Weg fort, um ihn im nächsten Geröllfeld direkt wieder zu verlassen. Große Felsbrocken bieten ein ruhiges schattiges Plätzchen um die Zeit der Mittagssonne mit Kaffee und den Resten unseres eingepackten Proviants zu überbrücken.



Nach der Stärkung geht es immer weiter den Hang entlang, vorbei an Gebirgsbächen/Wasserfällen, Geröllfeldern, über Schneefelder und mitten durch eine Ziegenherde. Meine entfernten Verwandten bleiben aber recht entspannt. Ich vermute mal es liegt daran, dass wir uns im Geruch gegenseitig nicht viel geben. Als wir jedoch fleißig Fotos machen und uns einen kurzen Moment in mitten der Ziegen aufhalten, wird der Bock dann doch etwas unruhig, sodass wir vorsichtshalber den Weg vorsetzen.





Ein größerer Wasserfall, der nur ein gespanntes Drahtseil aufweißt, statt wie sonst üblich eine Brücke, sorgt für nass Füße. Eine Hängebrücke und eine Tür mitten in den Aloen, die ein Kunstwerk irgendeines bestimmt sehr tollen Kunstwerkmachers darstellt, sind neben dem nach wie vor überragenden Panorama weitere Highlights des Tages und bieten ausreichend Anreiz für weitere dumme Fotos. Wir schlendern den Weg entlang, genießen die entspannte Etappe mit ihrer Hammer-Aussicht und kommen schließlich an der Kassler Hütte an.





Es folgt das mittlerweile übliche Prozedere: Essen, einchecken, schlafen, Bier trinken, Radler trinken, Weizen trinken. Die Taktik für den Schlafraum mit 28 Matratzen, in dem auf jeden Fall jemand schnarcht, ist schnell ausgemacht -> Ohrenstöpsel oder gnadenlos zurückschnarchen, jeder wie er mag und kann!



Den Abend verbringen wir wieder mit den Thübingern und räumen in einer Runde Wizzard direkt mal Platz 1 und 2 ab, was zu langen Gesichtern führt. Rheinhessen-Power par excellence. Der Abend ist lustig, die Zeit vergeht wie im Flug, die Gläser leeren sich. Der Wert erzählt, dass wir großes Glück haben mit so gutem Wetter durch die Tour zu kommen. Von 100 geöffneten Hüttentagen regnet es an mehr als 50!
Wir und alle anderen Gäste werden vor möglichen Gewittern am nächsten Tag gewarnt. Die Wetterlage sei in diesem Tal nicht immer gut abschätzbar. Vor 15 Uhr sollte aber noch nichts passieren. Laut Wirt sind die Gewitterwarnungen aber oft unbestätigt geblieben. Er hält die anstehende Etappe auf jeden Fall für durchführbar. Der sogenannte Siebenschneidenweg hin zur Edelhütte wird mit 9 Stunden reiner Gehzeit angegeben. D.h. wenn man vor 15 Uhr dort sein will, müsste man um 6 Uhr los. Jedoch verweist der Wirt darauf, dass vor 7:30 die Felsen und die darauf wachsenden Flechten noch sehr nass sind und man somit deutlich länger braucht, als bei trockenen Felsen. Es lohnt sich daher nicht so früh zu starten, da man die Zeit später bei Trockenheit wieder reinholt! Wir sind gespannt auf die Etappe, die nicht selten als Königsetappe bezeichnet wird! Die Höhenmeter sind nicht wirklich extrem, aber die zurückzulegende Distanz ist nicht zu verachten.
Spät am Abend zieht bereits ein Gewitter auf. Die Terrasse der Hütte bietet einen atemberaubenden Anblick und eine einzigartige Atmosphäre. Während von drinnen Gelächter und ausgelassene Stimmung zu hören sind, geht hier draußen der Wind. Die Fahnen schlagen mit ihren Metalösen an die Masten und in der Ferne donnert es. Der Himmel und die Wolken werden immer wieder von Blitzen hell erleuchtet. Einzigartig…



