Daniela
28.12.2009, 14:23
Hallo an alle (Gebirgs)-Mediziner hier im Forum,
ich hätte da mal eine medizinische Fachfrage. Wie der eine oder andere vielleicht gelesen hat, bin ich Tierärztin. Neulich im Notdienst hatten wir einen Hund nach einem Jagdunfall mit Schädelverletzung und Hirnödem. Unsere gängige und gut funktionierende Therapie zur Senkung des Ödemdrucks ist die Gabe von Dexamethason und Furosemid.
Natürlich rattern dann auch immer die grauen Zellen, was man dem Tier noch alles gutes tun könnte. *bingo* dachte ich, haste doch was von Diamox im Forum gelesen, was gegen Hirnödem bei Höhenkrankheit genommen wird. Stellte sich natürlich die Frage, warum wir das nicht auch benutzen. Nebenbei gesagt, es ist alles andere als ein gängiges Vetmed-Präparat.
Also Fachbuch raus und nachgelesen... um dann anschließend Diamox sein zu lassen und weiter mit Furosemid und Dexamethason zu arbeiten. Der Hund hat´s übrigens gepackt.
Jetzt stellt sich mir die Frage, wo genau der große Vorteil von Diamox bei der Höhenkrankheit liegen soll??? Warum nimmt man da nicht auch lieber Furosemid? Welchen besonderen Mechanismus macht man sich ausgerechnet mit Diamox zu nutze, den ich übersehen habe? Oder nimmt man es nur, weil man "es schon immer so gemacht hat" und einer vom anderen immer schön brav abschreibt???
Ich zitiere mal aus Löscher/ Ungemach/ Kroker: Grundlagen der Pharmakotherapie bei Haus- und Nutztieren:
"...Somit haben Carboanhydrasehemmer im Vergleich zu anderen Diuretika nur einen geringen diuretischen Effekt, der weiterhin durch eine sich infolge der renalen Bicarbonatverluste in wenigen Tagen entwickelnde metabolische Azidose begrenzt wird. Als Carboanhydrasehemmstoff ist heute nurmehr Acetozolamid (Diamox, H.M.) im Handel. Acetozolamid hemmt auch in anderen Organen die Carboanhydrase, die z.B. eine Rolle bei der Bildung des bicarbonatreichen Kammerwassers im Auge oder in der Pancreassekretion spielt.
Anwendungsgebiete: Wegen der begrenzten Wirksamkeit hat Acetozolamid als Diuretikum keine Bedeutung mehr. Hauptindikation ist der akute Glaucomanfall. (...)
(...) Nebenwirkungen: Hyperpnoe durch Anstieg der CO2-Spannung, (...), metabolische Azidose."
Acetozolamid wird außerdem unterstützend bei der Korrektur einer Alkalose eingesetzt, wobei die renale Bicarbonatausscheidung erhöht wird.
Deswegen: Warum immer noch Diamox? Wer zeigt mir meinen Denkfehler?
VG
Daniela
ich hätte da mal eine medizinische Fachfrage. Wie der eine oder andere vielleicht gelesen hat, bin ich Tierärztin. Neulich im Notdienst hatten wir einen Hund nach einem Jagdunfall mit Schädelverletzung und Hirnödem. Unsere gängige und gut funktionierende Therapie zur Senkung des Ödemdrucks ist die Gabe von Dexamethason und Furosemid.
Natürlich rattern dann auch immer die grauen Zellen, was man dem Tier noch alles gutes tun könnte. *bingo* dachte ich, haste doch was von Diamox im Forum gelesen, was gegen Hirnödem bei Höhenkrankheit genommen wird. Stellte sich natürlich die Frage, warum wir das nicht auch benutzen. Nebenbei gesagt, es ist alles andere als ein gängiges Vetmed-Präparat.
Also Fachbuch raus und nachgelesen... um dann anschließend Diamox sein zu lassen und weiter mit Furosemid und Dexamethason zu arbeiten. Der Hund hat´s übrigens gepackt.
Jetzt stellt sich mir die Frage, wo genau der große Vorteil von Diamox bei der Höhenkrankheit liegen soll??? Warum nimmt man da nicht auch lieber Furosemid? Welchen besonderen Mechanismus macht man sich ausgerechnet mit Diamox zu nutze, den ich übersehen habe? Oder nimmt man es nur, weil man "es schon immer so gemacht hat" und einer vom anderen immer schön brav abschreibt???
Ich zitiere mal aus Löscher/ Ungemach/ Kroker: Grundlagen der Pharmakotherapie bei Haus- und Nutztieren:
"...Somit haben Carboanhydrasehemmer im Vergleich zu anderen Diuretika nur einen geringen diuretischen Effekt, der weiterhin durch eine sich infolge der renalen Bicarbonatverluste in wenigen Tagen entwickelnde metabolische Azidose begrenzt wird. Als Carboanhydrasehemmstoff ist heute nurmehr Acetozolamid (Diamox, H.M.) im Handel. Acetozolamid hemmt auch in anderen Organen die Carboanhydrase, die z.B. eine Rolle bei der Bildung des bicarbonatreichen Kammerwassers im Auge oder in der Pancreassekretion spielt.
Anwendungsgebiete: Wegen der begrenzten Wirksamkeit hat Acetozolamid als Diuretikum keine Bedeutung mehr. Hauptindikation ist der akute Glaucomanfall. (...)
(...) Nebenwirkungen: Hyperpnoe durch Anstieg der CO2-Spannung, (...), metabolische Azidose."
Acetozolamid wird außerdem unterstützend bei der Korrektur einer Alkalose eingesetzt, wobei die renale Bicarbonatausscheidung erhöht wird.
Deswegen: Warum immer noch Diamox? Wer zeigt mir meinen Denkfehler?
VG
Daniela