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Vollständige Version anzeigen : Orientierung und Sicherheit


adtp
12.03.2010, 15:41
hi,
ich weiß garnicht wo ich anfangen soll, lese hier schon ne Weile mit allerdings hab ich wenig allgemeinwissen was grenzen, visum etc. angeht.
Aber kurz zu den Gegebenheiten, ich bin 21 und habe bevor ich mich fest binde auf jeden Fall noch nen Trekk/Tramp vor:
ich kenne eine Familie in Bangladesch die ich im Sommer gerne besuchen würde, Flugticket einfach kostet ja ca. 250-400€.
Es klingt vllt. komisch, aber ich würde den Weg zurück gerne zu Fuß bzw. am Ende je näher ich D komm mit trampen bewältigen. Diese Idee ist keine Eintagsfliege und ich treff auch schon Vorbereitungen diesbzgl, also fit bin ich und meine Ausrüstung ist zwar nicht profesionell (Billigzelt), aber erprobt. Hab z.B mal ne 2 Tagestour gemacht, mit Umwegen ca. 60km nach Frankreich, im Wald pennen und am nächsten Tag nach Hause zurück. Ansonsten hab ich zwar keine extremen Trekkingerfahrungen, aber im Grunde auch kein Neuling.

die Wichtigsten Dinge, die ich schon kenne: Neben Zelt, Isomatte, Klamotten, Nüssen,Öl und Kocher werd ich nen Wasserfilter, Wasseraufbereitungstabletten, Kohletabletten,Durchfallmittel, Elektrolytlösung,Breitbandantiniotikum und die übl. Hausapotheke mitnehmen.

wo ich beim Planen allerdings stecken bleibe ist

1)Orientierung: wie macht ihr das? Touristenwege wird es keine durchgehenden geben, ich dachte an ein paar wenige große Karten mit den größten Städten und die per Kompaß nacheinander durchlaufen. Kann das funktionieren oder gibts was Besseres? (Gps zu teuer...)

2)Visum/Grenzen: Russland hab ich gefunden ist ganz schlecht weil man da Aufenthaltsorte angeben muss. Daher dachte ich dass der Rückweg über die Türkei geht. wie sieht es mit allen anderen Staaten aus? Muss ich da vorher was organisieren oder reicht es den Reisepaß mitzuführen?

3) Geld: zu Hause schon etwas umtauschen in alle benötigten Währungen und einen kleinen Not-Euro-Puffer falls es zu Engpässen kommt?

4) Versicherung: Ich hab ne normale Auslandskrankenversicherung, reicht das? Bin ich auf der sicheren Seite wenn ich immer soviel Geld hab dass es notfalls für nen Rückflug nach D reicht?

5) Sicherheit: ich möchte/muss immer wild zelten, wenn man die normalen Dinge beachtet kommt man damit gut durch? Oder steht da Todesstrafe in manchen Ländern drauf? (sonst denke ich sind da die korrupten staatsdiener einfach zu besänftigen)

die Route soll durch folgende Länder führen, Näheres (noch nicht) geplant, da ich erst schauen muss wie es um die obigen 5 Punkte steht:
Mangladesch, Indien, Nepal, China, Tadschikistan, Usbekistan,Turkmenistan,Iran,Türkei,Bulgarien,Rumä nien, Ungarn, Österreich, Deutschland

lieber wär mir:
Bangladesh,Indien, Nepal, China, Kasachstan,Russland, Ukraine,Polen, Tschechien, Deutschland

beim Zweiten würd ich die "Krisengebiete" besser umlaufen und auch am Aralsee (wollt ich schon immer mal hin) vorbeikommen, allerdings weiß ich es nicht wegen dem Visum.

Kann mir jemand allgemein Gesetze/Erfahrungen/Tipps geben wie man als plan&fast geldloser dtsch Touri mit Wildzelten durch die Welt kommt?
Ich habe noch 2 Interessenten die evtl. wenns zeitlich hinhaut mitgehen (ist sicher besser), falls alle Stränge reißen will ich sowas aber auch alleine durchziehen.

vielen Dank für Anregungen!

selmer
01.05.2010, 12:14
Hi adtp!

