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Vollständige Version anzeigen : Kilembe Trail Ruwenzoris


karsten999
23.10.2011, 22:44
Hallo,

möchte im Februar 2012 (Ende der Trockenzeit) den Kilembe Trail in den Ruwenzoris laufen und frage mich, welches Schuhwerk ich brauche (Gummistiefel ja/nein).

habe hier im Forum und auch im Internet gesucht und Antworten gefunden, die sich aber alle auf den Central Circuit zu beziehen scheinen.

Meine Frage: ist jemand in den letzten Jahren den Kilembe Trail gelaufen und kann seine Erfahrungen zum Schuhwerk mitteilen?

Danke + Grüsse,
Karsten

Berghase
21.06.2016, 09:55
Hallo !

Der thread ist zwar nicht mehr ganz aktuell, aber da wir beide gerade von 3 Wochhen Uganda zurückgekehrt sind und 6 Tage davon im Ruwenzori von Kilembe aus unterwegs waren, ein brandaktueller Bericht.

Wir haben den Kilembe Trail bis zum Bugata Camp (4060m) gemacht, da wir von Anfang an nicht an Gipfelbesteigungen interessiert waren, sondern die einzigartige Vegetation erleben wollten.
Der Kilembe Trail wird von der Firma RTS (Rwenzori Trekking Service) angeboten, die ich 100%ig weiter empfehlen kann.
Hier kauft man ein Arangement pauschal - muss sich also keinen Gedanken darüber machen wie viele Träger man engagiert und ob ein Koch nötig, usw.
Die Organisation der Tour ist vorbildlich - Änderungen sind jederzeit möglich - auch das Abkürzen oder Verlängern der Tour.
Wir waren vom 3. - 8.6. unterwegs - also Beginn der Trockenzeit.

Gummistiefel werden beigestellt - wir brauchten sie zum Glück nicht !
Keinen Meter möchte ich mit diesen schlapprigen Dingern über nasse Wurzeln und Felsen klettern !
Wir waren mit Leder-Bergstiefel (Haix Tibet) ausgerüstet die wie erwartet in den Sümpfen vorbildlich dicht hielten.
Ich muss aber zugeben, dass wir unglaubliches Glück mit dem Wetter hatten - 6 Tage kein Regen - nur an 1 Tag ein wenig Nieseln - sonst Sonnenschein !

Wir hatten 2 guides und 4-6 Porter, wobei nur einer für unseren Großrucksack zuständig war.
Selbst trugen wir im Daypack 6-8kg. Der Rest der Mannschaft schleppte die Ausrüstung von Camp zu Camp. Eine fixe Bewirtschaftung der Camps zahlt sich auf Grund der geringen Anzahl von Trekkern (noch) nicht aus - es kommen ca. 400 Touristen jährlich. Wir haben in den 6 Tagen keine andere Gruppe getroffen

Der Aufstieg erfolgte auf unseren Wunsch mit einem großen Sprung von 1400m (Kilembe) zur Kalalama Hütte (3150m). Den nächsten Tag hatten wir dann dafür nur 500m höher zu schlafen, (Mutinda Camp (3660m) was für die Höhenanpassung sehr vorteilhaft war.
An diesem 1. Tag duchquert man die Bergregenwald- Farn- und Bambuszone. Ab 3000m sieht man auch die ersten Erikabäume.
Bereits am 2. Tag sieht man alles, was man sich im Ruwenzori erwartet (Erikabäume mit Flechtenbärten, Senecien, Lobelien). Das Mutinda Camp ist das einzige "Rock-Shelter" mit Zelt unter Felsvorsprung. Es ist spektakulär gelegen, aber leider auch recht unkonfortabel.

Am 3. Tag wandert man zunächst weiter durch die bekannte Vegetation um dann ab ca. 3800m in die etwas euphemistisch "alpine Zone" genannte Waldbrandzone zu kommen. Hier wütete 2012 ein schrecklicher Waldbrand, der ganze Senecien und Lobelien Wälder zerstörte. Mittlerweile ist zwar alles wieder grün, aber die verkohlten Stöcke lassen erahnen welche Prächtigkeit hier gediehen ist. Heute sieht man wieder kleine Lobelien, aber kaum Senecien nachwachsen. Es wird vermutlich Jahrzehnte dauern bis die alte Pracht wieder nachgewachsen ist. So muss man sich mit Sumpfbüschel Vegetation und eben den spärlichen Kleinwuchs zufrieden geben. Die Sümpfe sind zum Teil schon mit Stegen ausgelegt - die früher gefürchteten Strecken habe so viel von ihrem Schrecken verloren.
Das Bugata-Camp ist ein relativ neues sehr vorbildlich gebautes Hochgebirgscamp mit Hubschrauberlandeplatz für den Notfall.
Von dort wollten wir eigentlich noch auf den Bamwanjara Pass (ca. 4500m) - aber leider war es der einzige Morgen mit dicht verhangenen Wolken und Nieselregen. Angeblich ist hinter dem Pass die Vegetation nicht vom Waldbrand betroffen, so dass man dort noch einen Eindruck einer intakten alpinen Zone haben könnte. Wir beschlossen den Abstieg in stressfreien 3 Tagen zurückzulegen (ÜBernachtung Kiharo 3380m und Samalira 3130m mit Passaufstieg dazwischen)
Der Abstieg am letzten Tag mit 1700m bleibt eine Herausforderung für die Knie :D
Man durchquert während des Abstiegs wieder alle Zonen - speziell das Kiharo Camp liegt sehr schön mitten im Erika-Wald.

Über die Qualität der halbstaatlichen RMS die den Central Circuit betreut hört man unterschiedliches. Ich mag an der Spekulation nicht beteiligen. Eine Kombination der beiden trails wäre aber das Nonplusultra. Dzt. sind die Grenzen wer wohin darf leider strikt abgetrennt.

Noch ein Wort zu den Kosten - die beschriebene 6 Tages Tour (theoretisch könnte man den Weißmann-Peak besteigen) kommt mit Nationalparkgebühren auf ca. 2000€ für 2 Personen.
Das ist nicht wenig - aber es Erlebnis war es unserer Meinung 100% Wert

Hannes33
21.06.2016, 11:57
Danke für diesen interessanten Tatsachenbericht!
Ich selbst kenne aus mehreren Touren "nur" den central circuit mit RMS: da funktioniert ebenfalls alles einwandfrei!
Guides, Porter und auch Köche sind extrem engagiert und werden in der Regel von allen Teilnehmern explizit gelobt...
Prinzipiell muss man sagen, dass in Uganda alles sehr gut funktioniert, die Mannschaften sehr freundlich und engagiert sind... leider sind nur wenig Touristen dort.
Ist zwar einerseits schön für diejenigen, die Ursprünglichkeit und Einsamkeit suchen, für die Einheimischen aber schade, da die Touren ein wichtiges Zubrot bedeuten (würden)...
LG, Hannes.