Vollständige Version anzeigen : Bitte akklimatisiert Euch!
Nilsemann
21.03.2006, 13:32
Mein Beitrag richtet sich vor allem an Trekkingfrischlinge und solche, die sich während einer Himalaya-Trekkingtour vielleicht zum ersten Mal längerfristig über 3000m bewegen.
Diese Sache liegt mir am Herzen, da ich in den vergangenen vier Wochen während meines Khumbutreks einfach unfassbar viele höhenkranke Leute getroffen habe, womit ich niemals gerechnet hätte. Man denkt, das Problem sei hinlänglich bekannt. Offensichtlich ist das nicht so, bzw. wird es häufig unterschätzt. Eine richtige Akklimatisierung ist das A und O. Dazu gehören nicht nur (mehrfache) Akklimatisierungstage, sondern auch die Aufnahme von reichlich (und ich meine reichlich!) Flüssigkeit. Viele Leute, die ich getroffen habe, litten unter extrem starken Kopfschmerzen, mehrere mussten zwischenzeitlich wieder absteigen, weil es ihnen so dreckig ging (davon eine Neuseeländerin in Gokyo sogar nachts). Dabei spielt das Alter keine Rolle, von Jung bis Alt waren alle Altersgruppen betroffen. Auch spielt die Herkunft keine Rolle (in Duglha sahen wir einen Nepali, der seit 6 Jahren in Lobuche arbeitet. Er musste nach 2-monatigem Aufenthalt in Kathmandu und anschließendem, zu schnellen Aufstieg nach Lobuche mit Wasser in der Lunge von Lobuche aus herunter nach Pheriche ins "Hospital" transportiert werden, von wo aus er dann nach Kathmandu ausgeflogen wurde. Er sah aus wie ein Häufchen Elend). Auch ein Japaner, der in einem Tag von Tengboche nach Dingboche (ohne sich vorher anständig zu akklimatisieren) und dementsprechend am nächsten Tag wieder zurück nach Tengboche gelaufen ist, klagte über starkes Kopfweh. Das ist es meiner Meinung nach einfach nicht wert. Die Ambition, schnellstmöglich seine Ziele (also z.B. Kala Pattar oder Everest Basecamp) zu erreichen, ist in meinen Augen absolut falsch. Lasst Euch Zeit, genießt die Landschaft und die Kultur! Ein eindrucksvolles Beispiel noch: auf unserem Weg von Phakding nach Namche trafen wir eine Gruppe von 12 Russen, die sich in einem Gespräch mit mir selbst als Businessmen bezeichneten und innerhalb von 5-6 Tagen von Lukla (2800m) bis auf den Gipfel des Island Peak (6189m) steigen wollten (sie trugen alle blaue T-Shirts mit der Aufschrift "Bistroff", "Synchronschwimmer St. Petersburg" und irgendeinem starken Spruch von wegen "Win together! Island Peak 2006" oder sowas. Vielleicht hat sie ja noch jemand von Euch dort gesehen). Sie hatten zwei Guides dabei und sagten, dass sie gut akklimatisiert und sehr erfahren seien, weil sie im vergangenen Oktober den Kilimanjaro bestiegen hätten. Als sie mich fragten, wie viele Tage ich für die Besteigung des Island Peak einplanen würde, sagte ich mindestens 14. Da lachten sie mich aus, was mich dazu veranlasst hat, die Flucht zu ergreifen. So viel geballte ¤*#¤*#¤*#¤*#¤*#¤*#¤*#¤*# muss man sich doch nicht antun. In Duglha schließlich trafen wir ein deutsches Pärchen, das auch mit Porter und Guide unterwegs war. Deren Guide hat eine Schwester in Chhukung und sitzt dementsprechend an der Quelle, was den Island Peak betrifft. Der Guide erzählte uns, wie seine Schwester mitbekommen hat, dass die Russen per Helikopter wegen Höhenkrankheit ausgeflogen werden mussten...ist es das wert? Nein! Schadenfreude soll ja die beste Freude sein, aber in dem Fall kann das ganze schnell zu bitterem Ernst werden.
