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Vollständige Version anzeigen : Nepal muss die Rahmenbedingungen dringend verbessern!


Andreas Khanal
19.09.2006, 19:28
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Zum Thema TRC
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Liebe Leser,

zum Thema TRC hat Abhi (er ist Nepali) folgende Frage gestellt:

Hallo Leute,
Wenn Leute moechten allein trecken gehen,was machen die Trekkingfuehrern und Traeger in Nepal ? Was macht ihr selbst wenn ihr keine Arbeit habt ?Bitte um eine richtige Antwort.

Beste Gruesse
Abhi

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Vielleicht interessiert den einen oder anderen von Euch, was ich geantwortet habe. Daher poste ich auch hier. Natürlich ist die Antwort im größeren Zusammenhang zu sehen. Hier gab es bisher ja auch schon eine Menge Beiträge dazu. Habe mich nur aus Zeitgründen bisher herausgehalten, da ich viel zu tun hatte.

Ich unterstütze ebenfalls die Petition von Andreas gerne und hoffe, dass sich noch viele beteiligen. Der Sache wünsche ich viel Erfolg!

Und nun mein Beitrag:

Lieber Abhi,

ich antworte Dir als jemand, der sowohl privat, als auch beruflich seit vielen Jahren mit Nepal und seinen Menschen eng verbunden ist.

Nepal ist ein Land, das sehr viel Gutes und Schoenes zu bieten hat. Ein Land, das sehr viele Staerken besitzt und in vielen Bereichen ueber ein grosses Potential verfuegt.

Ab und an gelingt es auch diese Staerken zu nutzen und fuer das Land und seine Menschen in Vorteile umzusetzen.

Zugleich ist Nepal aber auch ein Land, das ueber sehr viele Schwaechen verfuegt. Ohne das Land in ein schlechtes Licht ruecken zu wollen, bin ich der Meinung, dass es sehr wichtig ist, sich mit diesen Schwaechen auseinanderzusetzen. Nur wer seine Fehler bemerkt und Konsequenzen daraus zieht, nur wer wirklich lernfaehig ist, kommt letztendlich weiter. Das ist ueberall auf der Welt so.

Damit kein Falscher Eindruck entsteht: auch Deutschland ist ein Land mit vielen guten Dingen, aber auch mit vielen schlechten - dass sollte selbstkritisch gesehen werden. Taeglich muss sich mit Beidem auseinandergesetzt werden, damit das Land weiter voran kommt. Auch hier laufen die Dinge oft schleppend und muehsam!

Zu den Schwaechen Nepals gehoert es, dass sich das Land stets in grossem Masse durch seine Herrscher und ihrer Machtstrukturen selbst ausgebeutet und selbst unterdrueckt hat.

Das Land und seine Menschen haben es bis heute nicht geschafft, ein akzeptables Mindestmass an Gerechtigkeit und sozialem Ausgleich zu schaffen.

Viele Laender dieser Welt leisten Nepal in irgend einer Form Hilfe, um etwas gegen die Unausgewogenheiten zu tun. Sei es offizielle, staatliche Hilfe, sei es durch NGO´s (Non-Government-Organisations), sei es durch viele Privatinnitiativen geleistete Hilfe.

Nepal ist das Land mit der groessten Dichte an Entwicklungshelfern pro Kopf, auf der ganzen Welt!

Zwar reicht die Hilfe nicht aus und es muss noch viel mehr getan werden, jedoch darf man nicht vergessen, dass sehr, sehr viel geleistet wird. Auch wenn dabei in Einzelfaellen Eigeninteressen bestehen, so kommt am Ende trotzdem sehr viel fuer das Land heraus.

Und die Hilfe fliesst und fliesst, obwohl seit vielen Jahren bekannt ist, dass ein Grossteil davon in korrupte Kanaele versickert. Grosse Geldbetraege werden zweckentfremdet und von Gaengstern und Gaunern - anders kann man diese Menschen nicht nennen - fuer einen eigenen, hohen Lebensstandard verwendet, der auch den durchschnittlichen Standard in Industrienationen weit uebesrsteigt.

Machtmenschen in Nepal gehen in hohem Masse rucksichtslos mit ihren eigenen Landsleuten um. Viele Arbeitnehmer haben nur deshalb arbeit, weil sie ihren Machthabern um so mehr Vermoegen einbringen (das ist hier uebrigens auch nicht so viel anders!). Arbeitsrechte, gesundheitliche Grundversorgeung etc. bleiben fuer die Arbeitnehmer weitgehend auf der Strecke.

