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Vollständige Version anzeigen : Laufen von Europa nach Tibet


Tibet-laufen
09.01.2005, 19:05
Hallo Andreas und andere Tibet Erfahrene,

ich bin gerade am Anfang meiner Planung für einen lang gesehnten Kindheitstraum. Und zwar möchte 2006 von Deutschland nach Tibet laufen. Für den Trip habe ich insgesamt eine Zeit von etwa 4 Jahren eingeplant, weil ich unterwegs auch mal irgendwo länger aufhalten möchte bzw. eine gewiese Zeit in ein Kloster gehen möchte. Ich hab mittlerweilen rausgefunden das die Strecke über Russland wohl die sichere und einfachere ist - allerdings möchte ich lieber die Strecke über den Iran, Afganistan und Indien laufen - weil mich diese Strecke mehr intressiert. Ist dies überhaupt machbar - gibt es dort Strecken die man aufgrund von Wüsten gar nicht laufen kann. Oder gibt es Gegenden die aufgrund der politischen Situtation überhaupt nicht bereist werden können. Ich habe zwar auf div. Trips schon gemerkt das Krisengebiete oft doch recht einfach bereist werden können allerdings möchte ich schon in Tibet ankommen ;)

Auch wäre interessant ob jemand schon mal von jemanden gehört hat der nach Indien oder eine ähnliche Tour gemacht bzw. geplant hat.

Auch wäre interessant ob man die Tour besser zu zweit machen sollte oder ob dies alleins auch möglich ist.

So das wäre es erstmal für den Anfang für Infos wäre ich sehr dankbar.

Lieben Gruß der Tibetläufer

wetterfest
09.01.2005, 19:18
hallo tibetläufer,

ich kenne die strecke bis indien.....politisch problemtisch könnte sicherlich der iran sein, da musst Du auf jeden fall durch, nicht ungefährlich sicherlich auch die ganze osttürkei (große distanzen, gebirgig, wenig infrastruktur, aber das hauptproblem ist dann sicherlich afghanistan.
es gibt eine alternativroute vom nordiran ganz runter in den süden und dann über belutschistan in pakistan weiter, aber die ganze gegend im süden ist wüste und vor allem out of law, eigentlich überhaupt nicht kalkulierbar für so ein unternehmen?

evt. gibt es nördlich vom iran eine route durch die ehemaligen gusstaaten, kenne ich aber persönlich nur von der landkarte.

vielleicht magst du ja ab und zu mal hier berichten wie es voran geht, wäre interessant.

viel glück
helmut

Andreas
10.01.2005, 11:47
Hallo Tibetläufer,

Also, wie die Situation in Afghanistan derzeit ist, sehe ich schwarz, dass es 2006 schon um sovieles besser sein sollte. Und Belutschistan ist wirklich nicht der Ort, um dort alleine zu laufen. Da würdest du nicht lebend raus kommen. Und nicht nur wegen diverser Räuberbanden und Clanstreitereien, sondern auch, weil dort auf Hunderte Kilometer kein Wasser ist und die einsamen Bahnstationen extrem weit auseinander liegen.

Großer Organisation bedürfte eine Nordroute, aber, wie wetterfest sagt, möglich: Iran - Turkmenien - Usbekistan - Kirgisien - Sinkiang (Westchina) - Tibet.

Andreas

Tibet-laufen
10.01.2005, 18:37
Hallöchen Andreas und Wetterfest,

das waren schon mal sehr gute Tips - habe mich dann gestern auch nochmals weiter schlau gemacht und Afghanistan kann man wohl die nächsten 3 Jahre ziemlich vergessen zu durchlaufen - das ist mir dann doch eine Spur zu heiß. Und die Route über Belutschistan ist mir auch zu gefährlich - da hab ich jetzt schon sehr schaurige Geschichten von Leuten gelesen und ohne Wasser is es eh sehr schwierig.

Aber die Route über den Iran - Turkmenien - Usbekistain .... wäre vom politischem und der Versorgung glaube ich ganz gut machbar. Außerdem is das glaube ich auch eine der alten Wege der Seidenstraße - außerdem soll gerad Usbekistan sehr sehr interessant sein. Na das sieht doch schon mal ganz gut aus. Mit denn Visumgeschichten gehts jetzt dann weiter - da ich aber selber 13 Jahre Reiseverkehrskaufmann wahr - dürfte ich das Problemlos wohl organisieren können.:)

Ich halte euch auf jedenfall auf dem Laufenend - was sich bei mir so tut - weil zu dem ganzen Projekt soll auch noch eine Internetseite entstehen - da ich mittlerweile auch Programmierer und Fotograf bin - dazu bin ich gerad auf der Suche nach Sponsoren aber das geht sich bisher auch ganz gut an - das Projekt soll auch Mind vermitteln - "Laufen für den Frieden".

So das wars erstmal von mir - mehr gibts Bald.

