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Vollständige Version anzeigen : Hüttentour 4-5 Tage + 3000er


TheDarkLord
16.06.2004, 10:32
Hallo

Bin ganz neu hier und habe folgende Frage:
Ich möchte Ende September eine 4- 5tägige Hüttentour mit insg. 4 Personen machen. Dabei sollte ein 3000er sein, allerdings keine Gletscherbegehung, da ich sowas noch nie gemacht habe.
Habe ein wenig Erfahrung im Bergwandern in den Stubaier Alpen gesammelt, aber da leider keinen 3000er knacken können, da damals meine Frau gekniffen hat ;D...
Am besten wäre ein "Rundkurs", damit wir am letzten Tag wieder beim Auto sind - was für Tipps habt Ihr für mich??

Flachlandtiroler
16.06.2004, 12:53
Hallo Torsten,

Ende September schließen die meisten höher gelegenen Hütten, das dürfte die Auswahl stark einschränken. Bei dem 3000er mußte Du wetterbedingt wenigstens mit Schneeberührung rechnen, würde also einen suchen der a) optional ist und b) einen südseitigen Anstieg hat.

Gruß, Martin

ThomasFFM
16.06.2004, 13:10
Hallo, Torsten!

Die meisten Dreitausender lassen sich vermutlich auf der Südseite der österreichisch-italienischen Zentralalpen holen, z. B. in der Schobergruppe, Lasörlinggruppe (beides Osttirol), am Pfunderer Höhenweg, nicht zuletzt in der Texel- und auch Ortlergruppe (Südtirol). Viele Dreitausender-Ziele ohne Gletscher und über den Schwierigkeitsgrad I hinaus gehende Kletterei gäbe es auch in den nördlichen Stubaiern sowie in den Ötztalern, während sie in den Zillertalern und in der Silvretta äußerst rar sind. Martins Warnung kann ich mich aber nur anschließen. Ende September kann es zudem schon recht kühl werden, wodurch die Felsen, vor allem aber die Altschneefelder in größeren Höhen - und mit Altschneefeldern musst Du in der Dreitausenderregion ohnehin das ganze Jahr über rechnen - auch tagsüber vereist sein können.

Welche Hütten Ende September noch bewirtschaftet sind, lässt sich natürlich über das Internet und vor Ort telefonisch herausbekommen.

Gruß
ThomasFFM

Peter_N
16.06.2004, 21:07
Ein schönes Tourengebiet ist die Schobergruppe (bis auf die Lienzer Hütte nicht so überlaufen). Dort gibt es ein gutes, markiertes Wegenetz, die die Berghütten optimal miteinander verbindet und hat einige "Wander-Dreitausender", die mit entsprechender Trittsicherheit und Schwindelfreiheit gut zu bewältigen sind.
Bsp: Keeskopf 3081m (leicht, Route spärlich markiert), Petzeck 3283m, Hochschober 3240m (Anstieg von Südost und wenn kein Schnee liegt!) und der Debantgrat 3055m vom Schober Törl aus (leicht).

Optimal ist die Alpenvereinskarte "Schobergruppe" M 1:25.000 Nr: 41

Fast alle Scharten liegen knapp unter 3000m, sodaß hier einiges an Kondition abverlangt wird.
Ich kann mich meinen Vorrednern nur anschließen. Bei frühzeitigem Wintereinbruch, oder Schlechtwetter
sind diese Übergänge und Berge schnell um ein vielfaches anspruchsvoller.
Hüttennachweis aus dieser Region findest Du hier:
http://www.alpenvereinshuetten.at/huettenUebersicht.php?gebirgsgruppeId=48


Gruss Peter

ThomasFFM
17.06.2004, 15:37
Hallo!

Kleine Ergänzung zum Beitrag von Peter_N:

In der südlichen Schobergruppe ist eine Mehrtagestour mit zwei Übergängen möglich, die nur knapp über 2600 m Höhe hinaus geht; in höheren Lagen muss man in dieser Jahreszeit tatsächlich mit Vereisung rechnen, vor allem nordseitig. Die Route: Iselsberg - Winklerer Alm - Raner Alm - Wangenitzseehütte - Lienzer Hütte - Hochschoberhütte - Oberleibnig. Unterwegs mehrere Gipfelmöglichkeiten mit zum großen Teil südseitigen Anstiegen: Petzeck, Keeskopf, Hochschober (um diese Jahreszeit wohl schon heikel, evtl. Steigeisen nötig), Hoher Prijakt, evtl. Schleinitz (der einzige Nicht-Dreitausender in dieser Aufzählung).

