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bernieHH
05.04.2011, 21:58
Hallo Trekkingbegeisterte,

erst kürzlich bin ich von meiner über 8 monatigen Reise durch
Südamerika zurückgekehrt. Es war ausschliesslich eine Trekkingreise. Alle Treks habe ich individuell gemacht und selber geplant, also ohne Führer und Agentur. Ein großer Teil meiner Touren führte durch Gegenden völlig abseits der bekannten Treks. Hauptsächlich kam es mir auf spektakuläre Landschaften an mit viel Natur und unberührte Wildnis sowie darum möglichst wenig durch besiedeltes Gebiet zu laufen. Allgemeines wie Land, Leute und Kultur haben mich nicht so interessiert. Es ging durch 4 Länder: Südperu, Bolivien, Argentinien und Chile.

Heute schreibe ich hier nur einen kleinen Vorspann. In den nachfolgenden Wochen werde ich für Interessierte über jeden Trek einzelnd hier berichten. Gleichzeitig werde ich die Touren auch auf meiner Seite stellen:
www.trekking.magix.net (http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fwww.trekking.magix.net) , natürlich viel detaillierter und auch mit viel mehr Fotos wie hier, auch mit genaue Routenangaben auf Google Earth Bilder.

DIE PLANUNG:
Schon bei der Planung meiner Reise habe ich beim lesen der einschlägigen Reiseführer und Trekkingbücher schnell gemerkt dass ich nur wenig Lust darauf hatte die Treks aus Büchern nachzulaufen. Da wäre mir zu viel Fahrwegwandern mit dabei und sowas mag ich nicht. Meine Routen sollten durch möglichst ursprüngliche Gegenden führen,....ohne Straßen und Fahrwege, also nur auf Pfade oder durch wegloses Gelände.
Das soll nun nicht heissen dass ich alle Treks aus Büchern schlecht finde. Einige sehr gute Routen und Anregungen habe ich dort auch gefunden, die ich teilweise dann auch gemacht habe,....ich war also nicht nur auf unbekannten Routen unterwegs.
Mein Haupt-Planungsmedium vor der Reise von zu Hause aus war Google Earth. Um neue Routen zu finden, die meinen Kriterien entsprechen, reicht eine Planung nur anhand von Google Earth jedoch nicht aus, das habe ich auf vorigen Reisen auch schon gemerkt. Topographische Karten, die für Südamerika meist völlig veraltet und teilweise in einer sehr schlechten Qualität sind, gehörten zu meiner Planung ebenfalls mit dazu und zu guter letzt habe ich dann oft auch noch einiges an Zeit für die Auskundschaftung vor Ort benötigt.

Rausgekommen sind dabei absolut super Treks. In den ganzen 8 Monaten war kein einziger dabei der schlecht war,....im Gegenteil, einige Touren fand ich sogar absolute Weltklasse, die ich mit zu den besten zählen würde die ich jemals gemacht habe.
Oftmals waren es die unbekannten Routen, die niemand kennt und die in keinen Büchern drinstehen, die sich wie auf vorigen Reisen auch schon, so auch diesmal, im Nachhinein immer wieder als Top-Highlights der gesamten Reise herauskristallisiert haben. Manchmal war ich echt überrascht wieviele spektakuläre Gegenden man immer wieder neu findet, aber das könnt ihr ja später selber sehen wenn ich meine Bilder online stelle.

Vom Schwierigkeitsgrad waren meine Touren ziemlich gemischt: von leichte Treks bis hin zu sehr schwere weglose Wildnisdurchquerungen war alles mit dabei.
Die unbekannten Routen waren dabei meistens eine ganze Ecke anspruchsvoller als die bekannten Treks.

Über acht Monate war ich also unterwegs. Zwei Monate davon hat mich Jewgenij begleitet. Ihn kenne ich vom Fahrradkurierfahren in Hamburg aber nun studiert er Sport in Mainz. Jewgenij hat die peruanischen Treks mitgemacht und den El Choro Trek in Bolivien.
Über zwei Monate später kam Gerald nach, er ist hier im Forum als Wanderfalke registriert. Letzten Sommer haben wir unseren ersten gemeinsamen Trek gemacht, eine viertägige Harzdurchquerung:
www.europatreks2.magix.net (http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fwww.europatreks2.magix.net)
Für Südamerika hatte er leider nur einen Monat freibekommen. Das reichte gerade für die Hornopirén Traverse, die Nahuel Huapi Traverse und die Cordón del Ñirihuau.
Die restlichen 5 Monate bin ich dann also alleine alleine gereist.


In den nächsten Tagen werde ich hier schonmal mit dem
Bericht über den ersten Trek beginnen,......aber bis ich alle drin habe kann es noch ewig dauern.
Im nachfolgenden schreibe ich hier schonmal alle Treks als Gesamtübersicht auf:


1. Zongo // Bolivien / 8 Tage
2. Condoriri // Bolivien / 7 Tage
3. Cordillera Real // Bolivien / 13 Tage
4. Vilcanota // Peru / 9 Tage
5. Cerro Putukusi // Peru / Tageswanderung
6. Cordillera Vilcabamba // Peru / 18 Tage
7. El Choro Trek // Bolivien / 3 Tage
8. Valle de Ánimas // Bolivien / Tageswanderung
9. Mapiri Trek // Bolivien / 6 Tage
10. Serranias Volcanes // Bolivien / Tageswanderung
11. Amboró // Bolivien / 9 Tage
12. Cordón del Plata // Argentinien / 11 Tage
13. Sendero Transversal/Tantauco // Chile / 9 Tage
14. Rio Cochamó // Chile / 6 Tage
15. Hornopirén Traverse // Chile / 9 Tage
16. Nahuel Huapi Traverse // Argentinien / 9 Tage
17. Cordón del Ñirihuau // Argentinien / 3 Tage
18. Isla Riesco/Alacalufes // Chile / 20 Tage
19. Circuito de los Dientes // Chile / 4 Tage
20. Peninsula Brunswick // Chile / 16 Tage
21. Rio de las Minas // Chile / Tageswanderung

Die Treks 13 bis 21 liegen in Patagonien.

Gruss Bernd

bernieHH
13.04.2011, 17:56
Trek 1 Zongo

8 Tage

So, den ersten Trek habe ich nun auf meiner Seite:
www.trekking.magix.net (http://www.trekking.magix.net)

Prinzipiell könnte man diesen Trek auch zusammen mit dem zweiten und dritten (Condoriri & Cordillera Real) zu einer großen 25 tägigen Durchquerung der Cordillera Real zusammenfassen, die über insgesamt 26 Pässe führte. Ich stelle sie aber auf meiner Seite, so wie auch hier als unabhängige Touren vor.

Die ersten beiden Treks (Zongo & Condoriri) habe ich sogar direkt nacheinander durch mit nur einer Proviantladung gemacht, also beim Start hatte ich Essen für über 15 Tage im Rucksack. Nach dem zweiten Trek bin ich wieder nach La Paz zurückgekehrt zum einzukaufen für den dritten Trek.

CORDILLERA REAL / Allgemeines und Routenplanung
Die Cordillera Real ist die "Königskordillere" Boliviens, also die Gebirgskette mit der größten Konzentration von vergletscherten Bergen,.....es gibt hier sechs Sechstausender und jede Menge Fünftausender. Die Cordillera Real ist mit die beste Hochgebirgstrekkinggegend des Landes.

Die Täler sind sehr hochgelegen, meistens zwischen 4000 und 4500 m, entsprechend karg und waldlos ist das Gebirge. Im Westen läuft es aus ins trockene bolivianische Hochland und im Osten, ein ganzes Stück vom Hauptkamm weg, fällt es ab in die engen tiefen Regenwaldtäler der Yungas.

Vor meiner Reise habe ich mich schon informiert: Aus der Bücherei habe ich mir alles an Büchern und Trekkingführern ausgeliehen was ich über die Cordillera Real finden konnte. Also man findet da schon einige tolle Touren, auch Beschreibungen von einer 20 tägigen Durchquerungen der gesamten Gebirgskette. Meine Routenplanung verlief jedoch völlig unabhängig von den Beschreibungen aus Büchern. Hin und wieder habe ich zwar mal Routenabschnitte mit eingebaut die ich in Büchern fand, aber 83 Prozent meiner gesamten Treklänge von Trek 1 bis 3 war meine selber geplante Route, die ich in keinen Buch gefunden habe.

Die Cordillera Real ist einsam und relativ unerschlossen,.....aber keine unbewohnte Wildnis. Auf meiner langen Wanderung durch die kanadischen Rockies 2008 ging es durchgehend durch unbewohnte und unberührte Wildnis
www.kanadische-rockies.magix.net (http://www.kanadische-rockies.magix.net)
aber in den Hochanden wohnen Menschen, die meisten Täler werden von Hirten als Weidegrund für ihre Lamas, Rinder und Pferde benutzt. In vielen Tälern findet man kleine bewohnte oder leerstehende Hütten, manchmal auch Hüttenansammlungen. Im Schnitt habe ich alle zwei Tage mal Leute getroffen, meist Hirten, aber durch richtige Dörfer bin ich auf meiner gesamten Route nur relativ wenig gekommen,......eigentlich kann man schon sagen bis auf paar Ausnahmen fast garnicht. Der Himalaya ist z.B. viel dichter besiedelt wie die Anden.

Auch was die Frequentierung von Trekkern betrifft ist die Cordillera Real ziemlich leer. Obwohl ich es mit zu den besten Trekkinggegenden Boliviens zählen würde, trifft man hier fast keine anderen Trekker. In den gesamten 25 Tagen die ich dort unterwegs war habe ich nur an einer einzigen Stelle andere Wanderer getroffen, das war am Condoriri Basislager, aber dort dann gleich mehrere organisierte Trekkinggruppen.

Soviel also zum Thema allgemeines,.....jetzt gehts weiter mit meinen ersten Trek:

Trek 1 Zongo
Mein Trekkingstartpunkt bei der Laguna Zongo liegt nur etwa 30 km von La Paz entfernt. Ein Bus fährt pro Tag von El Alto (Stadteil von La Paz) nach Zongo, und das gleich am frühen Morgen um 6 Uhr. Da ich so früh nicht aus dem Bett kam habe ich den natürlich verpasst. Habe daher mein Glück per Anhalter versucht, was auch ganz gut geklappt hat, nachmittags gegen halb zwei kam ich an.

Von Deutschland gings direkt nach La Paz, dann auf den ersten Trek und die erste Campnacht gleich auf 4830 m Höhe. Ergebnis: Mir gings mega schlecht, schwere Kopfschmerzen sowie massive Höhenprobleme. In La Paz hatte ich mir zwar einige Tage akklimatisiert, aber das war anscheinend nicht genug. Habe die folgenden Tage reichlich Paracetamol geschluckt. Die Kopfschmerzen sind davon zwar weggegangen aber die Höhe habe ich immer noch gespürt. Dazu kam noch das schwere Gepäck, Essen für gleich zwei Treks mitgeschleppt, mehr wie 6 bis 10 km pro Tag waren da nicht drin.

http://www.gmxattachments.net/de/cgi/g.fcgi/mail/print/attachment?mid=babgegb.1302712980.25293.frvj0wrjgz .75&uid=Nzg1NF9YM0hEUkGRN2VtqSlkdkFk4ZOp&frame=content

Dieser erste Teil meiner Cordillera Real Durchquerung hat 8 Tage gedauert, führte über 5 Pässe und durch die Täler auf der Ostseite des Hauptkammes, die zu den Yungas abfallen. Meistens gings auf schmale Pfade die auf den topographischen Karten nicht mit eingezeichnet sind, manchmal durch wegloses Gelände. Landschaftlich war´s eine phantastische Route. Was aber spektakuläre vergletscherte Gebirgspanoramen betrifft, da war zwar der nächste Trek durchs Condoriri-Gebiet zwar noch besser, die Hauptattraktionen auf diesen ersten Trek waren die beeindruckenden Wolkenpanoramen die aus den Urwaldtälern der Yungas hochkamen.

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Wenn ich vorher gut akklimatisiert wäre und unterwegs keine Zeit durch Routenauskundschaftung verloren hätte, wäre dieser Abschnitt auch in 5 Tagen zu machen gewesen.

Der erste Pass war sehr hart, wegloses hochalpines Gelände mit nur wenige sporadische Steinmänchenmarkierungen, an paar Stellen leichtes Kraxeln.
Normalerweise wäre dieser Pass nicht so schwer, aber wegen meiner Höhenprobleme zusammen mit dem schweren Gepäck bin ich nur sehr langsam vorwärtsgekommen. Dieser erste Pass war mit 4970 m der höchste und zugleich auch der anstrengenste Pass des gesamten ersten Treks.

Am vierten Tag bin ich an zwei kleinen Siedlungen vorbeigewandert aus einfachen Stein- und Strohdachhütten. Menschen habe ich hier zwar keine gesehen, aber die Hütten waren definitiv bewohnt.

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Die ersten Menschen auf dieser Tour habe ich am fünften Tag getroffen, hinter dem Pass Nr.3 am oberen Rio Chirini. Das waren Goldsucher aus La Paz. Sie sind zu Fuß auf schmale Pfade vom Rio Zongo hierhergekommen und campten in einfache Bambus- und Plastikplanenhütten im Regenwald.

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Ursprünglich hatte ich geplant den Rio Chirini noch ein ganzes Stück abwärtszuwandern bis runter zum Rio Zongo. Der schmale Regenwaldpfad endet aber zwei Stunden unterhalb des Goldgräbercamps und ohne Pfad sowie ohne Machete sind diese dichten Bergregenwälder fast undurchquerbar. Einer von den Goldsuchern schien, wie ich es verstanden habe, die Gegend ganz gut zu kennen. Leider ist aber mein Spanisch sehr schlecht so dass ich nur weniger wie die Hälfte verstanden habe, er hat jedenfalls gesagt daß es unmöglich ist den Rio Chirini weiter abwärts zu wandern wegen unpassierbarer Schluchten.
Nach mehrmaligen Nachbohren hat er zwar eingräumt daß die Route zwar machbar wäre wenn man eine Machete dabeihätte, aber extrem hart und daß man für die nur 25 km talabwärts über eine Woche brauchen würde.
Normalerweise lasse ich mir ja nicht so schnell von einem Einheimischen eine geplante Route ausreden, aber ihm habe ich es geglaubt. Ausserdem habe ja auch selber gesehen wie dicht der Wald hier ist und wie schluchtig das Tal weiter unten auf der Karte aussieht.
Er schien ziemlich kompetent zu sein was Wildnis- und Regenwaldwandern hier in dieser Gegend betrifft und hat mir auf der Karte gezeigt wo er schon überall gewandert ist. Dann erzählte er von einen alten vergessenen Inkapfad der südlich vom Rio Chirini oben die offenen Bergkämme entlangführen soll und von dort irgendwo ein schmaler Urwaldpfad existiert der runter zum unteren Rio Chirini führt. Dies wäre definitiv eine super Tour, für die man aber laut seiner Aussage auch eine Woche unterwegs wäre und leider fehlte mir das Kartenblatt mit diesen Bergkämmen.
Ich war aber trotzdem am überlegen diese Route zu versuchen, habe mich dann aber wieder umentschieden. Wenn ich ne Woche brauche würde, hätte ich meinen zweiten Trek nicht mehr wie geplant machen können ohne vorher einen Abstecher zurück nach La Paz machen zu müssen für neue Provianteinkäufe.

Ich habe dann also die Normalroute zum Rio Zongo genommen auf der auch die Goldsucher hierhergekommen sind. Das war landschaftlich auch eine sehr lohnende und abgelegene Route auf schmalen unmarkierten Pfad über zwei kleine Pässe und dann einen ganzen Tag oberhalb der Urwaldgrenze im auf und ab die Hänge entlang, weit oberhalb des Rio Zongo.

http://www.gmxattachments.net/de/cgi/g.fcgi/mail/print/attachment?mid=babgegb.1302712980.25293.frvj0wrjgz .75&uid=Nzg1NF9YM0hEUkGRN2VtqSlkc0Fk4ZOp&frame=content

Am oberen Rio Zongo führte der Pfad runter ins Tal, wo ich auf eine Fahrpiste stieß und dieser Trek sormit beendet war.
Paar bewohnte Hütten standen hier, ich habe versteckt im Busch gecampt um am nächsten Morgen gleich mit dem Trek Nr.2 zu starten.

Für viel mehr Fotos und auch mit genauere Routenangaben auf Google Earth Bilder klickt bitte auf den oben genannten Link:coffee:

bernieHH
14.04.2011, 20:27
Gestern hat das hochladen von Fotos nicht geklappt, versuche es also nachträglich nochmal.

Für eine Großansicht bitte auf das Foto klicken.....

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bernieHH
18.04.2011, 21:48
Trek 2 Condoriri 7 Tage

Hier kommt also nun ein relativ kurzgefasster Bericht über meinen zweiten Trek.

Mehr Fotos gibt´s auf meiner Seite
www.trekking.magix.net (http://www.trekking.magix.net/)

Dieser Trek startete beim Dorf Coscapa , nur etwa 8 bis 10 km vom Ende meines ersten Treks. Coscapa liegt in einem Seitental des Rio Zongo, ein schmaler Fahrweg führt dort hin. Ich wurde zum Glück von einem Lastwagen mitgenommen, so dass ich diesen Abschnitt nicht laufen musste, ein Busverkehr gibt es hier nicht. In Coscapa endet der Fahrweg, von dort gehts also nur noch zu Fuß weiter.....

Dieser zweite Teil meiner Cordillera Real Durchquerung führte also von Coscapa aus in 7 Tagen über 9 Pässe rüber, einmal halb um die vergletscherte Condoririgruppe herum. Der höchste Berg dieses vergletscherten Gebirgsmassifs ist der 5638 m hohe Condoriri, oder auch Cabeza de Condor genannt.

Wenige Stunden hinter Coscapa wanderte ich an der letzten bewohnten Hütte vorbei, das war auch zugleich die einzigste bewohnte Hütte überhaupt auf den gesamten Trek, durch Dörfer führte meine Route gar nicht. Die Hochtäler werden aber dennoch als Weidegrund für Lamas, Rinder und Pferde genutzt, daher habe ich auch oft schmale Pfade gefunden sowie hier und da mal eine leerstehende Hütte oder Hüttenruine.

Bis zum Pass Nr. 5 führte meine Route durch die abgelegenen grasigen Hochtäler auf der Ostseite des Hauptkammes. Diese Täler sind bei Trekkern noch völlig unbekannt und stehen in keinen Büchern drin.
Einen blauen Himmel habe ich hier relativ selten erlebt, meistens zogen Wolken aus den Yungas hoch, die die Täler eine ziemlich mystische Stimmmung gegeben haben.

http://www.gmxattachments.net/de/cgi/g.fcgi/mail/print/attachment?mid=babgebfd.1303052023.16385.saffdhwv9 6.73&uid=OTg2SV1VNUQ2OQLdLXRuGTxINWQdt4JV&frame=content
http://www.outdoorseiten.net/forum/attachment.php?attachmentid=7051&d=1303052747&thumb=1 (http://www.outdoorseiten.net/forum/attachment.php?attachmentid=7051&d=1303052747)

Hinter dem fünften Pass kam ich in die Hochtäler auf der Westseite des Hauptkammes. Dort war das Wetter insgesamt etwas stabiler wie in den Osttälern, es war meistens blauer Himmel mit viel weniger Wolken wie die Tage davor. Die vergletscherte Gebirgslandschaft auf der Westseite des Condoriri zählt mit zu den spektakulärsten der gesamten Cordillera Real. Auf der Westseite kam ich auch in ein Haupttrekkinggebiet. Der Condoriritrek wird von jeder Agentur in La Paz angeboten und steht eigentlich auch in fast jeden Trekkingführer drin.

http://www.gmxattachments.net/de/cgi/g.fcgi/mail/print/attachment?mid=babgebfd.1303052023.16385.saffdhwv9 6.73&uid=OTg2SV1VNUQ2OQLdLXRuGTxINGQdt4JV&frame=content
http://www.outdoorseiten.net/forum/attachment.php?attachmentid=7048&d=1303052733&thumb=1 (http://www.outdoorseiten.net/forum/attachment.php?attachmentid=7048&d=1303052733)

Am Abend des fünften Tages kam ich ins Condoriri Basislager wo ich die ersten Menschen seit über 4 Tagen traf. Mehrere organisierte Trekkinggruppen waren hier am campen, hier habe ich auch die einzigsten Trekker überhaupt getroffen, von allen Treks in der Cordillera Real zusammengezählt.

http://www.outdoorseiten.net/forum/attachment.php?attachmentid=7049&d=1303052738&thumb=1 (http://www.outdoorseiten.net/forum/attachment.php?attachmentid=7049&d=1303052738)
http://www.outdoorseiten.net/forum/attachment.php?attachmentid=7052&d=1303052752&thumb=1 (http://www.outdoorseiten.net/forum/attachment.php?attachmentid=7052&d=1303052752)
http://www.outdoorseiten.net/forum/attachment.php?attachmentid=7050&d=1303052743&thumb=1 (http://www.outdoorseiten.net/forum/attachment.php?attachmentid=7050&d=1303052743)


In den folgenden zwei Tagen bis zum Trekende waren keine anderen Wanderer mehr auf meiner Route unterwegs und die Landschaft war wirklich grandios!