Wahnsinn, was für ein Projekt du da vorhast!:up: Wieviele Monate planst du denn, unterwegs zu sein? Habe leider keine ähnliche Reiseerfahrung, nur hier und dort ein paar Tipps und Überlegungen zu den einzelnen Punkten:


Orientierung in Südasien: dürfte kein Problem sein, denn Bangladesch wie auch Indien sind überbevölkerte Länder, wo man NIE alleine ist. ;) Man kann immer wen fragen (d.h., in den allermeisten Gebieten). In (W-)China / Russland / Ukraine ist's bisschen weniger dicht besiedelt, ein paar Karten zu besorgen und v.a. die ungefähre Route voraus zu planen kann nicht schaden. Z.B. wenn du nach China/Tibet einreist von Nepal aus und wahrscheinlich über Sinkiang nach Kasachstan ausreisen möchtest, gibt's dort je nach dem laaaange Strecken durch die Wüste (Taklamakan!) und/oder über aride Hochplateaus (z.B. Kunlun Shan), wo ich ehrlich gesagt nicht zu Fuss gehen möchte! (höchstens per Kamel oder Pferd... oder Kraftfahrzeug)
Visum / Grenze:


Bangladesch Reisehinweis: Als AusländerIn muss man an jenem Grenzpunkt wieder ausreisen, über den man eingereist ist. Was heisst, wenn du mit dem Flieger in Dhaka gelandet bist, müsstest du auch wieder per Flieger von Dhaka aus das Land verlassen. ABER man kann einen Antrag stellen, dass man an einer anderen Grenze ausreisen möchte. Ich weiss leider nicht genau, wo man den Antrag stellen muss, aber ich schätze mal, die B'deschi Botschaft in D kann dir Auskunft geben, ob schon bei der Visumsbeantragung oder erst im Land beim Home Ministry direkt.
Russland: Vor ein paar Jahren war's noch so, dass man sich registrieren lassen musste, wenn man an einem Ort länger als 48h (oder waren's 72h?) aufgehalten hat. Deswegen muss man bei der Visumsbeantragung auch die Orte angeben. Heutzutage sind sie allerdings weniger strikt, und wenn du "nur" durchreist, qualifizierst du nicht für die Registrierung, und drum würde ich mir keine Sorgen machen wg. allzu strikten Reisebedingungen. -pfeil- www.waytorussia.net (http://www.waytorussia.net) ist ein exzellentes Reiseforum für Russland, wo man alle nötigen praktischen Tipps bekommen sollte.
Visa: Für alle Länder ausserhalb Europas zwischen Bangladesch und der Türkei brauchst du ein Visum! Für Nepal kriegst du's an der Grenze, für alle anderen Länder musst du's vorher beantragen (nicht ganz billig! es läppert sich...).


Geld: Not-Europuffer kann nicht schaden, aber ich würd' nicht zuviel Bargeld rumtragen. In all diesen Ländern gibt's schon Bankomaten in den Kleinstädten, meist funktionieren sie auch. Also ich würde lieber vor Ort abheben. Übrigens sind Dollarov nach wie vor sehr beliebt, z.b. musst du an der Nepaligrenze das Visum entw. in Dollar oder Euro zahlen, wobei der Betrag in Euro höher ist als der in Dollar. Also ich würde noch ein paar Dollars einstecken.
Versicherung: Nimm auf jeden Fall eine Versicherung, die deinen Rücktransport/Evakuierung ins Heimatland im Notfall (Unfall) deckt. Falls deine normale Versicherung das nicht beinhaltet, gibt's vielleicht so was wie Rega in der Schweiz oder die ÖAV-Versicherung auch in D (DAV?)?
Sicherheit: Wild Zelten: Glaube nicht, dass es Todesstrafe dafür gibt in irgendeinem Land der Welt (ausser vielleicht Singapur und Nordkorea)! Südasien ist allgemein sehr sicher, Russland/Ukraine eigentlich auch, aber in letzteren wäre ich bisschen vorsichtiger wg. Alkoholikern und Kleinkriminellen. Insgesamt sind die Menschen sehr gastfreundlich und werden dich sicherlich auch in ihre Häuser einladen.

Viel Spass, und wir freuen uns schon auf deinen Bericht! :-)

Paanwallah
28.06.2010, 11:45
Leider ist der Plan wenig realistisch. Zu Fuss oder als Tramper kommt man z.Z. nicht von Nepal nach China (via Tibet) und nicht von China nach Kazachstan. Von Bangladesh nach Indien meine ich geht zu Fuss auch nicht.

Rasputin
07.07.2010, 15:57
Vor einiger Zeit lief (ich glaube auf Arte) eine Doku über einen Mann, der mit dem Pferd von der Mongolei nach Ungarn geritten ist. Mit dem Pferd hat er schon 3 Jahre gebraucht, hat einige Wüsten durchquert, hat bei 50°C geschwitzt und bei Frost und Schnee gefroren. Ein paarmal wären ihm fast die Pferde gestohlen worden, und er hat sich plötzlich in einer bewaffneten Auseinandersetzung zwischen Demonstranten und Polizei wiedergefunden.
Landschaftlich wurde es, je näher er nach Europa kam, immer eintöniger, so hat er in der Ukraine zeitweise tagelang nichts anderes als Felder und Monokulturen gesehen, ohne Bäume o.ä.
Deine Strecke dürfte in einigen Teilen seinen Spuren folgen, also mach dir klar, was auf dich zukommt!
Hab spontan einen Artikel bei Spiegel-Online gefunden, der aber nur ganz grob abreißt, was der Mann erlebt hat. Aber vielleicht kannst du ja weitergehende Infos zu seiner Reise googlen :)
http://www.spiegel.de/reise/fernweh/0,1518,507593,00.html

Viel Erfolg und alle Gute,
Rasputin

Eckart
13.07.2010, 12:05
Hi adtp,

hast Du mal die Länge Deiner Route gemessen? Das kommt mir schon ziemlich lang vor. Jedenfalls noch viel länger als die üblichen Weitwanderwege. Wieviel Zeit willst Du Dir nehmen?

