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Vollständige Version anzeigen : Indientrekking auf eigene Faust


aracuss
24.04.2003, 18:54
Hallo!
Mein Freund und ich wollen im Sommer (august/september) für vier bis sechs wochen nach indien reisen. Eigentlich hatten wir vor eine trekkingtour auf eigene faust in nordindien zu machen. leider finden wir hierzu nicht genügend information! Kennt ihr vielleicht eine tour, die so zwei drei wochen dauert und von normal sportlichen zu bewältigen ist? oder wisst ihr, ob man sich direkt vor ort einen indischen führer nehmen kann, der dann eine bestimmte spannende tour zu gehen weiß! Am liebsten wäre es uns natürlich wenn wir irgendwie selbst organisiert die spannende indische landschaft kennenlernen könnten, ohne dabei allzu gefährlichen situationen ausgesetzt zu werden!!!
wir würden uns sehr auf eine antwort freuen!
falls jemand auch ähnliche vorhaben hat würden wir uns auch sehr gerne anschließen! Sind 20 und 26 jahre alt und studenten!!
liebe grüße und tausend dank
barbara

Guest
24.04.2003, 20:26
Speziell im August ist es sinnvoll wegen noch herrschenden Mosuns nach Ladakh (normalerweise hinter der Monsunscheide) zu reisen. Kauft Euch das Buch Loram, Charlie, Trekking in Ladakh, Trailblazer Guides, fahrt nach Manali (16 Busstunden von Delhi), und deckt Euch mit Proviant ein. Ein lohnendes Ziel ist der Trekk durch Zanskar, der auf seiner ganzen Länge in 14 Tagen (schnell+akklimatisiert), normal in 3 Wochen zu schaffen ist. Theoretisch kann dieser Trekk halbiert werden (Padum, der Hauptort Zanskars liegt an einer Strasse).
Von Manali fahrt ihr mit dem Bus über den Rothang Pass und Keylong nach Darcha, ein Kaff neben der Strasse, wo der Zanskar Valley Trekk nach Lamayuru beginnt (bzw. endet). Wartet dort mit "asiatischer Ruhe" auf einen Poneymann (2 Maultiere oder Zanskarpferde sollten für euch reichen), handelt einen vernünftigen Preis aus, und zieht von dannen. Meidet Verhandlungen mit Agenturen in Manali, die sind meist sündteuer, geht aber nicht ohne einen Einheimischen: Leben und leben lassen! Auf 5000m wird der Rucksack übrigens recht schwer...

aracuss
24.04.2003, 22:39
erstmal vielen vielen dank für deine routenbeschreibung. klingt total spannend. wir sind nur noch bißchen am zweifeln, ob die politische und kriminelle lage dort einigermaßen unter kontrolle ist! Das Forum hat ja auch schon recht viel über diese schwierigkeit diskutiert, in so fern sind bedenken ja angebracht! Weißt du etwas darüber? Könntest du sonst noch ein reiseziel in indien empfehlen, das während der monsunzeit zu bereisen ist? Wie siehts denn in dieser region mit impfungen aus? schon wieder fragen ohne ende, wir freuen uns auf eine antwort
danke!!!!barbara und marcus

Guest
24.04.2003, 23:39
Hallo Aracuss,
hab meine Indienreise im Jahr 2000 gemacht und in der Tat, es gab Probleme krimineller Art auch gegen Touristen, jedoch war dies eher im Gebiet um Manli/Kullu bzw. in Srinagar. Ladhak gehört zwar zum "berüchtigten" Kashmir, doch der Buddhismus entschärft (subjektiv empfunden) die Lage. Konkret kommt man beim Zanskartrekk 1x durch ein muslimisch-buddhistisch gemischtes Gebiet (im Hauptort Padum) wo Spannungen bestehen, doch ist der Ort gleichzeitig von viel Militär bevölkert und man muss sich ja nicht tagelang dort aufhalten. Bei meiner Reise gab es jedenfalls dort überhaupt kein Problem, wohl aber einige Duzend km entfernt, wo ein Kloster überfallen wurde...
Es gibt um Leh noch einige Trekks (siehe Trailblazer Guide), die hauptsächlich durch "Buddhist Country" führen (z.B. Markha Valley Trekk...) und wo meines wissens nichts passiert ist.
Zu den Impfungen: webseiten der Tropeninstitute checken, notwendige Impfungen durchführen (Hepatitis...), jedoch nicht mit dem Impfen übertreiben. Malariamittel hab ich in Indien (war auch 3 Wochen im Tiefland) keins genommen - das muss jeder für sich selbst entscheiden
Monsun: Zu Ladhak gibts im Monsunmonat August, was Indien betrifft, meines Wissens keine Alternative.
Ihr könntet aber z.B. nach Pakistan fahren (schöne Trekks), Beschreibung meinerseits im Pakistan Forum.