Am Nachmittag des siebten Tages erreichte ich den schmalen Fahrweg bei der Laguna Sora Khota wo ich den Trek beendet habe.
Ich wollte zurück nach La Paz trampen, aber es kam bis zum Abend absolut kein Fahrzeug vorbei. Bin also in 4 Stunden die 17 km bis zum nächsten Dorf gewandert, wo ich auf die Hauptstrasse nach La Paz stieß und dann auch sofort einen Transport dorthin gefunden habe.

bernieHH
28.04.2011, 18:15
Trek 3 Cordillera Real // Bolivien

13 Tage


Nun kommt der dritte und letzte Teil meiner Cordillera Real Durchquerung:
www.trekking.magix.net (http://www.trekking.magix.net/)

Nachdem ich wieder genügend Proviant eingekauft hatte bin ich von La Paz mit einem lokalen Bus nach Peñas gefahren. Von dort waren es noch 15 km auf einen schmalen Fahrweg zu meinen Trekkingstartpunkt am Lago Kara Khota am Fuße der Gebirgskette.
Ein Einheimischer hat mich hinten auf seinem Motorrad mitgenommen. Das war eine ziemlich unbequeme Fahrt mit meinen schweren Rucksack auf dem Rücken hinten auf dem Motorrad zu sitzen auf dieser steinigen Holperpiste,.....aber dann musste ich das Stück wenigstens nicht laufen und ich war heilfroh als ich gegen 16 Uhr am Lago Kara Khota ankam.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/DSC_0008_1999x1499_499KB.jpg
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/DSC_0014_1999x1499_499KB.jpg

Bin dann auch gleich losgewandert und habe bis zum Errichten des Camps noch 6 km geschafft.

Abgesehen von paar unangenehmen Zwischenfaellen war dies eine super Trekkingtour durch den zentralen Teil der Cordillera Real. Meine Route fuehrte über 12 Pässe durch eine sehr urspruengliche und kaum besiedelte Gebirgslandschaft, ohne Strassen und Fahrwege.
Genau wie auf den ersten beiden Treks war auch hier die Landschaft karg und hoch, selten bin ich mal unter die 4000er Marke gekommen. Der gesamte Trek führte auf schmale Bergpfade von denen die meisten auf den topographischen Karten nicht mit eingezeichnet sind, und manchmal auch durch wegloses Gelände.

Der Trek startete im weitläufigen bolivianischen Hochland am Fuße der Cordillera Real. Von dort bin ich dann über drei kleine sanfte Pässe und Bergrücken langsam ins Gebirge reingewandert. Mein Ziel war es den vergletscherten Hauptkamm zu überqueren um zur Laguna de Leche zu kommen, ein blauer Bergsee der auf der anderen Seite liegt.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/DSC_0056_1999x1499_499KB.jpg

Am Abend des zweiten Tages bin ich plötzlich richtig krank geworden mit heftige Magen-Darm Probleme, Fieber, Durchfall und ¤*#¤*#¤*#¤*#¤*#n. Die ganze Nacht über fühlte ich mich ziemlich übel und musste ständig aus dem Zelt wegen Durchfall. Auch die Kälte empfand ich schon fast als grenzwertig, dabei waren es nur minus 7 Grad. An anderen Nächten habe ich bei minus 7 Grad so gut wie garnicht gefroren, ich denke mal das lag am Fieber.

Ich vermute dass ich in La Paz was schlechtes gegessen hatte. Schon bei meiner Abreise aus der Hauptstadt hatte ich erste Anzeichen von Magenproblemen gespuehrt. Ausser Imodium gegen Durchfall hatte ich keine anderen Medikamente dabei.

Eigentlich war es schon beschlossene Sache dass ich den Trek abbrechen wollte um zurueck nach La Paz zu kehren.
Am nächsten Tag fühlte ich mich immer noch schlecht und lag ich den ganzen Vormittag in der prallen Sonne im Zelt und ueberlegte hin und her ob ich nun abbrechen sollte oder nicht. Dazu kam auch noch ein Hirte vorbei der mir gesagt hatte dass es aus diesem Tal keine möglichen Passüberquerungen gibt und dass die einzigste mögliche Route der Rückmarsch wäre,....na toll!! Aber was dies betrifft habe ich meiner topographischen Karte eher getraut als die Aussage des Hirten.

Am Nachmittag habe ich mich dann doch noch aufgerafft und mich die zweieinhalb Kilometer bis ins Talende geschleppt wofuer ich Stunden gebraucht habe. Ich wollte erstmal abwarten. Wenn ich den Trek abgebrochen haette und in La Paz würde es mir wieder gutgehen dann hätte ich mich auch geärgert.

Am drauffolgenden Tag gings mir schon wieder einigermassen gut. Ich entschied mich für den Aufbruch. Aber welche Route sollte ich nehmen?? Zwei Möglichkeiten sah ich auf der Karte: Entweder direkt von hier einen hohen Gletscherpass über den Hauptkamm und auf der anderen Seite runter zur Laguna de Leche. Oder eine Doppelpass-Überquerung zur Laguna de Leche,....d.h. direkt von hier über einen unvergletscherten 5000er Pass ins Paralleltal um dann von dort über einen vergletscherten Hauptkammpass zur Laguna de Leche zu steigen. Die zweite Möglichkeit sah auf der Karte länger und anstrengender aus. Aber für einen vergletscherten Pass fühlte ich mich heute noch nicht fit genug und entschied mich deshalb heute erstmal den nicht ganz so hohen unvergletscherten Pass zu überqueren,....aus diesem Grund entschied ich mich für die zweite Möglichkeit.

Es ging pfadlos und sehr steil den Felsbrocken- und Geröllhang hoch zum Pass. Es war sehr anstrengend, aber nicht technisch anspruchsvoll, um einige Senkrechtabstürze rumsteigen. Auf der anderen Seite gings dann runter ins Paralleltal wo ich am Fuße des Gletschers gecampt habe, den ich dann am drauffolgenden Tag aufsteigen wollte um über den Hauptkamm der Cordillera Real zu steigen.

Meine Route führte zwar nur für 2,5 km über Gletscher, aber dieser Gletscher war sehr anstrengend, wesentlich anstrengender wie die Gletscher die ich aus Nordamerika, Europa oder Neuseeland kannte. Die Oberfläche war von einer sehr rauhen und unebenen Schnee- Eisschicht bedeckt auf der man nur schwer wandern konnte und immer wieder sackte man ein oder brach in kleine Wasserlöcher ein. Es wurde ein sehr harter Tag über den 5190 m hohen Paso Chachakumani und erst kurz vor dem Dunkelwerden erreichte ich auf der anderen Seite die Laguna de Leche wo ich am Ufer mein Camp aufschlug, dies war schon der fünfte Trekkingtag. Eine traumhafte Landschaft hier beim See.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/DSC_0073_1999x1499_499KB.jpg
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Am nächsten Morgen fuehlte ich mich wieder grippig mit Anzeichen von Magenproblemen. Dennoch habe ich das Camp abgebaut und bin losgewandert. Habe aber nur paar Kilometer geschafft, danach war ich fix und fertig und mir gings so dreckig dass ich mich erstmal für die nächsten paar Stunden in die pralle Sonne in den Schlafsack gelegt habe. Gegen Spätnachmittag gings wieder einigermassen so dass ich noch die restlichen Stunden bis Abends wandern konnte. Kurz vor Pass Nr. 6 habe ich mein Camp aufgeschlagen.

Fuer den Rest des Treks gings mir dann gut und ich habe nichts mehr von Unwohlsein gespürt.

Im weiteren Verlauf ist der Trek super verlaufen und es ging weiterhin durch beeindruckene unberührte Gebirgslandschaften.

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Durch richtige Doerfer bin kaum gekommen, dafür aber öfter an bewohnte Hütten vorbeigewandert, einfache Lehmziegelhütten, die Dächer mit Gras oder Stroh bedeckt. Fast jeden Tag habe ich einen oder zwei Hirten getroffen, also insgesamt gesehen wesentlich mehr Leute wie auf den ersten beiden Treks.

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Wenn man die Menschen anspricht, klar dann sind sie freundlich und hilfsbereit,.....aber ansonsten eher distanziert und zurueckhaltend. Eine ueberschwengliche Gastfreundschaft wie man sie z.B. in den Bergdoerfern im Indischen Himalaya erlebt, gibt es hier nicht.
Andere Trekker habe ich auf der gesamten Tour keine einzigen getroffen.

Die Gegend um den vergletscherten Nevado Illampu, um den der in vielen Büchern beschriebene Illampu Circuit verläuft, habe ich auf meiner Route bewusst gemieden. Nach meiner Recherche würde man auf große Teile des Illampu Circuits durch Täler kommen die schon mit Fahrwege bzw. Minenfahrwege erschlossen sind, einige davon relativ neu und noch in keinem Buch oder Karte erwähnt und das erschien wenig attraktiv für mich.
Daher habe ich mich hinter Camp 7 Richtung Norden immer weiter vom Hauptkamm entfernt Richtung Yungas bewegt.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/Karten_bersicht.jpg

Mein Plan war in die Bergurwälder am Rio Tipuani abzusteigen wo ich an das untere Ende des Camino del Oro stoßen würde, wo ich diesen Trek beenden wollte. Aber dieser Abstieg in die Yungas ist gründlich schief gelaufen.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/DSC_0281_1999x1499_499KB.jpg

Zwei Pässe und zwei Tage später erreichte ich das Dorf Lipichi. Kurz davor war meine gute topographische 50.000er Karte zuende. Ab dann hatte ich nur noch eine sehr schlechte 100.000er Karte auf der der folgende Abschnitt bis zum Rio Tipuani nur als großer weisser Fleck dargestellt war,.....das heisst also ich hatte praktisch keine Karte.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/DSC_0311_1999x1499_499KB.jpg

Von den Einwohnern die ich in Lipichi über eine Hochroute zum Rio Tipuani befragt hatte erzählte mir einer es existiert KEINE Route. Ein anderer meinte es gebe eine Route, ich müsse mich nur hinter dem Pass links halten.

Am Anfang war noch ein gut erkennbarer Pfad da, der sich aber im Verlaufe des Tages immer wieder verlor. Die Routenführung erwies sich als komplizierter wie erwartet durch zwei verschiedene Hochtäler und ohne Karte. Ohne Ortskenntnisse oder sehr guten Orientierungssinn hätte man normalerweise kaum Chancen den Weg zu finden. Ich war aber der Meinung am Abend den besagten Pass gefunden zu haben, an dessen Fuss schlug ich mein Camp auf.

Einen Pfad gab es nicht mehr, weglos ging es über den Pass rüber. Auf der anderen Seite ein Stückchen tiefer sah ich auf der linken Seite einen Bergrücken zum Rio Tipuani abfallen, das kann eigentlich nur die richtige Route sein, dachte ich. Auf diesen Bergrücken entdeckte ich sogar wieder einen schmalen Pfad. Als der aber weiter unten in den Bergregenwald eintrat war Schluss mit Lustig: Der Pfad sah aus als ob er seit Jahren nicht mehr benutzt wurde.
Aber egal, es ging ja vorwärts. Ich folgte Pfad abwärts, zwängte mich durch den Busch und merkte dabei nicht wie schwer die Route weiter unten wurde. Als ich es bemerkte war es zu spät: ich hatte mich hoffnungslos im Dickicht festgelaufen. Selbst ohne Gepäck hätte ich kriechen müssen um weiterzukommen.

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Ich bin schon viel pfadlos durch Regenwälder gewandert, aber dieser Dschungel hier ist ohne Machete wirklich unpassierbar. Selbst mit Machete hätte es vielleicht Tage gedauert bis man sich eine Route runter zum Fluss gehackt hätte und der Rio Tipuani liegt nur noch gut 2000 Höhenmeter tiefer und paar Kilometer Luftlinie entfernt.

Seit dem Dschungelbeginn bin ich höchstens 150 bis 200 Höhenmeter tiefer gekommen.
Es hatte keinen Sinn weiterzugehen, ich entschied mich zur Umkehr. Beim Aufstieg musste ich gegen den Busch kämpfen. Es war mörderisch hart, dazu war es heiss, ich hatte nur noch wenig Wasser und es gab auch keins zu finden. Habe über 8 Stunden gebraucht für nur etwa 200 Höhenmeter runter und wieder rauf. Im Dunkeln erreichte ich endlich den offenen Bergrücken oberhalb der Dschungelgrenze. Eine Zeltmöglichkeit gab´s hier nicht, also legte ich mich unter freien Himmel schlafen, verzichtete auf das Abendessen da ich kaum noch Wasser hatte. Dies war ein Alptraumtag und am nächsten Morgen war mein Schlafsack sowie Gepäck klitschenass vom Tau!

Am Morgen war ich immer noch entkräftet und geschlaucht vom Tag zuvor. Ich stieg in ein grasiges Hochtal wo ich bei einen Bach eine lange Kochpause in der Sonne machte und um meinen Schlafsack zu trocknen.
Rinder weideten hier, also musste es doch irgendwo einen Pfad geben der runterführt. Ich wollte noch den nächsten Bergrücken weiter östlich auskundschaften, aber beim Aufstieg wurde es neblig und ich konnte nichts mehr sehen.

Ich hatte keine Lust und keine Motivation mehr. Dies war der elfte Trekkingtag und in drei Tagen wollte ich in La Paz sein weil Jewgenij kommt. Anstatt zu warten bis sich der Nebel auflöst um dann noch weiter hier rumzusuchen entschied ich mich den ganzen Weg durch die Cordillera zurückzumarschieren. Ich wollte zurück nach Lipichi und von dort dann nicht auf der gleichen Route zurückwandern sondern den schnellsten und direktesten Weg zum nächstgelegensten Fahrweg nehmen,......und der lag beim Dorf Amawaya. Heute quälte ich mich noch zurück über den letzten Pass wo ich die vorletzte Nacht gecampt hatte. Ich hatte keine Lust mein Zelt aufzuschlagen, habe daher einen Kilometer weiter talabwärts wie ein Penner in einer kleinen Felshöhle übernachtet.

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Am darauffolgenden Morgen war ich dann wieder bei Kräften. Habe an diesen Tag einen Gewaltmarsch hingelegt von 7 Uhr morgens bis Mitternacht durch, über zwei Pässe bis kurz vor Amawaya meinem Endziel. Erstens wollte ich möglichst schnell zurück nach La Paz und zweitens wollte ich auf keinen Fall den Pick-up verpassen der am darauffolgenden Tag vom Amawaya nach La Paz fahren sollte. Der fährt angeblich nur ein bis zweimal die Woche und wenn ich den verpasst hätte müsste ich den Weg zu Fuss laufen und wäre bestimmt erst anderthalb Tage später in La Paz.

Am Vormittag war ich wieder in Lipichi. Hier erfuhr ich dann daß der Bergrücken auf dem ich gestern im Nebel umgekehrt bin der richtige gewesen wäre. Dort oben würde ich am Dschungelbeginn auf einen freigehackten Pfad stossen der runter ins Tal führt,....aber egal.
Als es dunkel wurde hatte ich einen 4000er Pass hinter mir und passierte das Dorf Chocapa. Ich wanderte noch die halbe Nacht durch auf steinige Gebirgspfade die steilen Bergflanken entlang und über den letzten 4000er Pass. Zum Glück war Vollmond so dass ich auch ohne Stirnlampe den Pfadverlauf noch gut sehen konnte. Ein bis zwei Kilometer vor Amawaya konnte ich dann nicht mehr und hab mich neben den Pfad unter freien Himmel zum pennen gelegt um den Rest am nächsten Morgen zu wandern.

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In Amawaya beginnt der Fahrweg,.....hm, eigentlich ist es nur ein schmaler steiniger Holperweg. Nach etwa 4 Stunden geholpere hinten auf der Ladeflaeche des Camionetas (=Pick-up) zusammen mit paar Einheimischen kam ich voellig dreckig und verstaubt in La Paz an.
Bin wieder ins gleiche Hostel gegangen und selbst nach zweimal duschen ging der ganze Dreck nicht ganz runter.

In der Nacht kam Jewgenij an. Die folgenden Treks durch Peru wollen wir also gemeinsam machen.

bernieHH
08.05.2011, 10:21
Trek 4Vilcanota// Peru

9 Tage

Jewgenij ist am 25.August in La Paz angekommen. Genau zwei Monate hatte er Zeit.
Unser erster gemeinsamer Trek sollte uns durch die Cordillera Vilcanota in Südperu führen.

Den kompletten Trek habe ich nun auf meiner Seite:
www.trekking.magix.net (http://www.trekking.magix.net/)

Der Beginn ist alles andere als gut verlaufen, um nicht zu sagen fast in einem Supergau geendet!!
Es fing schon an als wir noch in La Paz waren: Seit Jahren hatte ich keine Zahnprobleme mehr, aber ausgerechnet jetzt ist innerhalb von paar Tagen meine Backe angeschwollen und ich konnte vor Zahnschmerzen nachts nicht mehr schlafen.
Auch Jewgenij hatte Probleme, sein linkes Ohr war von innen angeschwollen und entzündet. Das lag daran daß er einen Tag vor seinen Abflug nach Bolivien den Tauchschein gemacht hatte.

Ich bin zum Zahnarzt gegangen. Ergebnis: eine fette Wurzelbehandlung! Eine ganze Wurzelbehandlung dauerte mir aber zu lange. Daher war ich nur am drauffolgenden Tag nochmal beim Zahnarzt. Danach bin ich nicht mehr weiter hingegangen und hoffte daß es für die nächsten 6 Monate bis ich wieder in Deutschland gehen würde.

Jewgenij war im Krankenhaus. Der Arzt meinte das Ohr muss operiert werden. Er wollte es aber erst nur mit Schmerztabletten, Tropfen und Antibiotika behandeln und dann mal schauen wie es ist wenn er wieder zurück in Deutschland ist.


Nach unseren ganzen Arzt- und Zahnarztbesuchen konnten wir dann endlich zwei Tage später wie geplant den Bus nach Cusco nehmen.
In Cusco kauften wir unseren Trekkingproviant für 10 Tage ein. Weil ich dann auch noch einen Tag Fieber hatte mit etwas Durchfall ging uns hier auch nochmal ein Tag flöten.

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Irgendwann waren wir dann bereit für den Aufbruch. Wir nahmen ein Micro nach Tinqui, unseren Trekkingstartpunkt. Fast drei Stunden Fahrzeit, Ankunft gegen Mittag. Wir sind dann gleich losgewandert. Nun waren wir endlich auf dem Trek! Am ersten Tag sind wir noch 5 Stunden gewandert.

Auf 4400 m Höhe schlugen wir unser erstes Camp auf. Es schneite die ganze Nacht. Als ich gegen 3 Uhr morgens wach wurde und mal raus zum pinkel musste, kam mir das Zelt so leer vor. Ich fragte Jewgenij, "sag mal, wo ist eigentlich dein Rucksack?" Es dauerte nichtmal eine Minute bis wir gecheckt hatten was passiert war: Der Rucksack war geklaut!!! Jewgenij´s kompletter Rucksack mit alles drin, incl. Geld, Reisepass, Bank- und Keditkarten Flugtiet usw...! Mitten in der Nacht aus dem Zelt geklaut, während wir darin geschlafen haben! Wir waren praktisch fast mit dem Kopf daran gelehnt und wir haben weder was gehört noch bemerkt.

Es musste erst vor ein oder zwei Stunden passiert sein, denn als ich um Mitternacht zum pinkeln raus musste war der Rucksack noch da. Durch das ständige Schneegeprassel am Zelt war auch die ganze Nacht permanent ein leichtes Geräusch da.

Ich ging dann im dunkeln mit der Taschenlampe raus und habe die Gegend abgesucht. Etwa 100 m vom Zelt entfernt habe ich den Rucksack gefunden, aber natürlich leergeräumt!! Der oder die Täter haben alles mitgenommen was sie gebrauchen konnten: Bargeld von umgerechnet etwa 250 Euro, Bankkarte, Kreditkarte, den kompletten 10-tägigen Trekkingproviant sowie alle Klamotten die sich im Rucksack befanden incl. Unterwäsche.

Im Umkreis von paar Kilometern standen mehrere bewohnte Hütten. Abends kurz vor dem Dunkelwerden hatte uns ein Hirte von Weitem beim Campaufbau beobachtet. Wir vermuten sehr stark dass der es gewesen ist, niemand anderes hat uns sonst gesehen. Aber wo sollte man suchen? Ausserdem würden wir den auch niemals wiedererkennen, da wir ihn nur von weitem im Nebel gesehen hatten, dazu war sein Gesicht noch teils mit Tüchern bedeckt.

Auf jeden Fall haben wir am nächsten Morgen den Trek abgebrochen, sind zurückmarschiert und in der nächstgelegensten Stadt Ocongate bei der Polizei gewesen. Danach sind wir zurück nach Cusco gekehrt, abends kamen wir dort an. Per Telefonanruf nach Deutschland musste das Konto gesperrt werden.

Der Neustart
Auf jeden Fall wollten wir so schnell wie möglich neu starten. Am nächsten Morgen haben wir neuen Proviant eingekauft und nachmittags nahmen wir einen Bus zurück nach Tinqui. Wir übernachteten dort in einer billigen Hospedaje. Am drauffolgenden Morgen starteten wir den Trek also zum zweiten Mal.

