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Vollständige Version anzeigen : Straßenbau auf der Annapurnarunde


Andreas
26.08.2007, 18:24
Liebe Trekkingfreunde und Nepalliebhaber,

Generell mit Ablehnung reagiert der Annapurnatrekker auf die Pläne der nepalesischen Regierung, alle Distrikthauptstädte mit einer Straße an das nepalesische Straßennetz anzubinden. Diese Pläne sind schon längst keine Projekte mehr, sondern werden bereits tatkräftig in die Tat umgesetzt. Die Erschließung herrlicher, bislang unberührter Bergregionen mit Straßen hat schon begonnen und ist teilweise bereits sehr weit gediehen.

Sei es die Straße von Nepalgunj nach Jumla im Westen des Landes, oder - von der Trekkinggemeinde weitgehend unbemerkt - von Okhaldunga nach Salleri, der Hauptstadt des Solu-Khumbu. Besonders schmerzt es die weltweite Trekkingge-meinde jedoch, dass die berühmte Annapurna-Runde, der Annapurna-Circuit-Trek, schon bald der Vergangenheit angehören wird. Hier werden sowohl auf der Ostseite des Thorung La (Manangtrek), als auch auf der Westseite (Kali Gandaki Trek) Straßen in die steilen Berghänge getrieben.

In diesem Bericht sollen die Problematik der Projekte und die Pro-und-Contra-Argumente nicht behandelt werden. Ich möchte hier lediglich den Stand der Arbeiten entlang des Marsyandi-Flusses, auf dem Manangtrek, dokumentieren. Zu diesem Zweck habe ich die Straßenbauarbeiten auf einer 1:100.000er Karte einkartiert und Bilder von den Bauarbeiten gemacht. - Chame ist die Distrikthauptstadt des Distriktes Manang. Doch soll hier nicht nur die Hauptstadt angebunden werden, sondern auch der Regionalflughafen in Hongde und die namensgebende Stadt Manang in 3500 m Seehöhe angebunden werden.

Schon seit Beginn der 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts gab es eine Piste von Dumre bis Besi Sahar. Dumre liegt auf der Hauptstraße - der Prithvi Rajmarg - zwischen Kathmandu und Pokhara, 132 km von jener und 66 km von dieser Stadt entfernt. Diese 42 km lange Piste wurde in den letzten Jahren „upgegraded“ und „gepaved“, Busse fahren von Kathmandu und Pokhara bis Besi Sahar und 99% aller Annapurna-Circuit-Trekker starten hier.

Mitte der 90er Jahre war diese Piste bereits bis Bhulbhule verlängert worden, doch nur Allradfahrzeuge konnten sie benutzen, und noch heute ist dieser Straßenabschnitt in einem schauderhaften Zustand. Was einzelne Busse nicht hindert, bis Khudi und sogar bis Bhulbhule zu fahren. Der Verkehr von Besi Sahar nordwärts hält sich noch in Grenzen und es lässt sich hier schon noch halbwegs angenehm wandern.

http://trekkingforum.com/upload/Annapurna_Strassenbau_Karte_Besi_Sahar_Bhulbhule.j pg

Auf der ersten Karte habe ich die Situation der Erschließung bis Bhulbhule dargestellt.

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Man muss teilweise auf der Straße wandern (Foto), hat aber Ausweichmöglichkeiten. Mehr als 90% aller Individualtrekker und nahezu 100% der Gruppentouren nehmen den Westbanktrail, der immer schon die Hauptroute darstellte. Nur wenige wandern auf dem landschaftlich schöneren und auch ruhigeren Eastbanktrail (Ich kann diese Route nur empfehlen und werde vielleicht ein anderes Mal eine Beschreibung dazu online stellen.)

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Interessanterweise wird ab Khudi auch eine Straße in das Khudi Khola Tal vorangetrieben (Foto: Blick vom Eastbanktrail auf Khudi). Als ich mich danach erkundigte, sagte man mir, dass im oberen Khudi Khola ein Wasserkraftwerk geplant sei.

http://trekkingforum.com/upload/Annapurna_Strassenbau_Karte_Bhulbhule_Syange.jpg

In Bhulbhule kommen Eastbank- und Westbanktrail wieder zusammen. Die Route führt am Ostufer des Marsyandi entlang weiter. Der Straßenbau geschieht auf der Westseite und berührt die Trekker nicht weiter.

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Wenn man nach Bahundanda hochsteigt, kann man unten im Tal die Baustelle sehen. Interessanterweise ist der Straßenbau dann unterbrochen.

