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Vollständige Version anzeigen : Hat jemand einen Tipp zum Wandern in Norwegen?


axel
23.05.2004, 15:56
:D
Ich möchte in diesem Jahr im August zum Wandern nach Norwegen fahren. Die Tour sollte 5-6 Tage dauern und möglichst einsam sein. Kann mir dazu jemand einen Tipp für eine schöne Tour geben? Zur Unterkunft werde ich auf Selbstversorger Hütten zurückgreifen - Gibt es dazu eine Karte wo solche Hütten sind?

Wäre super, wenn Ihr da ¤*#etwas für mich hättet...

Grüße
Axel

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25.05.2004, 15:20
Du könntest Dir mal die Region um Finse angucken.
Eine Gletscherumrundung könnte evtl in deinem zeitlichen Rahmen liegen.
http://www.yourexpedition.com/bae_archive/pages/finse.html

Die Region besonders um Finse ist recht karg, der Blick auf den Gletscher ist sehr schön, und die Wege nicht all zu belaufen.

Julia
04.06.2004, 14:36
Generell Gilt, wo Hütten, da gibts auch Wanderwege und andere Menschen, die diese mit Dir teilen.

Im Grunde war der Tip mit der Region Finse (unter untenstehendem Link unter "Skarvheimen" ausführlich beschrieben) schon nicht schlecht. Vor allem in den westlichen und nördlichen Regionen ist da verhältnismässig wenig los.

Ansonsten kann ich Dir das östliche Breheimen wärmstens empfehlen (Narvarsete-Fivla-Arentzbu-Nørdstedalsseter-Sota Seter-Slæom-Skridulaupbu). Grossartige Natur und für norwegische Verhältnisse wenig begangen! Infos ebenfalls siehe untenstehender Link.

Kebnekaise
07.06.2004, 09:06
Wie schon ganz richtig bemerkt wurde: wenn´s Hütten gibt, dann gibt´s auch markierte Wege. Es gibt eine deutschsprachigen Trekkingführer aus dem Bruckmann Verlag "Abenteuer Trekking - Norwegen" von A. Derstvenscheig. Weiß allerdings nicht, ob es das Buch noch als Neuauflage gibt sonst einfach bei amazon versuchen. Die Beschreibungen sind ziemlich schwach, aber als Anregungen, wo man denn hinfahren könnte ganz brauchbar. Ein weiterer Literatur-Tipp: "Bergwandern in Norwegen" von E. Welle-Strand. Norwegischer Führer (gibt´s auch in Deutsch) zu den wichtigsten Gebieten.

Was ich noch empfehlen kann:
Durchquerung des Dovrefjell: guter Ausgangspunkt ist Kongsvoll (an der Bahnlinie nach Trondheim). Es gibt eine Karte 1:100000 von der Gegend, auf der man sich seine persönliche Route zusammenstellen kann. Manche von den Hütten sind aber bewirtschaftet!

Femund-Rogen-Gebiet: mein persönlicher Favorit. Abwechslungsreiche Tour an der norwegisch-schwedischen Grenze. Auch hier gibt es eine ganze Menge von Routen. Ausgangspunkt am Besten Roros (mit der Bahn von Lillehammer aus zu erreichen)

Hardangervidda: Beliebte Bergwandergegend. Durch die Weite aber nicht wirklich überlaufen. Auch dafür gibt es eine Karte 1:100000. Am Besten kommt man mit der Bahn hin (Finse).

Martin1980
07.06.2004, 12:26
Hi!

Also meine Empfehlung kann aufgrund der größeren Abwechslung nur Jotunheimen lauten. Finse ist natürlich auch nicht schlecht und es stimmt auch das auf der Hardanger Vidda die wenigsten Menschen anzutreffen sind. Aber je weiter man ins Jotunheimen hineinwandert, umso weniger Leute sind auch dort anzutreffen und wenn dann aber auch nur absolute Hardcore-Trekker (meist Einheimische). Unsere 3-Tage-Tour begann damals am Gjende-See in Gjendesheim. Es ging hinauf auf den Besseggen, wo man den einen gigantischen Ausblick auf die beiden Seen Gjende und Besvatnet hat. Nachteil zu Beginn dieser Tour: Es handelt sich um den meistbesuchten Berg Norwegens. Bei gutem Wetter begegnet man da ca. 500 bis 1000 Leuten. Aber 99% der Leute laufen lediglich auf den Gipfel und dann runter nach Memurubu um von dort mit der Fähre über den See zurück nach Gjendesheim zu fahren, bzw. steigen von Memurubu auf, was ich nicht empfehlen kann, da man dann die beste Aussicht Norwegens ständig im Rücken hat. Nach der Überschreitung des Grats ergibt sich jedenfalls die Möglichkeit ins Innere des Jotunheimen Nasjonalpark vorzudringen. Man begegnet nur sehr wenigen Menschen. Nun bietet sich die Möglichkeit, individuell per Karte oder Buch eine Rundtour zu gehen, die an Bergen wie dem Glittertind (2. höchster Berg; Aufstieg im August auf alle Fälle möglich), Gletschern usw. vorbeiführt. Auf jeden Fall sieht man sehr abwechslungsreiche Landschaften, die aber auch sehr strapaziös zu bewältigen sind. Dafür sieht man halt sehr wenige Leute. Man wandert zum Teil bis zu 2 manchmal 3 Stunden auf schier endlos erscheinenden Geröll-Feldern. Richtige Pfade gibt es nicht, meist nur die typischen roten T-Steine zur Markierung. Detaillierte Karen kann man im Touristen-Nest Beitostolen erwerben. Von dort aus geht es nur noch am besten per Auto oder Bus nach Gjendesheim.