Ich hätte gerne geschrieben, dass die Nacht ruhig verlief. Tat sie aber nicht. Der Zonk ging an mich! Neben mir lag der wohl größte Schnarcher der Alpen. Meine Ohrstöpsel waren irgendwo, nur nicht da wo ich sie finden konnte. Meine Nerven waren irgendwann dünn wie Drahtseile, geschlafen habe ich nicht viel…


19.08 Freitag, 5. Etappe (Kassler Hütte – Edelhütte)
Wir verlassen um 7:30 die Hütte zur „Königsetappe“, nicht ohne vorher von einem Hüttenangestellten attestiert zu bekommen, dass wir mit unseren großen Rucksäcken eher nicht dem normal üblichen Berliner Höhenwege Besucher entsprechen: „Soids ihr woahnsinnig? *lachen* Woas hobts ihrn do drinn? 3 Zimmer, Einbauküche, Boad?“.



Wir haben uns vorgenommen den heutigen Tag durchzubolzen, um nicht nass zu werden. D.h. strammes Lauftempo und keine großen Pausen. Schnell sind die ersten Wanderer ein- und überholt, sodass wir uns an die Spitze des Feldes setzen und die rheinhessische Dampflok richtig Fahrt aufnimmt. Das Panorama ist wieder überwältigend. Schneide um Schneide geht es von ganz hinten im Tal nach vorne. Rotzi leidet. Wir vermuten, dass er gegen die Flechten auf den Steinen allergisch ist. Heute wird sein Spitzname geboren. Aber er tut mir wirklich leid, kein Stein, der nicht bedeckt ist. Der arme Junge schnieft und niest sich wirklich die Seele aus dem Leib.




Wir erreichen die Notunterkunft auf ca. 1/3 des Weges deutlich schneller als geplant. Die neu aufgebaute Unterkunft ist der Hammer! Wir verweilen kurz und begutachten alles genau! Hätten wir vorher gewusst, wie luxuriös das Ding ist, wären wir evtl. an der Kassler direkt vorbei gegangen und hätten hier genächtigt! Die alte Unterkunft, ein kleiner Holzverschlag, steht auch noch und dient nun als Schutzhütte fürs Brennholz. Nur ein kleines Schild weist daraufhin, dass dies mal die eigentliche Notunterkunft war.



Wir ziehen weiter. Unbeirrt geht es über grobes Blockwerk und Wiesen immer den Berg entlang. Wolken ziehen hinter der nächsten Schneide auf und es donnert. So viel zum Thema Gewitter frühestens ab 15 Uhr. Von der Unterkunft sind wir schon weiter weg, sodass wir unseren Marsch fortsetzen. Als wir kurz vorm Klettersteig der über die Schneide führt, macht es einen anständigen Regenguss, der uns zwingt ins Regenfell zu hüpfen. Wenigstens die Donner sind verschwunden, sodass wir in den Aufstieg gehen können. Im Regen erklimmen wir den Klettersteig, was das ganze etwas spannender macht als bei Trockenheit. Auf dem Grat angekommen, erblicken wir blauen Himmel…Es war wirklich nur ein kleines Wolkengebiet, welches so schnell wie es kam auch wieder verschwunden ist. Der Klettersteigabstieg liegt jedoch im Schatten, sodass es hier klitschnass ist und erstmal auch bleibt. Wir brauchen viel mehr Zeit als im Trockenen, um sicher abzusteigen.





Es geht weiter über Blockwerk und nach einiger Zeit in den nächsten Klettersteig. Sicher noch mal einer der interessantesten der ganzen Tour. Aber alles machbar! Das Gedenkschild einer tödlich verunglückten Wandrerin im Fels mahnt jedoch zur Vorsicht.
Nachdem endlich alle Schneiden passiert sind, geht es weiter über Felsbrocken und dann auf einem Pfad durch einen mit Wiese bewachsenen Abhang. Dieser Weg zieht sich… Man denkt eigentlich nach jedem Hügel, gleicht taucht die Hütte auf. Aber es dauert, bis man irgendwann geradewegs auf einen Grat zuläuft bzw. drauf läuft. Rechts und links geht es steil runter, geradeaus geht es den Grat entlang. Zur Hütte muss man über seilversicherte Stellen rechts runter. Die letzten Kletterstellen sind aber schnell genommen und der flache Teil ist kein Problem.






