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Vollständige Version anzeigen : Trekkingrouten: Ganja La (5122m)


Manali90
20.01.2012, 22:30
Ganja La (5122m), der „Pass des Großen Schnees":
Von Tarke Ghyang im Yolmo nach Kyangjin im Langtang-Tal

Der 5122m hohe Ganja La ist einer der prominentesten Pässe des nepalesischen Himalaya, von hervorragender landschaftlicher Schönheit und sportlicher Attraktivität. Dass er in keinem Programm der großen Reiseveranstalter steht und es kaum eine präzise Beschreibung des Treks gibt, liegt offenbar an seiner Unberechenbarkeit und der daraus resultierenden Notwendigkeit, für wenige Trekkingtage vorausschauend wie für eine Expedition zu planen.
Von Süden aus dem Yolmo (früher: Helambu) ist es ein wenigstens viertägiger Trek durch Gelände über 4000m ohne Unterkünfte ab Tarke Ghyang – zu empfehlen für alle, die die Berge als Erlebnis auf sich zukommen lassen möchten, aber mit der Notwendigkeit, sich zuvor Zeit für die Akklimatisierung zu lassen, und mit dem Risiko des langen Rückzugs, falls der Passübergang nicht möglich ist.
Von Norden aus den oberen Langtang-Tal (Kyangjin) besteht dieses Problem oft schon deshalb nicht, weil metertiefer Schnee der Nordlage den außerordentlichen steilen Aufstieg zum Pass oft schon sichtbar unmöglich macht. (Dabei könnte ein Abstieg nach Überschreitung von Süden manchmal noch möglich sein.) Auf der anderen Seite ist nach mehrtägigem Aufenthalt im obersten Langtang gute Akklimatisierung möglich, und ein Rückzug schmerzt nicht so sehr.
Der Übergang führt über wegloses Gelände in großer Höhe, z.T. Blöcke (bei Neuschnee extrem anstrengend), erfordert in Passnähe je nach Bedingungen Seilbenutzung und Steigeisen (und gute Orientierung). Paradoxerweise führt der Weg nordseitig nicht, aber südseitig über Gletscher (aber ungefährlich, wenig Spaltengefahr).
Üblicherweise ist der Übergang wegen des Schnees in der Vormonsun-Saison nicht möglich, im Herbst ist es besser; auch Winterbegehungen bei Schneefreiheit sind bekannt.
Auf keinen Fall ist der Ganja La „mal eben“ mit einem dazugenommenen Guide zu planen, es sei denn man hat die Härte, z.B. ohne Küchenausrüstung von Tsampa zu leben, und auch in diesem Falle müssen Zelt und gute Schlafsäcke, auch für den Guide und Helfer, bereit sein.
Auffällig fand ich bei unserer Überschreitung des Ganja La im Herbst 1999, wie der Pass, der so gefürchtet ist, von einigen der Gruppen völlig unterschätzt wurde - so stark, dass uns sogar eine ausgehungerte Gruppe mit schneeblinden Trägern bei Keldang entgegen kam, die fragte, ob sie am Abend noch Tarke Ghyang erreichen könnten ... - Andere Gruppen kehrten vor dem Pass um; für gut informierte und ausgerüstete Gruppen war er aber kein Problem.

Im Folgenden beschrieben ist die Route für eine trainierte und halbwegs akklimatisierte Gruppe mit fair behandelter, d.h. vernünftig ausgerüsteter nepalesischer Mannschaft. Für die halbe Akklimatisierung haben im Oktober 1999 die folgenden Extratouren gesorgt: der Übergang von Shermathang nach Tarke Ghyang über die Yangri Danda (Höhenweg über Chomothang), ein Rundgang über die Heiligtümer des Yolmo mit Abstieg bis zur Milarepa-Höhle, eine Besteigung der Ama Yangri (3771m), ein Besuch von Melamchigaon von Tarke Ghyang aus als Tagestour.
Wenn man auf dem Wege nach Dukpu eine Übernachtung in Chomothang einschiebt, kann entsprechend ein Akklimatisierungstag entfallen. Auf den Yangri Danda-Höhenweg als „Kick“ zur Bildung roter Blutkörperchen sollte man aber nicht verzichten.

