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Andentrekking
Andentrekking
Geschrieben von bernieHH
05.04.2011
Standard Andentrekking

Hallo Trekkingbegeisterte,

erst kürzlich bin ich von meiner über 8 monatigen Reise durch
Südamerika zurückgekehrt. Es war ausschliesslich eine Trekkingreise. Alle Treks habe ich individuell gemacht und selber geplant, also ohne Führer und Agentur. Ein großer Teil meiner Touren führte durch Gegenden völlig abseits der bekannten Treks. Hauptsächlich kam es mir auf spektakuläre Landschaften an mit viel Natur und unberührte Wildnis sowie darum möglichst wenig durch besiedeltes Gebiet zu laufen. Allgemeines wie Land, Leute und Kultur haben mich nicht so interessiert. Es ging durch 4 Länder: Südperu, Bolivien, Argentinien und Chile.

Heute schreibe ich hier nur einen kleinen Vorspann. In den nachfolgenden Wochen werde ich für Interessierte über jeden Trek einzelnd hier berichten. Gleichzeitig werde ich die Touren auch auf meiner Seite stellen:
www.trekking.magix.net , natürlich viel detaillierter und auch mit viel mehr Fotos wie hier, auch mit genaue Routenangaben auf Google Earth Bilder.

DIE PLANUNG:
Schon bei der Planung meiner Reise habe ich beim lesen der einschlägigen Reiseführer und Trekkingbücher schnell gemerkt dass ich nur wenig Lust darauf hatte die Treks aus Büchern nachzulaufen. Da wäre mir zu viel Fahrwegwandern mit dabei und sowas mag ich nicht. Meine Routen sollten durch möglichst ursprüngliche Gegenden führen,....ohne Straßen und Fahrwege, also nur auf Pfade oder durch wegloses Gelände.
Das soll nun nicht heissen dass ich alle Treks aus Büchern schlecht finde. Einige sehr gute Routen und Anregungen habe ich dort auch gefunden, die ich teilweise dann auch gemacht habe,....ich war also nicht nur auf unbekannten Routen unterwegs.
Mein Haupt-Planungsmedium vor der Reise von zu Hause aus war Google Earth. Um neue Routen zu finden, die meinen Kriterien entsprechen, reicht eine Planung nur anhand von Google Earth jedoch nicht aus, das habe ich auf vorigen Reisen auch schon gemerkt. Topographische Karten, die für Südamerika meist völlig veraltet und teilweise in einer sehr schlechten Qualität sind, gehörten zu meiner Planung ebenfalls mit dazu und zu guter letzt habe ich dann oft auch noch einiges an Zeit für die Auskundschaftung vor Ort benötigt.

Rausgekommen sind dabei absolut super Treks. In den ganzen 8 Monaten war kein einziger dabei der schlecht war,....im Gegenteil, einige Touren fand ich sogar absolute Weltklasse, die ich mit zu den besten zählen würde die ich jemals gemacht habe.
Oftmals waren es die unbekannten Routen, die niemand kennt und die in keinen Büchern drinstehen, die sich wie auf vorigen Reisen auch schon, so auch diesmal, im Nachhinein immer wieder als Top-Highlights der gesamten Reise herauskristallisiert haben. Manchmal war ich echt überrascht wieviele spektakuläre Gegenden man immer wieder neu findet, aber das könnt ihr ja später selber sehen wenn ich meine Bilder online stelle.

Vom Schwierigkeitsgrad waren meine Touren ziemlich gemischt: von leichte Treks bis hin zu sehr schwere weglose Wildnisdurchquerungen war alles mit dabei.
Die unbekannten Routen waren dabei meistens eine ganze Ecke anspruchsvoller als die bekannten Treks.

Über acht Monate war ich also unterwegs. Zwei Monate davon hat mich Jewgenij begleitet. Ihn kenne ich vom Fahrradkurierfahren in Hamburg aber nun studiert er Sport in Mainz. Jewgenij hat die peruanischen Treks mitgemacht und den El Choro Trek in Bolivien.
Über zwei Monate später kam Gerald nach, er ist hier im Forum als Wanderfalke registriert. Letzten Sommer haben wir unseren ersten gemeinsamen Trek gemacht, eine viertägige Harzdurchquerung:
www.europatreks2.magix.net
Für Südamerika hatte er leider nur einen Monat freibekommen. Das reichte gerade für die Hornopirén Traverse, die Nahuel Huapi Traverse und die Cordón del Ñirihuau.
Die restlichen 5 Monate bin ich dann also alleine alleine gereist.


In den nächsten Tagen werde ich hier schonmal mit dem
Bericht über den ersten Trek beginnen,......aber bis ich alle drin habe kann es noch ewig dauern.
Im nachfolgenden schreibe ich hier schonmal alle Treks als Gesamtübersicht auf:


1. Zongo // Bolivien / 8 Tage
2. Condoriri // Bolivien / 7 Tage
3. Cordillera Real // Bolivien / 13 Tage
4. Vilcanota // Peru / 9 Tage
5. Cerro Putukusi // Peru / Tageswanderung
6. Cordillera Vilcabamba // Peru / 18 Tage
7. El Choro Trek // Bolivien / 3 Tage
8. Valle de Ánimas // Bolivien / Tageswanderung
9. Mapiri Trek // Bolivien / 6 Tage
10. Serranias Volcanes // Bolivien / Tageswanderung
11. Amboró // Bolivien / 9 Tage
12. Cordón del Plata // Argentinien / 11 Tage
13. Sendero Transversal/Tantauco // Chile / 9 Tage
14. Rio Cochamó // Chile / 6 Tage
15. Hornopirén Traverse // Chile / 9 Tage
16. Nahuel Huapi Traverse // Argentinien / 9 Tage
17. Cordón del Ñirihuau // Argentinien / 3 Tage
18. Isla Riesco/Alacalufes // Chile / 20 Tage
19. Circuito de los Dientes // Chile / 4 Tage
20. Peninsula Brunswick // Chile / 16 Tage
21. Rio de las Minas // Chile / Tageswanderung

Die Treks 13 bis 21 liegen in Patagonien.