Grüße Der Tibetläufer

pushbike
14.01.2005, 23:19
Oh ja, Turkmenistan hat ja auch überhaupt keine Wüste. Dürften so 200 km nix von Ashgabad bis Mary sein, dann gehts aber ähnlich weiter. Wie willst Du das mit den Visa machen? Die haben nur eine bestimmte Gültigkeit. Du brauchst allein für den Iran mind. 2 - 3 Monate, Turkmenistan wird kompliziert weil die geben sehr knappe Aufenthaltszeiten, Kirgistan ebenso (denk ich zumindest).
Die absolute Dröhnung ist ja Kashgar-Lhasa. 1200 km bis Ali, dann hört die Welt auf. Sei drauf vorbereitet, 4-5 Tage autark zu sein. Chinesen/Tibeter werden Dich auf ihren Lkws nicht mitnehmen, darauf stehen immer noch harte Strafen. Und hoch ist die Route ja auch nicht. Die Pässe sind in der Regel über 5000 m.
So, hoffe mal, ich hab Deine Träumereien ein bißchen auf den Boden der Tatsachen geholt. Über die Machbarkeit darf diskutiert werden. Bin da skeptisch.
Gruß pushbike

pushbike
15.01.2005, 09:42
Tschuldigung, daß ich so direkt war, aber ich weiß halt die Distanzen. 20 - 30 Liter Wasser solltest Du schon schleppen. Damit kommst Du 4 -5 Tage aus.

Was den Iran angeht, fängt hinter Bam die Wüste Lut an. Da sind dann nur noch ein paar Polizeiposten bis Zahedan. Ortschaften, die evtl. auf Karten eingezeichnet sind, existieren nicht. Sind wohl besagte Posten.
Hinter Taftan/Pakistan wird es noch dünner. Da gibt es, wenn ich mich richtig erinnere, bis Dalbandin (ca. 300 km) nur eine "Ortschaft". Die besteht aus nem halben Dutzend Häusern. Wasser SOLL schlecht sein. Hab nen getroffen, der daraus Wasser getrunken hat. Resultat war ein Parasitenbefall und dementsprechende wochenlange ärztliche Behandlung.
Turkmenistan dürfte Pakistan in der Hinsicht ähneln.
Gruß peter

Franky_BM
17.01.2005, 12:32
Ich kann leider keinen eigenen Beitrag zusteuern sondern nur den Mut für ein solches Vorhaben bewundern! Aber einen Literatur-Tipp habe ich: "Der verheissungsvolle Weg" von Philippe Valery (Verlag Frederking&Thaler, ISBN: 389405638X) - einem Franzosen, der in 2 Jahren zu Fuss von Marseille nach Kashgar gewandert ist, also exklusive Tibet sich eine ähnliche Route vorgenommen hat. Das Buch hatte ich über den Jahreswechsel hinweg verschlungen, ist noch relativ neu.
Im Groben die Route von Philippe Valery ab Asien: Türkei - Armenien - Iran - Turkmenistan - Usbekistan - Tadschikistan - Afghanistan (damals erwartete die Nordallianz den Sturm der Taliban) - Pakistan - China!
Mit Sicherheit ist diese Buch lesenswert, um mal einen Eindruck von einem derartigen Abenteuer zu erhalten, aber auch einige Tipps für ein eigenes vergleichbares Vorhaben aufzunehmen! Tatsächlich scheint die Visa-Beschafferei einiges an logistischen und Zeit-Aufwand auch unterwegs aufzuwerfen. Viel Glück und gutes Gelingen!!!

Andreas
17.01.2005, 14:03
Turkmenistan hat ja auch überhaupt keine Wüste. Dürften so 200 km nix von Ashgabad bis Mary sein, dann gehts aber ähnlich weiter.:D jaja, weiß schon, meinte auch nur, im Vergleich zu Belutschistan ein 'Honiglecken'; immerhin ist die »Infrastruktur« etwas besser und es herrschen auch keine Clans (etwas überspitzt: Belutschistan = Anarchie und Mittelalter in einem ;) ), sondern 'friedlicher' Poststalinismus. Ich würde mich in Turkmenien absolut sicher fühlen.

Andreas

pushbike
18.01.2005, 12:45
immerhin ist die »Infrastruktur« etwas besser und es herrschen auch keine Clans (etwas überspitzt: Belutschistan = Anarchie und Mittelalter in einem ;) ), sondern 'friedlicher' Poststalinismus. Ich würde mich in Turkmenien absolut sicher fühlen.
Turkmenistan ist meiner Meinung ähnlich "sicher" wie Belutschistan. Sorgen würde mir nur die Logistik machen. Bin ja vor ein paar Jahren mit dem Rad durch (Taftan-Quetta mit dem Bus wegen Sommer). Überfallen oder bestohlen bin ich nicht. Überfälle sind eigentlich Ausnahmen. Hab auch in nem Dorf nen Taliban-Kämpfer getroffen und mit ihm unterhalten. Waffen (durchaus Gewehre musealen Alters) trägt dort jeder Mann.
Gruß pushbike

Lungta
04.02.2005, 10:18
Ich finde ein solches Vorhaben ebenfalls sehr bewundernswert. Und es gibt ja immerhin Leute, die Ähnliches schon mit dem Fahrrad gemacht haben - ist vielleicht nicht ganz vergleichbar, aber die bürokratischen und politischen Hürden z. B. dürften die gleichen sein. Da wären z. B. Axel Brümmer und Peter Glöckner - mit dem Fahrrad von Venedig nach Peking (Buch: "Auf Marco Polos Spuren") - und ich bin bei Amazon mal auf das Buch von einem Schweden gestossen, der mit dem Fahrrad von seiner Heimat bis zum Everest gefahren ist - (Göran Kropp, Allein auf den Everest; habe das Buch allerdings nie gelesen). Zum Reisen/Wandern in Tibet und dem Bereich Seidenstrassen gibt es z. B. "Der Diamantene Weg" von Bruno Baumann.

Viel Glück und gutes Gelingen, poste mal wie es weitergeht!

Christine