PDA

Vollständige Version anzeigen : reisebericht aconcagua feb.2007


pauli2040
08.03.2007, 20:26
hallo, so nun will ich euch mit einem kleinen reisebericht meiner aconcaguatour beglücken.
ich bin am 22. jänner von münchen über toronto mit air canada nach santiago de chile geflogen ( air canada deshalb, da amerikanische fluglinien 2 gepäckstücke a 23 kg erlauben-meine packsäcke hatten 45 kg- und europäische fluglinien nur 20 kg freigepäck erlauben. nebenbei erwähnt, neu ist, das man ab jetzt in nordamerikanischen flughäfen das gepäck durchchecken kann, und nicht mehr wie früher am gepäckband rausnehmen und durch den zoll muss, um das gepäck dann wieder neu einzuchecken)
nahm mir für eine nacht ein zimmer im hotel paris, war ganz passabel und fuhr am nächsten tag mit dem bus nach mendoza.
ich wurde am busbahnhof von aconcagua expeditions abgeholt und ins hotel aconcagua gebracht. dort traf ich die anderen teilnehmer der gruppe.
und zwar steve 52, bergführer und mount mc kinley besteiger aus seattle, jay 46 aus usa, george 52 aus canada, patrik 42 aus schweden, ron 46 und ben 68! aus den niederlanden. dazu die guides "papi"moricci und "Caucho". 2 sehr erfahrene führer.