Die Auslandskrankenversicherungen haben normalerweise eine zeitliche Beschränkung, oft so 30-45 Tage pro Reise. Es gibt einige, die gehen darüber hinaus. Du solltest Dir die Bedingungen mal genau durchlesen.

Einige der genannten Länder (gerade Bangladesh) gehören zu den ärmsten Ländern der Welt. Dort ist oft nicht einmal die Versorgung der Einwohner mit Lebensmitteln sichergestellt. Könnte durchaus sein, dass Du irgendwo überhaupt nichts kaufen kannst, weil es einfach nichts gibt.

Ich persönlich würde mich eher auf einen Weitwanderweg in den USA, Kanada oder Australien verlegen. Der Abenteuer-Faktor ist da vielleicht nicht ganz so hoch, trotzdem sind das außergewöhnliche Erfahrungen, die nur die allerwenigsten in ihrem Leben machen können.

Hier gibt es eine Menge Anregungen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Weitwanderweg


Viele Grüße, Eckart

selmer
13.07.2010, 18:36
hallo nochmal adpt

aufgrund der vielen (berechtigt) kritischen beiträge möchte ich noch ein paar dinge präzisieren:



grundsätzlich scheint mir deine idee auch etwas naiv. ein roadtrip von b'desh nach europa, das kann ich nachvollziehen. aber alles zu fuss... es sei denn du hast min. 1 jahr oder länger zeit.
die ganze strecke ist zu fuss wohl kaum machbar, denn es gibt tatsächlich abschnitte, die DARFST du einfach nicht zu fuss gehen. z.b. die grenzabschnitte zwischen china und den nachbarländern.
wg. visumsbeschaffung und routenwahl ist es eine planerisch und organisatorisch sehr aufwändige reise. z.b das chinavisum müsstest du schon zu hause organisieren, das geht glaube ich von einem anderen land aus nicht. aber nur schon, um bzgl. visumsangelegenheiten genaue infos zu kriegen, müsstest du ein paar tage recherchen investieren.
gernzabschnitte, die auf der karte erscheinen, sind in der tat nicht immer offen, können zeitweilig gesperrt sein oder überhaupt für nicht anrainerInnen nicht benutzbar. ob Nepal - Tibet im moment zu ist, ist mir nicht bekannt, aber das liesse sich wohl leicht rausfinden.

habe eh schon viel geschrieben, drum lass ich's dabei. falls du deinen schwerpunkt aufs REISEN an sich legen willst, dann mach die reise und mach das zu fuss gehen keine unverrückbare bedingung. falls du WEITWANDERN möchtest, dann wähle eine andere route, wie Eckart es vorschlägt. sind 2 ziemlich unterschiedliche dinge, welche sich gegenseitig zwar nicht ausschliessen aber v.a. in diesen weltgegenden bei weitem auch nicht decken.

Alchimik
05.10.2010, 15:38
Liebe Freunde,

auch wenn diese Diskussion schon etwas älteren Datums ist, würde ich gerne noch einen Kommentar dazu geben. Wandern in Zentraasien ist wohl möglich, aber nicht ungefährlich. Schnell kann man auch als (neutraler) Deutscher in unangenehme Situationen kommen, man braucht also etwas Erfahrung. Sprachkenntnisse sind sehr empfehlenswert (Russisch oder eine Turksprache) für so ein Vorhaben. Bei Bus- oder Bahnreisen bzw. Reisen in Gruppe und/oder mit Führer ist das weniger tragisch. Landschaftlich und vom Erlebnis sicherlich einmalig, dein Vorhaben, wenn du es wirklich machst.

Ich selber bin zu Fuss in die andere Richtung unterwegs - von Deutschland nach Kirgistan. Wir gehen aber zu zweit. Allerdings machen wir das in kleineren Einzeletappen und über einige Jahre hinweg. Ich gehe zusammen mit meiner Frau, die in Kirgistan geboren ist. Aber wir machen uns auch unter diesen etwas entspannteren Umständen keine Illusionen: diese Strecke ist kein Spass, sondern eine grosse, schöne Herausforderung.

Bitte lass uns wissen, ob du diese Wanderung wirklich immer noch angehen willst.

Beste Grüsse,
Alchimik