Gruss Bernd
Geschrieben von
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Alt 13.04.2011, 17:56   #1
bernieHH
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Beiträge: 359
Standard AW: Andentrekking

Trek 1 Zongo

8 Tage

So, den ersten Trek habe ich nun auf meiner Seite:
www.trekking.magix.net

Prinzipiell könnte man diesen Trek auch zusammen mit dem zweiten und dritten (Condoriri & Cordillera Real) zu einer großen 25 tägigen Durchquerung der Cordillera Real zusammenfassen, die über insgesamt 26 Pässe führte. Ich stelle sie aber auf meiner Seite, so wie auch hier als unabhängige Touren vor.

Die ersten beiden Treks (Zongo & Condoriri) habe ich sogar direkt nacheinander durch mit nur einer Proviantladung gemacht, also beim Start hatte ich Essen für über 15 Tage im Rucksack. Nach dem zweiten Trek bin ich wieder nach La Paz zurückgekehrt zum einzukaufen für den dritten Trek.

CORDILLERA REAL / Allgemeines und Routenplanung
Die Cordillera Real ist die "Königskordillere" Boliviens, also die Gebirgskette mit der größten Konzentration von vergletscherten Bergen,.....es gibt hier sechs Sechstausender und jede Menge Fünftausender. Die Cordillera Real ist mit die beste Hochgebirgstrekkinggegend des Landes.

Die Täler sind sehr hochgelegen, meistens zwischen 4000 und 4500 m, entsprechend karg und waldlos ist das Gebirge. Im Westen läuft es aus ins trockene bolivianische Hochland und im Osten, ein ganzes Stück vom Hauptkamm weg, fällt es ab in die engen tiefen Regenwaldtäler der Yungas.

Vor meiner Reise habe ich mich schon informiert: Aus der Bücherei habe ich mir alles an Büchern und Trekkingführern ausgeliehen was ich über die Cordillera Real finden konnte. Also man findet da schon einige tolle Touren, auch Beschreibungen von einer 20 tägigen Durchquerungen der gesamten Gebirgskette. Meine Routenplanung verlief jedoch völlig unabhängig von den Beschreibungen aus Büchern. Hin und wieder habe ich zwar mal Routenabschnitte mit eingebaut die ich in Büchern fand, aber 83 Prozent meiner gesamten Treklänge von Trek 1 bis 3 war meine selber geplante Route, die ich in keinen Buch gefunden habe.

Die Cordillera Real ist einsam und relativ unerschlossen,.....aber keine unbewohnte Wildnis. Auf meiner langen Wanderung durch die kanadischen Rockies 2008 ging es durchgehend durch unbewohnte und unberührte Wildnis
www.kanadische-rockies.magix.net
aber in den Hochanden wohnen Menschen, die meisten Täler werden von Hirten als Weidegrund für ihre Lamas, Rinder und Pferde benutzt. In vielen Tälern findet man kleine bewohnte oder leerstehende Hütten, manchmal auch Hüttenansammlungen. Im Schnitt habe ich alle zwei Tage mal Leute getroffen, meist Hirten, aber durch richtige Dörfer bin ich auf meiner gesamten Route nur relativ wenig gekommen,......eigentlich kann man schon sagen bis auf paar Ausnahmen fast garnicht. Der Himalaya ist z.B. viel dichter besiedelt wie die Anden.

Auch was die Frequentierung von Trekkern betrifft ist die Cordillera Real ziemlich leer. Obwohl ich es mit zu den besten Trekkinggegenden Boliviens zählen würde, trifft man hier fast keine anderen Trekker. In den gesamten 25 Tagen die ich dort unterwegs war habe ich nur an einer einzigen Stelle andere Wanderer getroffen, das war am Condoriri Basislager, aber dort dann gleich mehrere organisierte Trekkinggruppen.

Soviel also zum Thema allgemeines,.....jetzt gehts weiter mit meinen ersten Trek:

Trek 1 Zongo
Mein Trekkingstartpunkt bei der Laguna Zongo liegt nur etwa 30 km von La Paz entfernt. Ein Bus fährt pro Tag von El Alto (Stadteil von La Paz) nach Zongo, und das gleich am frühen Morgen um 6 Uhr. Da ich so früh nicht aus dem Bett kam habe ich den natürlich verpasst. Habe daher mein Glück per Anhalter versucht, was auch ganz gut geklappt hat, nachmittags gegen halb zwei kam ich an.

Von Deutschland gings direkt nach La Paz, dann auf den ersten Trek und die erste Campnacht gleich auf 4830 m Höhe. Ergebnis: Mir gings mega schlecht, schwere Kopfschmerzen sowie massive Höhenprobleme. In La Paz hatte ich mir zwar einige Tage akklimatisiert, aber das war anscheinend nicht genug. Habe die folgenden Tage reichlich Paracetamol geschluckt. Die Kopfschmerzen sind davon zwar weggegangen aber die Höhe habe ich immer noch gespürt. Dazu kam noch das schwere Gepäck, Essen für gleich zwei Treks mitgeschleppt, mehr wie 6 bis 10 km pro Tag waren da nicht drin.



Dieser erste Teil meiner Cordillera Real Durchquerung hat 8 Tage gedauert, führte über 5 Pässe und durch die Täler auf der Ostseite des Hauptkammes, die zu den Yungas abfallen. Meistens gings auf schmale Pfade die auf den topographischen Karten nicht mit eingezeichnet sind, manchmal durch wegloses Gelände. Landschaftlich war´s eine phantastische Route. Was aber spektakuläre vergletscherte Gebirgspanoramen betrifft, da war zwar der nächste Trek durchs Condoriri-Gebiet zwar noch besser, die Hauptattraktionen auf diesen ersten Trek waren die beeindruckenden Wolkenpanoramen die aus den Urwaldtälern der Yungas hochkamen.



Wenn ich vorher gut akklimatisiert wäre und unterwegs keine Zeit durch Routenauskundschaftung verloren hätte, wäre dieser Abschnitt auch in 5 Tagen zu machen gewesen.