Ich will nicht behaupten, dass ich einen Masterplan habe, wie man Höhenkrankheit im Khumbu vermeidet und ich bin auch kein Experte, was Höhenkrankheit angeht...aber vielleicht hilft es dem einen oder anderen, der demnächst zum ersten mal in die Khumburegion reist:
1. Tag: Lukla - Phakding
2. Tag: Phakding - Namche
3. Tag: Akklimatisierungstag in Namche
4. Tag: Namche - Tengboche
5. Tag: Akklimatisierungstag in Tengboche
6. Tag: Tengboche - Dingboche
7. Tag: Dingboche - Pheriche (alternativ Akklimatisierungstag in Dingboche)
8. Tag: Pheriche - Duglha
9. Tag: Duglha - Lobuche
10. Tag: Lobuche - Kala Pattar - Gorak Shep
11. Tag: Everest Basecamp
Absteigen kann man ja bekanntlich so schnell wie man möchte. Wenn wir an unseren Akklimatisierungstagen Lust hatten, dann haben wir noch kurze Tagesetappen unternommen. Ansonsten haben wir einfach Tee geschlürft und unsere Zeit genossen :-) Ich bin stolz darauf, dass wir höhentechnisch absolut keine Probleme hatten. In unserer 3-er Gruppe hatte niemand Kopfschmerzen oder sonstige höhenkrankheitsspezifische Probleme und wir sind alle wohlbehalten und glücklich zurückgekehrt. Dazu haben sicherlich die Akklimatisierungstage beigetragen, aber auch das langsame Voranschreiten während der Tagesetappen und der tägliche Konsum von etwa 4 Litern Flüssigkeit pro Person. Also, passt auf Euch auf und genießt Eure Zeit in den Bergen...
Nils
Gregor aus Essen
21.03.2006, 14:04
Hallo Nilsen,
hallo Alle!
Ich kann da Nilsen nur ausdrücklichst unterstützen und ihm vielen Dank für sein Posting hier sagen! :up: Im März 2002 hatte ich ein ähnliches Erlebnis mit einer Gruppe aus Australien. Sie waren wohl am 1. Tag von Lukla direkt nach Namche aufgestiegen, hatten dort auch kein Akklimatisationstag gemacht, sind weiter gestiegen über Tengboche (wieder ohne Ruhetag) und dann nach Pangboche. Der Gipfel war, dass der begleitende Arzt (!!!!) zwei Mitglieder der Gruppe vor Ort versuchte fit zu spritzen obwohl beide schon deutlich erkennbar an AMS litten!
Wahnsinn! Das hat mit einem guten Trekking aber auch gar nichts gemeinsam!
In diesem Sinne!
SAFE TREKKING!
Viele Grüße
Gregor aus Essen
Hallo Nilsen,
danke für den ausführlichen Beitrag, man kann nur jedes Wort hinsichtlich Akklimatisation unterstreichen! Wir haben 2000 fast jeden Tag Hubschrauber gehört die Rettungsflüge unternommen haben.
Bleibt noch die alte Regel "Go high, sleep low" zu ergänzen. d.h. möglichst tagsüber höher aufsteigen als nachts schlafen. Natürlich muß das topografisch möglich sein, im Khumbu sicher nicht immer drin. Aber wenn man einen Akklimatistionstag in Namche macht, warum nicht einen Tagesausflug nach Kumjung, Gompa und Hillary Hospital besuchen, Höhenmedizinische Tipps aus erster Hand!
Und bei ernsten Anzeichen absteigen, das heißt nicht, dass man nicht nach besserem Befinden wieder hoch kann! In solchen Fällen hilft oft der Jo-Jo Effekt, runter, rauf, runter, rauf ! Ein Freund von mir hat das zwischen Namche und Kumjung exerziert, wir haben in Kumjung gewartet, einige Tage später als geplant waren wir gemeinsam auf dem Gokyo Ri !
In diesem Sinne
Safe Trekking
Ich kann dem nur absolut zustimmen. Es ist manchmal so schade, wie Leute aus Unbekümmertheit ihren Uralub und manchmal auch ihre Gesundheit versauen. Ein zwei Tage mehr Zeit eingeplant und man kommt frisch und fröhlich an.
Meine skurilste Begegnung in Bezug zu Höhenkrankheit war sicherlich ein Nepalese mit Symtomen eines Lungenödems in Gorakshep. Ich bin auf ihn aufmerksam geworden weil die Träger vor der Lodge lachend auf die wankende Gestalt zeigten. Ich bin hin gegangen und habe so schnell wie möglich meine Notfallmedikamente geholt und ihm einen vollen Margaritta-Coktail :confused:gegeben.
Damit ging ich davon aus, dass er es bis Lobuche schaffen würde und dann nach dem steilen Abstieg vo 600m nach Dughla bis nach Pheriche kommen würde ohne dass er noch Hilfe brauchen würde. Er hatte ja auch einen persönlichen Sherpa dabei.
Beim Rückweg habe ich dann im Gesundheitsposten in Pheriche nachgefragt, dort war er in belibender Erinnerung geblieben.
