Vollständige Version anzeigen : Wanderung um Wonder Lake (Alaska/Denali)
Lars_Nigge
21.12.2004, 17:49
Hallo Zusammen!
Kennt jemand "Wanderungen" in der Naehe oder um den Wonder Lake? Mit Wanderungen meine ich nicht die Nationalparkstrasse im Denali oder ganz querfeldein sondern ein nomaler Weg, wie man ihn den Alpen finden koennte. Gibt es sowas? Ich habe was von einem "Bar Head Trail" gehoert? Bin fuer jeden Tipp sehr dankbar!!!!!
Viele Gruesse!
Lars
Franky_BM
21.12.2004, 19:25
Hallo Lars,
ich war vor einem Jahr im August 16 Tage mit dem Rucksack im Park unterwegs, vom Teklanika River bis zum Wonder Lake! Tatsache ist: Ausgewiesene Wanderwege vergleichbar zu den Alpen gibt es hier nicht! Nur vom Visitors Center am Parkeingang sowie vom Eielson Visitors Center in der Parkmitte gehen ein paar erkennbare Wege weg. Ich gehe auch davon aus, dass vom Camping-Platz (dort war ich aber nicht!) am Wonder Lake kurze Stichwege weggehen, die sich aber sicherlich auch schnell im Nichts verlieren.
Grundsätzlich kann man im Denali National Park wirklich vom Wildnis-Wandern sprechen und man muss sich aufgrund der Topographie und einer Karte selbst seinen Weg suchen, alleine höchstens mit dem "Sicherheitsnetz" der "Nähe" der Parkstraße, was aber auch eher trügerisch sein kann! Ab und an meint man unterwegs auf einem Weg zu sein, welcher aber lediglich durch die Tierwelt entstanden ist. Es ist Philosphie des Parks, kein umfangreiches Wegenetz anzulegen!
Wenn ihr mehrere Tage mit Zeltübernachtungen abseits der ausgewiesenen Campingareale durch die Landschaft des Parks ziehen wollt (Backcountry Trekking) braucht ihr ein Permit (und einen Bären-Container für die Lebensmittel, den ihr mit dem Permit bekommt)! Der Park ist in einzelne Sektionen unterteilt und ihr müsst euch vorher überlegen, in welcher Sektion ihr wann das Zelt aufschlagen wollt. Nicht der Zugang, aber das Zelten in den Sektionen ist strikt reglementiert. Ausführliche Informationen mit einer downloadbaren Broschüre findest du unter: http://www.nps.gov/dena/home/visitorinfo/backcountry/index.html
Zum Bereich des Wonder Lakes: gerade dort, etwa südwestlich des Sees, ist es völlig unproblematisch weglos einfach quer durch die Landschaft zu ziehen. Diese ist dort nämlich völlig offenes Tundra-Gelände, in dem die Navigation bei ordentlichem Wetter null Problem ist! Und der Blick auf den Mount Mac Kinley bzw. die ganze Alaska Range ist einfach fantastisch! Am Südrand der Sektion 15 oberhalb des McKinley-Rivers einsam sein Zelt aufzuschlagen ist 100mal schöner als auf dem offiziellen Camping-Platz am Wonder Lake zu verweilen.
Ich bin übrigens gerne bereit, Kartenmaterial in digitaler Form bereitzustellen!
Hoffe, etwas weitergeholfen und Appetit gemacht zu haben!
Gruß Frank
Lars_Nigge
21.12.2004, 19:45
Hallo Frank!
Vielen Dank fuer diese tollen Informationen. Ich habe mir die Nationalparkseite mal angeschaut. Bezgl. Permits: Wie wahrscheinlich ist es denn Ende August seinen “Wunschsektor” zu bekommen? Das Procederé habe ich glaube ich verstanden?
Wir wollen 3-4 Tage im Park bleiben. Die erste Nacht sollte auf jeden Fall auf einem Zeltplatz sein. Danach 1-2 Naechte in der Wildnis. Und die letzte Nacht wieder auf einem Zeltplatz. Hast Du einen “Lieblingssektor” (15 hast Du ja schon genannt)?
