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Vollständige Version anzeigen : Hayduke Trail Erfahrungen 1


wanderfalke
03.11.2009, 20:29
Ich bin gerade zurück von einer 2-monatigen Wanderung auf dem Hayduke Trail der das Colorado Plateau in Utah und Arizona quert. http://www.hayduketrail.org/
Der Hayduke ist kein markierter Wanderweg, der Großteil der Strecke verläuft abseits von Straßen und Wegen querfeldein, wobei man meistens einem Canyon folgt.

Ich möchte jetzt keinen Erlebnisbericht einstellen, sondern von einigen Erfahrungen und Einsichten berichten, die vielleicht nützlich sein können, wenn jemand einen Trek in der Gegend plant, wie bereits hier im Forum geäußert.

1. Vorbereitung

Ich habe mich ungefähr 9 Monate mit der Planung beschäftigt. Ganz solange braucht man nicht unbedingt, aber der Hayduke Trail ist keine Route die man relativ sponatan angehen kann.
Ich habe keinen anderen Hayduke Wanderer getroffen, die Route wird selten begangen.
Die Originalroute basiert auf Versorgung mittels vorher angelegten Depots. Da die meisten Wanderer zur Versorgung in die Orte trampen, weichen die meisten von dieser Route ab. Ausserdem werden manche besonders schönen Gegenden wie der Bryce Canyon NP vom Original Hayduke nur am Rand berührt.
Es ist daher durchaus sinnvoll teilweise von der im Führer beschriebenen Route abzuweichen.

2. Reisezeit

März/ April: Zu der Zeit sind wohl die meisten Wanderer unterwegs. Vorteile: Meist mehr Wasser bedingt durch die Schneeschmelze, kühlere Temperaturen, geringe Flashfloodgefahr da außerhalb der Gewittersaison. Nachteile: Unter Umständen viel Schnee in den Bergen sowohl bei einem Start im Westen als auch im Osten gelangt man streckenweise in Höhen, wo um diese Zeit meist noch viel Schnee liegt. Über weite Strecken folgt man Flüssen wie Escalante, Dirty Devil und Paria, die häufig überquert werden müssen, was bei höheren Wasserständen schwierig sein kann. Kühe in den Canyons, die das Wasser verschmutzen. Instabileres Wetter mit generell mehr Wind.
September/ Oktober: Vorteile: Keine Schneeprobleme, größtenteils stabiles, schönes Wetter, Wasserstellen eventuell durch Sommerregen aufgefüllt, kaum Kühe, da die um diese Zeit in den Bergen sind. Nachteile: Anfangs sehr heiß! Es muss mehr Wasser als im Frühling getragen werden, bis ca. Mitte September Flashfloodgefahr, unsicherere Wasserversorgung.

Der Führer: Das Wichtigste: Die permanenten Wasserstellen sind meist korrekt beschrieben. Allerdings darf man sich nicht zu 100 % darauf verlassen, so fand ich im Indian Creek der eigentlich laufen sollte, nur ganz sporadisch stinkende Wasserläufe. Im Fable Valley, wo ebenfalls laufendes Wasser sein soll, war kein Tropfen vorhanden, ich habe nur 2 tote Kühe gesehen, denen sicher das Wasser ausgegangen ist.
Manche Stellen werden sehr gut beschrieben, ( Abstieg von Tarantula Mesa), andere nur sehr spärlich, obwohl sie durchaus schwierig sind. Mitunter sind Wege auch nicht mehr vorhanden, bzw. in anderen Kuhpfaden untergegangen (Kaiparowits Plateau)
Nichts desto trotz würde ich empfehlen, die Karten und Beschreibungen aus dem Führer als Kopien mitzuführen.

So, ich höre jetzt erst mal auf. Schreibt doch bitte, ob ihr Interesse an einer Fortsetzung habt, (Karten, Ausrüstung, Versorgung, Permits u.s.w.)

AndreasW nicht eingeloggt
06.11.2009, 19:16
Schreibt doch bitte, ob ihr Interesse an einer Fortsetzung habt, (Karten, Ausrüstung, Versorgung, Permits u.s.w.)
Interesse?

