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Vollständige Version anzeigen : Wandern in den Vogesen


UllaOdw
13.02.2005, 14:31
Hallo, ich bin ganz neu in diesem Forum. Ich plane derzeit eine Wanderung mit Freunden in den Vogesen, am liebsten ein bisschen Abseits des allgemeinen Gedränges, denn wir wollen "natürlich" am langen Wochenende Ende Mai fahren.
Ich habe schon einige Beiträge gelesen und schon viel Informatives gefunden, allerdings noch nicht das Wahre. Meine Fragen im Moment sind:

Dreitägige Rundtouren sind nicht einfach zu finden, gell?
Wie komme ich an Adressen und Telefonnummern von Fermes dran?
Wenn ich nicht rund laufen kann, weil es sonst zu langweilig wird wegen zurück gehen und so, gibt es auch allseits bekannte Busverbindungen? Zum Beispiel vom Col de la Schlucht runter oder vom Ballon d´Alsace?
Und fahren die auch sonntags?

Ich hoffe auf Antwort, denn ich denke mir, dass man in den Ferme langsam buchen muss.

ThomasFFM
13.02.2005, 20:16
Hallo, Ulla!

Einige Deiner Fragen will ich gerne beantworten.

Möglichkeiten für dreitägige Rundtouren gibt es mehr als genug. Wenn es etwas ruhiger sein soll, dann würde ich Dir eher die Mittelvogesen als die Hochvogesen empfehlen; zumindest das Gebiet zwischen Lac Blanc und Grand Ballon ist alles andere als ruhig. Aber man findet auch in den Südvogesen schöne Möglichkeiten.

Mit Busverdingungen sieht es leider nicht gut aus; Busse fahren nur wenige. Dagegen gäbe es die eine oder andere Bahnverbindung (Straßbourg - Molsheim - Schirmeck, Mulhouse - Thann - Kruth-Wildenstein, Colmar - Turkheim - Munster - Metzeral), und über die Zugverbindungen erfährt man über www.bahn.de (http://www.bahn.de).

Jedenfalls hat man bei dreitägigen Rundtouren (oder auch Touren, bei denen man mit der Bahn zum Ausgangspunkt zurückfahren kann) wirklich die Qual der Wahl. Ein paar Beispiele:

In den Mittelvogesen: Saverne - Urmatt auf dem GR 53, wäre auch in zwei Tagen zu schaffen, aber man sollte sich ruhig Zeit für etliche lohnende Abstecher nehmen. Rückfahrt ab Urmatt (dort gibt es allerdings nur Hotels, aber man könnte das Gepäck beim Refuge du Grand Tétras in Wangenbourg-Engenthal lassen und zum Schluss mit dem Auto hinfahren) über Straßburg nach Saverne. Zwischen Saverne und Wangenbourg-Engenthal bietet sich evtl. auch der Gîte d'étape am Campingplatz von Dabo zur Übernachtung an.

Urmatt - Donon - Chatte Pendue - Schirmeck, zweieinhalb Tage. Nachteil: Man ist auf das Hôtel du Donon angewiesen; das ist allerdings durchaus empfehlenswert, ich gehe gern hin. Bis auf die Umgebung des Donon, der freilich auch ein phantastischer Aussichtsberg ist, hat man dort seine Ruhe.

Vier Tage, allerdings wären da die erste und vierte Etappe am An- bzw. Abreisetag machbar: Thann (Bahnhof) - Ferme-Auberge Gsang - Rouge Gazon - Ferme-Auberge du Drumont - Grand Ventron - Rainkopf (Hütte des Club Vosgien, daneben gute Ferme-Auberge) - Metzeral (Bahnhof). Wenn das "odw" in Deinem Nick "Odenwald" bedeutet, ist das tatsächlich an vier Tagen zu schaffen. Du könntest auch vorher nach Kruth-Wildenstein absteigen, z. B. vom Grand Ventron, und mit dem Bummelzug nach Thann zurückfahren. Sehr schön und über weite Strecken eher einsam und urig!