Der Trek: Übersicht

Die Weg folgt zuerst immer dem Gratverlauf der Yangri Danda und Dukpu Danda, wobei er zwischen den Almen Palchok (3850m) und Keldang (4240m) auf fast sechs Stunden reiner Gehzeit in die Ostseite ausweicht und mehrere Seitengrate überwinden muss (mit Zwischenabstiegen von maximal 170 Höhenmetern).
Keldang ist die letzte massive Almhütte. Nördlich davon schwenkt der Pfad (immer deutlich, wenn kein Schnee liegt) nordwestwärts in das weite Hochtal von Ganja La Kharka (ca. 4360m) ein, auf den markanten Gipfel des Naya Kanga zu. Der Pass ist der tiefste Punkt östlich des Gipfels und wird über steileres Moränen- und Blockgelände erreicht. Eine gute Gehstunde zuvor gibt es die Möglichkeit zu einem Hochlager für kleinere Gruppen auf 4900m Höhe unter/neben einem riesigen Felsblock.
Ein bisschen heikel sind der Abstieg vom Pass selbst auf einer kurzen, ausgesetzten Traverse durch den Fels, v.a. bei Schnee, und der steile Abstieg in den Geröllkessel unterhalb. Abwärts durch Blockgelände über das Naya Kanga B.C. (4850m) und später linkshaltend abwärts und über Almen und unten durch Wald zum Steg über den Langtang Khola unterhalb von Kyangjin.

Die Etappen

1.Tag: Tarke Ghyang (2560m) - Dukpu (4000m) (reine Gehzeit 6 ¾ Std., real ca. 10 Std.)
Alternativen: Tarke Ghyang - Chomothang (3150m) (mit Besteigung der Ama Yangri und/oder Abstecher nach Laganghyang) oder Shermathang - Chomothang (mit Ama Yangri und/oder Laganghyang)
Der direkte Weg von Tarke Ghyang nach Ama Yangri Phedi, der mindestens zwei Std. Gehzeit ersparen könnte, war 1999 nach Auskunft des ortskundigen Guides Pema Nethu Lama durch Erdrutsch zerstört und nicht wieder gangbar gemacht.
Vom oberen Ortsausgang von Tarke Ghyang (Schule) südwärts in einen Hohlweg, dann ostwärts im Wald hoch (bei ca. 2700m links halten, um Erdrutschzonen zu meiden), über eine Weidefläche und wieder durch Wald (hohe Tannen) in 95' zur Alm Chomothang (3150m, Passhöhe, Alm, Kreuzung; 50m unterhalb gute Quelle, letztes Wasser am Wege bis Dukpu!).
Links (nordwärts) dem Bergkamm folgen und durch Wald auf die Abstürze der Ama Yangri zu; diagonal aufwärts durch den Hang in 75' zum Pangsha La (3600m, Gratabsatz, Bambushütte/Alm).
Hier verzweigen sich die Wege: Der Anstieg auf die Ama Yangri führt direkt in nordwestlicher Richtung in Kehren zum Gipfel (1999 neu angelegter Pfad), der Weiterweg Richtung Ganja La links (westwärts) um den Gipfel herum zum nördlich gelegenen Sattel (Phedi). Leicht ansteigend diesen Weg zu kleinem Pass (10', 3650m, alter Abzweig zum Gipfel) und absteigend auf schlechtem Pfad durch dichten Wald in 40' von Pangsha La zur Alm Phedi (3440m, Hütte, Einmündung des verfallenen Pfads von Tarke Ghyang).
Weiter nordwärts über den Bergrücken durch den Wald in 45' zur Alm Rambothang (3620m, Hütte); weiter im Wald leicht ansteigend, dann abwärts zu einem Rinnsal (12') und hoch in einen Sattel (Almfläche, 3') vor einem Aufschwung, wo die Waldgrenze überschritten wird; jetzt westseitig weiter hoch, der Grat wird wieder bei der Alm Palchok erreicht (45' von Rambothang, 3850m, Steinhütte 1999 ohne Dach).
Von hier über den Grat, in Kehren leicht westseitig, zu einer Almhütte (40', 4030m) vor neuerlichem Aufschwung, aber jetzt ostseitig, auf breitem Pfad hoch zu kleinem Pass mit Gebetsfahnen und Lhatses in östlichem Seitengrat (Thong Le, 4140m, 60' von Palchok). (Von hier bis zum Ganja La bewegt sich der Pfad immer auf der Ostseite der Dukpu Danda und überschreitet Seitengrate.) Vom Thong Le sieht man auf einen kleinen Pass unterhalb, aber auch schon weiter (dahinter) auf die Alm Dukpu und die Höhle mit ihren Gebetsfahnen.
Vom Thong Le absteigen, über den kleinen Pass linkshaltend in ein weites Hochtal (tiefster Punkt 3970m, Rinnsal) und leicht aufwärts in 45' zur Alm Dukpu (4000m, Hütten, Wasser). Die Höhle des Guru Rinpoche liegt auf gleicher Höhe im Hang 10' weiter. Sie ist eines der vielen prominenten Heiligtümer des Buddhismus im hohen Himalaya.

