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Vollständige Version anzeigen : Baltikum


Isildur
06.02.2011, 22:15
Möglicherweise werde ich dieses Jahr ein paar Monate Zeit haben und denke deshalb über eine längere Trekkingtour bzw. Backpacking nach. Da ich nicht viel Geld ausgeben kann soll es nicht zu weit weg sein und auch nicht zu teuer vor Ort.
Bei den Überlegungen bin ich aufs Baltikum gestoßen, das Meer und die Region interessieren mich irgendwie, auch wenn ich noch keine zu genauen Vorstellungen davon habe.
Ich hatte daran gedacht vll ein paar Tage in einem Hostel zu schlafen und ne Stadt anzugucken(welche lohnt sich besonders? Riga?) und ansonsten mit Zelt/Tarp durchs Land/die Länder zu ziehen und mich dabei auch ein wenig treiben lassen von dem was ich dort vorfinde.
Nun bin ich mir nicht sicher was sich wirklich machen lässt und welches der drei Länder am geeignetsten ist bzw. in wie fern es günstige Verbindungen gibt, sodass man nicht auf eines der Länder festgelegt ist.

Daher wollte ich mal fragen was ihr so für Erfahrungen habt oder welche guten Quellen es gibt? Ist ja nicht gerade das klassische Land(wie z.B. Australien) für solche Vorhaben von daher habe ich bislang beim Querlesen nicht all zu viel gefunden.

Savin Kuk
08.02.2011, 09:51
An Städten lohnen sich vor allem die drei baltischen Hauptstädte:
- Tallinn
- Vilnius
- Riga.
Persönlich haben mir Tallinn und Vilnius etwas besser gefallen als Riga. Die Verbindungen zwischen den Städten sind recht gut (Busverbindungen/Billigflüge). Die Fahrt Tallinn-Riga dauert etwa 5 Stunden, die Strecke Tallinn-Vilnius etwa 10 Stunden (habe ich per Nachtbus gemacht). Über Wanderungen in den Ländern kann ich leider nur etwas über Estland und da auch nur wenig sagen. Gut gefallen haben mir landschaftlich die Insel Sareemaa und der Laheemaa Nationalpark in Estland. Sehr wild soll auch der Soomaa Nationalpark sein, wobei ich es da leider nicht hingeschafft habe. Tendenziell sind alle baltischen Staaten sehr dünn besiedelt, sodass sich einiges an unberührter Natur entdecken lässt. In Estland könnte man ja vom Süden (Sandstrände von Pärnu) bis nach Narva an der russischen Grenze zu Fuß laufen - immer schön die Ostsee lang.

Isildur
08.02.2011, 20:50
Danke für die Antwort. Die Nationalparks werde ich auf jeden Fall mal googlen klingt interessant.

Wie sieht denn die Ostseeküste aus, gibt es da küstennahe Wege? Und wie darf ich mir dünn besiedelt vorstellen, trifft man dort vereinzelt auf Gehöfte oder kleinere Städte? Wie sind die Einheimischen so gegenüber Reisenden? Menschen zu treffen und kennen lernen ist ja auch immer ein sehr schöner Aspekt des Reisens auch wenn dazu der Aufenthalt in den Hauptstädten vermutlich mehr beitragen wird.

Savin Kuk
09.02.2011, 07:27
Was mir noch einfällt: In der Nähe von Tartu gibt es so eine Art Canyon. Habe mich damals leider so lange in der Stadt aufgehalten, dass ich es da nicht mehr hingeschafft habe.

Ob es an der Küste entlang einen durchgehenden Weg gibt, weiß ich leider auch nicht. Wenn nicht, wäre es aber auch nicht so dramatisch, da man sich ja nicht verlaufen kann :D
Deutschland ist ungefähr 8x so dicht besiedelt wie Estland. Dazu kommt noch, dass sich mehr als ein Drittel der estnischen Bevölkerung bereits auf die Städte Tallinn und Tartu konzentriert. Kleinere Städte und Bauernhöfe findet man aber überall. Zumindest im Norden wird man sicher nicht mehrere Tage laufen müssen, um wieder in die Zivilisation zu kommen. Der Süden ist allerdings noch dünner besiedelt.

