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Vollständige Version anzeigen : Wandern in Niedersachsen


Nemo
23.10.2004, 15:00
Hallo liebe Trekkingfreunde,

nun bin ich seit einigen Tagen wieder in meiner niedersächsischen Heimat und irgendwie finde ich keine richtige Ruhe. Es juckt schon wieder in den Füßen. Nun habe ich überlegt, dass ich doch mal ein paar Weitwanderwege Niedersachsens erkunden könnte, z. Bsp. den Ahornweg, Friesenweg, Hermannsweg oder so was in der Richtung, frei nach dem Motto: Warum in die Ferne schweifen, sieh das Gute liegt so nah...
Ist jemand von euch schon einmal so einen Weg komplett oder in Abschnitten gelaufen? Wie geht das mit dem Zelten ect.? Schätze, wenn ich ein Lagerfeuer mache bekomme ich Probleme oder? In Dtl. ist doch alles reglementiert und ich passe irgendwie noch gar nicht wieder so richtig hierher. Naja, Tipps sind jedenfalls willkommen
Gruß Ute

Murmel-Sepp
23.10.2004, 21:07
hi ute

ich bin den rennsteig im thürigenr wald gegangen
das war sehr schön sehr ruhig und ohne lagerfeuer abends, kann ich mir das bei diesen temperaturen nicht vorstellen, ich hatte da nie probleme

war aber auch ostdeutschland - das ist glaube ich etwas liberaler und man hat eigentlich den vorteil, dass niemand dort mit dir rechnet

ich finde es auch gut im eigenen land zu trekken, macht voll spass ist günstig und man merkt relativ schnell, dass es hier ganz viel zu entdecken gibt

Nemo
24.10.2004, 09:02
Hallo Murmel-Sepp,

das mit dem Lagerfeuer war auch nicht ganz ernst gemeint, ich glaube das kann man heutzutage in freier Natur nur noch in Alaska und Kanada machen. Ja der Rennsteig wäre eigentlich auch nicht schlecht, aber ich dachte schon eher an einen Weg hier in meiner Nähe. Auch wegen dem Fahrtaufwand. Ich wohne dicht am Teutoburger Wald und am Wiehengebirge, bin aber noch nie einen Weitwanderweg hier gelaufen. Nach 3 Jahren Palmen und Dschungel gehe ich staunend durch unsere herrlichen bunten Herbstwälder und habe mir vorgenommen in nächster Zeit mal meine Heimat näher zu erkunden.
Gruß Ute

Murmel-Sepp
24.10.2004, 15:25
Ups - da habe ich mich ganz missverständlich ausgedrückt

man sollte schon lesen was man schreibt ...

ich wollte sagen: das Ich es mir OHNE Lagerfeuer NICHT vorstellen kann !!! und immer, also jeden Abend ein Feuerchen anmache !!! und das ich damit noch nie Probleme hatte

Ich setz meinen Text oben mal um
dann versteht man was ich meinte - lol

gg MSepp

auaox
27.10.2004, 00:29
@ Ute
Wenn Du dort wohnst - ich kenne Teutoburger Wald / Eggegebirge halbwegs bis sehr gut - ist halt meine alte Heimat - allerdings in NRW; ich bin in und um Bad Driburg herum aufgewachsen. Was willst Du denn wissen (dass man da wandern kann, ist ja klar ;) ) ??

Nemo
27.10.2004, 09:55
Hallo auaox,

ja ich würde gerne mal einen Weitwanderweg gehen. Dachte da so an den Wittekindsweg, Ahornweg, Hermannsweg, Schauinslandweg, Friesenweg, Arminiusweg oder was in der Richtung. Darf ruhig 3-4 Tage dauern. Wissen möchte ich, wie das mit dem Camping ist. Ich möchte also keineswegs in irgendeinem Ort in ner Pension übernachten, sondern in meinem Zelt. Nun habe ich absolut keinen blassen Dunst wie das in DTL. üblich ist. Ist das verboten, oder wird es toleriert. Gibt es auf den genannten Wegen überhaupt (freie) Zeltmöglichkeiten? Wenn ja wo, oder wo bekomme ich Infos her? Wenn ich im Internet forste, finde ich immer nur Buchungsmöglichkeiten für ne Unterkunft, sonst nix. Wäre gut wenn du mir was dazu sagen könntest.
Danke schon mal Ute

