Vollständige Version anzeigen : Dolomiten Höhenweg Nr. 2 Schwierigkeitsgrad
Hallo!
Wir wollen Ende des Monats den Dolomiten Höhenweg Nr. 2 vom Passo San Pellegrino zum Passo Cereda gehen. Ist den schon mal jemand gegangen? Für das Teilstück vom Rif. Pradidali zum Rif. Treviso steht in unserem (recht neuen) Bergführer für eine kurze Passage was von Klettern im Schwierigkeitsgrad II bergauf. Wir können das nicht sonderlich gut einschätzen. Trittsicher und schwindelfrei sind wir, aber braucht man dafür schon Gurt und Seil? Das ist ja schon einiges an Gepäck, wenn man eine Woche unterwegs ist und nur eine einzige derartige Stelle drin hat. Andererseits wäre es auch blöd, dann zu scheitern und nicht weitergehen zu können... Über Auskünfte und Tipps zu diesem Teilstück im besonderen und zum Rest des Weges bin ich dankbar!
Viele Grüße,
Elisabeth
Hallo Elisabeth,
ich habe jetzt leider keinen Führer bzw. Karte zur Hand, um nachzuschlagen, wie genau es dort beschrieben ist. Werde es heute Abend vielleicht mal machen. Ein Kletterstelle mit Schwierigkeitsgrad II ist aber nicht soo wild. In den Dolomiten handelt es sich meistens um Blockgelände in einer Scharte. Da musst du vielleicht mal etwas kräftig mit den Händen zupacken, um über eine 2 Meter hohe Steinstufe zu kommen. Wenn ihr zu zweit seit, ist es auch meistens kaum Gefährlich, falls nicht im Führer steht, dass die Stelle auch exponiert ist. Aber meines Wissens nach sollten alle Dolomitenhöhenwege bis auf Ausnahme von Nr. 6 und Nr. 7 ohne Klettersteigausrüstung (auch wenn dann manchmal auf Umwegen) und Klettererfahrung gangbar sein.
Grüße
Thomas
ThomasFFM
16.08.2004, 22:08
Hallo!
Ob einem ein Zweier leicht fällt, ist individuell höchst verschieden. Man darf auch nicht vergessen, dass das Klettern mit schwerem Weitwander-Rucksack viel schwerer fällt als mit kleinem Tagesgepäck. Grundsätzlich gilt, dass man die Stelle einfach in natura sehen und beurteilen sollte (vielleicht am Tag vorher ohne Rucksack schon mal hingehen und schauen, meines Wissens ist die Zweierstelle nicht gar zu weit vom Rifugio Pradidali entfernt). Laut Hauleitner-Führer handelt es sich hier um eine 70 m hohe ungesicherte Wand!
Vielleicht kann man die Kletterstelle (natürlich ungleich weniger reizvoll, aber evtl. sicherer) durch das Val Pradidali umgehen, was allerdings auch mit einem Talabstieg verbunden wäre.
Übrigens: Ich würde bei einer Begehung der Dolomiten-Höhenwege Nr. 3, 4 und 5 schon eine Klettersteig-Ausrüstung mitnehmen! Thomas, denk auch an die Abrutschgefahr in exponiertem Gelände, gerade beim Schleppen eines schweren Rucksacks! Auch wenn ich mich so langsam als alter "Bedenkenträger" madig machen sollte - die prozentual meisten Bergunfälle passieren beim Bergwandern, und ein Zuviel an Sicherheit kann nicht schaden!
Gruß
ThomasFFM
@ThomasFFM: Das Thema Klettersteigausrüstung ja oder nein muss, denke ich, jeder für sich am besten beantworten. Vielleicht war meine sehr allgemein gehaltene Aussage, man bräuchte keine Klettersteigausrüstung auf den Höhenwegen, doch etwas zu voreilig. Die meisten Unfälle beim Wandern passieren doch irgendwie einfach aus Selbstüberschätzung. Man denkt, weil viele den Weg jetzt ohne Klettersteigausrüstung gehen, wäre es peinlich selbst welche mitzunehmen. Vor allem in den Dolomiten ist mir sehr, sehr oft ein kalter Schauer über den Rücken gelaufen, wo manche Leute ohne Klettersteigausrüstung so hingehen. Dieses Bild werden die meisten Dolomitenwanderer und -klettersteigler kennen ¤*#:( Zudem sollte man immer bereit sein umzukehren, falls der Weg zu schwer wird oder man sich einfach überschätzt hat. Ich kehre immer lieber in Ruhe um, als mich einer schwierigen Stelle auszusetzen, die ich mir gar nicht zutraue.