Um 13:00 Uhr kommen wir an der Hütte an und haben damit 5,5 h statt der veranschlagten 9 h gebraucht. Da wir deutlich schneller waren als geplant und keine Lust haben den ganzen Tag auf der Hütte rumzugammeln, um dann am nächsten Tag das letzte Stück mit ca. 2,5 h Wegstrecke nach Mayrhofen abzusteigen, entschließen wir uns, etwas zu essen und noch am selben Tag die Heimreise anzutreten.
Wir gönnen uns den Luxus zum Einstieg der Gondelbahn 300 Höhenmeter tiefer zu laufen und ins Tal zu fahren um Zeit zu sparen. Zum Glück muffen wir ganz ordentlich, sodass wir ausreichend Platz in der Gondel haben. In Mayrhofen angekommen werden wir wehmütig. Überall Asphalt, aufgeheizte Teerdecken und Touris… Wie schön und atemberaubend war da doch die vergangene Woche… Gegen 21 Uhr kommen wir platt aber glücklich, zufrieden und um einige Erfahrungen reicher in unserem Heimatort an. War eine verdammt geile Tour! Und mit Sicherheit nicht die Letzte!




Zum Abschluss möchte ich noch ein paar Zitate aus dem Forum aufführen und, nachdem wir es nun geschafft haben, meine rückblickenden Kommentare abgeben. Dies soll einfach nur mal zeigen, wie unterschiedlich Erfahrungen, Eindrücke und persönliches Empfinden sein können! Achtung, das ganze ist teilweise sarkastisch! Ich hoffe es stört sich keiner dran! Ich danke euch für eine Hilfe und eure Kommentare!

Zitat:
Zitat von Steinesammler Beitrag anzeigen
tja das gute alte Zelt Thema....
Zur rechtlichen Seite möchte ich mich nicht äußern. Ansonsten geht zelten in den Alpen natürlich schon. Hab das auch schon gemacht, muß aber sagen, daß das Gepäck was ich einsparen kann ohne Zelt (Zelt, Isomatte, Schlafsack, Kocher, mehr Essen, wärmere Kleidung) doch so viel ist, daß es sich ab nem gewissen Tagesmarschpensum kaum lohnt. So bis 1000 hm rauf fand ich das mit dem zelten auch noch ne gute idee
Gut, muß man aber ausprobieren
Wir haben es ausprobiert und es war auch ganz cool! Nochmal würde ich es aber auf einer Tour mit solch dichter Hüttenbesiedlung nicht machen. Das geringere Gewicht, das man zu schleppen hat würde bei uns beim nächsten Mal den Vorrang bekommen!

Zitat:
Zitat von Senta Beitrag anzeigen
Ich empfehle euch noch ein bisschen mit dem Rucksack zu trainieren, und nehmt nicht zuviel mit max 12 kg incl. Getränke.
Die Marke haben wir locker geknackt mit 16-18 Kg. Jedoch ging das ganze recht gut! Auf der letzten Etappe hat mir gegen Ende die Schulter etwas weh getan, was aber nicht zuletzt dem hohen Tempo geschuldet sein dürfte. Mehr sollte es aber auf keinen Fall werden!

Zitat:
Zitat von erftwanderer Beitrag anzeigen
Den Berliner Höhenweg als Anfänger-Tour? Bist du wahnsinnig? Es war meine 2. Hüttentour vor ca. 15 Jahren und ich habe gelitten wie ein Hund
Mein persönliches Lieblingszitat! 8-) Ja, als Anfänger! Aber nicht als völlig unsportlicher Mensch. Natürlich war es an ein zwei Stellen recht anstrengend, aber alles in allem absolut machbar! Zu keiner Zeit hatten wir den Eindruck uns übernommen zu haben!