auaox
27.10.2004, 21:21
Wie in anderem Thread schon erläutert, ist wildes Camping in D verboten.
Natürlich darf man sich nachts in den Wald setzen. Ob ergo ein Schlafsack bereits als Camping gilt - nun ja.
Man sollte - egal ob mit oder ohne Zelt - vor allem darauf achten, dass man nicht von Jägern gesehen wird. Forstangestellte sind nach meinen Erfahrungen weitaus toleranter, aber etliche Jäger meinen immer noch, sie haben den Wald gepachtet und viele unter ihnen sind auch sehr "ordnungsliebend". Ausserdem IST es ja auch nicht erlaubt. Da Du aber einfach aufstehen und davon gehen kannst, kann der wilde Jägersmann natürlich auch nicht Deine Personalien feststellen. Ich muss dazu sagen, dass ich schon oft in heimischen Wäldern mit und ohne Zelt übernachtet habe, und nie Probleme hatte. Ich achte allerdings auch darauf, nicht gesehen zu werden und lege mich nicht gerade auf eine Wiese mit Hochstand. Ebenfalls wichtig ist es, sich nicht gerade am Lichtungsrand in eine Wildschweinrennstrecke zu legen, bis die Viecher merken, dass ihnen heute morgen was im Weg liegt, sind die ersten 10 darüber hinweg getrampelt... ;) . Am sichersten ist es, wenn hinter einem ein dorniger Strauch wächst.
Zelt halte ich bei den meisten Weitwanderwegen in dieser Gegend für unnötig, da i. d. R. zahlreicher Unterstandshütten die Wege säumen (sind auch auf Karten eingezeichnet). Darin mit Schlafsack zu übernachten dürfte auch rechtlich kein Problem sein. Ausserdem haben sie einen festen Boden, ein großes Dach und mehr Platz zum Ausstrecken als ein Zelt, sie wurden schon von anderen aufgebaut und Kochen ist darin auch ungefährlicher (Vorsicht: Offenes Feuer im Wald (jeder Kocher zählt darunter) ist je nach Waldgebiet, Wetterlage, Jahreszeit verboten. Also es nicht drauf an kommen lassen, sich dabei erwischen zu lassen...
Peinlicher wird es allerdings, wenn man mitten in einem Sonderschutzgebiet übernachtet - allerdings würde ich eine Unterstandshütte auch dann nicht als problematisch betrachten (allerdings wird man darin kaum welche finden, meist werden in den vielen neu geschaffenen Schutzgebieten sogar die Wege künstlich unbegehbar gemacht).
Falls Du vorhast, den Eggeweg (südl. anschließend an den Hermannsweg; Teilstück des E1) zu erwandern, kann ich Dir gerne ein paar Tipps für besonders romantische Plätzchen geben.

Nemo
28.10.2004, 10:16
Hi und danke für die Tipps.
Mit den Schutzhütten hast du natürlich recht, das werde ich tun und muß kein Zelt mitschleppen. Habe ich gar nicht drangedacht. Denke mal, daß das die einfachste Lösung ist und ich um diese Jahreszeit auch nicht unbedingt mit Mitbewerbern auf einen Schlafplatz oder mit partywütigen Teenagern rechnen muß. Also zählt auch ein Trangia-Kocher unter Feuergefahr? Naja, ich werde es trotzdem riskieren und mein eigenes Süppchen kochen. Das sind so Sachen, die mich an DTL. am meißten stören; alles ist verboten, wenn nicht gibt es zumindest eine Verordnung oder Regelung, oder man braucht einen Schein oder sonst was.
Ich meine wenn es auf oder in Nähe der Fernwanderwege auch Zeltmöglichkeiten gäbe, würden doch auch viel mehr Menschen diese Möglichkeit nutzen und diese Wege am Stück wandern statt nut Teilstrecken zu gehen. Das Zeltplätze auch in Naturschutzgebietn oder Naturparks möglich sind, macht uns doch fast jedes andere Land vor!
Ach was solls, ist eben so, >>denk ich an Deutschland in der Nacht...... ;) <<
Ich habe mich jetzt übrigens für den Wittekinsweg entschieden. Sind ca. 90km und in 3 Tagen gut zu schaffen. Nach diesem deutschlanddebüt werde ich dann ja sehen ob ich noch Bock auf weitere Wege habe.
Vielleicht hat mich ja auch ein ordnungsliebender Jäger angeschwärzt und angezeigt, da ist ja die Alternative mit den Wildschweinen viel angenehmer :D

