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Vollständige Version anzeigen : 4 Monate Brasilien Infos


kleopetra
25.12.2006, 10:00
Hallo, ich bin die Petra und habe ien ganz besonderes "Anliegen".
Ich hoffe das die Art wie ich es jetzt einfach mal angehe nicht unpassend ist.
Also: Nächstes Jahr soll es für länger (4 Monate) nach Brasilien gehen.
Ich habe schon alles an Büchern verschlungen und alle möglichen Foren nach Infos durchwühlt. Es gibt wohl nicht allzu viel Leute die auf eigene Faust länger in Brasil unterwegs waren. Ich möchte niemanden zu nahe treten, aber ich brauche keine Infos von Leuten die noch nie dort waren oder "nur" mal 3 Wochen mit einer Reisegruppe. Aber hier im Forum und auch in einem Anderen, habe ich mehrere Artikel von einer Person gelesen, die Südamerika und auch Brasilien aus eigener langer Reiseerfahrung sehr gut kennt. Leider darf ich keine PN schicken und so möchte ich auf diesem Weg NEMO bitten sich doch mal meiner Unbedarftheit anzunehmen ....
Über die Suchfunktion Brasilein habe ich diese Threads
showthread.php?t=1401&highlight=brasilien
showthread.php?t=3239&highlight=brasilien

und alles andere von N. zum Thema Südamerika gelesen und, dass Nemo mir am besten helfen kann.
Sorry wenn das nicht gewünscht ist....Dann den Beitrag einfach löschen.
@Nemo
Ich habe noch ganz viele Fragen über die Sicherheit in Brasilein, Reisen alleine als Frau und vielleicht etwas über die Mentalität der Brasilianer und ihre Haltung Fremden gegenüber. Wie ich aus diversen Themen rausgelesen habe, bist du auch immer recht gut über die jeweilige politische Situation informiert. Ich möchte das Land von Nord bis Süd bereisen, da gibt es ja gravierende Unterschiede. Wenn du das hier liest, könntest du mir dazu noch einige Infos geben? Ich würde mich wahnsinnig freuen mit dir in Kontakt zu kommen. Es eilt auch nicht da ich erst im Mai fliege. Vielen Dank Petra.

Nemo
24.01.2007, 15:32
Hallo Petra,

Was kann ich dir sagen? Eigentlich nicht viel, ein reichliches Jahr in Brasilien gewährte mir nur kleine und bescheidenen Einblicke in die Lebensmentalität, die mir zwar sympathisch aber nicht immer verständlich ist. Aber da Reisen für mich nicht nur Ferien machen ist, sondern auch das aktive Eintauchen in eine andere kulturelle Vielfalt mit anderen Mentalitäten, versuche ich immer, nicht nur schöne Landschaften und lächelnde Menschen wahrzunehmen.

Ok, ich versuche es mal, Reiseinfos hast du ja genug gefunden.
Ein grundsätzliches Merkmal Brasiliens ist: man hat insgesamt Zeit, vor allem zum Leben. Der Zeitbegriff ist– insbesondere im Nordwesten – praktisch nicht existent, was seine guten aber auch schwierigen Seiten für uns Reisende mit sich bringt. Europäischen Standard findet man nur ansatzweise im Süden, Lebensfreude dagegen praktisch überall.
Die Strände quellen am Wochenende über von Buden mit Gegrilltem und Bier und die nationale Beilage Farofa (geröstetes Maniokmehl) darf dabei nirgendwo fehlen. Nacktes ist verpönt, die knappsten Bikinis aber durchaus erlaubt und die weitverbreiteten „Rettungsringe“ dabei kein Hindernis. Hier trägt man Bauch und das stolz. Frauen wie Männer. Übrigens ist in Brasilien Nacktbaden verpönt und die Frauen zeigen sich niemals oben ohne. Allerdings sind 2 Bändchen schon ausreichend, für die züchtige Bedeckung des Körpers ungeachtet der Figur, nur ganz nackt ist total out. Das ist eben Strandkultur, sehen und gesehen werden. Und nicht nur am Strand stellen Menschen deren Körper so nicht ganz dem gängigen Schönheitsideal entsprechen, stolz und völlig ungehemmt ihre Körper zur Schau. Viele tragen echt kapitale Bäuche vor sich her, so eine Art Feinkostgewölbe, wahrscheinlich ein Resultat des hohen Dendè -Öl- Verbrauch. Bei Frauen kann man manchmal echt nicht unterscheiden ob sie nun schwanger oder einfach schlicht und ergreifend nur fett sind. Jedenfalls werden diese Bäuche, ob nun schwanger oder nicht, keinesfalls etwa unter XXL-Shirts versteckt. Nein, beileibe nicht, man bzw. frau trägt selbstbewusst enge Tops oder knapp unter der Brust endende Shirts, kombiniert mit knapp unterm Bauchnabel endenden knallengen Röcken oder Shorts. Aber auch recht kurze, supereng und superweit ausgeschnittene Kleider sind offensichtlich recht beliebt... Und die Schuhe erst, möglichst hoch und vorne spitz zulaufend, eine Folter für die Füße, aber schick. Allerdings gibt es auch genügend brasilianische Frauen denen oben beschriebenes Outfit ausgezeichnet steht, das muss ich ja neidvoll anerkennen...Da ich, nicht nur wegen meiner Figur (so schlecht ist die nämlich gar nicht - jedenfalls im Vergleich zu den scheinschwangeren Brasilianerinnen), sondern auch wegen der Hitze weite T-Shirts, Shorts und bequeme Teva -Sandalen bevorzuge, bin ich auch sofort als Touristin zu erkennen. Da bedarf es nicht mal mehr meiner ausgebleichten, kurzen Haare.