Der erste Pass war sehr hart, wegloses hochalpines Gelände mit nur wenige sporadische Steinmänchenmarkierungen, an paar Stellen leichtes Kraxeln.
Normalerweise wäre dieser Pass nicht so schwer, aber wegen meiner Höhenprobleme zusammen mit dem schweren Gepäck bin ich nur sehr langsam vorwärtsgekommen. Dieser erste Pass war mit 4970 m der höchste und zugleich auch der anstrengenste Pass des gesamten ersten Treks.

Am vierten Tag bin ich an zwei kleinen Siedlungen vorbeigewandert aus einfachen Stein- und Strohdachhütten. Menschen habe ich hier zwar keine gesehen, aber die Hütten waren definitiv bewohnt.



Die ersten Menschen auf dieser Tour habe ich am fünften Tag getroffen, hinter dem Pass Nr.3 am oberen Rio Chirini. Das waren Goldsucher aus La Paz. Sie sind zu Fuß auf schmale Pfade vom Rio Zongo hierhergekommen und campten in einfache Bambus- und Plastikplanenhütten im Regenwald.



Ursprünglich hatte ich geplant den Rio Chirini noch ein ganzes Stück abwärtszuwandern bis runter zum Rio Zongo. Der schmale Regenwaldpfad endet aber zwei Stunden unterhalb des Goldgräbercamps und ohne Pfad sowie ohne Machete sind diese dichten Bergregenwälder fast undurchquerbar. Einer von den Goldsuchern schien, wie ich es verstanden habe, die Gegend ganz gut zu kennen. Leider ist aber mein Spanisch sehr schlecht so dass ich nur weniger wie die Hälfte verstanden habe, er hat jedenfalls gesagt daß es unmöglich ist den Rio Chirini weiter abwärts zu wandern wegen unpassierbarer Schluchten.
Nach mehrmaligen Nachbohren hat er zwar eingräumt daß die Route zwar machbar wäre wenn man eine Machete dabeihätte, aber extrem hart und daß man für die nur 25 km talabwärts über eine Woche brauchen würde.
Normalerweise lasse ich mir ja nicht so schnell von einem Einheimischen eine geplante Route ausreden, aber ihm habe ich es geglaubt. Ausserdem habe ja auch selber gesehen wie dicht der Wald hier ist und wie schluchtig das Tal weiter unten auf der Karte aussieht.
Er schien ziemlich kompetent zu sein was Wildnis- und Regenwaldwandern hier in dieser Gegend betrifft und hat mir auf der Karte gezeigt wo er schon überall gewandert ist. Dann erzählte er von einen alten vergessenen Inkapfad der südlich vom Rio Chirini oben die offenen Bergkämme entlangführen soll und von dort irgendwo ein schmaler Urwaldpfad existiert der runter zum unteren Rio Chirini führt. Dies wäre definitiv eine super Tour, für die man aber laut seiner Aussage auch eine Woche unterwegs wäre und leider fehlte mir das Kartenblatt mit diesen Bergkämmen.
Ich war aber trotzdem am überlegen diese Route zu versuchen, habe mich dann aber wieder umentschieden. Wenn ich ne Woche brauche würde, hätte ich meinen zweiten Trek nicht mehr wie geplant machen können ohne vorher einen Abstecher zurück nach La Paz machen zu müssen für neue Provianteinkäufe.

Ich habe dann also die Normalroute zum Rio Zongo genommen auf der auch die Goldsucher hierhergekommen sind. Das war landschaftlich auch eine sehr lohnende und abgelegene Route auf schmalen unmarkierten Pfad über zwei kleine Pässe und dann einen ganzen Tag oberhalb der Urwaldgrenze im auf und ab die Hänge entlang, weit oberhalb des Rio Zongo.



Am oberen Rio Zongo führte der Pfad runter ins Tal, wo ich auf eine Fahrpiste stieß und dieser Trek sormit beendet war.
Paar bewohnte Hütten standen hier, ich habe versteckt im Busch gecampt um am nächsten Morgen gleich mit dem Trek Nr.2 zu starten.

Für viel mehr Fotos und auch mit genauere Routenangaben auf Google Earth Bilder klickt bitte auf den oben genannten Link
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Alt 14.04.2011, 20:27   #2
bernieHH
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Gestern hat das hochladen von Fotos nicht geklappt, versuche es also nachträglich nochmal.

Für eine Großansicht bitte auf das Foto klicken.....

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tremendopunto (08.05.2011)
Alt 18.04.2011, 21:48   #3
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Trek 2 Condoriri
7 Tage

Hier kommt also nun ein relativ kurzgefasster Bericht über meinen zweiten Trek.

Mehr Fotos gibt´s auf meiner Seite
www.trekking.magix.net

Dieser Trek startete beim Dorf Coscapa , nur etwa 8 bis 10 km vom Ende meines ersten Treks. Coscapa liegt in einem Seitental des Rio Zongo, ein schmaler Fahrweg führt dort hin. Ich wurde zum Glück von einem Lastwagen mitgenommen, so dass ich diesen Abschnitt nicht laufen musste, ein Busverkehr gibt es hier nicht. In Coscapa endet der Fahrweg, von dort gehts also nur noch zu Fuß weiter.....

Dieser zweite Teil meiner Cordillera Real Durchquerung führte also von Coscapa aus in 7 Tagen über 9 Pässe rüber, einmal halb um die vergletscherte Condoririgruppe herum. Der höchste Berg dieses vergletscherten Gebirgsmassifs ist der 5638 m hohe Condoriri, oder auch Cabeza de Condor genannt.

Wenige Stunden hinter Coscapa wanderte ich an der letzten bewohnten Hütte vorbei, das war auch zugleich die einzigste bewohnte Hütte überhaupt auf den gesamten Trek, durch Dörfer führte meine Route gar nicht. Die Hochtäler werden aber dennoch als Weidegrund für Lamas, Rinder und Pferde genutzt, daher habe ich auch oft schmale Pfade gefunden sowie hier und da mal eine leerstehende Hütte oder Hüttenruine.

Bis zum Pass Nr. 5 führte meine Route durch die abgelegenen grasigen Hochtäler auf der Ostseite des Hauptkammes. Diese Täler sind bei Trekkern noch völlig unbekannt und stehen in keinen Büchern drin.
Einen blauen Himmel habe ich hier relativ selten erlebt, meistens zogen Wolken aus den Yungas hoch, die die Täler eine ziemlich mystische Stimmmung gegeben haben.




