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Vollständige Version anzeigen : Tiroler Höhwenweg


HeMo
04.08.2004, 16:33
Hallo,

wer hat schon Erfahrungen mit dem Tiroler Höhenweg (Mayrhofen-Brenner- Meran) gemacht? Ich möchte Mitte August von Mayrhofen via Gamshütte losmarschieren.

Sind die Hütten und Almen um diese Zeit überfüllt :-/? Welche sollte man besser meiden?

Wie ist der Gesamteindruck von dieser Strecke?


Bereits im Voraus Danke für Eure Antworten

HeMo

Flachlandtiroler
04.08.2004, 16:46
Hallo HeMo,

aus älteren Tagen kenne ich folgende Etappen:
* Mayrhofen-Gamshütte-Friesenberghaus-Olpererhütte-Schlegeisspeicher
* Pfitscher Joch-Europahütte-Brenner
* St.Martin am Schneeberg-Passeiertal
* Pfelders-Faltschnaljöchl, Oberkaser-Meran

Eine extrem ausführliche Beschreibung steht unter http://www.eisacktal.info/hoehenweg/de/etappen/etappe10.html, aber die kennst Du bestimmt schon.
Die Etappe Gamshütte-Friesenberghaus ist garnicht Bestandteil des "offiziellen" Weges und v.a. ganz schön lang. Überfüllte Hütten kann ich mir nicht vorstellen, habe aber keine Ahnung wie groß die Kapazität der einzelnen Hütten mittlerweile ist. Einzelne (subjektive!) Bewertungen zu den Hütten findest Du auch unter http://www.huettentest.de .

Zum Gesamteindruck kann ich sagen, daß das eine IMHO sehr logische Route ist, die ich mir vor ewigen Zeiten auch schon mal so ähnlich überlegt hatte.

Gruß, Martin

HeMo
04.08.2004, 17:38
Servus Martin,

ich bin erst durch die Eisacktal.info auf die Idee gekommen, den Tiroler Höhenweg zu machen. Die Etappe von Mayrhofen über die Gamshütte ist übrigens eine alternative Variante - ich habe ein paar Tage mehr Zeit, als ich für die Tour eigentlich benötige. Natürlich möchte ich auf der Gamshütte übernachten, und mir nicht gleich eine Höllentour am 1. Tag zumuten: die "Originalvariante" würde meiner Einschätzung nach 8-10 Stunden dauern :P.

2 Fragen noch:

Was heißt IMHO ¤*#????

Und: kennst Du den Weg von der Gamshütte zum Friesenberghaus? Er soll teilweise ausgesetzt sein. Andererseits bin ich z.B. die Friesenbergscharte auch schon runter und habe diese nicht als gefährlich empfunden.

Gruß ans Flachland

HeMo

Flachlandtiroler
04.08.2004, 17:52
IMHO = In my humble opinion

Bin Ende September nach einem Wintereinbruch vom Friesenberghaus zur Gamshütte und weiter runter nach Finkenberg gegangen, waren 5.5h + 2h. Am Tag zuvor hatte eine Gruppe von der Gamshütte zum Friesenberghaus 11h gebraucht und dabei noch zwei Leute über einen Notabstieg eingebüßt... Die Gehzeitangaben schwanken in dieser Richtung zwischen 6-7h und 11h ab Gamshütte ¤*#::)
Technisch ist der Weg einfach, alpiner Wanderweg halt. Schöne Aussicht (wenn's nicht die ganze Zeit hagelt & regnet, wie bei mir). Eine halbe Stunde oberhalb der Gamshütte geht es eine Weile (auf gutem Weg) durch ziemlich steile Hänge, ist aber höchstens im Frühsommer ein Problem, wenn da noch Altschneerinnen zu queren sind. Die letzte Stunde vor dem Friesenberghaus geht über Blockschutt, der Weg ist aber recht gut angelegt und befestigt.
Was ich gelesen habe scheint mir die Etappe auf dem Pflerscher Höhenweg ziemlich vergleichbar und die willst Du ja auch noch machen ;)

Gruß, Martin

HeMo
23.09.2004, 14:58
Nachdem ich nun den Tiroler Höhenweg gegangen bin, ein kleiner Erfahrungsbericht:

Das Prospekt, das im Internet der Firma Kompaß, das im Internet zum Download zur Verfügung steht( http://www.eisacktal.info/hoehenweg/de/service/download.html ), lässt sehr zu wünschen übrig, beinhaltet zumindest einen groben Fehler: Die Alternativ - Variante zur Eröffnung der Tour ist lt. Prospekt folgendermaßen: 1. Tag: Mayrhofen – Gamshütte – Friesenberghaus – Olperer Hütte, 2. Tag: Olperer Hütte – Pfitscherjochhaus. Diese Planung ist so hirnrissig, dass man sich fragt, ob die Verantwortlichen jemals in einen Alpenvereinsführer reingeschaut haben, geschweige denn, ob sie diese Tour so jemals selbst gemacht haben. Die vorgeschlagene Route würde nach meiner Erfahrung also so aussehen: 1. Tag: Mayrhofen - Gamshütte ca. 3 ½ Std., Gamshütte Friesenberghaus ca. 7 ½ Std. und im Anschluss zur Olperer Hütte ca. 2 Stunden: Gesamtgehzeit also 13 Stunden mit mindestens 2.200 hm strammen Bergaufmarsches, 1100 hm Abstieg und das am ersten Tag. Die Wirtin auf der Gamshütte meinte, es gäbe genug Wanderer, die von der Gamshütte zum Friesenberghaus 10 bis 12 (!) Stunden brauchen, zumal es sich um mühselige 14 km Marsch handelt (kann ich bestätigen). Zudem quert man bald nach der Gamshütte teile Grashänge, hier sind Schwindelfreiheit Trittsicherheit gefragt. Der zweite Tag wäre dafür umso gemütlicher: von der Olperer Hütte zum Pfitscherjochhaus veranschlage ich max. 4 Stunden. Der 3. Tag dieser Variante beansprucht m.E. ca. 2 bis 2 ½ Std.!

