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Vollständige Version anzeigen : Wandern Ende März


Freanan
01.12.2004, 19:26
(Entschuldigung, dass ich das ins Mitteleuropa-Forum geschrieben habe, aber ein viel passendereres Forum gab es dafür nicht...)

Ich möchte gern die freie Zeit, dir mir im März zwischen Abitur und Zivildienst bleibt, nutzen um eine kleine Wandertour zu machen.
Die Ziele, die mich am meisten interessieren, Norwegen und die Alpen, fielen wegend der frühen Jahreszeit ziemlich schnell weg.
Hat jemand Vorschläge für irgendwelche Routen oder auch nur generell ein Land?
Es sollte schon bergig (hochgebirge), oder auf irgendeine Weise aussergewöhnliche Lanschaft sein.

Ich bevorzuge allgemein nördlichere Länder den südlicheren, bin mir aber natürlich bewusst, dass das im März ein Problem sein kann.
Die Tour sollte nicht laenger als eine Woche dauern und keine spezielle Bergausrüstung oder Schneeschuhe oder ähnliches voraussetzen.

Wie sieht es mit folgenden Ländern aus, für die ich mich noch interessiere:
Schottland/Irland/Wales
Lettland
Rumänien (Karpaten)
Korsika
?


Danke im Voraus für eventuelle Vorschläge!

ThomasFFM
01.12.2004, 23:09
Hallo!

Das haben wir gern: Deinesgleichen will sich in der Geographie rumtreiben, während meinesgleichen die Abiklausuren korrigiern darf! Die Welt ist eben hart, aber ungerecht... ;)

Du fragst zwar nicht direkt danach, aber in den Vogesen müsste Ende März schon einiges gehen. In den Nord- und Mittelvogesen ohnehin, aber auch in den Hochvogesen müsstest Du schon viele Wege gehen können. Natürlich keine im Absturzgelände, die noch voller Schnee und Eis oder glitschig sind, aber die kann man ja umgehen. Zudem haben die Hochvogesen - etwa die Hautes Chaumes zwischen Lac Blanc und Col de la Schlucht - schon etwas nordeuropäischen Charakter.

Du könntest ja, falls Du das spontan planen willst, kurz vor Deiner Tour im Gîte d'étape am Ètang du Dévin anrufen (Telefon aus Deutschland 00 33 / 389 47 20 29), am besten am Abend, denn da ist Monsieur Brunnstein, der Wirt, da, der sehr gut Deutsch spricht und sich auch bestens auskennt. Der kann Dir gut sagen, wie es mit Schnee aussieht, sein Gîte liegt auf 850 m Höhe.

Andernfalls sind die Nord- und vor allem Mittelvogesen mit ihren riesigen Wäldern (Schwden?? *g*) eine gute Alternative. Jedenfalls kommt kaum jemand unzufrieden aus den Vogesen zurück.

Wie willst Du denn übernachten? In Gîtes d'étapes, also Gruppenunterkünften? Das wäre fü arme Abiturienten recht erschwinglich, zumal Du Dich dort auch selbst verpflegen könntest.

Leider kenne ich mich in den anderen Gegenden, die Du aufzählst, nicht aus. Schottland und vor allem die Karpaten dürften Ende März aber noch recht winterlich sein, für die höheren Lagen in Korsika (GR 20!?) gilt das sicher auch.

Vielleicht hat Dir das ein klein wenig geholfen; wenn Du weitere Fragen hast, frag ruhig!

Gruß
ThomasFFM

Betsi
02.12.2004, 15:15
Hallo Du,
auch wenn Du nördliche Gefilde bevorzugst, kann ich Dir gerade in dieser Jahreszeit Teneriffa empfehlen (kam grade von dort zurück), weil es sehr wettersicher ist, selten Regen, aber in den Höhenlagen durchaus kühl. Dort kannst Du richtige Gebirgstouren machen (Besteigung d. Teide und Durchquerung der Canadas del Teide), Vilaflor ist hierfür ein guter Ausgangspunkt. Auch das Anaga-Gebirge ist sehenswert. Viel Wald gibt es nicht, aber die Vulkanlandschaft ist auch mal was anderes....
Grüße,
Betsi

Freanan
02.12.2004, 17:44
Danke für die Vorschläge!

