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Vollständige Version anzeigen : FYI: Forscher werfen China Folter und Mord vor


Joachim.Meyer
10.11.2005, 20:43
Wissenschaftler erheben schwere Vorwürfe gegen die chinesische Regierung. Untersuchungen von mehreren hundert Flüchtlingen aus Tibet hätten ergeben, dass Hinrichtungen, Folter und psychische Gewalt noch häufiger vorkommen als bisher vermutet.

http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,384192,00.html

Soshin
13.11.2005, 05:23
Ja, so traurig es auch ist, China wird von der Qualität und Quantität der Menschenrechtsverletzungen her massiv unterschätzt. Während die ganze Welt auf den Irak blickt, geschehen in China und in Nordkorea schreckliche Sachen.

:-/

LG,

Soshin

Lungta
13.11.2005, 15:46
Menschenrechtsverletzungen werden nur da von den Regierungen wahrgenommen und kritisiert, wo es den eigenen Interessen dient. Beispiel gerade mal wieder: die öffentliche Kritik von US-Außenministerin Rice an Syrien; dazu noch gleich ein Demokratiefonds für den Nahen Osten (während in Pakistan die Kinder sterben - aber wen interessiert das denn schon). Aber China? Ist doch so ein super Handelspartner, und alle hier sind so glücklich über die guten Beziehungen. Ja, natürlich bringen wir die Menschenrechtsfrage auch zu Sprache ... so ganz am Rande ... um nachher sagen zu können, wir haben es angesprochen ... Dafür sind wir auch noch gleich für die Aufhebung des Waffenembargos (Schröder). Und andere Staaten sind gleich so unwichtig, daß die Zustände dort schon überhaupt nicht mehr wahrgenommen werden (habe gerade gestern im Radio einen Bericht über Simbabwe gehört). Diese ganze Scheinheiligkeit macht mich krank. :mad:

Christine

Lichtblick
13.11.2005, 20:51
Christine, du sprichst mir so richtig aus der Seele. Wenn ich über all das nachdenke, wird´s mir schlecht...
Gruß
Katharina

Soshin
13.11.2005, 21:19
Ich habe überlegt, ob ich mein zweihundstertes Posting für so einen traurigen Zweck hergeben sollte, aber vielleicht gerade dazu!

Es stimmt, auch mir wird immer wieder ganz anders. Ich war früher ein sehr, auch am politischen Tagesgeschehen interessierter Mensch, aber jetzt kann ich das alles schon nicht mehr sehen und hören. Mir wird auch ganz schlecht.

:down:

Die Companys haben eigentlich schon schleichend die Macht übernommen, wir alle hängen mit ihnen drinnen (geschickt eingefädelt). Die zweite Säule der Pensionsversicherung ist die private Anlage bei Rentenfonds (und nahezu jeder hat schon eine solche Versicherung, sie wurde uns ja lange genug eingeredet). Und die Fonds investieren am Aktienmarkt. Damit ist jeder von uns Kleinalnleger bei Nèstle, Unilever, SmithKlineBeecham und so weiter. Und auch wir werden gefragt werden, Menschenrechte oder Pension?

Die Regierungen, ob rot, gelb, grün oder schwarz, sind auf die Companys entweder direkt (Wahlspenden, USA) oder indirekt (Arbeitsplätze, Europa) angewiesen. Keiner wird groß was tun, was die verärgert.

Und China ist nunmal jetzt, mit stark steigender Tendenz, die vierstärkste Wirtschaftsmacht, Und wird bald Japan überholen. An diesem Wirtschaftspartner scheint man nicht vorbeizukommen. Und nach aussen hin müssen die die Demokratie und die Menschenrechte ja verteidigen, aber hinter den Türen wird man sich schon einig. Alles Affentheater.

Mahatma Gandhi hat einmal gesagt: "Politiker sind Geister dritter Klasse."

Und recht hatte er.

Was der Sowjetunion nicht gelungen ist, China dürfte es gelingen. Wir werden ihnen noch den Strick liefern, an dem sie uns hängen werden.

......



Grmbl



......


So, Soshin, krieg Dich wieder ein!


:)


Na, schon besser.....


Trotz allem, oder vielleicht gerade deswegen,


Namaste!

Lungta
14.11.2005, 00:05
Die Tibet Initiative hat jetzt übrigens Unterschriftenkarten an den Präsidenten des IOCs (habe gerade beim Weitsicht-Festival welche aufgelesen). Überschrift: "Peking 2008 - China spielt mit den Menschenrechten". Der IOC wird aufgefordert, von China die Einhaltung der Menschenrechte zu verlangen. Bringen wirds vermutlich nichts, der chinesische Standpunkt ist ja klar (innere Angelegenheiten) und der IOC wird wohl kaum einen Rückzieher machen (können), aber vielleicht kann man wenigstens den Teilen der Öffentlichkeit, die bereit sind hinzuhören, klar machen, in was für einem Land die olympischen Spiele da stattfinden.

