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Vollständige Version anzeigen : Ein- und Ausreise Tibet


schmelzeri
07.01.2005, 09:59
Hallo Andreas und alle anderen Tibet-Fachleute,

die Frage wurde schon oft gestellt, aber ich habe einen konkreten Fall:

Ich las unter www.lebenstraum-weltreise.de (http://www.lebenstraum-weltreise.de/) , dass die beiden von China nach Tibet einreisten, sich in Lhasa mehrere Tage aufhielten, dann mit einem anderen Paar sich einen Jeep mit Fahrer mieteten, der sie zuerst nach Shigatse und dann weiter zum Kloster Rongbuk/Everest Basislager brachte. Mit Jeep sind sie dann nach Kathmandu ausgereist.

Könnt Ihr mir bestätigen, dass diese Variante legal durchführbar ist? Wir wollen unsere Hochzeitsreise dort verbringen und möchten nicht in politische Schwierigkeiten geraten.

Den Kailash erreicht man vom Everest aus wohl schwer? Ich habe den Reisebericht von Andreas im Forum bereits gelesen. Dafür benötigt man ein Extra-Permit. Aber allein im Jeep kommt man da sicher nicht hin, oder?

Welche Reisezeit ist für Lhasa/Shigatse/Everest am besten geeignet? Ist es Mitte Oktober möglich?

Hallo Andreas! Wie geht es Eurer Familie? Es wäre schön, Euch mal wieder zusehen! Ist das Paket eigentlich rechtzeitig eingegangen?

Liebe Grüße aus München
Ines & Dirk

ingolf
07.01.2005, 13:36
Hallo Ines, Tibet ist weniger kompliziert als sein Image. Du kannst von Chengdu (inzwischen wohl auch von Kunming) nach Lhasa fliegen - hast damit aber nur ein Lhasapermit (habe gehört, das selbst der Nam Tso mitlerweile permitfreie Zone ist). Trotzdem könnt ihr in Lhasa in jedem x-beliebigen Reisebüro einen Jeep nach Kathmandu buchen (Permits sind inklusive). Wenn ihr wollt, könnt ihr aushandeln, daß ihr übers Everest BC fahrt und/oder den Kailash noch "mitnehmt". Ist eigentlich nur ne Geldfrage. Im Winter auch ne Wetterfrage, aber im Oktober dürfte die Fahrt zum Kailash noch keine Probleme machen (vorrausgesetzt es setzt nicht vorzeitig starker Schneefall ein). Ich weiß allerdings nicht, ob im Oktober die Südroute zum Kailash möglich ist. Die Nordroute macht vom Everest aus keinen Sinn (riesen Umweg, vorrausgestzt, die Chinesen haben nicht in letzter Zeit ne Verbindungspiste in die Berge gehauen). Für die Nordroute ist Lhasa der gängige Ausgangspunkt. Vom Everest über die Südroute zum Kailash braucht ihr ca. 3/4 Tage. Sehr anstrengend (von einer Straße kann kaum die Rede sein) aber auch sehr spektakulär (und sehr teuer).Wenn ihr sparen wollt und zeitmäßig nicht so knapp dran seit, könnte man darüber nachdenken, auf eigene Faust zur Grenze zu reisen. Es gibt halt Perioden, wo auf der Lhasa/KTM Straße die Permits streng kontrolliert werden und Perioden, in denen man an den Checkpoints durchgewunken wird. Viel Spaß, Ingolf.

Jochen
07.01.2005, 13:51
Hallo Ines!

Ich war diesen Oktober auf besagter Strecke (Lhasa/Gyante/Shigatse/Everest B.C.) unterwegs und es gab keinerlei besondere Schwierigkeiten mit dem Wetter. Allerdings hatten wir in den höheren Lagen beim Trekken manchmal Probleme, Wasser zu finden (insb. am Bhalung Ri im Cho Oyu-Gebiet), da einige Bäche wohl wegen der tiefen Temperaturen eingefroren waren bzw. kein Wasser mehr führten. Aber insg. ist der Oktober für das Everest-Gebiet m-E. sogar sehr zu empfehlen, da in den Monaten zuvor es doch immer mal passieren kann, daß sich ein paar Monsumwolken von Nepal nach Tibet verirren.
Viel Spaß auf Eurer Tour,
Jochen

schmelzeri
10.01.2005, 09:02
Hallo Ingolf und Jochen,

vielen Dank für Eure Antworten. Das sieht ja gut aus, und wir denken, dass wir das dann auch so in Angriff nehmen werden.

