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Vollständige Version anzeigen : Schottland 2010 - Reisebericht


tbs
28.06.2011, 15:48
Hallo,

ich würd euch gerne mal meinen Reisebericht vom letzten Jahr Schottland zeigen :)
Die Route führte uns von
Viel Spaß damit !

Etappe 1

Die Vorbereitungen waren endlich abgeschlossen, nun ging es ans Eingemachte. Auf der Anzeige im Kölner Flughafen stand 11 Uhr, wir hatten also noch genug Zeit unser Gepäck vorzubereiten. Schon beim einwickeln unserer Rucksäcke in die mitgebrachte Klarsichtfolie, lag eine gewisse, nervös-freudige Anspannung in der Luft. Nach dem Einwickeln, aßen wir unser letztes Mahl in der Heimat.
Und das ausgerechnet in einem dieser perversen Schnellrestaurants.

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Nie wieder Rührei, zumindest nicht in einer Fast Food Kette, lautete danach unser Motto. Immerhin schafften wir es auf der Tour, selbst aus dem Eipulver ein besseres Rührei zu zaubern.

Zugegeben, es war doch nicht unser letztes Essen, unsere Henkersmahlzeit war eine Runde Weizen zum fröhlichen Start in den Tag. Gestärkt von unzähligen gesunden Mineralen und Spurenelementen, warteten wir auf das Boarding, sahen Menschen im Wartesaal die auch einen gewissen Trekkinglook besaßen und warteten.

Nach knapp anderthalb Stunden landeten wir dann endlich in Edinburgh, wir konnten es kaum noch abwarten und wussten, jetzt gibt’s kein zurück mehr (ich möchte nicht wissen wie oft dieser dramatische Satz in Reiseberichten benutzt wurde/wird). Unser Zwischenziel war die Buchanan Bus Station in Glasgow. Vorher erwies sich das Flughafenpersonal in Glasgow jedoch als ziemlich freundlich und fragte uns, ob wir denn nicht eine Gastkartusche, die ein Passagier zurücklassen musste, gebrauchen könnten. Freudig und unwissend darüber, dass diese nicht auf unseren Kocher passen würde nahmen wir dankend an.

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Jetzt galt es erst einmal eine insgesamt 5 stündige Busfahrt zu überstehen. Zuerst irrten wir ein wenig auf dem Gelände des Edinburgh Airport herum, bis wir dann durch einen Google Maps Ausdruck den richtigen Weg, zur vermutlich richtigen Bushaltestelle fanden. Dort angekommen holten sich zwei von uns eine kleine Erfrischung an einer nahegelegenen Tankstelle, gaben zuviel Wechselgeld und mussten überrascht feststellen, dass der Dritte im Bunde schon Kontakt zu Einheimischen geknüpft hatte. Es war eine ältere, mit asiatisch schottischem Akzent sprechende Dame, die eindeutig etwas gegen die Busfahrer hatte.

Nach 1-2 vorbeiziehenden, aber offensichtlich richtigen Bussen, riet sie uns das schwere Gepäck zu verstecken und den Bus quasi als “Normalbürger” ranzuwinken. Ihre Worte waren in etwa: “Bus drives are rude and naughty !!”
Und siehe da, der nächste Bus hielt und der Busfahrer räumte mürrisch unser Gepäck in den Stauraum.

An dieser Stelle noch einmal ein großes Dankeschön an die weise asiatische Schottin!

So ging es nun über die Autobahn nach Glasgow. Dort angekommen, warteten wir auf den Bus nach Fort William. Als dieser dann nach ein paar Minuten kam, trafen wir auf einen Busfahrer mit tiefstem Glasgower Dialekt.

Glasgower Dialekt bedeutet für alle nicht Glasgower, das nur jedes zweite bis dritte Wort verstanden wird.
Er packte unser Gepäck allerdings etwas freundlicher in den Stauraum. Auch in Glasgow sahen wir noch ein paar Trekkingwillige, die alle mit einem Nicken begrüßt wurden.

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Nicht nur, das der zweite Busfahrer freundlicher war, er hatte auch die Fahrkünste eines Colin McRae geerbt!
Mit einem Affenzahn peitschte er seinen Bus durch die Serpentinen Schottlands. Vorbei zogen Lochs, Berge, Wasserfälle, kleine Dörfer, überholte Autos (Auf einer Straße auf die knapp 2 Autos passten!!) , Bäume und soviel Grünzeug wie man es Zuhause nur selten sieht.

Wir überlebten die Fahrt und kamen endlich im legendären Fort William an. Als wir die Rucksäcke aufsattelten und so gut wie startbereit waren, sahen wir noch ein Stück Heimatkultur.
Es war ein Lidl Supermarkt, in dem wir uns jeweils 3 Liter stilles Wasser für unsere Trinksäcke kauften.
Aufgefüllt und neugierig, suchten wir nach einem Laden der uns eine passende Gaskartusche für unseren Kocher verkaufen konnte. Leider hatte eine größere Outdoorkette schon geschlossen und so grasten wir Supermärkte und kleinere Läden nach Gaskartuschen ab. Wir fragten sogar mehrere Passanten unter denen wir tatsächlich den zweiten Teil Heimatkultur fanden – eine Pfadfindergruppe aus Deutschland. Leider konnten sie uns auch nicht weiterhelfen.

