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Vollständige Version anzeigen : Höhenprobleme in Tibet?


MajorTom
30.11.2006, 07:51
Hallo,

ich plane im nächsten Jahr eine Reise durch Tibet zu machen (kein Trekking, sondern Land und Leute auf einer Fahrt von Lhasa nach Kathmandu kennenlernen). Ich habe einige Bedenken wegen der großen Höhe. Vielleicht könnt ihr eine Einschätzung geben, wie problematisch das ganze wirklich werden kann.

Wir wollen von Kathmandu nach Lhasa fliegen. Schon hier habe ich Befürchtungen, dass das schwierig werden könnte, immerhin liegt Lhasa auf 3600m. Dann würden wir 2 oder 3 Tage da bleiben, die zur Akklimatisierung und Besichtigung der Tempelanlagen dient. Weiter geht es dann über Gyanste und Shigatse, jeweils über Pässe mit 5000m und mehr, Übernachtungen allerdings wieder "unten". Eigentlich heißt es ja "steige hoch, schlafe tief", was hier gegeben ist. Trotzdem macht man sich Gedanken. Und nach ca. einer Woche in Tibet soll es dann noch hinauf zum Kloster Rongbuk gehen. Das ist mit über 5000m (auch 2x Übernachtung dort) der "Höhepunkt" der Tour. Reicht die Akklimatisierung vorher dafür aus?

Ich weiß, dass Höhenprobleme von Person zu Person stark schwanken können. Bisher war ich schon einige Male über 3000m (in den Alpen), aber halt immer nur einige Stunden. Da hat mir nie was gefehlt. Das kann man aber nicht mit einer Tibet-Tour vergleichen.

Wäre einfach schön, eine objektive Einschätzung zu bekommen.


Thomas

Leo1969
30.11.2006, 13:34
Servus,

ich bin zwar jetzt auch noch nicht so erfahren, was Daueraufenthalt in Höhenlagen betrifft bzw. mein "Daueraufenthalt" lag im Bereich 3.000 bis 3.200 Meter. Da ich aber mit der gleichen Reise auch schon geliebäugelt habe, und glaube zu wissen mit welchem Reiseveranstalter Du das machst, denke ich Dich beruhigen zu können. Klar, mit Kopfweh/Übelkeit, leichten Schlafstörungen ist immer zu rechnen. Vor allem am Anfang. Aber die Reiseveranstalter, die ich kenne und diese Tour machen, kennen die Problematik sehr gut und sind äußerst seriös, sprich, die haben sich genau auf diese Problematik bestens eingestellt. Ich denke, wegen Lhasa solltest Du Dir keine größeren Kopfzerbrechen machen. :D (Blödes Wortspiel!) Wie gesagt, a bisserl Kopfweh/Übelkeit kann schon dabei sein, sollte sich aber in Grenzen halten. Wie es danach bei der 5.200-Meter-Marke aussieht kann ich auch nur vermuten......Ich würde aber diese Reise machen. Viel Spaß!

schmelzeri
30.11.2006, 16:04
Hallo Thomas,

ich habe vorigen Herbst diese Tour mit meinem Mann gemacht.

Solange Du gesund anreist (ohne Erkältung oder Darmprobleme), ist der Höhenunterschied recht gut zu verkraften. Am Anfang in Lhasa solltest Du noch etwas "ruhig treten" und generell viel trinken, damit sich der Körper an die Höhe anpassen kann. In Rongbuk gibt es 2 verschiedene Unterkünfte: ein festes chinesisches Hotel mit komfortablen Zimmern oder die einfache Lodge mit zugigen Wänden. Dort oben spürt man die Höhe schon, deshalb ist man in dem Hotel besser aufgehoben. Wir waren in beiden und haben den Unterschied beim Schlafen gemerkt.

Da man täglich weite Strecken unterwegs ist, wird man viel im Jeep herumgeschüttelt, was auch anstrengend ist. Vielleicht hast Du ja die Möglichkeit, mit dem Fahrer einige "Laufpausen" auszuhandeln. Oder abends noch wo höher steigen, um dann tiefer zu schlafen.