P.S. Dort regnet es garantiert jeden Tag, ab spätem Nachmittag bzw. Abends.

Die Aussicht vom Besseggen: 9. Reihe v.o. 3. Bild
Seite mit den Fotos (http://homepage.mac.com/michael.scheibner/PhotoAlbum11.html)

Julia
07.06.2004, 13:27
"Dort regnet es garantiert jeden Tag, ab spätem Nachmittag bzw. Abends."

Wo hast Du denn das her? Nur, weil es während Deines Urlaubes vielleicht so war? Mit Jotunheimen ist es so wie überall im Lande: es gibt sowohl regnerische als auch sonnige Perioden. Im Osten ist es meistens schön, wenn die Wetterrichtung von Westen her ist, und im Westen, wenn das Wetter aus dem Osten kommt. Also: es regnet garantiert nicht jeden Tag, auf jeden Fall nicht, wenn der Masstab der ganze Sommer ist! Im Gegenteil: es gibt garantiert im Laufe des Sommers richtige Knallwetterperioden (man muss sie nur erwischen ¤*#:))

Jotunheimen ist besonders bei den Norwegern sehr beliebt. Und hier kann man ganz richtig manchmal stundenlang ganz allein sein oder aber doch stellenweise ziemlich vielen Leuten begegnen, vor allem um die bedienten Hütten herum. Besonders viel Verkehr gibt es nicht nur auf dem Besseggen, sondern auch um die Hütten Spiterstulen und Leirvassbu herum.
Und demnach auch auf den beliebtesten Bergen: Glittertind und Galdhøpiggen.

Das mit den Geröllfeldern stimmt, wenn es sich um Höhentouren handelt, in den meisten Tälern, wo die Wege verlaufen, gibt es jedoch ziemlich gute Pfade. Natürlich kann das eine oder andere Blockfeld vorkommen, schliesslich sprechen wir hier vom Hochgebirge. Dabei können wir auch gleich Altschneefelder erwähnen, wie auf der Route Leirvassbu-Olavsbu fast garantiert anzutreffen ist, auch später im Sommer nach schneearmen Wintern. Aber generell dürfte das nach dem letzten Winter kein Problem sein. Entsprechend mit besonderer Vorsicht zu geniessen sind deshalb Gletscherrouten, da instabile und fehlende Schneebrücken über die Spalten.

Auch Jotunheimen und das Dovrefjell sind auf unserer Homepage ausführlich beschrieben, sowie alle 2000er-Berge. Wenn man denn schon in Jotunheimen unterwegs ist, sollte man unbedingt mal den einen oder anderen Gipfelabstecher einlegen.

Aber nur, weil die Hardangervidda oder Jortunheimen am bekanntesten sind, sind sie nicht unbedingt am schönsten. Breheimen und auch die Tafjordfjella sind landschaftlich mindestens ebenso grossartig und gelten als echte Geheimtips, auch unter den Einheimischen.

Das, was Jotunheimen ausmacht, sind in erster Linie die Berge, aber Berge hat man in den Alpen auch, und zwar noch viel bessere. Wenn es also darum geht, die möglichst typische skandinavische Hochgebirgsnatur zu erleben, gibt es auch andere Alternativen.

Ich will Jotunheimen hier auf keinen Fall abwerten - es liegt vor meiner Haustür, und im Sommer führen 95% aller Wochenendtouren dorthin. Ich liebe es sehr. Trotzdem ist es nicht das, was ich - auch unter skandinavischen Verhältnissen - als abgeschieden und wenig bewandert bezeichnen würde, zumindest nicht uneingeschränkt. Aber es stimmt schon, dass man, hat man erst einmal die Randzonen hinter sich gelassen, ist man ziemlich allein. Noch alleiner ist man, wenn man nicht in Hütten übernachtet, sondern zeltet.