auaox
28.10.2004, 14:32
Ein Trangia ist bei vorsichtigem Gebrauch (nicht grade im trockenen Gras aufstellen) kaum gefährlich, fällt aber unter die Bestimmung "offenes Feuer", ebenso Zigaretten. Ein "geschlossenes Feuer" ist z. B. eine Glühlampe, ein Verbrennungsmotor oder ein Taschenofen ;)
Meistens sind offene Feuer aber nur an Feuerstellen innerhalb bestimmter Wetter- und Jahreszeiten erlaubt.
Das Betreiben von Zeltplätzen ist hierzulande halt auch mit der Vorgabe von sanitären Mindeststandards verbunden, und die kosten Geld. Ergo muss sich ein Campingplatz schnell rechnen und er soll ja Gewinn einfahren. Kein Wunder, dass Investoren da eher auf Freizeitgebiete anstatt auf ein paar Wanderer setzen ;)

Julia
02.11.2004, 09:12
Das Betreiben von Zeltplätzen ist hierzulande halt auch mit der Vorgabe von sanitären Mindeststandards verbunden, und die kosten Geld. Ergo muss sich ein Campingplatz schnell rechnen und er soll ja Gewinn einfahren. Kein Wunder, dass Investoren da eher auf Freizeitgebiete anstatt auf ein paar Wanderer setzen ;)

Das sehe ich anders. Zwei, drei kleine aufgearbeitete Stellplätze und ein Plumpsklo, evtl ein Regenwassertank. Wo ist das Problem, und wo sind die Kosten? Geht doch überall sonst auf der Welt...

Flachlandtiroler
02.11.2004, 09:43
Das sehe ich anders. Zwei, drei kleine aufgearbeitete Stellplätze und ein Plumpsklo, evtl ein Regenwassertank. Wo ist das Problem, und wo sind die Kosten?
Die Kosten kommen von den Verlusten, die sich Hoteliers und Gasthöfe von sowas ausrechnen. In den Mittelgebirgen hat der Fremdenverkehr es nicht so "dicke", warum sollte man sich Konkurrenz heranzüchten?

Gruß, Martin

Julia
02.11.2004, 11:59
Hei Martin, ich glaube nicht, dass zeltende Wanderer Konkurrenten der Gasthöfe sind. Es ist meiner Meinung nach ein ganz anderes Klientel.
Im Gegenteil, so erreicht man doch bloss, dass die Wege nicht begangen werden. Und so manch einer, der mit Zelt loslaufen würde, würde unterwegs vielleicht aus Bequemlichkeitsgründen umsteigen... So geht es uns doch im Ausland auch. Wir haben zwar das Zelt dabei, enden aber aus diversen Gründen oftmals trotzdem in der Hütte. Vielleicht wären wir niemals dahin gefahren, wenn zelten verboten gewesen wäre... Vielleicht würden eben einfach die Wandergebiete frequentierter und mehr begangen werden. Davon können die Gasthöfe doch auch nur profitieren...

Und wenn man die aufbereiteten Plätze klein hält, so dass nur eine Handvoll Zelte hinpassen, wenn überhaupt, dann dürften sich die Verlustzahlen in Grenzen halten.

Aber das sind nur Spekulationen von mir, und ich habe natürlich keine Zahlen und Statistiken gelesen. Ich gehe einfach nur von mir selber aus...

auaox
02.11.2004, 12:44
Das sehe ich anders. Zwei, drei kleine aufgearbeitete Stellplätze und ein Plumpsklo, evtl ein Regenwassertank. Wo ist das Problem, und wo sind die Kosten? Geht doch überall sonst auf der Welt...

Aber wer kann SO etwas verdienen? Natürlich geht es, wenn man einfach enthusiastisch ist - oder nett.
Apropos nett: Schon mal einfach versucht, einen Bauern zu fragen, ob er eine Wiese hat, auf der man mal eine Nacht ohne Müll zu hinterlassen, zelten darf?
Im Ausland trauen wir uns das seltsamerweise - obwohl ich wetten würde, dass 90 % der Bauern, die ich kenne, da auch gern behilflich sind. Man muss sich vorher nur noch bei den älteren eine Geschichte aus dem Krieg anhöhren und bei den Jüngeren Geschichten über die bösen Nachbarn ;) ;) ;) . Da Bauern aber - sonst könnten sie keine sein - auch ihre Scholle lieben, sind sie natürlich nicht so begeistert, wenn sie einen Camper, der sie nicht einmal gefragt hatte, auf ihrer Weider erwischen, zumal sie ja auch kalkulieren müssen, dass er sich schweinischer als seine eigenen Schweine benehmen könnte...

