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Vollständige Version anzeigen : Zanskar/Ladakh - wieder zurück


gege
15.09.2007, 14:21
Auf eine nette aufforderung phacops hin - die zwar nicht erforderlich gewesen wäre, aber ein wenig anstoßhilfe wars schon ;) - möcht ich mich für tipps und ratschläge bedanken und für interessierte einige meiner erfahrungen teilen.

nach einigem hin und her - wir befürchteten, dass der straßenbau zwischen padum und dem industal schon recht störende ausmaße angenommen habe - entschieden wir (meine frau und ich) uns doch den lamayuru padum trek anzugehen.
in leh angekommen und die ersten akklimationsstunden überstanden, marschierten wir wieder zu unserer alten travel agency (mit der wir vor 3 jahren durchs markha valley gingen), und organisierten recht rasch eine 3 tägige jeep tour nach padum, mit anschließender wanderung nach lamayuru (die standard variante), möglichst noch bevor der große run der main season losging (das war ende juni).
anfangs hatten wir einigermaßen pech: gleich zu beginn unserer jeep fahrt regnete es den ganzen tag, wir hatten einen platten und nach lamayuru, bei der auffahrt zum zoji la gab der motor des jeeps den geist auf: das hieß: runter nacdh lamayuru gehen (war nicht weit), zelt im schlamm aufbauen, gleich am ersten tag war somit alles voller dreck, und schließlich organisation eines neuen jeeps. das stellte sich als schwierig heraus, denn das mibilnetz reicht nur bis khalse und das festnetz (2 telefone gibts in lamayuru) funktionierte nicht. am abend gelang es unserem guide schließlich doch per festnetz die travel agency zu erreichen und einen neuen jeep zu ordern. mittlerweile hatte sich allerdings herausgestellt, dass unser altes salewaa zelt (15 jahre hat es uns nicht im stich gelassen) nicht mehr wasserdicht war. also bestellten wir mit dem jeep gleich noch ein neues zelt. lleider kam der jeep nicht wie versprochen noch am späten abend an und wir verbrachten die nacht - bei zunehmendem regen - so an ca. 2 uhr auf unseren matten sitzend und frierend in einem kleinen see zu dem sich das innere unseres zeltes gewandelt hat: die nacht verbrachten wir damit, unsere fluchtartige rückreise nach europa, möglichjst an einen warmen , trockenen strand in der ägeis zu planen. nächsten morgen war dann wieder alles ganz anders: der jeep war wie versprochen noch am selben abend gekommen, hatte uns allerdings im dunkeln nicht gefunden und ca 200 m von unserer campingstelle die nacht verbracht, wir hatten ein zelt und offensichtlich eine ziemlich nette und kompetente mannschaft, nur das wetter hatte sich nicht wesentlich gebessert. das tat es erst am nächsten tag auf der fahrt durchs suru tal, rangdum, über den pense laa nach padum.
der trek selber war unbeschreiblich schön, wir haben noch nie eine derart eindrucksvolle und abwechslungsreiche landschaft gesehen wie auf dem weg über die pässe, flussebenen und schluchten zanskars, nicht einmal in tibet hat uns so gut gefallen. dazu kam noch, dass wir uns mit unserem guide unglaublich gut verstanden haben, er hatte nicht nur unglaublichen humor, sondern auch sehr viel wissen über zanskar. gleich zu beginn in padum waren wir bei seiner familie eingeladen und sahen das innere eines sehr schönen, ich würde sagen mittelständischen zanskarischen bauernhaus (der vater von tensing ist bauer und almchi, also kräuterarzt) und tensing zeigte uns auch soweit am weg gelegen, die stationen seines lebens, das gebäude in dem er zur schule gegangen war usw. zu jeder quelle, zu dörfern, klöstern etc, wußte er geschichten, die sich die leute erzählen und in den ersten tagen bei der wanderung durchs zanskar tal hörten wir beinahe mehr, als wir sahen. der weg hinauf auf den hanuman la war durch eine sommerlich in schmelze begriffenen lawine versperrt und die pferde mußten seitlich am schnee vorbei über blanken fels ca. 20 meter nach oben klettern, für uns menschen kein problem, für die pferde, die mit ihren eisenhufen auf blankem fels rutschen wie auf eis, eine unüberwindliche hürde. 3 tage zuvor kam eine kleine touristengruppe zurüch, weil sie diese nicht geschafft hatten. mittlerweile hatten aber horseman (ohne touristen und mit unbeladenen pferden) auf dem weg nach lamayuru steine und kleine felsbrocken aufgehäuft, sodass ihre pferde, zwar unendlich mühsam und unter gefährlichen umständen gezogen und geschoben, das hindernis überwinden konnten. 2 unserer pferde stürzten bei dem manöver einige meter zurück in den kleinen fluss, gottseidank hatten sie nur minimale schürfwunden.
lingshed war, ca. 3 wochen vor dem besuch des dalai lama - wie viele klöster in ladakh - eine kleine baustelle: überall saßen die mönche und malten an wänden, türstöcken und kästen um das kloster für die ankunft des boddhisatwas vorzubereiten.