Die Vogesen wären für mich sicher sehr praktisch, da ich im Pfälzerwald zwischen Neustadt an der Weinstrasse und Kaiserslautern wohne. Allerdings habe ich bedenken, ob die Lanschaft dort vielleicht etwas zu sehr meiner Heimat ähneln könnte. Wie verschieden sind die Vogesen von Pfälzerwald?
Wie sieht es mit Wandern von Hütte zu Hütte aus? Gibt es dazu genügend Unterkünfte?

Teneriffa klingt interessant, aber wieviel Geld muss man für eine Tour mit An und Abreise dort so ausgeben..?

ThomasFFM
02.12.2004, 23:39
Hallo, Freanan!

Die Nordvogesen sind landschaftlich und geologisch die Fortsetzung des Dahner Felsenlandes, nur wesentlich einsamer als viele Ziele um Dahn gerade am Wochenende. In Deiner Gegend, die ich auch in etwa kenne, fehlen ja im Vergleich zur Südpfalz und eben auch zu den Nordvogesen die Sandsteinfelsen und natürlich auch die Felsburgen fast völlig.

Die Mittelvogesen sind geologisch aus anderem Sandstein aufgebaut, die - nicht mehr ganz so häufig vorkommenden - Felsen bestehen aus dunklerem, härterem, mit Kieseln durchsetztem Sandsteinkonglomerat. Mit dem Pfälzerwald würde ich die Landschaft dort nicht vergleichen, eher mit dem Schwarzwald. Allerdings sind die Mittelvogesen ungleich urwüchsiger. Interessant sind natürlich die fast endlosen Wälder. Kein Wunder, dass dort Luchse, Wildkatzen und Auerhähne vorkommen, die man natürlich normalerweise nicht zu Gesicht bekommt.

Die zwei- oder dreitägige Wanderung von Saverne nach Urmatt z. B. ist einfach phantastisch, vielleicht sogar als Abschluss und Krönung, wenn Du in Weißenburg startest. Du wirst nach ein paar Tagen merken, wie sich ganz allmählich die Landschaft ändert.

Die Südvogesen ähneln in etwa - zumindest aus der Distanz betrachtet - dem Südschwarzwald. Allerdings sind sie ungleich schroffer; die plateauartigen Gipfel fallen oft in 200-300 m hohen Steilabbrüchen in Richtung Rheinebene ab (Rheintalgrabenbruch!). Durch diese Steilabbrüche ziehen eSteige, die teilweise gesichert und fast schon Klettersteige sind; die sind allerdings im März sicher noch nicht zu begehen, weil sich in den steilen, recht schattigen Hängen lange der Schnee hält. Allerdings hat auch eine Wanderung auf den baumfreien Kämmen und Plateaus der Hochvogesen mit gelegentlichen Tiefblicken nach Osten vieles für sich; der Weg, der dem Kamm folgt, ist sicher auch bei Schneeresten zu machen, da er nirgends exponiert ist. Wenn alle Stricke reißen, bist Du in westlicher Richtung immer schnell an der - vermutlich noch gesperrten - Route des Crêtes.

Hüttenwanderungen sind in den gesamten Vogesen grundsätzlich möglich. In den Nord- und Mittelvogesen gibt es in vielen Dörfern so genannte Gîtes d'étapes, einfache Gruppenquartiere mit Schlarsälen bzw. Mehrbettzimmern. In manchen kann man sich verpflegen lassen, in allen gibt es eine vollständig eingerichtete Selbstversorgerküche. In den Südvogesen treten in der Almregion an die Stelle der Gîtes Fermes-Auberges, aber viele sind in den Wintermonaten - und somit auch im März - noch nicht geöffnet.