Diesmal ist der Trek super verlaufen:-)

Alles in allem hatten wir ja nochmal Glueck im Unglueck gehabt daß die Täter wenigstens den Rucksack dagelassen hatten mit den Reisepass und andere wichtige Dinge die sie nicht gebrauchen konnten. Wenn der Rucksack mit Reisepass weg wären dann wäre für Jewgenij die Reise zuende gewesen! Glück war auch dass Jewgenij seine Trekkingschuhe nicht im Rucksack hatte sondern die irgendwo im Zelt lagen und daß das ganze gleich in der ersten Nacht passiert ist und nicht irgendwo in der Trekmitte.

Dieser Trek war landschaftlich absolut atemberaubend!!

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Unsere Route führte in 9 Tagen ueber 5 hohe Paesse, drei davon ueber 5000 m. Auf jeden Pass hatten wir fast hautnahen Kontakt mit den weiss vergletscherten Bergen, die so steil und imposant sind daß sie ebensogut auch im Himalaya liegen koennten.

Es ist sicher nicht übertrieben zu behaupten dass diese Route mit zu den spektakulärsten Treks zaehlt die man in ganz Peru machen kann. Auf jeden Fall ist es mit eines der Top-Treks meiner Südamerikareise!!

Die Cordillera Vilcanota ist ein stark vergletschertes Gebirge etwa 100 km südwestlich von Cusco. Es ist ein sehr kaltes und hochgelegenes Gebirge mit mehrere Sechstausender. Der höchste Berg der Vilcanota ist der 6336 m hohe Nevado Ausangate, der vierthöchste Berg Perus. Die Täler sind weit, offen und hochgelegen, zwischen 4400 und 4900 m Höhe. Daraus resultiert sich eine sehr karge und baumlose Landschaft. Nächtliche Temperaturen von minus 15 Grad sind keine Seltenheit. Bei uns war die kälteste Nacht jedoch nur bis minus 10 Grad.
Trotz der Höhe leben in fast jeden Tal noch Menschen in einfachen Steinhütten.

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In den ersten dreieinhalb Tage drehten wir eine Halbrunde um den vergletscherten Nevado Ausangate, dem höchsten Berg der Vilcanota im Westteil des Gebirges.
Wir folgen dabei den Ausangate Circuit, der einzigsten bekannten Trekkingroute dieses Gebirges.
Der Ausangate Circuit führt über 4 Pässe einmal um den Nevado Ausangate herum und wird in der Regel in 5 bis 6 Tagen gemacht.

Auf dem Ausangate Circuit haben wir im Schnitt nur eine Trekkinggruppe pro Tag getroffen. Verglichen mit der Cordillera Blanca und Huayhuash in Nordperu ist die Vilcanota noch relativ unbekannt und nur wenig von Trekkern frequentiert. Die meisten Leute machen hier organisierte Treks mit Fuehrer, Packesel, Koch und das volle Programm. Individuelles und selbstorganisiertes Trekking ist in Peru und Bolivien eher unüblich. Man trifft zwar einige Leute die das machen, aber relativ wenige. Die meisten Leute die hier trekken wollen wenden sich in Cusco an eine der zahlreichen Trekkingagenturen.

Dass es sich bei den Ausangate Circuit um einen bekannten Gringo-Trek handelt merkt man sofort: Wenn wir an bewohnten Huetten vorbeiwanderten, kamen die Kinder angerannt und bettelten nach Bonbons. In Bolivien war das nicht so. Wenn ich in der Cordillera Real denn mal Kinder gesehen habe waren die in der Regel eher schüchtern und ängstlich, haben sich meistens hinter den Hütten versteckt und mich nur von weitem beobachtet.
Auch die Erwachsenen kamen manchmal auf uns zu, um etwas verkaufen zu wollen oder sich als Fuehrer, Packeseltreiber usw. anzubieten. Sowas habe ich in Bolivien auch nie erlebt.

Während den ersten drei Tage haben wir drei Pässe überquert, darunter den ersten 5000er Pass. Da dort gut erkennbare Pfade rüberführten waren die Pässe eigentlich nicht schwierig. Das einzige Problem war die Höhe und Jewgenij war noch nicht ausreichend akklimatisiert.

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Am Nachmittag des vierten Tages verließen wir den Ausangate Circuit und wanderten auf einer anderen Route weiter.
Jetzt kamen wir in eine Gegend die noch abgelegener ist, die normalerweise nur unregelmäßig bis fast garnicht von Trekkern frequentiert wird,.....also völlig abseits der Standartrouten.

Für die nächsten 5 Tage, bis kurz vor dem Trekende, haben wir keine anderen Wanderer mehr getroffen.

Am drauffolgenden Tag stand eine anspruchsvolle und weglose Querung eines 5320 m hohen Passes an. Jewgenij hatte hier massive Höhen- und Konditionsprobleme. Ich dachte schon er schafft den Pass nicht und wir müssten wieder umkehren. Ich habe daraufhin seinen Rucksack zum Pass hochgetragen und ohne Gepaeck ging es dann für ihn so gerade eben noch.

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Hinter dem Pass kamen wir in ein karges weites Hochland auf etwa 5000 m Höhe mit der großen Laguna Sibinacocha. Dies ist die abgelegene Südseite der Cordillera Vilcanota.

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Für die nächsten über 3 Tage befanden wir uns die meiste Zeit oberhalb von 5000 m. Nur einmal, am Ufer der Laguna Sibinacocha, kamen wir knapp unterhalb der 5000er Marke. Hier sollte man nicht Höhenkrank werden, denn es dauert einige Tagesmärsche bis man von hieraus in tiefere Gegenden gelangt.

Diese Route ist landschaftlich sensationell und zählt mit zu den Höhepunkten des gesamten Treks!!

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Die Laguna Sibinacocha ist ein ziemlich abgelegener Hochlandsee von über 15 km Durchmesser auf 4885 m Höhe. In Tibet, Nepal, Indien sowie in anderen Gegenden hier in den Anden gibt es zwar noch einige Seen die noch höher liegen, aber die sind alle ganz deutlich kleiner. Die Laguna Sibinacocha ist somit der höchstgelegenste See der Erde von dieser Größe, noch über 1000 m höher wie der Titicacasee. Dennoch leben einige Menschen in dieser kargen Gegend. Am Ufer haben wir seltene Andenflamingos gesehen. Die Landschaft ist der Hammer, der See von weitem Hochland umgeben mit krasse Geröllberge und große flache Gletscherplateaus!!

Von der Laguna Sibinacocha führte unsere Route über einen weiteren fast 5400 m hohen Pass zurück auf die Nordseite des Gebirges, durch den sogenannten "Korridor".

Dies ist ein langgezogener Pass der zwischen zwei vergletscherte Gebirgsketten hindurchführt. Früher war der Korridor komplett vergletschert, aber heute gibt es dort einen eisfreien Durchgang zwischen den Gletschern hindurch mit einer kargen Felsbrocken- und Geröllmoränenlandschaft.

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Den Lago Hauurumiccha haben wir orographisch rechts umwandert, was aber anstrengend und langsam war wegen loser Geröll- und Felsbockenhänge die teilweise
steil zum Ufer abfallen. Von hier haben wir dann gesehen daß das orographisch linke Ufer wesentlich einfacher gewesen wäre!

Vom Seeausfluss waren es noch einige Kilometer durch graue Geröllmoränenhügel auf etwa 5000 m Höhe, bis das Tal anfing deutlich abzufallen und wir die ersten grünen Grasflächen erreichten mit einer Kette weiterer Seen.

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Auf einen Pfad wanderten wir das Westufer der 5 km langen Laguna Sigrenacocha entlang. Hier sahen wir die erste bewohnte Hütte seit der Laguna Sibinacocha vor zweieinhalb Tagen.
Vom Seeausfluss sind es nur noch 5 km bis zum Dorf Pallcapampa wo wir auf die Hauptstraße Cusco - Puerto Maldonado stießen. Hier endete unser Trek

Everestgirl
08.05.2011, 19:45
WOW! :up: Toller Bericht, ich freu mich schon auf die Fortsetzung :)

bernieHH
21.05.2011, 21:29
Trek 5 Cerro Putucusi // Peru

Tageswanderung 19. September 2010



Nachdem wir also von unserer Tour durch die der Cordillera Vilcanota zurück nach Cusco gekehrt waren, haben wir einige Tage in der Stadt verbracht.

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Wir haben die Vorbereitungen für unseren nächsten Trek getroffen und Proviant für über 18 Tage dafür eingekauft.

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Geplant war eine große Durchquerung der Cordillera Vilcabamba. Starten wollten wir die Tour in Hidroelectrica, das nur einige Kilometer von Machu Picchu entfernt liegt.

Nach Machu Picchu fährt ja echt jeder Perureisende hin, das ist der Haupttouristenanziehungspunkt des Landes schlechthin! Leider hat sich in den letzten Jahren alles was mit Macchu Picchu zu tun hat extrem verteuert. Das betrifft nicht nur die Eintrittsgebühr nach Machu Picchu, sondern auch die Anreise von Cusco aus zu dieser Inka-Ruinenstadt:-(

Nach Aguas Calientes, der Stadt am Fuße von Machu Picchu, kommt man nur mit dem Zug. Um den Touristen das meistmöglichste Geld aus der Tasche zu ziehen wurde einfach ein Gesetz erlassen das Ausländern verbietet den preisgünstigen Indiozug zu nehmen. Touristen dürfen hier nur mit dem Touristenzug fahren, Punkt! Natürlich werden für die Touristenzüge dann auch noch horrende Preise verlangt im Verhältnis zu dem was Reisen sonst in Peru kostet!
Um nur mal ein Beispiel zu nennen: Die nur 30 km lange Strecke von Ollantaytambo nach Aguas Calientes kostet in der billigsten Klasse über 40 US Dollar, das ist um ein mehrfaches teurer als eine vergleichbar lange Bahnfahrt in Deutschland.

Um dieses Dilemma der teuren Anfahrt zu umgehen sind wir nicht mit dem Zug gefahren sondern mit anderen öffentlichen Verkehrsmitteln auf einer viel weiteren Strecke von hinten rum angereist.
Von Cusco sind wir mit dem Minibus in 4 bis 5 Stunden nach Santa Maria gefahren. Dort mussten wir dann umsteigen in einen anderen Minibus der weiter auf einer holperigen Piste über Santa Teresa nach Hidroelectrica fuhr. Diese Art der Anreise scheint sich bei Billigbackpackern immer mehr rumzusprechen denn viele Rucksackreisende wählen mittlerweile auf ihrem Weg nach Machu Picchu diesen alternativen Anreiseweg. Hier ist man zwar über 4 Stunden länger unterwegs aber man zahlt dafür auch nur einen winzigen Bruchteil im Verhältnis zu dem was die Bahnfahrt kosten würde, man spart also viel Geld.

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In Hidroelectrica wollten wir unseren Trek starten. Die Fahrpiste endet auch in Hidro und hier beginnt die Eisenbahnlinie nach Machu Pichu und Aguas Calientes. Es sind von Hidro noch etwa 10 km nach Aguas Calientes bzw. Machu Picchu. Man kann entweder für geschlagene 8 Dollar für dieses kurze Stück den Zug nehmen oder zu Fuß neben den Schienen dorthinlaufen was viele auch machen.

Da wir also quasi in Sichtweite von Machu Picchu unseren Trek starten wollten gehört es eigentlich ins Pflichtprogramm diese Inkaruinenstadt vorher noch einen Besuch abzustatten, das würde wohl jeder machen. Auch für Jewgenij stand von vornherein fest daß er vor dem Trekbeginn nach Machu Picchu wollte, das hätte ich an seiner Stelle wohl auch gemacht.
Ich dagegen war ja schon auf meiner ersten Perureise in Machu Picchu. Das wollte ich mir das kein zweites Mal antun und bin daher nicht mitgekommen. Erstens war ich ja schon dort und zweitens halte ich sowieso nicht viel von solchen Touri-Rummelplätzen. Von Aguas Calientes führt eine Straße dort hoch auf der von morgens 5 Uhr bis zum Sonnenuntergang im Minutentakt die Touristenbusse hin- und herpendeln. Jewgenij hatte mir am nächsten Tag erzählt dass sie schon morgens um fünf zusammen mit hunderte anderer Touristen vor den ersten Bussen Schlange standen.

Ich war damals auf dem Inkatrail nach Machu Picchu gewandert. Die Ruinenanlage mit der umgebenen Landschaft ist schon grandios,........aber zusammen mit den ganzen Touristenmassen und die damit zusammenhängende Überkommerzialisierung ist es meiner Ansicht nach kein Top-Highlight mehr. Die extrem hohe Eintrittsgebühr von 125 Soles (= 35 Euro) hat sicher auch mit dazu beigetragen dass ich mich gegen Machu Picchu entschied. Das ist natürlich der Touristenpreis, Peruaner zahlen nämlich nur einen Bruchteil dieses Preises an Eintritt, ich glaube nur 20 oder 25 Soles aber so genau weiss ich das nicht mehr.

Fast alle Rucksackreisende mit denen wir ins Gespräch kamen haben sich über die hohe Eintrittsgebühr sowie die hohen Bahnpreise aufgeregt, aber trotzdem kommt hier jeder her. Alles hier im näheren Umkreis dreht sich nur um Machu Picchu. Wer den alternativen Anreiseweg gewählt hat übernachtet entweder 8 km weiter talabwärts in Santa Teresa oder er wandert noch am gleichen Tag von Hidroelectrica weiter nach Aguas Calientes. Kaum jemand den wir trafen schien zu wissen dass es hier in Hidro auch eine billige und einfache Hospedaje gibt. Ich checkte also als einzigster Gast hier ein. Jewgenij wanderte zusammen mit den beiden Engländerinnen, die wir auf der Anreise im Minibus kennengelernt hatten, weiter nach Aguas Calientes. Seinen Rucksack ließ er hier, morgen abend wollte er zurück sein.

Ich entschied mich von hier aus am nächsten Morgen eine Tageswanderung auf den Cerro Putucusi zu unternehmen.
www.trekking.magix.net
Der Cerro Putucusi ist der steile markante Berg auf der gegenüberliegenden Talseite von Machu Picchu.

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Dies ist keine Standartroute,.....der Cerro Putucusi ist nur für Geübte, der Aufstieg erfordert absolute Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und etwas Kletterfähigkeiten. Von Hidro aus ist es eine Tagestour, von Aguas Calientes dagegen dauert der Auf- und Abstieg nur 3 bis 4 Stunden.


Am nächsten Morgen wanderte ich gegen 7 Uhr los. Für die ersten 10 km ging´s neben den Schienen nach Aguas Calientes. 100 Meter vor den ersten Häusern von Aguas fand ich einen schmalen Pfad der links durch den Dschungel den steilen Hang nach oben führte. Der Einstieg ist unmarkiert, ich war daher erst nicht sicher ob dies überhaupt der richtige Pfad war. Aber nach meinen Recherchen die ich schon von zu Hause aus im Internet gemacht habe kann es eigentlich nur dieser Pfad sein. Und es kam jetzt auch noch ein anderer Wanderer vorbei, der auch dort hoch wollte, also gingen wir zusammen.

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Kurz darauf erreichten wir die Schlüsselstelle: ein fast vertikaler Felshang wo Holzleitern hochführten. Die Leitern waren aber kaputt, die meisten Sprossen waren schon weggebrochen und die die noch dran waren, waren teils wackelig und morsch. Neben den Leitern führte ein Drahtseil die Felswand hoch an dem man hochklettern muss. Wenn man die Leitern betritt muss erstmal jede einzelne Sprosse geprüft werden ob sie überhaupt noch fest ist. Der andere Wanderer ist hier wieder umgekehrt und zurück nach Aguas Calientes gewandert während ich alleine weiter hochstieg.

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Als ich den ersten steilen Felshang geschafft hatte, lag das schwierigste hinter mir. Die Landschaft war super, man blickte durch die Bäume runter in dieses enge felsige Regenwaldschluchttal und nach Aguas Calientes.

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Weiter oben kamen zwar noch paar weitere Holzleitern, die waren aber noch weitgehend unbeschädigt und daher kein Problem.

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Ich erreichte oben einen Bergkamm und von dort windete sich der schmale Pfad für die letzten 100 bis 200 Höhenmeter den steilen Gras- und Buschhang hoch zum Gipfel. Hier kam mir eine dreier Gruppe entgegen die wieder am Abstieg waren.

Vom Gipfel hatte man eine gute Aussicht auf Machu Picchu das auf der gegenüberliegenden Talseite lag, mit der häßlichen Schotterstraße die sich in Serpentinen dort hochwindete direkt im Blick. Winzig klein wimmelte es dort von sich bewegenden Punkten wie auf einen Ameisenhaufen,......Horden von Touristen die durch die Ruinenanlage schlenderten. Hier auf den Cerro Putukusi war ich jedoch ganz alleine, ausser die Dreiergruppe von eben und der Wanderer der weiter unten wieder umgekehrt ist habe ich keine weiteren Leute getroffen.

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Zurück in Aguas habe ich erstmal Mittag gegessen. Wenn man den häßlichsten und aus allen Nähten platzenden Touristenort von ganz Peru sehen will ist man in Aguas Calientes goldrichtig! Hier sieht man mehr Touristen wie Einheimische und fast alles ist hier mindestens doppelt so teuer wie in anderen Orten Perus. Ich war froh dass ich nicht hier in Aguas übernachte, Hidroelectrica ist da wesentlich attraktiver, da gibt´s nur paar Hütten und sonst nichts.

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Zurück ging´s den gleichen Weg entlang den Schienen. Gegen 17 Uhr war ich wieder in Hidro. Jewgenij kam wenig später auch von Machu Picchu zurück. Er meinte es war zwar nicht der Knaller, aber naja, das muss man mal gemacht haben.

Heute war also unser letzter Abend hier. Wir freuten uns schon auf unseren Trekkingstart morgen früh. Dann werden wir für die nächsten über zweieinhalb Wochen wieder spektakuläre unberührte Gebirgslandschaften durchstreifen und froh sein daß der ganze Hype um Machu Picchu endlich hinter uns liegt.....

Roadrunner75
02.06.2011, 14:40
Hallo Bernie,

danke für den tollen Bericht über den Putucusi. Ich werde in 10Tagen auch da hoch klettern. Gut zu wissen, das die Leitern fast nicht nutzbar sind. Meine letzten Infos waren aus diesem Video. und da war es noch wie neu.

http://www.tripfilms.com/Travel_Video-v64799-Aguas_Calientes-Hike_Putukusi-Video.html

Wie lang dauert denn die Schlüsselstelle am unteren Einstieg?

Gruß Roadrunner

Roadrunner75
02.06.2011, 15:09
Eine Frage an alle. Ich habe gerade auf WIKIPEDIA gelesen, das der Weg komplett zu ist.

"....As of April 17th 2011, floods have wiped out the 100 ft vertical ladder section of the climb, making an ascent impossible without professional climbing gear...."

Kann das einer bestätigen?

Wäre echt Schade wenn man da nicht mehr hoch kommt.

bernieHH
02.06.2011, 22:18
Wie lang dauert denn die Schlüsselstelle am unteren Einstieg?


Hallo Roadrunner,

vielleicht 20 bis 30 min., aber so genau habe ich nicht auf die Uhr geschaut. Die Stelle ist etwa 50 bis 60 m hoch.

Wie der aktuelle Zustand ist und ob es stimmt dass die Route nun gesperrt ist, kann ich leider nicht sagen. Du kannst ja mal berichten nachdem du da warst.

gruss Bernd

bernieHH
03.06.2011, 08:51
Trek 6 Cordillera Vilcabamba // Peru

18 Tage
September/Oktober 2010

Diese Tour, also die große Durchquerung der Cordillera Vilcabamba, zählt mit zu den längsten Treks dieser Südamerikareise und weil ich da so viele Fotos gemacht habe teile ich die Tour hier wie auch auf meiner Seite in zwei Teile auf.
www.trekking.magix.net (http://www.trekking.magix.net/)

Erstmal Generelles:
Unsere Route führte von Hidroelectrica (also Machu Picchu) einmal quer durch die
Cordillera Vilcabamba zur Inkaruinenstadt Choquequirao.

Ein Trek von Machu Picchu nach Choquequirao, bzw. eher umgekehrt von Choquequirao nach Machu Picchu wird öfter mal gemacht, das ist eigentlich nichts ungewöhnliches und auch keine unbekannte Route. Der Trek dauert etwa 7 bis 8 Tage und führt über 4 Pässe. Ungewöhnlich ist dabei nur dass unser Trek mit dieser einwöchigen Normalroute kaum etwas zu tun hat. Ich habe mir unsere Routenführung selber ausgedacht. Herausgekommen ist dabei eine erschwerte Version die über 11 Pässe führte und 18 Tage gedauert hat auf einer Trekkingroute die ich als absolut weltklasse bezeichnen würde durch recht abgelegene Regionen dieses relativ unbekannten Gebirges.

Die Cordillera Vilcabamba ist ein vergletschertes Gebirge in Südperu, dessen höchster Berg der 6264 m hohe Nevado Salcantay ist. Topographisch und landschaftlich unterscheidet es sich von der kalten und baumlosen Cordillera Vilcanota insofern, daß die Täler in der Cordillera Vilcabamba wesentlich enger und tiefer sind, also oft bis weit in die tropischen Bergregenwälder der Montaña herunterreichen.

