Vollständige Version anzeigen : Gambia mit dem Rad
Ich hatte neulich Nemo eine PN geschickt mit der Bitte um Infos über Gambia. Nun meinte sie es wäre schade dies nicht öffentlich im Forum zu diskutieren und ich muß sagen da hat sie wohl recht. Daher hier nochmal die Anfrage in aller Öffentlichkeit:
Ich werde anfang Oktober mein Studium soweit fertig haben und will mal wieder raus hier. (Und wehe es kommt nochmal was dazwischen!) Der Plan ist nach Gambia zu fliegen und dort das Land zu erkunden. Fahrrad fand ich eine gute Idee, denn die letzte Radtour ist lange her und Gambia scheint mir, was die Größe angeht, sehr geeignet.
Besonders wichtig wären mir Infos zu der Beschilderung im Land, der Wassersituation und wilden Tieren.
Kann ich mein Rad auf einem der kleinen Boote eventuell mitnehmen? Weiß jemand was über gute Karten?
Wieviel sollte man bezahlen wenn man quasi eingeladen wird zum Essen und/oder über Nacht zu bleiben?
Übernachten überhaupt. Was ich so im Internet gefunden habe sind sicherlich die touristischeren Plätze und damit auch teurer. Wie sieht es mit "Pensionen" aus die es noch nicht ins Internet geschafft haben?
Wäre schön wenn noch andere was beisteuern könnten!
Marisa
Hallo Marisa,
hier noch mal was du schon weißt, etwas aktualisiert und überarbeitet:
Vor Ort habe ich keine Karten kaufen können. Vielleicht in Banjul auf dem Albrecht-Markt versuchen. Du bekommst nur beim Visitorcenter, wo du auch das Permit für den Park brauchst, eine Übersichtskarte. Wenn du hier Karten findest, besser mitnehmen.
Beschilderungen sind spärlich. Viele Pisten führen auch nur zum Fluß und wieder zurück. Denn die meisten Dörfchen befinden sich dicht am Fluss.
Ich würde dir raten, von Banjul aus als erstes die Südseite hochzufahren.
Da kommst du näher an den Fluß ran und es sind diverse Camps von Ausländern gefüht, wo du auch Unterkunft und Wasser bekommen kannst. Die Einheimischen trinken das Wasser aus dem Fluß, also weiter oben, wo er dann Süsswasser führt. Aber nicht zu empfehlen. In den Dörfern ist nicht immer Wasser. Die Leute warten oft auf eine bestimmte Uhrzeit und stehen dann mit Kanistern Schlange. Du kannst dich mit anstellen.
Der Fluss führt etwa ab Elephant Island Süsswasser und ab dort gibt es auch Hippos. Die wohnen im Buschwerk am Wasser, dort bitte etwas Vorsicht mit Zelten.
Brücken gibt es kaum bzw. nur eine, bei Farafenni. Strassen eigentlich nur 2, also links und rechts vom Fluß. Das andere eigentlich nur Pisten. Ansonsten kannst du nur die Fähren benutzen. Das Fahrrad passt da noch mit drauf, es wird immer das Hab und Gut aller transportiert.
Der Gambia hat sehr viele Nebenarme, Nebenflüßchen, da gehen auch Fähren.
Wenn du bis Georgetown gekommen bist, kannst du ja auf der anderen Fliusseite wieder runterfahren. In Kuntaur bzw. Wassau nicht vergessen die Steinkreise zu besuchen und einen Abstecher in die Red Hills machen.
Die Leute auf dem Land sind sehr nett und offen. Du wirst schnell Kontakt bekommen. Auch wird dir angeboten zu Essen und zu übernachten. (kleiner Obulus). Die Leute sagen dir schon was sie haben wollen. Wenn es dir zu viel erscheint handeln! Einkaufen auf dem Dorfmarkt, nicht viel Auswahl.
Zelten möglich. Wilde Tiere gibt es da nicht soo viele. Im Fluss findest du weiter oben Hippos und kleine Krokodile. Im NP Affen usw. Löwen oder so habe ich keine gesehen, gibt es da wohl nicht. Also ich denke wild Zelten ist möglich, würde aber die Nähe eines Dorfes bevorzugen und auf jeden Fall fragen.