Mein "Patient " ist nähmlich erst am nächsten Tag meiner Begegnung mit ihm auf einem Pferd gebracht worden und hatte nur noch 50% Sauerstoffsätigung im Blut. Anscheindend war es ihm in Lobuche wieder so gut gegangen, dass er nicht mehr weiter gehen wollte aber in der Nacht wurde er dann wieder voll höhenkrank mit einem ausgeprägten Lungen- und Gehirnödem.
Nach Sauerstoffgabe und Gamowsack war er dann wieder fit und muss arrogant die ganze Manschaft rumgescheucht habe, da er ja ein so wichtiger und hoher Beamter sei. Es war der nepalesische Liason-officer vom EBC!:-/:down:
Wer nicht genau weis was der Margaritta Coktail ist der gucke mal auf http://www.nepal-dia.de/nepal_reisetips_informationen/Gesundheit_in_Nepal/gesundheit_in_nepal.html#Hoehenkrankheit
da steht auch noch mehr zur Höhenkrankhiet.
Euch allen wünsch ich viele enstpannte Trekkingtage mit genug Zeit und keiner Höhenkrankheit.
Andrées
Radiokopf
26.03.2006, 15:14
@ Nilsen:
Wenn ihr 11 Tage zum ebc benötigt habt, wieviel Zeit habt ihr für den Rückweg nach Lukhla benötigt?
Nilsemann
26.03.2006, 15:26
@ Nilsen:
Wenn ihr 11 Tage zum ebc benötigt habt, wieviel Zeit habt ihr für den Rückweg nach Lukhla benötigt?
Wir haben sieben Tage für den Rückweg "benötigt". Ich behaupte aber mal, dass man den Weg von Gorak Shep bis Lukla auch in drei Tagen (die ganz harten unter uns vielleicht sogar in zwei extrem langen Tagen) ohne größere Probleme gehen kann. Wir haben uns allerdings die absolute Ruhe angetan. Am ersten Abstiegstag gings vom Basecamp zurück bis nach Lobuche, anschließend nach Dingboche, dann nach Tengboche, dann nach Namche, einen weiteren Restday in Namche eingelegt, dann nach Phakding und schließlich nach Lukla. Also ganz entspannt. Wieso sollte man durch eine solch schöne Landschaft unnötig hindurchsprinten? Dazu gibt es keinen Grund :)
hhhannes
26.03.2006, 15:40
@ Radiohead:
Wenn du an höhere Höhen akklimatisiert bist fühlst du dich wie ein junger Gott (ging mir auf jedenfall so:D ) bergab ist dann wenn man keine probleme mit den knien hat echt überhaupt nicht mehr anstrengend...Ich bin teilweise mit dicken Rucksack von Dukla nach Pangboche gejoggt nur um die schnaufenden, aufsteigenden Tourigruppen zu ärgern. Gute Etappen sind Gorak Shep, Pangboche (Upper Pangboche falls man auf dem Hinweg nicht da war) und Namche von da kommst an einem Tag zurück nach Lukla.
Natürlich hat Nilsen recht man sollte auch auf dem Rückweg die Landschaft geniessen, aber wahrscheinlich treibt ein dann doch der Gedanke an eine Dusche, Yaksteak und Bier schneller nach Namche.
Nilsemann
26.03.2006, 15:42
Natürlich hat Nilsen recht man sollte auch auf dem Rückweg die Landschaft geniessen, aber wahrscheinlich treibt ein dann doch der Gedanke an eine Dusche, Yaksteak und Bier schneller nach Namche.
Dusche, Yaksteak und Bier gibt's in fast jeder Lodge im Khumbu :D:D:D Aber stimmt schon, irgendwann will man einfach nur noch nach unten...
tremendopunto
26.03.2006, 16:14
Hallo zusammen,
ich bin einer der übermotivierten Neulinge in der Khumbu-Region.
Auch bin ich kein erfahrener Trekker. Und sportlich habe ich schon mal bessere Zeiten gesehen, denn bis zum geplanten Trek bin ich 6 Monate an den Schreibtisch gefesselt...
Höhentechnisch habe ich nur einen Tibetbesuch 2004 vorzuweisen (allerdings ohne Trekking aber auch ohne Höhenprobleme), die franz. Alpen mit ner Radetappe auf den Galibier (Übernachtung aber etwas tiefer)....ach, und ich habe letztens ein Foto aus den Rockys wiedergefunden, auf dem ich am Mt Sneffels neben einem "13.000 Fuß"-Schild stehe. Naja, lang ist`s her.
Also in einem Wort: Trekking-Laie,
allerdings erfahrener Backpacker und vor Nepal steht ein Monat durch Indien an und da wird gewöhnlich nicht an Fuß-Kilometern gespart, so dass ich bis Nepal wieder auf der Höhe sein werde.
