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Vollständige Version anzeigen : Ostern in den Mittelvogesen


wanderfalke
26.03.2006, 10:49
Hallo,

wir planen über Ostern eine 7-tägige Wanderung durch die Mittelvogesen von Saverne nach Munster. ( Ist der zweite Teil unserer Vogesendurchquerung, der erste Teil führte Ostern 2004 von Bad Bergzabern nach Saverne).
Folgende Etappen stellen wir uns grob vor: Saverne-Wangenbourg, Wangenbourg-Urmatt, Urmatt-Donon/Schirmeck, Schirmeck-Saulxures, Saulxures- Col de Ste Marie, Ste Marie-Tinfronce, Tinfronce-Munster.
Wir wollen das Auto in Munster abstellen und mit der Bahn nach Saverne fahren, so das wir am Ende der Tour wieder am Wagen sind.
Wir nehmen ein Zelt mit um möglichst flexibel zu sein, werden aber sicher auch die eine oder andere Übernachtung in einer schönen Unterkunft verbringen wollen.
Daher meine Fragen: Ist jemand diese Route schon einmal gelaufen?
Welche Unterkünfte sind empfehlenswert?

Ich bin für jede Information dankbar.

Mit herzlichen Grüßen Gerald

ThomasFFM
26.03.2006, 15:47
Hallo, Gerald!

Na, da habt Ihr Euch aber was vorgenommen!

Soweit Eure Route mit der GR 53 / 5 übereinstimmt, kenne ich sie von mehreren Begehungen her. Saverne - Wangenbourg-Engenthal dauert ca .7 Std., ist also an einem Tag noch zu schaffen, allerdings auch etwas anstrengend. Als Quartier ist das Refuge du Grand Tétras nicht zu überbieten - einfache, sehr urige Hütte, sehr gemütlich, sanitäre Anlagen ok, auf Bestellung gibt's Frühstück und Abendessen. Aber unbedingt rechtzeitig anmelden!


In Urmatt gibt es mehrere Gasthöfe, auch das "À la Chasse" ist wieder geöffnet, allerdings unter neuem Besitzer. Ich war seitdem noch nicht wieder dort.

Urmatt - Donon dauert schon 6:30 Std. bei ca. 1100 Höhenmetern im Aufstieg, das sollte für einen Tag reichen. Das Hôtel du Donon ist sehr angenehm: ordentliche Zimmer, gute Küche, Hallenbad, preislich noch akzeptabel. In Schirmeck wüsste ich momentan keine Unterkunft.

Über die nächsten Etappen kann ich nicht viel sagen, ich würde sie so auch nicht gehen. Das Hotel am Col de Sainte Marie macht einen ganz soliden Eindruck, ich kenne aber nur die Gaststube. Im Refuge Tinfronce war ich schon lange nicht mehr. Von dort an spätestens werdet Ihr sicher mit eingem Schnee zu kümpfen haben, wir hatten ja immrhin bis in die zweite Märzhälfte hinein durchgehend Winter und im Süden hat es sehr viel geschneit!

Ich würde lieber auf der GR 5 gehen, da seht Ihr eindeutig mehr: Schirmeck - Struthof - dann nicht ganz zum Champ du Feu hinauf, falls dessen Aussichtsturm noch geschlossen sein sollte, sondern von der Auberge Rothlach gleich nach Le Hohwald runter, wo es einige Quartiere gibt. Dabei lohnt sich als Umweg die Tagestour ab Hotel du Donon über Hautes Chamues - Chatte Pendue nach Fréconrupt (Hotel), herrlich! Ab Le Hohwand dann zum Monte Sainte-Odile und runter nach Barr, evtl. noch nach Mittelbergheim oder Andlau. Überall Quartiere. Die nächste Etappe - es wäre Eure sechste - ist lang: über den Ungersberg und die Ruinen Bernstein und Ortenbourg nach Châtenois oder - wegen des Quartiers ungleich besser - Scherwiller mit der Auberge Ramstein (hat sogar einen Stern im Guide Michelin!). Falls Ihr dann noch was unternehmen wollt, geht weiter über die Haut-Koenigsbourg nach Ribeauvillé.

Mit dieser Tour wärt Ihr auch sehr zufrieden. Zudem kommt man da kaum über 1000 m hinaus und hat keine Schneeprobleme; wo es ein paar Schneereste gibt, sind sie harmlos, was um das Hohneck herum nicht der Fall sein dürfte.

