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Vollständige Version anzeigen : Mongolei


nord80
02.06.2004, 11:50
Netter Beitrag meiner russischen Übersetzerin im Rahmen meiner Mongolei-Tour!

Das Land der Unendlichkeit

Warum reisen Menschen? Was suchen sie tausende Kilometer entfernt von der Heimat? Ist es der Wunsch andere Menschen kennen zu lernen?Neues zu entdecken? Oder irgendeine innere Unruhe, die sich nicht erklären lässt. Es scheint im tiefsten Innern wird ab und zu ein Würmchen wach und es fängt an sich zu bewegen. Es flüstert: renne... Und man bekommt das Gefühl, es sei unerträglich, weiter hier zu bleiben. Und man will rennen. Egal wohin, möglichst weit weg vom täglichen Stress und der Zivilisation.
Wir sind in das Land der Nomaden, Steppen und des blauen Himmels gereist.“ Die Mongolei...“ Eines der geheimnissvollsten Länder der Erde. Das Land, in dem der Mann geboren wurde, der fast die ganze Welt eroberte.“Tschingis-Kahn“

Am Morgen sind wir in Ulaan-Batar, Hauptstadt der Mongolei, angekommen. Die Stadt ist in zwei Teile geteilt: ein Teil besteht aus den Betonhäusern der Sowjetperiode. Hier sieht man moderne Autos, internationale Hotels,Restaurants,Kneipen und Bars. Der andere Teil besteht aus den Jurten der Nomaden. Im Stadtzentrum befindet sich das grösste mongolische Kloster – Gandan. Im Hauptgebäude erhebt sich eine 26 Meter grosse goldene Statue „Buddas Mutter“.

Wir kammen aber in die Mongolei, um die mit Pflanzengeruch gefüllte Steppenluft zu atmen und uns frei zu fühlen, darum verlassen wir am nächsten Morgen Ulaan-Batar und fahren dem Horizont entgegen.

Die Asphaltstrasse ist vorbei und wir fahren auf der Steppenpiste. Mongolische Pisten...Wenn man 100 Km auf ihnen gefahren ist, versteht man, was das heißt. Die ganze Steppe ist eine riesige Strasse. Eine breite Autobahn mit unzählbaren Spuren. Es hat mich während unserer Reise immer gewundert, wie sich hier unser Begleiter orientiert; oft ohne Karte.

Die häufigste Automarke, die man hier trifft, sind russische UAZ. Die Mongolen erzählen, nur mit diesen Autos sei es möglich, 3-5 Jahre durch die Steppe zu fahren. Danach sind auch sie nur noch Schrott.

Also, wir fahren auf Endeckungssuche. Was bedeutet aber „wir fahren“ für die Mongolei? 60 Stundenkilometer sind schon eine gute Geschwindigkeit und bei 90 Kmh verschlägt es einem den Atem!

Am nächsten Tag habe ich verstanden, was Unendlichkeit bedeutet. Man fährt den ganzen Tag und so weit das Auge reicht gibt es nur Steppe. Weit vorn sieht man den Himmel auf die Erde stürzen. Vielleicht ist es aber auch umgekehrt und die Piste läuft in den Himmel?!

Man nennt die Mongolei nicht ohne Grund „das Land des blauen Himmels“. So einen Himmel habe ich noch nie gesehen. Man sieht hier alle blauen Farbentöne gleichzeitig. Wendet man sich für einen Augenblick ab,hat sich das Farbenspiel schon wieder verändert.
Als ich eine Kamel gesehen habe, war ich glücklich wie ein Kind! Ich bin hingelaufen, um es zu streicheln. Sein Fell hat sich erstaunlich weich angefühlt. Und das Kamel,“ dieses Wüstenschiff“ hat mit dem hochgehobenen Kopf dargestanden und mich nachsichtig angeschaut als ob es verstanden hätte, was für einen großen Spass ich habe, es zu streicheln.
Am nächsten Tag haben wir eine der „Sonderschöpfungen“ der Natur erreicht. Die Elym-Am-Senke. Bis Mitte Juni liegen hier noch Schnee und Eis, dabei steigen die Temperaturen in dieser Zeit bis +25-30°C! Es ist eine riesige Schlucht mit Felsenwänden, die über 2600 Meter hoch sind. Irgendwann gab es hier einen Berg, ein starkes Erdbeben hat ihn dann in zwei Teile gespalten. Das Ergebniss war die Schlucht, auf dessen Grund ein rauschender Gebirgsbach fließt.