Nun komme ich nach Nepal und wollte mir den Everest zumuten. Also "klotzen" statt "kleckern" :-)
Nach ein wenig Literaturrecherche, google und dieser Seite hier, glaube ich den Stein der Weisen gefunden zu haben:
Im Durchschnitt so 300Hm pro Tag, insgesamt 12 Tage für Lukla-KalaPattar/EBC-Lukla. (Jmd aus einer nepal. Trekkingagentur hatte mir auch schon 11 Tage als machbar genannt)
So sieht mein Plan aus:
Tag------------------------------------- Höhenunterschied-----durchschnitl. Hm
1. Lukla-Monjo ------------------------------(-35)---------------------(-35)
2. Monjo-Namche --------------------------- 635---------------------- 300
3. Namche Ruhetag ----------------------------0---------------------- 200
4. Namche-Tengboche ----------------------410---------------------- 253
5. Tengboche-Periche -----------------------420---------------------- 286
6. Periche-Thokla ----------------------------340---------------------- 295
7. Thokla-Lobuche ---------------------------320---------------------- 299
8. Lobuche-KalaPattar-GorakShep ---------230---------------------- 290
9. GorakS.-EBC-Lobuche
10. Lobuche-Namche
11. Namche-Lukla
12. Abflug Lukl
Dürfte doch keine Probleme geben, oder?
also mir persönlich wäre die Etappe Lobuche - Namche zu stramm!:down:
Wenn Du noch einen Tag mehr investieren kannst / willst mache statt dem Ruhetag in Namche eine ganz entspannte Etappe nach Thame (ca. 3800 m) vorher Blick zum Cho Oyu, ist der Heimatort Tenzing Norgay's, Gompa anschauen, und am nächsten Tag genauso entspannt zurück bis Kumjung, oberhalb Namche (ca.3.800) Hillary Hospital in Khunde gleich neben an
Falls Du wirklich Höhenprobleme haben solltest findest Du dort kompetenten Rat, man kann dort auch den Blutsauerstoffgehalt messen)
Ach so, vielleicht noch zum Everest View Hotel japsende Japaner gucken:D :D :D , (nein das war jetzt nicht nett) und auf der Terasse teueres Bier trinken?
Falls Du in Namche bleiben willst mach einen Tagesausflug nach Thame (go high sleep low)
Gruß
Nilsemann
27.03.2006, 07:55
Stimme Klaus absolut zu. Lobuche - Namche ist wohl für einen Tag etwas zu viel. Bleib doch lieber nochmal eine Nacht im schönen Tengboche...
tremendopunto
27.03.2006, 20:05
Vielen Dank für die Tips.:up:
Den Rückweg sollte ich wir wirklich etwas besser einteilen, Lobuche-Namche ist vielleicht wirklich etwas happig. Dachte bergab rollt es von alleine ;)
Der Ausflug am Ruhetag von Namche nach Thame ist auch interessant! Hängt wohl davon ab wie ich mich fühle/akklimatisiere.
Nochmals danke für die Ratschläge!
Christof
Nilsemann
27.03.2006, 20:42
Dachte bergab rollt es von alleine ;)
Christof
Ich empfehle Dir zu diesem Deinem (durchaus nachvollziehbaren) Statement dringend, mal ein bisschen Kartenmaterial der Khumburegion zu sichten. Da siehst Du, dass man auch auf dem Rückweg reichlich bregauf gehen muss und viele Höhenlinien kreuzt, die einen Anstieg bedeuten ;) Viel Spaß bei Deiner weiteren Planung.
Nils
tremendopunto
28.03.2006, 09:37
Hallo Nils,
den ;) habe ich ja auch nicht ohne Grund beigefügt.
"Trekking in the Everest Region" gibt ja sogar Zeitintervalle (bergauf) an - von "only a few stops" bis "admiring the scenery and spotting wildlife"....
Für den Rückweg von Lobuche wird auch Tengboche vorgeschlagen. Der Weg bis Namche wäre doch recht lang. Deckt sich soweit alles mit den tips hier - klasse!
Christof
hhhannes
28.03.2006, 11:26
Christof: "Deckt sich soweit alles mit den tips hier - klasse!"
Hier sind ja auch die Experten am Start :D :D :cool:
kleinshorty
28.03.2006, 12:25
Hallo,
wollte nur auch kurz meinen Senf dazugeben: Es ist wirklich furchtbar wichtig sich beim Aufstieg Zeit zu lassen und ruhig mal an einem Ort (z.B. Namche und Dingboche oder Periche) zwei Naechte verbringen! Habe leider selbst eine Horror-Nacht (extrem starke Atemprobleme und staendige Erstickungsangst) erleben muessen! Nachdem ich dann zwei Diamox eingeworfen habe und staendig Wasser getrunken habe (da die Diamox den Koerper das Wasser entziehen um einem Oedem vorzubeugen) und ungefaehr 7 - 8 mal das Oertchen aufgesucht habe war dann die Nacht auch "schon" vorbei (hahaha!) - nein im Ernst - ich glaube, das war die laengste und schlimmste Nacht in meinem Leben!
