Masterlu
01.03.2006, 11:44
Nachdem ich mich zuhause intensiv mit dem West Highland Way auseinandergesetzt hatte, sollte es endlich losgehen! Ich konnte kaum erwarten, der tristen Stadt in die Natur Schottlands zu entfliehen.
Ich flog also mit Ryanair von Frankfurt Hahn nach Glasgow Prestwick. Von dort kann man im Prinzip direkt zum Startpunkt des West Highland Ways, Milngavie, durchfahren, weil die Verbindungen sehr gut sind.
Leider kam ich erst gegen 23:30 in Milngavie an und traf, entgegen meiner Hoffnung, am Bahnhof keine weiteren Backpacker. Ich setzte mich also erstmal auf die Parkbank. Auf einmal wurde ich jedoch von einem Schotten angesprochen, er fragte mich, ob ich einen Platz für mein Zelt suchen würde, was zur Folge hatte, dass ich letztendlich mein Zelt bei ihm im Garten aufschlug.
Am nächsten Morgen startete ich relativ früh und konnte es auch kaum erwarten, endlich auf dem WHW unterwegs zu sein. Das Wetter war ganz gut, ein paar Wolken, aber kein Regen. Die erste Etappe gestaltete sich als relativ einfach. Es ging ohne größere 815Höhenunterschiede überwinden zu müssen auf gut ausgebauten Wegen durch die Lowlands. Die Landschaft ist zwar schön, aber noch nicht soo spektakulär. Ich fand es allerdings gut, dass ich die Etappe gelaufen bin, da es ein wenig Übung war und außerdem auch ganz interessant war zu sehen, wie es in den Lowlands aussieht. Nach ca. 4 Stunden kam ich dann an der Easter Drumquhassle Farm etwa 1 km vor Drymen an, wo ich erstmal mein Zelt aufschlug. Dann bin ich noch nach Drymen gelaufen, um mich mit den wichtigsten Utensilien einzudecken. Dort kann man nochmal richtig einkaufen, bevor es richtig losgeht, es gibt sogar einen Outdoorshop, in welchem man sich mit Gaskartuschen, Moskitonetzen und Midge-Mitteln versorgen kann, wobei die vielen Verschiedenen Mittel zur Abwehr der kleinen Biester mir schon etwas Angst gemacht haben...
Darauffolgenden Morgen startete ich etwas später, auf schottischen Farmen kann man nämlich wirklich gut übernachten! Die geplante Etappe war schon etwas 810 schwerer, da sie über den 358 m hohen Conic Hill führt. Der Aufstieg war schon etwas mühsam (vor allem mit dem Gepäck!), beim Anstieg muss man auch durch sehr dichtes Farngestrüpp, was innerhalb von einer Minute unweigerlich zu einer klitschnassen Hose führt. Auf dem Conic Hill kam dann, was in Schottland irgendwann kommen muss: Der Regen! Also Regenzeugs raus und weiter. Vom Conic Hill aus hat man eine tolle Aussicht auf den Loch Lomond, der nun visuell und etappenmäßig vor einem liegt, leider konnte ich den Ausblick aufgrund des anhaltenden Regens nicht genießen. Vom Hill steigt man dann durch einen Wald nach Balmaha ab, wo ich allerdings nur durchlief um dann in der Bucht Millarochy Bay am Loch Lomond auf einer Campsite mein Zelt aufzustellen. Spät abends zeigte sich dann sogar nochmal die Sonne!
Natürlich hat es die ganze Nacht durchgeregnet. Auch die ersten 816vereinzelten Midges surrten morgens um meinen Kopf. Zweieinhalb Stunden wanderte ich nun den WHW am See entlang nach Rowardennan, dort befindet sich auch eine ganz nett anzuschauende Jugendherberge mit einem Pub. In diesem gibt es sehr leckere schottische "Spezialitäten". Nach einem kleinen Lunch in dem Pub ging es weiter am See entlang, dieser bietet auf der Etappe einige wirklich schöne Fotomotive. ich beschloss, mir abends im Etappenziel Inversnaid ein Bett zu gönnen, weil meine Hose und meine anderen Sachen doch schon etwas durchnässt waren. Nach weiteren 3-4 Stunden erreichte ich pitschnass Inversnaid und nahm mir dort ein Bett, um mal meinen Kram trocknen zu können. Neben dem Inversnaid Hotel kann man sich auch einen netten Wasserfall anschauen.