Hinter dem fünften Pass kam ich in die Hochtäler auf der Westseite des Hauptkammes. Dort war das Wetter insgesamt etwas stabiler wie in den Osttälern, es war meistens blauer Himmel mit viel weniger Wolken wie die Tage davor. Die vergletscherte Gebirgslandschaft auf der Westseite des Condoriri zählt mit zu den spektakulärsten der gesamten Cordillera Real. Auf der Westseite kam ich auch in ein Haupttrekkinggebiet. Der Condoriritrek wird von jeder Agentur in La Paz angeboten und steht eigentlich auch in fast jeden Trekkingführer drin.




Am Abend des fünften Tages kam ich ins Condoriri Basislager wo ich die ersten Menschen seit über 4 Tagen traf. Mehrere organisierte Trekkinggruppen waren hier am campen, hier habe ich auch die einzigsten Trekker überhaupt getroffen, von allen Treks in der Cordillera Real zusammengezählt.






In den folgenden zwei Tagen bis zum Trekende waren keine anderen Wanderer mehr auf meiner Route unterwegs und die Landschaft war wirklich grandios!

Am Nachmittag des siebten Tages erreichte ich den schmalen Fahrweg bei der Laguna Sora Khota wo ich den Trek beendet habe.
Ich wollte zurück nach La Paz trampen, aber es kam bis zum Abend absolut kein Fahrzeug vorbei. Bin also in 4 Stunden die 17 km bis zum nächsten Dorf gewandert, wo ich auf die Hauptstrasse nach La Paz stieß und dann auch sofort einen Transport dorthin gefunden habe.
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Alt 28.04.2011, 18:15   #4
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Trek 3 Cordillera Real // Bolivien

13 Tage


Nun kommt der dritte und letzte Teil meiner Cordillera Real Durchquerung:
www.trekking.magix.net

Nachdem ich wieder genügend Proviant eingekauft hatte bin ich von La Paz mit einem lokalen Bus nach Peñas gefahren. Von dort waren es noch 15 km auf einen schmalen Fahrweg zu meinen Trekkingstartpunkt am Lago Kara Khota am Fuße der Gebirgskette.
Ein Einheimischer hat mich hinten auf seinem Motorrad mitgenommen. Das war eine ziemlich unbequeme Fahrt mit meinen schweren Rucksack auf dem Rücken hinten auf dem Motorrad zu sitzen auf dieser steinigen Holperpiste,.....aber dann musste ich das Stück wenigstens nicht laufen und ich war heilfroh als ich gegen 16 Uhr am Lago Kara Khota ankam.



Bin dann auch gleich losgewandert und habe bis zum Errichten des Camps noch 6 km geschafft.

Abgesehen von paar unangenehmen Zwischenfaellen war dies eine super Trekkingtour durch den zentralen Teil der Cordillera Real. Meine Route fuehrte über 12 Pässe durch eine sehr urspruengliche und kaum besiedelte Gebirgslandschaft, ohne Strassen und Fahrwege.
Genau wie auf den ersten beiden Treks war auch hier die Landschaft karg und hoch, selten bin ich mal unter die 4000er Marke gekommen. Der gesamte Trek führte auf schmale Bergpfade von denen die meisten auf den topographischen Karten nicht mit eingezeichnet sind, und manchmal auch durch wegloses Gelände.

Der Trek startete im weitläufigen bolivianischen Hochland am Fuße der Cordillera Real. Von dort bin ich dann über drei kleine sanfte Pässe und Bergrücken langsam ins Gebirge reingewandert. Mein Ziel war es den vergletscherten Hauptkamm zu überqueren um zur Laguna de Leche zu kommen, ein blauer Bergsee der auf der anderen Seite liegt.



Am Abend des zweiten Tages bin ich plötzlich richtig krank geworden mit heftige Magen-Darm Probleme, Fieber, Durchfall und ¤*#¤*#¤*#¤*#¤*#n. Die ganze Nacht über fühlte ich mich ziemlich übel und musste ständig aus dem Zelt wegen Durchfall. Auch die Kälte empfand ich schon fast als grenzwertig, dabei waren es nur minus 7 Grad. An anderen Nächten habe ich bei minus 7 Grad so gut wie garnicht gefroren, ich denke mal das lag am Fieber.

Ich vermute dass ich in La Paz was schlechtes gegessen hatte. Schon bei meiner Abreise aus der Hauptstadt hatte ich erste Anzeichen von Magenproblemen gespuehrt. Ausser Imodium gegen Durchfall hatte ich keine anderen Medikamente dabei.

Eigentlich war es schon beschlossene Sache dass ich den Trek abbrechen wollte um zurueck nach La Paz zu kehren.
Am nächsten Tag fühlte ich mich immer noch schlecht und lag ich den ganzen Vormittag in der prallen Sonne im Zelt und ueberlegte hin und her ob ich nun abbrechen sollte oder nicht. Dazu kam auch noch ein Hirte vorbei der mir gesagt hatte dass es aus diesem Tal keine möglichen Passüberquerungen gibt und dass die einzigste mögliche Route der Rückmarsch wäre,....na toll!! Aber was dies betrifft habe ich meiner topographischen Karte eher getraut als die Aussage des Hirten.

Am Nachmittag habe ich mich dann doch noch aufgerafft und mich die zweieinhalb Kilometer bis ins Talende geschleppt wofuer ich Stunden gebraucht habe. Ich wollte erstmal abwarten. Wenn ich den Trek abgebrochen haette und in La Paz würde es mir wieder gutgehen dann hätte ich mich auch geärgert.