Wenn man solche Länder bereist braucht man eine gehörige Portion Fatalismus; wenn ihr mit einem klapprigen 3-fach überbesetzten Bus Himalyapässe auf- und abfährt wisst ihr dann was ich damit meine...

helga1
25.04.2003, 12:14
Hallo Aracuss und Gabriel,

ich kann Gabriel nur bestätigen. Bei meinen Trekks durch Ladakh und Zanskar (seit 1992 fast jedes Jahr) habe ich nie ein unsicheres Gefühl unterwegs gehabt - und auch noch keine kriminällen Übergriffe mitbekommen. Einzige Ausnahmen: In Lingshed wurden einem Trekker 1993 Wanderschuhe gestohlen ..... von einem anderen Trekker!!!!
Die von Gabriel angesprochene weitere Ausnahme (Überfall Kloster) kann ich ebenfalls bestätigen, ich bin 2000 ein paar Stunden später mit dem lokalen Bus durch das Dorf gefahren, es liegt an der Jeepstrecke Padum Kargil. Der Überfall hatte politischen Hintergrund (entzündete sich an Äußerungen des buddhistischen Ladakh-Vertreters im Hill council). Ein Tourist wurde in die Sache einbezogen, weil er auf der Ladefläche des Lastwagens saß, den sich die drei Terroristen als Fluchtfahrzeug "herausgeguckt" hatten. Der Übergriff ist aber meines Wissens eine absolute Ausnahme für Ladakh.

Noch ne Anmerkung zum Hinweis "Leben und Leben lassen" (also: Pferde und Porter anheuern). Grundsätzlich spreche ich nicht gegen das Anheuern von Pferden, ich denke, das muss jeder selbst wissen, ob er einen schweren Rucksack tragen will oder kann. Nur: Auch da gibt es eine Kehrseite: So weiß ich von meinen ladakhischen Freunden, dass die Preise für Pferde in den letzten Jahren sich verdoppelt haben wegen der Nachfrage im Tourismussektor - auch weil dummerweise sich die Spitzennachfrage im Tourismus zumindest Mitte August bis Oktober mit der Bedarf an Tieren für die Ernte überschneidet (Preis ging auf heute um die 15 000 Rupien hoch , wobei das nun keiner Statistik entnommen ist, sondern Angaben meiner Freunde sind). Ein Bauer hat es da schwer, finanziell Schritt zu halten, sollte er ein Pferd kaufen wollen... Und: Nach drei Jahren wenig Schnee im Winter mussten beispielsweise die Bewohner von Lingshed 2000 ihr Vieh ein ganzes Tal weiter zum Weiden treiben, weil im Ort selbst fast alles für die Touristenpferde gebraucht wurde. Bitte nicht falsch verstehen: Ich spreche mich nicht gegen Pferde und Porter aus (auch wenn ich selbst meist meinen Rucksack selbst trage bzw ein paar trage), will einfach nur einen reflektierten Umgang auch mit diesem Thema anregen.
Wer für die Bewohner in Ladakh was tun möchte, dem kann ich nur die mittlerweile vielen örtlichen Projekte nahe legen (Schulprojekte, Bildugnsprojekte, medizinische Projekte). Man kann etwa ein Schulsponsering für ein Kind übernehmen etc.

Helga

aracuss
25.04.2003, 16:05
hallo gabriel, hallo helga!

