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Vollständige Version anzeigen : Schlemmerhütte


ThomasFFM
01.06.2004, 14:27
Hallo!

Die Überschrift ist scheinbar ein Widerspruch in sich - aber nur scheinbar! Da gibt es nämlich unter dem Monte Peralba am Karnischen Hauptkamm das Rifugio Calvi, wo man wirklich schlemmen kann und dies in 2160 m Höhe.

Die meisten Begeher des fast schon zu sehr in Mode gekommenen Karnischen Höhenweges berühren diese Hütte gar nicht, sondern gehen, von der Neuen Porze-Hütte kommend, gleich weiter zum Wolayer See (dessen AV-Hütte jetzt glücklicherweise endlich nicht mehr nach dem unsäglichen Nazi und Antisemiten Eduard Pichl benannt ist, sondern schlicht Wolayerseehütte heißt). Wer zum Rifugio Calvi will, muss einen Zusatztag investieren. Aber warum denn eigentlich nicht?

Die Hütte hat einen gemütlichen, aber im Vergleich zu österreichischen Hütten ganz anderen Gastraum, warme Duschen und wahre Schlemmermenus zu bieten. Als ich vor vier Jahren das letzte Mal dort war, gab's als ersten Gang entweder Gerstensuppe oder Tagliatelle mit hausgemachter Tomatensoße mit Erbsen und gekochtem Schinken, als zweiten Gang eine große Schüssel frischen Salat (auf Hütten eher selten), dann entweder Rehgulasch mit Polenta oder Schnitzel in Weißweinsoße mit gestampften Kartoffeln und schließlich, sofern man noch nicht restlos vollgestopft war, Kuchen und Espresso. Zur Verdauung hatte man die Wahl zwischen ca. zwanzig Grappasorten. Letztendlich ist die Hütte bester, weil höchst gelegener Ausgangspunkt für den herrlichen Monte Peralba (früher Hochweißstein), 2694 m, an dem einfach alles stimmt: ein wunderbar abwechslungsreicher Normalweg (Stellen I, aber für halbwegs schwindelfreie Bergwanderer zu machen, wenn in der Rinne unter dem Grat kein Schnee mehr liegt), ein 360°-Panorama von den Tauern bis zu den Dolomiten, südlichen Karnischen Alpen und Juliern. Übrigens soll der viel gegangene Klettersteig dem Normalweg in Punkto landschaftliche Attraktivität deutlich unterlegen sein, zumal der eigentliche Klettersteig recht kurz ist, während der überwiegende Teil ein einförmiger Aufstieg über die steile, geröllige Südostflanke ist.

Wer schließlich auf dieser italienischen Hütte mit einem mehr oder flauen Gefühl im Magen meint, seine kleinen italienischen Sprachkenntnisse zusammenkratzen zu müssen, und mit "Buonbiorno" grüßt, kann vom Hüttenwirt durchaus ein "Grüß Gott" zur Antwort bekommen. Die sehr freundliche Wirtsfamilie kommt nämlich aus Sappada, und das heißt bekanntlich auch Pladen und ist eine deutsche Sprachinsel in der Provinz Belluno.

Kurz: Das Rifugio Calvi ist für mich eine Art "Kulthütte", wohin es mich einfach immer wieder zieht. Und auf den Peralba geht man auch immer wieder gerne.

Gruß
ThomasFFM

phacops
01.06.2004, 14:59
Interessanter Tipp! Danke ThomasFFM!

Ich habe natürlich gleich Appetit gekriegt und wollte mal sehen, wie ich da hin komme (Karnische Alpen sind bisher ein weißer Fleck auf meiner Wanderkarte :'().

Und ff link ist vielleicht interessant.
http://www.karnische-alpen.com/

Oder was empfiehlst ¤*#du für einen Anfahrts- und Zustiegsweg, Thomas?

phacops

ThomasFFM
01.06.2004, 19:12
Hallo!

Wie man in die Karnischen Alpen kommt? Kommt darauf an, wo Du gehen möchtest.

Für den Karnischen Höhenweg bzw. dessen westlichen, alpineren Teil wären Innichen bzw. Sillian (beides Bahnstationen an der Strecke Franzensfeste - Lienz durchs Süd- und Osttiroler Pustertal) oder, im Osten, Kötschach-Mauthen (auch Bahnstation, Endpunkt der Linie von Villach) Ausgangspunkte. Zwischen Sillian (bzw. dem Bahnhof Tassenbach) und Kötschach-Mauthen verkehren an Werktagen - aber nicht sonntags! - Postbusse; Ausgangspunkt für Hochweißsteinhaus und Rifugio Calvi wäre z. B. Maria Luggau, wobei der Hüttenweg allerdings recht weit wäre; den Anstieg durchs Frontal könnte man allerdings mit dem Kleinbustaxi verkürzen (Taxi Wilhelmer St. Lorenzen). Südlicher Talort für das Rifugio Calvi ist Sappada / Pladen (oder Bladen, Plodn, also verschiedene Schreibweisen), wohin man aber schwerer kommt; immerhin fährt jeden Nachmittag ab Innichen ein Bus direkt nach Sappada (und weiter bis Triest). Zudem ist Sappada recht überlaufen und auch nicht billig.