Brasilien, das sind aber nicht nur Straßenkinder, Todesschwadronen und Favelas, obwohl es die in großer Anzahl gibt. Brasilianer haben nicht nur in Rio Angst, nach Einbruch der Dunkelheit noch ihr Auto zu benutzen, es gibt Überfälle mit vorgehaltenem Gewehr an roten Ampeln, weshalb nach jüngster Rechtsprechung in Sao Paulo an roten Ampeln
nicht mehr unbedingt gehalten werden muss, also auch wenn du grün hast genau gucken und rennen! Brasilianer schließen an Ampeln und Fußgängerüberwegen in den Städten die Zentralverriegelung. Schauergeschichten treiben die Brasilianer um.
Militärpolizei ist in den Touristenzentren auf Blickkontakt präsent, weshalb dort wenig passiert und wenn, dann ist es oft der Unbedarftheit der Touristen zuzurechnen. Oft sind gerade sie es, die die Bevölkerung korrumpieren, weil ein bettelndes Kind vier Mal so viel nach Hause oder zum nächsten Drogendealer trägt, als ein rechtschaffener Verkäufer in den umgebenden Läden verdient.
Apropos Korruption. Natürlich gibt es sie. Hier vielleicht mehr als anderswo, weil 40 % der Brasilianer Analphabeten und dadurch anfällig für jedwede Manipulation sind. Die Abwesenheit von Bildung produziert auch eine unglaubliche ¤*#¤*#¤*#¤*#¤*#¤*#¤*#¤*#. Schaffner können Karten nicht lesen, sie nach dem Weg zu fragen ist oft völlig sinnlos. Wegbeschreibungen
sind oft abenteuerlich, auch wenn man die Sprache spricht. Die Fahnenträger beim letzten Wahlkampf kannten nicht einmal die Partei, für die sie die Fahne schwenkten. Nicht alles ist so harmlos. Wirtschaftskriminalität und Korruption erfasst auch Organisationen wie die Landlosenbewegung, deren Leute alles andere als landlos sind. Sie hat sich offenbar unter dem Deckmantel der kommunistischen Umverteilungsbegehrlichkeiten zu einem Spezialisten der staatlich unterstützten Enteignung gemausert.

Brasilien ist aber auch ein Land, das mit einem überbordenden Angebot an Früchten, Gemüse, Salaten, Kräutern, Fleisch, Fisch und Meeresfrüchten gesegnet ist. Jede Region dabei hat meist wunderbare Gerichte und der Vielfalt setzt nur die Phantasie Grenzen, da praktisch alles zu für Europäer fast lächerlichen Preisen zu haben ist. Das betrifft allerdings selten den Tourismusbereich. Dort zahlt man für europäischen Standard, manchmal auch deutlich darunter, durchaus europäische Preise. Was aber die Reichen hier nicht anficht. Inseln mit eigenen Steganlagen, Hubschrauberlandeplatz und einem Heer von niedrig bezahlten Bediensteten sind keine Ausnahme. Allerdings bereiten sowohl die Eignung als auch die Bezahlung des Personals in einem ganz anderen als dem offensichtlichen Sinn Probleme. Erstens findet man außer für einfachste Reinigungsarbeiten kaum geeignete Leute. Personen, die verschiedene Servicebereiche abdecken, wie sie in Europa in der Gastronomie selbstverständlich sind, zum Beispiel Telefonate annehmen und einen Kaffee servieren, sind äußerst rar. Lehrerinnen, die in den Ferien ihr schmales Gehalt in einer Pousada (Herberge mit dem Standart unterhalb eines Hotels) aufbessern wollten, scheiterten daran, dass sie 14 Prozent Steuern auf 100 Real zu einer Summe von 120 Real berechneten! Wenn dann trotzdem eine Perle gefunden wurde und ihr aufgrund ihrer guten Arbeit eine bessere Entlohnung zuteil wird, hält sie sich sofort für höher qualifiziert und lehnt es zum Beispiel ab, weiterhin noch die Klos zu putzen, auch wenn sie für die Zimmerreinigung bezahlt wird. Muito complicado! Und offenbar gibt es in dieser Mentalität zwischen 7 und 27 Grad Süd keine Unterschiede.

