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Vollständige Version anzeigen : Reiseapotheke - Fachjargon


Evaneu
24.09.2006, 21:46
Hallo!
Ich habe mir die uralten Beiträge aus diesem Thema von 2004 durchgelesen und habe jetzt mehr Fragen als Antworten...:
1.) Welches Breitband-Antibiotikum ist für eine Reise nach Westafrika zu empfehlen?
2.) Was ist Diamox?
3.) Was sind Okoubaka Globuli?
4.) Können Aktivkohletabletten einen Aktivkohlefilter zur Säuberung des Wassers ersetzen? Was wird damit bewirkt (entfernt auch Amöben und Giardia?) und gibt es evtl. Wechselwirkungen mit Chlor oder Silberionen?

Außerdem:
Hat jemand einen Tip für Wasserfilter?

Würde mich sehr über Antworten freuen!!!
Bis dann,
Eva

Moni
25.09.2006, 04:47
Hallo Eva!

1. Es gibt keine Empfehlung fuer Breitband-Antibiotika bezueglich des Reiseziels. Die meisten sind sehr wirkungsvoll gegen eine grosse Anzahl von Bakterien, die Anwendung wird limitiert durch Resistenzen der Bakterien gegen gewisse Wirkstoffe. Diese Resistenzen lassen sich aber im allgemeinen nicht vorhersagen. Ich persoenlich bevorzuge Co-trimoxazol Antibiotika, ein "alter" und deswegen guenstiger Wirkstoff.
2. Diamox ist ein sogenannter Carboanhydrase-Hemmer. Es wird bei erhoehtem Augeninnendruck verschrieben, kann aber auch gegen Hoehenkrankheit eingesetzt werden.
3. Keine Ahnung.
4. Nein, denn die kannst Du ja nachher nicht mehr zum Wasser rausnehmen, konsumierst also die Kohle mit. Die Aktivkohle bindet Toxine und Organismen, aber auch Chlor und Silberionen, und macht sie dadurch unschaedlich/unwirksam. Du kannst Wasser filtern und nachher Silberionen zur Konservierung beigeben.
Einige Wasserfilter wurden hier im Forum beschrieben, z.B. hier http://www.trekkingforum.com/forum/showthread.php?t=408&highlight=wasserfilter. Schau mal nach mit der Suchfunktion. Die wichtigsten Unterschiede sind Groesse/Gewicht, Durchflussgeschwindigkeit und Lebensdauer. Auch die MSR Webpage gibt Dir einen Ueberblick. Ich denke der MiniWorks ist momentan was vom Besten, aber das ist nur meine persoenliche Meinung.

Viel Vergnuegen in Afrika!

Moni

Eckart
25.09.2006, 10:33
3.) Was sind Okoubaka Globuli?


Den Begriff Globuli kenne ich aus der Homöopathie. Das sind normalerweise winzige Kügelchen, von denen man jeweils ein paar nehmen muss. D.h. also minimale Dosierungen. Bemerkenswert ist, dass auf der Packung normalerweise nicht draufsteht, wofür oder wogegen die gerade sind. Oder man bekommt sie gleich vom Arzt in einem neutralen Plastikdöschen. Mehr weiß ich zu diesem Thema leider auch nicht.

Fiege
29.09.2006, 18:09
Ich kenne Okoubaka als homöopatisches Mittel zur Vorbeugung gegen Durchfallerkrankungen. Verschreibt mein Arzt z.B. für Nepalreisen und soll - regelmäßig eingenommen - den bekannten Problemen mit Magen/Darm entgegenwirken. Habe es selbst noch nicht ausprobiert.