Die Schlucht wird von den Geiern als Nistplatz gewählt, darum nennt man sie „Geierschlucht“. Es ist ergreifender Anblick, zu sehen, wie sie am Himmel segeln.

Wir haben die Schlucht hinter uns gelassen und fahren durch dieses einfache und gleichzeitig geheimnissvolle Land. Wir fahren durch die Gobi, eine der berühmtesten Wüsten der Welt. Ich hatte vor dieser Reise nur eine sehr enge Vorstellung von der Gobi. Ich dachte sie besteht nur aus Sand und nach ein paar Tagen hätte ich genug davon. Aber die Gobi ist vielfältig: manchmal erinnert sie mich an die Steppe, mit kleinen Flüssen und Seen. Manchmal trifft man wirklich auf Sand, wo auf Wundersamerweise kleinwüchsige Bäume wachsen. Sie werden hier „Gobi-Bäume“ genannt. Wir sind durch den „Gobi-Wald“ spazierengegangen! Natürlich gibt es hier auch Sanddünen.

Endlich haben wir Nemeget-Vertiefung erreicht, ein Canon mit dem weltbekannten Vorkommen versteinerter Dinosaurier. An dieser Stelle gab es vor 65-70 Mln. Jahren einen See. Er wurde weltbekannter Friedhof uralter Riesen. 1925??? wurden hier von einer amerikanischen Expedition viele Dinosaurierskelette und ihre versteinerten Eier gefunden. Bis heute kann man nach starken Regenfällen versteinerte Dinosaurierknochen finden.

Den Canon selbst, mit seinen zerklüfteten Sandsäulen und Sandsphinxen, sehe ich aber als die grösste Endeckung!

Der nächste Punkt unserer Reise war Charakorum, genauer gesagt Erdene-Dzu-Kloster. Es wurde im 16. Jahrhundert an der Stelle der ehemaligen Hauptstadt vom Tschingis-Chans errichtet. Das Erdene-Dzu-Kloster ist eines der ältesten mongolischen Klöster, das bis heute teilweise erhalten ist. Hier erfährt man viel von der mongolischen Religion – Schamanismus, von der Klosters Geschichte . Auf der Rückreise, nicht weit von Ulaan-Batar, sahen wir eine weidende Jaksherde. Sie nahmen kaum Notiz von unseren Fotoapparaten.

Irgendwann geht jede Reise zu Ende. Acht unvergessliche Tage sind wie im Fluge vergangen. Im Gedächniss bleibt aber für immer „das Land des blauen Himmels“, „Ende der Welt“. Oder vielleicht nur ihr Anfang?!

Olessja Grunkova

Andreas
02.06.2004, 15:10
Hallo Nord80,

Vielen Dank für diesen netten Bericht. Sehr stimmungsvoll. Und gut, dass ein wenig mehr Schwung in das Zentralasien/Sibirien-Forum kommt.

Weit genug wären diese Gegenden ja, um noch Vieles zu entdecken und zu erleben. Doch ohne Zweifel benötigt man hier bedeutend mehr Vorbereitungszeit, sei es, dass man Sprachen lernen muss, sei es, dass man lange und mühsame Recherchen anstellen muss, um Kartenmaterial, Reiseinfos, etc. zu erhalten.

Tuwa und Altai, natürlich auch Mongolei stehen auf meiner 'Liste'.

Andreas