Von den Anforderungen her war dieser Trek ein sehr harter Brocken und recht anspruchsvoll. Anspruchsvoll jetzt nicht im Sinne von technischen Schwierigkeiten. Es gab zwar hier und da mal Abschnitte die routenfindungstechnisch kompliziert und schwierig waren, an paar Stellen mal etwas kraxeln, zugewachsene Regenwaldpfade, abgelegenes unbekanntes und manchmal wegloses Terrain. Die Hauptschwierigkeiten dieses Treks waren aber was ganz anderes, nämlich die enormen Höhenmeter, die wegen den sehr tief eingeschnittenen Tälern auf dieser Tour überwunden werden mussten.
Zum Vergleich: Beim Vilcanota Trek mussten wir auf 5 Pässe verteilt insgesamt nur etwa 3200 Höhenmeter bergauf wandern, aber auf diesen Trek waren es auf 11 Pässe verteilt fast 13000 Höhenmeter bergauf und dann das gleiche ungefähr nochmal bergab. Dazu das schwere Gepäck mit Proviant für 18 Tage, also doppelt so viel wie auf dem Vilcanota Trek.
Jewgenij ist nach dem siebten Pass, also am 12.Tag ausgestiegen und nach Cusco zurueckgekehrt, ihm wurde das ganze dann doch zu viel. Die restlichen 6 Tage bis zum Trekende bin ich dann alleine weitergewandert.

Landschaftlich war dieser Trek eine ganze Ecke vielseitiger wie die Cordillera Vilcanota: Regenwälder in grüne tropische Tieftäler, grasige alpine Hochtäler und vergletscherte Gebirgsketten wechselten sich ab. Zum Ende der Tour kam ich dann runter ins relativ trockene Apurimac-Canyonland, mit dem Rio Apurimac, Rio Yanama und Rio Blanco die ich mit zu den tiefsten und grandiosesten Schluchttälern des Kontinents zählen würde, also wieder eine völlig andere Gegend. Zwischendrin mal alte Inkaruinen und auch mal Abschnitte auf noch original Inkapfade die man verstreut in der gesamten Cordillera Vilcabamba hier und da noch finden kann.

Nun aber zur Route:
Die ersten 7 Tage führten uns in einer Halbrunde über 3 Pässe um den vergletscherten Nevado Salcantay herum.
In Hidroelectrica starteten wir. Als erstes wollten wir das in Trekkingkreisen noch nahezu unbekannte Tal des Rio Ahobamba aufwärts wandern.
Der Trek ging auch gleich mit einem Knaller los: Vom Trekkingstartpunkt bis zum ersten Pass lagen knapp 3000 Höhenmeter,.....und das ganz am Anfang wenn das Gepäck am schwersten war. Erschwerend kam hinzu daß dieses Tal abenteuerlich und anstrengend ist und wir uns überhaupt nicht sicher waren ob diese Route überhaupt passierbar ist.

Dieses Tal war auch der Ursprung meiner Südamerika Reiseplanung. Ich habe den Rio Ahobamba auf Google Earth gefunden und es sah dort so spektakulär aus daß ich mich für Südamerika als nächstes Reiseziel entschied.

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Google Earth Ansicht vom Tal des Rio Ahobamba

Ich habe mich also als erstes eine Trekkingroute durch die Cordillera Vilcabamba überlegt. Die Planung aller anderer Treks kam erst danach.

Schon von zu Hause aus habe ich alles durchforstet auf der Suche nach Informationen über den Rio Ahobamba, sämtliche Bücher, Trekkingführer und Internet, habe aber so gut wie nichts gefunden. Die einzigste Information die ich überhaupt fand kam von Tilmann. Über ein Jahr vor meiner Südamerikareise hat er folgendes hier im Trekkingforum gepostet:



Salcantay-Ostseite: Auf manchen Skizzen (Kiendler "Die Anden", Panico) ist an der Ostseite des Salcantay ein Pfad vom Basecamp den Rio Ahobamba hinab zur Station Hydroelectrico eingezeichnet. Diese Route hätten wir 2008 gerne gemacht. In Pampa Soray habe ich mit einem peruanischen Bergführer gesprochen, der im Vorjahr dort Erkundigen für einen Veranstalter eingeholt hat. Wegen Bergrutschen war der Weg nicht gangbar. Von unten hatte ich dann Einsicht in das Talsystem des Ahobamba: Natürlich gibt es im unteren Bereich Pfade, aber Fussaufwärts ist das Gelände sehr steil mit dichter Vegetation. Erdrutsche im Flusseinschnitt sind sichtbar. Ohne Pfad hat man da keine Chance, eine Flussquerung dürfte auch kaum möglich sein.



Darauf habe ich dann geantwortet (im März 2009):


Das ist genau die Route die ich plane,.....den Rio Ahobamba aufwärts. Das Tal soll wohl sehr phantastisch, wild und abgelegen sein:). Ich nehm nen Eispickel mit damit ich mir gegebenfalls einen Pfad entlang der Bergrutsche hacken kann, falls diese nicht passierbar sein sollten. Am Oberlauf verzweigt sich das Tal, ich will den orographisch rechten (östl. Talzweig) aufwärts, um dann über nen Pass zum Oberlauf des Rio Cusichaca. Oberhalb der Gabelung sollte der Rio Ahobamba vermutlich querbar sein, aber das ist momentan noch reine Spekulation, ebenfalls weiß ich noch nichts über die Passüberquerung. Von dort will ich dann über zwei weitere Pässe Richtung Colpapampa,.....also quasi einmal ne Halbrunde um den Salcantay drehen.
Von Colpapampa will ich dann versuchen ne Route über die Berge und über diverse Pässe zu finden (teils evtl. vergletschert) entlang der Nordseite der Pumasillo Gruppe, ....aber die genaue Route muss ich auch noch ausarbeiten.



Zu lesen ist das ganze in diesen Thread hier http://www.trekkingforum.com/forum/s...1444#post91444 (http://www.trekkingforum.com/forum/showthread.php?p=91444#post91444)

Vor unserer Abreise aus Cusco habe ich noch bei einigen Trekkingagenturen vorbeigeschaut in der Hoffnung dort paar aktuelle Infos über die Passierbarkeit des Rio Ahobamba zu bekommen,.....leider ohne Erfolg. Entweder wussten die nichts darüber oder wollten mir nichts sagen weil ich keine Tour buchen wollte. Die Agenturen sind ja nur daran interessiert Touren zu verkaufen und ich hatte ich den Eindruck daß sie in der Regel sehr verhalten sind Informationen rauszurücken wenn man keine Tour bei denen buchen will.
Den einzigsten Hinweis den ich in einer Agentur bekam war daß ein Trek den Rio Ahobamba aufwärts wesentlich teurer werden würde als beispielsweise der Salcantay Trek wenn ich den Trek buchen würde.

Wir sind dann also ohne weitere Infos von Hidroelectrica, das auf 1800 m Höhe liegt, einfach losmarschiert.

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Am ersten Tag wanderten wir auf einen schmalen unmarkierten Pfad das untere Drittel des Tales aufwärts. Zwei oder drei bewohnte Hütten lagen in diesem Talabschnitt, versteckt in paradiesischer Lage zwischen tropischer Dschungelvegetation. Der richtige Routenverlauf war hier kompliziert und für ortsunkundige schwer zu finden, da wir immer wieder an Pfadabzweigungen stießen die zu irgendwelchen Buschgärten führten die von den Einheimischen angelegt wurden. Schließlich endeten irgendwann die bewohnten Hütten. Ab dann führte der schmale Pfad nur noch durch dichten Bergregenwald die steilen Hänge weit oberhalb des Flusses entlang, nun gab´s auch keine Abzweigungen mehr.

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Das Tal wurde immer enger, wilder und abenteuerlicher. Auf einer spektakulären Hängebrücke ging es zurück auf die andere Talseite über eine abgrundtiefe Schlucht.

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Als es am Abend dunkel wurde hatten wir immer noch keine geeignete Campstelle gefunden. Im dunkeln wanderten wir mit der Stirnlampe noch ein Stückchen weiter bis der Pfad wieder fast bis runter zum Fluss stieß wo wir auf einer offenen Geröll- und Buschhangfläche mitten auf dem Pfad unser Zelt aufschlugen. Aber hier wird schon keiner vorbeikommen und einen besseren Platz konnten wir jetzt im dunkeln auch nicht mehr finden.

Der nächste Tag wurde noch abenteuerlicher. Es ging den ganzen Tag durch eine unbewohnte Wildnis. Der Pfad führte wieder nach oben und den ganzen Tag hunderte von Metern oberhalb des Flusses die steilen Hänge entlang und um diverse Bergrücken herum permanent duch dichten Bergregenwald. Neben dem Pfad fiel es oft tief und steil ab zum Fluss. Der Pfad sah aus als ob er kaum mehr von den Einheimischen benutzt wird und er wurde auch seit Ewigkeiten nicht mehr freigeschlagen. An vielen Stellen war der Pfad also mit dichten Bambusgestrüpp zugewuchert. Heute mussten wir uns viel durch den dichten Busch zwängen und ständig dabei aufpassen daß wir den richtigen Pfad nicht verlieren. Das Vorwärtskommen war zwar nicht allzu gut aber noch OK,.....ich habe schon schlimmere Regenwaldtreks gemacht. Die Landschaft war aber der Hammer, dieses Tal zählt definitiv mit zu den Top-Highlights des gesamten Treks!

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Am Spätnachmttag lichtete sich der Regenwald langsam zu offenes alpines Gelände. Der Pfad war ab hier freigeschlagen. Die wenigen Einheimischen die am oberen Talende wohnen hatten hier die Weidegründe für ihr Vieh. Ab nun gutes Vorwärtskommen und wenig später erreichten wir eine Talgabelung am Fusse des Nevado Salcantay wo wir neben einer verschlossenen Hütte unser Zelt aufschlugen, wir waren jetzt schon auf 3500 m Höhe. Vom vergletscherten Gipfel des Salcantay sahen wir wegen Wolken jedoch nichts.

Am nächsten Vormittag durchstreiften wir noch ein wenig alte Inkaruinen die sich hier bei der Talgabelung befanden und die teils schon mit Busch wieder zugewachsen waren.

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Wir folgten dann den östlichen Talzweig aufwärts Richtung ersten Pass. Wir wollten eine Ostumrundung des vergletscherten Nevado Salcantay in Angriff nehmen, dies ist mit 6264 m der höchste Berg der Cordillera Vilcabamba. Zwei bewohnte Hütten lagen hier im oberen Drittel des Rio Ahobamba. Der Pfad war hier zwar schmal und manchmal in den offenen alpinen Grasland nicht mehr zu erkennen, aber dennoch regelmäßig begangen. Wenn die Bewohner von hier aus zurück in die Zivilisation wollen nehmen sie anscheinend den Pfad über den Pass ins Paralleltal und nicht den zugewachsenen Regenwaldpfad auf den wir gestern hochgekommen waren.

Kurz vor der Passhöhe errichten wir unser drittes Camp auf 4400 m Höhe.

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Am drauffolgenden Tag queren wir unseren ersten Pass (4700 m). Der vergletscherte Nevado Salcantay zeigte sich nur ganz kurz mal zwischen den Wolken.

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Auf der anderen Seite kamen wir in ein grasiges Hochtal mit weidende Rinder und Pferde.

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Der Pfad ist hier etwas ausgetretener und sieht wesentlich häufiger benutzt aus wie der Pfad am Rio Ahobamba. Wir folgten ihn bis ins Talende wo wir auf einer freien Fläche kurz unterhalb des zweiten Passes auf 4700 unser Camp aufschlugen in grandioser Lage am Fusse des vergletscherten Salcantay.

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In der Nacht bekam Jewgenij Fieber und auch den gesamten nächsten Tag über ging es ihm noch sehr schlecht. Wir blieben also im Camp. Am Nachmittag machte ich schonmal einen Spaziergang auf den nächsten Pass.

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Am nächsten Morgen schien es Jewgenij wieder besser zu gehen und wir entschieden uns für den Aufbruch. Das gute Befinden hielt allerdings nicht lange, schon nach kurzer Zeit ging es ihm wieder schlechter und er kam nur mit Mühe über den 4870 m hohen Pass. Auf der anderen Seite schlugen wir daher schon auf der Pampa Salcantay in 4200 m Höhe unser Camp auf.

Jewgenij ging´s heute zum Glück wieder gut:-)
Nach Verlassen des Camps stießen wir dann auf eines der bekanntesten Trekkingrouten der Cordillera Vilcabamba, dem Salcantay Trek, den wir ab hier über den Salcantay Pass bis nach Collpapampa folgen wollten.

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Diese Route ist ebenfalls sehr schön, aber es ist eine wahre Wanderautobahn. Zwar haben wir hier mit nur paar organisierten Gruppen täglich nicht übermäßig viele Trekker getroffen, auf dem Inkatrail wird wohl deutlich mehr los sein. Dennoch ist der Pfad sehr ausgetreten und breit, schon fast wie ein Fahrweg,....also ein krasser Unterschied zu den schmalen abenteuerlichen Pfaden am Rio Ahobamba.

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Heute wurde also ein leichter Wandertag auf dem wir Kilometer abreissen konnten. Wir wanderten über den 4600 m hohen Abra Salcantay (Pass Nr. 3) bis runter nach Collpapampa.

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Am Salcantay Trek liegen deutlich mehr bewohnte Hütten wie am Rio Ahobamba. Viele Einheimische haben ihre Hütten zu einem Kiosk umfunktioniert in dem sie Zivilisationsgetränke wie Getränke wie Coca Cola, Fanta usw an verbeikommende Wanderer verkaufen.

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In Collpapampa haben wir auf dem Grundstück eines Einheimischen gecampt. Hier konnten wir uns auch eine einfache Mahlzeit aus Reis mit Spiegelei bestellen, was mal eine amgemehme Abwechlung zu unserer eintönigen Trekkingkost war.

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So, das war´s dann erstmal für heute. Den Rest schreibe ich beim nächsten Mal.
Auf meiner Webseite habe ich jetzt aber schon die Fotos bis zum zehnten Tag drin.....

TilmannG
04.06.2011, 07:29
Hei Bernd, super daß die Route - trotz meiner Skepsis - so toll geklappt hat. Bin sehr gespannt auf den Rest.
Grüße von Tilmann
(Unser Vilcanota-Bericht findet sich hier - mit Infoteil: http://www.foto-tilmann-graner.de/outdoor/vilcanota/vilcanota.php)

bernieHH
04.06.2011, 07:42
Hallo Tilmann,

deinen Vilcanota Bericht hatte ich mir ja schon vor längerer Zeit mal durchgelesen und ich habe mir auch die ganzen anderen Fotos auf deiner Webseite angeschaut. Ich bin begeistert, du machst ja wirklich hammermäßige Fotos:)
Was mich mal interessieren würde ist was für eine Kamera du hast, das konnte ich auf deiner Seite nirgendwo finden...

gruss Bernd

TilmannG
04.06.2011, 14:41
Lieber Bernd,
habe gerade schonmal auf deiner magix-site geschaut und bin sehr gespannt auf den zweiten Abschnitt. Auch die Salcantay-Fotos habe ich mir genau angeguckt, dieser Berg lässt mich nicht so ganz los. Er ist nicht extrem bewertet, aber es ist relativ viel dort passiert, gemessen an eher wenigen Besteigungen. Falls du noch weitere (Detail-)Fotos von der Ostseite hast, also vor allem zwischen deinen camps 1 und 2, würde mich das sehr interessieren.
Wg. Kamera: ich bin mit Canon 40D unterwegs, also einem inzwischen in die Jahre gekommenen Modell mit 1,6x crop. Ich benutze das Teil auch für Auftragsarbeiten (Bühnen-, besonders Tanzfotografie). Es ist mit nicht wichtig, immer mit der neuesten Technik herumzurennen. Gute Objektive hingegen schon, bei Trekkings nehme ich meist drei Zooms mit und habe so Brennweiten zwischen 16 und 320mm (analog Kleinbild) (mit 1,4 Konverter sogar bis ca 450mm). Nur bei technischen Touren mit viel Bergausrüstung greife ich gelegentlich auf ein 15-85 Zoom zurück (siehe auch: http://www.dslr-forum.de/showthread.php?t=687406)
Grüße von Tilmann

bernieHH
05.06.2011, 11:21
Falls du noch weitere (Detail-)Fotos von der Ostseite hast, also vor allem zwischen deinen camps 1 und 2, würde mich das sehr interessieren.


Hallo Tilmann,

Zwischen Camp 1 und 2 waren wir im Regenwald am Rio Ahobamba,....ich denke mal du meinst zwischen Camp 2 und 3, also die Route zum ersten Pass:
Leider war es da die ganze Zeit bewölkt so dass wir den Salcantay von dieser Seite kaum zu gesicht bekamen. Nur kurz vor dem Pass und einmal kurz von Camp 3 kam der Berg mal für 5 Minuten aus den Wolken raus. Diese Fotos habe ich auf meiner Seite, weitere habe ich leider nicht.

gruss Bernd

bernieHH
18.06.2011, 14:31
Trek 6
Cordillera Vilcabamba Fortsetzung
Peru

18 Tage

Bis zum sechsten Trekkingtag, also Collpapampa am Salcantaytrek, bin ich ja beim letzten Mal schon gekommen. Nun geht´s also ab dem 7.Tag weiter:
www.trekking.magix.net (http://www.trekking.magix.net/)

Das kleine Dorf Collpapampa liegt an einer Talgabelung des Rio Santa Teresa. Zu unserer unangenehmen Überraschung stiessen wir hier auf einen Fahrweg, der von Santa Teresa hier hochführt. Damit hatten wir nun überhaupt nicht gerechnet, denn nach meiner bisherigen Recherche sollte der Fahrweg kurz oberhalb von La Playa enden, also über 10 km weiter talabwärts.
Wir erfuhren dass der Fahrweg von hier aus sogar noch 8 bis 10 km weiter den westlichen Talzweig aufwärtsführt bis nach Totora, und das war genau unsere geplante Routehttp://www.outdoorseiten.net/forum/images/smilies/icon_frown.gif Das störte mich nun gewaltig! Auf einen Fahrweg sinkt bei mir die Trekkinglust normalerweise auf nahe Null ab, denn ich will auf meinen Trekkingrouten ja nur durch ursprüngliche Gegenden wandern ohne Strassen und Fahrwege. Was das Trekkingerlebnis betrifft, macht es meiner Ansicht nach beim Durchwandern einer schönen Landschaft nämlich einen riesen Unterschied aus ob man nur auf schmale Pfade wandert oder durch eine mit Fahrwegen verschandelte Gegend.

Unsere geplante Route war nun also kaputt. Unerwartet auf einen Fahrweg zu stossen war für mich deshalb Grund genug unsere bereits geplante Route über Nacht nochmal komplett abzuändern.
Woher sollte man aber auf die Schnelle eine neue Route hervorzaubern? Außer die zerfledderten Schwarz-Weiss-Kopien einer schlechten 100.000er Karte, auf der fast keine Pfade eingezeichnet sind, hatten wir praktisch null Infos über die Gegend.

Nach etwas hin und her überlegen bin ich schliesslich auf die Idee kommen, anstatt wie ursprünglich geplant im Uhrzeigersinn eine Halbrunde um die vergletscherte Pumasillogruppe zu drehen nun entgegen den Urzeigersinn diese Gebirgskette einmal halb zu umrunden. Das würde bedeuten dass wir unseren Trek bei der Inkaruinenstadt Choquequirao beenden würden. Auf der ursprünglich geplanten Route würden wir unseren Trek dagegen bei Santa Teresa beenden und nach Choquequirao, das auf halbem Weg liegt, nur einen Abstecher machen.

Und so wurde es dann auch gemacht und im Nachhinein betrachtet würde ich sagen daß dies sogar die bessere Routenwahl war wie unsere ursprünglich geplante Strecke.

Von der Routenwahl wäre eigentlich das Beste gewesen wenn wir gleich hier von der anderen Flußseite in Collpapampa direkt über die Berge steigen würden. Einheimische berichteten uns aber daß es dort keine vernünftigen Pfade geben soll und wenn man die exakte Route nicht kennt man sich wahrscheinlich schnell in den dichten andinen Bergregenwäldern festlaufen wird.
Von La Playa sollte es laut Angaben eines Einheimischen aber einen Pfad geben der Richtung Westen über die Berge führt. Also entschieden wir uns noch einen Tag länger auf den Salcantay Trek zu bleiben und wanderten dieses dschungelige Tal des Rio Santa Teresa weiter abwärts bis nach La Playa. Der Fahrweg führt zwar auch dieses Tal abwärts, aber als Wanderer kommt man damit glücklicherweise kaum in Berührung. Wir nahmen den vielbegangenen Hauptpfad auf der orographisch linken Hangseite, während der Fahrweg am rechten Hang verläuft.

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Dennoch störte mir der Fahrweg, da man ihn mitsamt seinen Hangschäden fast ständig im Blick hatte. Das Tal und die Route ist zwar immer noch schön, aber nicht mehr wie früher. Durch den vorhandenen Fahrweg hat das Tal meiner Meinung nach viel von seinen ursprünglichen Reiz verloren.