Schließlich lohnt sich auch die etwas weitere Anfahrt über Mulhouse und Masevaux nach Sewen. Aufstieg mit blauem Rechteck zur Ferme-Auberge Gresson, am zweiten Tag über Neuweiher zur Tête des Perches und dann mit rotem Rechteck zum Ballon d'Alsace - nur im Gipfelbereich trifft man auf Besucherscharen. Übernachtung in der Auberge de la Musardière. Am dritten Tag - kaum mehr als eine Halbtagesetappe - mit rotem Rechteck zur Ferme-Auberge Fennematt und mit blauem Rechteck zurück nach Sewen. Eine der schönsten Vogesentouren überhaupt! (Man könnte auch ab Dolleren bzw. Oberbruck zur Ferme-Auberge Gsang auf- und von der Fennematt wieder dorthin absteigen; welche Alternative man wählt, ist Geschmackssache; wer wie ich Bergseen liebt, wird die erstgenannte Variante vorziehen, weil man da gleich an fünf Seen verschiedensten Landschaftscharakters vorbeikommt.)

Telefonnummern der Fermes-Auberges gibt es natürlich in Wanderführern und auch im Internet. Einfach den Namen einer Ferme-Auberge bei google eingeben, dann wirst Du schon fündig!

Gruß
ThomasFFM

Lungta
14.02.2005, 12:39
Hallo Ulla,

Busverbindungen gibt es z. B. hier: http://www.l-k.fr/, es schaut aber - wie Thomas schon gesagt hat - nicht gerade rosig aus. Außerdem gibt es Sonntags und an Feiertagen noch eine Art Pendelbusverkehr für Wanderer, der die Route des Crêtes entlangfährt. Dieser nennt sich "Navettes des Crêtes" - wenn du das als Suchbegriff in Google eingibts, findest du den Fahrplan für 2004, auch auf deutsch, als pdf-Dokument (ich habe leider keine Ahnung, wie man das hier verlinken oder einfügen könnte).

Die Daten vieler Fermes Auberges (und Beschreibungen von Tageswanderungen) findest du (auf französisch) auf dieser hervorragenden Website von Jean Louis Keller http://www.baladapied.com/.

Streckentouren entlang des GR 5 und einigen Varianten des GR 531 sind z. B. in dem Wanderführer "Zu Fuss durch die Vogesen" beschrieben, den ich für meine Planung sehr nützlich fand.

Viele Grüße und viel Spass bei der weiteren Planung http://trekkingforum.com/forum/images/smilies/cool.gif

Christine

UllaOdw
20.02.2005, 15:07
Hallo Christine und Thomas,

erst einmal vielen Dank für die nützlichen Tips. Allerdings macht das die Entscheidung nicht gerade leichter.

Die Zeit wird allerdings langsam knapp, denn es werden doch 6 bis 8 Personen sein, die mit mir wandern wollen, und die müssen alle unter kommen.

Also werde ich ausnahmsweise mal Entscheidungsfreudig sein und das Ding ins rollenbzw. ins laufen brinden.

Schöne Grüße aus demOdw von Ulla ;)

UllaOdw
08.05.2005, 18:57
Hallo, jetzt sind einige Wochen vergangen, die Tour steht, die Mitwanderer sind gefunden und der Termin steht auch schon, die Fahrkarten sind gekauft und jetzt fehlt uns nur noch eine Unterkunft!

Ich habe Thomas Vorschlag, in vier Tagen von Thann nach Metzeral zu laufen aufgenommen. Wir Übernachten in der Ferme Auberge Gsang und in der Ferme Auberge du Drumont. Bei der ersten habe ich direkt jemanden erreicht, bei der zweiten habe ich eine Postkarte geschickt und irgendwann angerufen. Bei der Dritten habe ich auch eine Postkarte geschickt, weil ich da niemanden telefonisch erreiche.

