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Vollständige Version anzeigen : Kungsleden in Schweden


TobiTobsen
12.07.2004, 18:26
Hallo,

ich habe vor Ende August eine Tour über den Kungsleden von Abisko bis Vakkotavare zu gehen. Habe in einem reiseführer gelesen das das Gebiet sich alpinen Gebiet ähnelt. Habe keine Erfahrungen im Hochgebirge und will zum ersten mal einen Fernwanderweg laufen weiß auch nicht recht wie ich meine Kondition einschätzen soll. Kann mir einer etwas zu dieser Tour sagen. Ist es empfehlenswert oder kann man sich dort ziemlcih schnell übernehemen. Ist es wirklich so nass das Gummistiefel angebarcht sind?

Gruss Tobias

Vanellus
13.07.2004, 22:18
Hallo Tobias,
vom Klima her ist das Gebiet alpin, es geht aber nicht annähernd so steil rauf oder runter wie in den Alpen. Das heißt, es können 25 Grad Celsius sein mit intensiver Sonne aber auch 5 Grad, heftiger Wind und Regen und du kannst dich nicht unterstellen. Du must also von der Kleidung her auch gegen Dauerregen gewappnet sein. Gummistiefel sind nicht notwendig, aber feste, bequeme Wanderstiefel. Bei Dauerregen werden die natürlich durchnässt aber das macht nichts. Bei Sonnenschein können Gummistiefel unangenehm werden. Wenn Gummistiefel dann Wander-Gummistiefel z.B. von Nokia oder Aigle oder Lundhags keine PVC-Stiefel. Du kannst ohne Zelt gehen und in Hütten übernachten, Du bist dann aber auf diese Hütten angewiesen. Mit Zelt bist du flexibler. Zur Kondition: du solltest in der Lage sein, 4 bis 8 Stunden pro Tag mit 10 bis 20 Kilogramm im gut sitzenden (!) Rucksack auf unebenen Wegen wandern zu können. Nichts unnötiges mitnehmen. Was man mitnimmt, sollte aber gute Qualität haben. Man sollte sich nicht mit Schrottsachen abschleppen, die im entscheidenden Moment schlappmachen. Das gilt besonders für Kleidung, Zelt, Schlafsack, Schuhe, Kocher und den Kleinkram.
Vanellus

Vanellus
13.07.2004, 22:31
Kleiner Nachschlag:
guck dir mal Julias etojm.com Seite an. Da findest du ne Menge allgemeine Tipps fürs Fjellwandern (in Norwegen), die natürlich auch auf das Fjällwandern (in Schweden) übertragbar sind ;)
Und die richtige Karte natürlich nicht vergessen, auch wenn sie auf der Strecke Abisko - Vakkotavare am ehesten entbehrlich ist, weil dort so viele Leute laufen
Gruß
Vanellus

Kebnekaise
14.07.2004, 14:05
"Alpin" heißt in dem Fall, dass das Klima und damit natürlich auch die Vegetation ähnlich dem der Alpen oberhalb der Baumgrenze ist. Tatsächlich ist die in Nordschwedenbei spätestens 800 Metern erreicht. Du wirst auf deiner Tour also das baumlose Fjäll durchqueren. Das hat den Vorteil, dass man phantastische Ausblicke hat. Nachteil: wenn es regnet und stürmt gibt es nicht wirklich viel Schutz.

Der Kungsleden folgt in die meiste Zeit den Tälern. Damit ist die Orientierung auch bei schlechtem Wetter kein wirkliches Problem. Streckenweise ist er zu einer regelrechten Autobahn ausgelatscht worden.
In regelmäßigen Abständen gibt es Hütten. Erwarte dir aber keine Verhältnisse wie in den Alpen!! Die Hütten liegen im Abstand von 4 bis 8 Stunden Wanderzeit auseinander und bieten weder warme Mahlzeiten oder Bier, Saft etc. Deine Verpflegung musst du selbst mitbringen, Kochgelegenheiten gibt es in den Hütten. Proviant kann zwar in beschränktem Maß gekauft werden, ist aber teuer und verlassen kann man sich nicht darauf. Wirkliche Versorgung bieten nur die Fjällstationen mit Hotelbetrieb. Die liegen meistens am Ende der Etappen (sind aber in der Karte eingezeichnet). Manchmal gibt es auf halbem weg von Hütte zu Hütte noch Windschutzhütten. Diese sind mit Ofen, Holz und Pritschen ausgerüstet - also eigentlich nicht zum Übernachten gedacht. Dumerweise werden die Dinger gerne von Mitteleuropäern deutscher Zunge als preiswerte - weil kostenlose - Alternatve zum schwedischen Hüttenurlaub genutzt. Die Dinger sind als Rastschutz bei schlechtem Wetter gedacht. Es hat wohl niemand etwas dagegen, wenn man im Notfall eine Nacht drinnen übernachtet, ausnutzen sollte das aber niemand...
Zur Ausrüstung: Gummistiefel brauchst du keine, solange du dich an den Weg selber hältst. Bäche und Flüsse sind mit Brücken versehen. Über die seen gibt es Fährdienste oder Ruderboote und über feuchtes Gelände sind Bohlenwege gelegt, auf denen man erstaunlich schnell (oft sogar schneller als auf dem Weg) vorankommt. Wenn du in Hütten übernachten willst, vergiss nicht einen Schlafsack mitzunehmen...

