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Harp Booth 25.02.2009 17:49

Berliner Höhenweg
 
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Berlinerhöhenweg

Inspiriert durch einen Bericht in der Zeitschrift Alpin 06/2003 machten wir uns Anfang August 2004 auf, um an einem verlängerten Wochenende drei Etappen des Berliner Höhenweges zu absolvieren. Jedoch diesmal anders als bei vorangegangenen Bergtouren, nicht mit "kleinem Gepäck" von Hütte zu Hütte, sondern zusätzlich beladen mit Zelt und Schlafsack, um jeweils zwischen den Hütten zu übernachten.

Neben des offensichtlichen Nachteils des höheren Gewichtes, hatte dies natürlich auch Vorteile!

Durch die Übernachtung zwischen den Hütten, hat man am Morgen (ein wenig Disziplin vorausgesetzt ;) ) bereits einigen Vorsprung vor dem Pulk der Wanderer, die regulär an der Hütte starten.

Der obligatorische Schnarcher, der in jedem mittelmäßig belegten Lager einer Hütte in den Alpen zu finden ist, bleibt einem erspart. Über den einen oder anderen nächtlichen Besuch aus der heimischen Tierwelt kann man dann schon eher hinwegsehen.

Es ist einfach deutlich schöner den Tag mit einem Blick auf den Sonnenaufgang in den Bergen durch den geöffneten Lüfter des Zeltes zu beginnen, als sich nach dem Erwachen am Anblick ein paar getragener Socken des Lagernachbarn zu erfreuen, die zum Trocknen am Bettgestell aufgehängt sind.

Naturliebhaber und Romantiker können diese Liste der Vorteile sicherlich endlos fortsetzen.

2004 gelang es uns schließlich Carmen und Ingo, gute Freunde aus dem Rheinland, von dieser für sie neuen Art einer Bergtour zu überzeugen. Die Packliste war schnell abgestimmt, letzte Einwände beherzt ausgeräumt (der Franke sagt immer "...dees passt scho...) und so starteten wir am 30.07.2004 zu unserer 3 tägigen "Expedition".

Eine Frage kommt bei Erzählungen zu dieser Tour übrigens immer direkt auf: Darf man denn in den Bergen zelten?

Die Naturparkbetreuung Zillertaler Alpen antwortet darauf auf Nachfrage per mail:

Zitat:

"Vielen Dank für Ihr mail - und hier gleich die gute Nachricht: Im Naturpark Zillertaler Alpen ist das Zelteln nicht verboten (das ist v.a.in Nationalparks der Fall). Es gilt also das gleiche wie überall: der Grundeigentümer muss einverstanden sein. Am besten Sie fragen die Hüttenwirte!"
Probleme kann die Suche nach geeigneten Zeltplätzen bereiten (Berge können halt ganz schön schief sein ;-) ). Entsprechende Hinweise zu den Zeltplätzen finden sich bei den Tourtagen.

Also los gehts...




Organisation

Informationen zum Berliner Höhenweg

Eine sehr schöne und vollständige Sammlung von Hintergrundinformationen, Wegbeschreibungen, Streckenprofilen usw. gibt es als .pdf Datei hier.

Karten

Alpenvereinskarten 35/1 Zillertaler Alpen - West und 35/2 Zillertaler Alpen-Mitte. Zu beziehen über den DAV-Shop.

Übernachten zum Tourbeginn und -ende

Bei längerer Anreise empfielt sich zum Start und Ende der Tour eine Übernachtung in Mayrhofen oder besser Ginzling (hier endet die letzte Etappe der hier beschrieben Kurztour). Als beliebter Urlaubsort vor allem im Winter gibt es reichlich Auswahl an Quartieren.


Anfahrt zum Startpunkt der Wanderung

Hat man nach der Anreise in Ginzling übernachtet, kann man morgens den Wagen getrost hier stehen lassen und mit dem Tälerbus des VVT zum Ausgangspunkt der Wanderung fahren. Von Mayrhofen fährt über Ginzling ein Bus direkt zum Schlegeisspeicher. Preise, Haltestellen und Abfahrzeiten findet man hier.