dann organisation der permitts, fahrt nach puente del inca. marsch zum camp confluenzia 3300 m, dort empfang mit sehr gutem essen. am nächsten tag akklimationsmarsch zur südwand des aconcagua.2002
unter tags tolles wetter, am nachmittag immer wieder leichter schneefall-regen.
am nächsten tag dann der lange marsch durch das horconestal 2003zum basecamp plaza de mulas 4300 m. 2008 2007dort ebenfalls jeden tag ein top essen, sehr nette köchin.
ruhetag. dann erster marsch zum camp canada 5000m. war sehr anstrengend. schlechtes wetter. dann wieder ein ruhetag.
-aufstieg.wieder camp canada. die akklimatisierung macht sich bemerkbar. bin schneller als 2 tage vorher, und das trotz des grossen rucksacks. ich hatte lauter geschäftsmänner in der gruppe und abgesehen von steve und mir leisteten sich alle anderen private hochträger fürs gepäck. ( ben ging nun nicht mehr mit, da er beim ersten marsch feststellte, das ab camp canada alles auf schnee zu gehen war, und er sich nicht sicher fühlte.aber ich finde für 68 jahre sind 5000 m auch nicht schlecht)
nach dem zeltaufstellen in canada starker schneefall, wir mussten die zelte freischaufeln. am abend riss der himmel auf und wir sahen einen der schönsten sonnenuntergänge.2006 am nächsten tag stieg patrick ab, da er höhenkrank wurde und eine wirklich beschissene nacht hatte.
der marsch nach nido de condores war sehr anstrengend, da sich an diesem tag das wetter von seiner schlechtesten seite präsentierte. zeitweise hatten wir so richtigen white out. und sehr starken wind.
dort saßen wir dann den ganzen nächsten tag im zelt, zum rausgehen war das wetter nicht wirklich geeignet. in der nacht hatten wir unseren temperaturtiefpunkt. im zelt - 24 grad. und das bei 3 leuten im zelt. draussen wirds dann noch einiges mehr gehabt haben.
am nächsten tag dann der aufstieg ins camp colera 6000m an diesem tag sehr viel schnee und körperlich anstrengend. zeitweise schneetiefe bis zu den oberschenkeln-je nach wind- und durch die kälte oben hartgefrohren, unten weich. meist sind wir eingebrochen, manchmal nicht. somit anstrengend zum gehen, da du nicht weißt, ob du beim nächsten schritt einsinkst oder nicht.
oben angekommen, waren wir die nächsten 2 stunden damit beschäftigt, standplätze für die zelte freizuschaufeln. abends zog wieder schlechtes wetter auf, das bis zum nächsten abend anhielt, somit kein gipfeltag. in der nacht klarte es dann auf, und um 4 uhr weckten uns die guiedes. 6 uhr abmarsch. vormittag war das wetter erst perfekt und windstill, 2005ab 10 uhr wurde der wind stärker, und ab 11 zog es zu. so um 12.30 uhr waren die beiden schnellsten, steve und george bei ca 6700 m wir-der rest auf ca 6500-6550 die beiden anderen waren total ko und beschlossen umzudrehen. ich entschloss mich dann, mit den anderen abzusteigen, da ich unterwegs sehr kraftlos war, und so müde, das ich mir vielleicht noch 150-200 höhenmeter zutraute, aber mir sicher war, für die canaletta würds nicht reichen, und zum 2. ich mir einigen stark schmerzenden blasen zu kämpfen hatte-seit camp canada- 2 waren blutblasen, von denen eine zu eitern begonnen hatte. manche werden vielleicht sagen weichei, für mich wars am limit. auf dem rückweg setzte ein starker sturm mit schneefall ein, da waren wir eigentlich froh, umgedreht zu sein. die anderen beiden stiegen im sturm auf und schafften den gipfel machten ein foto und stiegen gleich wieder ab.
wir machten uns inzwischen sorgen, da wir keinen funkkontakt hatten. so um 20 uhr erreichten sie dann wohlbehalten wieder das lager.2004
am nächsten tag lagen wir wieder im zelt, da das wetter zu schlecht zum abstieg war, ein tag später war das wetter wieder gut.2019 runter zum basecamp. dort wurden wir mit rotwein und champagner empfangen. essen schlafen, dann rückweg nach puente del inca und mendoza.
dort verbrachten wir alle noch 3 tage. wir vertrieben uns die zeit mit stadtrundgängen, besichtigungen von weingütern und essen von erstklassigen steaks.2014
nachdem wir uns alle trennten fuhr ich mit einem autobus nach puerto de iguazu und besichtigte noch die iguazuwasserfälle, die größten wasserfälle der welt.20092010
von der argent. seite aus war das sehr gemütlich, da puerto iguazu ein eher verschlafener ort ist, allerdings mit einigen sehr guten restaurants.
auf der brasil. seite war so richtig hochbetrieb. anscheinend reisen die meisten leute über die brasil. seite an. insgesammt sind die fälle einige km lang, fast 80 m hoch, minimal fließt dort 1700m3 wasser pro sekunde runter, maximal 12000m3. gigantisch
ebenfalls besichtigte ich das wasserkraftwerk von itaipu2011 -im moment noch das größte der welt-bis die umweltsünde der chinesen fertig ist:o
der damm ist 8 km lang, 200 m hoch, der stausee ca 3 mal so gross wie der bodensee und dort wurden 12 mill. m3 beton und stahl für 380 eiffeltürme verbaut. totaler größenwahn. der strom ist für sao paulo und die industrie- riesen verluste auf den 1000km langen leitungen. leistung: 14000 MW. zum vergleich alle österreichischen donau-wasserkraftwerke liefern 2200 MW.
dann fuhr ich zurück nach mendoza (eine strecke 37 std.)
noch ein tag mendoza, dann wieder santiago. dort blieb ich weitere 2 tage und fuhr dann 2 tage nach valparaiso und vino del mar. valparaiso ist irgendwie urig.20162017 vino del mar hat mir weniger gefallen.
dann zurück nach santiago und rückflug nach toronto. dort verbrachte ich weitere 6 tage stopover. ich besuchte meine tante und deren familie, machte stadtbummel in downtown. 2015 allerdingssehr kalt bei -10 grad und besichtigte dann noch die niagarafälle im winter. ein wirklich schöner anblick. alles gefrohren. allerdings im vergleich zu den iguazu fällen wirken die niagara wirklich klein. der kanad. teil ist 700 m lang, im winter ca 850m3 wasser in der sek. im sommer 1500, das ist einiges weniger als in den iguazu zur trockenzeit.2012 2013
eine sehr schöne anekdote zu meinem torontobesuch war, das george, der kanadier aus meiner aconcaguagruppe nur 20 min von meiner tante entfernt seine firma hat, so holte er mich am flughafen ab, und fuhr mich zu meiner tante, und lud mich am nächsten abend in ein sehr teures gourmetrestaurant zum essen ein. im august wird er mich in österreich besuchen.
dann am 1. märz ankunft in münchen und heimfahrt nach österreich.
obwohl ich den gipfel nicht geschafft habe, bin ich darüber nicht sehr traurig, da diese tour eine der schönsten erlebnisse war, die ich bisher hatte. interessante erfahrungen, sehr harmonische gruppe .wir waren wirklich ein team. und daraus sind freundschaften entstanden. das alleine wars schon wert.
und wenn ich bedenke, das ich vor genau 5 jahren noch 155 kg wog, dann diät machte, 70 kg abnahm und ich erst vor 3 jahren begonnen habe in die berge zu gehen, glaub ich ich ist die leistung, einen 24 kg rucksack auf 6000 m zu tragen und dann auf ca 6550 m zu kommen bei dieser witterung sicher eine einigermassen gute leistung. und somit glaub ich kann ich wirklich zufrieden sein.:D :D :D :D :D

