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Vollständige Version anzeigen : Deosai Plains Bericht part 1


hhhannes
26.01.2007, 20:11
Hallo,
so nachdem ich heute mal drauf hingewiesen wurde, dass mein Bericht über die Fahrt von Skardu nach Tarashing am Nanga Parbat über die Deosai Plains längst überfällig ist habe ich mal ein paar Dias eingescant und will dazu berichten.
Über dieses durchschnittlich über 4000m hochliegende Plateau fahrt hingegen anderer Hinweise kein Bus oder sonstiger öffentlicher Transport man muss sich also selber um diesen äusserst lohnenswerten Abstecher südlich von Skardu kümmern.

Meine Reisekamerad und ich haben uns mitte August mit vier weiteren Komilitonen zusammengeschlossen und unseren gemeinsamen Freund und selbstständigen Guide Iqbal arrangiert um mit uns eine einwöchige Tour von Skardu über das Deosai Plateau nach Tarashing und dann ins Rupaltal zu unternehmen.

Mit unserem Guide Iqbal unternahmen wir zuerst ein Streifzug über den Bazar von Skardu und kauften die wichtigsten Utensilien Kocher, und Pott, Essen, Kerosin etc. Die anderen mussten auch noch Zelte mieten (200RS/Tag). Dann verhandelten wir mit Haji Najaf Ali Shigri von "Haider Abad Travel Service" um einen Jeep der uns nach Tarashing bringen sollte. Alles reguläre war zu teuer so wurden wir uns erst bei einen Gepäcktransporter Toyota Pickup mit Fahrer für 9500 RS einig. Iqbal nahm mit unserer einzigen Dame vorne auf der Dreierbank Platz und wir fünf Jungs quätschten uns Hinten auf unser Gepäck, Zelte, Kocher und das gute Essen.

Dann gings vollbeladen los. Vom Skardubecken Richtung Süden fuhren wir an dem in einem spätglazialen Zungenseebecken liegenden Satpara-lake(Foto 1.) vorbei. Dieser See wird leider aktuell immer weiter aufgestaut um ein Hydro-Kraftwerk zu betreiben. Die Strasse folgt einem tiefeingeschnittenen Tal und windet sich immer steiler bergauf. Nachdem man 4000m erklommen hat weitet sich die Landschaft zu einer den schottische Highlands ähnlichen, eiszeitlich überprägten hügeligen Hochebene (Fahrtdauer von Skardu bis NP-Entrance ca. 3Std.).

Ziemlich schnell kommt der Eingang zum Natioanal Park, der gleichzeitig Checkposten ist (Foto 2.). Nicht Pakistanische Touristen zahlen 250RS NP-fee und müssen ihren Pass vorzeigen. Da man gute 1500m höher ist als in Skardu sollte man bevor man aufs Deosai fährt trekken gewesen sein und sich an die Höhe bereits akklimatisiert haben. Außerdem ist es dort ziemlich frisch und Nachts hat man auch im August Minusgrade.

Es gibt eine ziemlich gute Piste, die das Plateau quert (reine Fahrtzeit einmal rüber ca. 3-4 Std.). Wir folgten ihr hielten jedoch dauernd an um Fotos zu machen und Murmeltierpelze zu jagen.
Nach einigen Wochen Karakorum fühlt man sich in dieser sattgrünen, so völlig anderen, weiten Landschaft ziemlich weit weg von den staubigen Tälern Baltistans oder Hunzas.
Die Landschaft erinnert stark an skandinavische Fjäls oder die schottischen Highlands, eine willkommene Abwechslung.
Halbwilde Bergkühe und Schafsherden grasen und überall gucken Murmeltiere aus den Löchern und bestaunen die bunten Gäste. In den zahlreichen Bächen tummeln sich Fische und große Greifvögel ziehen am Himmel ihre Kreise. Nur von den überall angepriesenen Braunbären findet man keine Spur...stattdessen aber Mücken.

An dem wunderschön gelegenen See (Sheosai lake) unweit der Piste machten wir für die Nacht halt, bauten unsere Zelte auf unternahmen noch eine kleine Wanderung auf einen Rundhöckerhügel von dem man weit übers Plateau schauen konnte (immer noch keine Bären).
Abends wurde es bitterkalt und sehr windig so das wir sobald die Sonne hinter dem Horizont verschwand selber im Schlafsack verschwunden.
Der nächsten Morgen war zwar immer noch tierisch frisch es hatte über Nacht gefroren, ich war aber trotzdem kurz draußen den der Sternenhimmel hier war der beste den ich je gesehen habe. Der See lag fast spiegelglatt und im Westen sah man in großer ferne einen mächtigen alles übberragenden Eisberg den Nanga Parbat. Da wir weder ein kitchentent noch Feuerholz hatten und es immer noch rattenkalt war beschlossen wir nach dem abbauen gleich Richtung Astortal, etwa eine stunde bis nach Chillum zu fahren und dort erst zu frühstücken.