Ich würde mir vorher nicht so viele Sorgen um die Höhe machen. Landschaftlich und kulturell ist es eine wunderbare Tour, für die Du einige Unannehmlichkeiten gerne in Kauf nehmen wirst!

Viel Spaß!
Ines

tremendopunto2
30.11.2006, 16:19
Hallo Thomas,

vielleicht kann ich Dir weiterhelfen - oder Dich beruhigen :-)

Wie Du schon richtig angemerkt hast kann sich die Höhe bei jedem Menschen unterschiedlich auswirken. Da kann Dir niemand eine Garantie ausstellen.
Aber auf meinen zwei Touren hatte ich persönlich keinerlei Probleme gehabt, wohl aber habe ich andere getroffen, bzw. bei der Überlandtour in meiner Gruppe gehabt, die schon Symptome einer leichten AMS wie z.B. massive Kopfschmerzen erlitten hatten. Das hat denen das Vergügen der Reise dann wirklich versaut.

Ich war jetzt zwei mal in Tibet, 2004 mit dem Flugzeug von Chengdu nach Lhasa eingeflogen, 2006 eine Überlandfahrt von Kathmandu nach Lhasa.

1. der Flug und Ankunft auf 3600m:
Bin am gleichen Tag noch den Potala Hügel hinaufgegangen und da viel mir das Atmen schon schwer - átemlos nicht nur wegen der Schönheit des Potala sondern auch wegen der fehlenden Akklimatisierung ;-)
Also am Anfang alles ganz ruhig angehen, nichts übertreiben und viiiiiiiiieeeeeel trinken, wie ein Kamel.
Die Anlagen in und um Lhasa liegen dann auch alle auf gleicher Höhe - ausser Ganden, das liegt auf 4.500m - vor allem die Hohe Kora um Ganden, hoch auf die linke Schulter/Spitze ist dann recht anspruchsvoll, weil steil - ich schätze den Berg dann schon auf fast 5.000m. (der Ausblick über das Kloster hinweg in die verschiedenen Täler ist auf jeden Fall ein muss bei einem Ganden-Besuch!)
Also Ganden (zumindest die hohe Kora) nicht gleich am ersten Tag besuchen!!!

2. Die Überlandfahrt
Deine Route VON Lhasa nach Kathmandu würde ich dann auch noch unbedenklicher einschätzen, wenn Du Dich ja schon in Lhasa akklimatisiert hast.
Ich kann jetzt nur von der umgekehrten Richtung erzählen, Kathmandu liegt so auf ungefähr 1400m, da ist der Anstieg auf die Pässe dann doch höher (vor allem schnell) als von Lhasa aus.
Auch hier hatte ich keine ernsten Beschwerden, aber drei Leute aus der Jeep-Kolonne hatten wirklich übelste Kopfschmerzen. Allerdings hat eine Person die Tour schon mit leichtem Fieber gestartet (der hatte Sorgen wegen der Körpertemperaturkontrolle an der Tib. Grenze - aber das ist wohl mehr Show von den Chinesen) und ich denke krank sollte man nicht nach Tibet kommen, auf so einer Tour erholt man sich wohl kaum noch.

Insgesamt halte ich einen Tibetbesuch aber für unbedenklich, wenn man sich an die Basics hält, viel trinkt und die ersten Tage ruhig angeht.

Viel Spass bei der Vorbereitung und auf Deinem Tibetbesuch!

tremendopunto
30.11.2006, 16:21
sorry, wurde irgendwie vom System rausgeworfen - wohl zu lange geschrieben. Wollte dann nicht alles nochmals schreiben müssen - deswegen unter tremendopunto2 gepostet. ;-)

Christof

MajorTom
01.12.2006, 06:51
Alles klar, vielen Dank für die Antworten. Das beruhigt mich schon ziemlich. Ich freue mich jetzt schon wahnsinnig auf die Tour, auch wenn es fast noch ein ganzes Jahr bis dahin ist.