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Lose am Hang wird etwas weiter im Tal gegenüber der halben Strecke von Bahundanda nach Ghermu gebaut; händisch übrigens!

Nördlich von Syange beginnt eine schöne Schluchtstrecke über Jagat, Chamje und Tal bis Dharapani. Hier scheint es unmöglich eine Straße zu bauen. Wie für die Strecke die Pläne sind, ist mir nicht bekannt. Auch sind keine Baustellen auszumachen und das Wandern ist angenehm. Ich denke, es wird noch Jahre dauern, bis hier eine sichere Route in die Felswände gesprengt worden sein wird.


Karte:
2354 (Diese Karte ist zu groß für eine direkte Einbindung; zur Ansicht bitte anklicken!)


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Bei Dharapani stößt man dann wieder auf den Bau (Foto). Mit Schock und Verwunderung registriert man das. Denn keine Maschinen helfen hier. In reiner Handarbeit und gelegentlichen Sprengungen wird hier gearbeitet. Die Arbeit geht rasch voran, die Ortsdurchfahrten sind allerdings ausgelassen, da die alten Wege zu eng sind. Hier werden erst einige Häuser weichen müssen, bevor man die Straßenabschnitte durch die Dörfer bauen kann.

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Man wandert auf der Baustelle. Man mag zum Projekt stehen, wie man will, die Arbeiter sind ob der Arbeitsbedingungen und der zur Verfügung stehenden Hilfsmittel zu bewundern!

Ab Danagqu führte die Trekkingroute einst entlang des Flusses. Durch abkollernde Felsbrocken wegen des Straßenbaus hoch darüber ist diese Route nicht mehr begehbar. Es bleibt abzuwarten, ob diese Strecke nach der Fertigstellung der Straße wieder geöffnet wird. Momentan sind deshalb auch die heißen Quellen von Latamarang „off limit“.

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Die Straße wird sich künftig in Serpentinen hinauf nach Temang winden, die derzeitige Route kürzt diese Kurven ab (Fotos oben).

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Fotos: Hoch über dem Tal verläuft die Baustelle; tief unten die ehemalige Hauptroute

Von Temang bis Chame geht es sehr flach dahin! Meistens wandert man auf der Straßenbaustelle; nur vor Tanchauk kann man eine Abkürzung durch einen tief eingeschnittenen Graben nehmen. Hier wird die Straße weit hinein in den Graben und dort über eine Brücke führen, von der allerdings noch nichts zu sehen ist.

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Fotos: Arbeiten zwischen Temang und Qoto

http://trekkingforum.com/upload/Annapurna_Strassenbau_Karte_Chame_Pisang.jpg

Oberhalb von Chame ist die Straße praktisch schon fertig bis Brathang.

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Die überhängende Felswand, in die der Wanderweg danach geschnitten ist, wird noch nicht überwunden.

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Dahinter finden sich noch ein paar hundert Meter begonnener Trassierung. - Schließlich enden die Baustellen, bevor man in das Nyeshang-Hochtal gelangt. Viel wird bis Manang leider ohnehin nicht gebaut werden müssen, weil die Trekkingroute eben und sehr breit dahin läuft. Hier könnten jetzt schon Trucks oder 4WD-Fahrzeuge kutschieren.

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Foto: Blick auf Hongde und die breite Trekkingroute im Tal

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Foto: Die Trekkingroute kurz vor Manang: breit und bereit für Fahrzeuge!

Fazit: wer es ermöglichen kann, sollte den Manangtrek noch machen, bevor es „zu spät“ ist.

Beste Grüße,
Andreas

Andrees
09.09.2007, 15:05
Am Anfang war ich sehr entsetzt als ich von den Plänen des Straßenbaus erfuhr. und für einen nostalgischen Trecker, der das erste mal vor 25 Jahren dort war, ist es natürlcih schmerzlich. Ich habe aber schnell gemerkt, dass sich "neue" Trecker mit der Straße viel weniger schwer tun, da sie ja auch nicht die früheren lauschigen Pfade gekannt haben. udn selbst dei "Straße" ist nicht btreiter als ein ganz normaler hauptwanderweg im Schwarzwald!
Ich denke die Zukunft wird der ATT = Annapurna treckingtrail sein. So nenne ich verschiedene Ausweichsmöglichkeiten um paralell zur Straße laufen zu können.
Ich habe mal beschrieben, wo man den von Andreas auf der Karte so schön beschriebenen Easttrail von Besisahar nach Bulbhule beginnen kann. http://www.nepal-dia.de/Nepal_Reisebericht_Annapurnaru/NBB_Dumre_Bes/nbb_dumre_bes.html

CIh denke, dass in den nächsten Jahren der Annapurnatreck über solche Nebenwege wieder viel seiner einstigen Attraktivität zurückgewinnen wird.
hoffens wir!:D

Nathalie.E
16.09.2007, 21:28
Hallo Andreas,

Ich bin ein Forumsneuling und ein Nepalneuling. Obwohl ich noch gar nicht weiß, wohin ich es in Nepal schaffen werden, oder ob überhaupt, finde ich die Flut an Informationen hier einfach genial. Besser, als jeder Reiseführer. Wo sonst würde es genau beschrieben, wo die Straßenbauten sind, wo man gute Alternativen findet und die Bilder dazu sind top.