Ein wenig frustriert und grübelnd aßen wir erstmal in einem der Restaurants Fort Williams.
An dieser Stelle muss ich anmerken, dass jeder einmal Haggis probieren sollte. Dazu tranken wir ein schottisches Bier, welches wohl mal eine Affäre mit einem Eistee hatte (Nichts für ungut).

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Anschließend suchten wir uns ein Taxi für die Fahrt nach Glenfinnan und fragten, Kraft letzter Hoffnung den Taxifahrer ob er nicht wüsste wo man camping gas (Wir zeigten ihm die Kartusche) kaufen könne. Er sagte so etwas wie “Klar, ich fahr euch hin!” und wir waren überglücklich (Für alle Leser, es war eine Tankstelle zwischen Fort William und Glenfinnan).
Das sollte das erste von vielen Malen sein, in denen uns das Glück ein wenig den Hintern rettete.

Angekommen am Anfang der Wildnis und dem Harry Potter Hotspot (Die berühmte Brücke) Glenfinnan, fragten wir uns kühnerweise wo denn die sagenumwobenen Midges sind. Keine 2 Minuten der Bewegungslosigkeit später war es um uns geschehen. Die Viecher waren einfach überall. Es sei zu beachten: bewegt man sich, sind sie weg, bleibt man stehen, stürzen sie sich auf und um einen.
So bewegten wir uns in Richtung des ersten Schlafplatzes. Wir ließen das Harry Potter Aquädukt hinter uns, überquerten die erste von zahlreichen Brücken und sahen wie die Sonne langsam unter gang.

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Es war dunkel. Wir suchten händeringend nach einem Schlafplatz der einen vernünftigen Boden für die Zelte hatte, fanden aber nur nassen, sumpfartigen Untergrund. Zwischendurch kamen wir auch noch auf die Schnapsidee einen Fluss zu überqueren, weil wir glaubten, dass der Boden auf der anderen Seite trockener sei. So lernten wir wenigstens schon einmal das kalte schottische Flusswasser kennen, rutschige Steine inklusive.

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Aus unserem Weg trafen wir auch auf einen ausgewachsenen Hirsch, der uns misstrauisch vom anderen Ufer aus beobachtete.
Teilweise beeindruckt davon zogen wir weiter und sahen die erste Boothy, leider auch die erste volle Boothy. Also schliefen wir auf einer kleinen Anhöhe, auf der gerade mal genug Platz für die drei Zelte war, unweit der Hütte.
Da wir uns nun nicht mehr bewegten, kamen auch wieder die Midges. Vergesst das Mückennetz eures Zeltes. Midges gehen durch, Midges gehen durch alles durch.

Es war eine unruhige erste Nacht.

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Am nächsten Morgen sahen wir die Wildnis zum ersten Mal bei Tag. Tadellos erzogen, putzten wir unsere Zähne und überblickten das Land, stets begleitet von unseren kleinen Mückenfreunden. Da die Hütte nun leer war zog es uns erstmal in die Sicherheit der vier Wände und wir kochten uns ein gutes Frühstück. Es gab sogar Strom und einen kleinen Wasserkocher.
Im Laufe der Zeit kam auch ein Jäger/Förster vorbei, der regelmäßig die Spendenbox leerte. Nein nicht ganz leerte, sein “Trick” war es, immer ein Geldstück drin zu lassen um zu bemerken ob etwas geklaut wurde oder nicht.

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Weiter gehts auf Outdoor & More (http://www.outdoor-more.com/reisebericht-schottland-2010/) :)

Florian Martin
28.06.2011, 16:05
Hallo!
Schöner Bericht mit tollen Bildern. Ich verschiebe ihn mal hier zu den Reiseartikeln.
Gruss!
Florian

tbs
01.07.2011, 07:37
Weil ihr es seid, bekommt ihr auch noch die Etappe 2 ;)

Gestärkt vom Frühstück und voller Tatendrang brachen wir unser frühes Zwischenlager in der Hütte ab und bestritten die ersten wirklichen Trekkingmeter unseres Lebens. Der Erste Kilometer bestand aus Wegen, wie man sie auch hier in Deutschland kennt. Sandwege schlängelten sich durch die sehr grüne, aber durch tiefhängende Wolken, grau eingefärbte Landschaft.

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Ein stetiges Plätschern begleitete unseren Weg zum Fuß des ersten Bergs. Das Wort Berg mag in dieser Situation ein wenig übertrieben klingen, aber wenn man aus Mönchengladbach kommt, ist jede Anhöhe ein Hügel und alles bei dem man den Kopf in den Nacken legen muss ein Berg, so traurig es auch klingt. Wir standen also vor der ersten, im Vergleich zur restlichen Tour, harmlosesten Bergbesteigung und bestritten diese auch, mit ein paar Pausen, ziemlich gut.