Susanne Jung
30.09.2006, 15:19
Hallo,
ich bin auch ein Frischling in diesem Forum bin aber gelernte Pharmareferentin und kann vielleicht die eine oder andere Antwort geben:
zu 1) Wofür möchtest Du das Breitband-Antibiotika einsetzen? Je nach Infektionsort gibt es unterschiedliche.
Für Reisekrankheit/ Durchfall empfiehlt die WHO* z. B. "Ciprobay 500 mg pro Tag für 1-2 Tage als Frühbehandlung. Zusätzlich sollte dabei als "WHO-Trunk" Elotrans (Elektrolyte-Pulver in Wasser lösbar) mit Cola oder Salzstangen verabreicht werden. Die übliche "Expositionsprophylaxe "Cook it, boil it, peel it" ist ja bekannt.
Wenn Du für eine Tonsillitis ( ~ Angina) oder für eine Meningitis (Hirnhautentzündung) ein Antibiotika benötigst, sollte es Penecillin V sein.
Für Hals-, Nasen-, Ohren-, Atemwegs und Weichteilinfektionen sollte mann eine Kombination aus Amoxicillin + Betalaktamasehemmer (ebenfalls eine best. Sorte Antibiotika) nehmen.
*= WHO= Weltgesundheitsorganisation
zu 2) s. Ausführungen von Moni
zu 3) Globuli heißt auf lateinisch Kügelchen. Dieser Begriff ist nicht nur auf Medikamente und hömoöpathische Mittel begrenzt.
Den Begriff Okoubaka habe ich noch nie gehört. Im Pschyrembel (=Medizinisches Wörterbuch) habe ich ihn auch nicht gefunden. Vielleicht heißt er in lateinischer Sprache ein kleinwenig anders? Wenn Du mir den Zusammenhang beschreiben kannst, kann ich noch eimal nachschauen.
zu 4) s. Ausführungen von Moni zusätzlich: Bei Amöben und Giardia ist eine wirkliche Therapie nur mit Metronidazol sinnvoll. Metronidazol gehört auch in die große Gruppe der Antibiotika.
Ich hoffe, ich habe dich nicht zuviel verunsichert, aber Du batest um detailierte Antworten.
Wer bei solchen Fragen kostenlos auch gerne Hilfestellung gibt ist das örtliche Gesundheitsamt.

Eckart
02.10.2006, 09:05
Den Begriff Okoubaka habe ich noch nie gehört.

Ich auch nicht. Aber Google verzeichnet immerhin 59 400 Einträge. Da wird sich doch näheres herausfinden lassen...

Evaneu
03.10.2006, 20:01
Ich danke Euch für die netten Antworten! Ich habe mir alles aufgeschrieben...
Bis bald,
Eva

Eckart
03.10.2006, 21:20
Habe mir gerade nochmal das Thema "Okoubaka" angesehen. Unter www.medizin-2000.de/pressearchiv/laien/texte_neu/obertal/2002/reiseapotheke.html (http://www.medizin-2000.de/pressearchiv/laien/texte_neu/obertal/2002/reiseapotheke.html) findet man:

Okoubaka hilft bei Magen-Darm-Beschwerden

Medikamente für die Reiseapotheke müssen nicht immer chemisch definiert sein. Gerade die Homöopathie hat hier einiges zu bieten. Bei Lebensmittelunverträglichkeiten und Magen-Darm-Beschwerden hat sich beispielsweise ein Medikament aus der Rinde eines west­afrikanischen Baumes bewährt: das Homöopathikum
Okoubaka. Als Arzneigrundstoff dient die Astrinde der oberirdischen Teile des Baumes Okoubaka aubrevillei aus der Familie der Octonemataceae.
Okoubaka aubrevillei ist ein bis zu 27 m hoher Baum mit buschiger Krone und herab­hängenden Ästen, der eindeutig an seinen harten gelben Früchten zu erkennen ist. Man findet ihn fast ausschließlich in geschlossenen Waldbeständen, vor allem in Ghana und an der Elfen­bein­küste. Die Einwohner der Elfenbeinküste glauben, dass Okoubaka keinen anderen Baum in seiner Nähe duldet und deshalb jede Pflanze, die ihn zu nahe kommt, abtötet. Deshalb werden ihm magische Kräfte zugeschrieben. Dies ist sicher auch ein Grund dafür, dass Okoubaka aubervillei bei den Westafrikanern als Heilmittel bei Lepra und schweren Formen der Syphilis eingesetzt wird. Das Rindenpulver wird auch innerlich zur Verbeugung und Behand­lung jeglicher Art von Vergiftung verwendet. Die Einheimischen waschen zudem ihre Körper in einem Okoubaka-Rindenaufguss und hoffen, dadurch von Krankheiten verschont zu bleiben.

Ich würde aber trotzdem nochmal in der Apotheke nachfragen...

Viele Grüße, Eckart

Evaneu
03.10.2006, 21:40
Vielen Dank, Eckart! Das hört sich sehr interessant an. Gleich morgen werde ich in der Apotheke danach fragen!!!