Gruß
ThomasFFM

wanderfalke
26.03.2006, 21:10
Hallo Thomas,

erst einmal vielen Dank für die vielen Tipps. Die von dir vorgeschlagene Route klingt in der Tat sehr reizvoll, vor allem wegen dem Kontrast zwischen den weiten Wäldern und den lieblichen Rebenlagen am Rand der Rheinebene.
Ich denke wir werden ganz flexibel je nach Wetter und dann noch vorhandenem Schnee entscheiden, welche Route wir wählen.
Allerdings hatten wir nicht vor über den Hohneck zu gehen sondern schon vorher ins Munstertal abzusteigen.
Warum schreibst du denn, dass du diese Route so nicht gehen würdest? Wegen der mangelnden Unterkünfte?

Viele Grüße Gerald

ThomasFFM
26.03.2006, 22:16
Hallo, Gerald!

Warum ich die von Dir ausgetüftelte Route so nicht gehen würde? Weil es am Kamm sehr wenig Unterkünfte gibt - und weil die lange Höhenwanderung an sich serh schön, aber auch bei weitem nicht so abwechslungsreich ist wie die Route entlang des Gebirgsrandes. Es gibt da weder Weinberge noch Fachwerkstädtchen noch Burgen noch solche überragenden Aussichtspunkte wie z. B. den Odilienberg (auf dem man, nebenbei bemerkt, ja auch übernachten könnte, um einen halben Tag für die Heidenmauer - mur paien - einzuschalten, was sich unbedingt lohnen würde). Von der Haut-Koenigsbourg ganz zu schweigen: Natürlich ist die hoffnungslos überlaufen, aber nirgendwo anders kann man den "Geist" des Wilhelminismus so authentisch studieren wie dort.

Die Hochvogesen würde ich lieber im Frühsommer angehen, wenn die Bergwiesen in Blühte stehen. Dann am besten von Ribeauvillé losgehen (Aufstieg vom Weinland in den subalpinen Bereich!) und bis zum Ballon d'Alsace auf der Höhe bleiben. Eine Traumtour! Aber wahrlich nicht für den April...

Gruß
ThomasFFM

wanderfalke
28.03.2006, 17:25
Hallo Thomas,

ja, ich denke wir werden aufgrund deiner Kommentare den zweiten Teil der Tour an den Gebirgsrand legen. Wenn ich eine Wanderung plane, achte ich stark auf möglichst große Abgeschiedenheit. Aber du hast sicher recht, gerade um die Zeit ist der Frühling am Rand des Gebirges sicher erheblich weiter fortgeschritten, und die Mischung aus Natur und Kultur die dein Routenvorschlag beinhaltet ist sicher nicht zu verachten.
Ich werde hinterher auf alle Fälle berichten, wie es war.

P.S was ist die Heidenmauer und was ist das besonders Reizvolle an deinem Abstecher Chatte pendue etc. ?

Viele Grüße Gerald

ThomasFFM
29.03.2006, 14:02
Hallo, Gerald!

Zunächst kann ich Dich beruhigen. Rummel wirst Du auch in der Nähe des Gebirgsrandes nur an wenigen Punkten erleben (Odilienberg, Haut-Koenigsbourg); auf den Strecken Le Hohwald - Odilienberg oder Andlau - Châtenois bzw. Scherwiller triffst Du werktags stundenlang keine Menschenseele, vom Gebiet nördlich der Bruche ganz zu schweigen.

Der Umweg über Hautes Chaumes - Chatte Pendue ist - abgesehen von der ersten, etwas öden Stunde - eine grandiose, einsame Höhenwanderung mit viel Aussicht - die Stürme, zuletzt der Orkan "Lothar" vom 26.12.1999, haben den Wald quadratkilometerweise niedergewalzt. Die Spuren des Orkans sind zwar ein zwiespältiger Anblick, aber gehört ein Orkan nicht auch zur Natur? Landschaftlich erinnert mich diese Strecke teilweise schon an die Hochvogesen, eben an Hochvogesen "en miniature"; diese Geländeform (Steilhänge im Osten, sehr sanfte Hänge und Plateaus gegen Westen) erlebt man eine Nummer größer auch zwischen Lac Blanc und Col de la Schlucht.

Die Heidenmauer ist ein gut 10 km langer, bis zu 4 m hoher gallo-römischer Ringwall, erbaut in der aus Mykene stammenden Schwalbenschwanz-Technik. Man kann kilometerweise an dieser Mauser entlangwandern; die Überreste sind nördlich des Klosters Odilienberg allerdings viel eindrucksvoller als weiter südlich.

Gruß
ThomasFFM