Am drauffolgenden Tag gings mir schon wieder einigermassen gut. Ich entschied mich für den Aufbruch. Aber welche Route sollte ich nehmen?? Zwei Möglichkeiten sah ich auf der Karte: Entweder direkt von hier einen hohen Gletscherpass über den Hauptkamm und auf der anderen Seite runter zur Laguna de Leche. Oder eine Doppelpass-Überquerung zur Laguna de Leche,....d.h. direkt von hier über einen unvergletscherten 5000er Pass ins Paralleltal um dann von dort über einen vergletscherten Hauptkammpass zur Laguna de Leche zu steigen. Die zweite Möglichkeit sah auf der Karte länger und anstrengender aus. Aber für einen vergletscherten Pass fühlte ich mich heute noch nicht fit genug und entschied mich deshalb heute erstmal den nicht ganz so hohen unvergletscherten Pass zu überqueren,....aus diesem Grund entschied ich mich für die zweite Möglichkeit.

Es ging pfadlos und sehr steil den Felsbrocken- und Geröllhang hoch zum Pass. Es war sehr anstrengend, aber nicht technisch anspruchsvoll, um einige Senkrechtabstürze rumsteigen. Auf der anderen Seite gings dann runter ins Paralleltal wo ich am Fuße des Gletschers gecampt habe, den ich dann am drauffolgenden Tag aufsteigen wollte um über den Hauptkamm der Cordillera Real zu steigen.

Meine Route führte zwar nur für 2,5 km über Gletscher, aber dieser Gletscher war sehr anstrengend, wesentlich anstrengender wie die Gletscher die ich aus Nordamerika, Europa oder Neuseeland kannte. Die Oberfläche war von einer sehr rauhen und unebenen Schnee- Eisschicht bedeckt auf der man nur schwer wandern konnte und immer wieder sackte man ein oder brach in kleine Wasserlöcher ein. Es wurde ein sehr harter Tag über den 5190 m hohen Paso Chachakumani und erst kurz vor dem Dunkelwerden erreichte ich auf der anderen Seite die Laguna de Leche wo ich am Ufer mein Camp aufschlug, dies war schon der fünfte Trekkingtag. Eine traumhafte Landschaft hier beim See.






Am nächsten Morgen fuehlte ich mich wieder grippig mit Anzeichen von Magenproblemen. Dennoch habe ich das Camp abgebaut und bin losgewandert. Habe aber nur paar Kilometer geschafft, danach war ich fix und fertig und mir gings so dreckig dass ich mich erstmal für die nächsten paar Stunden in die pralle Sonne in den Schlafsack gelegt habe. Gegen Spätnachmittag gings wieder einigermassen so dass ich noch die restlichen Stunden bis Abends wandern konnte. Kurz vor Pass Nr. 6 habe ich mein Camp aufgeschlagen.

Fuer den Rest des Treks gings mir dann gut und ich habe nichts mehr von Unwohlsein gespürt.

Im weiteren Verlauf ist der Trek super verlaufen und es ging weiterhin durch beeindruckene unberührte Gebirgslandschaften.




Durch richtige Doerfer bin kaum gekommen, dafür aber öfter an bewohnte Hütten vorbeigewandert, einfache Lehmziegelhütten, die Dächer mit Gras oder Stroh bedeckt. Fast jeden Tag habe ich einen oder zwei Hirten getroffen, also insgesamt gesehen wesentlich mehr Leute wie auf den ersten beiden Treks.



Wenn man die Menschen anspricht, klar dann sind sie freundlich und hilfsbereit,.....aber ansonsten eher distanziert und zurueckhaltend. Eine ueberschwengliche Gastfreundschaft wie man sie z.B. in den Bergdoerfern im Indischen Himalaya erlebt, gibt es hier nicht.
Andere Trekker habe ich auf der gesamten Tour keine einzigen getroffen.

Die Gegend um den vergletscherten Nevado Illampu, um den der in vielen Büchern beschriebene Illampu Circuit verläuft, habe ich auf meiner Route bewusst gemieden. Nach meiner Recherche würde man auf große Teile des Illampu Circuits durch Täler kommen die schon mit Fahrwege bzw. Minenfahrwege erschlossen sind, einige davon relativ neu und noch in keinem Buch oder Karte erwähnt und das erschien wenig attraktiv für mich.
Daher habe ich mich hinter Camp 7 Richtung Norden immer weiter vom Hauptkamm entfernt Richtung Yungas bewegt.



Mein Plan war in die Bergurwälder am Rio Tipuani abzusteigen wo ich an das untere Ende des Camino del Oro stoßen würde, wo ich diesen Trek beenden wollte. Aber dieser Abstieg in die Yungas ist gründlich schief gelaufen.



Zwei Pässe und zwei Tage später erreichte ich das Dorf Lipichi. Kurz davor war meine gute topographische 50.000er Karte zuende. Ab dann hatte ich nur noch eine sehr schlechte 100.000er Karte auf der der folgende Abschnitt bis zum Rio Tipuani nur als großer weisser Fleck dargestellt war,.....das heisst also ich hatte praktisch keine Karte.



Von den Einwohnern die ich in Lipichi über eine Hochroute zum Rio Tipuani befragt hatte erzählte mir einer es existiert KEINE Route. Ein anderer meinte es gebe eine Route, ich müsse mich nur hinter dem Pass links halten.

Am Anfang war noch ein gut erkennbarer Pfad da, der sich aber im Verlaufe des Tages immer wieder verlor. Die Routenführung erwies sich als komplizierter wie erwartet durch zwei verschiedene Hochtäler und ohne Karte. Ohne Ortskenntnisse oder sehr guten Orientierungssinn hätte man normalerweise kaum Chancen den Weg zu finden. Ich war aber der Meinung am Abend den besagten Pass gefunden zu haben, an dessen Fuss schlug ich mein Camp auf.

Einen Pfad gab es nicht mehr, weglos ging es über den Pass rüber. Auf der anderen Seite ein Stückchen tiefer sah ich auf der linken Seite einen Bergrücken zum Rio Tipuani abfallen, das kann eigentlich nur die richtige Route sein, dachte ich. Auf diesen Bergrücken entdeckte ich sogar wieder einen schmalen Pfad. Als der aber weiter unten in den Bergregenwald eintrat war Schluss mit Lustig: Der Pfad sah aus als ob er seit Jahren nicht mehr benutzt wurde.
Aber egal, es ging ja vorwärts. Ich folgte Pfad abwärts, zwängte mich durch den Busch und merkte dabei nicht wie schwer die Route weiter unten wurde. Als ich es bemerkte war es zu spät: ich hatte mich hoffnungslos im Dickicht festgelaufen. Selbst ohne Gepäck hätte ich kriechen müssen um weiterzukommen.