1. ter Tag

In Anbetracht der heute anstehenden Etappe ist ein allzu früher Aufbruch an diesem Tag nicht nötig. Wir lassen uns Zeit mit dem Frühstück und fahren mit dem gut besetzten Tälerbus hinauf bis zur Endstation am Schlegeisspeicher. Der Himmel ist bis auf ein paar kleine Wolken strahlend blau und der Wetterbericht verspricht für die kommenden Tagen bestes Tourenwetter. Da wir ja im Zelt übernachten wollen, ein nicht unwesentlicher Punkt, um den Tag so richtig geniesen zu können.
Anhang 4174 Anhang 4173
Nach dem Austeigen aus dem Bus geht es zum Einlaufen erst einmal schön eben auf der Straße (Weg 524) weiter zum Zamsgatterl und dann auf gut befestigtem Weg (Weg 502) begleitet von vielen Tageswanderern und Halbschuhtouristen immer am südwestlichen Ufer des Schlegeisspeichers vorbei zum südlichen Seeende am Furtschaglboden.

Blick zurück auf die Staumauer des Schlegeisspeichers und Ufer

Nach einer kurzen Rast im Furtschaglboden beginnt der Aufstieg über fast 500 HM entlang des Furtschaglbaches zum Furtschaglhaus. Unsere Rucksäcke wiegen zwischen 15 und 18 kg und dann zieht die Schwerkraft einen ganz schön nach unten! Aber die Aussicht auf Tiroler Gröstel, Kaiserschmarrn, Apfelstrudel und Radler übt dagegen auch eine ganz schöne Anziehungskraft aus. So angespornt erreichen wir knapp 1:15 h später die Hütte.

Anhang 4175
Aufstieg zum Furtschaglhaus mit Furtschaglbach

Wir versorgen uns an der Hütte noch mit frischem Trinkwasserwasser für den Abend und den kommenden Tag und gehen frisch gestärkt auf Weg 502 durch das Furtschaglkar weiter hinauf Richtung Schönbichler Horn. Der Weg bietet grandiose Ausblicke auf die umliegende Gletscherwelt. Nur schade das das Eis immer mehr schwindet.

Anhang 4176
Schlegeiskees mit Hoher Weißzint 3.371 m



Unser Etappenziel ist für heute nicht mehr so weit und wir haben reichlich Zeit für die Suche nach einem Zeltplatz eingeplant.

In etwa 2.650 m Höhe finden sich links oberhalb des Weges einige flache Stellen. Diesen Platz erreicht man am einfachsten indem man bis ca. 2.700 m weiter am Weg aufsteigt und dann eben entlang des Hanges nach links quert. Dann leicht absteigend auf den Moränerücken zurück. Am Nachmittag bauen wir in aller Ruhe unsere beiden Zelte auf. Der Schmelzwasserstrom aus einem Altschneerest neben dem Zelt lädt zum abendlichen Bad. Ingo lässt sich auch durch Wassertemperaturen um den Gefrierpunkt nicht abschrecken und nimmt ein Vollbad. Der Rest der Gruppe beschließt, daß die Dusche vom Morgen noch ausreichend wirkt.

Anhang 4177

Zum Abendessen gibt es Tütengerichte und einen Tee. Nach Sonnenuntergang wird es schnell kalt und so treibt es uns früh in die Schlafsäcke. Die Nacht verläuft ausgesprochen ruhig.




2.ter Tag

Mit den ersten Sonnenstrahlen auf den umliegenden Bergen kriechen wir gegen 6:00 Uhr aus unseren Schalfsäcken. Die Temperaturen in dieser Höhe sind um diese Uhrzeit noch nicht gerade einladend und bei der Aussicht auf unser Frühstück möchte man eh liegen bleiben, bis der nächste Bäcker kommt.

Wie meißtens bei solchen Touren frühstücken wir Müsli, Michpulver und Cappucino. Ich bin normalerweise kein Fan von solchem Körnerfutter, aber es gibt einem doch reichlich Energie für den Tag und das bei vergleichbar geringem Gewicht. Deutlich mehr Gefallen daran findet eine Herde Schafe, die vom Tal her über unseren Zeltplatz zieht.

Anhang 4178
Mehr als ein schwarzes Schaf in der Familie

Zuerst scheu, dann neugirig und schließlich ziemlich lästig behindern die schlappohrigen Wollknäuel das Einpacken und den geregelten Abzug, da zwei Leute nur damit beschäftigt sind, die Schafe in Schach zu halten. Ein aufdringlicher Bock wollte sogar meine Handschuhe fressen!

Zurück auf Weg 502 führt dieser schnell über eine Steilstück auf eine flache Stufe in 2.750 m Höhe.

Von hier aus geht es unschwierig weiter Richtung Schönbichler Scharte. Diese bleibt jedoch rechts liegen und man erreicht nach kurzer Kraxelei den Gipfel des Schönbichler Horns.