Noch etwas zur Sprache: englisch ist zwar die offizielle Amtssprache und mit der kommst du auch gut zurecht. Aber je weiter du flussaufwärts fährst um so "ungebildeter" sind die Leute. Sie sprechen daher oftmals nur ein paar Worte englisch und bevorzugen ihre Dialekte wie Wolof, Mandinka, Fula, Djola, etc. Die Kinder lernen in der Schule zwar Englisch, aber da die Schulzeit nur 4 Jahre beträgt und keine Pflicht zum Erscheinen besteht, sind die Bildungslücken groß. Es fällt den Kindern teilweise schwer Englisch zu sprechen, da sie zu Hause mit ihren Bezugspersonen manchmal nur ihre Stammessprache sprechen. Vorteilhaft wäre vielelicht auch die Mitnahme von Kugelschreibern und Heften. Du wirst oft danach gefragt werden. In jedem Dorf werden dich die Kinder auch fragen, ob du ihnen einen Fussball kaufst. Ich habe es nciht getan, liegt in deinem Ermessen.
Geld: in Banjul, Serekund und Bakau Banken bzw. Automaten. Am besten war Visa-Card.
Es gab bei mir nur für umgerechnet 100 Euro Landeswährung. Damit kommtst du aber sehr sehr weit!
Wenn du noch konkrete Fragen hast, helfe ich gern und wühle noch mal in meinen Aufzeichnungen.
Aber vielelicht war ja auch noch jemand außer mir dort und weiß holfreiches zu berichten.
Gruß Nemo
Noch etwas: Der lower Gambia ist recht breit und nicht so interessant. Weiter flussaufwärts mäandert der Fluss stark und die Strasse wird dich mal dicht ran und mal weit weg führen. Die meisten Dörfer liegen natürlich dicht am Fluss und auch die Touricamps. Ich habe noch irgendwo einen Flussführer, da blättere ich noch mal nach. Aber es wird sich schon viel geändert haben.
pushbike
10.02.2007, 14:59
Kannst ja mal Wolfgang (www.bikeafrica.de.vu (http://www.bikeafrica.de.vu)/) anmailen. Wenn einer Bescheid weiss, dann er.
Gruess ihn von mir.
Habe den link versucht aber da hängt sich mein Rechner auf... Sicher dass er stimmt, oder hast du die email vielleicht separat?
Marisa
pushbike
11.02.2007, 15:10
Noe, sitz hier im Internet-Cafe in Aegypten und hier und funzt. Wenn nicht google mal nach "Bikeafrica". Duerfte einige Ergebnisse mehr geben, vielleicht geht es dann.
Uebrigens sehr amuesant geschrieben.
Gruss
Habe den link versucht aber da hängt sich mein Rechner auf... Sicher dass er stimmt, oder hast du die email vielleicht separat?
Marisa
Der Link funktioniert, allerdings macht die Internetseite von der Programmiersprache Java gebrauch (warum auch immer). Das bringt meinen Computer z.B. dazu fuer zwei Minuten nix zu tun. Sieht so aus, als ob wenn er abgestuertzt waere. Aber eigentlich sollte das irgendwann auch mal weitergehen. Falls auch noch zwei, drei Minuten bei dir die Seite nich ankommt, dann geht es leider auf deinem Computer aus irgend einem Grund nicht.
Gruesse,
Thomas
Mit Adresse selber eingeben komme ich bis bikeafrica.de, danach ist schluß. Wäre die dort vermerkte email die richtige. Der Name Wolfgang taucht dort nämlich nicht auf.
Marisa
Ok, nun läuft dieses Java auch auf meinem Laptop :D und das ganz ohne fremde Hilfe.
Marisa
BikeAfrica
16.03.2007, 20:33
Hallo Marisa,
mein Beitrag wird leider mit dem Hinweis abgewiesen, daß ich keine Links posten darf, obwohl gar keiner enthalten ist. Da ich meine Infos leider nicht hier auflisten darf, schreib mir bitte ein Mail. Die Adresse darf ich aber leider auch nicht posten.