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Leider sieht man bei Bergen kaum wie weit es noch ist. So zog sich der erste Aufstieg noch ein paar Meter. Michael hatte schon eine Kramfader an der Schläfe. Wir waren am kämpfen und wurden letztendlich mit einem schönen Ausblick belohnt. Nach dem Ausblick gabs die nächste Pause und eine dicke Portion Bratkartoffeln, die jedem UL Freak das Blut in den Adern gefrieren lassen würde.

Eine Portion wog satte 800 g !

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Schnapsidee Nummer 2: Gamaschen testen.
Ja wir hatten tolle Gamaschen, ja wir haben geglaubt sie seien wasserdicht und ja, wir wurden eines besseren belehrt.
Irgendwie kam einer von uns auf die Idee mal zu testen bis wo die Gamaschen + die Meindl Vakuum GTX wasserdicht sind. Das Resultat war ein leises “¤*#¤*#¤*#¤*#¤*#¤*#¤*#e”.

Naja, der Rest der Tour lehrte uns, das halbnasse Füße im Vergleich zu komplett nassen Füßen ein Traum sind.

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Die Bratkartoffeln schmeckten zwar eher wie Kartoffelauflauf aus der Mikrowelle, aber für uns war es in dem Moment ein Hochgenuss. Jeder der mal etwas in der Art gemacht hat kann es gut nachvollziehen, das Gefühl, welches einen überkommt wenn man auf dem Berg sitzt, in die Ferne guckt, die Natur genießt und für einen kleinen Moment einfach nur frei ist.

Beim Blick ins Tal setzten wir uns unser Tagesziel. Ein rotes Haus in weiter, komplett unterschätzter, Ferne.

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Tatsächlich sollten wir das Haus erst am nächsten Tag erreichen. Nun hieß es erstmal runter vom Berg. Der Abstieg erwies sich als nicht besonders spektakulär, doch dann fanden wir etwas, was unsere zweite Nacht zu einer besonderen Nacht werden lies.
Wir nannten den Zeltplatz klangvoll “Die Oase” und tatsächlich hatten wir dort alles was wir brauchten.

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Der Platz war zwischen zwei kleinen Hügeln und hatte sogar eine kleine Erhöhung zum sitzen und um Feuer zu machen. Feuer, ein leidiges Thema auf dieser Tour. An diesem Abend schafften wir es einfach nicht. Wir schlugen unsere Zelte auf, luden all unseren Ballast ins Zelt und suchten uns trockenes Holz aus der Umgebung.

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Bevor es ans Kochen ging, wollte ich mich jedoch nochmals umschauen und ein paar Fotos machen. Da bemerkte ich einen anderen Wanderer bemerkte. In aller Seelenruhe ging dieser in einer kurzen Hose an der Oase vorbei und schlug sein Zelt ein paar Hundert Meter weiter unten auf. Dieser Wanderer sollte sich als unser Dauerbegleiter und unsere Lebensversicherung herausstellen. Sein Name war Darren, er kam aus Sussex und wollte ein paar Monate in Knoydart bleiben. Leider haben wir nur zwei Fotos von ihm. Im Nachhinein ärgern wir uns das wir kein Gruppenfoto gemacht haben. Auch wenn man den guten Geist dieses Mannes niemals auf einem Foto hätte festhalten können.

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Danach richteten wir uns eine, wie wir fanden, gute Feuerstelle ein und versuchten mit allen Mitteln ein Feuer zu machen. Nichts, keine Chance, haben fast die Hälfte unserer, bei Globetrotter gekauften, in Bienenwachs getränkten, aber letztendlich nutzlosen Holzwolle verschwendet und das Ergebnis waren mickrig glühende Äste. Etwas enttäuscht machten wir uns trotzdem eine vorzügliche Ochsenschwanzsuppe von Knorr. Gelobt sei der Taxifahrer und die Gaskartusche.

Wir blieben noch ein wenig wach und legten uns als es anfing zu regnen in die Zelte. Hardy war wie immer besorgt darüber, dass wir noch etwas reden sollten und nicht sofort einschliefen und so taten wir es auch. Am nächsten Morgen berichtete er mir, dass er Angst um Leib und Leben hatte weil ich direkt an einem Fluss zeltete und der Pegel etwas angestiegen war. Nun, ich kann euch eins sagen meine Kinder, ich habe überlebt. Auch die Felsen die etwas weiter oben lose auf dem Berg standen sind glücklicherweise nicht runtergekommen. Leider wurden wir, wie ihr richtig vermutet, vom Regen geweckt. Einem Begleiter, auf dessen Anwesenheit wir an diesem Tag durchaus hätten verzichten können.

Das gute an Regen und Wind ist allerdings, dass wir auf der kompletten Reise keine einzige Midge mehr gesehen haben.

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