Mit einem schottischen Frühstück im Magen ging ich dann die nächste Etappe an. Ich beschloss bei erneutem Regen eine kürzere Wanderung zu machen. Selbstverständlich regnete es wieder. Aber dafür war die Route des WHW sehr schön, direkt am See entlang. Nur die durch den Regen glitschigen Steine bereiteten etwas Probleme. Die am Weg liegende Höhle von Rob Roy ließ ich mir natürlich auch nicht entgehen, wobei ich es etwas seltsam fand, dass sie so schwer zu finden war. Von der Höhle ging ich dann ohne große Unterbrechung zur Beinglas Farm. Kurz nachdem ich dort ankam und mich unterstellen konnte, platschte es richtig los. Da blieb einen dann nichts anderes übrig, als es sich mit einem Buch im Zelt gemütlich zu machen und die armen Leute zu beobachten, die im Regen ankamen.
[break=2. Teil der Wanderung]
Kurz hinter der Beinglas Farm endet der Loch Lomond und so langsam lässt 814 das Relief erkennen, dass man sich in Richtung Highlands bewegt. Der Weg führt eine zeitlang am wilden River Falloch entlang, was mir sehr gut gefallen hat. Auch an diesem Tag blieb es wieder nicht trocken, allerdings hielt sich der Regen in Grenzen. Irgendwann konnte hielt ich es nicht mehr aus und musste die Abzweigung nach Crianlarich nehmen, um mir einen heißen Kaffee einzuflößen. Nach Crianlarich verläuft der WHW auf einer alten, relativ gut ausgebauten Militärstraße, also kein Problem für die gestressten Füße. Ab jetzt war es dann eine mehr oder weniger lockere Wanderung durch tolle Landschaften nach Tyndrum. Dort wimmelte es nur so von Midges und ich musste zum ersten Mal feierlich das Moskitonetz einweihen. Ich war mit Wundermittelchen und Moskitonetz eigentlich bestens vorbereitet, trotzdem bekam ich einige üble Stiche ab. Wenn man das Zelt allerdings immer bei einem kleinen Windstoß verlässt, dann werden die Midges weggepustet und man kann gefahrlos durch, leider hat das so nicht immer geklappt...
In Tyndrum befindet sich der letzte Laden vor Kinlochleven, deshalb kaufte 811 ich dort noch einmal kräftig ein, bevor ich loswanderte. Das Wetter war traumhaft! Sonnenschein und blauer Himmel! Trotzdem war es nicht zu heiß, da immer ein frischer Wind wehte. Optimale Wanderbedingungen also. Dementsprechend schnell war ich dann auch in dem kleinen Dorf Bridge of Orchy, wo man den River Orchy überquert und von dort aus über den Gipfel des Mam Carreigh zur Victoria Bridge. Auf dem Mam Carreigh kann man bei gutem Wetter einen tollen Ausblick bis ins Rannoch Moor genießen. Bei der Victoria Bridge im Tal ist eine ausgewiesene Fläche zum wildcampen, direkt an einem Bach, welche auch sehr stark frequentiert ist. An diesem Abend waren ca. 20 Zelte da, was mich aber in keinster Weise gestört hat, zumal ein paar nette "Plauschs" daraus entstanden.
Auf Grund des schönen Wetters beschloss ich, heute einen längeren Wandertag zu machen und stand schon sehr früh auf. Das hatte natürlich zur Folge, dass ich erstmal das einzige potentielle Opfer der Midges war und dementsprechend attackiert wurde. Den ganzen Vormittag lief ich bei tollstem Wetter am Westrand des Rannoch Moors entlang. Die Etappe durch das Moor war nicht sonderlich anstrengend, aber ein wirlich tolles Erlebnis. Bei Regen gäbe es jedoch keinerlei Unterstellmöglichkeit, weshalb ich froh über das gute Wetter war. Nach dem Moor folgt das steilste Stück des WHW: Die Devil's Staircase, ein kleiner Weg, der auf einen Pass in 550 m Höhe führt. Die Sache war zwar sauanstrengend, aber für den tollen Ausblick hat es sich wirklich gelohnt! Der Abstieg nach Kinlochleven zog sich dann noch ewig hin, aber als ich dann abends halb ohnmächtig in mein Zelt gefallen war, welches ich vorher bei Kinlochleven aufgeschlagen hatte, waren die Strapazen vorbei.
813Auch am letzten Tag gab es nochmal Sonnenschein pur. Allerdings war es diesmal schon so heiß, dass es richtig unangenehm wurde. Nach der Hälfte der Etappe war mein Wasser aufgebraucht, ich musste es an einem Bach auffüllen. Schon nach kurzer Zeit konnte man den Ben Nevis erkennen, da keinerlei Wolken am Himmel waren. Der Abstieg nach Fort William gestaltete sich dann nochmal als finaler Kraftakt, aber für das Gefühl letztendlich vor dem Schild zu stehen, welches den Endpunkt des WHW markiert, hat es sich wirklich gelohnt.
Mein Plan, am nächsten Tag den Ben Nevis zu besteigen, wurde dann, wie könnte es anders sein, von der schlechten Witterung zerschlagen. Allerdings war ich auch etwas froh darüber, mich etwas ausruhen zu können...