Vielen Dank und Gruesse
Lars
Franky_BM
21.12.2004, 22:04
Hallo Lars,
ich kann gar nicht behaupten, dass Sektor 15 mein "Lieblingssektor" gewesen wäre! Tatsache aber ist: ich war da dem Mount McKinley am nächsten und das Wetter war nach einigen Tagen trüberen Wetters einfach fantastisch! Empfehlungen sind immer schwer abzugeben und immer auch aufgrund der aktuellen Situation völlig subjektiv geprägt.
Ich gehe aber mal davon aus, dass ihr bei der angegebenen knappen Zeit vor allen Dingen den Blick auf die Alaska Range geniessen wollt, da bietet sich schon z.B. der Sektor 15 an. Auch die Sektoren 34, 35, 36 sowie überwiegend 14 sind offene Tundra-Landschaft mit nur spärlichen Waldbereichen und öffnen bei ordentlichem Wetter den Blick auf die Alaska Range, und die Straße gerät trotzdem auch schnell aus dem Blickfeld! Die Sektoren 19, 20 und 21 erscheinen noch reizvoller da näher an der Alaska Range, kommen wohl aber nicht in Frage, denn die Überquerung des McKinley-Rivers erschien mir - jedenfalls zu dem Zeitpunkt wo ich da war - ziemlich unmöglich! Flussdurchquerungen sind im Park sowieso meines Erachtens das größte Gefahrenmoment, ich selbst habe da etwas weiter östlich eine unliebsame Erfahrung mit dem Toklat River machen dürfen:(. Dieses Problem tritt aber bei den oben angegebenen Sektoren nicht auf!
Das Prozedere am Parkeingang ist dir also nun klar. Die Schwierigkeit ist da tatsächlich, dass der Backcountry-Trek nicht so 100%ig planbar ist, gerade in der Hauptsaison im August. "Vorbuchen" der Sektoren geht nicht, man kann nur unter persönlicher Anwesenheit für ab dem aktuellen Tag, aber dann beliebig viele Folgetage seine Wünsche äußern und hoffen, dass etwas frei ist! Und ich kann mir vorstellen, dass gerade Sektor 15 ziemlich gefragt ist. Im Backcountry Camping Guide des Parks ist ja angegeben, wieviele Leute maximal in jedem Sektor pro Nacht zugelassen werden (unter "Quote"), z.B. sind es gerade mal 4 in Sektor 15. Also Alternativen sollte man da schon parat haben. Ich hatte ja den Vorteil, dass ich in einem weniger "gefragten" Teil begonnen habe und mich dann immer mehr dem Wonder Lake genähert habe. Da die meisten ähnlich wie ihr nur wenige Tage im Park sind, hatte ich dann bei meiner Festlegung der Sektionen für die Folgetage überhaupt kein Problem!
Soweit ich weiss ist aber Vorbuchen des Camping-Platzes möglich. Und solltet ihr den am Wonder Lake aufsuchen wollen, so ist dies mit Sicherheit ratsam! Ich hätte da kein Plätzchen mehr gefunden, wollte es aber auch gar nicht. Nur den Camping-Platz am Park-Eingang habe ich wahrgenommen.
Eure Sektion muss übrigens gar nicht in der Nähe eines ausgewiesenen Campingplatzes sein, das Bussystem entlang der Straße ist hervorragend und in die speziell gekennzeichneten Camper-Busse kann man jederzeit unterwegs einsteigen oder aussteigen.
Damit da auch nichts falsches rüberkommt: im Grund genommen hat JEDER Sektor seinen Reiz, ist zudem sowieso alles mehr wetterabhängig dort! Einige Leute fahren gerade mal für 1-2 Tage in den Park und sehen die Berge vor lauter Wolken nicht ...
Noch ein Literaturtipp: "Hiking in Alaska" vom Lonely Planet. Dort sind auch einige "Weg"-Empfehlungen im Park angegeben, z.B. am Eielson Visitors Center und am Polychrome Pass, jeweils für 2-3 Tage, für euch vielleicht gute passende Vorschläge. Aber auch hier: auch wenn im Lonely Planet von "Trails" die Rede ist, es sind keine Wege in unserem Sinne sondern einfach Routenvorschläge!
Hauptsächlich wünsche ich euch GUTES Wetter dort!
Gruß Frank
Lars_Nigge
24.12.2004, 15:38
Hallo!
Vielen Dank fuer die umfangreichen Infos!!
Gruss
Lars
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