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Vollständige Version anzeigen : Ladakh: 12-Tageswanderung - Lamayuru – Shang Sumdo


nextstoppatagonia
03.07.2011, 14:52
Erfahrungsbericht Ladakh – Juni 2011
Hier unser Erfahrungsbericht zu 4 Wochen Ladakh und Nordindien mit einigen Antworten auf Fragen, die wir uns vorher selber gestellt haben oder wichtige Erfahrungen die wir dort machen konnten.

Rahmenbedingungen: Reise zu zweit als Pärchen mit Rucksäcken.
Erfahrungshorizont: Erste Reise durch Indien / Asien. Nicht unsere erste Reise dieser Art.
Reisezeit: 04.06 bis 01.07.2011

Anreise mit einer Übernachtung in Delhi bei tagsüber 46 °C. Erlebnisse (Bettler, Armut, Smog, Schmutz) waren in der Stadt in dieser kurzen Zeit weniger krass als erwartet. Für so eine Metropole haben wir aber kaum westliche Touristen getroffen. Wenn dann in Alt Delhi, in der Gegend um den Market Road. Wie bekannt ist die Stadt für indische Verhältnisse teuer. Trotzdem ist sie eine, vielleicht zwei Übernachtungen wert, um richtig in Indien „anzukommen“ und vor allem gut zu essen.

Weiterflug und 4 Tage zur Akklimatisierung in Leh im Padma-Hotel:
Sehr schönes, sehr freundlich geführtes Hotel und Guesthouse mit Gemüsegarten und toller Dachterasse mit Ausblick.

Organisation der Wanderung schlussendlich erst vor Ort über die Agentur des Hotels. Wer hat schon Lust aus den 100 Agenturen in Leh die richtige zu finden?

Führerliteratur. Trotzdem vor Ort einen Führer genommen.
Mattauch, Jutta; Ladakhh & Zanskar. Unersetzliche Hintregrundinfos zu Land, Religion und Kultur.
Loram, Charlie; Trekking in Ladakh. Sicherlich die Bibel mit allen Infos, die für Trekking in Ladakh nötig sind.
Mazurkiewicz, Katarzyna und Andrzej; Indian Himalya Trekking Guide. Toller Trekkingführer mit Karten und Höhenprofilen.

Karten. Am Ende nicht genutzt, da vor Ort einen Führer genommen:
Editions Olizane - LADAKH/ZANSKAR Nord und Centre. 1:150.000. Gibt es in Ladakh nicht zu kaufen. Stimmten in Leh mit dem GPS überein, verwenden aber scheinbar vor Ort selten genutzte Ortsnamen. Erhätlich bei Aree Greul / mountainbookshop.de.
Die sonstigen Karten vor Ort taugen wenig bis nichts. Indische Militärkarten sollen mit 1:45.000 super sein, sind aber nicht zu bekommen.

Hilfreiche, sehr aktuelle Webseite: indiamike.com

Komplette Zeltausstattung und gefriergetrocknete Lebensmittel haben wir aus Deutschland mitgebracht. Milchpulver, Haferflocken und Trockenobst vor Ort gekauft. Trockenobst (Aprikosen, -kerne, Äpfel, Mandeln) bei der sehr empfehlenswerten Dzoma-Fraueninitiative mit mittlerweile 4 Niederlassungen in Leh gekauft. Die wenigen Tea-Shops, die wir unterwegs gesehen haben bieten: Maggi-Nudeln (unser Führer hat 12 Tage davon gelebt), Limo, Fruchtgummis und selten Klopapier. Gute Schokolade gibt es in Leh definitv nicht, die Temperaturen sprechen wohl für sich.

12-Tageswanderung Lamayuru – Shang Sumdo
Tolle, sehr abwechslungsreiche Tour mit langsam zunehmender Höhe bei Pässen und Zeltplätzen. Durch den Zanskar bei Chilling eine zweigeteilte Tour. Achtung: Entgegen dem Lonely Planet gibt es hier noch keine Brücke, nur die Hängeseilbahn. Das Markha Valley nur von Chilling aus zu durchwandern wäre m.E. aber eher langweilig, da nur die Landschaften des Markha Valleys und von Nimaling gesehen werden. Sicher ist Markha ab Spituk besser. Die größten Abwechslungen lagen für uns von Lamayuru bis Chilling plus Markha und Nimaling.

Unsere eigentlich erste Wahl: Lamayuru-Padum, also der erste Teil der Zanskar-Durchquerung war so früh im Jahr noch nicht möglich: Es fand sich kein Pony-Besitzer der seine Tiere über die noch verschneiten Pässe lassen wollte. In Phanjila trafen wir dannn auch einen Amerikaner der alleine von dort kam und noch von großen Lawinenkegel berichtete, die zu Fuss machbar waren aber mit Tieren wohl nicht. Somit sahen wir uns in unsrere Wahl bestätigt.