Wir wollten in der Ferme auberge Firstmiss übernachten, auf dem Rainskopf.
Haben die Übernachtung, habe ich da was falsch verstanden?
Wie sind die Gepflogenheiten? Reicht eine Postkarte aus oder soll ich noch mal anrufen?
Wo können wir dort in der Nähe übernachten, wenn es nicht klappen sollte?

Ich bitte um schnelle Antwort, die Zeit drängt langsam

Vielen Dank und Bonjour

Ulla

ThomasFFM
08.05.2005, 21:01
Hallo, Ulla!

In der Ferme-Auberge Firstmiss kann man nicht übernachten, nur in einer ca. 200 m entfernt liegenden Hütte des Club Vosgien, dem Refuge du Rainkopf - sofern die Hütte geöffnet ist. Wenn Ihr aber am Wochenende kommt (Fronleichnam ist meines Wissens in Frankreich kein Feiertag), dann sollte sie offen sein, man sollte sich aber vorher unbedingt anmelden (irgendwo im Internet müsste doch eine Telefonnummer zu finden sein...). Notfalls gäbe es in der Nähe von Firstmiss noch die Ferme-Auberge Breitszhousen (oder wie auch immer die geschrieben wird) mit Übernachtungsmöglichkeit. Dadurch verlängert sich die Etappe ab Drumont allerdings noch einmal um ca. eine halbe Stunde.

Wenn Du sichergehen willst, ruf im Zweifelsfall noch einmal an! Ob die Postkarte an die richtige Adresse gekommen ist, kannst Du ja nicht nachprüfen.

Gruß
ThomasFFM

Lungta
10.05.2005, 09:18
Hallo Ulla,

ich mache die gleiche Tour jetzt an Pfingsten. Wir übernachten am dritten Tag in der FA Breitzhousen, da das Refuge du Rainkopf vom Club Vosgien derzeit leider nur am Wochenende geöffnet hat. Wenn ihr auf eurer Fronleichnams-Tour am Samstag dort seid, müsste aber eigentlich auf sein. Wegen des Refuge musst du dich an den Club Vosgien in Mulhouse wenden; nachdem ich dort telefonisch niemanden erreicht hatte, hatte ich ein Fax geschickt und wurde ziemlich schnell zurückgerufen. Adresse:

C.V. Mulhouse

33 Grand’ Rue

68100 Mulhouse

France

Fax: 0033 / 389 / 742525


Hier die Website: http://perso.wanadoo.fr/clubvosgien/

Das Refuge bietet nur Unterkunft, kein Essen; dieses bekommt man aber in der nahegelegenen FA Firstmiss (wo man wiederum nicht übernachten kann). Wo du nur eine Postkarte geschickt hast, würde ich auf jeden Fall noch einmal telefonieren. Ich musste für unsere Gruppe jeweils eine Anzahlung für die Reservierung machen.

Viele Grüße und viel Spass auf der Tour

Christine

UllaOdw
10.05.2005, 18:54
Hallo Thomas, hallo Christine,

vielen Dank für eure Antwort. Das hilft mir schon weiter, wenn mir jemand sagt, dass Firstmiss keine Unterkunft bietet. Doch, schon.;)

Ich werde mich jetzt mal mit Breitzshousen in Verbindung setzen und mit cem Club de. Vosgien, denn so langsam eilt die Zeit und wir haben wenig Lust im Freien zu schlafen.

Ansonsten wünsche ich dir, Christine auf der Wanderung am Wochenende viel Spaß und vor allem besseres Wetter, als es bisher war. Wenn ich dir die Daumen drücke, klappt es sicher auch umgekehrt.

Berichte doch nach Pfingsten mal, wie es war.