Ich bin schon viel pfadlos durch Regenwälder gewandert, aber dieser Dschungel hier ist ohne Machete wirklich unpassierbar. Selbst mit Machete hätte es vielleicht Tage gedauert bis man sich eine Route runter zum Fluss gehackt hätte und der Rio Tipuani liegt nur noch gut 2000 Höhenmeter tiefer und paar Kilometer Luftlinie entfernt.

Seit dem Dschungelbeginn bin ich höchstens 150 bis 200 Höhenmeter tiefer gekommen.
Es hatte keinen Sinn weiterzugehen, ich entschied mich zur Umkehr. Beim Aufstieg musste ich gegen den Busch kämpfen. Es war mörderisch hart, dazu war es heiss, ich hatte nur noch wenig Wasser und es gab auch keins zu finden. Habe über 8 Stunden gebraucht für nur etwa 200 Höhenmeter runter und wieder rauf. Im Dunkeln erreichte ich endlich den offenen Bergrücken oberhalb der Dschungelgrenze. Eine Zeltmöglichkeit gab´s hier nicht, also legte ich mich unter freien Himmel schlafen, verzichtete auf das Abendessen da ich kaum noch Wasser hatte. Dies war ein Alptraumtag und am nächsten Morgen war mein Schlafsack sowie Gepäck klitschenass vom Tau!

Am Morgen war ich immer noch entkräftet und geschlaucht vom Tag zuvor. Ich stieg in ein grasiges Hochtal wo ich bei einen Bach eine lange Kochpause in der Sonne machte und um meinen Schlafsack zu trocknen.
Rinder weideten hier, also musste es doch irgendwo einen Pfad geben der runterführt. Ich wollte noch den nächsten Bergrücken weiter östlich auskundschaften, aber beim Aufstieg wurde es neblig und ich konnte nichts mehr sehen.

Ich hatte keine Lust und keine Motivation mehr. Dies war der elfte Trekkingtag und in drei Tagen wollte ich in La Paz sein weil Jewgenij kommt. Anstatt zu warten bis sich der Nebel auflöst um dann noch weiter hier rumzusuchen entschied ich mich den ganzen Weg durch die Cordillera zurückzumarschieren. Ich wollte zurück nach Lipichi und von dort dann nicht auf der gleichen Route zurückwandern sondern den schnellsten und direktesten Weg zum nächstgelegensten Fahrweg nehmen,......und der lag beim Dorf Amawaya. Heute quälte ich mich noch zurück über den letzten Pass wo ich die vorletzte Nacht gecampt hatte. Ich hatte keine Lust mein Zelt aufzuschlagen, habe daher einen Kilometer weiter talabwärts wie ein Penner in einer kleinen Felshöhle übernachtet.



Am darauffolgenden Morgen war ich dann wieder bei Kräften. Habe an diesen Tag einen Gewaltmarsch hingelegt von 7 Uhr morgens bis Mitternacht durch, über zwei Pässe bis kurz vor Amawaya meinem Endziel. Erstens wollte ich möglichst schnell zurück nach La Paz und zweitens wollte ich auf keinen Fall den Pick-up verpassen der am darauffolgenden Tag vom Amawaya nach La Paz fahren sollte. Der fährt angeblich nur ein bis zweimal die Woche und wenn ich den verpasst hätte müsste ich den Weg zu Fuss laufen und wäre bestimmt erst anderthalb Tage später in La Paz.

Am Vormittag war ich wieder in Lipichi. Hier erfuhr ich dann daß der Bergrücken auf dem ich gestern im Nebel umgekehrt bin der richtige gewesen wäre. Dort oben würde ich am Dschungelbeginn auf einen freigehackten Pfad stossen der runter ins Tal führt,....aber egal.
Als es dunkel wurde hatte ich einen 4000er Pass hinter mir und passierte das Dorf Chocapa. Ich wanderte noch die halbe Nacht durch auf steinige Gebirgspfade die steilen Bergflanken entlang und über den letzten 4000er Pass. Zum Glück war Vollmond so dass ich auch ohne Stirnlampe den Pfadverlauf noch gut sehen konnte. Ein bis zwei Kilometer vor Amawaya konnte ich dann nicht mehr und hab mich neben den Pfad unter freien Himmel zum pennen gelegt um den Rest am nächsten Morgen zu wandern.



In Amawaya beginnt der Fahrweg,.....hm, eigentlich ist es nur ein schmaler steiniger Holperweg. Nach etwa 4 Stunden geholpere hinten auf der Ladeflaeche des Camionetas (=Pick-up) zusammen mit paar Einheimischen kam ich voellig dreckig und verstaubt in La Paz an.
Bin wieder ins gleiche Hostel gegangen und selbst nach zweimal duschen ging der ganze Dreck nicht ganz runter.

In der Nacht kam Jewgenij an. Die folgenden Treks durch Peru wollen wir also gemeinsam machen.
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tremendopunto (08.05.2011), wetterfest (29.04.2011)
Alt 08.05.2011, 10:21   #5
bernieHH
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Standard AW: Andentrekking

Trek 4Vilcanota// Peru

9 Tage

Jewgenij ist am 25.August in La Paz angekommen. Genau zwei Monate hatte er Zeit.
Unser erster gemeinsamer Trek sollte uns durch die Cordillera Vilcanota in Südperu führen.

Den kompletten Trek habe ich nun auf meiner Seite:
www.trekking.magix.net

Der Beginn ist alles andere als gut verlaufen, um nicht zu sagen fast in einem Supergau geendet!!
Es fing schon an als wir noch in La Paz waren: Seit Jahren hatte ich keine Zahnprobleme mehr, aber ausgerechnet jetzt ist innerhalb von paar Tagen meine Backe angeschwollen und ich konnte vor Zahnschmerzen nachts nicht mehr schlafen.
Auch Jewgenij hatte Probleme, sein linkes Ohr war von innen angeschwollen und entzündet. Das lag daran daß er einen Tag vor seinen Abflug nach Bolivien den Tauchschein gemacht hatte.

