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Vollständige Version anzeigen : Western Arthur Range / Tasmanien / Australien


Tasman
12.07.2009, 08:50
Western Arthur Range – Eine Feuerprobe

Vor fast drei Monaten begab ich mich in die Western Arthur Range. Durch Beschreibungen und Kartenmaterial hatte ich eine genaue Vorstellung, was mich erwarten würde. Was an Überraschungen und Eindrücken hinzukam, konnte ich nicht erahnen.
Die Western Arthur Range ist ein Felsmassiv im Süd-Westen Tasmaniens / Australien. Ganzjährig ist dieses Gebirge extremen Wetterbedingen ausgesetzt. Doch grade diese Bedingen haben eine Landschaft geformt, die auf der Welt ihres Gleichen sucht. Einer der anspruchsvollsten Trails Australiens verläuft vom einen Ende durch das Gebirge zum Westende. Dort führt er am Fuße der Range durch tiefen Wald wieder zurück zum Ausgangspunkt.

Freitag 10.04.09
In der morgendlichen Dämmerung fuhren wir in einen gecharterten 4WD los. Mit jeder Minute entfernten wir uns von Hobart und tauchten tiefer in den australischen Bush. Nach 3h fuhren wir nur noch auf einer sehr schlechten Sandpiste. Die Straße wurde enger, Schlaglöcher dehnten sich mehr und mehr aus und verschiedene Baumstämme lagen quer über den Weg. Am Scotts Peak ging es mit dem Auto nicht mehr weiter. Wir luden aus und organisierten letzte Abstimmungen mit den Packs und den Schuhwerk. Nun ging es los. Alles andere als aufregend gestalteten sich die ersten 5h. Mühsames Wandern durch Schlamm und Matsch dämpfte die Euphorie ein wenig. Dass das Wetter uns nur Nebel mit Nieseln bescherte, verbesserte unsere Laune nicht wirklich. Der Matsch wurde tiefer und tiefer. Schließlich trat ich bis zu meinen Bauchansatz in den Schlamm und schaffte es schon am ersten Tag meine Klamotten zu durchnässen. Die Temperatur fiel nur gering beim leichten Anstieg. Gegen Mittag hatten wir die erste Herausforderung. Ein Fluss ohne Brücke ermöglichte uns ein frühes Mittagessen während wir berieten, was zu machen sei. Letztendlich vertrauten wir auf schwache Strömung und nicht allzu tiefe Löcher; so wateten wir ohne Probleme hindurch. Auf der anderen Seite setzen wir unseren Weg fort. Es wurde zusehends steiler. Gegen 4Uhr befanden wir uns mitten im Hang des Felsmassives. Da der Nebel hier so dicht war, konnten wir leider nur 5m weit sehen, sodass jegliche Aussicht auf sich warten ließ. Die Temperatur fiel hier deutlich schneller. Gegen 6Uhr abends wurde es dunkel. Und noch immer waren wir im Hang (bildlich in einer Klippe). Keine Möglichkeit Trinkwasser oder eine Möglichkeit zu Zelten zu finden. Dass die Temperatur zudem weiter auf nun 4Grad fiel machte mich nun doch nervös. Mit Taschenlampe ging es nur mühsam weiter vorwärts.
Als wir in der Nacht das erste Hochplateau – mit einer windgeschützten Grube – erreichten, war ich persönlich zutiefst erschöpft. Doch blickte ich auch Stolz auf meine 8h Wandern in kalten, nassen Bedingungen zurück. Besonders stolz blicke ich auf die 1400 Höhenmeter mit vollen Rucksack zurück. Im Zelt schlief ich schnell ein. Es sollte eine ruhige Nacht werden. Am nächsten Morgen fotografierte ich noch schnell im morgendlichen Nebel unsere Campgrube.

Samstag 11.04.09
Der zweite Tag sollte um einiges einfacher werden. Das Wetter war sonnig bei schönen 16Grad und unsere Strecke wies nur leichtes Gefälle auf. Der Untergrund war sehr gut zum Wandern, sodass wir schnell unser Ziel erreichten. Unterwegs konnten wir einen Gletschersee bewundern. Den zweiten den wir daraufhin sahen, wählten wir für unseren privaten Camping Platz aus. Am Rand des Sees bauten wir unsere Zelte auf und unternahmen noch einige kleinen Erkundungen bevor auch der zweite Tag sein Ende nahm. Fazit dieses Tages ist durchweg gut: Schöne Landschaften bei einfachen Wandern und guten Wetter. Genau das richtige nach einen Tag wie es der erste war.
In der Nacht wurde ich noch ein- zweimal von einer kleinen Feldmaus wach, die wohl mein Abendessen noch vernehmen konnte.