Also besser gar nicht erst so weit kommen lassen und alles immer ganz langsam angehen!
Gruesse aus Kathmandu
Alex
tremendopunto
28.03.2006, 13:09
an Hannes:
keine Frage :D
an Alex:
Wie sah denn Dein Zeitplan aus? Nach welchem Höhensprung hattest Du diese Horror-Nacht?
kleinshorty
29.03.2006, 15:14
an tremendopunto: das war ja das komische an der Sache: ich war eigentlich schon ganz gut akklimatisiert (dachte ich zumindest - das wurde uebrigens auch von der Himalayan Rescue Association in Pheriche bestaetigt), da ich zuvor schon ueber eine Woche im Gokyo-Tal (einschl. Gokyo Ri) unterwegs war! Allerdings habe ich mir auf dem Rueckweg nach Phortse dann eine Lungenentzuendung geholt - ich denke, dass die Hoehenkrankheit in meinem speziellen Fall eher auf die Lungenentzuendung als auf schlechte Akklimatisation zurueckzufuehren war - aber das Ergebnis blieb wahrscheinlich das Gleiche!
Volle Zustimmung von mir für alles bisher gesagte, und für Leute die mit Agenturen in Gruppen unterwegs sind, möchte ich auch das mal los werden. Dort wirkt die Gruppendynamik und die hat meistens verheerende Wirkung. Man achtet zwar auf Symtome der AMS aber wenn dann die anderen auch von Kopfschmerzen reden glaubt man, es wird schon nicht sooo schlimm sein und verdrängt die Anzeichen. Mir ging es meistens am Morgen wieder gut und ich schloss mich der Gruppe wieder an (man will ja nicht Schwäche zeigen :down: !!!). Auf dem Everesttrek hatten wir einen Ruhetag in Namche mit Aufstieg nach Kumjung und zum Everest View-Hotel gemacht und wieder unten in Namche geschlafen. Abends klagten einige über Kopfschmerzen. In Dingboche war´s vorbei. Rettungsflug wegen akuter AMS mit Verdacht auf Hirnödem!! Das wars dann mit Urlaub!
Übrigens waren wir auch schon auf der Annapurnarunde, auch mit Gruppe aber ohne Probleme. Kein Tag und kein Trek ist wie der andere.
Also hört auf eure innere Stimme und seid kritisch :up: !
madiki
wishbone
30.03.2006, 09:24
Hallo,
ich greife mal das Posting von kleinshorty auf:
Ich wundere mich ein wenig, daß die Variante über das Gokyo-Tal (sowie den Cho La) beim Thema Akklimatisierung auf dem EBC-Trek so wenig Erwähnung findet. Meines Erachtens wird sich bei diese Variante die Höhe sehr viel schonender "erarbeitet" und die gesamte Tour dauert auch nicht viel länger, wir sind sie 2004 bequem in 14 Tagen gelaufen. Bei der Gokyo-Tour ist nach meiner Erinnerung (bin gerade zu faul, im Netz nachzusuchen) der größte Höhensprung ab Namche der Tag von Namche auf den Mong La, alle anderen Tagesetappen sind "nur" 300-400m im Ggs. zum Khumbutal, das doch nach Pheriche (oder war´s später?), einen Riesensprung hat, weswegen die meisten dort noch einen Akkli-Tag einlegen (Habs nicht mehr im Kopf, weil ich dort bergab gegangen bin).
Durch das vergleichsweise langsame Ansteigen im Gokyotal und die 2 oder 3 Übernachtungen in Gokyo erreicht man das obere Khumbutal nach dem Cho La dann sehr gut akklimatisiert.
Mir persönlich hat das Gokyotal auch landschaftlich besser gefallen als das Khumbutal und es war angenehmer zu gehen, weil es doch recht gemächlich bergauf geht. Wir waren froh, daß wir z.B. dieses ewig lange Steilstück (das bei den Chörten des Bergsteiger/Porter-Friedhofs endet) im Khumbutal nur bergab laufen mußten. Außerdem ist das Gokyotal schön ruhig, die endlosen Yakkarawanen sieht man dort höchst selten.
Aber das nur am Rande...ansonsten stimme ich Nilsens Aufruf voll zu, was dieses Thema angeht, erlebt man im Laufe der "Trekkerkarriere" immer wieder viel Unvernunft.