tremendopunto
08.03.2007, 21:18
Toller Bericht und schöne Photos! Respekt!

Gruß,
Christof

Richard en Nanda
09.03.2007, 00:21
Great reading and lot's of respect!

Greetings and have fun in Thailand.

Leo1969
09.03.2007, 11:40
....ich mir einigen stark schmerzenden blasen zu kämpfen hatte-seit camp canada- 2 waren blutblasen, von denen eine zu eitern begonnen hatte. manche werden vielleicht sagen weichei, für mich wars am limit.

Und wenn ich bedenke, das ich vor genau 5 jahren noch 155 kg wog, dann diät machte, 70 kg abnahm und ich erst vor 3 jahren begonnen habe in die berge zu gehen, glaub ich ich ist die leistung, einen 24 kg rucksack auf 6000 m zu tragen und dann auf ca 6550 m zu kommen bei dieser witterung sicher eine einigermassen gute leistung. und somit glaub ich kann ich wirklich zufrieden sein.:D :D :D :D :D

Aaaalso, erstmal danke für den Bericht. Hochinteressant. Schade, dass es nicht bis ganz nach oben geklappt hat, aber offenbar waren ja die Eindrücke trotzdem sehr stark. Und wer die Meinung vertritt, man sei unter den gegebenen Umständen ein Weichei, der kann nicht knusper sein. Sag ich jetzt mal so......

Und was die eigene Einschätzung angeht, so kann ich der Aussage nur zustimmen. DAS IST EINE TOLLE LEISTUNG

Juergen
11.03.2007, 14:11
Hallo Christian,

wie schon gesagt; ganz tolle Leistung! Das Problem mit de Blasen an den Füßen kenne ich auch. Da hällt Dich sicher keiner für ein Weichei, der selbst schon mal 2-Euro-Stück-große offene Blasen hatte.

wetterfest
11.03.2007, 16:57
schöner bericht, vielen dank.

ich findes es toll wie ihr das gemacht habt und auch das ihr rechtzeitig umgekehrt seid ist wichtig. viele schaffen das ja nicht, meist mit fatalen folgen.

also ich gratuliere dir zu deiner leistung,

lieber gruß
helmut

Hakku
11.03.2007, 22:36
besten dank für deinen bericht und gratulation zu der geamtleistung.
die fotos sind sehr aussagekräftig und vielleicht wird sich der eine oder andere an deine entscheidung "nicht weiter zu gehen" erinnern. Ich habe respekt vor dieser entscheidung und man muss in dem augenblick halt das richtige tun.