Eine schöne Zeit euch beiden

Ulla

UllaOdw
13.05.2005, 10:55
Sehr witzig,

jetzt habe ich in Breitzhousen telefonisch buchen können, da schneit mir die Reservierung des Club Vosgien ins Haus. Die Kooperation zwischen Firstmiss und dem Club funktioniert also und ich habe jetzt ein Problem. Aber das bekommen wir sicher gelöst.

Jetzt aber noch eine andere Frage: eine meiner Mitwandererinnen hat mich gefragt, welche Art Schlafsack man braucht. In den Hütten vom Alpenverein braucht man nur einen Hüttenschlafsack, aber wie ist das in den Fermes und in der Hütte des Club? Weiß das jemand? Sonst muss ich die Hütten noch mal komplett abtelefonieren

Für eine Auskunft wäre ich dankbar

bis dahin schönes Pfingstfest

von Ulla

ThomasFFM
13.05.2005, 12:46
Hallo, Ulla!

In Gsang und auf dem Drumont habe ich noch nicht übernachtet (bei Gsang wird es offenbar allerhöchste Zeit, dass ich das endlich nachhole!). Normalerweise genügt aber ein Hüttenschlafsack (französisch drap). Ich weiß nur, dass man zumindest vor einigen Jahren in der Ferme-Auberge Felsach - zwischen Drumont und Grand Ventron - einen "richtigen" Schlafsack brauchte, weil es dort keine oder fast keine Decken gab. Aber das ist ja jetzt nicht Dein Thema.

Jedenfalls gab es bei meiner Übernachtung im Refuge du Rainkopf Decken und auf Breitzhousen ohnehin.

Gruß
ThomasFFM

Lungta
13.05.2005, 14:46
Das entspricht auch meinem Kenntnisstand (bezügl. Fermes Auberges; zum Refuge kann ich nichts sagen): Hüttenschlafsack, Hütten- oder Hausschuhe, Taschen- oder Stirnlampe. Decken seien vorhanden sowie (im Gegensatz zu Berghütten) auch Handtücher (nehme vorsichtshalber trotzdem mal ein kleines mit). Morgen früh geht's los, Wettervorhersage ist ja leider etwas durchwachsen :( , aber immerhin liegt kein Schnee mehr. Ich werde dann an dieser Stelle mal berichten.

Viele Grüße

Christine

aldo797
15.05.2005, 16:30
hallo,

da grad das thema bei schlafsäcken ist, wollt ich mich da auch einklinken.
meine kids u. ich gehn auch ende mai 3 tg. im elsass wandern. gebucht (fast, muss noch bestätigen) - dank thomasffm :) - in Auberge de la Musardière u. Auberge-refuge Neuweiher. wie sieht es da aus, muss ich da schlafsäcke mitnehmen. statt der hüttenschlafsäcke wird ja sicher auch ein bettbezug gehn. ich wär jetzt ohne losgewandert.

ich wünsch euch viel spass u. gutes wetter bei eurer tour.

grüsse harald

ThomasFFM
15.05.2005, 17:19
Hallo, Harald!

In der Auberge de la Musardière (dass die in einem Jahr um mehr als 20 Prozent aufgeschlagen hat... :mad: :mad: :mad: ) braucht man keinen Schlafsack, auch keinen Leinenschlafsack - das wäre ja sonst noch schöner bei dem Preis! Die Hütte am Neuweiher kenne ich nicht bzw. nur von außen, aber geh mal davon aus, dass es im Schlafsaal Decken gibt; da bräuchte man höchstens einen Leinenschlafsack - wenn überhaupt.

Gruß
ThomasFFM

Lungta
19.05.2005, 19:09
Sodele, ich bin heil wieder zurück und die Schwimmhäute bilden sich allmählich auch wieder zurück. Bevor die Eindrücke wieder verblassen, hier ein kurzer Bericht:

Zunächst einmal: Das mit den Handtüchern war wohl ein Missverständnis - wir haben zwar nie nachgefragt (da alle eines dabei hatten), ich habe aber auch nie welche gesehen oder angeboten bekommen. Also: Handtuch mitnehmen. Und für die F.A. du Gsang braucht man auf jeden Fall eine Taschen- oder Stirnlampe, da es im Gastraum und in den Schlafräumen kein elektrisches Licht gibt (im Gastraum stehen zur Beleuchtung Kerzen).