Liebe Grüße
Ines

Andreas
10.01.2005, 17:01
Hallo Ines,

Wie in der PN schon erwähnt, möchte ich auch noch hier antworten und ein paar prinzipielle Tatbestände mitteilen:

Einreise:

von China mit chinesischem Visum und Tibetpermit: individuell möglich! Berechtigung für offene Städte, aber bei Weiterfahrten ins Land (Everest, Kailash, etc. extra Permits nötig)... eher günstig, aber zeitaufwändig
von Nepal ohne chinesisches Visum aber mit Tibetpermit: individuell nicht möglich! Berechtigung von vorne herein festgelegt, weil mit Jeep und Guide unterwegs. Kann es aber recht locker handhaben, wenn man Glück mit dem Guide hat und bei der Planung schon auf Variantenwünsche hinweist... eher teuer (Kailash sehr teuer), aber weniger zeitaufwändig
von Nepal Tour mit Flieger nach Lhasa buchen, nach Ablauf praktisch individuell im Land... preislich unterschiedlich, etwas unsicher, erst in Ktm. buchbar (denke ich)
bei viel, sehr viel Zeit: 'sich-durch's-Land-schlagen', z. B. von Golmud, dann individuell, wie im Forum schon häufiger nachgefragt und beschrieben

Im Land:

Kailash und Everest und Lhasa mit Umgebung verbinden; dann noch An- und Abreise: vier Wochen eher knapp; sollte das unterste Zeitlimit sein. Ihr müsst auch an landslides denken...
Lhasa und Everest: drei Wochen (auch zwei möglich, aber schade drum)
nur Kailash ab/bis Ktm.: drei Wochen
Kailash und Everest: vier Wochen

Reisezeit:

Gleich mal vorweg: so ganz ideal ist eine Tibetreise (besonders Südtibet mit Everest) bezüglich des Wetters nie! Am besten der Oktober, aber auch schon saukalt. Ich war im Juni / Juli am Kailash und hatten in Tibet fast immer traumhaftes Wetter, außer am Kailash selbst. Das kommt daher, dass dort eine Art Wetterscheide ist, und die Gegend, Süd-, West- und Nordwetter abbekommt. Also ein wenig Glück müsst ihr einfach haben! Um den Himalaya frei zu haben, muss die Tour außerhalb des Monsuns sein, aber dann ist's eben kalt.
In der Hauptmonsunzeit schwappen fast täglich Gewitter rüber nach Tibet. Ich habe bei meiner ersten Tibetreise dort die schlimmsten Gewitter erlebt, mit Wetterstürzen innerhalb von 4 Minuten von +24° auf -10° von Sonnenschein plötzlich zu Hagelschlag (Trek Ganden-Samye im August).

Sicht (S) / Kälte (K): plus und minus
Mai: S+- / K-
Juni: S+- / K- aber sehr starker Wind
Juli: wie Juni
August: S- / K-
September: S+- / K-
Oktober: S+ / K+-
November: S+ / K++


Schöne Grüße,
Andreas

(Bild: der Kyichu bei Lhasa)

schmelzeri
12.01.2005, 16:46
;) Danke Dir, Andreas für Deine umfassende Auskunft.

Am Sonntag haben wir den Diavortrag "Auf der Suche nach der goldenen Thara" von und mit Dieter Glogowski gesehen. Durch seine Bilder von Lhasa und den Berichten über die bekannten schlimmen Greueltaten der Chinesen in Tibet sind wir nun doch zu dem Entschluss gekommen, nicht über China einzureisen.

Wir haben unsere Pläne nun geändert: Flug nach Delhi, um von dort aus das Taj Mahal zu besichtigen. Dann weiter nach KTM. Von dort mit dem Jeep nur zum Everest BC auf tibetischer Seite und wieder zurück.