Etwas erschrocken bin ich, dass die Arbeiter wie Kinder aussehen und alles händisch machen. Das ist nicht zu glauben!

Als erstes werde ich mir morgen einen Nepalreiseführer und eine Landkarte kaufen.

Liebe Grüße,
Nathalie

Andrees
13.10.2007, 07:43
Ich bin gerade von einem Teil der Runde zurueck. Ich bin von Jomsom ueber Kagbeni, den Thorong la nach Besisahar gelaufen. Eigentlich wollte ich ja uebern den Tilichosee zurueck aber das ging wegen heftigen Schneefalls Ende September nicht.

Besisahar:
Zwischen Besisahar bis kurz vor Bahundanda wird die Strasse von vielen Jeeps und Kleinbussen befahren. Die meisten Fahrzeuge beenden die Fahrt in Bhulbule, und mann wird 40 min total durchgeschuettelt! Die Strasse verlauft immer auf der westlichen Flussseite.
Ausweichsmoeglichkeit: Ca 30 min zu Fuss auf der Strasse nach Besisahar zweigt bei ein paar Geschaeften rechts ein Fussweg ueber Lete und Simalchaur nach Bhulbule ab. Der Anfang des Eastern Trail ist rot markiert. Dieser Weg ist anstrengender als die Strasse, dafuer aber wunderschoen. Man braucht ca 3,5 Stunden, das heisst ab Besisahar 4 Stunden. Es gibt keine Lodge bis Bhulbule.

Zwischen Bahundanda und Syange verlauft die Strasse auf der anderen Talseite als der Trekkingweg, durch verschiedene Erdrutsche ist sie zurzeit nicht befahrbar.

Die Strasse wird uebrigens nicht nach Tal gehen, sondern von Jagat aus den westlichen Hoehenruecken nehmen.:D:D:D

Zwischen Dharapani und Chame sind groessere Wegstuecke fertig, nach einem Jahr sieht die Strasse aber schon wieder recht natuerlich und verwildert aus und ist durch Erdrutsche und heruntergefalloene Felsenbrocken schon wieder mehr ein romatischer Wanderweg als eine Strasse. :roll: Sie ist zurzeit nicht befahrbar!

Ab Chame ist die Strasse bis Dukru Pokhari weitgehenst fertig, allerdings wegen Erdrutschen stellenweise nur 20 cm breit :-)).

Ausweichsmoeglichkeit: Zwischen Chame und Brathang kann man zweimal rechts denn alten Weg benutzen. Der Anfang ist jeweils rot markiert.

in Dukru Pokhari verzweigt sich der Weg direkt am Dorfende. Der rechte fuehrt nach einigen hundert Metern ueber ein Bruecke und dann mit sehr schoenen Aussichten direkt nach Upper Pisang und ist wesentlich schoener. Upper Pisang ist das alte Dorf und man hat schon etwas hoehe gewonnen, fals man am naechsten Tag den Hoehenweg ueber Gyaru nehmen will.

Fazit: Auf der Manangseite wird man von Strassenbau zurzeit noch recht wenig gestoert und es ist weiterhin eine sehr schoene Trekkingroute!:up:

Soshin
13.10.2007, 13:34
Danke, Andrées, für die insteressante und doch etwas beruhigende Beschreibung. Naja, Totgesagte leben manchmal länger... :) So wie der Koirala zum Beispiel... :-)

LG,

SOshin

Jens
15.10.2007, 13:20
kleine Ergänzung zu Andrees Bericht

Jhong- putak - Kagbeni: rote Striche, rote Punkte und anders angemalte Steine

Ranipauwa- Purang- Jharkot: Rote punkte
Jhong Jharkot: rote kreuze

Viel Spass


> Hallo Andrees,
> wie schauen die Makierungen aus. Sind die rot angemalte
> Steine ? Bitte sende Deinen Bericht noch ans Trekking-Forum. Werde ja Ende November auch beim Thorong La sein.
> Viele Gruesse
> Jens