tina80
15.07.2004, 12:38
Hochgebirgserfahrung in dem Sinne, wie sie in den Alpen nötig ist brauchst Du keine. Aber etwas Erfahrung im Wandern in Fjällgebieten solltest Du schon mitbringen. Besonders wenn du nur allein (wovon ich abraten würde) oder zu zweit unterwegs seid. Kleiner Tipp: An den größeren Stationen lassen sich schnell Kontakte knüpfen und so kann man sich auch als Einzelreisender oft an eine kleine Gruppe anhängen.

Konditionell soltest Du schon selber wissen ob Du es Dir zutraust mehrere Tage bis zu 10 Stunden mit vollem Gepäck unterwegs zu sein und trotzdem den Kungsleden noch zu genießen.

Was Kleidung und Gepäck anbelangt orientier Dich an den Schweden:
Wandergummistiefel, auch wenn die Deutschen sich gern darüber lustig machen, halten die Füße trocken, denn nichts ist unangenehmer als tagelang kalte, nasse Füße.
Eine Garnitur Kleidung nach dem Zwiebelprinzip.
Regenponcho (Kraxenoncho, wg. Rucksack!) und -hose.

In den Rucksack:
Karte und evtl. Kompass
Geld, Ausweis etc.
2 Garnituren Socken und Unterwäsche
All in One Seife, Zahnbürste, 1 Handtuch, Deo
Verpflegung
Fotoausrüstung
Schlafsack

Kocher, Isomatte und Zelt nur, wenn Du nicht in Hütten übernachten willst, ist aber bei der ersten Tour vielleicht noch nicht so das Wahre.

Das reicht völlig aus, ich habe noch nie einen Schweden auf dem Kungsleden mit einem größeren Rucksack als 35 l gesehen. Sonstiges Gepäck z. B. für Städtetouren etc. kannst Du ja bei der Hinfahrt bereits am Endpunkt Deiner Tour in einem Schließfach einlagern oder in der Fjällstationen aufgeben. Kostet zwar, macht aber Sinn.

Schönen Urlaub,
Tina

padjelantaelch
21.06.2005, 09:51
Hallo,

also, was die "Orientierung" auf dem Kungleden betrifft: Wer das nicht hinkriegt, sollte lieber nicht wandern... Der Weg ist bestens markiert und ausgetreten wie nur was - da kann man sich im Schwarzwald eher verlaufen. Ganz anders sieht's natürlich im Winter aus - aber das ist eine andere Sache.

Wetter: Ende August noch 25 Grad? Das ist aber schon sehr optimistisch! Im Juli schon, da kann's sogar mehr sein. Wenn man Ende August nochmal die 20 Grad hat, kann man zufrieden sein. Das heißt jedoch nicht, dass es da dann nur regnet, es ist halt nur schon Herbst, vergleichbar Ende Oktober bei uns. Eigendlich die beste Wanderzeit!

"Verkehrsdichte": In der Hauptsaison (Mittsommer bis Anfang August) geht es teilweise zu, wie auf dem Jahrmarkt, mehrere 100 Wanderer pro Tag sind normal. Die Strecke Abisko - Kebnekaise "muss" in Schweden jeder mal gelaufen sein, entsprechend voll ist es.
Einsamkeit gibt es dort jedenfalls im Sommer nicht, da sind deutsche Mittelgebirge einsamer.

Hütten: Kaum ein anderer Wanderweg in Schweden ist besser mit Hütten versorgt, als der Kungsleden oder auch der Padjelantaweg. Verpflegung gibts am Kungsleden zumindest an den Etappen von Abisko bis Kvikkjokk an fast allen Hütten zu kaufen, zumindest eingeschränkt.
Der Kungsleden gehört für Trekkinganfänger und Leute, die ohne Zelt wandern wollen weltweit wohl zu den besten Wegen was Markierung und Infrastruktur betrifft und bietet nur wenige 100 Meter abseits des Pfades trotzdem Wildnis pur!