In Thann sollte man vor dem Start auf jeden Fall die Kirche besichtigen (besonders die Figuren außen am Hauptportal). Gegenüber der Kirche ist eine sehr Boulangerie-Patisserie mit seeeehr leckeren Sachen. Leider (zum Glück?) waren die meisten Leckereien nicht rucksacktauglich, sonst wäre meiner vermutlich gleich ein paar Kilo schwerer geworden. Gegenüber vom Hauptportal gibt es außerdem einen Metzger, wo man sich ebenfalls noch mit etwas Proviant eindecken kann. :p

Die Tour ist sehr schön und (mit etwas Wandererfahrung) gut machbar. Die Wege sind wunderschön, man ist sehr viel auf schmalen Pfaden unterwegs, nicht so viel auf "Forstweg-Rennbahnen" wie sie in vielen Mittelgebirgen ja vorherrschen. Die Wege sind deutlich "alpiner" als in den Mittelgebirgen, feste Wanderstiefel sind auf jeden Fall empfehlenswert und ich fand die Trekkingstöcke einmal wieder sehr hilfreich (besonders wenn, wie in unserem Fall, alles nass und glitschig ist. Die Ausschilderung und Markierung der Wege ist hervorragend, trotzdem sollte man natürlich eine Karte dabeihaben.

Man läuft sehr viel durch Buchenwälder, die jetzt noch hellgrün sind und dadurch besonders freundlich und hell wirken. Die Schönheit der Ausblicke konnten wir leider meistens nur erahnen, aber was man sehen konnte, war beeindruckend. Die Tour ist auf alle Fälle sehr lohnenswert.

Christine

UllaOdw
02.06.2005, 18:20
Auch ich bin wieder gut gelandet!


Vielen Dank für die vielen Hinweise, sie waren sehr hilfreich! Aufgrund der zu erwartenden Hitze haben ich mir noch schnell einen Hüttenschlafsack gekauft. Mein Daunenschlafsack ging auch gar nicht in meinen Rucksack, wie ich beim Packen feststellte. ;)


Wir haben soo viel Glück mit dem Wetter gehabt, es hat erst am Sonntag nachmittag bebrummelt und da waren wir schon wieder auf dem Weg ins Tal. Wie oft habe ich an dich gedacht und dich bedauert, Christine. Nur zwei Wochen vorher so ein Mistwetter.

Die Tour war anstrengend, ich habe meine mangelnde Kondition gespürt und die 5 Kilo zu viel auf den Rippen, aber alle haben es sehr genossen.

Ich würde beim nächsten Mal die Etappen nicht ganz so weit auseinander wählen, denn wir hatten über Tag gar nicht viel Zeit zum bummeln und Ausblick genießen. Das hat gefehlt. Wer also schlendern will, ist hier falsch.

Besondere Highlights:
- der schöne Metzger gegenüber der Kirche in Thann (danke für den Tip, liebe Christine)
- Die Ferme Auberge Gsang
- Die einsamen Wälder und wunderbaren Ausblicke
- trotz Brückenwochenende in Deutschland war nicht viel los, erst auf dem Rainkopf und dem Hohneck wurde es etwas mehr.
- Schwimmen im Lac de Schießrothried als krönender Abschluss!

Jederzeit wieder!!!

Abschließend noch eine Frage. Was wir nicht heraus bekommen konnten:

Wir haben jeden Abend in den Fermes das selbe Nachtessen bekommen. Kassler mit Bratkartoffeln. Lag es daran, dass die Fermes sich untereinander absprechen und in der Woche 7 verschiedene Menues kochen? Und wir sind dem Menue quasi nachgewandert? Oder bekommen alle Gäste, die in der ersten Nacht übernachten Kassler mit Bratkartoffeln?