Ich bin zum Zahnarzt gegangen. Ergebnis: eine fette Wurzelbehandlung! Eine ganze Wurzelbehandlung dauerte mir aber zu lange. Daher war ich nur am drauffolgenden Tag nochmal beim Zahnarzt. Danach bin ich nicht mehr weiter hingegangen und hoffte daß es für die nächsten 6 Monate bis ich wieder in Deutschland gehen würde.

Jewgenij war im Krankenhaus. Der Arzt meinte das Ohr muss operiert werden. Er wollte es aber erst nur mit Schmerztabletten, Tropfen und Antibiotika behandeln und dann mal schauen wie es ist wenn er wieder zurück in Deutschland ist.


Nach unseren ganzen Arzt- und Zahnarztbesuchen konnten wir dann endlich zwei Tage später wie geplant den Bus nach Cusco nehmen.
In Cusco kauften wir unseren Trekkingproviant für 10 Tage ein. Weil ich dann auch noch einen Tag Fieber hatte mit etwas Durchfall ging uns hier auch nochmal ein Tag flöten.





Irgendwann waren wir dann bereit für den Aufbruch. Wir nahmen ein Micro nach Tinqui, unseren Trekkingstartpunkt. Fast drei Stunden Fahrzeit, Ankunft gegen Mittag. Wir sind dann gleich losgewandert. Nun waren wir endlich auf dem Trek! Am ersten Tag sind wir noch 5 Stunden gewandert.

Auf 4400 m Höhe schlugen wir unser erstes Camp auf. Es schneite die ganze Nacht. Als ich gegen 3 Uhr morgens wach wurde und mal raus zum pinkel musste, kam mir das Zelt so leer vor. Ich fragte Jewgenij, "sag mal, wo ist eigentlich dein Rucksack?" Es dauerte nichtmal eine Minute bis wir gecheckt hatten was passiert war: Der Rucksack war geklaut!!! Jewgenij´s kompletter Rucksack mit alles drin, incl. Geld, Reisepass, Bank- und Keditkarten Flugtiet usw...! Mitten in der Nacht aus dem Zelt geklaut, während wir darin geschlafen haben! Wir waren praktisch fast mit dem Kopf daran gelehnt und wir haben weder was gehört noch bemerkt.

Es musste erst vor ein oder zwei Stunden passiert sein, denn als ich um Mitternacht zum pinkeln raus musste war der Rucksack noch da. Durch das ständige Schneegeprassel am Zelt war auch die ganze Nacht permanent ein leichtes Geräusch da.

Ich ging dann im dunkeln mit der Taschenlampe raus und habe die Gegend abgesucht. Etwa 100 m vom Zelt entfernt habe ich den Rucksack gefunden, aber natürlich leergeräumt!! Der oder die Täter haben alles mitgenommen was sie gebrauchen konnten: Bargeld von umgerechnet etwa 250 Euro, Bankkarte, Kreditkarte, den kompletten 10-tägigen Trekkingproviant sowie alle Klamotten die sich im Rucksack befanden incl. Unterwäsche.

Im Umkreis von paar Kilometern standen mehrere bewohnte Hütten. Abends kurz vor dem Dunkelwerden hatte uns ein Hirte von Weitem beim Campaufbau beobachtet. Wir vermuten sehr stark dass der es gewesen ist, niemand anderes hat uns sonst gesehen. Aber wo sollte man suchen? Ausserdem würden wir den auch niemals wiedererkennen, da wir ihn nur von weitem im Nebel gesehen hatten, dazu war sein Gesicht noch teils mit Tüchern bedeckt.

Auf jeden Fall haben wir am nächsten Morgen den Trek abgebrochen, sind zurückmarschiert und in der nächstgelegensten Stadt Ocongate bei der Polizei gewesen. Danach sind wir zurück nach Cusco gekehrt, abends kamen wir dort an. Per Telefonanruf nach Deutschland musste das Konto gesperrt werden.

Der Neustart
Auf jeden Fall wollten wir so schnell wie möglich neu starten. Am nächsten Morgen haben wir neuen Proviant eingekauft und nachmittags nahmen wir einen Bus zurück nach Tinqui. Wir übernachteten dort in einer billigen Hospedaje. Am drauffolgenden Morgen starteten wir den Trek also zum zweiten Mal.

Diesmal ist der Trek super verlaufen

Alles in allem hatten wir ja nochmal Glueck im Unglueck gehabt daß die Täter wenigstens den Rucksack dagelassen hatten mit den Reisepass und andere wichtige Dinge die sie nicht gebrauchen konnten. Wenn der Rucksack mit Reisepass weg wären dann wäre für Jewgenij die Reise zuende gewesen! Glück war auch dass Jewgenij seine Trekkingschuhe nicht im Rucksack hatte sondern die irgendwo im Zelt lagen und daß das ganze gleich in der ersten Nacht passiert ist und nicht irgendwo in der Trekmitte.

Dieser Trek war landschaftlich absolut atemberaubend!!



Unsere Route führte in 9 Tagen ueber 5 hohe Paesse, drei davon ueber 5000 m. Auf jeden Pass hatten wir fast hautnahen Kontakt mit den weiss vergletscherten Bergen, die so steil und imposant sind daß sie ebensogut auch im Himalaya liegen koennten.

Es ist sicher nicht übertrieben zu behaupten dass diese Route mit zu den spektakulärsten Treks zaehlt die man in ganz Peru machen kann. Auf jeden Fall ist es mit eines der Top-Treks meiner Südamerikareise!!

Die Cordillera Vilcanota ist ein stark vergletschertes Gebirge etwa 100 km südwestlich von Cusco. Es ist ein sehr kaltes und hochgelegenes Gebirge mit mehrere Sechstausender. Der höchste Berg der Vilcanota ist der 6336 m hohe Nevado Ausangate, der vierthöchste Berg Perus. Die Täler sind weit, offen und hochgelegen, zwischen 4400 und 4900 m Höhe. Daraus resultiert sich eine sehr karge und baumlose Landschaft. Nächtliche Temperaturen von minus 15 Grad sind keine Seltenheit. Bei uns war die kälteste Nacht jedoch nur bis minus 10 Grad.
Trotz der Höhe leben in fast jeden Tal noch Menschen in einfachen Steinhütten.