Ich persönlich würde Dir im März am ehesten die fünfeinahlbtägige Tour Weißenburg - Saverne, evtl. noch die zwie Zusatztage nach urmatt (Bahnhof, Rückfahrt am selben Tag sollte kein Problem sein) empfehlen. Sehr schön und von den Quartieren her machbar wäre auch eine Wanderung von Châtenois (nahe Séléstat) bis zum Col de la Schlucht, über Haut Koenigsbourg / Ribeauvillé / Brézouard / Le Bonhomme / Étang du Dévin / Lac Blanc / Hautes Chaumes. Das wären drei größere Tagesetappen. Wie gesagt: Hierfür solltest Du Dich vorher telefonsich beim Gîte am Étang du Dévin nach den Verhältnissen erkundigen. Der Weiterweg auf dem Kamm Richtung Hohneck - Markstein - Grand Ballon - Thann sollte im Wesentlichen machbar sein, trotz Schnee, nur weiß ich nicht, wie es da mit Quartieren aussieht. Ich war schon oft in den Vogesen, aber nicht Ende März in den Hochvogesen.

Die erstgenannte Tour wäre allerdings problemlos, und nach jeder Tagesetappe gibt's einen Gîte d'étape.

Gruß
ThomasFFM

Yoshimara
03.12.2004, 16:48
Hallo Thomas,

selber begeisterte Vogesenwanderin freue mich immer Deine kompetenten Beiträge hier zu lesen und habe auch schon einige Anregungen mitgenommen, auch wenn es bei mir nur Tagestouren sind und ich abends ins heimelige WoMo krieche....

Viellecht trifft man sich mal.

Gruß Yoshimara

Unregistriert
03.12.2004, 18:35
Ich denke, ich könnte mich eventuall für eine Wanderung in den Vogesen besgeistern...
Gerade habe ich bei google nach Bildern von den Hochvogesen gesucht - die Landschaft erschien mir sehr reizvoll!
In welchem Teil der Vogesen liegt denn die Tour von Weißenburg nach Urmatt?

ThomasFFM
03.12.2004, 19:20
Hallo!

Ich denke, ich könnte mich eventuall für eine Wanderung in den Vogesen besgeistern...
Gerade habe ich bei google nach Bildern von den Hochvogesen gesucht - die Landschaft erschien mir sehr reizvoll!
In welchem Teil der Vogesen liegt denn die Tour von Weißenburg nach Urmatt?

Weißenburg ist ganz im Norden des Elsass gelegen, an der Grenze zur Pfalz. Somit führt die Tour Weißenburg - Urmatt (acht oder ggf. auch sieben Tage) durch die Nord-- und Mittelvogesen. Landschaftlich auch sehr schön, zudem hat diese Route den Vorteil, dass man sie - außer bei viel Schnee - das ganz Jahr über begehen kann. Zudem ist man, wenn man es geschickt anstellt, nicht ein einziges Mal auf ein Hotel angewiesen - wobei die Hotelpreise in den Vogesen außerhalb von Touristenzentren auch deutlich niedriger liegen als bei uns.

selber begeisterte Vogesenwanderin freue mich immer Deine kompetenten Beiträge hier zu lesen und habe auch schon einige Anregungen mitgenommen, auch wenn es bei mir nur Tagestouren sind und ich abends ins heimelige WoMo krieche....

Viellecht trifft man sich mal.
Ja, warum denn nicht? Du musst nur in den Vogesen zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein, dann laufen wir uns schon über den Weg! Danke für das Kompliment! Und wenn Ihr weitere Fragen habt, fragt mir ruhig Löcher in den Bauch, das bin ich hier inzwischen gewöhnt! ;)


Gruß
ThomasFFM

Unregistriert
04.12.2004, 11:34
OK, hier ist das nächste gefragte Loch ;)
Die andere Tour, die du vorgeschlagen hast (Chatenois - Thann), liegt in den Hochvogesen?