So, das wars erstmal ...
Gruß
Wolfgang
BikeAfrica
18.03.2007, 09:34
... stehe nun mit Marisa in Mailkontakt. Mit sinnlosen Beiträgen wie diesem schaffe ich es vielleicht bis zum zehnten und kann dann auch sinnvolle Dinge hier posten ... ;-)
BikeAfrica
19.03.2007, 00:12
... noch 'ne kleine Ergänzung zu noch offenen Punkten.
Eine einigermaßen brauchbare Landkarte gibts von International Travel Maps aus Vancouver/Canada im Maßstab 1:350.000. Eine bessere habe ich in Deutschland nicht gefunden.
Schau mal bei w w w. landkartenhaus. de vorbei.
Die Versorgung mit Wasser war für mich kein Problem. Irgendwie gabs in ziemlich jedem Dorf 'nen Brunnen. Normalerweise müßte man das Wasser daraus so trinken können, aber besser ist wohl, es nochmal zu filtern oder chemisch zu behandeln.
Eine Mitnahme des Rades sollte auch für ein kleines Boot kein Problem darstellen. Ich hatte mich im weiteren Verlauf der Tour in Guinea-Bissau mal mit 'nem Einbaum übersetzen lassen. Dürfte in Gambia genauso problemlos funktionieren. Kann halt sein, daß Du für Dein Rad extra bezahlen mußt. Preis unbedingt vorher aushandeln.
Wilde Tiere (im Sinne von Großkatzen) gibts in Westafrika generell nur noch sehr selten. In Gambia wirst Du wohl keine mehr sehen können. Die gefährlichsten Tiere Afrikas (von Moskitos mal abgesehen) sind jedoch die Flußpferde. Wenn sich so ein Koloss erschreckt, dann läuft er auf kürzestem Weg zum Wasser. Wenn da Dein Zelt dazwischen steht - Pech gehabt. Ich habe mal eines gesehen, das auf einen Ast getreten ist. Von dem selbst verursachten Geräusch ist es so erschrocken, daß es mitten durch ein ca. 4 Meter hohes und breites Gebüsch gerannt ist. Das restliche Seeufer war weit und breit frei, aber es hätte zwei Meter Umweg bedeutet.
Georgetown fand ich persönlich ziemlich nervig. Da konnte man kaum 'nen Schritt machen, ohne sofort 'nen hartnäckigen Verkäufer, Führer oder was auch immer an sich hängen zu haben. Auf der Nordseite des Flusses gibts irgendwo 'nen Campingplatz, der von Österreichern (?) betrieben wird.
Ansonsten sind mir nicht viele Unterkünfte unterwegs aufgefallen, aber ich habe nicht so drauf geachtet, da ich eh immer im Zelt übernachten wollte. In Farafenni gibts ein kleines Hotel, aber dort kann ich Dir wohl auch 'nen alternativen Übernachtungsplatz empfehlen.
Was Du im Internet findest, sind vor allem die Unterkünfte an der Küste von Bakau bis etwa 25 km südlich davon, halt die ganzen Pauschalreisehotels.
Wenn Du mal Krokodile aus der Nähe sehen willst, kannst Du das in/bei Bakau an dem heiligen Krokodiltümpel tun. Dort leben etwa 80-100 Krokodile, die auch schon mal ein paar Meter vor oder hinter einem den Weg überqueren, der um den Tümpel führt. Die meisten sind nur so ca. 2,50 m groß, aber ich habe auch ein recht stattliches Exemplar gesichtet. Charly, ein besonders phlegmatisches Exemplar, läßt sich sogar anfassen. ;-)
Der Besuch des Geländes kostet eine geringe Gebühr und auf dem Gelände gibts ein paar Guides, die man aber nicht in Anspruch nehmen muß.
Der Crocodile Pool war etwas knifflig zu finden und der Weg (zumindest der, den ich dann fand) führte durch ein recht ärmliches Wohnviertel mit offenen Abwasserkanälen.
Es gibt noch zwei weitere Crocodile Pools in Gambia, von denen ich einen besucht habe. Dort habe ich kein einziges Krokodil gesehen.
Gruß
Wolfgang
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