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Vollständige Version anzeigen : Winterwanderung zum Nordkap


Panther
02.11.2011, 17:21
Moinmoin zusammen,

ich plane mit 2 Freunden im Februar eine Wanderung zum Nordkap (150km wovon 80 durchs Gelände und der Rest auf der Straße zurück gelegt werden).
Problematisch aber gewollt ist die Polarnacht der Nordlichter wegen.

Wer hat Erfahrung im Wandern mit Schneeschuhen über längere Strecken oder sogar in Touren während der Polarnacht gesammelt und könnte Tipps zu Schlafsäcken, Zelt und überhaupt der Machbarkeit an sich geben?

Vielen Dank schon im Voraus.
Panther

Loewe1981
02.11.2011, 23:18
Hi

Ich sag direkt vorweg: Ich war noch nie am Nordkap, und 4 Stunden Licht, die euch dort Anfang Februar erwarten wenn ich mich nicht vertu, wären mir zu wenig zum (Schneeschuh-)wandern

Nachts ist es, wegen des vielen Schnees, vor allem bei Sternen klaren Nächten, nicht so dunkel, wie man denken mag. Aber zum Wandern ohne Taschenlampe reicht es mir nicht. Wobei ich auch mit Taschenlampe nur wenige Stunden, über 5 oder 6 Wintertouren verteilt, im Dunkel zurück gelegt habe.
Man sieht schon Tagsüber, je nach Lichtverhältnissen, zwischen weißem Schnee und weißem Schnee keinen Unterschied und nimmt ne Kante oder kleinen Abhang erst 2 Schritte vor sich wahr. Und aus Erfahrung kann ich sagen, mit Schneeschuhen, völlig unverhofft, im Dunkeln (mit Taschenlampe), und 30kg auf dem Rücken nen ca 70cm tiefen Schitt nach unten zu machen, weil ich den Abhang schlicht nicht gesehen hab, ist nicht lustig.

Den Schlafsck musst du wohl entsprechend der temperaturen dort oben wählen, da hab ich keine Ahnung was dich erwartet.

Mein Zelt, ein Wechsel Pathfinder von 2001, hat zwar alle Winter bisher gut überstanden und auch Sturmböhen problemlos weggesteckt. Ist aber eigentlich ein paar Zentimeter zu kurz, so das Kopf- oder Fußende meist vom Rauhreif im Innenzelt feucht werden. Und es ist nur ein 1-Personen-Zelt.

Straßen (vereist, oder extrem verdichteter Schnee) finde ich immer sehr anstrengend zu gehen, da man sich sehr darauf konzentrieren muss, nicht in irgend eine Richtung aus zu rutschen. Auch das führt mit Gepäck zu blauen Flecken ... immer auf genau die selbe Stelle.
70km würde ich das nicht machen wollen. ... zumindest nicht auf den Skandinavischen Winterstraßen die ich bisher kenne.

Bei meiner letzten Tour, der ersten auf die ich mich bewußt Körperlich vorbereitet hab, musste ich feststellen, dass bergauf gehen mit Schneeschuhen vermutlich am besten mit Treppensteigen (ohne Schneeschuhe, aber mit vollem Rucksack) zu trainieren gewesen wäre. Ich bin im Gelände,mit 30kg auf dem Rücken, auf einen Schnitt von grob geschätzt 3km/h gekommen. Auf Straßen oder Loipen gings etwas schneller, aber nicht unbedingt angenehmer.

Ob deine Tour machbar ist, kann ich nicht sagen.
Wenn es deine erste Wintertour ist würde ich sagen: "Nein. Fang weiter Südlich, mit mehr Tageslicht, und der Chance im Notfall auf Hütten auszuweichen, an."


mfg
Löwe


mfg
Löwe

Inarijoen Peter
03.11.2011, 00:55
Februar finde ich für eine solche Tour nicht unbedingt optimal. Polarlichter kann man auch im März/April sehen. Mit Schneeschuhen war ich noch nie unterwegs, da ich nur mit BC-Ski auf Tour gehe. Im Februar kann der Schnee noch recht trocken und locker sein, das heisst man kann auch mit Schneeschuhen tief einsinken. Da Ihr doch etliche Km. auf der Strasse gehen wollt, empfehle ich auf jeden Fall Spikes, welche auf die Sohle aufgezogen werden können. Beim marschieren auf der Strasse sollte man gut sichtbar sein und an den Kleidern Reflektoren anbringen.
Da die Temperaturen um diese Jahreszeit durchaus zwischen -30 u. -40 Grad liegen können, muss man schon einiges in einen Schlafsack investieren. Persönlich benutze ich einen Mountain Equipment Schlafsack Everest.
Ich meine es gibt in Lappland interessantere Möglichkeiten für eine Tour und vor allem kann man ab und zu in einer Hütte übernachten.