Gruß
ThomasFFM

Guest
17.06.2004, 20:31
Hallo darker Lord

Als Schweizerin kann ich Dir natürlich einen Abstecher ins Wallis, genauer in die Region Zermatt, empfehlen. Dort findest Du wunderschöne 1 - x Tages-Wanderungen, und u.a. bietet sich dem konditionsstarken Wanderer ohne bergsteigerische Kenntnisse die Gelegenheit, das Mettelhorn zu besteigen (und dabei ständig das Matterhorn bewundernd im Auge zu behalten), welches ca. 3400 m ü.M. liegt. Als Übernachtungsmöglichkeiten bieten sich in der Gegend unzählige SAC-Hütten an, deren Öffnungszeiten ich jedoch nicht kenne.

Viel Spass auf der Tour!
Brigitte

Flachlandtiroler
18.06.2004, 08:40
u.a. bietet sich dem konditionsstarken Wanderer ohne bergsteigerische Kenntnisse die Gelegenheit, das Mettelhorn zu besteigen (und dabei ständig das Matterhorn bewundernd im Auge zu behalten), welches ca. 3400 m ü.M. liegt. Als Übernachtungsmöglichkeiten bieten sich in der Gegend unzählige SAC-Hütten an, deren Öffnungszeiten ich jedoch nicht kenne.

An die Runde Trift-Mettelhorn-Höhbalmen-Schönbiel habe ich auch gleich gedacht ;)
SAC-Hütten sind immer geöffnet, jedoch nur zur Saison bewartet -- sprich, ab Mitte/Ende September muß man sein Essen selber mitbringen. Das Trifthotel am Mettelhorn ist aber privat, nix SAC; ich war mal Ende September auf diesem Gipfel, zumindest damals gab es noch ein (kleines, harmloses) Gletscherchen zu überqueren; die letzten 700 Höhenmeter lag Schnee, im Gipfelhang gut knietief.
Es gibt im September sicher einfachere 3000er...

Gruß, Martin

TheDarkLord
18.06.2004, 09:02
Hallo

Vielen, vielen Dank für die zahlreichen Antworten...
Bin halt echt noch kein Alpenprofi - aber ist das wirklich Ende September schon so schlimm mit dem Schnee/Eis???
Ein Freund hat mir den Meraner Höhenweg empfohlen - was haltet Ihr davon??

Gruss

Torsten

Flachlandtiroler
18.06.2004, 09:27
@Schnee/Eis: Das kommt natürlich sehr auf die kurzfristige Wetterlage an.

@Meraner Höhenweg: Prima Idee, der einzige höhergelegene Übergang (Eisjöchl) ist wegemäßig hervorragend ausgebaut. Allerdings ist das weniger eine "Hütten"tour, da meist in Berggasthöfen übernachtet wird. So direkt am Weg liegt nur ein 3000er (*), die Hochwilde (3480m), knapp 2h von der Stettiner Hütte. Auf 50m berührst Du da den Langtaler Ferner (harmlos) und es hat ein paar Drahtseil-gesicherte Kraxelstelle (I.Grad). War Anfang Oktober mal da oben -- totale Stille, umfassende Fernsicht *schwelg*

(*) Zielspitze, Kirchbachspitze und Tschigat werden zwar vom Höhenweg aus angegangen, ist aber immer 'ne komplette Tagestour für sich.

Gruß, Martin

ThomasFFM
18.06.2004, 13:51
Hallo!

Zum Meraner Höhenweg bzw. zu den Texel-Dreitausendern wäre zu ergänzen, dass die genannten Gipfel und nicht zuletzt das durch eine Steiganlage erschlossene, aber im oberen Bereich Schwindelfreiheit erfordernde Roteck (höchster Texel-Gipfel südlich des Alpenhauptkamms mit grandiosem 3000m-Tiefblick auf das Meraner Becken und gigantischem Panorama!) als Tagestouren von der Lodnerhütte angegangen werden kann. Wie lange die geöffnet ist, weiß ich nicht; man kommt aber vom Meraner Höhenweg ganz gut hinauf (ab Hochganghaus bzw. Nassereithhütte).