ThomasFFM
02.06.2005, 20:41
Hallo, Ulla!

Ihr habt also jeden Abend die berühmte Melkermahlzeit (repas marcaire) bekommen - das ist ein typisches Ferme-Auberge-Gericht. Wobei die früheren Vogesen-Melker oder Sennen viel bescheidener aßen... Warum die alle dasselbe kochen (oder fast alle dasselbe, in Gresson z. B. wurde variiert)?

Weil die Bezeichnung Ferme-Auberge, die offenbar begehrt ist, an bestimmte Bedingungen gekoppelt ist. Ein Gasthof, der sich offiziell so nennen darf, muss ganz überwiegend in der Region hergestellte Gerichte anbieten, in ziemlich großer Prozentzahl sogar Almprodukte. So ungefähr ist das, meine ich - jedenfalls bleibt da nicht viel Spielraum: Kasseler, Kartoffeln, Speck, Münster- und anderer Käse, gewürztes Hackfleisch (für die Fleischtorten), etwas Gemüse und Salat... Vermutlich meinen viele Wirte zudem, dass die Wanderer exakt dieses Gericht erwarten. Mir persönlich hat es auch dreimal hintereinander geschmeckt, gegen den Hunger ist es schon ok. Aber eintönig ist es natürlich schon.

Gruß
ThomasFFM

Ulf
05.06.2005, 09:48
Hallo,

vielen Dank für die nützlichen Tipps!
Mein Schwiegervater und ich möchten im August die gleiche Tour machen. Allerdings wollen wir das Auto in Thann abstellen und am letzten Tag vom Refuge Rainkopf zurück nach Kruth laufen, um dort den Zug nach Thann zu nehmen.
Hat jemand eine Idee, wie lange die Wanderung vom Refuge Rainkopf nach Kruth dauert und welchen Weg man da am besten nimmt?
Außerdem habe ich die Laufzeiten aus Thomas' (sehr gutem) Buch berechnet. Für den 3. Tag (von FA Drumont nach Refuge Rainkopf) komme ich auf 7 1/2 Stunden. Das erscheint mir etwas lang. Ist die Etappe nach Eurer Erfahrung problemlos machbar?

Danke und Gruß,

Ulf

ThomasFFM
05.06.2005, 13:33
Hallo, Ulf!

Am besten gehst Du mit dem rot-weiß-roten Rechteck über Rainkopf - Rothenbachkopf - Batterikopf zum Col du Herrenberg und dann wieder mit rotem Rechteck (die GR 5 führt vom Hohneck nach Metzeral runter und dann wieder zum Kamm hinauf) weiter zum Col du Hahnenbrunnen. Von der dortigen Ferme-Auberge geht's mit rot-weiß-rotem Rechteck ins Tal nach Kruth. Sollte kein Problem sein, nur dürfte das einschließlich der Bahnfahrt zurück nach Thann (und der eventuellen Wartezeit in Kruth) schon ein tagfüllendes Programm sein.

Gruß
ThomasFFM

ThomasFFM
05.06.2005, 18:11
PS: Habe inzwischen auf der Karte noch einen direkt Weg vom Col du Herrenberg runter nach Kruth entdeckt, der ein klein wenig - aber nicht viel - kürzer zu sein scheint. Markierung: blaue Scheibe; unterwegs teilt sich die Markierung, da würde ich - sofern die Karte (noch) korrekt ist - den rechten Zweig vorziehen. Bei genug Zeit und schönem Wetter würde ich aber doch den kleinen Umweg über den Col du Hahnenbrunnen vorziehen, ich ehabe den Weg dorthin als sehr nett und für Vogesenverhältnisse teilweise geradezu lieblich empfunden (sofern man nicht an Wochenenden unterwegs ist und die Musik der Motorradfahrer auf der nahen Route des Crêtes genießen darf).