Vor allem, wenn man ein bißchen erfahrener ist, sollte man aus meiner Sicht Wanderführer mit höchster Vorsicht geniessen. Diese übertreiben meistens (was vielleicht auch Angesichts der Übermut vieler Wochenendwanderer gar nicht mal so schlecht ist), was im Führer eine 70-Meter hoche Wand ist, würde ich mir mehr eine 45° Steile Diagonale Vorstellen, bei der man mit Unterstützung der Hände mehr hochkrabelt als klettert. Eine richtige Wand beginnt ja kaum unter der Schwierigkeitsstuffe 3!
Grüße
Thomas
ThomasFFM
17.08.2004, 16:07
Hallo!
Ich finde den letzten Beitrag von Thomas sehr gut. Dass Führerautoren sehr vorsichtig sind, ist klar, sie dürfen ja nicht von ihren eigenen Fähigkeiten ausgehen, sondern von denen von Gelegenheitswanderern, und was sich - wie Thomas auch sagt - auf gesicherten Steignlagen tummelt, ist schon abenteuerlich - man muss sich immer wieder wundern, dass nicht noch mehr passiert.
Mir ist noch eingefallen, dass in einer früheren Auflage des Hauleitner-Führers über die Dolomiten-Höhenwege Nr. 1-3 die Kletterstelle hinter dem Rifugio Pradidali mit I bewertet wurde, ehe der Autor vorsichtiger wurde; somit handelt es sich wohl wirklich eher um eine Flanke als eine Wand. Trotzdem: Ich finde, man sollte wirklich am besten am Vortag nur vom Rifugio Rosetta zum Rifugio Pradidali gehen, evtl. mit kleinem Gipfelabst3echer, und dann noch die kritische Stelle erkunden.
Gruß
ThomasFFM
Vielen Dank für Eure Antworten! Das entspricht in etwa dem, was ich mir auch schon gedacht habe. Es stimmt, dass in Führern oft "schwere" Stellen erwähnt werden und man sich nach Ende der Wanderung fragt, wo die eigentlich gewesen sein sollen. Trotzdem sollte man sich natürlich nicht selbst überschätzen. Wir werden auf jeden Fall einen Gurt + Rebschnur mitnehmen, falls wir unsicher werden.
@ThomasFFM: In den Dolomiten werden auf aus Schwierigkeitsstellen I später IIer bzw. aus IIer dann IIIer wenn tausende von Leuten die Stellen so ablatschen, dass die immer glatter werden. Viele der Normalführen in den Dolomiten (und wo anders auch, siehe z.B. Hörnligrat am Matterhorn) wurden schon mach Hochgestufft. Naja, ansonsten ist der Übergang von I zu II ja recht flüssig und damit auch sehr subjektiv.
@Elisabeth: Nur so aus Interesse, was macht ihr dann mit dem Gurt und Reepschnur? Ich meine, halten kannst du damit auch keinen Sturz, Borhacken sind dort auch nicht angebracht (denke ich jetzt einfach mal, weil ich das in den Dolomiten auf Wanderwegen noch nie gesehen habe).
Grüße
Thomas
Hallo zusammen,
ich hoffe, dieser Thread ist noch aktiv. Wir wollen nächste Woche fünf Tage den Anfang des Dolomiten Höhenwegs Nr. 2 gehen, von Brixen bis ca. Passo Pellegrino. Die besagte 70 Meter hohe, ungesicherte "Wand" sollte also erst später kommen.
Kann mir jemand sagen, ob es trotzdem sinnvoll ist, ein Klettersteigset mitzunehmen? Gibt es überhaupt zuverlässige Drahtseilsicherungen? Braucht man zu dieser Jahreszeit irgendwo Steigeisen?
Zu meiner Erfahrung: ich bin schon mal einen Klettersteig gegangen (den Mindelheimer), fühle mich aber wesentlich besser, wenn ich gesichert bin.
Für kurzfristige Tipps wäre ich dankbar!
vBulletin® v3.8.1, Copyright ©2000-2012, Jelsoft Enterprises Ltd.