Ostersonntag 12.04.09
Auch zu Ostern konnten sich die wirklich schlechten Wetterbefürchtungen nicht bestätigen. Sonnenschein mit milden Temperaturen empfing uns. Dies war auch gut so, da die vielleicht schwierigste Etappe vor uns lag. Aus Berichten wussten wir, dass einige schwierige Situation bevor standen.
Nach einen guten Frühstück (abermals Haferflocken mit Wasser) starteten wir unsere persönliche Feuerprobe. Dass die nächsten 6h mehr forderten, als ich bereit war zu geben, konnte ich mir nicht vorstellen.
Das Erklimmen des ersten Berges war einfacher als erwarten. Obwohl steil und mit einigen leichten Kletterabschnitten gelangen wir zufrieden zur Spitze. Dann jedoch nahmen die Geschehnisse ihren Lauf. Innerhalb von 15min kamen Wolken auf und verdunkelten den Himmel. Die Temperatur fiel auf 2Grad und der Wind peitschte gegen unsere Gesichter. Unser Fehler war es hier nicht wieder umzukehren.
Selbst als der erste Regen fiel waren wir der Überzeugung Herr der Lage zu sein. Knapp 30min später sahen wir uns bei plus minus Null und Eisregen einen Weg gegenüber, der kein Weg war. Mit Kompass und Karte versuchten wir gegen den Wind zu laufen. Zu meinen bestürzen fiel die Temperatur weiter, sodass der erste Schnee fiel. Im Schneetreiben bemerkte ich, dass ich meine Handschuhe vergessen hatte. Unser Tempo war nur noch vergleichbares schleichen. Auch umkehren machte nun kein Sinn mehr.
Vor uns tauchte plötzlich eine Felswand auf. Mindestens 20m tief, hatte sie immerhin keine totalen 180Grad, sondern besaß ein wenig Steigung. Trotzdem war ich hochkonzentriert, da der Eisregen alles eine feine Eisschicht verpasst hatte. Nach 10m fasste ich an einen Aast, der mir vertraulich wirkte. Leider war auch dieser so vereist, dass ich kurzerhand abrutschte und 10m an der Felswand in einen Höllentempo abschlitterte. Zum Glück kam ich mit nur blutigen Händen davon. Auch die nächsten Klettersituationen waren alles andere als einfach. Als wir langsam an Höhe verloren und uns aus den Wolken entfernten, wurde auch das Wetter besser.
Leider sahen wir uns gleich einen anderen Problem gegenüber. Vor uns ragte nun eine metertiefe Schlucht, die wir hinab klettern mussten. Oft ließen wir unsere Rucksäcke als erstes mit Seilen ab und versuchten uns dann selber heil hinab zu bringen. Das Klettern war äußert mühsam und brauchte uns nur sehr langsam voran.
Man kann auf dem Foto diesen Abhang sehr gut erkennen. Nach weiteren Ab und Auf sowie einigen sehr schönen Aussichten erklimmten wir letztendlich den letzten Berg unserer Tagesetappe und schlugen unsere Zelte der Müdigkeit wegen nahe des Gipfel auf. Leider war uns weder ein schöner Sonnenuntergang noch einen schöner Sonnenaufgang gegönnt. Dafür jedoch eine stürmige Nacht. Der Wind peitsche oft gegen mein Zelt. Zeitweise hoben meinen Füße in die Luft ab, da das Zelt vom Wind so stark erschüttert wurde. Obwohl mich der Tag stark forderte, verspürte ich starke Zufriedenheit. Die pure Wildnis und das Gefühl auf sich selbst gestellt zu sein erweckt einen tiefen Abenteuergeist, der nur schwer zu stillen ist.

Montag 13.04.09
Früh packen wir unsere Zelte zusammen. An diesen Montag rechneten wir abermals mit starkem Wetterumschwung, sodass wir ein Zeitpolster haben wollten.
Schon nach einer Stunde fingen die Kletterspiele wieder an. Mittlerweile bin ich jedoch besser geworden und schaffte es relativ zügig einige schwierige Passagen zu bewältigen.
Dieser Tag bot einige Schwierigkeiten; wurde jedoch bei sonnigen Wetter von uns als viel leichter empfunden. Das Problem an diesen Tag war die lange Distanz. Wir wanderten und kletterten über 9h. So legten wir eine beträchtliche Distanz zurück. Am Abend schlugen wir unser Camp an einen Bergsee auf und waren Zeuge eines unglaublichen Sonnenuntergangs.

Dienstag 14.04.09
Schönes Wetter, tiefe Zuversicht, ein gutes Frühstück (Haferflocken mit Wasser UND Beeren aus dem Bush) ließen uns zielstrebig los wandern. Mit dem Wissen den schwierigsten Teil der Range hinter sich zu haben konnten wir nun einen gewissen Stolz nicht mehr verbergen.
Die Etappe am Dienstag ist einer meiner Favoriten. Man erhält Ausblicke auf die komplette Range, die man gelaufen ist und kann abermals viele Gletscherseen bestaunen. Das Foto zeigt die Landschaft, die uns die letzten Tage alles abforderte – die wir zu lieben und zu schätzen gelernt haben! Diese Unberührtheit vermittelt einen freien Geist den man in der heutigen Welt nur schwer empfinden kann.
Leider verletzte ich mein Knie durch einen einfachen Fehltritt. Bewegungsunfähig musste ich mit Hilfe eines Helikopters aussteigen.
Dieses Abschlusserlebnis kann jedoch nichts an meinen Fazit ändern: Es war ein unglaublicher Trip in einer unfassbaren Umwelt!

Musik
27.01.2012, 09:03
Hallo Tasman, dein Bericht hört sich ja hart und faszinierend an- nur leider mit unschönem Ende ...ich fliege in drei Wochen nach Tasmanien, war dort schon einige male und bin schon sehr viel gewandernt. jetzt wollen wir auch die western arthurs range wagen. ich hätte kurz eine frage: ich bin nicht ganz schwindelfrei und nach vielem lesen nicht ganz sicher, ob ich es schaffen kann. sind denn sehr viele stellen extrem exponiert? muss man häufig an "abgründen" entlang wandern? auf die ersten tage freue ich mich sehr, die zwei darauffolgenden hören sich schon sehr hart an...über eine kurze einschätzung von dir würde ich mich freuen.
grüsse aus berlin