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Vollständige Version anzeigen : Die Hanging Gardens des Jebel Qatar


Andreas
10.06.2011, 08:11
EINLEITENDES und ANSTIEG

Oman ist großartig! - Ein Land mit dem Potential eine richtige „Trekkingnation“ zu werden. Noch gibt es nur wenig Wege und praktische keine Infrastruktur für Trekker. Wer nicht mit dem Zelt unterwegs sein will, muss gut mit Allradfahrzeugen und Wegzeiten vorausplanen. Nimmt man das Zelt, ergeben sich wegen des Klimas neue Probleme: Wasser muss mitgenommen werden. Für alles: Kochen, Waschen, Trinken. Vor allem Trinken. Und das limitiert natürlich Streckenlängen, Ziele, Vorankommen. Wer kann schon pro Tag 4 - 5 Liter Wasser mitschleppen und eine Woche unterwegs sein?

Trekking steckt also noch in den Kinderschuhen im Oman. Und gerade deshalb finde ich es sehr reizvoll. Neben den gut ein Duzend markierten Wanderwegen, gibt es Duzende Möglichkeiten, Berge, Wadis und Oasen zu entdecken. Hier möchte ich über ein Ziel berichten, das wirklich nur sehr wenige Leute kennen. Die „Hanging Garden of Jebel Qatar“. Jebel heißt Berg. Der Name Qatar hat nichts mit dem gleichnamigen Staat am persischen Golf zu tun.

Das Ziel liegt im Norden des Omans, in der Nähe zur Stadt Buraimi, die direkt an der Grenze zur Stadt Al Ain im Emirat Abu Dhabi liegt. Ich hatte davon gelesen. Wegbeschreibungen gibt es praktisch keine; in keinem der üblichen den Reiseführer werden die Hanging Gardens erwähnt. Im Netz findet man nur wenige Fotos. Die meisten Leute, die dort waren, waren Expatriates aus Dubai, die einen Ausflug dorthin gemacht haben. Hauptsächlich bevor die Grenzkontrollen zwischen den Emiraten und dem Oman strenger geworden sind (Link (http://www.trekkingforum.com/forum/showthread.php?p=127697#post127697) zu einem Beitrag von mir). Aber diese Fotos gefielen mir und ich fand es sehr reizvoll, diese Gegend bei meiner zweiten Omanreise im Herbst 2010 etwas genauer zu erkunden. Und wir wurden belohnt. Eine fantastische Gegend.

Da es keine Karten gibt, habe ich nach meinem Besuch dort eine kleine Panoramakarte mit der Wanderroute gefertigt (die Namen der am Wege liegenden Sehenswürdigkeiten - mit Ausnahme der „Hanging Gardens“ selbst - habe ich mir ausgedacht).
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Wir sind von den Emiraten gekommen und bei Al Ain über die Grenze nach Buraimi gekommen. Rund 25 km entfernt, verstecken sich die Hanging Gardens in einem Seitental, das man nur mit einem Allradfahrzeug erreichen kann.

Vom Car Park geht es zum Pulpit, dann hinauf zur Cave mit Arch, entlang der Knobby Crag zu den Hanging Gardens und über wilde Pfade über die Skull Boulders zurück zum Car Park.


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Blick vom Car Park das Wadi hinaus, weg vom Berg

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Blick vom Car Park das Wadi hinauf zu den Steilklippen des Jebel Qatar.

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Steilanstieg vom Car Park zum Pulpit; schweisstreibend, aber das Schlimmste ist dann geschafft.

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Hier sieht man die Piste, die man hereinfahren muss, um zu den Felsen zu gelangen. Die Häuserreihe hinten liegt an der Hauptstraße.

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Wir erreichen "The Pulpit". Rechts hinten, unter dem Einschnitt liegen die Hanging Gardens.

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Man ist bereits ganz nah an den Felswänden.

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Hitze bei Tag (40°+) und Frost bei Nacht (-3°) sprengen die härtesten Felsen.

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Aber es gibt sogar hier einfache Pflanzen. Die Wüste lebt.

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Die Stängel speichern Wasser.




HÖHLE und KNOBBY CRAG

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Hier muss man raufklettern, wenn man zur Höhle will, die hoch oben in der Klippe bereits zu sehen ist. Lohnt sich das, fragten wir uns? Denn trotz Schatten war es ziemlich heiß.

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Oh ja, es lohnt sich. Man scrambled über bizarr erodierte Felsen.

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Fantastische Strukturen belohnen die Anstrengung.

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Die Höhle ist schon sehr nah. Man erkennt nun auch den Felsbogen, der den Höhleneingang überspannt.

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Knapp unter der Höhle kommt man auf eine Anhöhe und hat plötzlich einen freien Blick auf die Knobby Crag und die Hanging Gardens unten im Einschnitt.

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In der Höhle findet man bunte Sandsteinlagen in weiß, gelb und rot. Leider an vielen Stellen von Fledermausmist verschmutzt.

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Blick aus der Höhle hinaus auf das weite Wadi, das wir hereingefahren sind.

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Der Felsbogen ist nun direkt über uns.

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Eine andere Perspektive; die Höhle zieht sich noch tief in den Berg. Man könnte mit entsprechender Ausrüstung noch weit gelangen, müsste aber vermehrt mit Bat-shit kämpfen. Die Höhle ist übrigens staubtrocken.