Gruß
ThomasFFM

Ulf
21.08.2005, 20:24
Hallo,

mein Schwiegervater (67 Jahre alt, die Angaben über Gehzeiten erfolgen daher im Rentner-Tempo) und ich sind die von Thomas empfohlene Tour gelaufen:
1. Tag:
Anreise mit dem Auto nach Thann. Den Wagen kann man auf dem Bahnhofsvorplatz stehenlassen.
Aufstieg zur Ferme Auberge Thanner Hubel in 3 Stunden. Die F.A. liegt in herrlicher Aussichtslage mit Blick über Thann bis nach Mulhouse und Basel. Entgegen der Angabe in Thomas' Buch ist Übernachten möglich. Telefon: 03 89 38 11 93. Halbpension für 28€. Sehr familiäre Atmosphäre, die etwa 8 Jahre alte Tochter des Hauses hilft mit Begeisterung beim Bedienen. Da die F.A. nicht mit dem Auto angefahren werden kann, sind die Übernachtungsgäste abends weitgehend unter sich.
Der Wirt war bei der Frühstückszeit flexibel: "vor dem Melken oder nach dem Melken". Da wir unter seniler Bettflucht leiden und gerne früh loslaufen, entschieden wir uns für "vor dem Melken", das war dann 6 Uhr!

2. Tag:
F.A. Thanner Hubel - F.A. Drumont 6,5 Stunden (Thanner Hubel - Rouge Gazon 3,5 h, Rouge Gazon - Drumont 3h)
Einsame Wanderung mit abschließendem kräftigen Aufstieg vom Col de Bussang.
F.A. Drumont: Tel. 03 29 61 50 12. Halbpension für 32€. Von der herrlichen Lage haben wir wegen Nebel leider nichts gesehen. Abends kommen viele Einheimische zum Essen hierher.

3. Tag:
F.A. Drumont - Refuge Rainkopf 7,5 Stunden (Drumont - Grand Ventron 3,5h, Grand Ventron - Refuge Rainkopf 4h)
Ebenfalls sehr einsame Wanderung. Höhepunkte sind die Aussicht auf dem Grand Ventron und auf dem Rainkopf. Wer danach noch Luft hat, sollte in ca. 20 Minuten noch den Kastelberg besteigen. Von dort schöne Aussicht in Richtung Hohneck mit den markanten Felsen.
Refuge Rainkopf des Club Vosgien Mulhouse: Urige Selbstversorgerhütte (kein Strom, nur Gas), geöffnet an Wochenenden von Mai bis Mitte Oktober, in den Monaten Juli und August permanent geöffnet. Reservierungen unter Tel. 03 89 74 25 25. Übernachtung 9€, Dusche 2€.
Abendessen (und angeblich auch Frühstück) in der benachbatren F.A. Firstmiss (keine Übernachtung!). Essen: gut und reichlich. Auch diese wurde am Samstagabend von vielen Einheimischen besucht.

4. Tag:
Refuge Rainkopf - Abstieg nach Kruth 3 Stunden
über Rothenbachkopf, Batteriekopf (Markierung rot-weiß-rot), dann bei der F.A. Huss rechts ab (Markierung blauer Punkt)
Ab Kruth mit dem Bus bzw. Zug (siehe Fahrplan) in 1/2 Stunde zurück nach Thann und Rückreise.

Fazit: empfehlenswerte einsame Tour in schöner Landschaft.

Eine Frage am Schluss an die Vogesen-Spezis: auf dem Kamm zwischen Rouge Gazon und dem Col Bramont verläuft neben dem Weg ein niedriger, aufgeschichteter Steinwall. Hat jemand eine Idee, wann der errichtet wurde und welche Bedeutung der hat?

Viele Grüße,

Ulf