Die weiterfahrt Richtung Astortal war sehr interessant man fuhr erst durch eine den Alpen ähnelnde Landschaft und kam in zunehmend aridere Gebiete. Auch die Menschen veränderten sich. Keine freundlich winkenden und grinsenden Baltis sondern äußerst skeptisch dreinblickende Sunniten waren hier jetzt heimisch.
Doch diese Leute sind auch sehr nett wie wir dann später noch merken sollten aber das ist eine neue Geschichte.

Also wer irgendwie auf dem Rückweg von Skardu richtung Islamabad oder auch Gilgit ist sollte den Umweg über das Deosai Plateau machen. Es lohnt sich sehr und übers Astor-tal kommt man schnell wieder an KKH.

Grüße an alle Pakistanreisenden

hhhannes
26.01.2007, 20:14
Hier noch mehr Fotos von den Deoasai Plains

Nilsemann
28.01.2007, 11:03
Und niemals die Geomorphologiefachwörter vergessen! :p Dein Lieblingslehrvater wäre sicher stolz, mein lieber Hans-Gustav. Ich verbringe schlaflose Nächte in Erwartung des zweiten Teils Deines Reiseberichts...

phacops
28.01.2007, 15:58
Hallo,
so nachdem ich heute mal drauf hingewiesen wurde, dass mein Bericht über die Fahrt von Skardu nach Tarashing am Nanga Parbat über die Deosai Plains längst überfällig ist habe ich mal ein paar Dias eingescant und will dazu berichten.


Löblich, löblich! Trotz Studienstress und Geburtstagseinladung den vor Monaten versprochenen Bericht einzustellen. :)
Lass nur Nilsemann nicht zu lange schlaflos in Göttingen hängen mit dem zweiten Teil;) .

Zur Verpflegung unterwegs: Wo waren die letzten und ersten Versorgungsgelegenheiten? Gabs tents oder Hinweise auf zeitlich befristete solche?

Was die Bären angeht: Was erzählen denn die Jungs vom NP oder am Checkpoint?

phacops

hhhannes
28.01.2007, 21:39
@nilsemann:
Die Geomorphologie wollte ich bewusst betonen, da eine Vereisung der Deosai Plains bis heute bestritten wird (u.a Derbyshire). Wie der "lieblingslehrvater" so gerne sagt: Es ist nicht zu fassen;)

@phacops:
gern geschehen:)
Erste und letzte Station fürs Essen ist wohl Skardu und Chillum. Auf den plains selber gibt es nirgends ein Zelt oder Haus was verkauft. Wenn man länger oben bleiben will muß man sich vorher eindecken.
Am NP-Entrance gibts (wie eigendtlich überall in Pakistan) noch Tee aber mehr nicht.
Wir haben Wildhüter getroffen die haben aber nur über reiche Punjabis geredet die hier zum Jagen hinfahren und horende Summen für Trophäen ausgeben ob da Bärenfelle mit bei sind oder nicht weiß ich nicht.

Einen zweiten Teil gibts über die Deosai Plains von mir nicht (kannst hoffentlich wieder ruhig schlafen Nils;)) ich habe nur part 1 geschrieben weil ich ja nochmal 5 Bilder zugestellt habe die bilden den part 2.

Grüße Hannes

Alex
03.02.2007, 10:35
Hallo Hannes,
Tolle Bilder! Konnte über das Grün auf dem Deosai-Plateau nur staunen und habe sofort mit meinen Bilder verglichen. Ich war einen Monat später, Mitte/Ende Septemer, auf dem Plateau. Da sah die Landschaft schon recht "feurig" aus. Hier ebenfalls ein paar Bilder.