3 Fragen hierzu:
1) Wieviel Zeit muss man für die Everest-Tour veranschlagen?
2) Erhält man das Tibet-Permit automatisch bei Tourbuchung in KTM?
3) Kennt Ihr eine empfehlenswerte Agentur?

Ich freue mich schon auf Eure Antworten!

Liebe Grüße
Ines

Andreas
13.01.2005, 09:10
Hallo Ines,
Durch seine Bilder von Lhasa und den Berichten über die bekannten schlimmen Greueltaten der Chinesen in Tibet sind wir nun doch zu dem Entschluss gekommen, nicht über China einzureisen. Tja, diese Berichte sind sicherlich richtig und ich hatte auch mehr als einmal unangenehmen Kontakt mit der politischen Polizei in China, und nicht nur in Tibet. Aber 'die Chinesen' sind nicht die Regierung, auch wenn es in den 'besetzten' Gebieten Tibet und Sinkiang etc. viele arrogante Kolonisten gibt, die nur auf ihren Vorteil bedacht sind, so habe ich noch viel mehr nette, freundliche und zuvorkommende Chinesen kennengelernt, die mich mit Intelligenz und Gastfreundschaft beeindruckt haben - auch in Tibet, aber mehr in China selbst (Guangxi z.B.). Mag aber auch daran liegen, dass man in Tibet unbewusst und verständlicherweise eher Kontakt zu den Tibetern. Worauf ich hinaus will, ist, dass viele Tibetkenner, wie D. G. unzweifelhaft einer ist, dazu neigen, die schlechten Dinge herauszustreichen und damit anderen die Lust auf Lhasa zu vergällen. Wenn man Lhasa nicht von früher kennt, wird man nicht erkennen, was da jetzt so falsch läuft, denn die Altstadt mit dem Barkhor, die zahlreichen Tempel und Gompas und die landschaftliche Schönheit des Kyitchu-Tales sind allemal einen Besuch wert. Ich würde und werde wieder einmal hinfahren!
1) Wieviel Zeit muss man für die Everest-Tour veranschlagen?Naja, je mehr, umso besser; und die Höhenanpassung verlangt auch ihren (Zeit-)Tribut!
'Üblicherweise' sind die folgenden Tagesetappen vorzusehen:

Kathmandu > Kodari (Grenze) > Zhangmu (2200 m)
Zhangmu > Nyalam (3800 m)
Nyalam Höhenanpassungstag
Nyalam Höhenanpassungstag (die meisten Tourgroups aber auch Private nehmen sich nur einen Tag, was eigentlich recht leichtsinnig ist; man will ja auch etwas davon haben. Wer in Richtung Lhasa unterwegs ist, mag mit einem Tag auskommen, aber er kommt nur kurz bei Pässen über 5000 m; ihr werdet mit dem EBC-Nord für längere Zeit auf über 5000 m sein; also besser zwei Tage einplanen)
Nyalam > Lalung La (5100 m) Aussichten auf Shishapangma; einfach Wow! > Tingri (bei entsprechendem Wetter gute Aussichten auf Everest und Cho Oyu) oder Shekar (interessante Burgruinen)
Tingri oder Shekar > Pang La (5150 m) > Dzakar-Chu-Tal > Rongbuk Gompa (http://www.everest.cc/panoramen.shtml)(5000 m) {Link führt auf meine Everest Seite - runterscrollen bis zum Link 'Panoramablick vom Rongbuk Kloster in Tibet'}
Umgebung Rongbuk Gompa / Fahrt zum Basecamp (5200 m) / Wanderungen vom Basecamp Richtung Advanced Basecamp oder Rongbuk Westgletscher (bis 5800 m) / eventuell durchaus einen zweiten Tag hier einplanen.
Rückfahrt nach Tingri oder besser Trekking über den Lamma La ins obere Tingri Valley zum Fahrercamp Richtung Cho Oyu.
Ausflug / Wanderung Richtung Cho Oyu Basecamp (eventuell einen extra Tag für die Besteigung des 6061 m hohen Bhalung Ri (http://trekkingforum.com/forum/showthread.php?t=1520). {Link führt zu einem Thema hier im Forum über den Bhalung Ri}
Fahrt Fahrercamp / Cho Oyu > Tingri > Nyalam
Nyalam > Zhangmu > Kathmandu
Wie ich geschrieben habe, würde ich mindestens zwei Tage mehr einplanen (1 weiterer beim EBC und einer Bhalung Ri / Cho Oyu BC-Nord). Natürlich gibt es auch sonst in dieser Gegend interessante Ziele: z. B. nicht Tingri oder Shekar, sondern Tingri und Shekar. Etwas nördlich von Shekar an der Hauptstraße gibt es tolle heiße Quellen; im Shi-Chu-Tal (das Seitental, in dem Shekar liegt) gibt es selten besuchte Klöster (z. B. Ngonga Gompa), etc.
2) Erhält man das Tibet-Permit automatisch bei Tourbuchung in KTM? Ja!
3) Kennt Ihr eine empfehlenswerte Agentur? Darüber kann ich mich nicht auslassen, weil ja immer wieder 'Vertreter' von Agenturen hier im Forum sind und eine Empfehlung eine einseitige Werbung wäre.