An unserem Weg gab es wieder erwartend oft Möglichkeiten zum Homestay, die wir in Kaja 1x genutzt haben, was definitiv ein Erlebnis war. Die Flussdurchquerungen im Markha Valley waren nicht tiefer als 800mm und bei unseren Bedingungen alle gut machbar.

Tip: Nehmt genügend kleine (5, 10, 20, 50 INR) Scheine mit auf den Weg. Es gibt i.d.R. kein Wechselgeld auf 100 INR-Scheine.

Temperaturen: Max. über 35 °C im Markha Valley. Min. 6° C nachts im Zelt in Nimaling mit Schnee am nächsten Morgen, der um 10 Uhr weggetaut war. Kein nennenswerter Regen. Es war uns eher zu warm als zu kalt.

Batterien für Stirnlampen o.ä. gibt es in Leh kaum zu kaufen. Für die Nikon-P7000-Kamera haben mir zwei Akkupacks für 12 Tage gereicht.

Medikamente gegen Durchfall, der in Indien scheinbar immer und überall zu haben ist:
Kohletabletten: Funktionieren bei Durchfall nicht!
Okoubaka: Trotzdem haben wir beide Durchfall bekommen.
Tannacomp: Schadet sicher nicht.
Imodium: Haben wir nicht genommen. Sicher nicht falsch welche dabei zu haben.
Norflox-TZ: Diese helfen definitiv bei Durchfall. Sind in Leh in der Apotheke erhältlich. Achtung, ist ein Antibiotikum.

Medikamente wegen Höhenproblemen:
Coca in homöopathischen Dosen: Keine negativen Erfahrungen gemacht.
Diamox: Haben wir nicht benutzen müssen.
Aspirin, Paracetamol, Ibuprofen gegen die auftretende Kopfschmerzen.

Wasserbehandlung: Mc Nett Aquaventure / Aquamira. 1 Satz hat uns mit der Standarddosierung für 14 Tage gut gereicht, auch vor dem Hintergrund, dass die eine Flasche ab dem 2. Tag ein Leck hatte. Zu dem wurde noch Teewasser und Wasser fürs Essen gekocht. Der leichte Chemiegeschmack ist durchaus erträglich wenn man die Vorzüge bedenkt!

Plastiktüten gibt es in Leh definitiv und lobenswerter Weise nicht. Bringt Euren Bedarf an Mülltüten etc. von zu Hause mit.

Rückblickend fand ich es gut Führer und Ponys dabei gehabt zu haben auch wenn dadurch Flexibilität verloren ging. Die Strecke ist mit Karten und Literatur sicher auch alleine zu finden. Doch die Sprache – außerhalb Leh's funktioniert Englisch auf der Strecke nicht mehr – Hintergrundinformationen und die Gesellschaft von Führer, Pony-Mann und Tieren möchte ich nicht gemisst haben. Temperaturen bis 35°C und die Höhe hätten uns ohne Tragetiere mit Sicherheit Probleme bereitet. Der Vorwurf, Esel seien langsamer als Ponys, kann ich nicht gelten lassen. Unser Eseltreiber hat die Tiere – ohne sie zu quälen – immer ähnlich schnell mit uns mit getrieben. Unser Führer kannte auch die Orte mit Satellitentelefon am Weg.

Rückblickend war es insgesamt staubiger als erwartet. Zugegeben hätte man es sich denken können, trotzdem ist es uns erst vor Ort richtig aufgefallen

Probleme mit Hunden gab es unterwegs nie. Es könnte aber in Leh ein Problem sein, wo die Vielzahl der Straßenköter bei Nacht sehr aktiv und laut wird.

Definitiv gibt es keine fiesen Spinnen, Schlangen, Skorpione o.ä. in Ladakh!

Es gab 3 Geldautomaten (ATM) in Leh, von denen aber nur der am Basar VISA akzeptiert hat (Größte Geldmenge 10000 INR / Transaktion). Zum Teil hatte ich auch Probleme in Indien Geld mit Maestro zu bekommen. Mastercard habe ich nicht probiert. Es muss immer der PIN bei Kreditkarten genutzt werden.

Nach dem Hinflug nach Leh haben wir uns für den Rückweg dafür entschieden, über den Tso Moriri und Keylong in 3 Tagen nach Manali zu fahren. Nach Manali sind wir dann mit einem weiteren Taxi, dass definitiv 14 Stunden für die Strecke benötigt, noch nach Haridwar und von hier mit dem Zug nach Delhi gefahren.
Auch dieser Abschnitt der Reise war super und beeindruckend. Besonders Haridwar, wo kaum europäische Touristen zu treffen sind. Hier kann man aber nach dem buddhistischen Ladakh den Hinduismus so richtig und hautnah erleben.

Alles in allem bleibt zu sagen, dass diese Reise super aber auch anstrengen war. Durch diese ganz andere Welt, das ganz andere Leben in Indien und durch die sehr freundlichen und interessierten Menschen möchte ich diese Reise auf keinen Fall missen. Die Landschaften waren wahnsinnig schön und beeindruckend.