Falls Du mehrere Tage wandern möchtest und es nicht der fast schon überlaufene Karnische Höhenweg sein soll (der ist wirklich herrlich und landschaftlich unglaublich vielfältig, nur sind die Hütten einfach zu klein), dann könntest Du z. B. ab Maria Luggau über die Calvihütte zur Piavequelle gehen, wo Du auf den Dolomiten-Höhenweg Nr. 6, die "Alta Via dei Silenzi", triffst, die auch noch auf meinem Wunschzettel steht. Ich bin vor zehn Jahren von der Piavequelle über den Passo del Mulo (wunderbarer Übergang) zum Rifugio 2000 gegangen, wobei man ebenso gut auch zum Rifugio Monte Ferro gehen könnte - beide privat und an Liftstationen gelegen, beide mit Übernachtungsmöglichkeit. Wir mussten damals am nächsten Morgen mit dem Sessellift vom Rifugio 2000 - das übrigens recht komfortabel und angenehm war - nach Sappada hinunter fahren und den Bus nach Innichen nehmen, der kurz vor oder nach 11 Uhr losfuhr.

Gerne kann ich Dir noch mehr zu den Karnischen Alpen sagen, wenn Du diesen weißen Fleck auf Deiner persönlichen Landkarte wirklich tilgen willst! Lohnen würde sich das auf alle Fälle - auch wenn es dort keine Dreitausender zu erklimmen gibt, sondern "!nur" Berge von der Höhe des Karwendels. Aber die weite Anreise lohnt sich trotzdem.

phacops
02.06.2004, 17:22
Hallo ThomasFFM,

habe eben deine PM gelesen. Haben uns beim login/out gekreuzt.

Den Fleck würde ich gerne im Herbst oder nächstem Frühjahr tilgen.
Bis wann bzw ab wann ist ¤*#der Weg begehbar? Länger als die üblichen Nord-/Zentralalpenwege? Und weißt du wie lange die Hütten dort üblicherweise offen haben (bequem von mir ;), ich weiß, kann ich selber rauskriegen. aber als Experte für die Ecke hast dus vielleicht direkt abrufbar?).

Zeitlich wäre ein langes Wochenende (ab München einfach) bis zu einer Woche drin ¤*#:D.

Die 3000er Marke suche ich sicher nicht. Jedenfalls nicht hier. Einfaches Genusstrekking und wenns noch mit Schlemmen verbunden werden kann... :P !

phacops

ThomasFFM
02.06.2004, 18:46
Hallo!

Die Hütten am Karnischen Hauptkamm schließen meines Wissens Ende September; genau weiß ich as auch nicht, weil ich im Herbst einfach nicht hin komme. Ansonsten wäre das Gebiet wohl auch noch im Oktober zu begehen, der östliche Teil (auch sehr schön, wenngleich nicht mehr so alpin) eher noch länger.

Für ein verlängertes Wochenende kommt, denke ich, vor allem der westliche Teil in Frage: am Anreisetag Auffahrt von Sexten (Bus, Taxi ab Innichen, wenige Kilometer) mit der Helmseilbahn und noch eine gute Stunde Fußweg zur Sillianer Hütte, an den nächsten beiden Tagen zur Obstanser See-Hütte (4-5 Std.) mit fast permanentem Blick auf die Sextener Dolomiten, am nächsten Tag über Filmoor-Standschützenhütte zur Neuen Porze-Hütte (mehrmals Gesteinwechsel von Urgestein zu Kalk!), 7 Std. Schließlich Abstieg ins Tiroler Gailtal, Bus nach Sillian, kurze Bahnfahrt nach Innichen. Zur Calvihütte kommst Du wie beschrieben, wobei der Übergang zum Wolayersee (ab Calvihütte 7, ab Hochweißsteinhaus 6 Std.) auch ganz wunderbar ist, ebenso wie der Weiterweg Wolayer See - Untere Valentin Alm - Kötschach-Mauthen (kein Linienverkehr mehr auf der Plöckenpassstraße, Übernachtung nur in der Unteren Valentin Alm!). Zudem könnte man ab Wolayer See noch die Hohe Warte (2780 m, höchster Gipfel der Karnischen Alpen) über ihren Normalweg besteigen. Der Übergang Neue Porzehütte - Hochweißsteinhaus über den Kamm ist wunderschön, aber sehr lang (7-9 Std., für den Herbst wohl zuviel) und erfordert unbedingt sicheres Wetter. Die Calvihütte kostet, wie gesagt, bei dieser Route einen Zusatztag, der aber bestens investiert ist.