Anhang 4180
Gipfelkreuz Schönbichler Horn

Bei unserer ausgedehnten Rast bietet sich bei schönstem Wetter ein überwältigendes Panorama.

Anhang 4179
Blick in die Runde

Vom Gipfel führt der Weg gen Osten mit kurzer Drahtseileinlage und Sprossen steil hinab über einen Bergrücken zum sogenannten "Krähenfuß".

Anhang 4181
Abstieg vom Schönbichler Horn

Von unten sieht man dann erst mal, was für ein Trümmerhaufen dieser Berg eigendlich ist (Ehrlich, wir haben es nicht kaputt gemacht!).

Anhang 4188
Trümmer Horn?

Unten am Krähenfuß wird es dann schon wieder grüner. Der Weg bietet nicht nur einen guten Ausblick auf den nächsten Zwischenstop, die Berliner Hütte, sondern überrascht auch mit einer tollen Blütenpracht.

Anhang 4182
Enzian mal nicht zum Trinken

Und schon wieder ein Angriff von Wildtieren auf ein Mitglied unserer Expedition! Bei einem Zwischenstop im Kar wird Carmen von einer Kuh belästigt. Jetzt hat die Mad Cow Desease bereits entlegene Hochtäler der Alpen erreicht. Ein beherzter Stockeinsatz kann den Angreifer schließlich in die Flucht schlagen.

Leider ziehen während des weiteren Abstiegs zur Berliner Hütte immer mehr Wolken auf. Nach unserer Ankunft machen wir es uns erst auf der Hüttenterasse bequem, ziehen uns aber bei einsetzendem Nieselregen doch ins Innere zurück. Obwohl die riesige Hütte sehr nett ausgebaut ist, kommt irgendwie keine rechte Stimmung auf. Angesichts der Größe der Hütte erinnert es mehr an einen Hotelbetrieb und die Essensausgabe ist so urtümlich wie eine Betriebskantine.

Anhang 4184
Berliner Hütte 2.042 m

Die bereits 1879 erreichtete Hütte stand sicher einmal näher an den umgebenden Gletschern. Nach mehreren Ausbaustufen ist sie heute eine der größten Hütten des Alpenraums und die einzige des Deutschen Alpenvereins, die unter Denkmalschutz steht. Dennoch freuen wir uns darauf, diesem Trubel heute Nacht mit den Zelten entfliehen zu können.

Da am Horizont schon wieder blauer Himmel zu sehen ist, füllen wir noch einmal unsere Wasservorräte, verlassen trotz Regen die Hütte und steigen mit gemischten Gefühlen weiter auf bequemen Weg 502 zu unserem nächtlichen Zeltplatz am Schwarzsee auf.

Geeignet Stellplätze für die beiden Tunnelzelte sind diesmal schnell gefunden. Am südliches Ufer des Schwarzsees, gibt es zwei bis drei ganz passable Plätze und sogar die Häringe lassen sich mit der Hand eindrücken. Obwohl die Zelte direkt am Wegrand stehen, stört dass heute Abend keinen mehr. Unser Plan geht wieder einmal auf. In diesem Wegabschnitt ist zu dieser Uhrzeit keiner mehr unterwegs.

Anhang 4183
Südliches Ufer des Schwarzsees 2.472 m aus der Vogelperspektive

Nach einem kurzen Bad im Auslauf des Sees gibt es wie bereits am Vorabend Tütensuppen und Nudelgerichte. Der Versuch, in Ingos Geburtstag "hinein zu feiern", scheitert an unseren begrenzten Alkoholvorräten und den aufziehenden eisigen Temperaturen. Bereits um 21:00 Uhr verziehen sich alle in Ihre Schlafsäcke. Die Nacht bleibt Gott sei dank trocken.

Ingo bekommt an diesem Abend noch ein Geburtstagsbier versprochen. Ob und wie dieses Versprechen gehalten werden kann zeigt erst der dritte und letzte Tourentag.




3.ter Tag

Ingo hat Geburtstag! Und was wünscht man sich zum Geburtstag mehr als den Tag bei herrlichem Wetter in solch einer Kulisse zu beginnen. Ingo zuliebe schlafen wir heute etwas länger und wecken die Belegschaft unseres Nachbarzeltes erst um 06:30 Uhr. Selbstverständlich gibt es auch ein paar Geburtstagsgeschenke - aber halt nur ganz leichte... Happy Birthday Ingo!

