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Vollständige Version anzeigen : Ausrüstung für Südamerika


erde05
03.03.2006, 22:32
Hallo,

plane eine längere Südamerikareise(Chile, Peru). Werde einerseits Trekkingtouren machen, aber auch etwas höher hinaus, ein 6000er sollte schon drin sein.
Bin meine Packliste am zusammenstellen und hätte da ein paar Fragen:

1) Welchen Komfortbereich sollte denn der Schlafsack haben, sind da -20°C sinnvoll oder ist das nicht notwendig?

2) Was ist denn eine sinnvolle Hose? Einerseits sollte sie wohl wasserdicht sein, also Gore, aber ist es sinnvoller eine Goreüberhose zu nehmen und darunter eine Berghose (zB sowas wie die Champ Pant von Mammut) oder nur eine richtige wasserdichte Hose? Ist es notwendig in den höheren Regionen, zB Aconcagua, noch eine Fleecehose darunter zu ziehen?

3) Welche Handschuhe würdet ihr empfehlen? Fäustlinge?

4) Braucht man unbedingt Schalenschuhe oder reichen auch Bergschuhe mit dicken Socken?

5) Ist es sinnvoll eine GPS-Uhr zu haben oder nützt die einem dort eh nix?

Gruß Eric

dappi
06.03.2006, 19:47
5) Ist es sinnvoll eine GPS-Uhr zu haben oder nützt die einem dort eh nix?


hi eric,
das GPS funktioniert weltweit, freie Sicht auf den Himmel bzw. auf mindestens 3 der 24 Satelliten vorausgesetzt (in tief eingeschnittenen Tälern ist der Empfang manchmal problematisch). Ob es sinnvoll ist, ist eine andere Frage. wenn die Gefahr besteht, dass du dich in menschenleerer Wildnis verläufst, dann definitiv ja. ;)

grüße,
dappi

Moritz
08.03.2006, 01:45
Hallo Eric,


1) Welchen Komfortbereich sollte denn der Schlafsack haben, sind da -20°C sinnvoll oder ist das nicht notwendig?

Kommt sehr drauf an:

- auf den Berg, denn zwischen z.B. Toclaraju und Aconcagua liegen ja schon ein paar Meter bzw. Grad C,
- ob Du bereit bist, mit Klamotten (Daunenjacke) zu schlafen,
- ob Du einen VBL benutzt,
- auf Deine generelle Kälteempfindlichkeit und den Trainingszustand.
Ich kann aus Erfahrung nur für die Cord. Blanca sprechen und würde dafür keinen kälteren Schlafsack als -15/-20 realistische Komforttemperatur nehmen. Zu bedenken ist, dass die Höhe sich bemerkbar macht (reduzierter Stoffwechel) und man auch in schlechter Verfassung sein kann (Durchfall, lange Tour, mehrere Tage im Hochlager, Dehydrierung).


2) Was ist denn eine sinnvolle Hose? Einerseits sollte sie wohl wasserdicht sein, also Gore, aber ist es sinnvoller eine Goreüberhose zu nehmen und darunter eine Berghose (zB sowas wie die Champ Pant von Mammut) oder nur eine richtige wasserdichte Hose? Ist es notwendig in den höheren Regionen, zB Aconcagua, noch eine Fleecehose darunter zu ziehen?

Ernst gemeint - oder bist Du ein Troll??? Bist Du Dir über die möglichen Temperaturen im klaren? Am Aconcagua sind -30 am Gipfeltag drin. Die Frage ist wohl eher, ob eine Fleecehose reicht...


3) Welche Handschuhe würdet ihr empfehlen? Fäustlinge?

Sehr warme Fingerhandschuhe oder Fäustlinge, modulares System empfehlenswert.


4) Braucht man unbedingt Schalenschuhe oder reichen auch Bergschuhe mit dicken Socken?

Ich würde zu Schalenschuhe raten, obwohl ich in Peru auch Leute mit Lederstiefeln gesehen habe.
- Der Hauptvorteil ist, dass man die Innenschuhe in den Schlafsack nehmen kann - sonst sind die Stiefel halt morgens gefroren.
- Ansonsten kommt es auf den Lederstiefel an: Es gibt es ja solche wie den Nepal Extreme oder neue Hybridmodelle wie den La Sportiva Spantik oder Salomon Pro Thermic, die mit klassischen Lederstiefeln nicht zu vergleichen sind.
- In normale Bergstiefel passen meist keine dickeren Socken rein, als man üblicherweise trägt.
- VBLs scheinen mir trotzdem etwas übertrieben.


5) Ist es sinnvoll eine GPS-Uhr zu haben oder nützt die einem dort eh nix?