Christian
Uwefreetibet
30.03.2006, 09:36
Hallo,
soweit ich das jetzt alles richtig gelesen habe beziehen sich die ganzen Antowrten hier auf die Khumbu/Everest Region und dort passieren auch die meisten Unglücksfälle, den Erfahrungen nach...
Trifft das in der Form auch auf die Annapurna Runde zu oder ist es da mit der Akklimatisierung einfacher, weil die Anstiege dementprechend geringer ausfallen?
...wenn sie überhaupt geringer ausfallen...:D
Gruß
Uwe
Hallo,
wenn man die Annapurna-Runde von Besisahar, also über Manang und dann zum Thorung La geht, beginnt man unter 1.000 Meter und geht zirka 10 Tage mit Ruhetag bis zum Pass. Die Anpassung ist optimal. Man kann aber auch nach Jomosom fliegen und braucht bis zum Pass bedeutend weniger Etappen. Hier ist die Gefahr natürlich gleich wie zum Everesttrek da man bei zirka 2.700m startet. Von uns entgegenkommenden Trekkern auf der Annapurnarunde, wurden ähnliche "Ausfälle" wie im Everest-Nationalpark berichtet. Es kommt wirklich auf jeden selbst an, ob er sich gut akklimatisiert.
madiki
wishbone
30.03.2006, 10:07
Hi,
auf der Annapurnarunde habe ich seinerzeit ebenfalls Leute erlebt, die massive Höhenprobleme hatten, gut im Gedächtnis geblieben ist mir ein superfitter australischer Bergsteiger, der wegen heftiger Probleme nicht bis Thorung Phedi gekommen ist und von Manang aus zurückgeflogen ist. Das war auf meinem ersten großen Trek die anschauliche Demonstration, daß die Fähigkeit zur Höhenanpassung überhaupt nichts mit dem Fitnessgrad zu tun hat.
Auf der Annapurnarunde hatte ich auch das bislang einzige Mal in meinem Leben richtige Höhenkopfschmerzen, als wir irgendwo vor Manang eine Etappe übersprungen haben, weil die eigentliche Etappe schon nach 3 Stunden erreicht war. Das waren dann ca. 600m an einem Tag und damit eindeutig zuviel.
Das war die andere wichtige Lektion auf diesem Trek: Die in den Büchern angegebenen Tagesetappen machen Sinn, auch unterhalb von 4000m. :-)
Christian
Uwefreetibet
30.03.2006, 11:31
wir fangen in Besisahar an und machen die ganze Runde über den Thorung La Pass bis nach Pokhara.
Folgender Vorschlag kam von unserem Guide:
1. Tag Pokhara-Besisahar-Bulbhule
2.Tag Bulbhule - Syange
3.Tag Syange - Tal
4.Tag Tal - Danagyu
5.Tag Danagyu - Chame
6.Tag Chame - Pisang
7.Tag Pisang - Manang
8.Tag Manang Akklimatisierungstag
9.Tag Manang - Yak Kharka
10.Tag Yak Kharka - Phedi
11.Tag Phedi - Muktinath
12.Tag Muktinath - Kagbeni
13.Tag Kagbeni - Marpha
14.Tag Marpha - Ghasa
15.Tag Ghasa - Tatopani
16.Tag Tatopani - Ghorepani
17.Tag Ghorepani - Tikhedhunga
18.Tag Tikhedhunga - Pokhara
Wäre die Einteilung von der Akklimatisation her o.k.?
Gruß
Uwe
Hallo, bis zum Pass ist es (fast) exakt unsere Etappeneinteilung. Wir sind damit gut zurecht gekommen. Wenn du mal auf meine Webseite unter http://www.madiki.de/trekking/annapurna/annapurna.html schaust, dort habe ich mein Protkoll von der kompletten Annapurnarunde hinterlegt.
Die Akklimatisierung war wirklich optimal.
Gruß madiki
Uwefreetibet
30.03.2006, 13:31
danke, madiki das hast Du ja supergenau protokolliert :D damals
...dann bin ich ja froh das es mit diesem Routenverlauf und der Akklimatisierung hinhauen könnte...:-)
Gruß
Uwe
wir fangen in Besisahar an und machen die ganze Runde über den Thorung La Pass bis nach Pokhara.
Folgender Vorschlag kam von unserem Guide:
1. Tag Pokhara-Besisahar-Bulbhule
2.Tag Bulbhule - Syange
3.Tag Syange - Tal
4.Tag Tal - Danagyu
5.Tag Danagyu - Chame
6.Tag Chame - Pisang
7.Tag Pisang - Manang
8.Tag Manang Akklimatisierungstag
9.Tag Manang - Yak Kharka
10.Tag Yak Kharka - Phedi
11.Tag Phedi - Muktinath
12.Tag Muktinath - Kagbeni
13.Tag Kagbeni - Marpha
14.Tag Marpha - Ghasa
15.Tag Ghasa - Tatopani
16.Tag Tatopani - Ghorepani
17.Tag Ghorepani - Tikhedhunga
18.Tag Tikhedhunga - Pokhara
Wäre die Einteilung von der Akklimatisation her o.k.?
