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Vollständige Version anzeigen : Wildniswandern abseits von Wegen


wanderfalke
29.10.2005, 18:03
Hallo,

Welche Erfahrungen habt ihr mit dem Wandern in der Wildnis abseits von Wegen gemacht?
Ich habe verschieden Touren dieser Art in Afrika und Nordnorwegen gemacht, und habe im nächsten Jahr eine längere Wanderung dieser Art in der Mongolei vor.

Viele Grüße Gerald

Haribo
02.11.2005, 15:21
Ich halte mich seit vielen Jahren jeden Sommer in der Mongolei auf, wo ich mit meiner angeheirateten Familie dann nomadisch lebe. Daher kenne ich die Lebengewohnheiten der Menschen sowie alle Reisegegebenheiten (in der Stadt und am Land) dort sehr gut.



Könntest du deine Vorstellungen etwas präzisieren?

Haribo

Kebnekaise
03.11.2005, 08:53
Ich habe meine Wildniserfahrung auch vor allem in Skandinavien gesammelt.

Nach meiner Erfahrung würde ich sagen, dass das Wandern abseits von Wegen - was die Orientierung betrifft - einfacher ist. Man such sich seinen weg nach den Geländegegebenheiten. Jedesmal wenn ich auf Wegen - markiert oder unmarkiert - unterwegs war, habe ich mich irgendwo ganz bestimmt verzettelt und viel Zeit mit der Suche nach der nächsten Markierung verbracht.

In der Zwischenzeit bin ich soweit, lieber auf den weg ganz zu verzichten...

Noch was anderes: Ich interessiere mich auch schon seit längerem für die Mongolei. Hast du da schon irgendwelche interessanten Gebite ge´funden - also mal abseits vom Khövsgöl Nuur, der ja bei jeder Gelegenheit als ideales trekking-Revier beschrieben wird?

wanderfalke
06.11.2005, 20:32
Hallo Kebnekaise und Haribo,

bisher interessiert mich vor allem das Chenti-Gebirge unweit von Ulan Bator. Ich habe schon einen kleinen Führer über die Gegend gelesen und hört sich für mich echt gut an.
Aber bis zum nächsten Sommer dauert es ja leider noch sehr lange...

Gruß Gerald

Haribo
07.11.2005, 14:41
Orientierung in der Mongolei ist nicht so einfach wie man sich das ev. vorstellt und ausserdem sehr abhängig vom jeweiligen Aufenthaltsort.

An der Grenze zu Russland (Khovsgol) in der Taiga ist dies ohne Einheimische eigentlich kaum möglich. Ausserdem benötigt man dort ein spezielles Permit, die Grenztruppen sind sehr aktiv und es wird geschossen, da gerade dort viele Tierdiebe aus Tuwa über die Grenze wechseln. Über Wüstengegenden brauche ich mich wohl nicht näher auslassen. Wenn man etwa im Gebirge unterwegs ist – und ich kenne mich im Altai sehr gut aus – hast du ohne Ortskenntnisse oder zumindest GPS keine Chance. Anders in der Steppe. Dort kann man trotz der niedrigen Besiedelung davon ausgehen, dass man kaum einen Schritt machen kann ohne gesehen oder beobachtet wird (Die Leute schauen immer wieder mit ihren Fernrohren nach den Tieren).



Wege hat man sich in der Mongolei folgendermassen vorzustellen. Es gibt einige wenige Asphaltstrassen sowie relativ viele Pisten die von Ulaanbaatar wegführen. Die Asphaltstrassen hören sehr bald auf und die Pisten werden mit Entfernung zur Hauptstrasse sehr rar.

Hauptverkehrswege: Eine asphaltierte Strasse nach Zezerleg. Eine Verbindungsstrasse von Russland über Ulaanbaatar nach China. Zwei Hauptpisten über die Nordwestrichtung Richtung Altaigebirge (Khovsgol, Uvs, Bayan Öölgii) und die Südwestrichtung (Bayankhongor, Gobi-Altai, Khovd), Fahrtdauer 3 Tage je 12 h ohne Pannen. Eine Piste Ulaanbaatar Richtung Osten. Verbindungspisten (Fahrspuren) gibt es auch zwischen den Sum-Ortschaften. Diese sind meistens kaum zu sehen oder mehrere sind parallel zueinander.



Also zu Fuss gehen würde ich nicht empfehlen. Dies kann in einigen Gegenden der Mongolei ganz schön nerven. Stichwort: Insekten

Empfehlung: Eher den Mongolen anpassen und per Pferd unterwegs sein. Mongolen am Land gehen nach Möglichkeit keine unnötigen Wege zu Fuss. Achtung: Die meisten in Ulaanbaatar geboren Mongolen können nicht reiten! Möchte man einen Führer engagieren, dann vorher dies abchecken.