Allerdings hatte ich noch nie Probleme beim wilden Campen in Deutschland, da ich halt ein grünes Zelt habe :-)

Julia
02.11.2004, 13:39
Wenn ich das hier richtig verstanden hatte, ging es nicht um Weiden, sondern Wald... Und wen fragt man da?

auaox
02.11.2004, 13:46
Wenn ich das hier richtig verstanden hatte, ging es nicht um Weiden, sondern Wald... Und wen fragt man da?

Theoretisch den Inhaber des Waldes, vertreten durch die Forstbehörde und je nach örtlichen Regelungen, durch die Jägerschaft. Viel Spaß dabei ;D

Julia
02.11.2004, 13:50
Nachtrag:

Ausserdem: muss man immer an allem verdienen? Ich meine, dass durch die dadurch steigende Popularität die Region nur gewinnen kann (Synergieeffekte).

Und ein "kontrolliertes" Angebot für Zelter, das (fast) nichts kostet und dem nach auch keine Verluste einbringt, ist natürlich besser als ein Fullservicecampingplatz, den niemand benutzt.

Man könnte ja von den Wanderern sogar eine moderate Abgabe zum Unterhalt der Plumpsklos fordern. Eine Gebühr zur Benutzung des Weges und des Zeltplatzangebotes sozusagen. Würde meiner Meinung nach auch wie überall sonst in der Welt funktionieren (manche Länder machen das in Form von Nationalpark Permits oder dergleichen).

Und wenn man keine Ressourchen für einen Checkpoint hat, kann die Gebühr eben bei allen Gasthöfen entlang der Route unterwegs entrichtet werden. Gegen eine kleine Quittung.

Wie gesagt, ich habe keine Ahnung, wie viele andere ausser Ute an so was interessiert wären und das Angebot nutzen würden, aber ich denke, schon einige. Man müsste dann für Wochenend- und Kurztrips eben nicht mehr über die Grenze fahren...

War einfach mal interessant, darüber zu spekulieren ;)

auaox
02.11.2004, 14:45
Du denkst also an staatliches Camping?
Gebühr bei Gasthöfen unterwegs zu entrichten, macht nur Sinn, wenn auch irgendwo im Wald Gasthöfe stehen :-). Wenn das Klo nur mit Obulus funzt, möchte ich nicht riechen, wieviel Tretminen dann im Gebüsch liegen...
Ich sehe folgende Probleme:
1. Beaufsichtigte Campingplätze müssen wenigstens die Kosten der Aufsichtsperson decken, die Tag und Nacht anwesend ist. Nachts sind i. d. R auf Campingplätzen, die sich wirtschaftlich tragen, die Besitzter im eigenen Haus nebenan anwesend, hier würden also weitere Kosten entstehen.
2. Kostenlose oder sehr günstige Campingplätze, würden, wenn unbeaufsichtigt, eine Einladung als idealer Stützpunkt feucht-fröhlicher Parties werden. Erstens räumen viele Partyschweine danach nicht wieder auf, zweitens ist so eine Veranstaltung in Naturgebieten nicht unbedingt dem Flair der Landschaft entsprechend; vor allem nicht, wenn auch noch 3000-Watt-Lautsprecher aufgestellt werden :-). Dafür gibt es aber schon genug anmietbare Hütten etc. - aber Geiz ist ja eben geil.
3. Gibt es rechtliche Wettbewerbsprobleme, wenn der Staat subventionierte Campingplätze einrichten würde, deren Obulus unter dem der benachbarten privaten läge. Das kann allerdings durch Eigentümereigenschaft des Staates und durch geringeren Komfort ausgeglichen werden können.
---
Solange also keine Kontrolle gegeben ist, halte ich das prinzipielle Verbot des wilden Campings für besser. Somit besteht gegen Ruhestörer und Müllschweine ein besserer Handlungsspielraum. Sollte man wirklich angezeigt werden, dürfte es sich ausserhalb besonderer Schutzgebiete bestenfalls um eine Ordnungswidrigkeit handeln, deren Geldbußen nicht viel höher ausfallen dürften als eine preiswerte Übernachtung anderswo. Es hat aber für normale Weitwanderer meines Wissens nach noch nie Probleme gegeben, sein Zelt dezent aufzustellen. Nur vor einigen Jägern, die sich als mit ihrer Flinte wie ein Sheriff vorkommen, würde ich micht in Acht nehmen. Aber auch in der Jägerschaft sind die meisten in der Lage, die Umstände zu berücksichtigen, zumal nicht alle Kugelhelden, sodern oft auch selbst als Heger und Pfleger von Wald und Wild Naturfreunde sind. Letztere verantwortlichere und zugleich allgemein pragmatischere Einstellung zu ihrer Tätigkeit setzt sich v. a. in der neuen Generation unter den Jägern allmählich durch. Vielen von der alten Garde sind allerdings auch schon die Wanderer ein Dorn im Auge. Mich wollte mal einer zur Schnecke machen, weil ich am hellichten Tag aus einem Gebüsch gekrochen kam (er hatte Angst, ich würde nach seinen geliebten Geweihstangen suchen, wie ich nach Minuten seines Schimpfens allmählich heraus bekam :-)). Imselben Wald war durch große Schilder selbst für die Hauptwanderwege in der Brunftzeit des Rotwildes gar ein Betretungsverbot verhängt worden... haha... gerade in der Brunft merken die Viecher nicht mal, wenn man 10 Meter hinter ihnen steht - wer denkt schon beim Bumsen an die Nachbarn ?? *ggg*