Zitat:
Zitat von Sani1980 Beitrag anzeigen
Der Berliner Höhenweg als Einsteigertour ist sicher möglich, aber bedenkt bitte, dass dies ein anspruchsvoller Weg ist. Ich kann mir nicht ganz vorstellen wo ihr dort "wild" zelten wollt
Haben wir bedacht und im Nachhinein auch als für die richtige Entscheidung befunden 8-) Zelten geht oberhalb vom Furtschagelhaus und am Schwarzsee (vor allem dort hervorragend).

Zitat:
Zitat von Senta Beitrag anzeigen
Für ein solches Vorhaben wie den Berliner Höhenweg solltet Ihr wirklich richtig fit sein, was macht ihr denn für ein Training dafür? Denn um so mehr Ihr macht umso schöner wird´s. Habe es auf dem E5 erlebt, wie sich die Leute plagen, die nicht fit genug für so eine Tour sind.
Zitat:
Zitat von erdnuss11 Beitrag anzeigen
Jahrelanges Fußballtraining, aktuell läuft die 6-wöchige Saisonvorbereitung mit 6 Trainingseinheiten die Woche, dazu joggen/laufen 20 km, Skifahren im Winter, hin und wieder Fahrradfahren und Schwimmen, je nach Laune... Ich denke das sollte schon passen
Zitat:
Zitat von erftwanderer Beitrag anzeigen
Nein, das passt nicht. Zum Wandern kannst du dich nur mit Wandern fit machen. Und vor allem mit Rucksack. Natürlich wirst du eine ausreichende Grundausdauer haben, aber jede Sportart belastet andere Muskelgruppen und die gilt es zu trainieren.
Ich habe schon viele an sich gut trainierte Sportler am Berg schimpfen hören und sich quälen sehen. Wenn du das haben willst, dann bitte...
Tja, was soll ich sagen… Mit Fitness gab es keine Probleme 8-) Wir wollten es haben und wir bekamen ein zwei anstrengende Momente, so wie wir es uns vorgestellt haben. Muskelkater, nur leichten nach der Rückkehr 8-) Jederzeit wieder!

Zitat:
Zitat von erftwanderer an anderen User gerichtet Beitrag anzeigen
bist du den Berliner Höhenweg mal gegangen? Hast du gesehen, dass in dem von dir verlinkten PDF-File zweimal tägliche Gehzeiten von 8 Stunden angegeben sind? Hast du dir die Höhenprofile angesehen? Besonders das letzte Stück zur Edelhütte hin über den Sieben-Schneiden-Weg ist wegen seines Verlaufes über grobes Blockwerk mörderisch. Und das als Anfänger. Da ist doch meine Warnung angebracht.
Wer diesen Weg ohne ausreichendes Training geht, und damit meine ich Bergwandern und nix anderes, knickt ein wie ein Primelchen bei Frost.
Auch ein sehr geiles Zitat 8-) Achtung: Ab sofort knicken Primelchen nicht mehr ein bei Frost! 8-) Zudem haben wir die 9 h für den letzte Etappe zur Edelhütte in 5,5 h runter gerissen mit einem zwischenzeitlichen Schauer. Manche Dinge werden heißer gekocht, als sie gegessen werden 8-)