Karten: Die einzigen geeigneten Karten sind die detaillierten russischen Militärkarten in kyrillisch (selbst wenn diese alt sind, ausser der wenigen Städte ändert sich ja nichts) oder ev. in Ulaanbaatar zu findende (nicht so oft) heimische Karten. Alle anderen Karten sind Schrott.

Da die mongolische Sprache sehr unterschiedlich transkripiert wird findet man in allen anderen Karten Namenseintragungen welche Mongolen sicher nicht lesen können.

Geographische Bezeichnungen: Es wiederholen sich irre oft geographische Bezeichnung und auch Ortsnamen. Ich weiss gar nicht, wieviele Zagaan Nuur es z.B. in der Mongolei gibt. Es kann sein, dass man also ganz wo anders hingelangt als man eigentlich hinwollte.

Problem der Höflichkeit: Wenn ein Mongole etwas nicht versteht, sagt es fast zu 100% „ja“. Also nie fragen, ist dies der richtige Weg oder auch selber in eine Richtung zeigen! Immer mehrere Leute fragen.



Ich kann keinen Reiseführer empfehlen, da ich keinen kenne mit dem ich zufrieden wäre. Alle sind fehlerhaft und von den Reisezielen werden auch nur die Gegenden beschrieben, die „einfach“ zu erreichen sind und man oft eine Infrastruktur aufbauen kann (z.B. Ger-Camps). Ich habe jedenfalls in dem Gebiet der Altaiberge wo wir unsere Sommerweiden haben noch nie Ausländer getroffen und auch ganz sehenswerte Gegenden im Khovd Aimag werden in diesen Büchern gar nicht beschrieben.

Jedenfalls gilt: Je weiter entfernt von Ulaanbaatar umso weniger Touristen.



Khovsgol ist mittlerweile sehr überlaufen und auch schon sehr „teuer“.

Zezerleg mit Karakorum ist sehr frequentiert da dort die Asphaltstrasse hinführt und dies damit ein Reiseziel für Kurzzeiturlauber wird.

Alle südlichen Gegenden würde ich als Reiter oder Fussgänger meiden.

Khentii ist gebirgig, heilig weil Dschingis Khan dort geboren wurde, hat auch einen Waldanteil (Es gibt wenig Wald in der Mongolei.) und hohes Steppengras mit vielen Pferdezüchtern. Entfernung von Ulaanbaatar: mindestens 1 ½ Autotage.

Interessant auch das Khangai Gebirge, ev. mit Ausnahme der östlichen Ausläufer (dort kommen auch noch ausländische aber auch heimische Touristen hin).

Zavkhan Aimag westlich vom Khangai Gebirge wird von Touristen fast nie besucht.

Uvs Aimag mit Altaianteil

Bayaan Öölgii im Altai

Khovd im Altai



In der Mongolei gibt es wenig Wald und im Sommer oft viele Brände, daher herrscht oft Feuerverbot! Man kann mit Trockendung wie die Mongolen feuern.



Tip: Für Reisen aufs Land Trockenfleisch (mong. „borz“, gerolltes r und hartes z) besorgen. Es gibt dieses auch zerrieben. Ich habe sehr selten Säckchen mit zerriebenem „borz“ in Ulaanbaatar zum Verkauf gesehen. Mongolen verwenden die zerriebene Variante selber auch bei Reisen und ich habe es auch schon verwendet. Zerriebenes Trockenfleisch ist ganz leicht und nimmt kaum Platz ein, daher Ideal für Reisende. Das Fleisch eines Schafes füllt etwa eine Rinderblase. Besorgt euch so etwas nach Möglichkeit, mit Nudeln gekocht habt ihr nahrhaftes und schnelles Essen. Nachsatz: Von der Mitnahme des „borz“ in einer Rinderblase und am Pferdesattel montiert stammen diese westlichen Geschichten aus dem Mittelalter, dass die Mongolen unter dem Sattel das Fleisch weich reiten würden.



Gruss, Haribo

Jue
24.01.2008, 12:07
Hallo,
Juni/Juli 08 plane ich eine 5wöchige Reise in die Mongolei. Ich habe eine Trekking-Tour über Char-Chorin/Kharakorum - Orchon - Naiman Nuur bis nach Bajanchongor anvisiert.
Wer kann mir Tipps für eine schöne Route usw. geben?

Gruß Jürgen