In La Playa campten wir im Garten einer Familie. Um unsere eigenen Vorräte zu sparen, bestellten wir hier zum Abendessen und Frühstück Reis mit Spiegelei. Die Familie betreibt hier einen kleinen Laden aus dem wir unsere Vorräte noch etwas aufstockten, denn ab hier kommen wir für viele Tage durch keine Dörfer mehr.
Die Lebensmittelauswahl in den Läden von La Playa ist zwar nicht groß, ausser Reis, Nudeln, Konservendosen und paar Kekse ist hier nicht viel zu finden, zum etwas aufstocken reichte es aber. Wir waren aber froh dass wir schon von vornherein unseren kompletten 18-tägigen Proviant aus Cusco mitgebracht haben und nicht darauf gebaut haben hier in den Läden am Salcantaytrek eine komplette Trekkingproviantladung für zwei Wochen oder so zu finden.

In La Playa (auf 2200 m Höhe) verließen wir am nächsten Morgen endgültig den Salcantay Trek. Auf einen schmalen Pfad verliessen wir das Tal und wanderten Richtung Westen den Hang nach oben Richtung vierten Pass. Die Route war paradiesisch schön und das Trekking machte jetzt auf dem schmalen Pfad wieder wesentlich mehr Spass wie auf dem breiten Hauptpfad am Rio Santa Teresa.
Anfangs ging es durch Buschgärten aus Passionsfruchtbäume und weiter oben dann in den dichten andinen Bergregenwald.

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Die richtige Route war stellenweise nicht leicht zu finden. Besonders weiter oben auf den ersten Lichtungen im Bergregenwald verlor der Pfad sich immer wieder, hier war ein guter Spürsinn und Routenfindungsgeschick nötig. Nach einen langen Wandertag campen wir in einen Hochtal auf 3500 m Höhe.

Die nächsten Tage durchquerten wir einsame Landstriche der Cordillera Vilcabamba, überquerten dabei mehrere Pässe und wanderten durch verschiedene Hochtäler auf einer Mischung zwischen weglosem Gelände und schmale unmarkierte Pfade. In einigen Tälern fanden wir bewohnte oder leerstehende Hütten vor.

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Menschen trafen wir kaum, einmal haben wir für 3 Tage am Stück sogar niemanden gesehen. Nur im Tal des Rio Sacsara passierten wir mehrere bewohnte Hütten wo wir drei oder vier Einheimische trafen. Dies war auch das einzigste Tal auf der Nordseite der Pumasillogruppe wo wir bis unterhalb der Dschungelgrenze abstiegen.

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Mittagspause am Rio Sacsara.

Die restlichen Täler waren meist offene Tussokgras-Hochtäler die von vergletscherten Gebirgsketten umgeben waren, wenn man die denn zwischen den ganzen Wolken mal sehen konnten.

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Jewgenij hatte einen so langen und abgelegenen Trek wie diesen noch nie gemacht, für ihn war diese Erfahrung neu. Wahrscheinlich hat er die Tour deshalb auch unterschätzt. In den letzten Tagen war seine Motivation ziemlich gesunken und als wir auf der Karte sahen wieviele Pässe und Höhenmeter noch vor uns liegen ist sie noch weiter geschrumpft. Immer mehr kam er zu dem Entschluss daß er aussteigen will.
Ich empfahl ihm das Tal der Quebrada Tacuyoc zum Ausstieg, also hinter dem siebten Pass. Dieses Tal bräuchte er dann nur einen halben Tag abwärtswandern bis zum Dorf Huancacalle, wo er einen Fahrweg und motorisierten Transport zurück nach Cusco vorfinden würde. Das Tal hinter dem achten Pass würde auch noch gehen, aber das wäre dann auch schon die ultimative Ausstiegsmöglichkeit. Wenn er die nicht nutzen würde gäbe es kein zurück mehr, dann müsste er bis zum Ende durchhalten.

Er entschied sich schließlich für das Tal hinter dem Pass Nr.7. Am 12 Trekkingtag trennten sich also unsere Wege. Er wanderte das Tal abwärts und abends als es schon dunkel war erreichte er Huancacalle, kurz bevor ein heftiger Regen begann der die ganze Nacht andauerte.

Die restlichen 6 Tage bin ich also alleine weitergewandert. Nach dem langen nächtlichen Regen präsentierte sich der Morgen bewölkt. Später am Vormittag klarte es auf und es wurde sonnig mit Traumpanoramen auf die vergletscherte Gebirgslandschaft mit dem 5512 m hohen Nevado Choquetacarpo.

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Heute querte ich die Pässe 8 und 9, die ziemlich dicht beieinander lagen und beide um die 4600 m hoch waren. Auch wenn der achte Pass durch wegloses alpines Gelände führte, waren sie doch mit nur 950 Höhenmeter bergauf für beide Pässe zusammen nicht allzu anstrengend. Dafür war aber die Routenfindung zum achten Pass nicht ganz eindeutig. Jemand der keine Erfahrung im weglosen alpinen Gelände hätte, könnte vielleicht Schwierigkeiten bekommen den Pass zu finden. Der Übergang liegt zwischen den Bergen 4710 und 5049, laut der topographischen 100.000er Karte.

Auf dem neunten Pass, dem Chocetacarpo Pass (4600 m), stieß ich auf einen häufiger begangenen Handelspfad der zum Dorf Yanama führte und der teils den Verlauf eines original Inkapfades folgte.

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Es ging runter ins gewaltige Canyon-Trogtal der Quebrada Otiyoc, das von hunderte Metern hohe Felstürme und Wände beflankt ist, vertikal bis teils überhängend, eine wirklich atemberaubende Landschaft, die neben dem Rio Ahobamba als zweites Top-Highlight dieses Treks durchgehen könnte.

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Leider war das Licht zum fotografieren nicht besonders gut da man bei den spektakulärsten Motiven gegen die Vormittagssonne fotografierte.

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Am Abend erreichte ich Yanama, ein kleines Indiodorf auf 3500 m Höhe. Es ist das erste Dorf seit La Playa vor 7 Tagen.

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Yanama hat, anders als die Dörfer auf dem Salcantay Trek, noch keinen Fahrweganschluss. Hier kommt man nur über tagelange Fussmärsche hin, was dem Dorf einen besonderen Charme verleiht, auch wenn es hier neben den zahlreichen Strohdachhütten auch schon einige modernere Hütten aus Wellblechdächern gibt.

Von Yanama sind es noch zwei Tagesmärsche bis zur Inkaruinenstadt Choquequirao. In einer spektakulären Routenführung windet sich der Pfad den steilen Felshang enlang über den Victoria Pass, mit atemberaubende Panoramen auf die vergletscherten 6000er der Pumasillo Gruppe sowie in die abgrundtiefen Täler des Rio Yanama, Rio Blanco und Rio Apurimac, die ich mit zu den tiefsten und grandiosesten Canyontälern des Kontinents zählen würde.

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Der darauffolgende 2200 Höhenmeter Abstieg zum Rio Blanco sowie die gesamte weitere Route bis nach Choquequirao und Apurimac Canyon war ebenfalls ein landschaftliches Top-Highlight!!

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Unten am Flussbett des Rio Blanco auf 1900 m Höhe schlug ich mein Camp auf. Es war sehr heiss in diesem tiefen engen Canyontal und es wimmelte hier nur so von Stechfliegen und Mücken.

Am nächsten Tag gings gleich wieder für 1350 Höhenmeter bergauf zum letzten Pass. Die Vegetation änderte sich, der Regenwald wurde weniger, das Land trockener und die ersten Kakteen tauchten auf.

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Auf dem Weg nach oben passierte ich die Inkaruinen von Pinchaunuyoq, die direkt in den steilen Hang gebaut wurden mit 900 m Tiefblick in den Yanama Canyon.

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Weiter oben traf ich die ersten Trekker seit 9 Tagen.

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Nun war es nicht mehr weit bis auf den letzten Pass dieses Treks. Dies war eigentlich kein Pass im eigentlichen Sinne, sondern nur ein Bergrücken zwischen den Yanama- und Apurimac Canyons die 1800 Höhenmeter unter mir lagen.

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Kurz darauf erreichte ich Choquequirao, nach 16 Trekkingtagen von Hidroelectrica. Diese Inkaruinenstadt liegt auf einem Bergrücken hoch oberhalb des Apurimac Canyons am südwestlichen Ende der Cordillera Vilcabamba. Im Aufbau und Architektur hat es sehr viel Ähnlichkeit mit Machu Picchu, ist aber deutlich kleiner.

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Dass ich das wesentlich bekanntere Machu Picchu nicht mehr als Top-Highlight bezeichnen würde, habe ich ja in meinen Bericht zum Trek Nr.5 (Cerro Putucusi) schon geschrieben,.....aber Choquequirao ist definitiv eins!! Andere Leute scheinen dies genauso zu sehen: Wir haben während unserer Perureise einige Rucksacktouristen getroffen die in Machu Picchu UND Choquequirao waren und davon haben alle erzählt daß Choquequirao wesentlich lohnender war!
Choquequirao ist aber auch kein Geheimtip mehr, es steht ja schon in jeden Reiseführer drin und gehört mittlerweile auch mit ins Standartprogramm jeder Trekkingagentur von Cusco. Rein von der Ruinenanlage bewertet ist Machu Picchu natürlich imposanter, aber das Besondere an Choquequirao ist eben dass dort noch keine Straße hinführt und dass es dort noch nahezu ursprünglich und unkommerziell ist, ohne die Menschenmassen und den ganzen Touristenschnickschnack wie in Machu Picchu. Choquequirao ist zum Glück nur zu Fuß erreichbar. Wer den direktesten und schnellsten Weg auf der Hauptroute von Cachora aus wählt braucht dafür 3 bis 4 Tage für den Hin- und Rückmarsch.

Was die umgebene Landschaft betrifft, da ist Machu Picchu UND Choquequirao grandios: In Machu Picchu blickt man von der Ruinenanlage 400 m tief ins kurvige dschungelige Urubambatal, und in Choquequirao schaut man direkt 1500 m tief runter in den Apurimac Canyon!

Den gesamten restlichen Nachmittag bin ich hiergeblieben und durch die Ruinen geschlendert. Nur 5 bis 10 andere Leute waren hier. In einem Buch hatte ich zwar gelesen dass man hier 10 Soles Eintritt zahlen muss (im Gegensatz zu 125 Soles für Machu Picchu!!), aber ich habe niemanden gesehen der Geld einkassiert hat. Auch auf den nebenan liegenden Campingplatz konnte man anscheinend umsonst campen, denn auch dort kam niemand zum abkassieren vorbei.

Von Choquequirao sind es nur noch 32 km nach Cachora, meinem Trekende, auf einen breiten ausgebauten Hauptpfad. Normalerweise müsste so eine Strecke auf einen so guten Pfad locker in einem Tag zu schaffen sein. Das Problem ist aber dass zwischen Choquequirao und Cachora der Apurimac Canyon liegt, d.h. man muss erstmal 1600 Höhenmeter absteigen in den Canyongrund und dann auf der anderen Seite fast das gleiche nochmal wieder bergauf. Deshalb wird diese Strecke normalerweise in zwei Tagen gemacht. Nur wer sich ein Pferd zum reiten gemietet hat macht es in einem Tag.

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Auf dieser Route kommen mir mehrere Trekkinggruppen entgegen, das meiste organisierte Touren mit Packesel, Führer usw....

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Unten am Rio Apurimac ist es sehr heiss und trocken, eine felsige Landschaft mit Büschen und Kakteen, dazu der türkisblaue Fluss.

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Mit nur 1500 m Höhe ist dies die tiefste Stelle des gesamten Treks seit meinem Start vor 18 Tagen in Hidroelectrica, das 1800 m hoch liegt und die zweittiefste Stelle des Treks war.

Auf der anderen Flussseite steigt der Pfad wieder nach oben.

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Auf halbem Weg oben campe ich bei der bewohnten Hütte von Samana Wasi. Am nächsten Morgen wanderte ich dann die restlichen 16 km nach Cachora, wo mein Trek endete.

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Morgenstimmung beim Aufstieg.

Die letzten 11 km führten auf einen schmalen Fahrweg. Im kleinen Ort Cachora fand ich relativ schnell ein Fahrzeug, das auf einer Schotterpiste den Berg hochfuhr bis zur Hauptstraße zwischen Ajacucho und Cusco. Hier brauchte ich dann nicht mehr lange warten bis ein Bus vorbeikam der nach Cusco fuhr, das ich nach 3 Stunden Fahrt erreichte. Hier traf ich Jewgenij dann wieder.

FAZIT: dieser Trek steht zusammen mit dem Vilcanota Trek, den kanadischen Rockies, sowie einigen langen Neuseelandtreks mit auf meiner Liste der besten Treks die ich je gemacht habehttp://www.outdoorseiten.net/forum/images/smilies/icon_wink.gif

bernieHH
05.07.2011, 12:15
Trek 7 El Choro Trek// Bolivien

3 Tage

Oktober 2010

Von Cusco sind wir mit dem Bus wieder zurück nach La Paz/Bolivien gefahren und haben uns dort in einem billigen Hostel einquartiert.

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Jewgenij´s Reisezeit neigt sich langsam dem Ende zu, es sind nur noch 7 Tage bis zu seinem Heimflug. In dieser Zeit wollte er noch gerne einen Regenwaldtrek machen und genau das hatten wir eigentlich auch geplant. Den Madidi Nationalpark im bolivianischen Amazonastiefland hatten wir dafür vorgesehen, mit Rurrenabaque als Ausgangspunkt.
Jewgenij´s knappe Zeit stellte uns aber vor einem grossen Problem: die komplette Tour musste ja noch geplant werden, topographische Karten müssen besorgt werden, Proviant einkauft werden und ich hatte mir ja noch nicht einmal eine genaue Route für die Tour ausgedacht. Für die Hin- und Rückreise von La Paz nach Rurrenabaque würden auch nochmal mindestens zwei Tage bei draufgehen. Es blieben uns also nur noch wenige Tage für den Trek. Ausserdem wollte Jewgenij auch nicht gerade auf dem letzten Drücker zurück in La Paz sein, da er vor seinem Abflug noch einige Tage in der Stadt verbringen wollte. Ich habe schon gleich geahnt dass dies in einen Riesenstress ausarten würde.

Mit einer so knappen Zeit einen Regenwaldtrek im Madidi Nationalpark zu starten würde eigentlich nur dann Sinn machen wenn wir zu einer Agentur gehen und eine Tour buchen würden, aber genau das wollten wir nicht. Auf eine Pauschaltour hatten wir nämlich erstens keinen Bock, sowas entspricht auch nicht meinem Reisestil und zweitens würde uns so eine geführte Tour um ein mehrfaches teurer werden als eine selber geplante Tour. Ein Regenwaldtrek durch den Madidi Nationalpark fiel unter diesen Umständen also flach.

Stattdessen entschieden wir uns für den El Choro Trek.
www.trekking.magix.net (http://www.trekking.magix.net)
Der El Choro Trek wird auch als Inkatrail Boliviens bezeichnet. Es ist eines der bekanntesten Treks des Landes, der in jedem Buch drinsteht und auch noch ganz in der Nähe von La Paz startet. Das schien uns der ideale Trek zu sein wenn man nur noch wenige Tage Zeit hat. Auf einen alten Inkapfad wandert man von einen 4880 m hohen Andenpass runter bis auf 1390 m in einen engen Bergregenwaldtal der Yungas.

Dies ist ein leichter Trek der fast nur bergab führt. Den El Choro Trek braucht man nicht planen, man wandert einfach nur los und gut ist. Topographische Karten sind auch nicht notwendig, die Routenskizze im Lonely Planet reicht vollkommen aus.
Also nur schnell Proviant für 3 Tage einkaufen, das ging razzfazz innerhalb von einer Stunde und dann könnten wir schon gleich am nächsten Morgen starten. So haben wir es dann auch gemacht. Wir wollten den Bus nach Coroico nehmen und nach etwa 30 km am La Cumbre Pass aussteigen, wo der Trek beginnt.

Als wir am nächsten Morgen im Stadteil Fatima ankamen, vonwoaus die Busse nach Coroico abfahren, erwartete uns jedoch eine böse Überraschung: Cocabauern hatten auf halbem Weg zwischen La Paz und Coroico die Strasse blockiert. Die Strecke war also nun für Fahrzeuge unpassierbar, es fuhren auch keine Busse mehr in die Richtung. Wenn wir es richtig verstanden hatten gab es wohl eine Gesetzesverschärfung gegen den Coca-Anbau, und dagegen haben sie demonstriert. Strassenblockaden sind ja nichts ungewöhnliches für Bolivien und die Polizei scheint machtlos dagegen zu sein. Als wir bei der Polizei und bei Angestellten der Busgesellschaften nachgefragt hatten wann die Strasse denn wieder frei wäre, lautete die Standartantwort "mañana" (=morgen), was soviel heisst wie: vielleicht ist die Strasse morgen ja wieder frei, vielleicht aber auch nicht, im Prinzip weiss das keiner so genau, momentan gibt es jedenfalls keine Möglichkeit nach Coroico oder in die Richtung zu kommen. Na toll!!

Uns blieb also nichts anderes übrig als wieder zurück Richtung Hostel zu marschieren. Wenn wir heute nicht loskommen verlieren wir einen ganzen Tag und falls die Strasse morgen immer noch blockiert sein sollte können wir den Trek womöglich ganz knicken. Ich wollte mich jedenfall nicht darauf verlassen dass die Strasse morgen wieder frei ist. Daher kehrten wir kurzentschlossen wieder um, schlenderten durch die lebhafte Marktstrasse und fragten bei jedem Fahrzeug, das wir am Strassenrand sahen, nach, ob es in Richtung Coroico fahren würde. Zwei Strassenblocks weiter hatten wir endlich Glück. Ein Taxi wollte bis kurz vor die Straßenblockade fahren und war bereit uns bis zum La Cumbre Pass mitzunehmen.

Wir quetschten uns und unser Gepäck zusammen mit paar anderen Einheimischen ins enge Auto rein und dann gings auch schon los. Als wir die Stadtgrenze erreicht hatten bog das Auto plötzlich von der Hauptstrasse runter auf einen schmalen und sehr holperigen Fahrweg, um dann paar Kilometer weiter wieder zurück auf die Hauptstrasse zu kommen. Wir fragten was das sollte und der Fahrer antwortete es gäbe dort vorne eine Polizeikontrolle in die er nicht reingeraten wolle.

Gegen Mittag kamen wir schliesslich auf den 4670 m hohen La Cumbre Pass an, wo der Trek startet. Wir stiegen aus und wanderten dann auch gleich los. Der El Choro Trek ist 52 km lang.

Für die ersten 3 km folgten wir einen schmalen Fahrweg hoch zum 4882 m hohen Abra Chukura, dem höchsten Pass des Treks, den wir auch ziemlich schnell erreichten.

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Es war neblig so dass uns die schöne Aussicht verwehrt blieb. Hier oben endete glücklicherweise der Fahrweg und es ging auf einen breiten vielbegangenen Inkapfad runter in ein karges wolkenverhangenes Hochtal. Dann fing es an zu regnen und erst nach paar Stunden hörte es wieder auf. Wir wanderten an zahlreichen bewohnten Hütten vorbei und durch paar kleine Dörfer auf etwa 4000 m Höhe. Verglichen mit den ganzen anderen Gegenden, die ich vier Wochen zuvor in der Cordillera Real durchwandert hatte, war dieses Tal relativ dicht besiedelt.

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Der Inkaweg war an vielen Stellen gepflastert und an einigen Stellen sah er schon fast so aus wie eine deutsche Kopfsteinpflasterstrasse. Wir fragten uns wofür die Inkas, die weder Zugtiere noch Räder kannten, solche breiten Wege brauchten.

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Das Tal fällt permanent leicht ab und hinter dem Dorf Chukura unterschritten wir die 3600er Marke. Ab nun wurde das Tal deutlich grüner und dschungeliger, weiter unten auch enger.

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Die Siedlungsdichte nahm ab und am Abend erreichten wir die Paarhüttensiedlung Cha´llapampa auf 3050 m Höhe, wo wir direkt am Fluss unser Zelt aufschlugen.

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Da dieser Trek ja so bekannt ist und ihn auch jede Trekkingagentur von La Paz im Angebot hat, hatten wir eigentlich erwartet hier jede Menge Wanderer zu treffen. Deshalb haben wir uns auch sehr gewundert daß wir auf dem gesamten Trek keinen einzigen Trekker gesehen haben! Bei unserer ersten Campstelle in Cha´llapampa erzählten uns die Einheimischen dass vor zwei Tagen der letzte vorbeigekommen sei. Naja, die Haupttrekkingsaison war zwar schon seit anderthalb Monaten vorbei, vielleicht lag es ja auch mit an der Strassenblockade.

Am nächsten Vormittag wanderten wir erst spät los und für die ersten 8 km bis zur Paarhüttensiedlung Choro regnete es. Danach klarte es auf und in einer Hüttenruine am Fluss machten wir Mittagspause.

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Der gesamte untere Abschnitt des El Choro Treks, also ab Cha´llapampa abwärts, ist der landschaftlich schönste Teil des Treks. Das Tal ist eng, teils schluchtig, und mit dichte Bergregenwäldern bestanden.

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Der Pfad ist wesentlich schmaler wie gestern, er windet sich meistens weit oberhalb des Flusses die steilen Hänge entlang. Einige Anstiege mussten zwar überwunden werden, aber im grossen und ganzen ging es bergab.