Gibt's GPS schon als Uhr? Zumindest fürs Bergsteigen ist ein Höhenmesser wohl wichtiger.

Viel Erfolg,
Moritz

erde05
15.03.2006, 08:27
Also mein Schlafsack(Daune) hat einen nun einen Komfortbereich bis -25, das sollte reichen.



Ernst gemeint - oder bist Du ein Troll??? Bist Du Dir über die möglichen Temperaturen im klaren? Am Aconcagua sind -30 am Gipfeltag drin. Die Frage ist wohl eher, ob eine Fleecehose reicht...


Also beim Skifahren (-20°C und 80km/h Fahrtwind) bin ich mit meiner guten Skihose und einer dünnen Odlounterhose noch nicht erfroren. Von daher kann ich nicht so ganz nachvollziehen, warum eine Gorehose (z.B. Nuptse von Mammut) mit Thermounterwäsche und Fleecehose nicht ausreicht? Die Frage war eher, ob die Gorehose sinnvoller als Überhose ist, oder als normale Hose?

Genauso verstehe ich auch nicht ganz, warum man angeblich unbedingt eine Daunenjacke braucht. Mit Thermounterwäsche + dünnem Fleece + dickes, sehr warmes Fleece und einer alpinen Jacke (zB Lhotse von Mammut) sollte es doch auch gehen. Oder liege ich da total verkehrt?




Gibt's GPS schon als Uhr? Zumindest fürs Bergsteigen ist ein Höhenmesser wohl wichtiger.



GPS gibts schon als Uhr, in zig Varianten. Dass die Uhr auch nen Höhenmesser und Kompass hat, versteht sich von selbst (hatten auch alle GPS-Uhren, die ich mir angeschaut habe).

Gruß Eric

Flachlandtiroler
15.03.2006, 10:00
Genauso verstehe ich auch nicht ganz, warum man angeblich unbedingt eine Daunenjacke braucht. Mit Thermounterwäsche + dünnem Fleece + dickes, sehr warmes Fleece und einer alpinen Jacke (zB Lhotse von Mammut) sollte es doch auch gehen. Oder liege ich da total verkehrt? IMHO ja, obwohl ich kaum Erfahrung mit derart niedrigen Temperaturen habe.
Das Mißverständnis kommt meist dadurch zustande, daß man sich bei 20 Grad minus noch gut in Fleeceklamotten bewegen kann ohne zu frieren. Sitzt man einmal in seinem Zelt oder muß gar mal nach draußen :D ist für meine Begriffe eine Daunenjacke schon was Feines. Braucht ja kein Edelteil für paar hundert Euro zu sein.
Dass die Uhr auch nen Höhenmesser und Kompass hat, versteht sich von selbst (hatten auch alle GPS-Uhren, die ich mir angeschaut habe). Vorsicht, die Kompaßfunktion an einer Multifunktionsuhr ist wohl in der Praxis ziemlich nutzlos (zumindest am Handgelenk). Abgesehen davon sollten man sich bei vitalen Funktionen (Orientierung) nicht ausschließlich auf batteriebetriebene Elektronikgadgets verlassen.

Und 80 km/h auf Skiern... Respekt! :x

Gruß, Martin

bin dani100
18.03.2006, 22:09
Hallo,

eine Anmerkung von mir:
Wenn du echt auf nen 6000er rauf willst, dann solltest du schon nen Schlafsack bis -20 Grad Komfort haben. Nicht dass du sonst nicht überleben würdest, aber sicherer ists allemal, da auf 5000m Höhe (ca. Schlafhöhe bei nem 6000er) gut und gerne mal -25 Grad möglich sind. Im Zelt ist dan dann kein Zuckerschlecken.

Viele Grüße und viel Spaß da drüben.

Dani

Peer
19.03.2006, 23:37
Hallo,

wir waren jetzt gerade in Suedamerika unterwegs und haben dabei einige Berge bestiegen, unter anderem den Ojos del Salado. Zur Ausruestung kann ich dir folgende Tips geben:



1) Welchen Komfortbereich sollte denn der Schlafsack haben, sind da -20°C sinnvoll oder ist das nicht notwendig?



Auf jeden Daunenschlafsack mit -20 Grad Celsius. Wir hatten als kaelteste Temperatur IM Zelt -15 Grad und dann unsere Schlafsaecke gekoppelt.
Eine dicke Isomatte wie z.B. die Downmat von exped bringt zusaetzliche Waerme von unten und ist mit ihren 7cm Dicke bei den Geroellfeldern, auf denen man schlaeft, nicht zu verachten. Ausserdem packt sie kleiner und ist leichter als von Thermarest.