das wetter war auf uznserer wanderung eigentlich recht gut, zum teil war es unglaublich warm bis heiß, den zanskar zu dieser zeit an einem sonnigen tag im tal entlangzulaufen ist schon sehr mühsam, da gab es temperaturen von deutlich über 30 grad im schatten! in leh konnte man an manchen abenden im t-shirt draußen sitzen! selbst die zanskaris, denen ja temperaturunterschiede so ziemlich gleichgültig sind - verglichen mit unseren empfindungen jedenfalls - ließen sich gelegentlich einen seufzer entlocken - "to much hot". in den letzten jahren gab es, so wurde uns erzählt, immer wieder längere und massive schlechtwetterphasen im august, z.t. war der regen so heftig, dass flüsse tagelang nicht überquerbar waren, sich zum teil neue flussbeete gruben und sodass wir im zanskartal einen seitenfluss des zanskar, der eigentlich überbrückt war, durchwaten mußten: die brücke befand sich ca. 20 meter neben dem fluss mitten im trockenen!

unser guide tensing hatte übrigens mit seiner aussage am ersten tag recht behalten: als wir beim frühstück, nach unserer im regen durchwachten nacht meinten: "that was not a good start" meinte er: "hopefully a good ending". wir haben von ihm sogar eine kurze trainingseinheit zum bergaufgehen erhalten: nachdem er sah, wie wir uns in großer höhe, stampfend die hänge hinaufquälten, machte er uns vor wie man in knie und hüfte locker gebeugt das bein nach vorne bringt und dann mit dem körper über dieses sozusagen nach vorne oben fällt. schaut aus als ob man den berg raufschleichen würde, ist aber eine recht effiziente methode kraftsparend weiter zu kommen und wenn mans kann, ist man sogar unglaublich schnell dabei.

die travel agency (mindruk spiritual travels, gleich oberhalb des basar wenn man richtung chanspa geht, auf der linken seite) kann ich jedenfalls weiterempfehlen, auf unseren reisen hatten wir es ausnahmslos mit sehr kompetenten und freundlichen guides, ponymen zu tun, namgyal, der besitzer - er kommt aus zanskar und lebt jetzt mit seiner familie in choklamsar - ist ein sehr freundlicher und gebildeter mensch und es ist sehr angenehm mit seiner hilfe einen trek zu planen. was uns letztlich am meisten überzeugt hat: als wir unsere panne hatten, haben alle unglaublich kompetent gearbeitet und letztlich unglaublich schnell unser problem gelöst.

ich hoffe der oder die eine oder andere kann etwas mit meinem bericht anfangen,
grüße, gerhard

phacops
17.09.2007, 22:53
Lieber Gerhard,

ein bischen nette Anstoßhilfe gebe ich doch gerne ;) - und dein Bericht bestätigt mich, das hin und wieder zu tun, auch wenn die "Erfolgsquote" unter 50% liegt :( .

Aber genau die Art deines Berichtes mit den ganzen persönlichen Erfahrungen, auch den mal nicht so gut gelungenen Tagen, Tipps und Empfehlungen ist es in meinen Augen, was den Erfahrungsschatz des Forums auszeichnet.

Dafür meinen (und ich bin sicher: auch vieler künftiger Leser!) herzlichen Dank! :up:
Die geschilderte Methode des Bergaufgehens muß ich demnächst auch mal ausprobieren. Ich fürchte aber, daß ich beim Nach-vorne-oben-Fallen schneller auf der Sch..... liege als meine Füße hochkriege ;) :o :confused: .

Noch ne Frage: Wie waren denn diesmal deine kulinarischen Erfahrungen?

phacops :-)