Gruß, Bernd

Snow
22.06.2005, 09:36
Wir sind letzten September den Kungsleden ab Abisko gegangen. Die erste Teilstrecke ca. 15 km ist sehr schön. Je nachdem was man sich erwartet - wird der Weg dann SEHR steinig und alpin. Da wir in keinem Reiseführer Infos darüber gefunden haben, haben wir damit überhaupt nicht gerechnet. Nicht zu vergessen ist, dass auf steinigem Weg das wandern natürlich schwerer fällt - man muss genau aufpassen wo man hinsteigt, d.h. man kann die Gegend nicht so genießen :( und mit ca. 20 kg am Rücken ist das ganze kein Spaziergang ...

padjelantaelch
22.06.2005, 15:32
Hallo Snow,

da kennst du andere skandinavische Wege nicht. Wie neulich schon an anderer Stelle (Nordkalottleden) geschrieben, ist eine Wanderung dort halt nicht mit Wanderungen in deutschen Mittelegebirgen (meist auf Forstwirtschaftswegen) zu vergleichen.
Relativ steinig ist mir am Kungsleden eigentlich nur ein kurzes Stück im Garddenvaggi in Erinnerung, der Rest in diesem Gebiet ist doch wirklich mehr schwarzwaldmäßig...

Da musst du mal den Padjelanta gegen, vor allem das Stück zwischen Tarrekaise und Nunjes, oder bei Allesjaure vom Kungsleden abzweigen Richtung Vistas und dann in das Stuor Reaiddavagge, oder auch die Wege in der Femundsmarka (z.B. Svukuriset - Skedbro oder Muggsjölia - Skedbro). Oder auch die Strecke im Dovrefjell von Reinheim nach Åmotdalshytta - Anfangs noch ganz lieblich, aber dann....
Wir waren schon öfter in einem Ferienhaus in der Gegend von Stryn (Nordfjord). Als ich den Vermieter ma nach einem schönen einsamen Wandergebiet fragte, empfahl er mir eine wenig bekannte Strecke in der Gegend von Grotli im oberen Oddadalen / Strynefjellet. Au weia, wenn du dort mal wanderst, weißt du, was wirklich steinig ist!

Gruß, Bernd

hikingharry
22.06.2005, 19:37
Gummistiefel: So nützlich sie sonst in Skandinavien sein mögen, aber auf der Strecke Abisko - Vakkotavarre wäre ich auch gut ohne sie ausgekommen.

Außerdem sollte man eine gute Trittsicherheit haben, den Gummistiefel sitzen so locker wie Mokassins.

Gruß hikingharry

Fjaellraev
22.06.2005, 22:11
Das mit dem steinigen Kungsleden liegt hauptsächlich daran, dass er halt ziemlich stark begangen ist und dadurch die Erosion stärker wirkt, so dass halt überall die Steine zum Vorschein kommen. Aber natürlich gibt es auch ein paar richtig steinige Ecken, wie zB am Tjäktapass. Allerdings ist es wie die Anderen schon schreiben nicht mit anderen Wegen vergleichbar, die aber dann auch meist nicht den Haupttälern folgen.
Gummistiefel sind auf dem Kungsleden sicher nicht (mehr) angebracht, da man mittlerweile doch stark auf den Knöchelschutz angewiesen ist. Ich würde dort sogar meine geliebten Lundhags zuhause lassen und die normalen Trekkingschuhe mitnehmen.

Gruss
Henning

padjelantaelch
22.06.2005, 23:21
Gummistiefel?! Wie kann man sich denn so was freiwillig anziehen??? Ich habe solche Dinger noch nie gebraucht. Gelegentlich mal leichte Trekkingschuhe wenn's mit den Steinen oder der Kälte zu arg wird, ansonsten bin ich froh, dass ich sie nicht brauche...
Ich bevorzuge zum Wandern aber auch weniger ausgetretene Pfade, wo man meist durch Gras oder Sumpf watet.

Gruß, Bernd

http://www.im-licht-der-natur.de (http://www.im-licht-der-natur.de/)

hikingharry
23.06.2005, 08:09
Und weil´s mir gerade einfällt: Lange Strecken zwischen Abisko und Vakkotavarre sind Bretterbohlenwege, daher einfach zu begehen.

@padjelantaelch: Du schreibst: "Gelegentlich mal leichte Trekkingschuhe...".
Und sonst?

Gruß hikingharry

padjelantaelch
23.06.2005, 16:05
@padjelantaelch: Du schreibst: "Gelegentlich mal leichte Trekkingschuhe...".[/size]
Und sonst?

Gruß hikingharryBarfuß! Siehe auch meinen Beitrag "4 Internette Zugvögel..." und auf meiner Homepage unter "about me"

http://www.im-licht-der-natur.de (http://www.im-licht-der-natur.de/)

Dort gibt's übrigens auch ein Foto zum Thema "steinig"...

Gruß, Bernd