Panther
03.11.2011, 12:57
Vielen Dank, ihr Mannen,

schlauerweise hat mein glorreicher Kommilitone den Flug gebucht, während ich den ersten Eintrag schrieb. Ganz toll, jetzt können wir nicht mehr zurück.

Dank an Inarijoen Peter, das mit den Maximaltemperaturen hat sehr geholfen. Auch wenn ich nicht weiß, wie ich einen so teuren Schlafsack bezahlen soll, aber wenn ich nicht sterben will, muss es ja sein.
Auf vielen Seiten wurde gesagt, dass das Klima in Küstennähe allgemein milder ist, als im Landesinneren. Hat es Sinn, die Route einfach entlang der E69 zu legen, die die ganze Zeit am Meer entlang führt? Der Tipp mit den Spikes war auf jeden Fall sehr hilfreich.
Danke auf an Löwe für die ehrliche Meinung und den tipp mit der helleren winternacht, wir werden sehen, wie wir durchkommen... muss ja
wie schnell werden wir denn sein (körperlich trainiert), wenn wir Straße gehen sollten?

Moses
03.11.2011, 13:27
Servus Panther.
Den Schlafsack den Inarijoen Peter anspricht kann ich auch empfehlen. Es gibt außerdem noch Schlafsackinlets (zum Beispiel aus Daune), die zusätzlich wärmen. Dann brauchst du natürlich auf jeden Fall noch eine sehr gute Isomatte.

Das Camp, in dem wir letzten Februar eine Hundeschlittentour in Nordfinnland erleben durften stellte für die Tour Hilleberg Zelte mit Kerlon 1800 Material zur Verfügung. Bei schweren Stürmen besteht die Möglichkeit ein zusätzliches Gestänge durch den Kanal zu stecken. Das waren auf jeden Fall äußerst robuste und trotzdem ziemlich leichte Zelte.

Jetzt weiß ich nicht genau wann ihr im Februar unterwegs seid, aber Ende des Monats hat man dort oben schon ca. 7 Stunden Sonne. Es gibt da eine ganz interessante Seite. Leider kann ich noch keinen Link posten. Sie heißt: sonnenaufgang-sonnenuntergang .de

Auf jeden Fall wird das ne echt harte Tour ;). Die Eindrücke werdet ihr aber sicherlich niemals vergessen.

mo

Panther
05.11.2011, 12:53
Moinmoin,

die letzten Vorbereitungen sind abgeschlossen. Wir haben das Equipment doch noch geliehen bekommen. Ich kann ja einen Reisebericht reinstellen, wenn ich wieder zurück bin.

mfg
Panther

Skarja
10.11.2011, 20:38
Für Sonnen- Auf und Untergänge sowie die Dämmerungszeiten gibt es ein sehr gutes kleines Programm:The Photographer’s Ephemeris (http://stephentrainor.com/tools)
Zu Februar in der Polarnacht- mir wäre es auch zu früh. ;-)
Wobei es schon seinen Reiz hat. Aber seid vorsichtig, die letzten Winter waren nicht ohne dort oben- vor allem die Stürme im Januar/ Februar können es in sich haben.

pekra62
29.11.2011, 10:30
Hallo panther,

warum muss es denn Nordkap sein? Das Polarlicht sieht man auch woanders. Ich bemitleide immer die Touris, die quer durch Skandinavien brettern um einen Fels namens Nordkap zu sehen, und das wunderschöne eigentliche Skandinavien gar nicht mitbekommen. Gut ihr seit zu Fuß unterwegs, aber 70 km Straße...

Februar ist eine heftige Zeit so weit nördlich. Ich war noch nicht am Nordkap, nur bis Höhe Kiruna, aber auch wenn die Meerslage es milder macht als im Inland, wird es kalt!
Habt ihr Wintererfahrung???

Auch wenn der Flug schon gebucht ist (wohin?), würde ich noch über eine Umplanung nachdenken. Gibt es nicht auch in der Ecke Norwegens ausgewiesene Wanderrouten? Mit Schutzhütten, die man im Notfall anlaufen kann? Wie weit ist euer Flugplatz z.B. vom Nordkalottenleden entfernt?
Abenteuerlich würde die Unternehmung trotzdem werden.

Peter