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Einige bewohnte Hütten passierten wir während des Tages, aber insgesamt war der untere Teil des Tales wesentlich dünner besiedelt wie der obere Teil von gestern. Nach 16 km von Cha´llapampa erreichten wir gegen abend auf 2000 m Höhe die Hütte von San Francisco. Ein freundlicher älterer Mann wohnte hier, wir durften neben seiner Hütte unser Zelt aufschlagen.

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Der Mann erzählte uns dass die Strassenblockade noch immer nicht aufgehoben ist, und daß es deshalb momentan noch schwierig sei zurück nach La Paz zu gelangen.

Über Nacht hat Jewgenij sich dann ganz plötzlich in den Kopf gesetzt, daß er vor seinem Heimflug nochmal schnell nach Copacabana an den Titicacasee will. Deshalb hat er schon um 7 Uhr in der Frühe fast fluchtartig das Camp verlassen. Er wollte ohne Pause durchmarschieren und auf jeden Fall noch heute in La Paz ankommen und möglichst noch am selben Tag weiter nach Copacabana.

Ich dagegen hatte es nicht so eilig, auch am letzten Trekkingtag wollte ich mir noch genügend Zeit zum fotografieren nehmen. Mir reichte es wenn ich heute in Coroico übernachte und dann morgen zurück nach La Paz fahre, daher habe ich Jewgenij auch alleine losziehen lassen.

Nach 16 km Wanderung erreichte ich auf 1390 m Höhe das kleine Dorf Chairo. Hier beginnt ein schmaler Fahrweg und der Trek endet. Alles im Allem war dies ein super Trek!

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Chairo soll ein Touristen-Abzocke-Dorf sein. Normalerweise stehen hier wohl Fahrzeuge bereit die die El Choro Trek Wanderer für einen Wucherpreis ins 25 km entfernt liegende Coroico fahren. Jedenfalls steht es so in den Reiseführern drin.

Ich habe aber kein einziges Auto hier gesehen, überhaupt schien das ganze Dorf fast ausgestorben. Nur eine einheimische Frau sah ich, und die fragte ich dann auch gleich mal nach einer Transportmöglichkeit. Kurze und knappe Antwort: Wegen der Strassenblockade gibt es hier momentan keine Fahrzeuge.

Es blieb mir also nichts anderes übrig als zu Fuss zu gehen, obwohl ich eigentlich keine Lust hatte auf dem Fahrweg zu wandern. Nach 7 bis 8 km erreichte ich das nächste Dorf Pa Kollu. Hier stand ein Auto am Wegrand, es gehörte dem Ladenbesitzer. Er bot an mich für 30 Bolivianos (=3 Euro) ins 8 bis 9 km entfernte Yolosita zu fahren, von dort gäbe es dann Micros nach Coroico. Das nahm ich gerne an. Nach paar Kilometern bogen wir auf die asphaltierte Hauptstrasse von La Paz nach Coroico. Ab hier lag schon alles mögliche auf der Strasse rum, von herumliegenden Ästen bis hin zu Steinen und Felsbrocken, obwohl die eigentliche Blockade noch 50 km von hier entfernt liegt. Der Fahrer fuhr noch ein Stückchen weiter, hielt dann an und bat mich auszusteigen. Die letzten ein bis zwei Kilometer müsse ich zu Fuss gehen da er Angst hatte weiterzufahren.

Naja, ich kam aber gut in Yolosita und Coroico an.
Abends im Hostel fragte ich mich natürlich wie es Jewgenij wohl ergangen ist. Ob er es durch die Straßenblockade geschafft hat und schon in La Paz oder Copacabana ist??

Von Coroico gibt es Strassenverbindungen in zwei Richtungen, die eine führt nach La Paz und die zweite runter ins Amazonastiefland. Beide Richtungen waren blockiert, Coroico war also quasi fast von der Aussenwelt abgeschnitten.
Am nächsten Morgen wollte ich mich dann auf dem Weg ins 100 km entfernte La Paz machen. Zurück nach Yolosita bin ich schnell und problemlos gekommen, aber dann wurde es schwieriger.

Trotz Blockade konnte man aber dennoch durchkommen. Mutige Bus- LKW- und Taxifahrer oder Privatleute mit Auto wittern hier ihr Geschäft. Sie fahren bis kurz vor der Blockade ran, dann muss man zu Fuß da durchmarschieren und ein bis zwei Kilometer hinter der Blockade warten dann andere Fahrzeuge die nach La Paz weiterfahren. Natürlich muss man dafür ein mehrfaches von dem zahlen was Busfahren sonst in Bolivien kostet. In Yolosita versammelten sich die ganzen Einheimischen die nach La Paz wollten. Sobald ein Fahrzeug bereitstand stürzten sich haufenweise Leute darauf, es gab ein Geschiebe und Gedränge, man musste dann schnell zusehen daß man einen Platz abbekommt wenn man nicht ewig lange hier rumhängen will.
Ich bin schließlich in einen alten klapprigen Indiobus mitgekommen. Der Fahrer hielt es wohl für sicherer nicht die Hauptstrasse zu nehmen. Er entschied sich für die Nebenstrecke, der sogenannten "Todesstrasse", die in allen Büchern als gefährlichste Strasse der Welt bezeichnet wird, was die vielen Kreuze an fast jeder Kurve auch beweisen. Vor Jahren war dies noch die Hauptstrassenverbindung, aber seit Eröffnung der neuen Straße wird diese Strecke heute normalerweise fast nur noch von Mountainbikern benutzt. Diverse Agenturen in La Paz bieten dies als "60-km-downhill-thrill" an von 4500 m Höhe bis runter auf 1200 m. Die Piste schlengelt sich für bestimmt 20 Kilometer die vertikalen Regenwaldhänge entlang und ist gerade mal breit genug für ein Fahrzeug. Wenn man aus dem Busfenster schaut blickt man hunderte von Metern vertikal den Abgrund runter, diese Strecke ist nichts für Leute mit schwachen Nerven!

Vor der Hauptblockade stiess die Piste dann wieder auf die Hauptstrasse. Ein bis zwei Kilometer vor der Blockade hielt der Bus an und alle Passagiere musssten austeigen und zu Fuss weiter. Schon hier war die Strasse mit Steinwaelle und Felsbrocken blockiert.

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Danach standen haufenweise LKWs kreuz und quer ueber der Strasse und alles war voll mit Zelten in denen die Cocabauern seit Tagen campten. Ich bin da gut durchgekommen,....ausser ein paar blöde Kommentare habe ich nichts abbekommen.

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Abends war ich dann endlich in La Paz und bin wieder ins gleiche Hostel zurückgegangen. In der Abstellkammer des Hostels fand ich einen Teil von Jewgenij´s Gepäck. Das heisst also dass er gestern schon hier gewesen sein muss und demzufolge anscheinend auch gut durch die Blockade kam.

Am nächsten Tag kam er dann aus Copacabana zurück. Dann hat er mir erstmal seine abenteuerliche Geschichte erzählt wie er durch die Blockade kam.

Im nachfolgenden ein Auszug aus Jewgenij´s Tagebuch hier reinkopiert:


An der Strassenblockade angekommen, wurden wir von den Cocarillos mit Riemen und selbstgebündelten Peitschen empfangen begrüß. Sie schlugen auf das Auto und meinten: „Blockade, fahr zurück!“ Dank des Verhandlungsgeschicks unseres Fahrers durften wir die Türen öffnen und auf die andere Seite der Blockade laufen. Etwas mulmig war mir schon.

Wir gingen die Straße längs, sie war ca. 2km lang. Da lag alles Mögliche auf der Straße, war kaum zu übersehen, dass es eine Straßenblockade sein sollte.

Wir kamen an eine Stelle, wo kurz vor unserer Gruppe die Coca - Demonstranten durchmarschiert sind. Nun plötzlich setzte sich ein auf die Stelle, hebt die Hand und meinte „kein Durchgang“. Dieser hat gesehen, dass da ein Weißer angekrochen kommt und meinte hier irgendjemanden irgendwas beweisen zu müssen. Es lag wirklich keine friedliche Stimmung in der Luft. Die blieben mir zwar vom Leib, doch immer wieder hörte ich „Gringo!“. Gut, den Rest habe ich nicht verstanden – besser so.

Ich schaffe es ohne entführt zu werden in das Taxi nach La Paz zu kommen.

Doch so ganz war die Sache nicht überstanden. Ich stieg in das Taxi.....

Der Fahrer fuhr los und gleich hinter der ersten Kurve stießen wir auf die ersten teilsverbarrickadierten Stellen auf der Straße. Etwas weiter, sah ich einen Coca-Typen oben auf dem Berg stehen. Da unsere Straße in Serpentinen längs führte hatte man keine großen Ausweichmöglichkeiten. Und was macht der Coca – Arsch. Er stößt ein paar kleine Felsbrocken von oben. Die waren zwar nicht Meter hoch. Doch möchte ich mir nicht verstellen, wenn die Dinger mit der Wucht sich durch die Fensterscheibe bohren. Der Fahrer hielt an, machte das Radio leiser, brüllte aus dem Fenster, und fuhr wieder los. Kurz hinter uns fielen dann wieder die Brocken. Wir kamen in eine Kurven rein und da war wieder so ein Coca-Typ dabei mit dem Bagger die Strasse mit Schutt zu verbarrickadieren. Als wir direkt an ihm vorbei gefahren waren, da hat er ein Grinsen hinterhergezogen.

Ich kam in La Paz – Fatima an.

bernieHH
24.07.2011, 14:49
Trek 8
Valle de las Ánimas// Bolivien

Tageswanderung
18.Oktober 2010

Bevor ich zum nächsten Trek aufbreche wollte ich noch eine Tageswanderung hier bei La Paz machen. Das Valle de las Ánimas hatte ich mir dafür ausgesucht.
www.trekking.magix.net (http://www.trekking.magix.net)
Durch Google Earth bin ich auf das Gebiet aufmerksam geworden.

Das Valle de las Ánimas ist das Canyonland von La Paz, direkt am östlichen Stadtrand gelegen. Es ist eine landschaftlich überaus grandiose Gegend und ein super Abenteuerrevier für eine Tagestour. Tausende erodierte Felsspitzen und Nadeln erheben sich hier auf einer Fläche von dutzenden Quadratkilometern, dazwischen zieht sich ein Labyrinth aus engen Canyons durch.

An einem Nachmittag im Internetcafe hatte ich mir auf Google Earth meine Wanderroute ausgearbeitet. Jetzt brauchte ich also nur noch eine Karte und dann konnte es losgehen. Brauchbare Karten scheint es aber nicht zu geben, jedenfalls habe ich keine gefunden. Auf dem Stadtplan von La Paz war auf einer Nebenkarte zwar das Valle de las Ánimas abgebildet und diese Karte würde auch ausreichen falls man vorhätte nur die beiden Hauptcanyontäler des Rio Ovejuyo und der Quebrada Negra zu bewandern. Für meine geplante Route war diese Karte jedoch völlig unbrauchbar!
Dann bin ich zum Instituto Geografico Militar gegangen und habe mir die topographische 50.000er Karte angeschaut. Auch diese Karte schien mir für meine Route nicht geeignet zu sein, da die schroffe Topographie und das enge Canyonlabyrinth auf ihr nicht abgebildet war.

Die besten Karten von diesem Gebiet schienen mir Satellitenbildausdrucke von Googel Maps zu sein und die habe ich mir im Internetcafe dann auch angefertigt.

Die Anreisezeit mit dem Micro vom Stadtzentrum La Paz´s (Plaza San Francisco) zu meinem Wanderstartpunkt im Stadteil Achumani betrug eine Stunde, mit zweimal umsteigen.
Jewgenij wollte nicht mitkommen, da er die letzten beiden Tage seine Reise mit Einkäufe hier in La Paz verbringen wollte. Ich hatte am Morgen auch noch einige Vorbereitungen für meinen nächsten Trek zu erledigen, so daß ich erst gegen Mittag an meinen Wanderstartpunkt ankam. Bei den letzten Häusern von Achumani begann meine Route.

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Bin dann gleich in den ersten Canyon reingewandert und diesen bis zum Ende aufwärts gefolgt.

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Im Zickzack habe ich das Gebiet durchquert, meine Route führte durch 5 verschiedene Canyons. Um von einen Canyon in den nächsten zu kommen mussten kleine Bergrücken, Pässe oder gezackte Kämme überquert werden. Von diesen Kämmen oder Bergrücken war die Aussicht besonders überwältigend über ein Meer aus gezackten Felsnadeln.

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Das Valle de las Ánimas hat eine große Ähnlichkeit mit dem in La Paz sehr bekanntem Valle de la Luna, ist aber mehr als zwanzig Mal so groß.
Während man das Valle de la Luna auf einen ausgebauten vielbegangenen Touristenpfad in einer halben Stunde durchwandern kann, könnte man im Valle de las Ánimas einen ganzen Tag oder länger unterwegs sein.

Touristen habe ich im Valle de las Ánimas keine gesehen. Das Gebiet wird aber regelmäßig von Bauern durchstreift, die auf dem Weg zu ihren winzigen Feldern sind, die hier überall verstreut zwischen den Felsnadeln an den kargen steilen Hügelhängen geklebt sind. Daher findet man hier auch viele unmarkierte schmale Pfade, die oft nur wenig und in den Canyons meistens garnicht mehr erkennbar sind.

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Mit meinen Google-Maps Satellitenbildausdrucken wußte ich zwar immer wo ich gerade bin, aber trotzdem kam es immer wieder vor daß ich mich in dem steilen unübersichtlichen Gelände festgelaufen habe. Aus einigen Canyons gab es keine Ausstiegsrouten und von einigen Pässen/Bergrücken fiel der Abstieg vertikal ab. Das heißt also ich endete öfters mal in Sackgassen, musste wieder umkehren um mir eine andere Route zu suchen und das kostete natürlich Zeit.

Aufgrund meines späten Starts hatte ich bis zum Abend natürlich nicht alles von meiner geplanten Route geschafft. Da es bald anfing dunkel zu werden bin ich am Rio Ovejuyo erstmal ausgestiegen und zurück in die Stadt gefahren. Am nächsten Tag wollte ich dann den Rest wandern.

Der Wiedereinstieg am nächsten Tag hat sich jedoch mal wieder verzögert. Am Vormittag musste ich noch die bestellten IGM-Karten von meinen nächsten Treks abholen und das hat etwas länger gedauert. Naja, gegen 14 Uhr war ich dann wieder am Rio Ovejuyo.

An diesem Tag habe ich nur eine relativ kleine Runde gedreht. Bin auf den Bergrücken zwischen Rio Ovejuyo und Quebrada Negra gestiegen und über einen anderen Canyon wieder zurückgewandert. Ursprünglich wollte ich zwar in die Quebrada Negra absteigen, aber aufgrund vertikaler Felsabstürze habe ich da keine Abstiegsroute gefunden. Naja, die Aussicht hier oben vom Bergrücken war dennoch absolut atemberaubend und zählt mit zu den Höhepunkten der gesamten Wanderung. Überhaupt finde ich dass diese Wanderung mit zu den besten Tageswanderungen zählt die ich jemals gemacht habe.

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Vom Bergkamm blickte man runter in das bizarre kurvige Canyonlabyrinth

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Meine gesamte Wanderroute (von heute und gestern zusammen) war etwa 16 bis 17 km lang und hat zehneinhalb Stunden gedauert.
In den zehneinhalb Stunden waren enthalten:
1) die Wanderzeit
2) genügend Zeit zum Gegend anschauen und fotografieren. Hammer Fotomotive findet man hier nämlich fast jeden Meter.
3) wie schon oben erwähnt die benötigte Zeit für Routenauskundschaftung.

Die Rückfahrt vom Stadtteil Ovejuyo ins Zentrum von La Paz dauert, wie die Hinfahrt auch, etwa eine Stunde. Micros fahren permanent, man braucht sich nur an den Straßenrand zu stellen und das nächste vorbeikommende Fahrzeug anhalten. Der Preis beträgt umgerechnet zwischen 15 bis 20 Cent pro Fahrt.

bernieHH
05.09.2011, 21:59
Trek 9

Mapiri Trek // Bolivien

6 Tage

Oktober 2010

Der Mapiri Trek ist Abenteuer pur. Von allen Treks die im Bolivienbuch von Lonely Planet stehen ist dieser Trek wohl der härteste aber meiner Meinung nach auch der lohnenste. Es ist ein phantastischer Trek, der von den Anden runter in den Regenwald führt.
www.trekking.magix.net (http://www.trekking.magix.net)

Aber der Reihe nach:
Einen Tag nach meiner Wanderung durch das Valle de las Ánimas ist Jewgenij zum Flughafen gefahren um seinen Heimflug anzutreten. Ich habe am Morgen noch die letzten Besorgungen für den Mapiri Trek erledigt und dann bin ich auch abgehauen nach Sorata, das liegt 3 Stunden Busfahrt von La Paz entfernt. Am Nachmittag kam ich dort an.

Sorata ist eine kleine und bei Rucksacktouristen beliebte Stadt am Fuße des vergletscherten Nevado Illampu in der Cordillera Real. Da es bewölkt war sah man vom Berg aber leider nichts. Bis zum kleinen Dorf Ingenio, wo der Mapiri Trek startet, sind es noch über 3 Stunden Geländewagenfahrt von Sorata entfernt. Das nächste Fahrzeug fährt aber erst am nächsten Morgen dorthin, so habe ich mich hier in Sorata in einer billigen Unterkunft einquartiert.

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Gegen 9 Uhr am Morgen fuhr der Geländewagen ab. Die Fahrt kostete umgerechnet etwa 4 Euro pro Person. Die schmale holperige Piste windete sich durch die karge Gebirgslanschaft und über 2 Pässe. Die Landschaft ist vermutlich beeindruckend, aber wegen Wolken und Nebel sah man leider nichts. Die Fahrt führte durch einige triste Bergdörfer mit einem Hauch von Minenatmosphäre.

Mittags kam ich in Ingenio an, einem Minendorf im Tal des Rio Yani auf 3500 m Höhe. Hier habe ich dann noch einige Einheimische von meinem Vorhaben erzählt, in der Hoffnung vielleicht noch einige nützliche Informationen über den Mapiri Trek zu erhalten. Ich hatte nämlich kein GPS-Gerät dabei und nur eine sehr schlechte 250.000er Karte auf der die Route noch nicht einmal eingezeichnet war. Bessere Karten waren in La Paz von dieser Gegend nämlich nicht zu bekommen.
Von den Leuten die ich befragt hatte ist ganz sicher noch nie jemand persönlich diese Route gegangen, aber trotzdem schien sie jeder zu kennen, denn es hagelte nur so vor Warnungen: Ich würde den Pfad alleine ohne Führer niemals finden, der Regenwald ist viel zu dicht, der Weg ist zugewachsen, man braucht eine Machete, es gibt gefährliche Tiere, und und und......

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Ingenio ist nicht gerade ein Dorf in dem ich mich unnötig lange aufhalten möchte und eigentlich wollte ich auch gleich loswandern. Weil es aber schon recht spät war und das Wetter schlecht, entschied ich mich hier für die Nacht zu bleiben und erst morgen früh zu starten. Am Ortsrand wild campen wollte ich aus Sicherheitsgründen jedoch nicht, also habe ich mich auf die Suche nach einer Unterkunft gemacht.

In den Fotokopien, die ich mir vor der Reise aus dem Lonely Planet gemacht hatte, den ich aus der Bücherei in Hamburg geliehen hatte, stand daß es hier ein paar einfache Unterkünfte geben sollte. Davon habe ich aber keine gefunden.

Einheimische, die ich auf der Straße befragt hatte, wiesen mir zu einer ominösen Unterkunft, angeblich der einzigsten hier im Ort. Ein Schild stand da schonmal nicht, von aussen war also nicht erkennbar dass dies eine Unterkunft sein sollte. Nachdem ich die Betreiberin ausfindig gemacht hatte, checkte ich hier ein. Das war die schlechteste Unterkunft auf meiner gesamten Reise und absolut nicht zu empfehlen!
Es gab hier keine Toilette und eine Dusche schon mal garnicht, sogar noch nicht mal ein Wasserhahn zum waschen. Zum kacken musste man 20 m den Hang runter zum Fluss, dort lag alles voller Müll und man musste aufpassen daß man nicht in die ¤*#¤*#¤*#¤*#¤*#¤*#¤*# von anderen Leuten tritt die hier auch überall zwischen den Müll herumlag.

Schlimmer fand ich jedoch daß die Zimmertür nicht abschließbar war. Es gab keinen Schlüssel dafür und es befanden sich auch keine Haken an der Tür wo ich mein eigenes Schloss hätte anbringen können. Eine nicht abschliessbare Zimmertür wäre ja noch akzeptabel solange das Zimmer zu einem Hausflur führt. Aber die Zimmertür führte direkt nach draußen zur Straße und sowas geht gar nicht, da hätte jeder Dorfbewohner von der Straße aus direkt ins Zimmer kommen können.
Die Betreiberin meinte zwar da wird schon keiner reinkommen, aber getraut habe ich der Sache nicht und ich fühlte mich jedesmal unwohl dabei wenn ich draußen rumspazierte und im Zimmer mein vollbepackter Rucksack stand.