Nepal hat es auch innerhalb seiner demokratischen Strukturen nie geschafft, beim menschlichen Umgang miteinander wesentliche Schritte weiterzukommen. Auch die Maoisten sind weit davon entfernt, fuer wirklich gerechtere Lebensverhaeltnisse zu sorgen. Mit Mord und Totschlag haben sie viel Leid und Elend ueber das Land gebracht. Es mag zwar regional auch vorzeigbare Verbesserungen geben, aber diese sind vielfach durch Gewalt am eigenen Volke entstanden - durch eine Form von Zwangsherrschaft!

Wenn Nepal eine echte Chance haben moechte, seine Verhaeltnisse zu verbessern, dann muss das Land auch bereit sein, mal einen richtigen Schnitt zu machen und zu pruefen, was alles falsch laueft, und was hingegen gut. Und mann muss sich friedlich und sachlich damit auseinandersetzen!

Dieses Land ist seit Langem gefangen in seinen Zwaengen!

Der Grossartigkeit und Schoenheit seiner Natur, der ureigendsten Kultur des Volkes und letztendlich den einfachen Menschen, die oft sehr liebenswert, freundlich und tolerant sind sowie seinen oft unbefangenen und - trotz vielfach schwieriger Verhaeltnisse - froehlichen Kindern, hat dieses Land zu verdanken, dass es immer Hilfsbereitschaft von aussen erfahren hat.

Ein ganz wichtiger Bereich fuer das Land ist der Tourismussektor!

Trotz 10 Jahre haertester politischer Auseinandersetzungen, die noch immer keinen wirklich durchschlagenden Erfolg gebracht haben, und die durch teilweise hoechster Form von Gewalt gepraegt sind, hat sich der Tourismus, der fuer Nepal Fluch und Segen zugleich ist, nicht unterkriegen lassen.

Es waren nicht 'Neckermann & Co.', die dem Land ihre dauerhafte Zuneigung geschenkt haben, sondern vielfach die Individualtouristen, von denen sehr viele Leute ein wirkliches Interesse fuer das Land haben. Es sind auch viele dabei, denen Nepal als Land vielleicht zunaechst relativ egal ist. Manche interessiert es in der Hauptsache, ihrer Bergleidenschaft nachzukommen. Aber auch bei diesen Leuten gibt es viele, die mit der Zeit nachdenklich werden und sich besinnen, dass sie nicht nur Vorteile fuer sich annehmen moechten, sondern auch irgend etwas Gutes tun wollen.

Ein wichtiger Grund fuer die Trekker und Bergsteiger nach Nepal zu kommen ist, dass sie - abseits vom staatlichen Gepraege - in den Bergen die bisher noch vorhandene Freiheit geniessen koennen. Nur in den Hoehenregionen, die noch nicht so erfasst sind, vom 'geregelten' in Formen 'gepressten' Leben, koennen sie dies noch so erleben.

Natuerlich wuenschen wir uns alle, dass die 'Bergtouristen', die ja auch Geld ins Land bringen, unter besseren Sicherheitsbedingungen wandern und bergsteigen koennen. Wir wuenschen uns auch, dass das Angebot an Serviceleistungen, an denen die Bevoelkerung auch angemessen verdienen kann, sich verbessert. Und es ist ebenfalls wuenschenswert, dass Guides, Porter, Lodgebesitzer etc. und auch serioese Agenturen, die gute Leitsungsangebote haben, Geld verdienen, mit dem sie ihr Leben bestreiten und ihre gesamten Lebensverhaeltnisse verbessern koennen. Was jedoch nicht wuenschenswert ist, wenn Reisende regelrecht gezwungen werden, Dienstleistungen kaufen zu muessen. Wenn sie unter Zwang mit einem Guide unterwegs sein muessen. Wenn es unter Strafandrohung heisst - 'Ihr duerft nur Bergwandern, wenn Ihr bei nur bestimmten Agenturen, Guides engagiert, die stets an Eurer Seite stehen muessen'!

Bisher habe ich im Zusammenhang mit dem TRC noch keine offizielle Mittelung lesen koennen, die klar besagt, dass weiterhin ein gewisses Mindestmass an persoenlicher Reisefreiheit in den Trekkingregionen garantiert wird.

Vielleicht ist es auch nur mangelnde Informationspolitik, jedoch sind viele Individualtouristen im Moment sehr veraergert, dass evtl. sie zur 'Milchkuh der Nation' gemacht werden koennten. Viele moechten dem Land helfen und sie moechten vielleicht auch sowieso einen Guide, Porter etc. engagieren - aber sie moechten nicht dazu gezwungen werden! Das ist ein sehr grosser Unterschied!