Julia
02.11.2004, 15:41
Ja, ich dachte an so was, wie z.B. in Australien mancherorts praktiziert wird (in den Wandergebieten) oder auch in den USA in einigen Nationalparks: einfach Stellplätze ausweisen (woanders ist das Zelten dann verboten), Plumpsklo und Wassertank (oder noch nicht mal das letztere). Fertig und gut. Damit spart man auch die umliegende Umwelt vor Abnutzung der Rasenmatten etc. durch Wildcamper entlang der Trecks.

Einfach, damit man auch in Deutschland die Möglichkeit hat, die Fernwanderwege mit dem Zelt zu gehen.

Hier in Norwegen haben wir ja das Problem, dass entlang der Touristenstrassen aufgrund der Müllproblematik das Wildzelten schon arg eingeschränkt werden musste. Dafür gibt es jetzt entlang einiger dieser "Wildcampen-verboten-Routen", "Selbstbedienungscampingplätze", die wie das Mautsystem funktionieren: Stellplatz gegen einen kleinen Obulus, der in ein kleines Tütchen vor Ort im Safe hinterlassen wird.

Ich meinte auch nicht, dass man jeden Plumpsklogang bezahlen soll, sondern für den Wanderweg gesamt eine Gebühr entrichtet (Permit).

Aber ich sehe schon, das würde in Deutschland nicht so einfach funktionieren...

auaox
02.11.2004, 16:10
Sobald ich ein Permit für Wanderwege zahlen müsste, wäre ich nicht mehr auf diesen zu finden.
Und das gilt nicht nur für Deutschland. Wenn ich für ein Stück Natur Eintritt zahlen muss wie für einen Vergnügungspark, ist für mich der Wert der Wildnis, das einfache Herumtreiben wie, wann und wohin mal will, ein für mich wichtiger Freiheitsfaktor, einer der Hauptgründe, die mich hinaus ziehen, einfach dahin.
Klar es mag mal für mich auch interessant sein, einen durchorganisierten Nationalpark - womöglich gar noch in einem kommerziell durchgeführten Trek (bäh) - zu besuchen - ebenso wie ich in ein Museum gehe. Aber meine Intention des wilden Umherstreifens wäre da nicht gegeben.

Julia
02.11.2004, 16:35
Solange durch permits etc. dazu beigetragen wird, dass der Druck auf besonders beliebte Gebiete und die Zerstörung der Vegetation durch Bauten von Plankenwegen, ausgewiesenen Zeltplätzen etc. reduziert wird, finde ich das gut.

Dein Freiheitsdrang benötigt weite, unberührte Gebiete. Wo auf der Welt gibt es die heute noch (und die, die es gibt, sind die nicht mehr oder weniger alle bedroht)?