zuerstmal vielen vielen dank für eure mühe und eure hilfe! dank eurer information sind wir in unseren planungen schon einen ganz schön großen schritt weiter gekommen. wir haben also, nachdem wir so fachmännisch von euch informiert wurden, uns entschlossen diesen trek zu machen. jetzt muss nur noch das knie von meinem freund wieder in ordnung werden! wie kniebeanspruchend sind solche wege eigentlich. oder wird einem eher die höhe zu schaffen machen?
dafür werden wir uns dann noch das buch von trailblazer "Trekking in Ladakh" kaufen! Wisst ihr vielleicht, wo man das herbekommen könnte ohne zwei/drei Wochen (sagt amanzon) Lieferungszeit einplanen zu müssen?
dann hätten wir noch ein Frage bzgl. des equipments: was meint ihr denn, was in unserem Rucksack nicht fehlen dürfte, und was nur zusätzlicher Ballast wäre?
dazu steht wohl einiges in dem buch, aber möglicherweise habt ihr noch spezielle tips zu dieser tour!
helga hat ja das thema geld angesprochen... was muss man denn zur zeit so in etwa für einen führer mit zwei mulies bzw. pferden bezahlen. wir haben da keinen anhaltspunkt. und was sollte man so grob über den daumen gepeilt für eine solche tour ohne flug finanziell einplanen?

lg
barbara und marcus

Gabriel
26.04.2003, 02:48
Hallo Aracus, hallo Helga.
Zu euren Fragen kurz zusammengefasst:
Alles ist irgendwie anstrengend, die Höhe, das oft monotone Essen. Schaut, dass ihr in Europa Grundkondition tankt und Euch beim Akklimatisieren Zeit läßt. Die Wege sind an sich unproblematisch zu begehen (da kommen überall die Mulis/Pferde durch) - Beim Furten der Gletscherbäche muss man besonders Acht geben;
Den Trekkingführer (z.B. Trailblazer) würde ich wirklich durchstudieren, da sind viele nützliche Tipps drinnen.
Zum Rucksack: Kauft euch auf jeden Fall ein wasserdichtes billiges Zelt, dass könnt ihr z.B. in Leh wieder verkaufen/tauschen. Einen Kocher müsst ihr nicht unbedingt mitbringen wenn ihr mit einem Poneyman unterwegs seit und dieser mit euch kocht. Warme Funktionskleidung (Schichtenprinzip) ist zweckmäßig, die Daunenjacke könnt ihr daheimlassen. Bei Knieproblemen helfen Teleskopstöcke... Die Reiseapotheke sollte gut ausgestattet sein; bis ein Hubschrauber jemanden ausfliegt vergehen mind. 3 Tage. Für die Kinder, die euch oft scharenweise begrüßen keine Zuckerl mitnehmen! (Kugelschreiber, Stifte...?)
Zu den Kosten: Eine billige Agentur in Manali verlangt für 2 Personen, einfaches Essen, Kerosin, Mulis ... für beide zusammen 800$, teurere Agenturen (1000-1500$); Schätze mal mit +-500$ für 2 leute (selbst angeheuerter Poneyman/Guide) exklusive Verpflegung (die kostet nicht viel) kann man dabei sein...

Zu Helga: Klar, was der Massentourismus anrichtet, kann ich täglich in meiner Salzburger Heimat bewundern. Am besten wäre es die Zanskaris... in Ruhe zu lassen. Weder ausserirdische Touristen in Oakley Brillen, noch westlich angehauchte Schulprojekte sollten diese Menschen, die vor kurzem noch im Mittelalter lebten, stören. Doch die tieflandindischen und westlichen Einflüsse (Stichwort Coca Cola Kolonialismus) sind leider unaufhaltsam. Wir Trekker haben dabei einen nicht unwesentlichen Beitrag zur langsamen Zerstörung einer Kultur geleistet.

helga1
28.04.2003, 11:55
Hallo Ladakhfreunde,

zu den Preisen: Vor zwei Jahren konntet ihr in Leh auf Tour gehen mit Pferd, Koch und Führer für um die 18 bis 20 Dollar pro Tag beim zanskar Trek, Markha-Valley war etwas günstiger, Tso Moririe teurer.

Zu Gabriel: Nicht das ich falsch verstanden wurde: ich bin keineswegs der Meinung, dass eine Haltung "Am besten wir stülpen über Zanskar eine Käseglocke" die richtige ist - und du sicher auch nicht. Ich weiß sehr wohl, dass die Ladakhies und Zanskaries trotz ihrer Abgeschiedenheit sehr weltoffen sind und gerne den Kontakt zun Touristen haben. Ich kenne auch und vor allem Schulprojekte, die nicht westlich angehaucht sind und daher Störfaktor wären, auch etwa Projekte von Helena Norberg und andere. Und ich bin auch nicht der Meinung, dass Trekking-Tourismus als solcher einfach nur schädlich ist.
Ich bin aber auch der Meinung, dass man als Toruist sich sehr wohl ein paar Gedanken machen sollte, bevor man loszieht. Dazu gehören vielleicht die von mir angesprochenen Aspekte dazu, auf jeden Fall aber gehört dazu der Umgang mit Sitten und Gebräuchen. Und wer will, kann ein bisschen "Buttertee-Small-Talk" lernen - in Leh gibts hierzu einen Mini-Sprachführer in Ladakhi-Englisch.
Ich bin gerne in Ladakh, nehme viel von Land und Leuten mit - und weiß aus Rückmeldung von Ladakhies, dass das nicht nur eine Einbahnstraße ist.