Für diese Bruchbude wollte die Betreiberin 20 Bolivianos pro Übernachtung haben.
Das sind zwar nur umgerechnet zwei Euro, aber in Mapiri habe ich für den gleichen Preis ein ordentliches Zimmer mit Badbenutzung und Dusche bekommen und in Sorata für nur 5 Bolivianos mehr ein richtiges Luxuszimmer.

Am späten Abend als ich schon kurz vor dem Einschlafen war kamen plötzlich zwei einheimische Männer ins Zimmer rein und legten sich in die beiden freien Betten, die sich noch in dem Zimmer befanden, zum schlafen. Ich habe sie nur kurz gegrüßt und sonst nicht viel mehr gesagt weil ich müde war, vermutlich waren es Minenarbeiter. Als ich am nächsten morgen aufstand waren sie schon längst wieder weg.

Nach dem Frühstück wanderte ich dann endlich los. Am Dorfrand verließ ich den Fahrweg, querte auf einer primitiven Brücke rüber zur anderen Flußseite wo ich auf einen wenig begangenen Pfad stieß, dem Beginn des Mapiri Treks. Der Pfad folgt für ein Stück den Fluß abwärts und biegt dann nach links in ein sehr enges Gebirgstal rein.

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Der MAPIRI TREK ist ein über 1000 Jahre alter Pfad aus der Vor-Inkazeit, der heute von den Einheimischen so gut wie nicht mehr benutzt wird. Die Route führt von den Anden runter in den Regenwald.
Im Unterschied zum El Choro Trek, der durch Dörfer und an bewohnte Hütten vorbeiführt, führt der Mapiri Trek weitgehend durch unbewohnte Wildnis. In den gesamten 6 Tagen dieses Treks habe ich keine einzigen Menschen gesehen und bin auch an keiner bewohnten Hütte vorbeigekommen.

Der Pfad führt hoch zum ersten Pass auf etwa 4000 m Höhe und bleibt dann für die nächsten zwei Tage in der alpinen Tussokgraszone oberhalb der Waldgrenze, dabei ständig leicht rauf und runter über mehrere kleine Pässe und oben die Bergkämme entlang.

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Im Gegensatz zum El Choro Trek, der ganz am Anfang über einen Pass führt aber sonst bis zum Ende nur unten im Tal verläuft, bleibt der Mapiri Trek auf seiner gesamten Länge oben auf den Bergkämmen, wobei sich natürlich super Blicke runter in die Täler bieten, falls mal keine Wolken die Sicht versperren, was in dieser Gegend aber ziemlich häufig der Fall ist.
Die meiste Zeit während der ersten zweieinhalb Trekkingtage befand ich mich im wahrsten Sinne des Wortes über den Wolken mit permanent atemberaubende Panoramen und Fotomotive vom unter mir liegenden Wolkenmeer, das die tiefen Regenwaldtäler darunter verdeckte.

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Paar Rinder weideten hier, also scheinen hin und wieder mal Hirten hier hochzukommen. Die Route wirkte zwar kaum begangen, aber die Konturen und die Steinarbeiten dieses über 1000 Jahre alten Pfades waren noch gut zu erkennen. Die Orientierung war daher nicht allzu schwierig, jedenfalls hier am Anfang noch.

An paar Stellen gab es zwar Pfadabzweigungen oder der Weg war zeitweise gar nicht mehr erkennbar, dann habe ich halt mit Hilfe der Karte überlegt wo ungefähr der Weg weiterverlaufen könnte, und so habe ich die richtige Route immer wieder gefunden.

Als ich am Abend des ersten Tages meinen Rucksack ablegte um die Gegend nach einer Campmöglichkeit abzusuchen kam da ein Fuchs an, der mich und meinen Rucksack ständig mit etwas Abstand umkreist hat und dabei langsam immer näher rankam. Ob er hungrig war und an mir oder meinen Gepäck Essen witterte??Am Anfang fand ich das noch interessant wegen Fotos schiessen, dann wurde er aber immer aufdringlicher und ließ sich schwer verscheuchen. Aber irgendwann hatte er wohl das Interesse verloren und verschwand.

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Am zweiten Tag erreichte ich eine Orientierungs-Schlüsselstelle, nämlich die Stelle wo der Mapiri Trek auf einer kleinen flachen Senke diesen Hauptbergkamm verlässt und nach Nordosten auf einen Nebenbergkamm zweigt um diesen dann für die nächsten paar Tage bis runter nach Mapiri abwärts zu folgen. Das Ding war aber daß der Weg hier auf dieser Senke nicht mehr erkennbar war, und bei Nebel ist sogar noch nichtmal erkennbar daß hier überhaupt eine Kammverzweigung ist. Wenn man das nicht weiss wird man wahrscheinlich hier die Route verlieren und auch nicht mehr wiederfinden.

Nachdem ich ein Stückchen auf diesen Nebenbergkamm gewandert bin fand ich die Route zwar wieder, aber ab hier sah der Pfad aus als ob seit Monaten niemand mehr hier durchgekommen ist. Am Abend errichtete ich mein Camp auf einer etwas feuchten Grassenke beim Paso Tolapampa auf etwa 3500 m Höhe.

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Blick ins Tal des Rio Corijahuira

Ich fing an mir ernsthaft Sorgen zu machen, denn morgen wird es in den Regenwald gehen. Wenn der Weg so wenig begangen wird, fürchtete ich daß er im Regenwald womöglich ganz zugewachsen sein könnte und daß es da kein Durchkommen mehr geben wird. Erinnerungen werden wach von meinem Trek durch die Cordillera Real vor über zwei Monaten, da war es genauso. (siehe Bericht vom Trek Nr. 3). Dann könnte ich in einer Sackgasse enden und es wird nur einen Weg geben: nämlich wieder ganz zurück zu wandern, genau wie vor zwei Monaten auch!

Am nächsten Vormittag, also dem dritten Trekkingtag, gings noch für die ersten zwei Stunden bei strahlend blauen Himmel oben die grasigen Kämme entlang, während unter mir wie aus weiss-grauer Watte das Wolkenmeer lag. Dann tauchte ich irgendwann in die Wolkendecke ein und befand mich plötzlich im spektakulärsten Nebelwald den man sich vorstellen kann!

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Der Pfad war zwar ziemlich zugewachsen und bestimmt ist hier in den letzten Monaten niemand vorbeigekommen, aber dennoch war der Pfad begehbar und nicht so schlimm wie auf meiner Route vor zwei Monaten. Meine Befürchtungen haben sich also glücklicherweise nicht bestätigt.

Die nächsten zweieinhalb Tage gings dann durch diesen phantastischen Bergregenwald im ständigen rauf und runter oben auf den Kämmen der Cuesta de Amargura entlang, dabei ständig an Höhe verlierend, die meiste Zeit im Nebel, nur paarmal gaben die Wolken den Blick in die Täler frei. Das waren zwei Tage hartes Gezwänge und Geplackere durch klitschenassen Busch!!

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Im Lonely Planet steht dass für diesen Trek eine Machete notwendig ist, daß man mit ziemlicher Sicherheit einen Führer benötigen wird und insgesamt wird die Tour als sehr abenteuerlich beschrieben und so wie es dort drinsteht war es dann auch.

Das besondere am Mapiri Trek, was ihn von anderen Regenwaldtreks unterscheidet, sind diese zahlreichen engen "Moostunnel" die sich teils hunderte von Metern lang in Serpentinen die bewaldeten Bergkämme entlangschrauben. Das sind bis zu mehrere Meter tiefe und über die Jahrhunderte vom Regen ausgewaschene Rinnen durch die man hier auf weite Strecken wandert, dessen Seitenwände heute dick bemoost sind. Oben sind diese Rinnen oft komplett mit undurchdringlichsten Dschungel und zahlreiche bemooste Baumstaemme zugedeckt, man wandert hier quasi unter den Regenwald hindurch!!!

Manchmal konnte man aufrecht durch diese Tunnel gehen, oft aber nur in gebückter Haltung. Sehr oft musste ich auch auf Knien kriechen, in einigen Tunneln bis zu 20 m am Stück auf den Knien kriechend natürlich alles mit schweren Rucksack auf dem Rücken! An paar Stellen gings auch nur auf dem Bauch zwängend da durch, selbstverständlich alles im Wasser und Matsch, aber ich war ja eh schon bis auf die Haut durchnässt und dreckig bis zum gehtnichtmehr. Diese Route ist nichts für Leute mit Platzangst!

Das Wandern oder Kriechen durch diese Rinnen hier ist nicht wie auf diesen ausgewaschenen und erodierten vielbegangenen Pfaden die ich schon öfters auf anderen Routen gesehen habe und die ich eher als unattraktive Wege empfinde.
Die Rinnen und Tunnel hier am Mapiri Trek sind hart aber absolut genial, die würde ich sogar als Markenzeichen dieses Treks bezeichnen!

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Wenn es nicht durch die Rinnen geht, tunnelte sich der mit Kleingestrüpp zugewachsene Pfad durch dichtesten Moosregenwald, der so undurchdringlich ist daß man wenn der Pfad nicht wäre, ohne Machete keinen einzigen Meter vorwärts kommen würde.

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Bäche findet man hier so gut wie keine. Als Trinkwasserquelle muss man sich mit stehende Tümpel und kleine Wasserlöcher begnügen, die man in einer regenreichen Periode zahlreich entlang der Route finden wird. Und geregnet hat es hier viel!!

Ich habe hier Tage erlebt wo es wirklich für viele Stunden am Stück Wasserfälle geregnet hat, der Pfad wurde dann zum Bach, da habe ich natürlich im Zelt gewartet. Zwar hörte der Regen meistens nach paar Stunden wieder auf aber auch danach war noch die komplette Vegetation triefnass und in den Tunneln tropfte es nur so. Obwohl ich also erst nach dem Regen loswanderte war ich schon nach kürzester Zeit bis auf die Haut durchnässt, genauso als ob ich im strömenden Regen wandern würde. An einigen Tagen bin ich daher nur 4 bis 5 Stunden gewandert.

Es waren sehr anstrengende Tage, permanent kriechen, unter Baumstämme hindurch oder darüberhinweg, durch Vegetation zwängen, ich war ständig am fluchen und hoffen dass es bald aufhöre und das Gelände leichter wird. Es ging aber zwei Tage so weiter und im Nachhinein war es natürlich doch ein sehr lohnendes Abenteuer auf einer absolut grandiosen Trekkingroute!! Falls hier aber in der nächsten Zeit nicht in einigermaßen regelmäßigen Abständen einige Trekker mit Führer und Machete vorbeikommen sollten, oder nicht sonst irgend jemand mit Machete um etwas Hackarbeit zu leisen, dann gebe ich den Mapiri Trek noch maximal paar Jahre bis er zur unpassierbarkeit zugewachsen sein wird!!!!

Bei meinem fünften Camp befand ich mich nur noch auf 1600 m Höhe. Das Klima wurde zunehmend tropischer und die Vegetation änderte sich ganz langsam vom Bergregenwald zu mehr Tieflanddschungel hin.

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Am Morgen des 6. Tages öffnete sich der Regenwald zu viele offene grasige Flächen die den Kamm bedeckten und die durch menschliche Brandrohdungsaktivität entstanden sind. Relativ frische Feuerstellen und sonstige menschliche Anzeichen verraten, daß ab hier nun öfters wieder Bauern hochkommen, wahrscheinlich aus den Dörfern um Mapiri.

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Mein letzter Wandertag auf dem Mapiri Trek führte mich für über 20 km in der prallen Sonne bei unerträglicher Hitze und ohne einen Tropfen Wasser am Wegrand zu finden weiter den Bergkamm entlang bis ich auf die Fahrpiste von Mapiri nach Guanay stieß. Es sind noch 10 bis 15 km bis Mapiri, ich versuchte zu trampen. Nach kurzer Zeit kam ein Lastwagen vorbei der mich hinten auf der Ladefläche zwischen stinkenden Benzinfässern mitnahm. Dies waren die ersten Menschen, die ich seit dem Trekkingstart vor 6 Tagen getroffen habe.

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Mapiri ist ein einfacher kleiner Ort auf nur noch 760 m Höhe an einen Fluss gelegen, mit rauhe Schotterpisten, tropisch heissem Klima und laute Urwaldgeräusche.
Ich quartierte mich in einer billigen Unterkunft ein.

Am nächsten Tag wollte ich zurück nach La Paz. Die Fahrzeit von Mapiri nach La Paz beträgt 12 Stunden, aber es gibt keinen durchgängigen Transport.
Die erste Etappe führte in einem Geländewagen nach Guanay. Ich fand am Morgen auch schnell ein Fahrzeug das dorthinfährt. Es ging auf einer abenteuerlichen Piste durch eine wilde Urwaldlandschaft aus steile Hügel und mit Dörfer aus traditionelle strohdachgedeckte Hütten. Einige unüberbrückte Flüsse mussten durchfahren werden.
Normalerweise wären es 3 Stunden Fahrt nach Guanay gewesen. Wir haben aber fast 5 gebraucht, denn unser Fahrzeug bekam unterwegs einen Platten. Eigentlich wäre das nicht so schlimm, das Problem war jedoch daß der Reservereifen nur halb aufgepumpt war. Das heisst also daß es nach der Weiterfahrt nicht lange dauerte bis auch der Reservereifen einen Platten bekam. Wegen fehlendem Flick-Werkzeug sowie nicht vorhandenen zweiten Reservereifen holperte der Fahrer danach trotz Platten weiter. Paar Kilometer später hatte sich der Reifen komplett von der Felge gelöst und das Fahrzeug holperte dann nur noch auf der Felge weiter, die sich dabei immer mehr verbog und verformte und zum Schluss komplett schrottreif und absolut nicht mehr brauchbar war.

Wir erreichten ein kleines Dorf und stoppten bei einer Hütte, anscheinend wohnte hier der Fahrer. Seine Frau bot Getränke an, während er hinter der Hütte verschwand und kurz darauf mit einem neuen und gut aufgepumpten Reservereifen zurückkam. Es dauerte dann nicht mehr lange bis die Fahrt weitergehen konnte.

Guanay ist eine kleine Goldgräberstadt mit reichlich Wildwestatmosphäre. Ich dachte noch daß dies kein unattraktiver Ort wäre um für eine Übernachtung zu bleiben, dann fand sich jedoch unerwartet schnell ein weiteres Geländefahrzeug das in die zwei Stunden entfernte Stadt Caranavi fahren wollte. Der Fahrer wollte auch gleich los, so daß ich nichtmal Zeit hatte mein Mittag zuende zu essen.

Von Caranavi fuhr ein Bus weiter nach La Paz, das noch 5 bis 6 Stunden entfernt liegt. Die schmale Piste windete sich oben die steilen Berghänge entlang in ein dramatisches Regenwald-Schluchttal hinein. In Coroico begann die Asphaltstraße und ab hier wurde es auch dunkel. Hier war ja vor einer Woche noch die Straßenblockade aber nun war die Strecke wieder frei. Gegen 22 Uhr erreichte ich La Paz

bernieHH
05.09.2011, 22:01
Trek 10

Serranias Volcanes// Bolivien

Tageswanderung

4.November 2010

Mit den bolivianischen und peruanischen Anden bin ich nun durch. Bevor ich Bolivien verlasse, wollte ich aber noch einen Regenwaldtrek machen. Ursprünglich hatte ich ja zwei Regenwaldtreks geplant, einen im Madidi- und den zweiten im Ambóro Nationalpark. Aus Zeitgründen und weil ich fürchtete daß sonst meine Zeit in Patagonien zu knapp werden könnte, musste einer leider wegfallen.

Ich entschied mich schließlich für den Ambóro Nationalpark in der Nähe von Santa Cruz. Um nach dem Trek nicht wieder ganz zurück nach La Paz zu müssen, wollte ich meinen ganzen Krempel nach Santa Cruz mitnehmen und am Ende des Treks von dort aus direkt weiter nach Argentinien reisen.

Von La Paz nahm ich den Nachtbus nach Santa Cruz, wo ich nach 15-stündiger Fahrt am darauffolgenden Morgen ankam. Ich checkte mich erstmal in einer billigen Unterkunft ein.

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Santa Cruz

Santa Cruz liegt im bolivianischen Tiefland. Es ist die zweitgrößte Stadt des Landes, vielleicht auch schon die größte und es ist kein Geheimnis daß diese Wirtschaftsmetropole und Boomtown Boliviens, deren Einwohnerzahl sich in den letzten 30 bis 40 Jahren verzehnfacht hat, wohl auch als Hauptdrogenumschlagsplatz gilt. Santa Cruz ist zwar nicht unbedingt häßlich, aber bei weitem auch nicht so sehenswert wie La Paz. Es ist eine Stadt mit tropisch heißem Klima umgeben von Zuckerrohrfeldern und Rinderweideland. Um ursprünglichen Regenwald zu sehen muß man schon 50 Kilometer weiterfahren. Santa Cruz an sich ist meiner Meinung nach keinen Besuch wert. Ich finde die Stadt ist nur gut für die Durchreise oder als Ausgangsbasis für Regenwaldtreks.

Mein Trek sollte maximal 12 Tage dauern und durch die weglose Regenwaldwildnis des Ambóro Nationalparks führen. Der Startpunkt sollte beim Dorf Bermejo liegen, etwa 85 Kilometer von Santa Cruz.
Vor meinem Trekkingstart wollte ich aber noch eine Tageswanderung machen durch die Serranias Volcanes bei Bermejo. Dort liegt eine spektakuläre Landschaft aus rötliche Fels- und Tafelberge, die von Dschungel überzogen sind, direkt am Südrand des Ambóro Nationalparks.

Für die Tageswanderung hätte ich aber gerne noch paar nützliche Informationen bzw. Anregungen oder Routenideen gehabt. Meine 10-tägige Trekkingtour war ja dagegen schon fertig geplant, dafür brauchte ich keine Info´s mehr, bzw. habe auch nicht erwartet für eine derartige Tour Info´s in einem Rangerbüro zu bekommen.

Aus Jewgenij´s Reise-Know-How Ausgabe hatte ich mir eine Adresse in Santa Cruz rauskopiert, bei der man angeblich nützliche Informationen über den Ambóro Nationalpark erhalten kann. Diese Adresse lag am Stadtrand und dort bin ich dann auch hingefahren, ich dachte vielleicht haben die ja auch eine Karte mit eingezeichnete Pfade durch die Serranias Volcanes.
Dort angekommen erfuhr ich dann daß sie hier nur für den Noel Kempff Mercado National Park zuständig sind und nicht für den Ambóro. Die freundliche Dame am Empfang gab mir aber eine andere Adresse, wo ich meine gewünschten Informationen erhalten könne. Ich mußte also wieder mit öffentlichen Bussen durch die halbe Stadt düsen, denn die neue Adresse lag natürlich ganz woanders. Zwar war ich dort wohl richtig, aber anstatt Info´s zu geben wurde nur versucht mir ein Komplettpaket zu verkaufen mit Unterkunft in einer Lodge, Vollpension und geführter Wanderung. Irgendwann bin ich dann gegangen, natürlich ohne was gebucht zu haben, aber auch ohne Info´s bekommen zu haben. Geärgert hatte ich mir schon daß ich 3 Stunden Zeit deswegen verloren hatte, dafür bin ich aber um die Erfahrung reicher geworden, daß man zu bolivianischen Nationalpark-Infostellen nicht mehr hinzugehen braucht.

Während der restlichen Zeit des Tages habe ich im Supermarkt meinen Trekkingproviant für 12 Tage eingekauft. Am nächsten Morgen habe ich das erste Taxi nach Bermejo genommen, Busse fuhren an diesem Tag keine. Die andertalb stündige Taxifahrt hat umgerechnet etwa 3 Euro pro Person gekostet.

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In Bermejo checkte ich mich als einzigster Gast in Ginger´s Paradise ein. Das ist eine einfache Backpackersunterkunft abseits der Straße, die in einen 5 bis 10 minütigen Fußmarsch erreichbar ist, traumhaft schön in der Natur gelegen. Der Betreiber Cristobal stammt ursprünglich aus den USA und spricht demzufolge gut englisch. Er lebt hier zusammen mit seiner bolivianischen Frau und den drei Kindern. Als Gast hat man hier die Möglichkeit im Gästehaus zu übernachten oder zu campen, ich entschied mich für´s campen.

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Als ich Cristobal von meinem Plan erzählte über zehn Tage alleine weglos durch die Regenwälder wandern zu wollen, äußerte er sich sehr skeptisch über mein Vorhaben. Solche Treks macht normalerweise keiner hier. Er erzählte daß vor über zehn Jahren mal eine Expedition eine 20 tägige Durchquerung durch den Ambóro Nationalpark vorgenommen hat, die hatten aber ein Hackteam mit Macheten dabei.
Cristobal meinte ich werde nicht weit kommen da der Wald zu dicht ist und voll mit unpassierbaren Schluchten. Ich werde unbedingt eine Machete brauchen und er war sogar bereit mir seine zu verkaufen. Aber ich wollte die nicht haben, denn ich glaube nicht an die Theorie daß man für weglose Durchquerungen tropischer Wälder unbedingt eine braucht. Auf meinen zahlreichen langen Solo-Durchquerungen tropischer Regenwälder, vor allem in Südost Asien, hatte ich nie eine Machete dabei, auch wenn mir manchmal Einheimische vor der Tour unbedingt dazu rieten.
Die Energie, die man benötigen wird um mit der Machete den Weg freizuhacken, nutze ich lieber anderweitig, nämlich hauptsächlich damit mir so durch den Wald zu zwängen bzw. mir unter Einbeziehung der örtlichen Geländegegebenheiten eine Route des geringstmöglichen Widerstandes zu suchen.
Wenn ein Wald wirklich fast undurchdringlich sein sollte, was durchaus vorkommen kann wie ich selber auch schon gesehen habe, dann ist er es, egal ob mit oder ohne Machete.