Die Freiheit (auch die Reisefreiheit!) ist ein wichtiges Gut, dass es unter Einbezug von Sicherheitsaspekten stets zu verteidigen gilt.

Wenn Nepal diesem Wunsch freiheitlich denkender Menschen, die viele Trekker nunmal sind, nicht gerecht wird, muss das Land moeglicherweise auch die Konsequenzen dafuer tragen, dass der Bergtourismus schaden nimmt. Der Tourismus ist ein sehr sensibler Sektor. Es ist erstaunlich, dass dieser Bereich in den letzten 10 Jahren nicht noch viel mehr Schaden genommen hat.

Leider ist es so, dass Nepal im Tourismusbereich (und nicht nur im Tourismusbereich!) in vielerlei Hinsicht immer schon gegen sich selbst arbeitet. Vieles liegt im Argen und die Verantwortlichen wissen es offensichtlich nicht einmal. Wahrscheinlich, weil sie gar nicht erst die Idee haben, sich mit den entscheidenden Fragen auseinanderzusetzen, geschweige dem, diese Fragen selber ueberhaupt zu stellen!

Nepal ist ein souveraenes Land und hat das Recht, seine eigenen Entscheidungen zu treffen. Es gehoert aber nunmal dazu, dafuer dann auch die eigene Verantwortung zu uebernehmen. Wer seine Touristen zu sehr veraergert, sollte sich nicht wundern, wenn diese anschliessend ausbleiben.

Die schlechten Beschaeftigungsbedingungnn, die hohe Arbeitslosigkeit, die Vernachlaessigung des Ausbildungssystems (das Volk wurde ja lange Zeit bewusst '¤*#¤*#¤*#¤*#' gehalten um es leichter zu regieren und zu unterdruecken!), stehen in eigener Verantwortung!

Wenn fuer den Tourismus gute Rahmenbedingungen geschaffen werden, kann er sich auch gut entwickeln. Leider sind diese Bedingungen in vielerlei Hinsicht schlecht!

Nepalreisenden wird es in manchen wesentlichen Punkten nicht leicht gemacht!

Das Land muss viel mehr an Verbesserungen arbeiten und sollte nicht eine Suende nach der anderen begehen. Irgendwann koennten die immer wieder hausgemachten Fehler zu irreparablen Schaeden fueren - wenn nicht schon geschehen!

Wichtige Grundfragen muessen z.B. lauten: Was koennen wir fuer die Reisenden verbessern, damit es fuer sie leichter und attraktiver wird, nach Nepal zu kommen? Welche Leistungen koennen wir anbieten, damit mehr Leute etwas verdienen und die Einkommen steigen? Was koennen wir tun, damit die Reisenden gerne wiederkommen? In welchen Bereichen bieten wir Serviceleistungen an und in welchen Bereichen lassen wir die Reisenden einfach in Ruhe? Wie koennen wir effektiv die Sicherheits- und Hilfsmassnahmen verbessern?

Nepal braucht ein ausgewogenes, effektives, uebergreifendes Marketingkonzept mit konkreten Zeilsetzungen und Erfolgsstrategien. Es muss im Tourismusbereich viel mehr mit den Laendern zusammengearbeitet werden, aus denen die Touristen kommen. Auslaendische Reiseveranstalter und Reiseagenturen, die ja die Mentalitaet, die Wuensche und Vorstellungen der auslaendischen Touristen viel besser kennen, muessten bei wichtigen Tourismusrelevanten Ueberlegungen gehoert und in die Meinungsbildung mit einbezogen werden. Teamarbeit ist gefragt - keine Alleingaenge! So etwas kann furchtbar schief gehen.

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Das ist alles nur meine ganz persoenliche Meinung. Gedanken muessten sich ueber so etwas ganz andere Leute machen. Ob sie es tun? Zweifel duerften angebracht sein.

Mit herzlichem Gruss
& Namaste

Andreas

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www.yakyeti.de
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mieke
20.09.2006, 07:57
Herr Khanal,
Das ist eine richtig interessante und wichtige Analyse.

Wie waere es mit eine Übersetzung in Englisch, damit es auch die Leute lesen können die kein Deutsch verstehen? Haben sie etwas dagegen wenn ich versuche eine "roh-text" in Englisch daraus zu machen? Oder hatten sie das vielleicht selber schon vor?

(x-posted am Nepalboard (http://www.nepalboard.de/nepal/fua/27114.html))