Die Herausforderung besteht doch gerade darin, die Trecker, Bergsteiger etc. so durch die Natur zu schleusen, dass a) diese so wenig wie möglich in Mitleidenschaft gezogen wird ohne möglichst b) das Naturerlebnis zu reduzieren und dabei c) vielleicht sogar noch der Lokalbevölkerung in armen Ländern Einnamequellen zu geben.

In einem so dicht besiedelten Land wie Deutschland geht normales Outdoorleben gar nicht mehr. Schade! Es wäre so schön, wenn mehr Deutsche ihr schönes Land erwandern UND dabei das Gefühl, mit Zelt und Rucksack autark unterwegs zu sein, haben könnten. So wie es jetzt ist, läuft doch alles auf Tagestouren oder weite Auslandsreisen hinaus.

Ausserdem hast Du mich noch einmal missverstanden, die Frage nach dem &quot;sich lohnen&quot; habe nicht ich, sondern Martin und Du aufgebracht. Meiner Meinung braucht der Spass nichts kosten. Er braucht sich auch nicht lohnen. Weil das Angebot derartiger Wanderwege und Übernachtungsmöglichkeiten allein der gesellschaft schon dienlich wäre (uns sich dadurch lohnen würde).

auaox
02.11.2004, 17:03
Das mit dem &quot;lohnen&quot; verstehe ich nicht.
Ich meinte damit nur, dass sich erst einmal ein Betreiber von Anlagen finden muss, der dies aus reiner Freude tut, und womöglich dabei noch Geld drauflegt.
Das mag auch der Wohlfahrtsstaat sein, aber der hat hier schon an ganz anderen Sachen zu knacken. Ergo würde der Staat hier vermutlich nur investieren, wenn dabei gleichzeitig z. B. ein Wirtschaftswachstum der Region durch den Tourismus entstünde. Es steht DIR aber frei, einen solchen Platz zu errichten - ich komme dann gern :-).
In anderen Ländern sind solche Camps möglich, da sie dort meist weit abgelegen der Zivilisation sind. In D ist der Anmarschweg für Partyschweine wohl meist kurz genug...
--
Ich erkenne auch durchaus den Sinn dieser Permits. Ich würde sie - v. a. in armen Ländern - auch darum nicht umgehen. Ein Generalpermit, welches mich berechtigt, mich innerhalb eines Gebietes frei und unorganisiert zu bewegen, würde ich auch zahlen. Aber eines, das nur eine Genehmigung für eine bestimmte Route oder einen Berg enthält? Abgesehen davon, dass ich auf diese Berge eh nicht hochkomme :-) - würde ich das nicht mitmachen. Das ist keine allgemeine Beurteilung, sondern eine persönliche.
--
Für das ohnehin schon stark in seiner Fläche restriktive Europa lehne ich aber auch Gebietspermits generell ab, da diese einfach keinen Sinn machen. Sie würden nur Touristen noch mehr vertrieben - und für alle Natursehenswürdigkeiten, die so frequentiert sind, dass ein besonderer Schutzbedarf entsteht, muss man eh schon Eintritt zahlen.
Wenn aber auf der anderen Seite, ähnlich wie Du es geschrieben hattest, wiederum in einem Gebiet eine wildnisgerechte und nicht zwingend zur Nutzung vorgeschriebene Infrastruktur eingerichtet wird (z. b. kostenlose Biwaks mit Toilette und Kaltwasser), deren Nutzung nicht noch einmal extra kostet, dann ist auch ein Gebietspermit gerechtfertigt. Aus o. e. Problematiken kann ich mir das aber nur in Gebieten vorstellen, in denen z. b. der Alpenverein auch heute noch problemlos offene Biwaks betreiben kann, ohne dass diese vandaliert werden (denn der AV hat bereits mit einigen leichter zu erreichbaren Winterräumen diese Probleme).
Allerdings gibt es bereits in fast allen Alpenregionen eine Infrastruktur, von der wiederum Existenzen und Arbeitsplätze abhängen. Das durcheinanderzuwirbeln wird kaum ein Politiker wagen :-)
---
PS: Wir sind OT -- besser neuer Thread zu diesem Thema?

Julia
03.11.2004, 08:50
PS: Wir sind OT -- besser neuer Thread zu diesem Thema?

Sind wir :D. Aber wir können auch gern Schluss machen ;).

auaox
04.11.2004, 23:11
Schade :-)
...