Gruß Masterlu
Ich flog also mit Ryanair von Frankfurt Hahn nach Glasgow Prestwick. Von dort kann man im Prinzip direkt zum Startpunkt des West Highland Ways, Milngavie, durchfahren, weil die Verbindungen sehr gut sind.
Leider kam ich erst gegen 23:30 in Milngavie an und traf, entgegen meiner Hoffnung, am Bahnhof keine weiteren Backpacker. Ich setzte mich also erstmal auf die Parkbank. Auf einmal wurde ich jedoch von einem Schotten angesprochen, er fragte mich, ob ich einen Platz für mein Zelt suchen würde, was zur Folge hatte, dass ich letztendlich mein Zelt bei ihm im Garten aufschlug.
Am nächsten Morgen startete ich relativ früh und konnte es auch kaum erwarten, endlich auf dem WHW unterwegs zu sein. Das Wetter war ganz gut, ein paar Wolken, aber kein Regen. Die erste Etappe gestaltete sich als relativ einfach. Es ging ohne größere 815Höhenunterschiede überwinden zu müssen auf gut ausgebauten Wegen durch die Lowlands. Die Landschaft ist zwar schön, aber noch nicht soo spektakulär. Ich fand es allerdings gut, dass ich die Etappe gelaufen bin, da es ein wenig Übung war und außerdem auch ganz interessant war zu sehen, wie es in den Lowlands aussieht. Nach ca. 4 Stunden kam ich dann an der Easter Drumquhassle Farm etwa 1 km vor Drymen an, wo ich erstmal mein Zelt aufschlug. Dann bin ich noch nach Drymen gelaufen, um mich mit den wichtigsten Utensilien einzudecken. Dort kann man nochmal richtig einkaufen, bevor es richtig losgeht, es gibt sogar einen Outdoorshop, in welchem man sich mit Gaskartuschen, Moskitonetzen und Midge-Mitteln versorgen kann, wobei die vielen Verschiedenen Mittel zur Abwehr der kleinen Biester mir schon etwas Angst gemacht haben...
Darauffolgenden Morgen startete ich etwas später, auf schottischen Farmen kann man nämlich wirklich gut übernachten! Die geplante Etappe war schon etwas 810 schwerer, da sie über den 358 m hohen Conic Hill führt. Der Aufstieg war schon etwas mühsam (vor allem mit dem Gepäck!), beim Anstieg muss man auch durch sehr dichtes Farngestrüpp, was innerhalb von einer Minute unweigerlich zu einer klitschnassen Hose führt. Auf dem Conic Hill kam dann, was in Schottland irgendwann kommen muss: Der Regen! Also Regenzeugs raus und weiter. Vom Conic Hill aus hat man eine tolle Aussicht auf den Loch Lomond, der nun visuell und etappenmäßig vor einem liegt, leider konnte ich den Ausblick aufgrund des anhaltenden Regens nicht genießen. Vom Hill steigt man dann durch einen Wald nach Balmaha ab, wo ich allerdings nur durchlief um dann in der Bucht Millarochy Bay am Loch Lomond auf einer Campsite mein Zelt aufzustellen. Spät abends zeigte sich dann sogar nochmal die Sonne!
Natürlich hat es die ganze Nacht durchgeregnet. Auch die ersten 816vereinzelten Midges surrten morgens um meinen Kopf. Zweieinhalb Stunden wanderte ich nun den WHW am See entlang nach Rowardennan, dort befindet sich auch eine ganz nett anzuschauende Jugendherberge mit einem Pub. In diesem gibt es sehr leckere schottische "Spezialitäten". Nach einem kleinen Lunch in dem Pub ging es weiter am See entlang, dieser bietet auf der Etappe einige wirklich schöne Fotomotive. ich beschloss, mir abends im Etappenziel Inversnaid ein Bett zu gönnen, weil meine Hose und meine anderen Sachen doch schon etwas durchnässt waren. Nach weiteren 3-4 Stunden erreichte ich pitschnass Inversnaid und nahm mir dort ein Bett, um mal meinen Kram trocknen zu können. Neben dem Inversnaid Hotel kann man sich auch einen netten Wasserfall anschauen.
Mit einem schottischen Frühstück im Magen ging ich dann die nächste Etappe an. Ich beschloss bei erneutem Regen eine kürzere Wanderung zu machen. Selbstverständlich regnete es wieder. Aber dafür war die Route des WHW sehr schön, direkt am See entlang. Nur die durch den Regen glitschigen Steine bereiteten etwas Probleme. Die am Weg liegende Höhle von Rob Roy ließ ich mir natürlich auch nicht entgehen, wobei ich es etwas seltsam fand, dass sie so schwer zu finden war. Von der Höhle ging ich dann ohne große Unterbrechung zur Beinglas Farm. Kurz nachdem ich dort ankam und mich unterstellen konnte, platschte es richtig los. Da blieb einen dann nichts anderes übrig, als es sich mit einem Buch im Zelt gemütlich zu machen und die armen Leute zu beobachten, die im Regen ankamen.