Tschigat (Vorsicht, kein Wandergipfel mehr, Stellen I-II!) und Lazinser Rötelspitze (sehr schön, einsam, im unteren Bereich zwei kurze Einserstellen, von oben nicht ganz einfach zu finden, evtl. mit Rucksäcken "markieren"!) wären evtl. als - lange - Tagestouren vom Hochganghaus am Meraner Höhenweg machbar. Allerdings ist der Übergang Hochgang - Milchseescharte - Halsljoch hochalpin; so ist ein nordseitiger Schneehang zu queren, der im September tatsächlich schon vereist sein kann. Besser von der Lodnerhütte angehen!

Mit Eis und Schnee muss man auch an der Hochwilde rechnen. "Flachlandtiroler" hatte bei seiner Besteigung offenbar ähnliches Glück wie ich vor vielen Jahren: Die zu querenden Schneefelder - in manchen Sommern kommt man als Bergwanderern gar nicht auf diesen immerhin knapp 3500 m hohen Gipfel! - liegen in der Ostflanke und somit in der Morgensonne - wenn sie denn scheint und den Schnee aufweicht!

Gruß
ThomasFFM

michi216
20.06.2004, 14:37
Hallo allerseits!
Eine Frage von mir weils so gut dazupaßt:
will gemeinsam mit einem freund anfang juli wieder mal eine hüttentour machen
am karnischen höhenweg vor 2 jahren wurde uns die schobergruppe empfohlen und nach den positiven berichten hier werden wir sie heuer angehen

nun stellt sich für uns die frage was wohl die schönste tour ist (welche richtung, welche hütten in welcher reihenfolge); gibt es hierzu gute vorschläge, die ihr eventuell sogar schon selbst gegangen seid? ausgangspunkt muß nicht gleich endpunkt sein (reisen öffentlich an) und wir haben ungefähr 4-5 tage zeit
geltscher wollen wir keine begehen, ansonsten darf es ruhig anspruchsvoll sein, ein oder mehrere gipfel dürfen natürlich dabei sein, toll wäre es auch wenn man einen klettersteig in der nähe mitnehmen könnte (falls es das gibt)

danke schon im voraus für eure rückmeldungen! :)

ThomasFFM
20.06.2004, 14:58
Hallo, michi!

Anfang Juli - also in zwei oder drei Wochen - in die Schobergruppe? Und das bei diesem kühlen Frühjahr und Frühsommer? Das wird kaum gehen, es sei denn, Ihr riskiert im Schnee Kopf und Kragen. Die Schobergruppe mit ihren hoch gelegenen Übergängen ist doch eher etwas für den Spätsommer, also August / September! Notfalls solltest Du unmittelbar vor der Tour bei einem Hüttenwirt Informationen über die aktuellen Verhältnisse einholen. Aber wie gesagt, ich bin skeptisch.

Von den Verkehrsverbindungen wäre es natürlich kein Problem: Man könnte das Auto in Lienz lassen und kommt zuletzt, egal, ob man ins Möll- oder Iseltal bzw. nach Kals absteigt, an eine Buslinie und somit problemlos zurück nach Lienz.

Es ist nur leider so, dass die Schobergruppe aufgrund ihrer Lage in der Nähe des Alpenhauptkamms ungleich öfter in Wolken ist als z. B. die Lienzer Dolomiten und die Karnischen Alpen. Somit bleibt der Schnee an sich schon etwas länger liegen als weiter südlich in vergleichbaren Höhen.

In der ersten Julihälfte könnte evtl. eine Durchquerung der Lienzer Dolomiten möglich sein (auch wunderschön, zudem trifft man zwar um die Karlsbader Hütte herum auf viele Kletterer, aber insgesamt auf relativ wenige Wanderer) - aber auch hier unbedingt erkundigen; Altschneefelder auf nordseitigen steilen Geröllhängen sind einfach teuflisch! Eine weitere Möglichkeit in diesem Gebiet für jemanden, der es gerne besonders einsam mag, ist die West-Ost-Durchquerung der recht unspektakulären und daher von den Bergwanderern total vernachlässigten Kreuzeckgruppe. Auch hier müsste man natürlich in Erfahrung bringen, wie es mit Schnee aussieht. Vergiss auch nicht, dass der frühere Sommer in den Alpen oft recht wetterwendisch sein kann!

Genug der Warnungen - Ziele ließen sich für diese Zeit natürlich finden, zumal wenn Ihr Euch nicht völlig auf Osttirol versteift (ich habe unter "Trekking in Slowenien" z. B. einiges über die Karawanken geschrieben, dort sollte man auf jeden Fall Touren machen können). Viel Spaß beim Pläneschmieden - und notfalls kannst Du ja noch einmal nachfragen.

Gruß
ThomasFFM