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Vollständige Version anzeigen : Besteigung des Mentok II (Korzok/Tso Moriri) ?


MarcusW
06.05.2004, 16:27
Hallo allerseits!

Gibt es hier zufällig jemanden, der sich den Gipfel des Mentok II bereits selbst näher angesehen oder vielleicht erfolgreich bestiegen hat?
Wir werden im Juli von Rumtse über den Tso Kar nach Korzok trekken und wollen dann den Mentok II versuchen. ¤*#Erfahrungsberichte, Tipps und Hinweise wären höchst willkommen.

Vielen Dank!

Andreas
03.06.2004, 18:25
Also mit Erfahrungsberichten kann ich nicht aufwarten :'(

Aber vielleicht kennst du ja diese Infos noch nicht:

../../upload/mentok_lageskizze.jpg

und:

../../upload/mentok_aufstieg.jpg

entnommen dem Buch: »Trekking and Climbing in the Indian Himalaya« des indischen Offiziers Harish Kapadia.

Grüße,
Andreas

MarcusW
04.06.2004, 08:37
Lieber Andreas,

vielen Dank für deine Info.
Das zitierte Buch liegt schon seit einiger Zeit bei mir daheim am Schreibtisch - und war der Anlass, genau den Mentok II ins Auge zu fassen. (Am Stok Kangri war ich bereits vor 21 Jahren...:-)

Wie es scheint, ist die Gegend um Korzok immer noch sehr wenig besucht - was ja auch seine Vorteile hat.

Ich hoffe, wir werden im August dann einen Bericht von der erfolgreichen Besteigung liefern können.

Liebe Grüße aus Wien!

MarcusW
03.08.2004, 14:27
So, hier folgt also nun unser Bericht:

Die Beschreibung des Herrn KAPADIA zum Mentok II läßt nach Überprüfung vor Ort nur zwei mögliche Schlussfolgerungen zu: Entweder sie beruht auf einer krassen Verwechslung (so, wie ja auch Hochlager auf ein und derselben Buchseite – s.o. - einmal auf „western“ und einmal auf „eastern slopes“ angesiedelt werden), oder der gute Mann war selbst noch nie im Leben dort.

Tatsächlich stellt die Mentok-Range von Korzok und Korzokphule aus gesehen eine Kette von 8-9 ca. gleich hohen Gipfel dar (alle vermutlich knapp an der 6000er-Marke), die miteinander durch kleine, sattel-artige Absenkungen verbunden sind. Nach Osten zu – also in Richtung Korzok – bildet die gesamte Formation eine Steilwand von ca. 250 HM bei 75 –90 Grad Neigung, die an mehren Stellen von mächtigen Gletschern überflossen wird. (Es gibt auch – ganz versteckt – zwei sehr schöne Gletscherseen unter dieser Wand.) Fast der gesamte nicht-vergletscherte Rest dieser Steilwand war Ende Juli 2004 von Altschnee bedeckt (2004 war jedoch ein sehr schneearmer Winter in Ladakh!), sodass ein Direktanstieg von der beschriebenen Seite (Osten) aus nur als schwierige Eis- und Felskletterei machbar wäre. Einen Sattel zwischen Mentok I und II für ein high camp sucht man ebenso vergeblich wie die beiden Gipfel selbst: Auch lokale Nomaden in Korzokphule können (mit Unterstützung eines sachkundigen Dolmetschers) keine Antwort auf die Frage geben, welches denn nun der Mentok Hauptgipfel (Mentok I) sein soll.

Sollte die Beschreibung tatsächlich auf einer Verwechslung beruhen, dann ist anstatt eines Zustieges über Korzokphule wohl Kharlung als Ausgangspunkt gemeint, wie auch die Kartenskizze weiter oben nahelegt. (Das entspräche auch der alten Gipfelbezeichnung „Mata“.) Soweit ich selbst jedoch den südlichen Teil des Massives überblicken konnte, stimmt auch dort die Beschreibung nicht mit dem Berg überein. Allerdings war ich nicht ganz bis in Kharlung.

Es gibt aber auch eine „gute Nachricht“:
Die Mentok-Range ist von Korzokphule aus besteigbar, sofern man/frau gute Kondition und einiges an Nervenstärke mitbringt. Die „sicherste“ Route führt über den äußerst rechten (i.e. nördlichen) Pfeiler der Range, der im Juli 2004 als einziger über einen sehr steilen Schutt- und Geröllhang eis- und schneefrei erreichbar war. Der Hang/die Rinne selbst erwies sich trotz ihrer starken Neigung als relativ stabil – sowohl im Auf- als auch im Abstieg. Vom rechten Pfeiler aus geht es dann auf einem sehr langgestreckten, eher flachen Gletscher (kaum Spalten, Steigeisen jedoch unbedingt erforderlich) nach links (Süden) auf den nächsten Gipfel, der zu den höchsten der gesamten Kette zählt und an seiner Spitze (eigentlich: am Gipfelplateau) eisfrei ist. Von dort wäre es dann möglich, fast beliebig viele der weiteren Gipfel nach Süden zu erreichen – allerdings wird dann der Rückweg wohl nicht mehr in einem Tag zu schaffen sein.

Das größte Problem der Besteigung ist die Positionierung eines Hochlagers. Der einzige Platz, der uns „bequem“ genug war (i.e. ausreichend frisches Wasser UND eine wirklich ebene Liegefläche), befindet sich – wunderschön gelegen – in einem Kar ziemlich in der Mitte der Rage unter den Moränen am Fuß der Steilwand. Wir verbrachten selbst drei Nächte auf diesem Platz (in ca. 5600m) und haben ihn lieben gelernt. Er ist – im Prinzip – sogar für Pferde von Korzokphule aus erreichbar – und zwar in einem weiten Bogen über die äußerst linke Flanke (i.e. über den Süden). Wegen des extrem groben Blockgerölls wird allerdings kein Pony-Man dort gerne hinaufkommen...

Der Haken an diesem Lagerplatz ist seine große Entfernung zum Nordpfeiler.
Anmarsch zum nördlichen Wandfuß ca. 2 Stunden und dabei entweder Überquerung einer Gletscher-Moränen-Formation mit entsprechendem Lockergestein (dort auch die beiden Seen) – oder Ab- und Wiederaufstieg von ca. 300 HM. Beides nicht wirklich ideal für einen Gipfeltag.

Allerdings machbar. Am 21.7.2004 wurde der Nordpfeiler und der dahinter liegende Gletschergipfel erfolgreich bestiegen...


Alles Gute den Nachfolgern!