Ich schon... haben doch solche Beiträge dieses Forum anno dunnemals mal ausgezeichnet und dem geneigten Leser attraktiv gemacht... trekkingforum.com/grafiken/trekkingforum.jpg

Danke!
Andreas

Eckart
09.11.2009, 14:39
Hallo Wanderfalke,

klar ist das interessant. Kann zwar z.Zt. aus familiären Gründen keine solchen Touren machen. Aber ich finde es immer spannender, mal über solche ausgefallenen Themen zu lesen als den 300sten Vogesen-Thread... ;)

Viele Grüße, Eckart

wanderfalke
09.11.2009, 20:08
3. Karten

Ein Thema über das ich mir lange den Kopf zerbrochen habe. Anders als bei bekannteren Strecken wie dem PCT, die recht gut markiert sind und die man zum Großteil lediglich mit Karten aus einem Führer angehen kann, kommt man auf dem Hayduke alleine mit Führer auf keinen Fall zurecht.
Leider gibt es in den USA heutzutage lediglich topographische Karten in 1:100.000 oder 1:24.000, nicht aber in 1:50.000. Die Hunderttausender Karten, sind für viele Abschnitte zu grob, von den 24.000 bräuchte man um die 100 Blätter für den ganzen Weg, eine Ausgabe von locker über 1000 € !
Schließlich entschloss ich mich eine CD mit Karten von ganz Utah zu erwerben, und die Strecke dann auszudrucken. Um Papier = Gewicht zu sparen, habe ich die Ausdrucke durchgängig in 1:50.000 gemacht und an kritischen Punkten mit Wegpunkten für das GPS versehen.

Mein Fazit: Mit der Kombination von Führer, Kartenausdrucken und GPS-Wegpunkten bin ich zurecht gekommen. Ohne GPS hätte ich mir an etlichen Stellen einen größeren Maßstab gewünscht.
In den Nationalparks wie Canyonlands, Bryce und Grand Canyon hatte ich zusätzlich noch die entsprechenden Karten, was sich als sinnvoll herausstellte, da man mit einem größeren Kartenausschnitt flexibler bei der Routenwahl ist, was zum Beispiel bei Wasserproblemen durchaus notwendig sein kann. Bei den Kartenausdrucken darf man auch nicht zu eng auf die eigentliche Route fixiert sein, wie ich einmal lernen durfte :redface:

4. Ausrüstung

Der Rucksack darf im Volumen nicht zu klein sein, vor allem um Wasser und Proviant zu verstauen (und die viel zu schwere Fotoausrüstung:redface:). Daher schieden für mich die leichten Rucksäcke aus, die sonst gerne in den USA von Langstreckenwanderern verwendet werden. Ein niedrigvolumiger Rucksack zwingt dazu, lange Tagesstrecken zu laufen.
Als Matte hat mir eine mit 136 g sehr leichte und dünne Isomatte ausgereicht. Der Schlafsack sollte auch bei Temperaturen um den Gefrierpunkt wärmen. Ich hatte einen aus Daune, der 888 g auf die Waage bringt. Aus hygienischen Gründen verwendete ich ihn mit einem leichten Inlett.
Häufig habe ich unterm freiem Himmel geschlafen, allerdings hatte ich auch ein mit 930 g sehr leichtes, einwandiges Zelt ohne Boden dabei, worüber ich auch bei einigen Gelegenheiten froh war. ( Gewitter mit Hagel, Wind).
Gekocht habe ich mit einem Hobokocher, der mit kleinen Ästchen sehr effektiv arbeitet. Brennstoff musste ich daher nicht mitführen.
Für mich waren meine Wanderstöcke bei vielen Gelegenheiten eine große Hilfe.
Als Wärmereserve, die ich manchmal zu schätzen wusste, hatte ich eine leichte Daunenjacke (520 g) dabei.
Für den Wassertransport habe ich 2 l Platyphus Beutel benutzt, die mit 28 g pro Stück sehr leicht sind. Allerdings sollte man etwas Reserve haben. Von 5 Beuteln haben bei mir nur 2 den Trip überlebt!
Das Schuhwerk hat mir ebenfalls viel Kopfzerbrechen bereitet. Allgemein kann man sicher sagen, dass der Hayduke für jede Art von Schuhen eine Herausforderung ist. Ich habe mich schließlich für Lederstiefel entschieden, die allerdings auch am Ende der Wanderung fertig mit der Welt waren. Besonders der doch recht häufige Wechsel aus Nass werden bei Bachdurchqerungen (Escalante und Paria sind hier besonders zu nennen) und ultraschnellem Trocknen in der Hitze ist sehr beanspruchend.
Ich bin nicht überzeugt, ob Laufschuhe in dem Gelände das Richtige sind, aber die Gewichtsersparnis ist ein starkes Argument!
Zur Wasserentkeimung hatte ich Aqamira dabei, habe es jedoch nur selten benutzt. Das ist sicher der Horror für viele Leute, das Wasser aus den Canyons unbehandelt zu Trinken, aber ich hatte damit keine größeren Probleme.