Diesmal erwicht es Ingo. Bei der Morgentoilette wird er von einem wild gewordenen Schafbock einfach vom Stein ins Wasser gestoßen. Auch das Verstauen der Ausrüstung verläuft wie am Vortag nur unter zahlreichen Attacken der Schafherde ab. Der Abmarsch zieht sich an diesem Morgen so lange hin, das schließlich die ersten Wanderer von der Berliner Hütte am Schwarzsee eintreffen.

Nach kurzen Aufstieg in Serpentinen nehmen wir an der Gabelung den rechten Abzweig Richtung Süd-Osten zur Mörschenscharte (Weg 502). Der dritte Tag ist ja immer der schlimmste und die kommenden 400 m Aufstieg ziehen sich an diesem Morgen ganz schön in die Länge.

Anhang 4185Die letzte viertel Stunde hoch zur Mörchenscharte verläuft auf Firn. Auf der Rückseite in Richtung Mörchenklamm sieht der Weg leider nicht viel besser aus. Jede Menge Firn, nur viel steiler! Bei unserer Rast in der Scharte diskutieren wir die verschiedenen Möglichkeiten des Abstiegs und entschließen uns schließlich nicht über das Geröll abzusteigen, sondern kräftesparend über den Firn abzufahren. Leider stürzt Ingrid im unteren drittel auf einer Eisplatte und hat zum Ende noch zu viel Fahrt drauf. Neben einer Schramme auf der Nase, einer zerkratzten Sonnenbrille und ein paar blauer Flecken ist Gott sei Dank nicht viel passiert. Kommentar eines entgegenkommenden Niederländers: "Das sah jetzt sehr sportlich aus...".

Anhang 4186
Abstieg aus der Mörchenscharte

Der Abstieg in den inneren Keesboden auf 1.800 m zieht sich ganz schön in die Länge. Im unteren Teil beeindruckt der Weg jedoch mit einer Fülle von Blumen rechts und links des Weges.

Anhang 4187
Türkenbundlilie - Lilium martagon

Die heutige Etappe ist sehr abwechslungsreich: erst Schnee, dann Geröll, Blumenwiesen und zum Austieg in den Keesboden noch ein Klettersteigeinlage mit Leiter. Keine Bange, die Aluleiter muß man nicht mitschleppen, die ist fest installiert. Zum Abschluß noch eine kleine Bachüberquerung und wir stehen am Abzweig zur Greizer Hütte. Den erneuten Aufstieg über fast 450 m wollen wir uns jedoch nicht mehr antun. Der letzte Abstieg steckt uns ganz schön in den Beinen.

Aber wie kommt Ingo nun zu seinem Geburtstagsbier?

Die nächste Tränke ist die Blockachalm auf ca. 1.400 m. Das bedeutet weitere 400 m Abstieg. Wir stärken uns dort mit Omlett, Leberkäs, Käsekuchen und Kaiserschmarn. Nach dem einen oder anderen Radler sind wir wieder so frisch, dass wir beschließen heute noch komplett ins Tal abzusteigen. Schöne Zeltplätze haben wir auch schon länger keine mehr gesehen. Die besten Plätze sind bereits von Kühen belegt und mit denen wollen wir uns heute nicht mehr anlegen. Über Handy reservieren wir Zimmer im Gasthof und laufen auf bequemen Fahrweg bis Einbruch der Dämmerung zurück nach Ginzling.

Bilanz des Tages: 600 m Aufstieg, 1.800 m Abstieg, eine kaputte Sonnenbrille, ein paar blaue Flecken und jede Menge Muskelkater. Uns langt das. Wir feuen uns auf eine warme Dusche und ein weiches Bett.

Bis zum nächsten mal... und auch dann wollen wir mit unseren Freunden wieder mit dem Zelt in die Berge.

phacops 25.02.2009 22:53

AW: Berliner Höhenweg
 
Danke für den Bericht, Harald,
Ist für mich doch ein weiterer Anreiz, ihn wieder mal zu versuchen - in ganzer Länge und Pracht - nachdem ich bei nem Solotrip durch nen Bänderriß ausgebremst wurde ... :D:mad:.

phacops

Harp Booth 26.02.2009 06:30

AW: Berliner Höhenweg
 
Hallo phacops,

ein weitere Bericht über ein verlängertes Wochenende am Allgäuer Hauptkamm (auch mit Zelt) ist bereits in der Mache. Coming soon....

Gruss Harald


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