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Vollständige Version anzeigen : flutwelle bedroht das Dorf Tal auf der Annapurnarunde


Andrees
16.07.2009, 12:48
Tal ist in einem ganz engen Tal eingeschlossen wobei am Ende eine früherer felsrutsch einen art natürlichen Damm gebildet hat. Schon vor drei Jahren schwappte eine Flutwelle in das Dorf und zerstötrte mehrere Häuser.
jetzt droht noch eine viel größere http://www.kantipuronline.com/kolnews.php?&nid=204530

hhhannes
16.07.2009, 15:43
Hallo Andrees,

ich kann in dem wenig aussagenden Artikel in der Kantipur-online nichts über eine Flutwelle finden ?
Das wundert mich nicht, da oberhalb der Siedlung Tal keine plötzlich aufstauende Barriere vorhanden ist.
Unterhalb bzw. südlich von Tal befindet sich der von dir erwähnte postglaziale Bergsturz, der die besagte Steilstufe ausbildet und für die Aufschotterung des nördlich liegenden Talgefäßes sorgt. Auf dieser flachen und relativ großflächigen Schottersohle ist die Siedlung Tal gebaut. Ohne den Bergsturz hätten wir dort eine nicht besiedelbare Schlucht.
Eine Gefahr für Siedlungen im Marsyandi-Khola durch plötzliche Flutwellen besteht also eher südlich dieses Bergsturzdamms, nämlich dann wenn er kollabiert. Allerdings ist diese Gefahr auch begrenzt, da sich die dortigen Siedlungen, Jarkhot, Sangde, Bahundanada etc. ja viele Dekameter über der Tiefenlinie befinden.
Das in der kantipur angesprochene Problem der Unterschneidung von Terrassen- und Moränenresten dürfte ebenfalls nicht neu sein, sowas passiert ständig.

Ich glaube es handelt sich einfach nur um saisonale Überschwemmungen des durch den Monsun angestiegenen Flusspegels gepaart mit Sensationsgeilheit eines nicht fachkundigen Journalisten.

Als ich während des Monsuns 2007 in Tal war war ein Großteil des Dorfes ebenfalls überschwemmt. Und die Leute waren ruhig wie Siebenschläfer im Winterschlaf...


Grüße,
Hannes

Jens
16.07.2009, 17:16
Von Schäden in Tal hab ich im November 2007 nicht mehr gesehen.

Andrees
16.07.2009, 18:06
Die Gefahr ist tatsächlich real. Auf den Bildern von Jens kann man noch den weissen Sand sehen, der am südlichen Ende des Dorfes abgeladen worden ist, als dass Wasser meiner Erinnerung nach (was mir die Leute gesagt haben) so ungefähr einen Meter hoch durch das Dorf gezogen ist.
Damals war hatte ein Erdrutsch einen Seitenfluss des Dudh Kola (nördliche von Dharapani auf der Manaslurunde) gestaut und als das Wasser denn Damm dann durchbrochen hat, ist es eben mit einer Flutwelle in den Marysiangi geflossen. Da hinter Tal schon eine Engstelle ist, staute sich eben das Wasser etwas höher. Ich habe persöhnlich noch zerstörte Häuser am Südende von Tal sehen können und mich deshalb bei den Einwohnern erkundigt.
Eine ähnliche Sache ist auch mal vor ungefähr 30 Jahren in Tatopani passiert. Als oberhalb ,zwischen Lete und Ghasa, ein Erdrutsch den Kali Gandaki staute, floss 3 Stunden kein Wasser. Dass kam aber danach mit Karacho an und riss eine große Fläche am Nordende mit mehreren Häusern mit sich. Dieses Areal ist jetzt fast auf Flusshöhe und Lagerplatz mit ein paar Gemüsefeldern. Man kann heruntersehen, wenn man das Tatopani in Richtung Norden verlässt.

Hannes33
16.07.2009, 19:19
2006 wurde auch der ehemalige Weg, der von Tal direkt über die Felsstufe führte zerstört. Die Dorfbewohner haben dann ziemlich schnell den aktuellen weg in den Felsen wiederhergestellt, der ca. 80 Höhenmeter höher als der alte Weg nach Tal führt.
Bin hier allerdings eher der Ansicht von HHHannes und denke, dass es sich hier in erster Linie um eine saisonale Flutung handelte, die vielleicht etwas heftiger als sonst ausfiel (so wurde es mir 2007 erzählt).
Natürlich kann "jederzeit" ein Felssturz den Fluss aufstauen und so eine Flutwelle bilden. Passiert ja in den Alpen (z.B. Wallis) auch immer wieder.

Ich denke aber nicht, dass diese Gefahr mit der aus den neuen, großen und instabilen Moränenseen gleichzusetzen ist, die sich (z.B. im Khumbu) durch die Gletscherschmelze bilden...
lg, Hannes.

hhhannes
16.07.2009, 19:19
Wichtig ist, dass unterschieden wird zwischen normaler Überschwemmung und kontinuierlichen Unterschneidungen der Talflanken v.a. im Lockermaterial was Nachbrüche zur Folge hat. Und auf der anderen Seite plötzliche katastrophenartige Ereignisse mit hoher Momentenergie.
Ersteres tritt sowieso, zweiteres leider immer mal wieder im hohen Himalaya auf.
Orte in Schluchten sind natürlich besonders gefährdet, da die Verengung einen Wasserspiegelanstieg verursacht.

Aus dem kantipur.bericht geht aber nichts von einem "Dammbruch" hervor der weit schlimmere Folgen hat. (Übrigens vom Verhalten ähnlich der GLOFS (Glacier Lake Outburst Floods) zu denen ich hier: http://www.trekkingforum.com/forum/showthread.php?t=14304 mal einen Artikel geschrieben habe.)

Die von dir Andrees erwähnte Katastrophe war 1987 in Tatopani. Seitdem gab es noch weitere solche Ereignisse..
Ich empfehle hierzu für den dens interessiert die Literatur von
Oettinger, P.C. 2003: "Rutschungen im südwestlichen Annapurna Massiv" zu sichten (als pdf).

An dem großen Naturgefahrenpotential des extremsten Hochgebirges der Erde wird sich auch in Zukunft nichts ändern - ein faszinierender Themenkomplex..

Harp Booth
16.07.2009, 20:33
Hallo,

bedeutet "Tal" nicht auf nepalesisch "See"?
Unser Guide berichtete 2006, das große Teile des Dorfes regelmässig während der Regenzeit überschwemmt werden.

Davon betroffen sind vor allem später gebaute Häuser für den Tourismus, bei denen man auf eine sichere Lage wenig Wert gelegt hat.

Die betroffenen Anwohner verlassen während der Regenzeit immer Ihre Häuser (vielleicht auch weil eh kein Geschäft ist).

So hat man es uns berichtet....

Gruss Harald