Noch eine wichtige Frage: Wie schlimm ist es, wenn man kein Wort Französisch spricht (Ich hatte Englisch und Latein)?

Thomas
04.12.2004, 12:06
Hallo,

habe keine Ahnung von den Vogesen, aber ich war vielleicht schon fünf oder sechs mal in Frankfreich im Urlaub (Alpen und Pyrenäen) und kann auch nur ein oder zwei Wörter französisch (halt so was wie "danke" oder "guten tag"). Mit Englisch kommst du meist dort absolut nicht weiter, kann fast kaum einer. Trotzdem bin ich immer auf sehr hilfsbereite und freundliche Menschen gestossen und irgendwie kann man sich ja mit Händen und Füßen immer verständigen. Du solltest dich also auf gar keinen Fall nur davon von einer Reise abhalten!!

Grüße

Thomas

ThomasFFM
04.12.2004, 13:50
Hallo!

In den Vogesen kommt man mit Deutsch im Allgemeinen gut durch - im Norden besser als im Süden, bei älteren Leuten eher als bei jüngeren, auf dem Land eher als in den Städten. Wenn Thomas schon in Frankreich ohne Französischkenntnisse gut durchgekommen ist, dann gilt das noch viel mehr für das Elsass.

Die Tour Châtenois - Thann führt tatsächlich durch die Hochvogesen.

Gruß
ThomasFFM

Freanan
05.12.2004, 15:08
Vielen Dank für die Infos!
Ich werd mich zu gegebener Zeit mal informieren, ob der Hochvogesen-Vorschlag vom Wetter und den Unterkünften her machbar ist, wenn nicht mach ich vielleicht die nach Urmatt.

Stellt eventueller Schnee auf der Tour von Chatenois nach Thann eine Gefahr dar (weil man in tiefe Abgründe stürzen kann), oder ist er bloß eine Störung?

ThomasFFM
05.12.2004, 16:02
Hallo, Freanan!

Schnee kann in den Hochvogesen beides darstellen! Die Faustregel lautet aber: Vor dem Ende der Schneeschmelze sollte man Wege, die durch Steilgelände führen, meiden - und das bedeutet, dass man auf dem Kamm bleiben und sich nicht in die meistens steilen, oft alpinen Ostabbrüche des Hauptkamms locken lassen sollte - so reizvoll z. B. die Seen (die man ja auch von oben sieht) oder Steiganlagen wie die am Hirschstein und der Sentier des Roches auch sein mögen.

Und noch etwas: Wenn auf dem Kamm noch viel Schnee liegt, dann solltest Du nicht ganz bis an die ostseitigen Steilabbrüche gehen, sondern Dich einige Meter entfernt halten. Bzw. nur dann an die Abbrüche gehen, wenn Du genau siehst, worauf Du gerade stehst. Durch den Westwind bilden sich meistens Wächten. Das gilt aber wirklich nur, falls es da oben noch winterlich sein sollte. Andernfalls ist wohl das größte "Problem" der Matsch. Mir ist inzwischen eingefallen, dass ich mal vor ein paar Jahren kurz vor Ostern auf der Tête des Faux über dem Étang du Dévin war, immerhin 1220 m hoch - praktisch schneefrei. Aber auf den Hautes Chaumes über dem Lac Blanc sah ich noch große Schneefelder, allerdings auch keine geschlossene Schneedecke.

Wie gesagt - im Zweifelsfall ruf ruhig Monsieur Brunstein an (auf dessen Gîte Du wohl auch angewiesen bist, jedenfalls bist Du dort gut und preiswert untergebracht), grüß ihn schön von mir und frg nach den Verhältnissen!

Gruß
ThomasFFM