Gruß
Uwe
===
Hallo Uwe,
die Etappen sind schon ok.
NUR:
Ich würde Dir evtl. empfehlen von Tatopani zum Ghorepani evtl. in
Sikha für eine Übernachtung zu unterbrechen, je nach Kondition.
Du steigst recht steil von 1700m auf knapp 3000 und der Weg zieht
sich ganz schön in die Länge.
Im übrigen kannst Du in ca 8 Stunden vom Ghorepani-Pass hinab
nach Biritanti wandern.
Die Strecke von Muktinath nach Biritanti laufe ich etwas so
1. Tag : Muktinath-Kagbeni-Jomson
2.Tag : Jomson-Kalopani
3.Tag : Kalopani-Tatopani
4.Tag : Tatopani-Ghorepani
5. Tag : Ghorepani-Biritanti
Der Weg hinab von Jomson nach Tatopani ist nicht so steil und angenehm zu gehen.
Gruß
Jens
@ tremendopunto:
ein freund und ich sind vor knapp einem jahr im khumbu trekken gewesen.
für uns beide die erste größere trekkingtour, daher hatten wir schon ziemlich respekt vor der höhe. deine etappeneinteilung find ich ok, würde aber an Deiner Stelle mir eher 14-16 Tage Zeit lassen.
Wir haben uns relativ viel Zeit gelassen und haben noch Ruhetage in Tengpoche (umwerfender Sonnenaufgang, zum ersten Mal den Everest gesehen, Klosterbesichtigung) und Dingboche (Chukung, Lhotse beeindruckend) eingelegt und es nicht bereut. Kopfweh hatten wir nie und konnten somit jeden Tag genießen und gut schlafen....Den Rückweg kann man gut in 3 Etappen gehen (bei uns Lobuche - Pangboche - Monjo - Lukla), allerdings sind auch auf dem Rückweg einige Höhenmeter drin, besonders der Weg zwischen Tengpoche und Namche, sah auf der Karte viel näher aus...). Auf jeden Fall nicht zu viel einpacken, auf dem Rücken merkt man jedes Gramm....
Viel Spaß bei der Planung
Flo
danke, madiki das hast Du ja supergenau protokolliert :D damals
...dann bin ich ja froh das es mit diesem Routenverlauf und der Akklimatisierung hinhauen könnte...:-)
Gruß
Uwe
Denke schon, dass es hinhaut. In Tatopani macht Pause und geniesst die heissen Quellen ca 50 Grad ;).
Gruß madiki
tremendopunto
30.03.2006, 14:40
An Flori:
Danke für Deinen tip. Ein oder zwei weitere Ruhetage sind wohl nie falsch - sollte ich vielleicht einplanen.
Gewicht, ja da versuche ich an jedem überflüssigen Gramm zu sparen:)
Zu welcher Jahreszeit warst Du dort unterwegs?
Gruß,
Christof
wir waren Mitte März da. Auf dem Hinweg war noch relativ wenig los, auf dem Rückweg sind uns dann ganze Trekker-Karawanen begegnet.... Insgesamt eine sehr schöne Tour, wir hatte auch Glück mit dem Wetter. Wann fährst Du?
Unterwegs hat man dann immer welche getroffen, die an Höhenkrankheit litten.
Wir hatten übrigens sehr großzügig geplant (wegen Angst vor Höhe und anderen Krankheiten) und waren schon 2 Tage vorher in Lukla, konnten ohne Probleme schon vorher zurückfliegen. Also lieber 1-2 Tage zu viel, als zu wenig...
Frohes Planen!
Flo
PS: Beim Packen setzt jeder andere Priortäten, aber im nachhinein verzichten würd ich auf die isomatte (hatten immer bequeme betten), optimal fand ich meine hüttenfleeceschuhe, um abends um den ofen zu sitzen
mir brummt heute der Schädel.
Wünschte, es wäre leichte AMS :D
isses leider nicht :(
phacops
wishbone
30.03.2006, 17:21
Der Teufel Alkohol? :confused:
welcher Teufel???
nanana -sowas würd ich nur in der Lodge berichten :D
phacops
tremendopunto
30.03.2006, 21:40
an Flori:
werde im Juli dort unterwegs sein - denke mal das wird eine "feucht-fröhliche" Angelegenheit :D - dafür aber nicht überlaufen.
