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Vollständige Version anzeigen : Thankas


Hans-Wien
14.01.2007, 10:19
Thankas sind Rollbilder ( Thang-ka , wörtlich : " das was man aufrollt " )

Ursprünglich dienten Thankas , vor allem Pilgern auf ihren monate oft jahrelangen Reisen als Schutz vor dämonischen Einflüßen oder als Votivgaben.Sogenannte Mani Lamas benützten Thankas bei ihren Wanderungen von Haus zu Haus zum religiösen Anschauungsuntericht.
Im Laufe der Jahrhunderte kam es zu einer Mischung von verschiedenen Malstilen.In Westtibet und Ladakh war ursprünglich der von Kaschmir geprägte Stil von Guge , auch Kadampastil , richtungsweisend und in der Folgezeit der nepalesische. Der chin. Stil war hauptsächlich in der osttibetischen Schule von Kham nachzuweisen , gelangte jedoch im laufe der Zeit über Zentraltibet weiter nach Westen und findet sich heute auch in Ladakh sowohl in Fresken und in der Thankamalerei.
Aber nicht nur die künstlerische Herstellung ist beim Thanka wichtig , seine wahre Bedeutung liegt in der spirituellen Einstellung zum abgebildeten Bild und dieses bringt sowohl dem Auftraggeber als auch dem Künstler positives Karma und dient den Meditierenden zum Visualisieren der abgebildeten Gottheit.
Vor allem die meditativen Visionen der verschiedenen Schutzgottheiten ( Dharmapalas und Yidams ) werden in den Klöstern meist im Schutzgottheitenraum ( Gonkhang ) aufbewahrt und vor den Blicken Uneingeweihter verborgen gehalten.
Die künstlerische Freiheit bei tib. Bildwerken ist sehr eingeschränkt , da sich der Künstler bei der darstellung von spirituellen Wesen , ganz genau an die vorgeschriebene Ikonographie halten muß und diese sowohl nach festgelegten Formen als auch Farben verlangt.
Bei der Massenanfertigung der Touristenthankas fehlt allerdings , größtenteils diese Genauigkeit der Maltechnik und Ikonographie !!

Der Aufbau des Thankas :
Das Zentrum nimmt der Yidam oder eine heilige Person ein , umgeben von einem Lichterkranz.Im oberen Teil des Bildes wird oft der spirituelle Vater dargestellt dessen Strahlungsleib die Zentralfigur ist .
Um die Zentralfigur scharen sich oft verschiedene Emanationen oder Gefolgsgottheiten und bei Heiligen sind es geistige Ahnherren der Sekte.
Der untere Abschnitt zeigt verschiedene Opfergaben und zornvolle Schutzgottheiten , Dharmapalas.
In der Gesamtheit symbolisiert ein Thanka die Dreiwelt des Kosmos :
Himmel ; Dhamakaya
Luftraum ; Sombhogakaya
Erde ; Nirmanakaya
Zur Herstellung eines Thankas wird eine rechteckige Leinwand aus Baumwolle oder Leinen verwendet , selten Seide.
Die fertige Malerei wird dann mit zwei schmalen Seidenstreifen in der Farbe Orange-Gelb und Rot eingefaßt , die den mystischen Regenbogen ( Jamarser ) symbolisieren und mitsamt diesem Regenbogen wird das Bild schließlich in einem " Rahmen " aus Brokat , oftmals in Blau , gesetzt und mit grober Leinwand gefüttert.
Ein andersfarbiges Stoffstück versinnbildlicht den meditativen Eingang ( Thanggo ) in das Bidzentrum , damit der Meditierende sich mit seiner Gottheit vereinigen kann.
Ein dünner Voile dient zum Schutz vor den Blicken Uneingeweihter aber auch vor Verrußung durch Butterlampen.
Aufgrund der Arbeitszeit und der Dauer der Weihezeremonie benötigt die Herstellung eines Thankas einen verhältnissmäßig langen Zeitraum und der Besitz bedeutet für jedes Kloster einen kostbaren Schatz.

Tashi Delek Hans - Wien