Ich würde auch gerne länger in der Region bleiben, nur leider bekommt meine Freundin höchstens 2 1/2 Wochen Urlaub, da ist leider nicht mehr drin. Aber vielleicht kommt man ja mal wieder. :)

Lange Fahrten über Schotterpisten stören mich übrigens nicht so sehr. Klar ist das manchmal eintönig und nervig, aber es gibt schlimmeres. Letztes Jahr sind wir in Patagonien mehrere tausend Kilometer Schotter gefahren, und das war auszuhalten. Die Landschaft entschädigt dafür - und das erwarte ich in Tibet erst recht.

zlemba
01.12.2006, 12:25
Hallo,

ich plane im nächsten Jahr eine Reise durch Tibet zu machen (kein Trekking, sondern Land und Leute auf einer Fahrt von Lhasa nach Kathmandu kennenlernen). Ich habe einige Bedenken wegen der großen Höhe. Vielleicht könnt ihr eine Einschätzung geben, wie problematisch das ganze wirklich werden kann.


Thomas
hallo thomas - es wurde über die höhenkrankheit hier im forum schon viel geschrieben. geh einfach links oben auf die - suchen - funktion und schau dir die beiträge unter < höhenkrankheit > an. kannst auch www.flying-eagle.info (http://www.flying-eagle.info) ansehen. die höhenkrankheit ist medizinisch nicht vorhersehbar und wirkt sich auch auf personen aus, die eine sehr gute konstitution haben. ist also nicht durch sehr gutes training vermeidbar. sehr wohl aber durch gute akklimatisation.
grüße reinh.

daxy
02.12.2006, 09:03
hallo,
leider kann ich dich nicht beruhigen :o
habe in Lhasa mehrere getroffen, die wirklich hoehenkrank waren. im krankenhasu bekamen sie keinerlei hilfe. wenn nicht ein expeditionsarzt einer anderen gruppe die notwendigen medikamente mitgehabt haette, haette es schlecht asugeschaut.
habe selbst einem amerikaner in Shigatse das leben retten muessen.
hatte ein schwere lungenoedem und war am sterben. die aerzte dort gaben ihm vitamin C !

habe ihm dann nefidipin, diamox und sauerstoff gegeben und ihm geraten am naechsten tag mit dem jeep sofort nach Nyalam zu fahren. er tat dies und ueberlebte.
in Lhasa lassen dich die chinesen nicht asufliegen, da sie die auslaender rupfen solange es geht. wie ich feststellen musste, haben die aerzte dort wenig bis 0 ahnung von hoehenmedizin.
habe auch viele getroffen, die von Kath nach Lhasa mit dem jept unterwegs waren. fast alle hatten kopfschmerzen, uebelkeit und erbrechen und hatten nichts von der reise.

-- unbedingt medikamente gegen hoehenkrankheit mitnehmen!
--langsam gehen, nicht ueberanstrengen in den ersten tage
-- am besten, wenn moeglich vor abreise in europa auf einen 4000 gehen.

schoene reise

Haribo
02.12.2006, 12:26
Ich bin in Tibet auch mal einer jungen Frau mit schweren Höhenkrankheitssymptomen begegnet und zwar auf ca. 4.300 m Höhe. Sie musste daraufhin schnell in tieferere Regionen transportiert werden.

Haribo

JacekK
02.12.2006, 19:12
Hallo,

Ich habe einige Bedenken wegen der großen Höhe. Vielleicht könnt ihr eine Einschätzung geben, wie problematisch das ganze wirklich werden kann.

Wäre einfach schön, eine objektive Einschätzung zu bekommen.
Thomas

Hallo, wir sind vor einem Monat aus Tibet zurückgekommen,
ich würde dir statt der Route über Kamba und Karo La ( 2 x "5000" m )
eher den flachen Weg zuerst nach Shigatse und erst dann nach Gyantse
empfehlen, da hat man nur die angenehme Steigung von 3700 auf 4000m.
Und die "5000" m :cool: noch vor der weiteren Reise nach Ronghpu zu erreichen,
entweder der Gyalpehri ( 5250m ) hinter dem Kloster Drepung in Lhasa( 1,5 Tage )..
oder der "Hausberg" in Gyantse hinter dem Kloster Lechu Ganden
( 5150m lt. Google Earth ) - 1 Tag .. beide Berge seeeehr zu empfehlen, danach
fühlt man sich viel, viel besser :) ;

Gruss, Jacek