2) Was ist denn eine sinnvolle Hose? Einerseits sollte sie wohl wasserdicht sein, also Gore, aber ist es sinnvoller eine Goreüberhose zu nehmen und darunter eine Berghose (zB sowas wie die Champ Pant von Mammut) oder nur eine richtige wasserdichte Hose? Ist es notwendig in den höheren Regionen, zB Aconcagua, noch eine Fleecehose darunter zu ziehen?


Die Temperaturen in diesen Hoehen sind tagsueber (wetterabhaengig) waermer als in unseren Breiten. Ich bin tagsueber mit einer Mammut Champ Hose gut unterwegs gewesen. War manchmal sogar etwas warm. Unbedingt brauchst du eine Goretexueberhose wenn es windig wird und fuer die naechtlichen Aufstiege am Gipfeltag. Wenn du nicht kaelteempfindlich bist, reicht fuer den Gipfeltag eine Goretexueberhose und eine gute Wollunterhose und dicke Socken. Haengt allerdings total vom Wetter ab!!! Da man eigentlich die ganze Zeit geht, bleiben die Beine eher warm. Fuer abends im Zelt und bei Schlechtwetter ist eine Fleecehose oder Wollhose nicht zu verachten, vor allem hat man dann was als Reserve wenns beim Schlafen kalt wird.
Unbedingt brauchst du ne Daunenjacke! Die ist das einzige, was dich in der Hoehe richtig warm haelt, ohne dass du irrsinnig viele Schichten anziehen musst. Fleece und Goretex waermen laengst nicht so gut, eine Daunenweste ist ein etwas schlechter Kompromiss. Nach dem ersten Abend ueber 4000 wenn die Sonne weggeht wirst du die Daunenjacke nicht mehr hergeben ;) . Vor allem wenn man nachts rausmuss, was oefters passiert.

4) Braucht man unbedingt Schalenschuhe oder reichen auch Bergschuhe mit dicken Socken?


Diese Antwort ist auch wieder wetterabhaengig. Fuer den Aconcagua wuerde ich auf jeden Fall Schalenschuhe mitnehmen, da dieser Berg sehr windig und kalt ist und du z.T. auch durch Schnee gehst. Ohne Schalenschuhe wird es nachts verdammt kalt. Immer dran denken: Am Gipfeltag gehst du fuer mindestens 5 bis 6 Stunden extrem langsam wegen der Hoehe in der Dunkelheit (Keine Sonne) und die Temperaturen liegen sicher unter -10 Grad ohne Wind. Ich hatte am Ojos Schalenschuhe dabei, bin aber am Gipfeltag mit meinen festen Lederschuhen, dicken Socken und feetwarmern los, da kein Wind wehte und es relativ warm war (-9 Grad). Es war fuer die Zehen grenzwertig und ich war echt froh, als die Sonne kam.

3) Welche Handschuhe würdet ihr empfehlen? Fäustlinge?


Faeustlinge als Schichtsystem (z. B. von Ortovox) und Fingerhandschuhe (Windstopper) fuer Zeltaufbau etc.

In der Hoehe und bei der duennen Luft spuerst du die Kaelte viel mehr als bei uns. Naesse ist eigentlich kaum ein Problem (kommt eh als Schnee), der Wind kann dir die Tage aber ganz schoen verleiden.
Falls du im Verlauf der weiteren Reise auch anch Patagonien gehst, nimm auf jeden Fall gute Regensachen mit.

Ein GPS ist fuer solche Touren immer ein schoener Begleiter, allerdings wuerde ich mir ein extra Geraet hoelen, da die Uhren nicht wirklich zu gebrauchen sind. Zwei grosse Vorteile sprechen fuer ein GPS:
Man hat immer eine genaue Hoehenangabe UNABHAENGIG vom Wetter und genauer als jeder barometrische Hoehenmesser.
Wenn man umdrehen muss und es noch dunkel ist bzw. das Wetter schlecht ist, findet man immer seinen Weg.
Zudem ist es einfach eine schoene Spielerei :D . Ich hatte das Garmin etrex Legend color dabei. Lief immer ohne Probleme und haelt mit zwei Akkus ueber dreissig Stunden durch.

So, ich glaube das reicht jetzt mal. Noch ein Tipp. Wenn du laenger unterwegs bist und viel in die Berge gehst, nimm dir Wollsachen zum Anziehen mit (z.B. Ortovox). Erstens waermen sie gut und zweitens kannst du sie ohne zu stinken mindestens eine Woche lang durchgehend anhaben.

Viel Spass in Suedamerika

Stephan