[break=2. Teil der Wanderung]
Kurz hinter der Beinglas Farm endet der Loch Lomond und so langsam lässt 814 das Relief erkennen, dass man sich in Richtung Highlands bewegt. Der Weg führt eine zeitlang am wilden River Falloch entlang, was mir sehr gut gefallen hat. Auch an diesem Tag blieb es wieder nicht trocken, allerdings hielt sich der Regen in Grenzen. Irgendwann konnte hielt ich es nicht mehr aus und musste die Abzweigung nach Crianlarich nehmen, um mir einen heißen Kaffee einzuflößen. Nach Crianlarich verläuft der WHW auf einer alten, relativ gut ausgebauten Militärstraße, also kein Problem für die gestressten Füße. Ab jetzt war es dann eine mehr oder weniger lockere Wanderung durch tolle Landschaften nach Tyndrum. Dort wimmelte es nur so von Midges und ich musste zum ersten Mal feierlich das Moskitonetz einweihen. Ich war mit Wundermittelchen und Moskitonetz eigentlich bestens vorbereitet, trotzdem bekam ich einige üble Stiche ab. Wenn man das Zelt allerdings immer bei einem kleinen Windstoß verlässt, dann werden die Midges weggepustet und man kann gefahrlos durch, leider hat das so nicht immer geklappt...
In Tyndrum befindet sich der letzte Laden vor Kinlochleven, deshalb kaufte 811 ich dort noch einmal kräftig ein, bevor ich loswanderte. Das Wetter war traumhaft! Sonnenschein und blauer Himmel! Trotzdem war es nicht zu heiß, da immer ein frischer Wind wehte. Optimale Wanderbedingungen also. Dementsprechend schnell war ich dann auch in dem kleinen Dorf Bridge of Orchy, wo man den River Orchy überquert und von dort aus über den Gipfel des Mam Carreigh zur Victoria Bridge. Auf dem Mam Carreigh kann man bei gutem Wetter einen tollen Ausblick bis ins Rannoch Moor genießen. Bei der Victoria Bridge im Tal ist eine ausgewiesene Fläche zum wildcampen, direkt an einem Bach, welche auch sehr stark frequentiert ist. An diesem Abend waren ca. 20 Zelte da, was mich aber in keinster Weise gestört hat, zumal ein paar nette "Plauschs" daraus entstanden.
Auf Grund des schönen Wetters beschloss ich, heute einen längeren Wandertag zu machen und stand schon sehr früh auf. Das hatte natürlich zur Folge, dass ich erstmal das einzige potentielle Opfer der Midges war und dementsprechend attackiert wurde. Den ganzen Vormittag lief ich bei tollstem Wetter am Westrand des Rannoch Moors entlang. Die Etappe durch das Moor war nicht sonderlich anstrengend, aber ein wirlich tolles Erlebnis. Bei Regen gäbe es jedoch keinerlei Unterstellmöglichkeit, weshalb ich froh über das gute Wetter war. Nach dem Moor folgt das steilste Stück des WHW: Die Devil's Staircase, ein kleiner Weg, der auf einen Pass in 550 m Höhe führt. Die Sache war zwar sauanstrengend, aber für den tollen Ausblick hat es sich wirklich gelohnt! Der Abstieg nach Kinlochleven zog sich dann noch ewig hin, aber als ich dann abends halb ohnmächtig in mein Zelt gefallen war, welches ich vorher bei Kinlochleven aufgeschlagen hatte, waren die Strapazen vorbei.
813Auch am letzten Tag gab es nochmal Sonnenschein pur. Allerdings war es diesmal schon so heiß, dass es richtig unangenehm wurde. Nach der Hälfte der Etappe war mein Wasser aufgebraucht, ich musste es an einem Bach auffüllen. Schon nach kurzer Zeit konnte man den Ben Nevis erkennen, da keinerlei Wolken am Himmel waren. Der Abstieg nach Fort William gestaltete sich dann nochmal als finaler Kraftakt, aber für das Gefühl letztendlich vor dem Schild zu stehen, welches den Endpunkt des WHW markiert, hat es sich wirklich gelohnt.
Mein Plan, am nächsten Tag den Ben Nevis zu besteigen, wurde dann, wie könnte es anders sein, von der schlechten Witterung zerschlagen. Allerdings war ich auch etwas froh darüber, mich etwas ausruhen zu können...
Gruß Masterlu