ThomasFFM
05.11.2004, 09:54
Von mir aus braucht Ihr nicht Schluss zu machen. Das Forum ist doch dazu da, dass man sich über alles Erdenkliche austauscht, was irgendwie mit seinem Thema zusammehängt! Ein nuer Thread wäre aber vielleicht doch besser.

Gruß
ThomasFFM

Nemo
05.11.2004, 16:08
Hallo ihr alle,

ich bin zurück und habe grade erst gesehen, was hier für eine interessante Diskussion entstanden ist.

Also erst mal, auch in Deutschland lohnt sich wandern, ich war ehrlich erstaunt. Und da habe ich nun erst mal einen Weg kennengelernt. Ich habe viele lauschige Plätzchen gefunden wo sich Übernachten lohnt. War mit einem Biwaksack unterwegs und hatte keinerlei Problem, keine Jäger, keine Förster, niemand außer mir. Soweit so gut, von den sogenannten Schutzhütten war ich aber eher enttäuscht, teilweise geradezu angeekelt. Denn wenn diese in unmittelbarer Nähe von Ortschaften liegen, fungieren die wohl eher als kostenloses Partyzelt und sehen dementsprechend aus. Teilweise zerstört, beschmiert, leere Flaschen, Essensreste und Tretminen
in unmittelbarer Umgebung. Traurig zu sehen.
Also ich kann Julia nur zustimmen.
>>.... einfach Stellplätze ausweisen (woanders ist das Zelten dann verboten), Plumpsklo und Wassertank (oder noch nicht mal das letztere). Fertig und gut. Damit spart man auch die umliegende Umwelt vor Abnutzung der Rasenmatten etc. durch Wildcamper entlang der Treks. Einfach, damit man auch in Deutschland die Möglichkeit hat, die Fernwanderwege mit dem Zelt zu gehen.<<

Genau das ist meiner Meinung nach der Punkt. So hat jeder die Möglichkeit nach Lust und Laune so einen Weg zu Wandern, ohne von vornherein gezwungen zu werden in irgendwelche Gasthöfe oder Pensionen gehen zu müssen, sondern frei entscheiden zu dürfen. Die Sache mit dem Obulus sehe ich gar nicht so negativ. In vielen Ländern bezahlt man für Trekking in Nationalparks und die Einnahmen dienen zum Erhalt derselbigen (Wege werden instand gehalten, evtl. neu markiert usw.). Das ist doch ein gutes System und wäre meiner Ansicht nach auf unseren Fernwanderwergn durchaus empfehlenswert. Vielleicht sind dann die Markierungen besser und die Schutzhütten sauberer? Es soll ja damit nicht Kohle verdient werden, sondern Kosten gedeckt werden die durch die Instanthaltung der Wege und evtl. Zeltstellplätze entstehen. Ich würde mich dadurch auch nicht in meinen Freiheiten beschnitten fühlen. Ich habe auf meiner letzten langen Reise für viele Parks Eintrittsgebühren oder für Permits bezahlt und das immer ok gefunden.
Ute

auaox
05.11.2004, 17:03
Das stimmt, lauschige Atmosphäre ist von offenen Schutzhütten nicht zu erwarten - aber man muss sie dafür im Ggs. zu einem Zelt nicht auf dem Rücken tragen :-). Ggf. muss man halt mal 5 min aufräumen; die Schmierereien sieht man ja im Dunkeln nicht, PS: Wo hast Du denn die Tretminen abgesetzt? *gg*
Da offene Zeltplätze sicher genauso schnell verwahrlost würden, hätte ich noch eine andere Idee, ähnlich dem System der AV-Winterräume: Man könnte in Wandergebieten einfache geschlossene Biwakhütten einrichten, mit Matratzenlagern und Kochgelegenheit - und die Leihschlüssel dafür gibts gegen einen kleinen Obulus.