2.Tag: Dukpu - Keldang (4220m) (reine Gehzeit 3 ¾ Std., real 6-7 Std.)
Von der Dukpu-Alm den Pfad nordwestlich aufwärts (von der Höhle auf unklarem Pfad westwärts) und nordwärts im Hang in 35' zum kleinen Pass Dukpu Kang (4150m, großartige Aussicht). Absteigen zu verfallener Hütte (wenig Wasser, 4070m; vermutlich die Alm, die Bill O'Connor in The Trekking Peaks of Nepal erwähnt) und wieder hoch zu kleinem Pass (4110m), hinunter zu einer Alm ohne Wasser und hoch zum Pass Bashé (35', 4100m, Zeichen der nepalesischen Armee); ab und auf (4020-4120m), in 55' zum Pass Gokhang Labtse (4150m, Felsecke mit Steinzeichen, Blick auf die Weite der Chyachya Kharka und weitere Hochtäler).
Hinunter bis 4050m und aufwärts in 35' zum Wasserlauf oberhalb der Chyachya Kharka (4170m). Weiter hoch über einen kleinen Pass (4225m), vorbei an einem kleinen See und schräg links (nordwärts) hoch zu deutlichem Pass mit Gebetsfahnen und Steinzeichen, Keldangpo Labtse (30', 4240m, Zeichen I.P.151 CH 15+326, Blick auf Keldang). Leicht abwärts und wieder hoch zu einer Gratschulter mit Hütte und links um die Ecke in 35'zur Alm Keldang (4240m, gute Steinhütte).

3.Tag: Keldang - Hochlager vor dem Ganja La (4900m) (reine Gehzeit 3 ¼ Std., real 5-7 Std.)
Leicht absteigend links in den Hang (40m Abstieg) und wieder leicht aufsteigend, an schlechter Hütte vorbei und steiler hoch in 60' zu großem Steinmann, an dem die Alm Ganja La Kharka beginnt (4360m). Hier öffnet sich der Blick auf ein weites Hochtal, die zum Ganja La führenden Moränen und den Naya Kanga.
Über Almböden mit Gletscherbächen, erst auf orografisch rechter (südwestlicher) Seite, dann queren und nordwärts zu großen Blöcken (4480m, 35', oberes Ende der Alm); rechts an braunem Block vorbei (15') zu flachem Feld zwischen Moränen (50', 4540m). Jetzt rechts zwischen brauner Moräne links und grauem Schutthang rechts hoch, bis die Moränen zusammenstoßen (4770m), und von dort steil hoch auf die Quermoräne zu Steinmännchen/Sicht auf den Pass (4870m, 70').
Von hier in 15' in weitem Linksbogen auf großen grauen Block zu, unter dem biwakiert werden kann (Basislager Süd, 4900m, Platz für 2-3 Zelte, Schlafplätze unter dem Überhang).