bei blasen an den füßen kann ich (leider) auch mitreden. ich hoffe es ist mittlerweile alles verheilt.

gruß
hakku

pauli2040
02.04.2007, 23:38
diese woche stand in einer regionalen zeitung ein kleiner bericht über meine aconcaguatour.
ein mitglied der örtlichen naturfreunde schreibt nebenbei für diese zeitung, und als wir uns vor 2 wochen mal trafen, bot er mir an, einen kleinen artikel darüber zu schreiben.
möcht ich euch natürlich nicht vorenthalten. viel spass beim lesen:D:D

so leider hat das pdf einfügen nicht funktionert, da die datei 6,4 mb gross ist, und ich maximal 1 mb hochladen kann
ihr könnt den bericht aber auch finden unter


www.salzachkurier.de (http://www.salzachkurier.de)
geht dort auf ARCHIV und dort auf ausgabe APRIL 2007 1/2
SEITE 16 SEITE 17

ich bin übrigens der vordere auf diesem bild, und steve, den ihr direkt hinter mir seht, ist diese tage unterwegs von kathmandu ins everest basecamp, er schaffte den gipfel des aconcagua (war vorher schon am mount mc kinnley)- für ihn war das der 2. gipfel auf dem weg zu den sevensummits, als nr 3 soll jetzt der everest folgen. wünschen wir ihm viel glück!!

daxy
03.04.2007, 06:52
schoener bericht und sicher interessante erlebnisse.
was mich wundert ist, dass ihr praktisch keine akklimatisationstouren unternommen habt sondern gleich aus dem bc auf einen 7000 wolltet.
am Acancagua sterben viele an der hoehenkrankheit, man braucht nur den friedhof in Punta del Inca anschauen.
tip: beim naechsten mal, vorher am besten auf einen 6000 vorher gehen.:up:

pauli2040
03.04.2007, 10:47
hallo, wir hatte ja 2 aklimatisierungstouren, einmal von confluencia 3300m zur südwand 4000m
später nach einem ruhetag im bc eine tour auf 5000m und retour wieder ruhetag, anschließend sind wir weiter aufgestiegen. in nido auf 5500 sind wir auch noch 2 tage gewesen, und in camp colera 6000 hatten wir auch 2 nächte vor aufstieg. (die 2. nacht allerdings nur wegen schlechten wetters)

auch habe ich mich vorher eingehend mit höhenkrankheiten etc beschäftigt ( treibel bergmed, buch über höhenkrankheit von bruckmann...) war auch vorher schon mal auf 6100 m in ladakh)

2 in unserer gruppe hatte vorher noch eine 3 tägige tour auf einen knapp 5000 m hohen gipfel irgendwo zwischen mendoza und aconcagua wenn ich mir die sauerstoffsättingungswerte etc. bei den 3 untersuchungen im bc angeschaut habe, waren die werte bei den beiden aber auch nicht höher als zb. bei mir. ich hatte bei ankunft im bc 4300m so um 72 % sättigung, 80 puls im sitzen und blutdruck 130/80.
3 tage später am 2. ruhetag hatte ich 92% sättigung(da war von den 6 anderen nur einer höher) 55 puls (normal daheim habe ich ruhepuls 42-45) und der blutdruck war 150/80 (stieg warscheinlich durch die erhöhung der roten blukörperchen)

auch benötigte ich nur 4 kopfschmerztabletten- und die alle in den mittleren höhen, so confluencia bis bc, jeweils am ende der gehzeiten, später dann überhaupt keine beschwerden, die man mit höhe in verbindung bringen könnte. so glaub ich zumindest für mich persönlich das die akklimatisierung kein problem war.
übrigens wir hatten einen einigermassen schwer höhenkranken dabei, der dann absteigen musste (von ca 5000m) der nahm diamox als profilaxe. die bergführer sagten uns das sei nicht wirklich sinnvoll,und wer diamox nimmt, solls wieder absetzen, und es dauerte nicht lang, da sahens wir dann auch schon, das das auch eher nix brachte.