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Direkt außerhalb der Höhle steigen wir dann nach rechts ab und halten uns unter der weißen Felswand mit ihren Höckern, Noppen und Knubbeln, der Knobby Crag.

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Hier erhält man einen Größenvergleich. Die Wand ist gewaltig, wirkt aber aus der Ferne eher niedrig.

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Knobby Crag, Wind und Temperatur geformte Erosionsformen, oberflächliche Abplatzungen und bizarre Ansichten.

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Wie gut, dass wir hier im Schatten waren. Zu anderen Tageszeiten wäre die Widerhitze von der Wand nicht auszuhalten.

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Großteils ist die Knobby Crag überhängend. Noch kein Kletterer hat sich hier versucht.

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Genial schön.

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Knobby Crag

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Knobby Crag




HANGING GARDENS

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Plötzlich endet der ebene "Weg" unter der Wand und es geht steil hinunter zu den Hanging Gardens.

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Von einem Einschnitt oben auf dem Felsplateau tröpfelt Wasser die Klippen und Klüfte herunter. Das poröse Gestein speichert die Feuchtigkeit und gibt sie das ganze Jahr über tröpfchenweise ab. Überall dort, wo das Wasser aus dem Gestein kommt, haben sich Pflanzen angesiedelt, auch mitten in der Wand. Nur nach Regenfällen sammelt sich für wenige Wochen genügend Wasser, um am Fuß der Wand einen Pool zu bilden, der hier fast ausgetrocknet war.

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Direkt an der Wand ist man in einem Mini-Dschungel in sattem Grün.

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Auf Grund der besonderen Druck- und Temperaturverhältnisse bilden sich hier pittoreske Versinterungen voller Hohlräume an der Oberfläche der Wand.

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Viele Meter lang hängen die Pflanzen über die Wände herunter.

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Eine Detailansicht.

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Und noch eine andere Perpektive.

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Hinter den Hanging Gardens geht es wieder steil bergauf, immer noch entlang und unter der Felswand. Hier sieht man einen Blick zurück auf Höhle und Knobby Crag.

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Die Felsklippe des Jebel Qatar zieht sich noch viele Kilometer weit nach Nordosten. Hier gäbe es noch viel zu entdecken.




ABSTIEG und SKULL BOULDERS

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Von dieser Stelle suchten wir einen Weg zurück hinunter zum Car Park. Ziegenpfade halfen, denn der felsige Untergrund ist sehr scharfkantig.

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Ein Blick zurück über The Pulpit (das flache Gebiet in Bildmitte), Höhle und Knobby Crag (links oben).

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Beim Abstieg kamen wir durch ein Gebiet voller Riesenblöcke, die ich wegen ihrer bizarren Formen und Erodierungen Skull Boulders nannte.

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Ein weiterer Skull.

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Der größte und beeindruckendste Skull.

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Wieder unten im Wadi. Der gelbe Felsen rechts ist etwas für Pareidoliefans. Was könnt ihr erkennen?

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Zurück in Buraimi haben wir uns ein gutes, traditionelles Essen mit süßem Reis verdient.


ENDE.

Sirod
02.09.2012, 09:16
Hallo Andreas,

wir denken gerade darüber nach, eine 4wd-trekkingtour im Oman kurzfristig zu buchen. Dabei hätten wir gern ein Maximum an Freiheit. Eigentlich haben wir ein Zelt dabei, würden aber ggf. auch ganz gern mal im Hotel/Motel/Pension etc. übernachten.

Ist es ein Problem, ab und an mal eine Übernachtungsmöglichkeit - mit Wasch- oder Duschmöglichkeit zu finden? Spricht auch in kleinen Dörfern gelegentlich jemand Englisch?

Danke....



lg

Sirod

Andreas
04.09.2012, 08:21
Hallo Andreas,

wir denken gerade darüber nach, eine 4wd-trekkingtour im Oman kurzfristig zu buchen. Dabei hätten wir gern ein Maximum an Freiheit. Eigentlich haben wir ein Zelt dabei, würden aber ggf. auch ganz gern mal im Hotel/Motel/Pension etc. übernachten.

Ist es ein Problem, ab und an mal eine Übernachtungsmöglichkeit - mit Wasch- oder Duschmöglichkeit zu finden? Spricht auch in kleinen Dörfern gelegentlich jemand Englisch?

Danke....
Englisch ist kein Problem. Auch in kleinen Dörfern findet sich immer jemand, der englisch spricht. Problematisch ist das Übernachten, wenn nicht im Voraus gebucht. Es gibt sehr sehr sehr wenige Hotels / Herbergen / Pensionen außerhalb der Hauptstadt. Einfach auf gut Glück auftauchen und auf ein freies Zimmer hoffen, ist schwierig. Besonders bei besonderen Plätzen wie Nizwa, Jebel Akhdar oder Jebel Shams ist Vorreservieren ein Muss!

grenzenlos
26.02.2014, 13:34
Wirklich prima Bericht. Danke! :)
Wir waren zum Jahreswechsel 2013/14 im Oman. War nicht unsere erste Tour. Der Oman ist einfach schön und lohnenswert.
Außerhalb von Muskat ist es noch immer besser, man bucht Hotels, sofern benötigt, vor.
Oman ist aber auch absolut gut mit Auto und Zelt zu bereisen. ;)