4.Tag: Hochlager - Ganja La (5122m) - Abstieg nach Kyangjin (3800m)
(reine Gehzeit 6 ½ Std., davon 4 Std. Abstieg vom Basislager Nord; real 8-10 Std.)
Wieder auf die oben erwähnte (Quer-)Moräne, nordwärts und durch Blockgelände diagonal links, am Ende neben einer Felsmauer zur Linken gerade hoch zum Ganja La (5122m, 60-90').
Die Aussicht vom Pass ist auf 60º beschränkt, aber deshalb nicht weniger grandios. Unter der gewaltigen Felsmauer der Shisha Pangma-Südwand (8027m, in ca. 30 km Luftlinie) wirkt der Gratgipfel des Yala Peak so winzig wie der Imja Tse (Island Peak) unter dem Lhotse. Links ist der Horizont durch den Kimshung (6745m), rechts durch den Langshisha Ri (6400m) begrenzt. Genau im Norden imponieren vor allem die Eismassen von Yansa Tensi (6575m, 11 km entfernt) und Shalbachum (6918m, 13 km) [Namen/Höhen nach der Mandala Map; auf der AV-Karte: Dragpoche (6562m) und Phrul Rangtshang Ri (ca. 6940m)] und der darunter liegende Yala-Gletscher. Dagegen wirkt der in 27 km Luftlinie westlich der Shisha Pangma gelegene Langtang Ri trotz seiner 7205m Höhe eher unscheinbar.
Abstieg: Links über Felsbänder 30m queren (Fixseil sinnvoll) und dann steil hinunter in einen Geröllkessel; linkshaltend über seine Begrenzung (Felsblöcke) und in einer Recht-Links-Schleife über Blockgelände abwärts zum Basislager Nord (60', 4850m, Hochlager für den Naya Kanga).
Weiter über eine nach Nordosten verlaufende Moräne, dann im Zickzack den Hang nordwärts steil abwärts, unten links über einen Bachlauf (Lalung Chhu auf der AV-Karte) und auf grasiger Seitenmoräne hinunter zur Alm Nasamkang (4300m, 120', ebene Grasfläche mit großen Felsblöcken, Gebetsfahnen).
Linkshaltend über Felsblöcke im Hang kurz hoch in einen kleinen Pass, steil hinunter zur Almfläche Yeetektek und eher flach zu den Almhütten von Neygang (4100m, 60', zeitweise Teashop). Im Zickzack nordwestwärts hinunter in den Birken- und Rhododendronwald, unten an Almhütten vorbei in 45' zum Steg über den Langtang Khola (3750m, Brücke 2004 neu errichtet, stabile Metallkonstruktion) und hoch zum Hauptweg, den man kurz vor Kyangjin Gompa erreicht (3850m, 15').

Diese Beschreibung zeigt die Routenplanung, die die Besteigung des Naya Kanga (5846m) durch die deutsche Naturfreunde-Gruppe 1999 (Ulrich Friebel, Peter Schikora am 16.10.1999; Hochlagercrew Kajiman Tamang, Lok Bahadur Magar) möglich machte. Ohne die Ambition, den Naya Kanga besteigen zu wollen, ist das eher riskante Hochlager südlich vor dem Pass eher zu vermeiden.
Die Etappe ab Keldang würde dann gleich, sehr anstrengend, über den Pass zum nördlichen Hochlager - für Leute mit sehr guter Kondition evtl. noch tiefer führen.