Wenn Du in Kötschach-Mauthen übernachten willst, empfehle ich den Gasthof Thurner im Mauthener Ortsteil Würmlach, man kann vom Abstieg ab Untere Valentin Alm direkt hinwandern. Sehr freundlich und familiär, ausgezeichnetes Essen (jawohl! ;) ), sehr preisgünstig. Der Gasthof hat auch eine Internetseite, ich habe aber die Adresse nicht parat. Einfach die Suchbegriffe Thurner und Würmlach eingeben!

Wenn kein Schnee mehr liegt, erfordert der Höhenweg nur Trittsicherheit und ein Minimum an Schwindelfreiheit, nicht mehr.

Gruß
ThomasFFM

phacops
03.06.2004, 17:10
Hallo ThomasFFM,

danke für die hervorragenden Tipps und Hinweise! :D
Da werde ich mein Herbst-Programm mal etwas vorstricken.

Noch ne Frage: Welche Karten kannst du empfehlen?

HerzlichenGruß!

phacops

ThomasFFM
03.06.2004, 18:22
Hallo!

Es gibt eine Freytag&Bernd-Karte "Lienzer Dolomiten" (oder so ähnlich), WK 182, auf der der gesamte Westabschnitt des Karnischen Höhenweges zwischen Innichen / Sillian und der Plöckenpassstraße eingezeichnet ist. Da der Höhenweg überall sehr gut markiert ist, reicht die an sich nicht so sehr präzise Karte aus. Eine Kompass-Karte, die das Gebiet in gleicher Weise abdeckt, gibt es nicht, zudem nehmen sich Kompass und Freytag&Bernd qualitativ, glaube ich, nicht viel.

Für den Ostabschnitt gibt's zwei Freytag&Bernd-Karten, nämlich "Gailtal, Gitschtal, Weißensee, Nassfeld" (WK 223) und "Faaker See, Villach, Unteres Gailtal" (WK 223). Die Nummern habe ich im Moment nicht parat.

Am genauesten sind grundsätzlich die italienischen Tabacco-Karten 1:25.000, allerdings sind auch sie für den italienischen Teil nicht überall zuverlässig. Da die österreichischen Karten nur den Hauptkamm umfassen (WK 182 reicht gerade mal bis Sappada), bist Du auf sie angewiesen, wenn Du z. B. ein Stück die Alta Via dei Silenzi gehen willst. Leider decken sie den westlichen Karnischen Hauptkamm etwas ungünstig ab, so dass man für den westlichen Karnischen Höhenweg die Blätter 010, 017 und 01 braucht.

Da Du in München wohnst, besteht die Chance, dass Du über Hugendubel an die Tabacco-Karten kommst; bei Hugendubel in FFM waren sie zumindest bis vor kurzem vorrätig (allerdings hat der Frankfurter Hugendubel sein Angebot an Wanderliteratur gut und gerne um die Hälfte reduziert und beschränkt sich mehr oder weniger auf Etabliertes; die Zielgruppe der stöbernden Individualisten scheint nicht mehr zu interessieren...).

Ich komme dieses Jahr leider nicht in die Karnischen Alpen, sondern (in der dritte Augustwoche, wo das wegen des Ferragosto aber auch nicht so ratsam wäre) voraussichtlich in die Schobergruppe (na ja, "leider" ist natürlich mächtig übertrieben!) oder, falls die Schneeverhältnisse bis dahin sehr ungünstig sind, in die auch wunderschönen Lienzer Dolomiten, sonst würde ich Dir anbieten, mitzukommen. Da bräuchtest Du immerhin keine Karten!

Viele Grüße!
ThomasFFM

Peter_N
03.06.2004, 18:57
Hallo phacops,

hatte diese Tour "Karnischer Hauptkamm - westlicher Teil" im Jahre 1999 gemacht und hier auch schon mal kurz vorgestellt. Siehe Link.
http://www.trekkingforum.com/cgi-bin/forum/trekkingforum.pl?board=alpen&action=display&num=10 50832761

Auf meiner Homepage www.bergfotos.com in der Rubrik Österreich findest Du auch den Link zu dieser Tour. Eine Tourenbeschreibung mit Zeitangaben, Tourenprofil, Gipfelmöglichkeiten, Links zu den Berghütten und ein paar Bildchen.

Wanderkarten:
- Karten von TABACCO Nr: 01 und 09 M 1:25.000
- KOMPASS Wanderkarte Nr: 47 M 1:50.000

Ich kann dem Thomas nur Recht geben. Wir waren auch auf dem Monte Peralba, und lernten dadurch das Rifugio Calvi mit seiner sehr guten Küche kennen. ¤*#:D

Viel Spass bei dieser Tour,
Grüsse, Peter

ThomasFFM
03.06.2004, 21:06
Hallo, Peter_N!