Abschließend ein paar Wort an alle Anfänger:
Das Internet ist voll von Informationen und jeder informiert sich heutzutage über das Internet. Das ist auch gut und richtig so! Doch vergesst nie, dass im Internet viel geschrieben und gesagt wird. Nehmt nicht alles für bare Münze was ihr lest!
Wenn ihr den Berliner Höhenweg gehen wollt, dann sind die hier zuletzt aufgeführten Zitate sicher Dinge über die man nachdenken muss, aber letzten Endes entscheidet IHR, was ihr macht! Wichtig ist dabei, und das meine ich sehr ernst, dass ihr euch selbst realistisch einschätzen könnt! Das kann euch kein Internet dieser Welt abnehmen! Was könnt ihr leisten? Wie reagiert ihr wenn es zu Zwischenfällen kommt? Traut ihr euch das zu? Seid ihr gut vorbereitet?
Alle Tipps, auch die, dass wir wahnsinnig wären, sind sicher nicht böse gemeint. Ganz im Gegenteil! Ich bin der festen Überzeugung, dass man uns wirklich helfen wollte und das hat man mit den kritischen Tönen auch getan, in dem man uns zum Nachdenken/Abschätzen angeregt hat. Aber all die Aussagen beruhen immer auf den individuellen Erfahrungen eines Einzelnen und Erfahrungen werden immer variieren.
Wir haben viel Zeit mit der Vorbereitung verbracht und im Nachhinein nur wenige lessons learned gehabt!
Also, bereit euch anständig vor, schätzt euch selbst vernünftig und realistisch ein und entscheidet dann, ob eine solche Tour möglich ist! Viel Erfolg!

Eure rheinhessische Gämse,
Grunzi
Geschrieben von
Forumsfrischling
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Ort: Mainz
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Alt 04.09.2011, 08:33   #1
sunni
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Standard AW: Rheinhessisches Murmeltier und Gämse auf dem Berliner Höhenweg

Vielen Dank für den aufwendig bearbeiteten Reisebericht.

Mit Esprit geschrieben, sehr gekonnt bebildert und einer guten Portion Eigenwitz unterlegt.

Ich habe ihn bei zwei Tassen Kaffee nur genossen!

Sehr schön, dass Euch das Wetter so hold war.

Gut gefallen hat mir übrigens auch, dass daheim vergessene Bergschuhe nicht unerwähnt geblieben sind.

Grüße,

sunni
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Alt 04.09.2011, 16:42   #2
Senta
regelmäßig dabei
 
Benutzerbild von Senta
 
Registriert seit: 25.01.2008
Ort: Bayern / Allgäu
Beiträge: 82
Standard AW: Rheinhessisches Murmeltier und Gämse auf dem Berliner Höhenweg

Hallo Ihr Beiden,

es freut mich sehr, dass euch die Tour so gut gelungen ist, habt ja auch ein recht gutes Wetter gehabt so wie ich gesehen habe. Ich bin halt leicht etwas kritisch, da ich im Allgäu wohne und wirklich oft hochrote Köpfe und sehr platte Leute antreffe die sich einfach überschätzt haben.
Noch viel Spaß bei weiteren Touren
Senta ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 04.09.2011, 16:43   #3
Xan
Forumsfrischling
 
Registriert seit: 30.07.2011
Ort: Münster
Beiträge: 16
Standard AW: Rheinhessisches Murmeltier und Gämse auf dem Berliner Höhenweg

Wow. Toller Bericht. Gerne mehr davon wenns mal wieder losgeht
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Alt 09.09.2011, 07:46   #4
erdnuss11
Forumsfrischling
 
Registriert seit: 06.07.2011
Ort: Mainz
Beiträge: 15
Standard AW: Rheinhessisches Murmeltier und Gämse auf dem Berliner Höhenweg

Zitat:
Zitat von Senta Beitrag anzeigen
Hallo Ihr Beiden,

es freut mich sehr, dass euch die Tour so gut gelungen ist, habt ja auch ein recht gutes Wetter gehabt so wie ich gesehen habe. Ich bin halt leicht etwas kritisch, da ich im Allgäu wohne und wirklich oft hochrote Köpfe und sehr platte Leute antreffe die sich einfach überschätzt haben.
Noch viel Spaß bei weiteren Touren
War ja auch kein Vorwurf an dich! Du kennst uns ja nicht! Und lieber einmal zu viel gewarnt als einmal zu wenig! Vor allem weil sich im Allgemeinen Leute ja wirklich gern überschätzen! Wie gesagt ich bin ja dankbar für kritsche Töne!
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