Nemo
06.11.2004, 09:18
>>Wo hast Du denn die Tretminen abgesetzt? *gg*<<

Ich habe vorher das Buch vom Conrad Stein Verlag "How I shit in the wood" gelesen und das für sehr ernst genommen. ;)
Also ich habe tatsächlich immer eine kleine Schippe dabei und vergrabe meinen Mist. Ich kann es eben absolut nicht ausstehen wenn ich irgendwelche Exkremente an meinen Schuhsohlen habe, egal ob es sich dabei um menschliche oder hündische handelt. Und in Nähe von Schutzhütten gehe ich schon aus dem Grunde nicht, weil mich ja vielleicht jemand beobachten könnte. Das mag ich nämlich auch nicht :D

Ansonsten finde ich deine Idee mit den geschlossenen Schutzhütten und Obulus für Schlüssel am besten. Denn ich glaube dass du recht hast, die Zeltplätze würden wahrscheinlich wirklich nur in ähnlichem Zustand wie die Schutzhütten sein. Eigentlich traurig.

Ich rege mich jedesmal drüber auf, und muß noch dazusagen, dass ich meinen Rucksack immer voller mit aus dem Wald nehme als rein - weil ich viele Bierdosen und leere Flaschen einsammle. Hat mir schon mal ein mitleidiges Kopfschütteln eingebracht, das junge Paar hielt mich wohl nicht für ganz dicht.

Gruß Ute

auaox
06.11.2004, 15:12
Dir gings doch bestimmt nur ums Pfand :D :D :D :D

Nemo
06.11.2004, 18:15
ja natürlich, denn Dank der vielen Alkoholiker kann ich so nämlich meine Reisen finanzieren... ;)

auaox
06.11.2004, 20:51
Hey, ich bin auch Alkoholiker, aber ich nehme meine Weinflaschen wieder mit nach Hause *LÖÖL*
...
Und 'ne Schaufel hab ich auch nicht - denn Rehe, Füchse, Wildschweine, Karnickel, Hirsche, Dachse und Mäuse machen auch einfach auf die Oberfläche. Und sag nicht, dass das nicht so stinkt... Lediglich mein Homosapiens-typisches Papier verstecke ich ; - )
Und ich decke einen deutlich erkennbaren Haufen auf einem Gletscher auch nicht heimtückisch mit weißen Papier zu....

Nemo
07.11.2004, 10:21
Das ist aber jetzt wirklich ein ******thema... ;)
Vielleicht treffen wir uns mal beim Hocken hinterm Busch im schönen Niedersachsen.
Ich geh jetzt was trinken!
:D Ute

Bauer Gerd
26.12.2005, 00:23
Aber wer kann SO etwas verdienen? Natürlich geht es, wenn man einfach enthusiastisch ist - oder nett.
Apropos nett: Schon mal einfach versucht, einen Bauern zu fragen, ob er eine Wiese hat, auf der man mal eine Nacht ohne Müll zu hinterlassen, zelten darf?
Im Ausland trauen wir uns das seltsamerweise - obwohl ich wetten würde, dass 90 % der Bauern, die ich kenne, da auch gern behilflich sind. Man muss sich vorher nur noch bei den älteren eine Geschichte aus dem Krieg anhöhren und bei den Jüngeren Geschichten über die bösen Nachbarn ;D ;D ;D. Da Bauern aber - sonst könnten sie keine sein - auch ihre Scholle lieben, sind sie natürlich nicht so begeistert, wenn sie einen Camper, der sie nicht einmal gefragt hatte, auf ihrer Weider erwischen, zumal sie ja auch kalkulieren müssen, dass er sich schweinischer als seine eigenen Schweine benehmen könnte...

Allerdings hatte ich noch nie Probleme beim wilden Campen in Deutschland, da ich halt ein grünes Zelt habe :-)

Das mit dem Müll dalassen - genau das ist der Punkt für den Bauern und sein Vieh! Wer zahlt die Tierarztrechnung für eine von der Kuh verschluckte Ring-Pull-Öffnung einer Cola Dose? Oder anderer achtlos liegengebliebenen oder übersehenen kleinen und größeren Müllereien! Und was unsere Ziegen schon alles gefunden haben. Es ist gar nicht nett, wenn sie Kondome wieder aus¤*#¤*#¤*#¤*#¤*#n! Schade, daß nicht alle so denken wie Du, keinen Müll zu hinterlassen. Und wildes campen bleibt es auch, wenn man den Bauern gefragt hat! Manchmal beschwert sich nämlich ein Nachbar!
Trotzdem schlafe ich gern mal auf meiner Wiese!
Gruß Bauer Gerd

Bauer Gerd
29.12.2005, 19:19
Hat jemand schon was vom Eseltrekking in Niedersachsen gehört?
Wer hätte Interesse daran?
Gruß Bauer Gerd