1) Sheosai lake
2) Wer hat sie nicht gesehen?
3) Der größte Campingplatz auf dem Plateau
4) Die Brücke
5) Ein Blick in die Ferne

Alex
03.02.2007, 10:40
Nachschlag:

1) Der Campingplatz in der Abenddämmerung
2) Über Nacht kam der Schnee
3) Auch auf der Weiterfahrt nach Skardu schneite es
4) Der Satpara Lake der aufgestaut wird

phacops
03.02.2007, 10:41
Auch deine Bilder sind klasse, Alex!
Wie habt ihr die Fahrt organisiert?

phacops

Alex
03.02.2007, 10:54
Hallo Phacops,
Wir haben von Gilgit aus die Tour gebucht, und zwar direkt vom Madina Guesthouse aus. Life Adventure Tours hieß der Veranstalter. Wir waren zu zweit und jeder hat etwa 350€ gezahlt. Der Preis beinhaltete:

1. Tag: Gilgit -> Tarashing, mit dem Jeep
2. Tag: Tarashing -> Herligkoffer Base Camp am Nanga Parbat
3. Tag: BC -> Shaygiri
4. Tag: Tagestrip zum Mazeno BC
5. Tag: Shaygiri -> Tarashing
6. Tag: Tarashing -> Deosai Plateau, mit Übernachtung auf dem Plateau
7. Tag: Deosai Plateau -> Skardu

Führer, Koch und Träger inklusive. Ab Skardu haben wir dann alles selbst gemacht.

Die Tour war absolute Weltklasse! Wobei ich dazu raten würde, den Nanga Parbat über den Mazeno Pass zu umrunden, statt nur bis Shaygiri zu laufen. Vom Herligkoffer Base Camp aus habe ich übrigens eine wahnsinns Lawine gesehen und auch gefilmt. Bitte sehr:

http://video.google.com/url?vidurl=http%3A%2F%2Fvideo.google.com%2Fvideopl ay%3Fdocid%3D6344727612493078959%26q%3Dnanga%2Bpar bat&docid=6344727612493078959&ev=v&esrc=sr4&usg=AL29H216DLZhAbjQOAFyQsgclm8pYZ5CVg


Gruß,
Alexander

phacops
03.02.2007, 11:00
Beeindruckend, die Lawine! But it was not coming down to you, fortunately ;) .

Wollte schon fragen, warum ihr dann nicht den NP-circuit gemacht habt, wenn ihr schon am Mazeno BC wart. Wars zu kalt? Wasagen die guides zu den zeiten? Ihr wart also September/Oktober am Mazeno BC? Lag dort schon Schnee?

phacops

Alex
03.02.2007, 12:30
Tja, warum wir den circuit nicht gemacht haben... daran war eigentlich nur die Zeit Schuld. Wir wollten in dem Monat so viel wie möglich sehen und eine Umrundung häte zu viel Zeit gekostet. Ich glaube so wars...

Am Mazeno BC war ich genau am 19.9.2006 - im T-Shirt. Von Schnee also keine Spur. Von Tarashing bis Shaigiri (siehe Bild) war es wirklich affig heiß und ich habe die ganze Zeit geschwitzt. Allerdings wurden wir dann am Mazeno BC von schlechtem Wetter überrascht und auf einmal wurde es doch ziemlich frisch. Dummerweise hatte ich nicht mal einen Pulli dabei und auf den letzten Metern bis zum Zelt fing es dann auch noch an zu regnen. Danach musste ich mich erst mal im Schlafsack aufwärmen :)

Laut den Guides ist der Mazeno im September schon noch machbar, es gibt aber bessere Zeiten um ihn zu überqueren. Juli/August ist glaube ich peak season für ganz Pakistan. Der September hat den Vorteil, dass es in diesem Monat durchschnittlich am wenisten regnet - dafür sind die meisten Blumen bereits verwelkt, der Schnee hat sich schon weit die Berghänge zurückgezogen und nach Einbruch der Dunkelheit kühlt es empfindlich ab.

Soweit mein Wissensstand. Allerdings muss ich noch hinzufügen, dass das Mazeno BC noch vor dem Mazeno High Camp kommt und damit um einiges tiefer als der Pass liegt. Dort oben kann also eventuell schon einiges an Neuschnee liegen.

phacops
03.02.2007, 12:41
Jaja, am Paß kanns ganz anders aussehen.
Aber das wird hier jetzt etwas offtopic. Und der NP-circuit-thread fehlt hier noch (afair). Obwohl immer wieder Interessierte hier sind. Vielleicht macht ihn mal jemand auf...

phacops

Was habt ihr dann ab Skardu gemacht?

phacops
03.02.2007, 23:28
Anmerkung phacops:

der ursprünglich hier folgende Beitrag von Alex wurde abgespalten in ein neu begonnenes Thema Hushe Valley : http://trekkingforum.com/forum/showthread.php?t=7922

bertsimon
17.03.2007, 09:59
hoi hannes. herzlichen dank für deinen beitrag. fleissig fleissig und sehr nett geschrieben. habe ihn sehr genau und ausgiebig gelesen. und die bilder sind auch wirklich klasse geworden! danke nochmal fürs teilhaben lassen. cherio. bert.