Daher mein Vorschlag: `
1. Tag: Mayrhofen – Gamshütte ca. 3 – 3,5 Std. 1.100 hm auf (dann kann man sich bei der Anreise Zeit lassen und auch noch nachmittags losmarschieren, ich ging erst um ca. 16.00 h los)
2. Tag: Gamshütte – Friesenberghaus ca. 7,5 – 11 Std. 1.100 hm auf + ab
3. Tag Frisenberghaus – Olperer Hütte oder Schlegeis – Landshuter Hütte : Zeiten weiß ich nicht mehr, aber ich war nachmittags um 15:00 angekommen, bei langer Pause zwischendurch! Insgesamt eine schöne Wanderung, wenn man von den vielen Touris zwischen Schlegeis und Pfitscherjoch mal absieht.

Nicht erwähnt wurde weiterhin die Schwierigkeit des Pflerscher Höhenweges: grundsätzlich eine schöne Wanderung, ABER ich würde diesen keinesfalls (noch mal) bei Regen machen; dann kommen nämlich von oben die Bäche herunter, und an einer Stelle kann man die angebrachte Eisenklammer nur erreichen, wenn man sich in den entsprechenden Wasserfall stellt. Auch hier sehe ich ein grobes Versäumnis der Autoren, das hätte unbedingt angesprochen werden müssen.

Anmerkungen zu einzenen Etappen:

Landshuter Hütte- Sattelbergalm: hier unbedingt Wildseespitze und Wolfendorn mitnehmen, es führt zwar ein auch ein Abstieg direkt zum Brenner, aber was will man dort schon!! Sattelbergalm: auch die Lager sehr sauber, insgesamt sehr familiär, ich saß sozusagen am Familientisch

Sattelbergalm – Obernberg(er See): Langer Marsch halt.

Über Pflerscher Höhenweg nach St. Anton/Inner-pflersch: Sehr, sehr schöne Wanderung, wenn auch am ersten Tag der Regen nicht aufhören wollte (s.o.).

St. Anton – Maiern: unspektakuläre Wanderung, der Ort Maiern beeindruckt durch eine einzige, riesige Hotelanlage, wer sich das antun möchte, kann hier ein bisschen Wellness betrieben.

Maiern . St. Martin/Schneeberg – Gasthaus Hochfirst: Leider ein absoluter Nebel- und Regentag, St. Martin habe ich überlaufen, da ich schon mittags dort angekommen war. Ich glaube aber nicht, dass ich außer der schönen Hütte irgendetwas verpasst habe. Vorsicht beim Abstieg: ich habe ruckzuck den Weg zur Timmelsjochstraße erwischt und durfte dann wieder weit hoch marschieren, ansonsten wären mind. 5 km an der Strasse und durch mehrere Tunnel zu laufen gewesen.

MERAN: dort habe ich natürlich nicht übernachtet, sondern in Vellau, oberhalb von Dorf Tirol, mit einem Superausblick über das Meraner Tal, bis hin zu den Dolomiten. Eine letzte ruhige Nacht bei angenehmen Temperaturen (eigentlich hatte ich nur einen schönen Tag erwischt) , bevor ich mich wieder in den Trubel der Zivilisation gestürzt habe.

Ansonsten ist der Tiroler Höhenweg natürlich auch geprägt durch das Bemühen der Organisatoren (Tourismusverband Eisacktal + Mayrhofen), die Wanderer auch in die Täler und somit in die Orte zu bringen. Dies lässt sich leider manchmal nicht umgehen, ist aber nicht weiter schlimm, wenn man z.B. im Pfarrgasthof in St. Anton/Innerpflersch übernachtet: alle supersauber, supernett und beste Verpflegung, das ganze für Sage und Schreibe € 29,00 Halbpension – immer noch viel Kohle, aber bei der Preisentwicklung in den letzen Jahren kann man nur sagen: billiger geht’s fast nicht mehr, ich kenne nur noch eine (Halb-)Pension, die günstiger war – um genau einen Euro

Insgesamt stellt der Tiroler Höhenweg keine großen Herausforderungen an "bergsteigerisches Können" (Ausnahmen s.o.), soweit ich mich erinnere, waren an allen heiklen Stellen Seile angebracht. Die Etappen sind von ihrem Reiz her gemischt, manchmal geht es halt nur darum, die nächste Bergkette zu queren, andere Etappen wiederum sind wirklich ein Genuß bezüglich Wandern und Panorama.

Sofern sich also jemand entschließt, diesen Weg zu machen, so wünsche ich ihr/ihm viel Spaß

HeMo