Helga

Andreas
06.05.2003, 18:47
Hallo,

Erlaubt mir, auch ein paar Anmerkungen zu machen:

@ Aracuss: Es gibt noch ein Gebiet nördlich des Himalaya auf indischem Boden, der vom Monsun unberührt ist, und der noch nie irgendwelche negativen Schlagzeilen hatte: Spiti, der »kleine Bruder« Ladakh. Auch hier eine wüstenhafte, tibetisch-buddhistische Kultur, auch hier wundervoll freundliche Menschen und traumhafte Landschaften. Das Land ist jedoch viel kleiner und äußerst dünn besiedelt (9.000 Ew auf der Größe von Nordtirol!). Trekkingtouren gibt es dort nicht so viele und ausgedehnte und man trifft unterwegs auch nicht auf so viele Dörfer, wie in Zanskar oder Ladakh. Ohne Ponyunterstützung nicht zu machen! Ich war ganz begeistert von Spiti, konnte richtig noch etwas 'entdecken'. Ein Bild vom beeindruckendsten Kloster in Spiti: http://www.weltbilder.cc/details.php?image_id=49

Spiti lässt sich auch über einen anstrengenden 10-Tages-Trek bis zum Tso Moriri in Ost-Ladakh kombinieren (quasi nur Landschaft und kaum Kultur).

Das Buch »Trekking in Ladkah« von Charlie Loram kannst du direkt bei bei Corinne Sinclair bestellen: corinne@trailblazer-guides.com Einfach nur Kreditkartennummer durchgeben und das Buch ist eine Woche später bei dir (hat bei mir immer bestens geklappt!).

@ Gabriel und Helga:
Ich habt da etwas angesprochen, das mir auch am Herzen liegt. Helga hat ja Helena Norbert-Hodge schon angesprochen. Ihre Zusammenfassung (im Buch »Leben in Ladakh«) der Lebensumstände in Ladakh und Zanskar ist sehr scharfsinnig und zeigt auf, wie man es machen könnte, wenn alle enstsprechend sensibel vorgingen. Die diversen Schulprojekte entstehen natürlich aus dem unterstützenswerten Gedanken, helfen zu wollen; doch es darf den Zanskaris nicht aufgezwungen werden. Insofern sind »nicht-westliche« Schulprojekte sicherlich besser!
Wir Trekker haben dabei einen nicht unwesentlichen Beitrag zur langsamen Zerstörung einer Kultur geleistet.Mag sein, aber ich habe auch Ladakhis kennen gelernt, die mit einer unglaublichen »Abgeklärtheit« und innerer Ruhe auf die westlichen Einflüsse reagieren. Man hat einfach nicht das Gefühl, dass sie in eine Art Konsumzwang geraten. Natürlich, es ist eine schöne Abwechslung, den neuesten Bollywoodstreifen in Leh anzusehen oder im Satelliten-TV CNN mit all den fremden und fernen Problemen der Westler zu lauschen, aber ich empfand (und es wurde mir auch gesagt), dass man trotzdem tief in der eigenen Kultur verwurzelt ist, zu der es einfach mal gehört, in harter, lebenslanger Arbeit, sein Leben zu bestreiten. - Was ich damit sagen will: ja, der Einfluss des Westens, der Trekker, von uns ist enorm. Trotzdem ist es überraschend, wie wenig seit 1974, der Öffnung von Ladakh für den West-Tourismus, tasächlich »verdorben« wurde. Und die Leute werden es nicht müde, jedem Fremden ein fröhliches »Julley« nachzurufen.

In diesem Sinne,
Julley,
Andreas

phacops
07.04.2004, 09:20
Das Buch »Trekking in Ladkah« von Charlie Loram kannst du direkt bestellen


Es soll im Mai 04 eine Neuauflage geben.

phacops