Christine

PS: Wirtschaftliche Erwägungen waren schon immer die maßgebenden. Und es ist nicht einmal eine Erscheinung unserer Zeit, das Ganze scheinheilig mit einem Mäntelchen der Rechtfertigung und Gerechtigkeit zu versehen. Schon die Römer haben nur "gerechte" Kriege geführt. Und die Venezianer haben auf dem Kreuzzug mal eben das christliche Byzanz niedergemacht, weil es da gute Beute zu machen gab.

Lungta
14.11.2005, 16:30
Die Wirtschaftswoche preist in ihrem China-Sonderheft übrigens gerade die Fertigstellung der Eisenbahnverbindung nach Lhasa. Zu den Auswirkungen für die tibetische Bevölkerung, deren Land jetzt noch besser ausgebeutet werden kann und die jetzt noch mehr der Gefahr ausgesetzt werden, in ihrem eigenen Land zur Minderheit gemacht zu werden - kein Wort.

Neuer Zug bringt Region voranReisen wie im Flugzeug » Das spektakulärste Bahnprojekt der Welt, die Zugverbindung nach Tibet, ist vollendet.http://www.wiwo.de/pswiwo/fn/ww2/sfn/loadbin/SH/0/picid/138199/index.html

Vom kommenden Jahr an ist das tibetische Lhasa, Chinas höchstgelegene Provinzhauptstadt, mit dem Zug zu erreichen. Denn im Oktober ist die rund 1100 Kilometer lange Qinghai-Tibet-Eisenbahnlinie von Golmud in die Hauptstadt der autonomen Region fertiggestellt worden. Die Zugreisenden können auf der Strecke nicht nur spektakuläre Ausblicke, sondern Komfort auf allerhöchstem Niveau erwarten. Zu den Annehmlichkeiten für First-Class-Passagiere gehören neben den luxuriösen Schlafwagenkabinen ein Spa sowie mehrere Spitzenrestaurants. Der neue Zug wird teilweise in Höhen von mehr als 5000 Metern unterwegs sein; die Strecke gilt damit als höchstgelegene Eisenbahnlinie der Welt. Die Loks brauchen dazu spezielle Turbolader, um sie mit ausreichend Sauerstoff zu versorgen. Die Waggons sind wegen der Höhe wie Flugzeuge mit Anlagen zum Druckausgleich ausgestattet. Für das Eisenbahn-Projekt, das die schwer zugängliche Gebirgsregion Tibet besser an Zentralchina anbinden soll, hat die chinesische Regierung 3,3 Milliarden Dollar ausgegeben. Acht Prozent des Gesamtbudgets, etwa 240 Millionen Dollar, entfallen auf Maßnahmen zum Umweltschutz. So haben die Planer etwa in Tibet ein acht Hektar großes künstliches Feuchtgebiet geschaffen, um eine seltene Vogelart, die entlang der neuen Strecke brütet, zu schützen. Nach Schätzungen der chinesischen Planer dürften jedes Jahr rund 900 000 Reisende den höchsten Zug der Welt nutzen. Experten erwarten außerdem, dass der Zug die wirtschaftliche Entwicklung der Region weiter vorantreiben wird.

25.10.2005 Aus dem China-Sonderheft der WirtschaftsWoche 01/2005.



http://www.wiwo.de/pswiwo/fn/ww2/sfn/buildww/id/664/id/137626/fm/0/SH/0/depot/0/index.html

Flachlandtiroler
14.11.2005, 17:24
Kraß. Wie machen die das mit der Druckkammer beim Aussteigen? Wahrscheinlich wird ab >4000m einfach nicht mehr angehalten... ;)
Es wundert mich auch daß bei einem derart kostspieligen Neubau nicht gleich eine elektrifizierte Strecke gebaut wird (Turbolader und Sauerstoff klingt für mich nach Dieselfahrzeugen).

Acht Prozent des Gesamtbudgets, etwa 240 Millionen Dollar, entfallen auf Maßnahmen zum Umweltschutz. So haben die Planer etwa in Tibet ein acht Hektar großes künstliches Feuchtgebiet geschaffen, um eine seltene Vogelart, die entlang der neuen Strecke brütet, zu schützen.
Das paßt so garnicht ins Bild...

Die mangelnde Würdigung der politischen Situation kann man jetzt auf die eher ökonomische Ausrichtung der Zeitschrift schieben oder darauf, daß ein vorgefertigter Pressetext einfach übernommen wurde.

Gruß, Martin