Danke für Deinen Beitrag! Es war natürlich schade, dass Du Deine Tour nicht auf der Sillianer Hütte begonnen hast; vielleicht war die Dir ja zu überlaufen, aber eine Hütte mit solcher Fernsicht habe ich nicht oft erlebt. Und die Etappe Sillianer Hütte - Obstanserseehütte ist ganz gut als Eingehetappe geeignet - nicht zu lang, nicht zu anstrengend, dabei fast ständig phantastische Sicht auf die Sextener.

Gruß
ThomasFFM

phacops
04.10.2004, 18:23
Hallo ThomasFFM,
hallo Peter-N,

etwas spät aber umso Danke!

Habe erst letzte Woche eure postings nochmals ganz gelesen und bin zum Wochenende los.

Also mein Menu in der Calvi ging wie folgt:

Vorspeise: wunderbar zart geräucherter Schinkenspeck an Roggenbrot
Hauptgang: Käsespatzen a la Maggi
Dritter Gang: Käsebrett an Petersilie
Desert: Apfelrohkost.

Dazu ein Südtiroler Lagrein Dunkel und als Digestif ein Birnenbrand aus Luggau ¤*#:P.

Das ganze am warmen Ofen des Winterraums, weil die Hütte entgegen anderslautender Auskünfte in Luggau (Infostelle im Bauernladen wo Speck, Käse und Brand herstammen) doch schon geschlossen hatte. Der Hauptgang stammt von freundlichen Zimmergenossen (habe noch nie vorher Fertigtüten alla Maggi genossen, war aber recht passabel! )(Maggi übrigens als Mäggi-noodle-soup in Ladakh sehr verbreitet ¤*#:( ).

Da steht also im Frühjahr nochmals Calvi an, zumal die Sicht vom Peralba etwas wolkenverhangen war.

phacops

ThomasFFM
04.10.2004, 18:39
Hallo, Phacops!

Wirklich schade, dass Du Dich selbst ernähren musstest - Dein "Schlemmermenu" mag einem überall schmecken, aber auf der Calvihütte? Ich koche normalerweise im Elsass auch nicht so gerne Spaghetti wie zu Hause!

Meines Wissens öffnet die Calvihütte etwa Mitte Juni. Das sollte aber aus dem Internet zu erfahren sein. Notfalls kannst Du ja auch mal anrufen, bevor Du noch einmal selbst kochen musst!

Übrigens, wenn wir schon beim Thema sind: Sehr gut bewirtschaftet (rustikaler, aber kreativ und recht liebevoll) ist auch das Kerschbaumeralm-Schutzhaus in den Lienzer Dolomiten. Zudem ist der Hüttenwirt eine Seele von Mensch und der Spitzkofel nicht ganz einfach, aber ein Traumberg.

Gruß
ThomasFFM

ThomasFFM
26.08.2005, 18:47
Hallo!

Wie mir vor einer Woche einige Bergsteiger erzählten, verdient die "Schlemmerhütte" dieses Attribut nach wie vor, womöglich ist das Essen im Rifugio Calvi noch besser geworden. Pasta in Rehsoße, Kasseler in ausgezeichneter Peperonata - da läuft einem wirklich das Wasser im Mund zusammen!

Gruß
ThomasFFM

Unregistriert
28.02.2009, 00:25
standschützenhütte auf dem karnischen höhenweg fand ich kulinarisch ebenfalls toll - nicht zuletzt die aufgesetzen schnäpse.. ;-)

übrigens erwanderte seinerzeit papst johannes paul II. den weg zum rifugio calvi, wie ein foto an der wand im gastraum verrät.

ThomasFFM
28.02.2009, 07:57
Hallo, unregistrierter Gast!

Ja, der damalige Papst war 1988 auch auf dem Monte Peralba - für einen 68-Jährigen immerhin respektabel. Deshalb heißt der Normalweg auch "Via del papa" und ca. zehn Minuten umter dem Gipfel erinnert eine Bronzetafel daran. Vermutlich gibt es im Internet noch ein paar Fotos mehr davon.

Gruß
ThomasFFM

phacops
06.03.2009, 00:43
Ziel des Papa war wohl klar die Madonnenstatue am Gipfel. Da gibts (oder gabs ?)auch ein Glöckchen dran. Interessanter Kontrast zu den Befestigungsanlagen in der Umgebung.

Hoffentlich hat er auch die Küche der Schlemmerhütte zu schätzen gewußt ... :lecker:

Babapapa
10.03.2009, 16:54
http://inlinethumb08.webshots.com/9991/2955905890056925169S600x600Q85.jpg

(jetzt wieder registriert)