Zeittechnisch kann ich immer ein, zwei Tage dranhängen, wenns sein muß. Allerdings fehlen die mir dann in Tibet oder China....
Gruß,
Christof
Uwefreetibet
31.03.2006, 05:48
===
Hallo Uwe,
die Etappen sind schon ok.
NUR:
Ich würde Dir evtl. empfehlen von Tatopani zum Ghorepani evtl. in
Sikha für eine Übernachtung zu unterbrechen, je nach Kondition.
Du steigst recht steil von 1700m auf knapp 3000 und der Weg zieht
sich ganz schön in die Länge.
Im übrigen kannst Du in ca 8 Stunden vom Ghorepani-Pass hinab
nach Biritanti wandern.
Die Strecke von Muktinath nach Biritanti laufe ich etwas so
1. Tag : Muktinath-Kagbeni-Jomson
2.Tag : Jomson-Kalopani
3.Tag : Kalopani-Tatopani
4.Tag : Tatopani-Ghorepani
5. Tag : Ghorepani-Biritanti
Der Weg hinab von Jomson nach Tatopani ist nicht so steil und angenehm zu gehen.
Gruß
Jens
Hallo Jens,
das hab`ich noch gar nicht gesehen, hatte immer nur den Thorung La Pass im Auge und dachte , dass es danach bloß noch abwärts geht...:D
Wir werden die Übernachtung in Sikha mal im Hinterkopf behalten. 1300-1500 Höhenmeter an einem Stück hört sich schon knackig an...:D
Viele Grüsse
Uwe
wir fangen in Besisahar an und machen die ganze Runde über den Thorung La Pass bis nach Pokhara.
Folgender Vorschlag kam von unserem Guide:
1. Tag Pokhara-Besisahar-Bulbhule
2.Tag Bulbhule - Syange
3.Tag Syange - Tal
4.Tag Tal - Danagyu
5.Tag Danagyu - Chame
6.Tag Chame - Pisang
7.Tag Pisang - Manang
8.Tag Manang Akklimatisierungstag
9.Tag Manang - Yak Kharka
10.Tag Yak Kharka - Phedi
11.Tag Phedi - Muktinath
12.Tag Muktinath - Kagbeni
13.Tag Kagbeni - Marpha
14.Tag Marpha - Ghasa
15.Tag Ghasa - Tatopani
16.Tag Tatopani - Ghorepani
17.Tag Ghorepani - Tikhedhunga
18.Tag Tikhedhunga - Pokhara
Wäre die Einteilung von der Akklimatisation her o.k.?
Gruß
Uwe
Hallo, Uwe,
wie eh auch die anderen hier halte ich Deine Einteilung für sehr vernünftig, und ich bin aus Berufsraison sozusagen im Punkt AMS übervorsichtig. Auf dem Rückweg würde ich allerdings (und habe es auch schon mehrmals) vorziehen, in Sikha zu schlafen. "Nachteil": Man versäumt den Sonnenaufgang am Mugl südlich des Ghorepanipasses, allerdings ist der meiner bescheidenen Meinung nach eher ein Almauftrieb. Den Dhaulagiri sieht man besser von Sihkha. Die Annapurnas und den Machhapuchare sieht man allerdings vom Poon Hill (so nennt sich der Mugl) überhaupt erst wirklich. Also Geschmackssache. :)
Liebe Grüße,
Soshin
Uwefreetibet
03.04.2006, 07:50
Hallo Soshin,
die Übernachtung in Sikha beziehen wir in unsere Überlegungen mit ein, werden es jedoch kurzfristig entscheiden.
Gruß
Uwe
Hallo Jens,
das hab`ich noch gar nicht gesehen, hatte immer nur den Thorung La Pass im Auge und dachte , dass es danach bloß noch abwärts geht...:D
Viele Grüsse
Uwe
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Solltest Du keine Lust haben über den Ghorepani-Pass zu laufen ( allerdingst würdest
Du einiges verpassen ) kannst Du relativ eben von Tatopani Richtung Beni laufen.
Ca. 1,5 Gehstunden von Beni entfernt warten Jeeps auf Dich.
Diese Variante hab ich im Januar 05 gewählt, da es Hund und Katze regnete und am
Pass sehr viel Schnee lag.
Die Wanderung war nicht sonderlich spektakulär,aber ohne besondere Mühen zu laufen.
Gruß
Jens
Ach ja Shika,
da habe ich 98 das beste Cheese Omlette das ich jemals in Nepal hatte gegessen.:-)
leider gabs 2004 die Lodge nicht mehr,:-/ sodass ich Dir da jetzt auch keinen Tipp geben kann:o
Gruß
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