Das Leben auf dem Lande aber vollzieht sich in der Regel friedlich, die Armen sind in der überwiegenden Mehrzahl absolut rechtschaffene Leute. Doch auch dort wie überall gilt: Führe uns nicht in Versuchung. Da die Brasilianer portugiesisch für eine absolut führende Weltsprache halten, wirst du immer recht schnell ins „Gespräch“ kommen. Nach dem Weg fragen ist ziemlichsinnlos. Selten findest du Brasilianer, die zugeben, dass sie keine Ahnung haben. Außerdem – oder gerade deswegen? – gilt es als unhöflich, jemandem eine kurze oder gar abschlägige Antwort zu geben und schließlich wollen sie ja auch behilflich sein. Man übt sich daher nach einer schmerzhaften Lernphase geflissentlich in einer angemessenen Deutung der Mimik und Gestik und weiß bald zu beurteilen, ob die Auskunft etwas wert ist oder nicht. Oder du brauchst gutes Schuhwerk, denn die Strecken, die man zurücklegen muss, sind lang, weil man von Pontius nach Pilatus geschickt wird und dies oftmals ohne der ersehnten Erfolg.

Zur Sicherheit als Frau, es gilt was für ganz SA gilt. Brasielien ist nicht gefährlicher und auch nicht ungefährlicher als die anderen südam,. Länder. Die Brsilianer sind nicht nur Machos sondern auch nett zu blonden Frauen ;-) Ob ihnen der Begriff blon in all seinen Facetten geläufig ist, wage ich aber zu bezweifeln. Meide intensiven Augenkontakt, das wird manchmal als Anmache verstanden.

So ich hoffe, meine Infos sind brauchbar und kommen nicht zu spät für dich. Bedanken brauchst du dich nicht extra, eine rege eine Forumsbeteiligung, vor, während oder nach deiner Reise, ist sicher nicht nur von mir erwünscht ;-)
Gruß N.

phacops
24.01.2007, 22:35
Hi Nemo,
willkommen zurück!!!
Alles im grünen Bereich und wieder einsatzbereit?
Dann müssen wir das mit dem Bier (oder vino)aber dieses Jahr unbedingt nachholen!

phacops

peakbagger
24.01.2007, 23:38
Hallo Petra!
Ich war siebenmal solo in Brasilien (brutto ein knappes Jahr) und könnte dir auch ein paar Tipps zwischen Boa Vista und Iguacu geben. Der wichtigste Tipp: Auf jeden Fall hinfahren!
LG
Klaas

Nemo
25.01.2007, 14:27
willkommen zurück!!!
Danke, aber kalt hier!

Alles im grünen Bereich und wieder einsatzbereit?
soweit so gut....;-)

Dann müssen wir das mit dem Bier (oder vino)aber dieses Jahr unbedingt nachholen!
Aber klar doch! Im März bin ich auf den Phillipinen und im Mai auf Kreta. Danach seid ihr herzlich eingeladen (bis 6 Leute kann ich unterbringen) und ich bin fit genug euch ohne mich zu blamieren über den Hermannsweg zum Malepartus zu schleifen um euch zu beweisen wie gut man, quatsch frau, im Norden bayrisches Bier verträgt -prost-

N.

phacops
28.01.2007, 16:18
Aber klar doch! Im März bin ich auf den Phillipinen und im Mai auf Kreta. Danach seid ihr herzlich eingeladen (bis 6 Leute kann ich unterbringen) und ich bin fit genug euch ohne mich zu blamieren über den Hermannsweg zum Malepartus zu schleifen um euch zu beweisen wie gut man, quatsch frau, im Norden bayrisches Bier verträgt -prost-


Aha -- die Vorausbuchungsfrist hat sich kaum verändert :D - wir werden das berücksichtigen:) .

Wie lang und weit ist denn der ...weg zum Malepartus?

und zum Bier: Das muß nicht immer bayerisches sein. Aber dazu treffen wir uns in der Lodge... :p -prost-

phacops

Nemo
02.02.2007, 19:53
Aha -- die Vorausbuchungsfrist hat sich kaum verändert :D - wir werden das berücksichtigen:) .
Wie lang und weit ist denn der ...weg zum Malepartus?
phacops
Ach phacops, ich danke für dein Verständnis:D
Der Weg zum Malepartus ist ca. 12 km eine Strecke. Stramm bergauf, den die bayrische Jause liegt auf dem Kamm des TTW. (Nicht lachen!) Einen Link hatte ich mal im Bierthread gepostet...
Man liest sich also dort.
Gruß N.

phacops
02.02.2007, 20:31
Der Weg zum Malepartus ist ca. 12 km eine Strecke.
Einen Link hatte ich mal im Bierthread gepostet...


Hi Nemo, den link hatte ich heute Nachmittag schon gefunden. Ist mal was für wärmere Zeiten, so im Biergarten...
Für jetzt und weil OT geht ne PN raus.

phacops :p