Martin1980
07.06.2004, 14:24
In der Tat habe ich manchen Tagen nur ca. 20 Leute gezählt. Über 10 Stunden verteilt ist das ja nun wirklich nicht viel. Man kann aber meiner Meinung nach wirklich in dieser Gegend an vielen Abenden nahezu das gleiche Wetter beobachten. Naßkalt! Einheimische berichteten uns, daß dies tatsächlich so sei. Unabhängig davon ist dies eine tolle Gegend und die Aussicht vom Besseggen über den Grat zwischen den beiden Seen ist schon mit das Beste was es in Norge gibt. Wer natürlich noch mehr kennenlernen will, sollte auf alle Fälle auch mal auf der Hardangervidda vorbeischauen. Dort läuft es sich zumindest angenehmer, allerdings ist die Landschaft auch weniger abwechslungsreich als im Gebirge. Dies hängt natürlich auch davon ab, was man von einer Hochebene erwartet. Die Aussicht auf den Hardangerjokkulen (richtig geschrieben???) ist natürlich auch sehr schön.

In diesem Sinne

Martin

Guest
07.06.2004, 15:12
:) :)Die vielen Antworten finde ich wirklich super :-) Habe jetzt ein bisschen an Orientierung gewonnen.
Ich spiele jetzt mit dem Gedanken in die Hardangerwidda zu fahren, auch weil ich von Freunden gehört habe, daß es dort sehr schön sei.

Kann man das irgendwie sinnvoll mit 2-3 Tagen Fjordwandern verbinden, oder ist das nicht kombinierbar. Und welche Tour in der Hardangerwdda würdet Ihr vorschlagen? Ich möchte kein Zelt mitnehmen, d.h. werde in DNT Hütten unterkommen.
In Summe habe ich leider nur 11 Tage minus An-/ Abreise und 1-2 TAge Oslo bleiben also nur ca. 8 Tage ...

Bin für alle Tipps dankbar!! :)

Julia
07.06.2004, 15:48
An Fjorden wandern ist fast immer schwierig, da meist zwischen Ufer und Berghang nur die Strasse verläuft, und auf der willst Du nicht wandern.

Es gibt drei Ausstiege von der Hardangervidda ins Fjordland (zum Hardanger- bzw. Sognefjord hinunter):

im Husedalen hinunter nach Kinsarvik (Infos: www.norwegen-freunde.de, dann Kurztouren, Südnorwegen, Husedalen)

über Fossli (im Måbøtal hinunter), Infos gleicher Link wie oben

und über das Aurlandsdalen (Infos und Bilder siehe www.etojm.com, Skarvheimen). Hier bist Du allerdings am letzten Tag dann nicht mehr allein, aber dafür zählt dieses Fjordtal wirklich zum Tollsten, was Norwegen landschaftsmässig zu bieten hat! Die klassische Route führt in 4 Tagen von Finse über Geiterryggen, Steinbergdalen und Østerbø nach Vassbygdi/Aurland. Wenn Du z.B. auf der RV7 anfängst und um den Hardangerjøkulen herum nach Finse und dann über das Aurlandsdalen weitergehst, bekommst Du eine herrliche Tour mit Hochebene, Gletscher und wildem Fjordtal (sozusagen dem ganzen Spektrum).

Per Bus jeweils zurück in die Zivilisation.

Martin1980
08.06.2004, 09:56
Da Du Dich nun auf die Hardangervidda eingeschossen hast noch ein kleiner aber wichtiger Tip. Nirgends habe ich mehr Mücken erlebt als dort. Das liegt auch daran, daß sich auf dieser Hochebene vielleicht 10Tausende kleiner Tümpel und Riesenpfützen befinden (wahrscheinlich durch Schmelzwasser und Niederschläge) sodaß mit einer wahren Invasion von Mücken zu rechnen ist. Ich bin einen Tag ohne Mückenschutz unterwegs gewesen (in kurzen Hosen denn es war ca. 25 bis 30 Grad heiß). Das Ergebnis: ca. 30 Stiche pro Bein. Also am besten ist, man badet vorher in Authan.

Ciao

Julia
08.06.2004, 15:06
Und nach dem milden Winter soll es diesen Sommer angeblich besonders schlimm werden ;D

Guest
12.07.2004, 14:32
Was "das Wetter" betrifft: Ich habe mal in Jotunheimen an sieben Tagen sieben Wetter erlebt: Von Dauerregen über Regen-/Schneeschauer bis zu glühender Hitze.

Die Tour durch das Aurlandstal zum Fjord hinunter ist einfach großartig. Man kann auch statt in Finse (völlig überlaufen) von Ål aus starten (Liatoppen oder Bergsjøstølen sind wandererfreundliche Gasthöfe) und dann z.B. über Iungsdalshytta weiter. Das sind sehr schöne, einsame Gegenden.

Gerd