Schöne Grüße,
Andreas

Hakku
13.01.2005, 13:30
[QUOTE=Andreas][Darüber kann ich mich nicht auslassen, weil ja immer wieder 'Vertreter' von Agenturen hier im Forum sind und eine Empfehlung eine einseitige Werbung wäre.

Dann mach ich das mal!
Wende Dich an Navyo.
www.navyonepal.com
Ich kenne ihn persönlich und er stellt Dir ein ganz individuelles Programm zusammen.
Ende der Werbung :D


Der Hakku

Navyo
21.01.2005, 09:25
Hallo,

die Einreise nach Tibet:

via Chengdu:

mit Tibet permit und Flug möglich (nur Lhasa und Umgebung, eventuell Shigatse, aber nicht immer sicher, da gibt es Auslegungsprobleme).

In Lhasa kann man theoretisch sich an das FIT office des TTB wenden und um individuelle Permits anfragen. Meist wird man an die Agenturen jedoch verwiesen.

Grundsätzlich ist ein Guide + Jeep + Fahrer mindestvoraussetzung um einen Permit zu erhalten. Dies kann theoretisch auch das FIT office machen.

Hierbei ist zu beachten, das sich Regeln oftmals ändern. Grunsätzlich sind individuelle Reisen nicht möglich (wie in diesen thread gemeint).

Auch ist dies nur bedingt für jene eine Option, die ausreichend Zeit haben, sich mit den Behörden in Lhasa zu beschäftigen.

via Kathmandu:

möglich auch für eine Person bei Einreise mittels FLUG nach Lhasa, es wird ein Gruppenvisumformular vorgelegt, das aber auch nur eine Person beinhalten kann.

Für Überland gilt das selbe im Prinzip.

Bei Einreise mittles Flug gilt im Prinzip das selbe wie für Einreise via Chendgu, das Tibet permit kann zwischen 14 und 30 Tagen ausgestellt werden.

Für alle Einreisen via Flug gilt noch das ein Transfer nach Lhasa und drei Übernachtungen in Lhasa inbegriffen sein müssen (die Übernachtungen auch nur Theoretisch).

Der Transfer nach Lhasa muss deshalb inbegriffen sein, da Gonkar (Gonggar) eigentlich gar nicht "Frei" ist für Reisende.

Nachteil dieser Einreiseform:
oftmals wird man in Lhasa "ausgenommen", da man ja nun auf die Agency oder das FIT office angewiesen ist und die das natürlich wissen. Das ist nicht immer der Fall, aber ich kenne solche Fälle. Das hat dann bereits viel mehr als vorab ausgemachte Tour gekostet (die auch noch sehr flexibel gestaltet werden kann).

Vorteil:
wer viel Zeit hat, kann sich erst vor Ort entscheiden was man tun möchte. verlängerungen über 30 Tage sind manchmal auch möglich (eher schwierig allerdings).


Fazit: es wird langsam leichter in Tibet zu reisen, je nach Zeit und budget sollte man sich gut beraten lassen (vorab) und dann sehen.

Navyo