Zur Bevölkerung: Estland und Lettland sind Zweivölkerstaaten, da etwa 33 % (Estland) bzw. ca. 40 % (Lettland) der Einwohner Russen sind. In Litauen finden sich auch starke polnische und russische Minderheiten, allerdings ist es nicht ganz so extrem. Daher findet man natürlich auch sehr unterschiedliche Sprachen und Mentalitäten vor. Die Esten sind von Sprache (ungefähr wie finnisch) und Verhalten (sehr reserviert) her sehr skandinavisch geprägt. Die Russen sind deutlich lebhafter und offener, aber auch für einen Großteil der Straftaten verantwortlich :D
In Ostestland befindet man sich gefühlt in Russland. Estnisch wird da kaum noch gesprochen, mehr als 90 % der Einwohner sind Russen. Sehenswert sind übrigens noch der Peipussee, der Estland und Russland trennt (ist wenn ich mich recht erinnere der fünftgrößte See Europas und viel größer als z.B. der Bodensee). Zudem sollte man in Narva gewesen sein, auch wenn die Stadt ein übler Drogensumpf ist (vor Einbruch der Dunkelheit abreisen). Die estnisch-russische Grenze mit der Hermannsfeste, der Narva und Burg Iwangorod ist echt sehenswert.

Dass ich soviel über Estland schreibe und weniger über Lettland und Litauen liegt daran, dass ich Estland deutlich besser kenne als die beiden anderen Staaten.

alex wolf
10.02.2011, 22:47
hi, ich habe die letzten 6 monate ein auslandssemester in tallinn verbracht. diese stadt kann ich nur empfehlen. meiner meinung nach definitiv schöner als riga und vilnius. ein besuch ist zudem auch sehr lohnenswert, da tallinn europäische kulturhauptstadt 2011 ist und in der stadt ein großes kulturprogramm geboten wird. soweit ich weiss, ist das hauptthema "wasser". also viel entlang des baltischen meeres. weiter wäre haapsalu als nettes kleines städtchen im westen des landes sehr zu empfehlen (übrigens hatte tschaikowski ein sommerhaus dort). zum thema wandern würde ich auf jedfall den süden estlands empfehlen, riesige wälder und kaum bevölkerung. auch würde ich wie schon erwähnt eine der über 1000 inseln des landes besuchen. sicher bietet die größte insel saaremaa die meisten highlights. falls du dich im "bergsteigen" üben willst, empfehle ich auch den größten berg estland (und auch des ganzen baltikums), den suur munamägi, "großer eierberg". dieser ist mit 318m auch ohne bergsteigausrüstung zu bewältigen. an klaren tagen kann man von ihm aus bis nach russland sehen. die esten konnte ich, wie von savin beschrieben, als sehr reserviert kennenlernen, aber dennoch sehr freundlich. falls du ein paar nächte in tallinn bleiben willst, das backpackers hostel ist ziemlich cool, aber auch couchsurfing ist in estland ein begriff!

Isildur
14.02.2011, 09:18
Ihr seid echt super, vielen vielen Dank für die ganzen Informationen! Estland scheint ja wirklich sehr schön zu sein, muss ich auf jeden Fall hin.
Wie sieht es eigentlich sprachlich aus, kommt man mit Deutsch, Englisch und viel gutem Willen durch oder ist es doch sehr anzuraten ein paar Brocken Russisch oder Estnisch zu lernen?
Und wie siehts in diesen Ländern eigentlich für Anhalter aus? Bin noch nie so gereist aber es würde sich ja förmlich aufdrängen um ein wenig herum zu kommen, ist die Gegend dafür dort sicher genug(klar kann immer was passieren, aber in Skandinavien z.B. hätte ich keine Bedenken).

alex wolf
14.02.2011, 12:24
also sprachlich kam ich in estland und lettland mit englisch und deutsch schon recht weit. in estland wird russisch manchmal auch garnicht gerne gehört. eher in lettland und litauen, von daher wären ein paar leichte russisch kenntnisse von vorteil, würde ich mal sagen. wegen der sprache würde ich dir die kleinen marco polo reise-heftchen empfehlen, da gibt es dann auch meist einen vokabelkapitel mit sinnvollen wörtern und sätzen.
zum thema trampen kann ich dir leider nicht weiterhelfen. bzw habe ich während eines roadtrips und bei busreisen in die anderen länder nicht so viele tramper entdeckt.

Margarete
19.07.2011, 21:20
Hallo Ihr, die ihr euch so gut auskennt im Baltikum...
Wir wollen von Riga nach Tallin und haben 14 Tage Zeit dafür. Für die Routenplanung fehlt uns jedoch noch ne wichtige Information: Wie stehen die möglichkeiten Essensvorräte aufzufüllen und wie gestaltet sich die Sache mit dem Trinkwasser. Wir wollen möglicht ausschliesslich wildcampen und viel Natur erleben.
Bitte gebt mir doch noch einige Informationen

DAnke

Savin Kuk
20.07.2011, 07:43
Die Strecke Tallinn-Riga kenn ich leider auch nur mit dem Bus :D
Der Nachkauf von Nahrungsmitteln dürfte kein Problem sein, da genügend Städte auf dem Weg liegen. Trinkwasser kann ich nicht beurteilen. Feuchtes Klima hat das Land sicher genug. Problematisch könnte allenfalls das sowjetische Erbe sein, das vermutlich die ein oder andere Umweltsünde mit sich bringt.