In den ersten dreieinhalb Tage drehten wir eine Halbrunde um den vergletscherten Nevado Ausangate, dem höchsten Berg der Vilcanota im Westteil des Gebirges.
Wir folgen dabei den Ausangate Circuit, der einzigsten bekannten Trekkingroute dieses Gebirges.
Der Ausangate Circuit führt über 4 Pässe einmal um den Nevado Ausangate herum und wird in der Regel in 5 bis 6 Tagen gemacht.

Auf dem Ausangate Circuit haben wir im Schnitt nur eine Trekkinggruppe pro Tag getroffen. Verglichen mit der Cordillera Blanca und Huayhuash in Nordperu ist die Vilcanota noch relativ unbekannt und nur wenig von Trekkern frequentiert. Die meisten Leute machen hier organisierte Treks mit Fuehrer, Packesel, Koch und das volle Programm. Individuelles und selbstorganisiertes Trekking ist in Peru und Bolivien eher unüblich. Man trifft zwar einige Leute die das machen, aber relativ wenige. Die meisten Leute die hier trekken wollen wenden sich in Cusco an eine der zahlreichen Trekkingagenturen.

Dass es sich bei den Ausangate Circuit um einen bekannten Gringo-Trek handelt merkt man sofort: Wenn wir an bewohnten Huetten vorbeiwanderten, kamen die Kinder angerannt und bettelten nach Bonbons. In Bolivien war das nicht so. Wenn ich in der Cordillera Real denn mal Kinder gesehen habe waren die in der Regel eher schüchtern und ängstlich, haben sich meistens hinter den Hütten versteckt und mich nur von weitem beobachtet.
Auch die Erwachsenen kamen manchmal auf uns zu, um etwas verkaufen zu wollen oder sich als Fuehrer, Packeseltreiber usw. anzubieten. Sowas habe ich in Bolivien auch nie erlebt.

Während den ersten drei Tage haben wir drei Pässe überquert, darunter den ersten 5000er Pass. Da dort gut erkennbare Pfade rüberführten waren die Pässe eigentlich nicht schwierig. Das einzige Problem war die Höhe und Jewgenij war noch nicht ausreichend akklimatisiert.









Am Nachmittag des vierten Tages verließen wir den Ausangate Circuit und wanderten auf einer anderen Route weiter.
Jetzt kamen wir in eine Gegend die noch abgelegener ist, die normalerweise nur unregelmäßig bis fast garnicht von Trekkern frequentiert wird,.....also völlig abseits der Standartrouten.

Für die nächsten 5 Tage, bis kurz vor dem Trekende, haben wir keine anderen Wanderer mehr getroffen.

Am drauffolgenden Tag stand eine anspruchsvolle und weglose Querung eines 5320 m hohen Passes an. Jewgenij hatte hier massive Höhen- und Konditionsprobleme. Ich dachte schon er schafft den Pass nicht und wir müssten wieder umkehren. Ich habe daraufhin seinen Rucksack zum Pass hochgetragen und ohne Gepaeck ging es dann für ihn so gerade eben noch.





Hinter dem Pass kamen wir in ein karges weites Hochland auf etwa 5000 m Höhe mit der großen Laguna Sibinacocha. Dies ist die abgelegene Südseite der Cordillera Vilcanota.





Für die nächsten über 3 Tage befanden wir uns die meiste Zeit oberhalb von 5000 m. Nur einmal, am Ufer der Laguna Sibinacocha, kamen wir knapp unterhalb der 5000er Marke. Hier sollte man nicht Höhenkrank werden, denn es dauert einige Tagesmärsche bis man von hieraus in tiefere Gegenden gelangt.

Diese Route ist landschaftlich sensationell und zählt mit zu den Höhepunkten des gesamten Treks!!



Die Laguna Sibinacocha ist ein ziemlich abgelegener Hochlandsee von über 15 km Durchmesser auf 4885 m Höhe. In Tibet, Nepal, Indien sowie in anderen Gegenden hier in den Anden gibt es zwar noch einige Seen die noch höher liegen, aber die sind alle ganz deutlich kleiner. Die Laguna Sibinacocha ist somit der höchstgelegenste See der Erde von dieser Größe, noch über 1000 m höher wie der Titicacasee. Dennoch leben einige Menschen in dieser kargen Gegend. Am Ufer haben wir seltene Andenflamingos gesehen. Die Landschaft ist der Hammer, der See von weitem Hochland umgeben mit krasse Geröllberge und große flache Gletscherplateaus!!

Von der Laguna Sibinacocha führte unsere Route über einen weiteren fast 5400 m hohen Pass zurück auf die Nordseite des Gebirges, durch den sogenannten "Korridor".

Dies ist ein langgezogener Pass der zwischen zwei vergletscherte Gebirgsketten hindurchführt. Früher war der Korridor komplett vergletschert, aber heute gibt es dort einen eisfreien Durchgang zwischen den Gletschern hindurch mit einer kargen Felsbrocken- und Geröllmoränenlandschaft.





Den Lago Hauurumiccha haben wir orographisch rechts umwandert, was aber anstrengend und langsam war wegen loser Geröll- und Felsbockenhänge die teilweise
steil zum Ufer abfallen. Von hier haben wir dann gesehen daß das orographisch linke Ufer wesentlich einfacher gewesen wäre!

Vom Seeausfluss waren es noch einige Kilometer durch graue Geröllmoränenhügel auf etwa 5000 m Höhe, bis das Tal anfing deutlich abzufallen und wir die ersten grünen Grasflächen erreichten mit einer Kette weiterer Seen.



Auf einen Pfad wanderten wir das Westufer der 5 km langen Laguna Sigrenacocha entlang. Hier sahen wir die erste bewohnte Hütte seit der Laguna Sibinacocha vor zweieinhalb Tagen.
Vom Seeausfluss sind es nur noch 5 km bis zum Dorf Pallcapampa wo wir auf die Hauptstraße Cusco - Puerto Maldonado stießen. Hier endete unser Trek
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Mario (14.05.2011), tremendopunto (08.05.2011)
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