Im nächsten Kapitel: Versorgung und Permits

Tasman
15.11.2009, 11:33
Hi,
wirklich sehr interessant! Da ich noch nie etwas von diesen Trail gehört hatte, lese ich mit großer Neugier und überlege sogar schon, ob dies das nächste Übersee-Projekt wird.
Also bitte weiter ausführliche Infos ;)
Grüße,
Kevin

wanderfalke
17.11.2009, 18:30
Versorgung:

Wie schon geschrieben, war der Hayduke ursprünglich als reine Wildnisroute gedacht, die nur mit vorher angelegten Verpflegungsdepots bewältigt werden kann. Allerdings laufen die meisten Leute und auch ich den Trail mit einer anderen Strategie. Zwar führt die Strecke sozusagen nie durch Orte, man quert aber doch regelmäßig eine Piste oder Straße. Zwar war ich nicht sicher, ob das Trampen auf einer abgelegenen Erdstraße wie dem Burr Trail oder der Hole in the Rock Road eine gute Idee ist, aber für mich war es kein Problem Mitfahrgelenheiten vom Trail und zurück zum Trail zu finden. Lediglich auf der asphaltierten Straße Highway 89 in der Nähe von Kanab war das per Anhalter fahren schwierig. Auf befahreneren Strecken ist es sinnvoll, an Tankstellen etc. potentielle Mitfahrgelegenheiten persönlich anzusprechen, statt nur den Daumen rauszuhalten.
Den Colorado im Grand Canyon habe ich übrigens zweimal per Raft überquert. In der Regel sind die Rafter sehr freundlich und setzen einen über, wenn man an einer günstigen Stelle wartet. Beim zweiten Mal musste ich allerdings 4,5 Stunden auf einen Lift warten.
Im Schnitt habe ich mich einmal pro Woche neu verpflegt, die Etappen lagen zwischen 5 und 10 Tagen.
In den kleinen Orten wie Boulder ist das Sortiment im Laden zwar begrenzt, aber man kann durchaus damit zurecht kommen, wenn man bereit ist, auch mal Cornflakes statt Müsli zu frühstücken. Ich halte es auf dem Hayduke für unnötig Verpflegungspakete per Post zu verschicken, wie es auf anderen langen Strecken in den USA üblich ist.
Mein Frühstück bestand in der Regel aus Granola= Müsli mit Kaffeeweißer= Milchpulver und Erdnussbutter. Unterwegs gab es dann Trailmix= Studentenfutter, was man in den USA in zahlreichen Varinanten überall findet. Abends habe ich dann Sphagetti mit Tütensoße und Olivenöl gegessen.

Permits:

Sowohl für die Nationalparks als auch andere Schutzgebiete wie beispielsweise das Grand-Staircase Escalante National Monument braucht man im Prinzip eine schriftliche Erlaubnis wenn man mit Übernachtungen wandert. Da diese jeweils mit Datum versehen werden müssen, wäre eine solche Wanderung so detailliert vorzuplanen, dass es weder realistisch ist, noch Spass macht. Solche längeren Touren haben für mich viel mit Freiheit zu tun, eine detailierte Zeitplanung würde dieses Gefühl stark beeinträchtigen!
Nichts desto trotz habe ich mir für eine Teilstrecke im Grand Canyon und den Paria Canyon das Permit vorab besorgt, was online relativ problemlos möglich ist.
Allerdings würde ich das nicht noch einmal machen, aus den oben genannten Gründen. Ich halte es für besser lieber eine kleine Routenänderung zu machen und so beispielsweise in den Grand Canyon direkt am North Rim zu starten. Im Capitol Reef Nationalpark und außerhalb der NP sind die Erlaubnisse umsonst zu haben. Selbst wenn dort man ohne unterwegs ist, sollte es kein Problem geben. ( Ich bin mit einem Ranger im Grand Staircase Escalante zum Beginn meiner Etappe über das Kaiparowits Plateau getrampt. Als er merkte, dass ich kein Permit habe, hat er mir eines ausgestellt!). In den kostenpflichtigen Nationalparks kostet das Permit 10 $ plus 5 $ pro Nacht. Wird man ohne erwischt, sind 100 Dollar Strafe fällig.