Der Ambóro Nationalpark ist eine über 6000 Quadratkilometer große Regenwaldwildnis am Rande des Bolivianischen Tieflandes in den ersten Andenausläufern gelegen. Der Park ist bei Touristen sehr beliebt. Der Reise-Know-How schreibt sogar daß dies einer der schönsten Nationalparks der Erde sein soll. Die touristischen Aktivitäten beschränken sich jedoch nur auf die Randgebiete, mit Samaipata und Buena Vista als Haupausgangspunkte. Auch hier bei Bermejo, im winzigen Reservat Refugio Los Volcanes, gibt es eine touristische Infrastruktur, die allerdings hauptsächlich auf organisierten Regenwald-Pauschaltourismus ausgerichtet ist.

Der gesamte Rest des Parks wird kaum jemals von Menschen besucht, ist also noch völlig unerschlossen und unbewohnt und das ist es was mich reizte.

Cristobal nannte mir den Namen einer Stelle die tief versteckt im Dschungel liegt und die irgendeine mystische Bedeutung haben sollte. Er selbst war zwar noch nie dort, er meinte aber daß es nur noch ein Mensch geben soll der den Weg dorthin kennt und das ist ein älterer Mann hier aus der Nähe. Ein Gespräch mit dem Mann könne mir vielleicht nützlich sein, glaubte Cristobal, er bot an mich mit ihm bekannt zu machen. Da ich aber der Meinung war daß mich das auch nicht wirklich weiterbringen wird, sondern ich nur noch einen extra Tag Zeit dadurch verliere, verzichtete ich. An meinen ursprünglichen Plan morgen früh mit meinen Trek zu starten wollte ich auf jeden Fall festhalten.

Nach dem Mittagessen bin ich dann mit meiner Tageswanderung gestartet, nur mit einer sehr schlechten 1:250.000er Karte und ohne ausreichend Info´s. Cristobal empfiel mir das Tal des Rio Colorado aufwärtszuwandern um dann einen bestimmten Bergrücken hochzusteigen wo er vor Jahren mal einen Pfad mit der Machete hochgehackt hat. Er wisse aber nicht ob der Pfad jetzt noch begehbar ist oder inzwischen schon wieder zugewachsen. Auf einem Blatt Papier zeichnete er eine grobe Skizze wie ich den Einstieg finden kann.

Direkt von Bermejo führt das Tal des Rio Colorado in die Serranias Volcanes rein. Es war leichtes wegloses Flussbettwandern und teilweise immer mal wieder auf gut erkennbare Pfade die seitlich des Flussbettes durch den Busch führten. Da die Regenzeit noch nicht eingesetzt hat und in diesem Jahr die Trockenzeit besonders lang und trocken war, führt der Fluss nur wenig Wasser.

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Auf meiner heutigen Wanderung komme ich noch nicht in die unbewohnte Wildnis. Das Gebiet hier in der Randzone des Nationalparks wird von Bauern aus Bermejo genutzt, sie lassen hier ihr Vieh weiden und bewirtschaften ihre kleinen Buschgärten im Dschungel. Unmarkierte schmale Pfade findet man daher reichlich.

Nach 4 bis 5 Kilometer gabelt sich der Fluss, links führt der Rio Colorado weiter aufwärts und von rechts kommt der Rio Elvira. Den Einstieg von Cristobal´s angeblichen Pfad habe ich natürlich nicht gefunden. Morgen werde ich auf meinen Trek nach links den Rio Colorado weiter aufwärtswandern, aber heute biege ich nach rechts in den Rio Elvira. Ich wander weglos im Flussbett und später dann für den Rest der Wanderung auf Pfade die ich zufällig fand.

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Mein Ziel war es irgendwo hochzusteigen für ein super Foto-Panorama auf die spektakulären Felsberge der Serranias Volcanes. Daß dafür im Prinzip nur der Cerro Cantera in Frage kommen würde, war mir eigentlich klar. Ich bin aber zunächst mal auf einen anderen Pfad, der auf der gegenüberliegenden Talseite erst einen Bergrücken hochführte und sich dann in ein enges Dschungelschluchttal reinwindete wo er dann im Nichts plötzlich endete.

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Wieder unten am Flussbett fand ich 500 Meter weiter dann einen anderen Pfad der Richtung Cerro Cantera hochzuführen scheint. Am Anfang war der Pfad noch deutlich, weiter oben jedoch immer verwachsener, aber er führte auf den Cerro Cantera.

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Oben stieß ich dann auf den schmalen Fahrweg der von Bermejo ins Refugio Los Volcanes führt. Ich folgte den Fahrweg auf der anderen Bergseite wieder runter nach Bermejo wo ich gegen Abend ankam.

Dies war eine schöne Rundtour von etwa 16 bis 18 Kilometern Länge, davon 12 bis 13 Kilometer auf schmale Pfade bzw. wegloses Flußbettwandern und die restlichen 4 bis 5 Kilometer auf einen Fahrweg.
www.trekking.magix.net

bernieHH
20.09.2011, 07:00
Trek 11

Amboró//Bolivien

9 Tage

November 2010

Wenn ich vorher gewusst hätte was für Schwierigkeiten mich auf diesen Trek erwarten, wäre ich möglicherweise nicht gegangen. Deshalb ist es ganz gut so daß ich nichts gewusst habe, denn sonst hätte nämlich ich einen wirklich hammermäßigen Trek verpasst;-)

Für diesen Trek hatte ich nur eine sehr schlechte 250.000er Karte, die ich mir in La Paz beim Instituto Geografico Militar gekauft hatte. Man kann es absolut vergessen in Santa Cruz Karten für diese Route zu finden.

1. und 2.Tag:
Am Vormittag wanderte ich von Ginger´s Paradise in Bermejo los.

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Die ersten 4 bis 5 Kilometer, bis zur Talgabelung mit dem Rio Elvira, waren identisch mit meiner Tageswanderung von gestern. Danach wanderte ich weiter den Rio Colorado aufwärts, flaches leichtes Flussbettwandern.

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Nach 8 bis 9 Kilometern passierte ich die letzten versteckten Hütten, danach wurde das Tal eng und schluchtig mit spektakuläre rötliche Felsberge. Ich kam nun langsam in die unbewohnte Wildnis. Die Gegend gefiel mir überaus gut!! Nur noch paar Weidelichtungen lagen im Dschungel versteckt und seitlich des Flussbettes verlief manchmal ein gut erkennbarer Pfad.

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Als von links ein kleiner unscheinbarer Nebenbach einmündete schlug ich im dichten Regenwald mein erstes Camp auf. Zahlreiche exotische Vögel schwirrten hier rum, sie bauen hängende Nester in den steilen Felswänden. Auch viele große blaue Schmetterlinge waren während des Tages überall zu sehen.

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Am zweiten Tag verließ ich den Rio Colorado und wanderte den Nebenbach aufwärts. Für die ersten 4 Kilometer ging´s noch auf vage erkennbaren Regenwaldpfad der immer undeutlicher wurde und irgendwann ganz aufhörte. Etwa eine dreiviertel Stunde vom Camp passierte ich die letzte kleine Brandrohdungslichtung. Ab nun kam ich wirklich in die unerschlossene Wildnis und es ist sehr unwahrscheinlich daß ich jetzt noch Leute treffen werde.

Für die nächsten 7 Tage wanderte ich weglos durch eine Mischung aus Tiefland- und Bergregenwäldern zwischen 900 und 1450 m Höhe durch ein steiles Gelände aus vertikale Felsen und Tafelberge zwischen denen Labyrinthe aus kurvige Schluchten eingebettet liegen. In dieser Gegend ist ein sehr langsames Vorwärtskommen vorprogrammiert, aber die Landschaft ist natürlich sensationel!

Drei kleine Pässe habe ich im Verlauf des Treks überquert. Die zu überwindenen Höhenmeter betrugen zwar nur etwa 300 m pro Pass, aber dennoch waren diese Passquerungen keine schnellen Angelegenheiten, sondern verdammt hart und zeitaufwendig. In der Regel haben sie einen ganzen Tag in Anspruch genommen, manchmal sogar noch länger! Es waren Tage dabei wo ich in 9 Stunden
gerade mal 5 km geschafft habe.

Vom Oberlauf des Baches musste ich über die Regenwaldhügel ins nächste Tal gelangen. Dieser erste Pass sah zwar einfach aus, gestaltete sich jedoch wesentlich schwieriger als gedacht durch den dichten Regenwald, der voll war mit Dickicht und Dornengestrüpp. Paarmal lief ich mir fest und mußte wieder umkehren um eine andere Route zu suchen. Dieser Regenwald ist deutlich anstrengender wie auf meinen Touren durch die südostasiatischen Regenwälder.

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Auf der anderen Seite des Passes kam ich in eine mit Dschungel verwachsene Bachrinne, die laut Karte ins Tal des Rio Barrientos hinabführt. Dort wollte ich hin und hoffte noch heute den Rio Barrientos zu erreichen.

Als ich mal kurz Pause machte sah ich daß sich auf meinem daypack ein Grashalm zu bewegen begann. Beim näheren Hinschauen bemerkte ich daß es gar kein Grashalm war, sondern ein Tier, das perfekt getarnt wie ein Grashalm aussah. Unglaublich was es alles im Regenwald gibt;-)

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Sehr weit kam ich heute aber nicht mehr. Die Bachrinne wurde schluchtiger und fiel dann urplötzlich in einer vertikalen Felsstufe etwa 50 Meter tief ab. Ein Abstieg war unmöglich und hier endete ich dann erstmal in einer Sackgasse. Nach einer Weile Auskundschaftung blieb mir nichts anderes übrig als mir hier, eingepfercht im dichten Regenwald, mein Camp für die Nacht zurecht zu machen.

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3. und 4.Tag:
Heute galt es eine Route nach unten zu finden, ich musste unbedingt die Steilstufe runterkommen um meinen Trek fortsetzen zu können!
Es ist aber kaum zu glauben, ich habe sage und schreibe über 13 Stunden gebraucht, also fast zwei volle Wandertage, um eine Route zum Rio Barrientos zu finden, der höchstens 2 Kilometer Luftlinie von meinem Camp entfernt war!
Verschiedene Auskundschaftungsversuche sind fehlgeschlagen.

Am Morgen versuchte ich erst die rechte Talseite. Irgendwann kam ich nicht mehr weiter und kehrte wieder um. Nach 1h20 war ich wieder beim Camp. Danach plackerte ich mich auf der anderen Talseite die Hügelhänge entlang durchs Dickicht, endete aber bei Abstiegsversuchen immer wieder an der vertikalen Abbruckkante, die sich ziemlich lang hinzuziehen scheint. Dann gab ich auch hier auf und war nach weiteren viereinhalb Stunden wieder zurück beim Camp. Meine Motivation war so ziemlich den Bach runter und ich dachte daß mein Trek hier schon vorzeitig beendet ist. Obwohl erst früher Nachmittag war schlug ich an der gleichen Stelle mein Camp wieder auf. Ich machte mir einen gemütlichen Rest des Tages und verschob das Problem erstmal auf morgen.

Der nächste Tag war dann im Endeffekt erfolgreicher. Ich stieg orographisch rechts über einen Urwaldbergkamm (Pass Nr. 2) ins Paralleltal um von dort aus zum Rio Barrientos zu gelangen. Aber auch diese Route war alles andere als einfach!! Oben auf dem Kamm erschwerte undurchdringliches Dickicht und eine 10 m hohe Steilstufe das Vorwärtskommen. Auf der anderen Pass-Seite gings den Regenwaldhang runter und ein Stückchen weiter unten stellte ich dann mit Erschrecken fest daß auch dieses Tal in eine steile Schlucht abfällt in die ein Abstieg unmöglich ist. Ich plackerte mich durch den Dschungel oberhalb der vertikalen Abbruchkante entlang bis diese Schlucht ins Tal des Rio Barrientos einmündet.

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Der Rio Barrientos fließt ebenfalls durch ein etwa 200 Meter tiefes Schluchttal. Ich habe das Gebiet total unterschätzt. Das ganze Gelände hier ist in Wirklichkeit wesentlich steiler und verschluchteter wie es bei meiner Routenplanung von zu Hause aus auf Google Earth ausgesehen hat!! Auch auf den Google-Bildern meiner Webseite ist nicht erkennbar daß das Gelände derart verschluchtet ist!
www.trekking.magix.net (http://www.trekking.magix.net)

Auf einen sehr steilen Waldrücken zwischen zwei Vertikalabstürze fand ich eine Abstiegsroute runter zum Fluss. An den Ästen festhaltend hangelte und kletterte ich da runter. Ich habe aber erstmal ohne Gepäck eine Route ausgekundschaftet und zusammen mit der Auskundschaftung habe ich 2 bis 3 Stunden für diesen nur 200 Höhenmeter Abstieg gebraucht. Unten habe ich mir dann erstmal ein erfrischendes Bad im Fluß gegönnt.

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Ab hier wanderte ich weglos im Flussbett schluchtabwärts. Große Felsbrocken und tiefe Flusspools erschwerten das Vorwärtskommen enorm. Der Fluß musste ständig hin- und hergequert werden. Dieses Tal ist wesentlich anstrengender wie der Rio Colorado. Nach nur anderthalb Kilometern war dann Schluss. Das Fluss führte durch eine sehr enge Felsschlucht, die nur schwimmend durchquerbar wäre.

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Da ich mein Gepäck hier niemals trocken durchbekommen würde und ein Überklettern ziemlich unmöglich aussah, kehrte ich wieder um und stieg ein Stückchen weiter auf einen sehr steilen Hügel um einen Überblick auf die Umgebung zu bekommen.

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Das sah aber alles nicht gut aus! Für die nächsten paar Kilometer flußabwärts sieht das Gelände extrem verschluchtet aus und danach vermutete ich eine vertikale Abbruchkante mit Wasserfall, die nicht oder nur sehr schwer passierbar ist (siehe Google-Bild auf meiner Webseite). Mein ursprünglicher Plan war es ja talabwärts zu wandern, dann lägen noch etwa 100 Kilometer unbewohnte Wildnis vor mir bis zu meinem Trekende am Rio Yapacani. Ich glaubte zwar daß das Flußbett unterhalb der Wasserfallsabbruchkante deutlich leichter und schneller bewanderbar ist, aber das war eben nur ´ne Vermutung. Aufgrund der Tatsache daß ich jetzt sowieso schon mit über 2 Tagen im Rückstand bin und meiner Vermutung daß ich für die nächsten paar Kilometer bis unterhalb des Abbruches auch nochmal zwei Tage brauchen könnte, kam ich zu dem Schluß daß mein Proviant nicht bis zum Rio Yapacani reichen könnte. Und falls danach noch weitere unerwartete Schwierigkeiten auftauchen sollten schaffe ich es auf gar keinen Fall!

Ich sah keine andere Möglichkeit mehr als mir eine neue Route zu überlegen. Das war aber relativ schnell erledigt, denn anstatt flußabwärts wollte ich nun flußaufwärts wandern, auch wenn ich überhaupt nicht wusste was mich dort erwarten würde. Dann hätte ich aber auf jeden Fall einen wesentlich kürzeren Weg zurück in die Zivilisation.
Ein Stückchen weiter schlug ich mein Zelt am Flussbett auf.

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5. und 6.Tag:
Die nächsten zwei Tage wanderte ich also die spektakuläre kurvige Schlucht des Rio Barrientos aufwärts, dabei meist im Wasser watend, oft knie- bis hüfttief. Es war eigentlich mehr Canyoning als Trekking, oder eine Mischung aus beidem.

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Zahlreiche tiefe Pools blockierten an enge Schluchtabschnitte das Weiterkommen. Einige davon, bestimmt sechs oder sieben, waren nur schwimmend durchquerbar. Glücklicherweise war es hier aber möglich im sehr harten Steilhang-Dickicht- Geplackere daran vorbeizuklettern. Das hat aber jedesmal viel Zeit gekostet. Natürlich wäre ich da viel lieber durchgeschwommen, das wäre einfacher und schneller. Mir hat aber eine aufblasbare Luftmatratze gefehlt um mein Gepäck trocken dort rüberzubekommen.

Bei einem Pool reichte mir das Wasser nur bis zum Hals. Das mühsame Vorbeiklettern habe ich mir da zwar gespart, dafür musste ich in mehreren Durchgängen mein ganzes Gepäck auf den Kopf da durchtragen,......und das hat natürlich auch seine Zeit gedauert.

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Ein weiteres Ausrüstungsteil was mir auf diesen Trek gefehlt hat waren Handschuhe. Vom ganzen geplackere durch das mit Dornen bespickte Dickicht waren meine Hände irgendwann ziemlich wund und blutig zerkratzt und in diesem tropischen Klima heilt es ja auch nicht so schnell wieder.

Die Landschaft war natürlich absolut phantastisch! Es ist eine unberührte Wildnis in der nicht die geringsten Spuren von Menschen zu finden waren.
Vertikale, teils rötliche Sandsteinfelsen beflanken an einigen Abschnitten die Schlucht. Wenn der Regenwald nicht wäre könnte dies auch irgendwo in den Canyons von Arizona und Utah sein.
Diese Route ist Abenteuer pur!

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Gegen Abend des sechsten Tages war ich schon nahe am Oberlauf. Das Bachbett verengte sich wieder mal und war mit großen Felsbrocken bestanden, was natürlich ein langsames Vorwärtskommen bedeutete. Vor einer weiteren engen Schlucht fand ich eine flache Stelle im Flußbett wo ich mein Camp aufschlug.

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7. und 8.Tag:
Die vor mir liegende Schlucht sah mir mal wieder zu anstrengend aus, ebenfalls ein Aufstieg auf die mit fast undurchdringlichen Dickicht bestandenen Hügel.
Gestern sah ich etwa eine dreiviertel Stunde wieder zurück schluchtabwärts einen kleinen Nebenbach einmünden. Ich entschied mich diesen aufwärts zu wandern um dann über die Urwaldhügel zum Rio Las Cruces zu gelangen, der mich zurück in die Zivilisation führen sollte.

Das habe ich dann auch gemacht, aber schon nach 15 Minuten endete dieses Bachtal an einer etwa 30 Meter hohen vertikalen Felsstufe. Ich ließ meinen Rucksack erstmal liegen und suchte nach einer Aufstiegsmöglichkeit, die ich 200 m wieder zurück talabwärts auch fand in einen sehr anstrengenden Steilhanggeplackere. Oberhalb der Steilstufe fand ich dann traumhafte Campmöglichkeiten am Bachbett mit paar tiefere Pools zum baden.
Inclusiv der Auskundschaftungszeit habe ich 3 Stunden für die nur 3 Kilometer vom letzten Camp bis hierher gebraucht. Hier blieb ich aber und machte mir einen gemütlichen Nachmittag.

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Der nächste Tag wurde wieder sehr hart durch dichten weglosen Regenwald. Ich suchte mir meinen Weg nach oben und erreichte nach anderthalb Stunden einen offen-grasigen Bergkamm der für ein kurzes Stück gut bewanderbar war. Eine super Aussicht bot sich von oben über das weite unbewohnte Land und durch enge Felsspalten in schluchtige Täler.

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Im Süden auf der anderen Seite des Kammes lag das Talsystem des Rio Las Cruces, dort sah ich erste menschliche Brandrohdungslichtungen und in der Ferne sogar mein Trekende. Ein Abstieg war von hier aus aber nicht möglich und der weitere Kammverlauf war kaum folgbar. Ich musste ein Stück zurück und wieder in den fast undurchdringlichen Dschungel am Oberlauf eines Baches zu einen Pass.

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Auf der anderen Seite kam ich in einen Bachzweig zum Rio Las Cruces. Abends errichtet ich mein Camp im dichten Regenwald. In siebeneinhalb Stunden habe ich heute nur 5 Kilometer geschafft.

9.Tag:
Am Morgen brauchte ich nur noch eine Stunde bis diese von Dschungel überwucherte Bachrinne in den Rio Las Cruces einmündet, ab dann wurde das Vorwärtskommen deutlich leichter im weglosen Flussbett. Ich fand erste menschliche Fußspuren und kurz darauf began ein Pfad, den ich dann für die restlichen 7 bis 8 Kilometer gemütlich talabwärts folgte bis ich auf die Hauptstraße von Santa Cruz nach Samaipata stieß.

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Dies war bis jetzt eindeutig der härteste Trek auf dieser Reise!!!
Es muss aber dazu gesagt werden daß diese Gegend ausserordentlich schön ist und daß sie aufgrund ihrer Größe und Unerschlossenheit ein fast unbegrenztes Trekkingpotential für Abenteurer bietet, das auch weit über die Nationalparkgrenzen hinausreicht!

Ich stand nicht lange an der Straße, dann kam ein Auto vorbei. Am Steuer saß der gleiche Taxifahrer, mit dem ich auf der Hinfahrt von Santa Cruz nach Bermejo gefahren bin. Er nahm mich für 20 Bolivianos (=2 Euro) bis nach Santa Cruz mit, wo wir nach anderthalb Stunden Fahrt ankamen......